Die Vertretbarkeit von Ethnotourismus am
Beispiel der Tuareg der Region Agadez, Republik Niger (Westafrika) -
Eine Evaluation aus Sicht der angewandten Tourismusethik
Dissertation
zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie
an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät
der Karl-Franzens-Universität Graz
eingereicht von
MMag. Harald A. Friedl
am
Institut für Philosophie
2005
Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis ... 22
Abkürzungsverzeichnis ... 22
1. Einleitung ... 27
1.1. Tourismus - (k)ein Problem der angewandten Ethik? ... 27
1.2. Ethnotourismus - eine umstrittene Sonderform des Dritte-Welt-Tourismus ... 29
1.3. Sahara-Tourismus – „Neo-Kolonialisierung“ der Tuareg-Nomaden? ... 31
1.4. Die Fragestellungen ... 32
1.5. Angewandte Forschungsmethoden ... 34
1.5.1. Tourismusforschung als multidisziplinäres Unterfangen ... 34
1.5.2. Teilnehmende Beobachtung und Interviews ... 35
1.5.3. Die Struktur des touristischen Marktes Agadez ... 37
1.5.4. Strukturelemente der Agadez-Touristen und europäischer Anbieter ... 38
1.5.5. Evaluation eines Tuareg-Tourismusprodukts ... 38
1.5.6. Die Sicht der betroffenen Bevölkerung ... 38
1.5.7. Ideologiekritische Untersuchung von dominanten Mythen ... 39
1.5.8. Der Forscher als Forschungsobjekt - die Selbstbeobachtung ... 39
1.6. Aufbau der Arbeit ... 42
1.7. Persönlicher Zugang ... 45
2. Theoretische Grundlagen einer universellen Tourismusethik ... 47
2.1. Methodische Anmerkungen zu den Skizzen einer kybernetischen Ethik ... 47
2.2. Welche Ethik zur Lösung interkultureller, tourismusrelevanter Probleme? ... 48
2.2.1. Der handelnde und erkennende Mensch in der „Wirklichkeit“ ... 49
2.3. Mensch und Gesellschaft als kybernetische Systeme ... 50
2.3.1. Das Feedback-Prinzip ... 50
2.3.2. Die Ausbildung von „Regeln“ ... 51
2.3.3. Kybernetische Schaltelemente ... 53
2.3.4. Verhaltensmuster ... 54
2.3.5. Die Herausbildung von Wertekodizes ... 54
2.3.6. Zugehörigkeit als zentraler Disziplinierungsfaktor ... 57
2.3.7. Zugehörigkeit als Geltungskriterium? ... 58
2.3.8. Ethischer Relativismus als Scheinproblem ... 60
2.4. Ethischer Orientierungsbedarf in der Postmoderne ... 62
2.4.1. Der beschränkte Einsatzhorizont des Utilitarismus ... 64
2.4.2. Die Praxisuntauglichkeit deontologischer Ethikkonzepte ... 66
2.4.3. Die Wende zur prozeduralen Ethik ... 67
2.4.4. Die Integration von Empirie und Prinzipien: Krämers Integrative Ethik ... 68
2.4.5. Baumans Prinzip der Postmodernen Ethik ... 69
2.4.6. Kriterium „Befindlichkeit“: Rehabilitation eines ethischen Egoismus? ... 70
2.4.7. Strukturkonzeption des ökologischen Verantwortungsbewusstseins ... 73
2.5. Entscheidungsstrategien einer kybernetischen Ethik ... 75
2.5.1. Das Individuum als psycho-physisches System ... 75
2.5.2. Die Kybernetik direkter personeller Beziehungen ... 76
2.5.3. Die Kybernetik von Gruppenprozessen ... 77
2.5.4. Die Kybernetik von indirekt vermittelten sozialen Systemen ... 78
2.6. Zusammenfassung ... 79
3 „Entwicklung“ - der ideologische Wandel und die Krise eines Entwicklungsbegriffs ... 81
3.1 Begriffliche Grundlagen ... 81
3.1.1 Entwicklung ... 82
3.1.2 Ist Entwicklung messbar? ... 82
3.1.3 Armut ... 83
3.1.4 Entwicklungshilfe ... 83
3.1.5 Entwicklungspolitik ... 83
3.2 Der Wandel der Entwicklungsparadigmen im 20. Jahrhundert ... 84
3.2.1 Die Imperialismustheorien ... 84
3.2.2 Die Modernisierungstheorien ... 84
3.2.3 Strukturalismus, Dependenztheorien und Weltsystemtheorien ... 86
3.2.4 Das neue Paradigma der Grundbedürfnisbefriedigung ... 87
3.2.4.1 Was sind Grundbedürfnisse? ... 88
3.2.5 Die Krise der Entwicklungsländer ... 90
3.2.6 Das neue Paradigma der „nachhaltigen Entwicklung“ ... 90
3.2.6.1 „Nachhaltige Entwicklung“ – ein widersprüchlicher Begriff ... 91
3.3 Fazit ... 92
4 „Entwicklungshilfe“ Tourismus? ... 95
4.1 Der historische Wandel der Rolle des Tourismus als Entwicklungsinstrument ... 95
4.1.1 Die Anfänge - Euphorie über die „weiße Industrie“ ... 95
4.1.2 Die Ernüchterung der 70er-Jahre ... 96
4.1.3 Boom und Ernüchterung der 80er-Jahre ... 97
4.1.4 Die Wurzeln der „Community Based Tourism“-Projekte ... 98
4.2 Tourismus-Entwicklungspolitik der Gegenwart ... 99
4.2.1 Tourismus in der österreichischen EZA ... 100
4.2.2 Tourismus in der deutschen EZA ... 103
4.2.3 Tourismus in der britischen EZA ... 104
4.2.4 Tourismus in der US-amerikanischen EZA ... 105
4.2.5 Tourismus in anderen bedeutenden EZA-Organisationen ... 105
4.3 Die Messung von Nachhaltigkeit bei Tourismusentwicklung ... 106
4.3.1 Das Konzept der „Nachhaltigen Tourismusentwicklung“ ... 106
4.3.2 Die Evaluation Nachhaltiger Tourismusentwicklung ... 108
4.4 Die Rolle der Institutionen: Umsetzungsbarrieren in der Praxis ... 110
5 Wahrnehmung und Interaktion zwischen Reisenden und „Bereisten“ ... 113
5.1 Tourismus als Mittel zur Völkerverständigung? ... 113
5.1.1 Befürworter der „Verständnistheorie“ ... 114
5.1.2 Gegner der „Verständnistheorie“ ... 114
5.1.3 Die differenzierte Haltung ... 115
5.2 Fremde Kulturen „verstehen“ - ist das überhaupt möglich? ... 116
5.2.1 Was heißt „Verstehen“? ... 116
5.2.2 Ist interkulturelles „Verstehen“ grundsätzlich möglich? ... 118
5.2.3 Kulturkontakt ... 120
5.2.4 Kulturkontakt zwischen Reisenden und Bereisten ... 121
5.2.4.1 Das Theater-Modell von Goffman ... 121
5.2.4.2 Das Vier-Kulturen-Modell von Thiem ... 122
5.2.5 Modi des Fremderlebens ... 122
5.3 Der touristische Blick ... 124
5.3.1 Was ist Tourismus? ... 124
5.3.2 (Post-)Moderne Reisemotive ... 126
5.3.2.1 Natur ... 126
5.3.2.2 Erlebnis ... 127
5.3.2.3 Authentizität ... 127
5.3.2.4 Die Funktion von Klischees und Stereotypen ... 129
5.3.3 Die Wahrnehmung „exotischer“ Kulturen ... 131
5.3.3.1 Edle Wilde ... 132
5.3.3.2 Barbaren ... 132
5.3.3.3 „Grenzenlose Armut“ ... 133
5.3.4 Landschaftswahrnehmung ... 134
5.3.4.1 Bild der Wüste ... 136
5.3.5 Fazit ... 137
5.4 Der Blick der Bereisten ... 137
5.5 Chancen für interkulturelles Verstehen auf Reisen ... 138
5.6 Schlussfolgerung ... 141
Teil B Empirische Unterschuchung des Tourismusmarktes Agadez ... 143
6. Die Region Agadez ... 143
6.1. Kurzportrait der Republik Niger ... 144
6.2. Die Geschichte der Region Agadez ... 145
6.2.1. Das Sultanat Agadez ... 145
6.2.2. Die Ära der Kolonisation ... 147
6.2.2.1. Die Tuareg-Revolte von 1916 ... 148
6.2.2.2. Das Massaker in Agadez ... 150
6.2.2.3. Die Kolonialverwaltung bis 1960 ... 151
6.2.3. Die nationale Verwaltung seit 1960 ... 153
6.2.4. Die Tuareg-Rebellion 1990 - 1997 ... 155
6.2.4.1. Der Staatsstreich durch Ibrahim Maïnassara Baré ... 158
6.3. Die aktuelle politische Lage im Niger ... 160
6.4. Internationale Beziehungen ... 162
6.4.1. Frankreich ... 162
6.4.2. Libyen ... 162
6.4.3. Algerien ... 164
6.4.4. Sonstige wichtige Partner ... 164
6.4.4.1. USA ... 164
6.4.4.2. Deutschland ... 165
6.4.4.3. Republik China ... 165
6.5. Die wirtschaftliche Lage des Niger ... 165
6.5.1. Währung ... 166
6.5.2. Uran und andere Bodenschätze ... 166
6.5.2.1. Uran ... 166
6.5.2.2. Kohle ... 167
6.5.2.3. Gold ... 168
6.5.2.4. Erdöl und andere Bodenschätze ... 168
6.5.3. Viehwirtschaft ... 169
6.5.4. Ackerbau ... 169
6.5.5. Handel, Dienstleitungen, Industrie ... 170
6.5.6. Schattenwirtschaft ... 171
6.6. Probleme der Region Agadez ... 173
6.6.1. Überbevölkerung ... 173
6.6.2. Armut ... 174
6.6.3. Naturkatastrophen ... 175
6.6.4. Unsicherheit ... 176
6.7. Regionale Hilfsprojekte ... 179
6.8. Schlussfolgerungen ... 181
7. Geschichte des Tourismus in Agadez ... 183
7.1. Die ersten europäischen Besucher ... 183
7.2. Die verkehrstechnische Erschließung der Region ... 184
7.3. Die Entdeckung der Region Agadez als touristische Attraktion ... 185
7.4. Die Ära des Tuareg-Tourismus unter Mano ag Dayak im Niger ... 187
7.5. Tourismusförderung und Ausbruch der Tuareg-Rebellion ... 189
7.6. Der Neubeginn seit dem Ende der Rebellion 1997 ... 191
7.7. Rückschläge - und Fortschritte wohin? ... 194
8. Die Tourismuspotentiale von Agadez ... 197
8.1. Die Relevanz von Attraktionen für die Tourismusentwicklung ... 197
8.1.1. Was sind Attraktionen? ... 197
8.1.2. Ursprüngliche und abgeleitete Angebote ... 199
8.1.3. Die Bewertung von Attraktionen ... 199
8.2. Das Klima während der günstigen Reisezeit ... 201
8.3. Von Niamey nach Agadez ... 201
8.3.1. Niamey ... 202
8.3.1.1. Das Nationalmuseum ... 203
8.3.1.2. Habou Bene - der „Große Markt“ ... 203
8.3.1.3. Der Niger-Fluss ... 204
8.3.2. Dosso ... 204
8.3.2.1. Das „Réserve des girafes de Kouré“ ... 205
8.3.2.2. Die Stadt Dosso ... 205
8.3.3. Tahoua ... 206
8.3.3.1. Die Stadt Tahoua ... 207
8.3.3.2. Der See von Tabalak ... 207
8.3.3.3. Ingall ... 208
8.3.3.4. Tegguida n’Tessoum ... 208
8.3.4. Zinder ... 208
8.3.5. Fazit ... 209
8.4. Agadez ... 210
8.4.1. Die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten von Agadez ... 211
8.4.2. Die interessantesten Märkte von Agadez: ... 214
8.5. Die Naturattraktionen der Region Agadez ... 214
8.5.1. Das Aïr-Massiv ... 215
8.5.1.1. Die geologische Struktur des Aïr ... 215
8.5.1.2. Besondere Landschaftsformen im Aïr ... 218
8.5.1.2.1. Der Bagzan ... 218
8.5.1.2.2. Izouzaouene - die „Blauen Berge“ ... 219
8.5.1.2.3. Arakao – die „Krabbenschere“ ... 220
8.5.1.2.4. Adrar Bous ... 220
8.5.1.2.5. Adrar Chiriet ... 220
8.5.1.2.6. Die Tamgak-Schlucht ... 221
8.5.1.2.7. Die Ténéré ... 221
8.5.1.2.8. Temet ... 222
8.5.1.2.9. Die „Falais de Tiguidit“ ... 222
8.5.1.3. Das Aïr-Ténéré-Bioreservat ... 223
8.5.2. Das Kawar ... 226
8.5.2.1. Fachi ... 228
8.5.2.2. Bilma ... 229
8.5.2.3. Dirku ... 230
8.5.3. Das Djado-Plateau ... 231
8.5.3.1. Chirfa ... 231
8.5.3.2. Djado ... 231
8.5.3.3. Djaba ... 232
8.5.3.4. Orida ... 233
8.5.3.5. Das Djado-Plateau ... 233
8.5.3.6. Tafassasset ... 233
8.6. Saurierfriedhöfe ... 234
8.6.1. Besichtigung von Saurierfossilien ... 237
8.7. Prähistorische Stätten ... 238
8.7.1. Die Frühgeschichte des Niger ... 238
8.7.2. Siedlungen ... 240
8.7.3. Gräber ... 240
8.7.4. Gravuren und Felsmalereien ... 241
8.7.4.1. Inhalte der Felsgravuren ... 242
8.7.4.2. Besondere Petroglyphen-Stätten ... 244
8.8. Die Kultur der Tuareg ... 245
8.8.1. „Antike“ Stätten: Assode ... 245
8.8.2. Oasen des Aïr ... 245
8.8.2.1. Azzel ... 245
8.8.2.2. Timia ... 246
8.8.2.3. Iferouane ... 246
8.8.3. Karawanen ... 247
8.8.4. Handwerksprodukte der Tuareg ... 249
8.8.4.1. Lederprodukte ... 250
8.8.4.2. Holzprodukte ... 250
8.8.4.3. Metallprodukte ... 251
8.8.4.4. Schmuck ... 252
8.8.4.5. Kleidung ... 257
8.8.4.6. Sonstige Gegenstände touristischen Interesses ... 257
8.9. Tuareg-Feste: Hochzeiten, Tabaski, Gani, Bianou ... 258
8.9.1. Zeremonien ... 258
8.9.2. Festliche Anlässe ... 259
8.9.2.1. Tabaski ... 259
8.9.2.2. Das Gani-Fest ... 260
8.9.2.3. Bianou ... 260
8.10. Überregionale Feste: Cure Salée, Air-Festival, Gerewol, FIMA ... 261
8.10.1. Cure Salée ... 261
8.10.2. Gerewol ... 261
8.10.3. Das Aïr-Festival ... 262
8.10.4. FIMA 1998 - ein Mode-Festival in der Ténéré ... 262
8.10.4.1. FIMA 2000, 2003 in Niamey ... 263
8.10.4.2. FIMA-Gründer Alphadi ... 263
8.11. Rallye Paris – Dakar ... 264
8.11.1. Die Rallye in Agadez 2000? ... 265
8.12. Schlussfolgerungen ... 266
9. Struktur des Tourismus in Agadez ... 268
9.1. Agenturen ... 268
9.1.1. Die Eigentümerstruktur ... 269
9.1.2. Die Ausstattung der Agenturen ... 270
9.1.3. Kapitalumsetzung ... 272
9.1.4. Reiseprodukte ... 273
9.1.5. Selbstverständnis der Veranstalter ... 273
9.1.5.1. Tourismus als Mittel zur Regionalentwicklung ... 275
9.1.5.2. Tourismus als Integrationsinstrument: Tchimizar Voyages ... 276
9.1.5.3. Tourismus als „Notlösung“ ... 277
9.2. Personal ... 278
9.2.1. Unterbringung und Gastronomie ... 279
9.2.1.1. Hotels ... 279
9.2.1.2. Gastronomie ... 281
9.2.1.3. Schmiede, Schmuck- und Souvenirhändler ... 282
9.3. Politische Tourismusstrukturen ... 284
9.3.1. Das Tourismusministerium ... 284
9.3.2. Staatliche touristische Organisationen ... 284
9.3.3. Das Syndikat du Tourisme du Niger ... 285
9.3.4. Weitere Tourismusakteure: die UICN ... 286
9.4. Gesetzliche Rahmenbedingungen für den Tourismus ... 287
9.4.1. Einreise- und Aufenthaltsbedingungen für den Niger ... 287
9.4.2. Rundreiseregelungen ... 287
9.4.3. Gründung und Betreibung einer Agentur ... 288
9.4.4. Reiseführer ... 288
9.4.5. Naturschutzregelungen ... 290
9.4.5.1. Das Aïr-Ténéré-Bioreservat ... 290
9.4.5.2. Der Schutz des kulturellen und natürlichen Erbes ... 291
9.4.5.3. Umweltschutz ... 291
9.4.6. Steuern, Abgaben ... 291
9.5. Sonstige wichtige Einrichtungen ... 292
10. Strukturelle Probleme der Tourismusentwicklung in Agadez ... 294
10.1. Infrastruktur ... 295
10.1.1. Flugverbindung ... 295
10.1.2. Straßen ... 298
10.1.2.1. Vor- und Nachteile der verkehrstechnischen Erschließung ... 299
10.1.3. Telekommunikation ... 299
10.1.3.1. Kommunikation mit der Reisegruppe ... 301
10.1.4. Information ... 301
10.1.4.1. Nachschlagewerke ... 302
10.2. Die Mängel der Marktstruktur ... 303
10.2.1. Konkurrenz, Oligopolisierung, Dumping ... 303
10.2.1.1. Oligopolisierung ... 303
10.2.1.2. Dumping ... 304
10.2.1.3. Fazit ... 306
10.2.2. Mangelhafte Rechtsstaatlichkeit ... 306
10.2.2.1. Tourismusplanung ... 306
10.2.2.2. Personelle Kompetenzmängel der politischen Akteure ... 308
10.2.2.3. Korruption ... 309
10.2.2.4. Rechtliche Willkür ... 310
10.2.2.5. Mangelhafte Koordination zwischen Behörden und Tourismusstellen ... 311
10.2.2.6. Fazit ... 311
10.3. Mangelhafte Kooperationsbereitschaft ... 312
10.3.1. Kooperation mit Algerien ... 313
10.4. Chasses de touristes ... 314
10.5. Qualifikationsmängel ... 315
10.5.1. Die Ausbildungsinitiative der GIE von 1990 ... 317
10.5.2. Die Ausbildungsinitiative von NIGETECH 2002 ... 317
10.5.3. Fähigkeiten des Reiseleiters - Lehrinhalte vs. Praxis ... 318
10.6. Marketing der Agenturen und des Tourismusministeriums ... 321
10.7. Abhängigkeit von äußeren Faktoren ... 323
10.7.1. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen in den Quellländern ... 323
10.7.2. Politisch-strukturelle Rahmenbedingungen in den Quellmärkten ... 324
10.7.3. Die internationale Sicherheitslage ... 324
10.8. Fazit: Die wirtschaftliche Bedeutung der Tourismus in Agadez ... 325
11. Die Marke „Tuareg“ – Mythos und Images ... 328
11.1. Herkunft des Namens „Tuareg“ ... 329
11.2. Die Herkunft der Tuareg – ein Teil des Mythos ... 330
11.2.1. Tin Hinan ... 331
11.2.2. „Gemeinsame Wurzeln“ zwischen Tuareg und Franzosen ... 332
11.2.3. Die Garamanten ... 334
11.3. Historische Entwicklung des europäischen Tuareg-Images ... 335
11.3.1. Die frühen Tuareg-Berichte ... 335
11.3.2. Das Entsetzen nach dem Flatters-Massaker ... 336
11.3.3. Die Periode der französischen Konsolidierung ... 337
11.3.4. Das „Ende“ der (Tuareg-)Welt ... 337
11.3.5. Tourismus: Tuareg als Accessoires und Logo ... 339
11.3.6. Die Tuareg-Rebellion und ihre Folgen: Opfer und Helden ... 339
11.3.6.1. Tuareg als Opfer ... 339
11.3.6.2. Tuareg als Helden ... 341
11.3.6.3. Temust – die „Tuareg-Nation“ ... 342
11.4. Elemente des gegenwärtigen Tuareg-Bildes ... 343
11.4.1. Der Schleier - Tagelmust ... 343
11.4.2. Freiheitsdrang ... 344
11.4.3. Duldsamkeit, Selbstdisziplin ... 345
11.4.4. Ritterlichkeit ... 346
11.4.5. Das Bild der Targia als „Herrin der Zelte“ ... 347
11.4.6. Zusammenfassung ... 348
11.5. Mythos Tuareg als Marketing-Instrument: ein ethisches Problem? ... 349
11.5.1. Der Mythos als Werbung für die Tuareg-Destinationen ... 349
11.5.2. Der Mythos als Werbung für Unterstützungskampagnen ... 350
12. Der Markt des Tuareg-Tourismus ... 352
12.1. Der europäische Markt der Niger-Anbieter ... 352
12.1.1. Das Angebot an Niger-Touren ... 352
12.1.1.1. Die Preisstruktur ... 353
12.1.1.2. Die Angebotsvielfalt ... 354
12.1.2. Charakteristik der Niger-Anbieter ... 355
12.1.2.1. Das Unternehmensleitbild der Niger-Anbieter ... 356
12.1.2.2. Die regionale Angebotspalette: Spezialveranstalter oder Generalist ... 358
12.1.2.3. Reiseform: Kamel-, Trekking oder Generalist ... 359
12.1.2.4. Die Veranstalter-Sensibilität für Tourismusauswirkungen ... 360
12.1.2.5. Informationsqualität ... 361
12.1.2.6. Die Kompetenz der Reiseleiter ... 362
12.1.3. Schlussfolgerungen zu den europäischen Niger-Anbietern ... 363
12.2. Das Klientel des nigrischen Sahara-Tourismus ... 363
12.2.1. Anzahl, Herkunft und soziale Struktur des Niger-Klientels ... 364
12.2.1.1. Die Zahl der Agadez-Touristen ... 364
12.2.1.2. Die Herkunft der Agadez-Touristen ... 365
12.2.1.3. Soziale Struktur ... 365
12.2.1.3.1. Geschlecht ... 365
12.2.1.3.2. Alter ... 366
12.2.1.3.3. Urbane Herkunft ... 366
12.2.1.3.4. Bildungsstand ... 366
12.2.1.3.5. Beruf ... 367
12.2.1.3.6. Familienstand ... 367
12.2.1.4. Daten zur Reisesituation der Befragten ... 367
12.2.1.4.1. Reisebeginn und -ziel zum Zeitpunkt des Interviews ... 367
12.2.1.4.2. Aufenthaltsdauer ... 368
12.2.1.4.3. Reisestil I: Organisiert oder individuell ... 368
12.2.1.4.4. Reisestil II: In Gruppen oder allein ... 368
12.2.1.4.5. Reisemittel ... 368
12.2.1.4.6. Reisekosten ... 369
12.2.1.5. Reisemotive ... 369
12.2.1.5.1. Explizite Reisemotive ... 370
12.2.1.5.2. Erwartungen an die Reise ... 371
12.2.1.5.3. „Wüste“ als Reisegrund? ... 371
12.2.1.5.4. Bedeutung der Wüste ... 372
12.2.1.5.5. Höhepunkte des Programms ... 372
12.2.1.5.6. Kulturelle Höhepunkte ... 373
12.2.1.5.7. Die wichtigste, prägende Erinnerung ... 374
12.2.1.6. Wüstenreiseerfahrung ... 375
12.2.1.6.1. Wüstenerfahrung: Häufigkeit, Region, Dauer ... 375
12.2.1.6.2. Positive Wüstenerfahrungen ... 376
12.2.1.6.3. Negative Wüstenerfahrungen ... 376
12.2.1.7. Erfahrungen mit Tuareg ... 377
12.2.1.7.1. Positivste Erfahrungen ... 377
12.2.1.7.2. Negativste Erfahrungen ... 378
12.2.1.7.3. Tuareg-Images ... 378
12.2.1.8. Informationsquellen, Verhaltensnormen ... 380
12.2.1.8.1. Allgemeine Informationsquellen zum Niger ... 380
12.2.1.8.2. Verhaltensnormen ... 381
12.2.1.8.3. Welche Normen sind wichtig? ... 382
12.2.1.8.4. Fotografieren mit Respekt? ... 383
12.2.1.9. Souvenirs ... 383
12.2.1.10. Wie gefällt Agadez, Timia und Iferouane? ... 385
12.2.1.11. Schlussfolgerungen ... 386
12.2.2. Rückkehrbereitschaft und andere Reiseziele ... 388
12.2.3. Schlussfolgerung: „Typische“ Niger-Reisende ... 389
12.3. Die Konkurrenz-Destinationen der Region Agadez ... 390
12.3.1. Sahara-Tourismus für Anfänger: Marokko und Tunesien ... 391
12.3.2. Direkte Niger-Konkurrenten: die Staaten der Zentralsahara ... 392
12.3.2.1. Algerien ... 393
12.3.2.1.1. Schlussfolgerung für Algerien ... 395
12.3.2.2. Libyen ... 396
12.3.2.3. Mali ... 398
12.3.2.4. Mauretanien ... 398
12.3.2.5. Tschad ... 399
12.4. Schlussfolgerungen ... 399
13. Das Reiseprodukt: Versuch der Evaluation einer Trekking-Reise ins Aïr ... 400
13.1. Methodik und Kriterien der Evaluation ... 400
13.2. Kneissl Touristik als Niger-Anbieter ... 402
13.2.1. Die Produktpolitik ... 402
13.2.1.1. Integration von Partnern in der Destination ... 402
13.2.1.2. Die Entwicklung des Niger-Produkts ... 403
13.2.1.3. Image der Niger-Touren ... 404
13.2.1.4. Die Verwendung des Signals gegenüber Kunden ... 404
13.2.1.5. Mängel ... 405
13.2.2. Der Reisepreis ... 405
13.2.2.1. Der Preis der Kneissl Touristik-Tour ... 405
13.2.2.2. Die Preisstruktur von Tchimizar Voyages im Niger ... 406
13.2.3. Der Reiseleiter ... 407
13.2.4. Information ... 409
13.2.4.1. Generelle Kunden-Informationen ... 410
13.2.4.2. Informationen zur Förderung umweltfreundlichen Verhaltens ... 411
13.2.4.3. Informationen zu Aspekten der Nachhaltigkeit ... 411
13.3. Die ökologische Bilanz der Reise ... 411
13.3.1. Die Energiebilanz ... 411
13.3.2. Die Unterkünfte ... 412
13.3.3. Müllaufkommen ... 413
13.3.4. Wasserverbrauch, Wasserschutz und Hygiene ... 414
13.3.5. Umweltfreundlichkeit der Aktivitäten ... 415
13.4. Ökonomische Aspekte - lokale Wertschöpfung ... 415
13.4.1. Die lokale Partner-Agentur Tchimizar V. ... 415
13.4.2. Verpflegung, Einkäufe, ... 415
13.4.3. Ausrüstung und Transportmittel ... 416
13.4.4. Trinkgelder ... 416
13.4.5. Sachgeschenke ... 416
13.4.6. Souvenirkäufe ... 417
13.4.7. Sozialfonds ... 418
13.5. Soziale und kulturelle Aspekte ... 418
13.5.1. Die Verantwortung des Reiseleiters ... 419
13.5.2. Die Verantwortung der Crew ... 420
13.5.3. Die Verantwortung der Gruppe ... 420
13.5.4. Besonderheiten im Bereich der soziokulturellen Aspekte ... 421
13.5.4.1. Der Besuch in Timia ... 421
13.5.4.2. Kommunikation mit der Bevölkerung ... 422
13.5.4.3. Respektvolles Verhalten ... 423
13.5.4.4. Soziale Hierarchien ... 423
13.5.4.5. Belastung der Mitarbeiter ... 423
13.5.4.6. Gender-Aspekt ... 424
13.6. Reise-Nachbereitung ... 424
13.6.1. Reflexionsmöglichkeiten für die Mitarbeiter ... 424
13.7. Schlussfolgerungen ... 425
14. Konflikte im Einzugsbereich des Tuareg-Tourismus ... 426
14.1. Rolle und Auswirkungen der Rebellion ... 427
14.1.1. Andauernde Unsicherheit am Ende der Rebellion ... 427
14.1.2. Rouges und Noirs: Konflikte zwischen „weißen“ und „schwarzen“ Tuareg ... 428
14.1.3. Verlagerung der Tuareg-Konflikte in den Tourismus ... 429
14.1.4. Tourismus als Ursache für Neid ... 430
14.1.5. Überfälle auf Touristen: wachsenden Kriminalität als Folge des Wertewandels ... 431
14.1.6. Misstrauen zwischen Militär und Tuareg ... 432
14.1.7. Präventive Strategien der Tourismusakteure ... 433
14.2. Importierte Kriminalität: der Überfall von Temet durch die „GSPC“ ... 434
14.3. Zusammenfassung der Sicherheitslage im Niger ... 437
14.4. Auswirkungen der Überfälle auf die Besucherzahlen im Niger ... 437
14.4.1. Generelle Auswirkungen ... 437
14.4.2. Die Wirkung progressiver Reiseinformation für Hochpreistouristen ... 438
14.4.3. Prävention auf Marketing-Ebenen: Transparenz statt Desinformation ... 439
14.5. Aktive Präventionsmöglichkeiten für Touristen gegen Überfälle ... 440
14.6. Externe Akteure als Konfliktursachen: das Aïr-Ténéré-Bioreservat ... 441
14.7. Konklusion für die Tourismusentwicklung in Agadez ... 442
Teil C: Das Verhältnis der Kel Timia zum Tourismus ... 444
15. Portrait der Kel Timia: Tradition und Wandel ... 446
15.1 Charakteristika der Kel Ewey ... 446
15.1.1 Wer sind die Kel Ewey und wie viele leben im Aïr? ... 446
15.1.2 Das Selbstverständnis der Kel Ewey ... 447
15.1.3 Exkurs: Die Kel Ewey und der Islam ... 448
15.1.4 Die Sicht der Kel Ewey von außen ... 448
15.1.5 Die Anzahl der Kel Ewey ... 449
15.2 Geschichte der Kel Ewey ... 449
15.3 Die traditionelle Struktur der Kel Ewey-Gesellschaft ... 450
15.3.1 Die sozialen Strukturen der Kel Ewey ... 450
15.3.1.1 Die Rolle der Frau bei den Kel Ewey ... 452
15.3.2 Die politischen Strukturen der Kel Ewey ... 453
15.3.3 Die traditionelle Wirtschaftsstruktur der Kel Ewey ... 454
15.3.3.1 Kriegszüge und Rezzus ... 454
15.3.3.2 Die Sklaven ... 454
15.3.3.3 Der Gartenbau ... 455
15.3.3.4 Die Viehzucht und der Karawanenhandel ... 455
15.4 Politischer Wandel ... 455
15.4.1 Die Auswirkungen der Kolonialisierung ... 455
15.4.1.1 Die Kaosen-Revolte und ihre Folgen ... 456
15.4.1.2 Der Einfluss der Kolonialverwaltung auf die Sklaverei ... 457
15.4.1.3 Die wirtschaftlichen Folgen des Kolonialregimes ... 458
15.4.1.4 Karawanenhandel ... 458
15.4.1.5 Gartenbau ... 459
15.4.1.6 Fazit ... 459
15.4.2 Die Auswirkungen der Unabhängigkeit der Republik Niger ... 459
15.5 Wirtschaftlicher Wandel seit der Unabhängigkeit ... 460
15.5.1 Karawanenhandel ... 461
15.5.1.1 Konkurrenz ... 462
15.5.1.2 Sonstige Probleme für die Karawanen ... 463
15.5.1.3 Andere Karawanen ... 463
15.5.1.4 Die Situation der Kel Timia ... 463
15.5.2 Viehzucht ... 465
15.5.3 Gartenbau ... 465
15.5.4 Neue Beschäftigungsformen ... 467
15.5.4.1 Arbeitsemigration ... 467
15.5.4.2 Projektarbeit ... 468
15.5.4.3 Boutiquiers ... 469
15.6 Gesellschaftlicher Wandel ... 469
15.7 Klimawandel - haben die Kel Ewey eine dauerhafte Zukunft? ... 470
15.7.1 Desertifikation ... 471
15.7.1.1 Überweidung ... 471
15.7.1.2 Brennholzbedarf ... 472
15.7.2 Historisch nachgewiesener Klimawandel im Sahararaum ... 472
15.7.3 Dürren der vergangenen Jahrzehnte ... 473
15.8 Fazit: Differenzierung der einstigen Nomadenkultur ... 473
16. Die Kel Timia heute: Kernprobleme und Lösungsstrategien ... 474
16.1. Die wirtschaftliche Lage der Kel Timia ... 475
16.1.1. Die Lage der wichtigsten Berufsgruppen ... 476
16.1.1.1. Hirten ... 476
16.1.1.2. Karawanier ... 476
16.1.1.3. Gartenbauern ... 477
16.1.1.4. Handwerker (Enaden) ... 477
16.1.1.5. Chasses de touristes ... 477
16.1.1.6. Boutiquiers ... 478
16.1.1.7. Externe Einkommen: Lehrer ... 478
16.1.1.8. Touristiker ... 479
16.1.1.9. Projektarbeiter ... 479
16.1.1.10. Internats-Schüler ... 479
16.1.2. Lebenshaltungskosten in Timia ... 480
16.2. Dürre ... 481
16.3. Arbeitslosigkeit und Bevölkerungswachstum ... 482
16.4. Versorgung von Kranken und Unterernährten ... 484
16.4.1. Die Krankenversorgung in Timia ... 484
16.4.1.1. Krankheiten ... 484
16.4.1.2. Infrastruktur ... 484
16.4.1.3. Prävention ... 486
16.4.2. Versorgung von Unterernährten ... 486
16.5. Schulen ... 487
16.6. Innere Konflikte ... 488
16.6.1. Tourismus als Konfliktkatalysator? ... 489
16.7. „Entwicklungshilfe“ in Timia: die „Amis de Timia“ ... 490
17 Tourismus bei den Kel Timia ... 492
17.1 Die Geschichte des „Timia-Tourismus“ ... 492
17.1.1 Die ersten Europäer in Timia ... 492
17.1.2 Timia während der Kolonialzeit ... 492
17.1.3 Der Beginn der Interaktion mit Touristen ... 493
17.1.4 Der Tourismus seit Rebellionsende ... 494
17.2 Die Sicht der Kel Timia über den Tourismus ... 495
17.2.1 Was ist ein Tourist? ... 495
17.2.1.1 Der Tourist ... 496
17.2.1.2 Der „Nicht-Tourist“ ... 496
17.2.2 Motive für Wüstenreisen ... 497
17.2.2.1 Warum kommen Touristen in den Niger? ... 497
17.2.2.2 Was suchen Touristen in der Wüste? ... 497
17.2.2.3 Wie sehen Tuareg die Wüste? ... 498
17.2.3 Bewertung von Touristen ... 498
17.2.3.1 Verständnislose Traditionalisten ... 499
17.2.3.2 Modernisierte Imitatoren ... 499
17.2.3.3 Romantische Kritiker ... 500
17.2.3.4 Monetär-Utilitaristen ... 500
17.2.4 Tourismus in Timia ... 500
17.2.4.1 Motive der Timia-Besucher ... 500
17.2.4.1.1 Besonderheiten von Timia ... 500
17.2.4.1.2 Besuchsziele in Timia ... 501
17.2.4.1.3 Beurteilung der Besucherpräferenz Guelta statt Dorf ... 501
17.2.4.1.4 Gründe für den Wunsch nach mehr Touristen ... 502
17.2.4.1.5 Mögliche Gründe für dieses Besucherverhalten. ... 502
17.2.5 Keine Angst vor Folklorisierung von Festen ... 503
17.2.5.1 Feste als wichtige Attraktion und Werbefaktor ... 504
17.2.5.2 Warum fotografieren Touristen? ... 504
17.2.6 Das Bild der Kel Timia von Europa und den Europäern ... 505
17.2.6.1 Das Europa-Bild der Kel Timia ... 505
17.2.6.2 Europa-Erfahrung der Kel Timia ... 506
17.2.6.3 Interesse an einer Europa-Reise ... 506
17.2.6.4 Kein Interesse an einer Europa-Reise ... 507
17.2.6.5 Kontakte der Kel Timia zu Europäern ... 507
17.2.6.6 Bedürfnisse nach engeren Kontakten mit Europäern ... 507
17.2.6.7 Das Bild der Kel Timia von den Europäern ... 508
17.3 Schlussfolgerungen ... 509
18 Die wirtschaftliche Rolle des Tourismus in Timia ... 512
18.1 Allgemeine Einschätzung der ökonomischen Bedeutung des Tourismus ... 512
18.2 Wie viele Kel Timia sind von Tourismuseinnahmen betroffen? ... 513
18.3 Wer in Timia verdient wie viel am Tourismus? ... 514
18.3.1 Touristisches Einkommen der Befragten ... 514
18.3.1.1 Geschlechtsspezifische Betrachtung ... 514
18.3.1.2 Altersspezifische Betrachtung ... 514
18.3.1.3 Die Gruppe der Nicht-Begünstigten ... 515
18.3.2 Touristisches Einkommen im Umfeld der Befragten ... 515
18.3.2.1 Familienmitglieder ... 515
18.3.2.2 Freunde ... 515
18.4 Die berufsgruppenspezifische Rolle des Tourismus ... 516
18.4.1 Die Kunsthandwerker ... 516
18.4.1.1 Verkaufsstrategien ... 517
18.4.2 Die „Chasses de touristes“ ... 518
18.4.3 Führer ... 518
18.4.4 Sonstige Berufsgruppen ... 519
18.4.4.1 Gärtner ... 519
18.4.4.2 Boutiquiers ... 520
18.4.4.3 Hirten ... 520
18.4.4.4 Sonstige Profite ... 520
18.5 Berufswunsch Tourismus ... 520
18.6 Wesentliche Vorteile des Tourismus für Timia ... 521
18.7 Zusammenfassung ... 521
19. Werte, soziokultureller Wandel und die Rolle des Tourismus ... 524
19.1. Gefährdung des Wertgefüges durch Tourismus? ... 526
19.2. Wandel durch Tourismus aus der Sicht der Kel Timia ... 527
19.3. Traditionelles Ethos ... 528
19.3.1. Die Bedeutung von „Tradition“ bei den Kel Timia ... 528
19.3.2. Identität und Selbstverständnis der Kel Timia ... 528
19.3.2.1. Exkurs: Identität und Tourismus ... 529
19.3.3. Die wichtigsten Werte bei den Tuareg? ... 531
19.3.3.1. „Eschek“ ... 531
19.3.3.2. Bettelei ... 533
19.3.3.3. Stolz ... 534
19.3.3.4. Sexualität ... 535
19.3.3.5. Religion ... 536
19.3.4. Tendenzen unter jugendlichen Kel Timia ... 537
19.3.4.1. Wertewandel bei den Jungen: Verlust von „Eschek“ ... 538
19.3.4.2. Verlust der Arbeitsmoral und Aufgabe der traditionellen Berufe ... 538
19.3.4.3. Ursachen des Wertewandels unter jungen Kel Timia ... 539
19.3.4.4. Verteidigung der jungen Kel Timia ... 539
19.3.4.5. Fazit: Geringe Relevanz des Tourismus als Faktor des Wandels ... 540
19.4. Neue Konsumbedürfnisse ... 540
19.5. Neue Werte der Kel Timia ... 541
19.6. Neue Reaktionen: Kriminalität ... 543
19.7. Andere Faktoren des soziokulturellen Wandels ... 543
19.7.1. Monetarisierung ... 544
19.7.2. Technologietransfer ... 545
19.7.3. Andere Kulturen: Haussa ... 546
19.8. Wandel der Kel Timia aus europäischer Sicht ... 547
19.9. Konklusion: Tourismus als Kontaktchance ... 548
20. Potentielle Tourismusentwicklung: Vier Testprojekte ... 550
20.1. Kameltrekking ab Timia ... 550
20.1.1. Kamelexpedition ohne Touristen zu Nomadencamps ... 550
20.2. Kamelexpedition mit Touristen auf den Bagzan ... 551
20.2.1. Zweck der Reise ... 552
20.2.2. Der Ablauf der Tour ... 552
20.2.3. Touranalyse ... 555
20.2.3.1. Stärken und Chancen der Tour ... 555
20.2.3.2. Mängel der Tour ... 556
20.2.3.3. Fazit ... 557
20.3. Die Errichtung einer Herberge im Fort Massu ... 558
20.3.1. Der ursprüngliche Plan ... 559
20.3.2. Die konkrete Umsetzung des Fort-Projekts ... 561
20.3.3. Die erste Nächtigung am 8. Februar 2000 ... 562
20.3.4. Die wesentlichen Schwächen des Forts als Herberge ... 562
20.3.5. Sonstige Probleme im Bereich des Fort-Managements ... 563
20.3.6. Weitere Überlegungen zur touristischen Nutzung des Forts ... 564
20.3.7. Schlussfolgerungen: Die Zukunft des Forts ... 565
20.4. Organisierte Feste ... 565
20.4.1. Eine inszenierte Hochzeit in Timia ... 566
20.4.2. Die Verlobung ... 566
20.4.3. Der Ablauf des Hochzeitsfestes ... 567
20.4.3.1. Exkurs: Das Desinteresse anderer Agenturen an der Hochzeitsteilnahme ... 567
20.4.4. Die zweite „Tende“ und das Hochzeitsmahl ... 568
20.4.5. Analyse des „Hochzeitsexperiments“ ... 569
20.4.6. Kommerziell organisierte „Tende“ in Timia ... 569
20.4.7. Folklorisierungsgefahr? ... 571
20.5. Postkarten für Timia ... 572
20.6. Schlussfolgerung: die Rolle des Zeitfaktors ... 573
21 Probleme durch Tourismus bei den Tuareg ... 575
21.1 Praktische Tourismusethik im Niger? ... 576
21.2 Umweltbelastung ... 576
21.2.1 Müllaufkommen ... 577
21.2.2 Wasser ... 577
21.2.3 Hygiene ... 578
21.2.4 Holz ... 578
21.2.5 Tier- und Pflanzenschutz ... 579
21.2.6 Fazit ... 580
21.3 Kulturelle Ressourcen ... 580
21.3.1 Prähistorische Artefakte ... 580
21.3.2 Maßnahmen gegen Plünderungen ... 582
21.3.3 Felsbilder ... 584
21.3.4 Veränderung des Kunsthandwerks und sonstige Probleme ... 584
21.3.5 Antiquitäten ... 585
21.3.6 „Bausünden“ ... 585
21.4 Soziokulturelle Auswirkungen des Tourismus ... 585
21.4.1 Der urbane Bereich ... 587
21.4.1.1 Aggressive Kinder ... 588
21.4.1.2 Chasses Touristes ... 589
21.4.1.3 Urbane Feste ... 589
21.4.2 Der ländliche Bereich ... 590
21.4.2.1 Bekleidung ... 592
21.4.2.2 Fotografieren ... 594
21.4.2.3 Zwischenmenschliche Kommunikation ... 595
21.4.2.3.1 Nonverbale Kommunikation ... 595
21.4.2.3.2 Mythen, Klischees und Imitation ... 596
21.4.2.3.3 Tabus ... 597
21.4.3 Gaben und Geschenke an Einheimische ... 597
21.4.3.1 Willkürlich verteilte Geschenke ... 597
21.4.3.2 Almosen ... 599
21.4.3.3 Persönliche Geschenke ... 600
21.4.3.4 Medikamente und medizinische Hilfeleistungen ... 601
21.4.3.5 Falscher oder missbräuchlicher Einsatz von Medikamenten ... 602
21.4.3.6 Medikamente aus „weißer“ Hand als Prestigegut ... 602
21.4.3.7 Entwertung des traditionellen Heilwissens ... 603
21.4.3.8 Untergrabung des bestehenden Versorgungssystems ... 604
21.4.4 Handel mit Nomaden ... 604
21.4.4.1 Kleingeldmangel ... 605
21.4.4.2 Machtmissbrauch ... 605
21.4.4.3 Strukturelle Abhängigkeit ... 606
21.5 Tourismus als wirtschaftliches Entwicklungshemmnis? ... 606
21.6 Fazit: Steuerung statt Verhinderung des Tourismus ... 607
Teil D Gesamtevaluation ... 609
22 Die ethische Relevanz der Meinung der Kel Timia ... 609
22.1 Philosophische Methodenansätze zur Lösung interkultureller Wertfragen ... 609
22.2 Interkulturelle Wertfragen als Vernunftproblem? ... 610
22.3 Interkulturelle Wertfragen als Verständnisproblem? ... 611
22.4 Die gegensätzlichen Positionen der Kel Timia und einiger Experten zum Tourismus ... 611
22.4.1 Euphorie oder pragmatische Chancenwahrnehmung der Kel Timia? ... 611
22.4.2 Kulturzerstörung und Verarmung: die Sicht einiger Tourismuskritiker ... 612
22.4.3 Die Validität der ermittelten Ergebnisse ... 614
22.5 Die unterschiedlichen „Kulturen“ hinter den Positionen ... 616
22.5.1 Die Kel Timia - eine traditionale Kultur? ... 617
22.5.2 Die „Experten“ – konservative Posttraditionalisten? ... 617
22.6 Unterschiedliche Interessenssphären der Beteiligten ... 618
22.6.1 Die Kel Timia als neugierige Materialisten? ... 618
22.6.2 Die „Experten“ als hilfreiche Museumswärter? ... 618
22.7 Philosophische Grundpositionen zur Lösung interkultureller Wertkonflikte ... 621
22.7.1 Universalismus ... 621
22.7.2 Die Transzendentalpragmatik ... 622
22.7.2.1 Der transkulturelle Argumentationsbegriff ... 623
22.7.2.2 Formen der Kommunikation bei den Kel Timia ... 623
22.7.3 Die Praxis des Argumentierens ... 624
22.7.4 Demokratiefeindliche Transzendentalpragmatik? ... 626
22.7.4.1 Kulturelle Differenzen ... 626
22.7.5 Die Diskursethik ... 627
22.7.5.1 Kriterien der diskursethischen „Letztbegründung“ ... 628
22.7.6 Die Relevanz des kulturellen Kontextes ... 629
22.7.6.1 Das Paradoxon der Rationalisierung ethnischer Diskurskulturen ... 630
22.7.7 Die Unmöglichkeit, Präferenzen letztgültig zu argumentieren ... 631
22.7.7.1 Erkenntnistheoretische Grenzen der Transzendentalpragmatik ... 632
22.8 Kulturalismus ... 633
22.8.1 Der methodische Konstruktivismus ... 633
22.8.2 Vernunft als Praxis ... 634
22.9 Die jeweiligen Grundpositionen aus der Sicht der Gegenposition ... 635
22.9.1 Kritik der Transzendentalpragmatiker am Kulturalismus ... 635
22.9.2 Kritik der Kulturalisten am Universalismus bzw. an der Transzendentalpragmatik ... 636
22.9.2.1 Rolle und Funktion von Religion aus Sicht der Kulturalisten ... 636
22.9.2.2 Die kulturspezifische Interpretation der Menschenrechte ... 637
22.9.3 Die mangelnde Praxisnähe der Transzendentalpragmatik ... 639
22.10 Versuch einer Vermittlung zwischen Kulturalismus und Transzendentalpragmatik ... 640
22.10.1 Das Missverständnis der Kulturalisten ... 640
22.10.2 Die „Kopflastigkeit“ der Transzendentalpragmatik ... 641
22.10.3 Auswege aus der Polarisierung ... 642
22.11 Schlussfolgerungen für die Frage des Timia-Tourismus ... 643
23 Schlussfolgerungen ... 645
23.1 Nachhaltige Tourismusentwicklung ... 645
23.2 Analyseergebnisse der Region Agadez ... 646
23.3 Analyseergebnisse der Region Timia ... 648
23.4 Tuareg-Tourismus ist gegenwärtig kein „Kulturzerstörer“ ... 650
Quellenverzeichnis ... 651
Persönliche Quellen ... 651
Landkarten: ... 653
Rechtsgrundlagen ... 654
Schriftliche Texte ... 654
Audiovisuelle Materialien: ... 703
Internet-Dokumente: ... 704
Anhang: Verwendete Fragebögen ... 719
1. Einleitung
1.1. Tourismus - (k)ein Problem der angewandten Ethik?
Der Tourismus gilt seit dem Ende des 20. Jahrhunderts als einer der am schnellsten wachsenden, legalen Wirtschaftssektoren der Welt. Aufgrund der enormen Komplexität des Systems Tourismus berührt es praktisch alle Bereiche des menschlichen Lebens, und aufgrund der modernen, technischen Möglichkeiten und innovativen Organisationsformen sind auch längst sämtliche Winkel der Welt von Tourismus betroffen: Tourismus ist allgegenwärtig.
Die Präsenz einiger Tausend österreichischer Urlauber an den Palmenstränden von Sri Lanka, Thailand und Indonesien war die Ursache, dass die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean in den Weihnachtsfeiertagen des Jahres 2004 zum medialen Dauerbrenner wurde. Denn erst durch die faktische „Mitbetroffenheit“ hatte sich der Horizont der Wahrnehmung und des Mitgefühls der Österreicher nachhaltig bis in diese entfernten Gegenden erweitert, wurde jene exotische Welt ein Teil unseres kollektiven Bewusstseins. Denn es hätte theoretisch jeden von uns, der die Ferne Welt zu lieben und gelegentlich auch zu besuchen pflegt, treffen können.
Am Nachmittag des 27. Dezember 2004 wurde ich von einer ORF-Redakteurin telefonisch gebeten, anlässlich dieser Naturkatastrophe zu den problematischen Auswirkungen des Massentourismus Stellung zu nehmen. Sie konfrontierte mich mit der These, dass die Folgen dieser Katastrophe- insgesamt weit über 100.000 Tote, darunter auch viele Tausend Touristen und gigantische Sachschäden - hätte verhindert werden können, wenn die Behörden ein entsprechendes Frühwarnsystem installiert hätten.1 Darauf hatte ich entgegnet, dass die eigentlichen Probleme des Massentourismus auf ganz anderer Ebene liegen würden. Das eigentliche Problem liege nicht in der Tatsache, dass es Massentourismus in Südostasien oder sonst irgendwo auf der Welt gebe, sondern dass Massentourismus vielerorts ungeordnet und auf Kosten der schwächsten Glieder der angestammten Gesellschaft expandiere. Der ganz normale Massentourismus produziere vielerorts massenhaft Tragödien durch Vertreibungen und Enteignungen, Sklavenarbeit und sexuellen Kindesmissbrauch2, Tragödien, die von der Tourismuswirtschaft gleichsam als unvermeidbare „Kollateralschäden“ solange in Kauf genommen werden, solange nicht zahlende Touristen, davon betroffen, mit Stornos reagieren. Doch die wuchtige Komplexität einer konstruierten Welt aus teuer bezahlten, traumhaften Images, perfekt simulierter Sinnesbefriedigung und maximalem Konsum lässt Touristen nur wenig Raum für konstruktives Verständnis gegenüber den wenig romantischen Lebensproblemen der Bereisten.
Ereignisse, wie das vom 26. Dezember 2004, stehen im Gegensatz zu dieser normalen, alltäglichen Tourismuswirklichkeit: Unter dem „Weihnachts“-Tsunami an den Stränden des Indischen Ozeans verschmolzen Touristen und Einheimische für einen Augenblick zu einer Schicksalsgemeinschaft. Alle saßen im selben Boot - oder besser: alle starben am selben Strand unter der gleichen Riesenwelle. Doch wer überleben oder sich rechtzeitig in Sicherheit hatte bringen können, fand sich unweigerlich wieder in der vom Tourismus geschaffenen Zwei-Klassen-Gesellschaft: die einen, die im plötzlich entzauberten „Tropenparadies“ auf den Trümmern ihrer bisher schon bescheidenen Existenz zurückbleiben müssen, und jene, die als Angehörige eines gut organisierten Sozialstaats und dank ihrer Reiseversicherung mehr oder minder wohlbehalten in die heile Welt ihres europäischen Alltagslebens zurückkehren konnten.3
Was für Touristen gilt, gilt auch für Philosophen: Die touristische Wirklichkeit gilt innerhalb des ethischen Diskurses immer noch weitgehend als „Just Tourism“4 im Sinne von "lediglich, nur": Tourismus als Problembereich spielt keine ernstzunehmende Rolle - trotz seiner rasanten Entwicklung, hin zu einer globalen „Industrie“ mit vielfältigen hochproblematischen wirtschaftlichen, sozialen, politischen und ökologischen Auswirkungen, insbesondere in Ländern der Dritten Welt. Dieser wachsende Klärungs- und Steuerungsbedarf wird von der Philosophie konsequent ignoriert. Weder in der umfangreichen amerikanischen Anthologie „Ethics in Practice“ 5 noch im deutschen „Almanach der praktischen Ethik“6, geschweige denn im „Lexikon der Ethik“7 finden sich „Tourismus“ oder sinnverwandte Begriffe in den Indizes.
Das bedeutet keineswegs, dass die ethischen Aspekte des Tourismus unentdeckt bleiben. Die Tradition der Tourismuskritik ist so alt wie der Tourismus selbst. Systematisch-wissenschaftlich wird Tourismus seit den 70er-Jahren analysiert und kritisiert8, in den Massenmedien ist die Tourismuskritik seit den frühen 80er- Jahren gesellschaftsfähig9. Tourismuskritische Veröffentlichungen haben seit damals längst das überschaubare Maß überschritten. Sehr viel langsamer wuchs dagegen der Umfang der Arbeiten, die explizit zu ethischen Aspekten des Tourismus Stellung bezogen, begonnen von religiös geprägten Autoren und Herausgebern in den späten 80er-Jahren10. Seit Mitte der 90er-Jahre erscheinen zunehmend häufiger Publikationen zum Thema Tourismus und Ethik, doch handelt es sich bei den Autoren ausschließlich um Tourismus- und Freizeitwissenschaftler11. Selbst in den wenigen philosophischen Publikationen, in die sich der Begriff „Tourismus“ verirrte12, sind wiederum nur Tourismuswissenschaftler am Wort.13 Insofern ist Prosser zwar recht zu geben, wenn er konstatiert, „that tourism is generating an increasingly intense ethical debate, focusing around several key issues“,14 doch in dieser Debatte schweigen die Philosophen konsequent. Sie halten es offensichtlich mit Immanuel Kant, der selbst zeitlebens Königsberg nie verlassen hatte, und der ethische Probleme der Praxis lediglich als Subsumption des Besonderen unter das Allgemeine erachtete.15
Die Arbeiten der genannten Tourismuswissenschaftler sind zumeist von hoher praktischer Relevanz und auch in philosophischer Hinsicht beachtenswert,16 leiden aber zumeist an einem ethisch-theoretischen Defizit. 17 Dies gilt um so mehr für Tourismuskritiker, die heute zumeist dem Bereich der Medien und der NROs entstammen und - entsprechend den Zwängen der Aufmerksamkeitsökonomie - dazu tendieren, in einseitiger und all zu generalisierender Weise Tourismus und die von ihnen zur Verantwortung gezogenen Touristiker und Touristen zu verurteilen. Lange Zeit war es unter Tourismuskritikern sogar üblich, als Antwort auf die tourismusrelevanten Probleme rigide Reiseverbote auszusprechen.18 Bei näherer Betrachtung erweisen sich jedoch die Analysen solcher harschen Kritiker als einseitig und oberflächlich, mit der Folge, dass sich die Probleme zuweilen sogar noch verschlimmern würden, würde man ihren Anweisungen Folge leisten. Entsprechend vertritt LaFollette die Ansicht, dass das Böse in der Welt zumeist das Resultat von Unkenntnis und Unachtsamkeit ist.19
Aus diesem Umstand folgt die Notwendigkeit einer fundierten, theoretischen und empirischen Auseinandersetzung mit Tourismus, insbesondere mit Dritte-Welt-Tourismus, aus ethischer Sicht, um eine zutreffende Antwort auf die wohl wichtigste Frage geben zu können: Was sollen wir tun?
Dass sich Ethiker zu diesem Thema nicht gerne zu Wort melden, ist wenig verwunderlich. Zu groß ist die Gefahr, sich analog zu den traditionellen Tourismuskritikern zu blamieren, indem man über Belange philosophiert, deren strukturelle Zusammenhänge und empirische Rahmenbedingungen man nicht kennt. Darin liegt generell das Dilemma der Philosophen, wenn sie sich mit praktischen Problemen auseinander setzen: Stets sind sie auf die Hilfe von Kollegen aus den empirischen Wissenschaften angewiesen.20 Darum ziehen die meisten Ethiker die Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Wertfragen der Auseinandersetzung mit konkreten Fragen des richtigen Handelns vor, obwohl grundsätzliche Wertfragen auf der theoretischen Ebene a priori nicht lösbar sind, wie die Erfahrung lehr, und zudem die Frage nach dem richtigen Handeln auf der praktischen Ebene überhaupt nicht sinnvoll gestellt werden kann, solange das Problem selbst noch gar nicht in seiner Komplexität erfasst wurde.
Die Aversion philosophischer Ethiker gegen empirische Rahmenbedingungen scheint unter Philosophen endemisch zu sein. Das indiziert etwa Peter Singer, einer der Paradephilosophen unten den praktischen Ethikern, mit seiner völlig verfehlten Argumentation für die ethische Pflicht für Entwicklungsländer21 zu spenden, eine Argumentation, die keinerlei Bezug zu den komplexen und zum Teil widersprüchlichen Zusammenhängen der Dritte-Welt-Problematik nimmt.22
Insofern mag erstaunen, dass eine philosophische Dissertation ein spezifisches Thema des Dritte-Welt- Tourismus behandelt, sie im Wesentlichen aus empirischen Analysen besteht, dies jedoch auf der Basis einer fundierten theoretischen Grundlage, doch ist das Anliegen der vorliegenden Arbeit eine konkrete Frage, auf die eine konkrete Antwort erarbeitet werden soll:
Ist ein touristisches Engagement, sei es als Tourist, als Reiseveranstalter oder als Reiseleiter, im Lebensraum von traditionell lebenden, indigenen Völkern am Beispiel der Tuareg-Nomaden der Region Agadez (Republik Niger, Westafrika) ethisch vertretbar oder gibt es ernsthafte ethische Gründe, Reisen zu solchen Kulturen möglichst zu unterbinden?
[...]
1 Nach Angabendes Kurier (o. A. 2005d, S. 4) unter Berufung auf die Meinung von „Experten“ hätte „auch bei einem funktionierenden [Frühwarn-; Anm. d. Verf.] System die Menschen in den Küstengebieten in der Nähe des Epizentrums nicht mehr rechtzeitig gewarnt (…) werden können.“
2 Die vielfältigen Probleme des Dritte-Welt-Tourismus habe ich bereits andernorts hinlänglich und eindringlich erörtert. Siehe insb. Friedl 2002.
3 Vgl. o. A. 2004, Wenig Hilfe für Einheimische, S. 5.
4 Vgl. Hultsman 1995, S. 561.
5 Vgl. LaFollette 1997, S. 689-701.
6 Vgl. Meggle/Rippe/Wessels 1992, S. 307-326.
7 Vgl. Höffe 2002.
8 Vgl. Krippendorf 1975.
9 Vgl. Jungk 1980.
10 Vgl. Evangelischer Arbeitskreis für Freizeit, Erholung und Tourismus 1988.
11 Vgl. Baretje 1994, 1995; Hultsman 1995; Fennel/Malloy 1995, 1998, 1999; Fromme/Freericks 1997; Pöggeler 1997; Butcher 2002; Friedl 2002, 2002c; Fennell/Przeclawski, Krzysztof 2003; Wöhler/Saretzki 2004; Smith/Duffy 2004; vgl. auch die virtuelle Internet-Konferenz der britische Verlag „MCB University Press“ gemeinsam mit dem „Journal of Contemporary Hospitality Management“ zum Thema "Ethics in Tourism" (MCB 1998, Web.)
12 Vgl. Chadwick 1998.
13 Vgl. Prosser 1998; Urry 1998.
14 Prosser 1998, S. 373.
15 Kant (1968, S. 179) definiert die bestimmende Urteilskraft als das „Vermögen, das Besondere als enthalten unter dem Allgemeinen zu denken”, weshalb er die Anwendung besonderer Regeln als bloß nachgeordnetes, vor allem aber nachrangiges Geschäft betrachtete.
16 Siehe insb. den Diskurs zur Vertretbarkeit des Reisens in Problemdestinationen bei Baumgartner/Leuthold 2004b sowie
17 Eine der wenigen rühmlichen Ausnahmen ist die Analyse von Wöhler/Saretzki (2004), auf die im folgenden Kapitel näher eingegangen wird.
18 Vgl. etwa André Heller auf dem internationalen Tourismusforum in Lausanne, zit. in Scherer 1995, S. 96 f.
19 Vgl. LaFollette 1997, S. 1.
20 Vgl. Meggle/Rippe/Wessels 1992, S. 9.
21 Vgl. Singer 1997, S. 585 ff.
22 Vgl. dazu die Kritik von Crocker 1997, S. 606.
Arbeit zitieren:
MMag. Dr. Harald A. Friedl, 2005, Die Vertretbarkeit von Ethnotourismus am Beispiel der Tuareg der Region Agadez, Republik Niger (Westafrika) - Eine Evaluation aus Sicht der angewandten Tourismusethik, München, GRIN Verlag GmbH
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