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Seite
1. Einleitung 3
2. Erörterung der Quellenlage 4
3. Der Montanismus
3.1.1 Kurze Zusammenfassung 4
3.1.2 Die „Neue Prophetie“ - Wiederbelebung des Urchristentums? 5
3.1.3 Die Prophetien der Montanisten 6
3.1.4 Die Form der „Neuen Prophetie“ - Ekstase 9
3.1.5 Die Forderungen der Montanisten - Askese 10
3.2 Die Abwehr des Montanismus 11
3.3 Kirchengeschichtliche Konsequenzen 13
4. Bezug zur Gegenwart
4.1 Das freie Wirken des Heiligen Geistes heute -am Beispiel der
Pfingstbewegung. 14
4.2 Erwählungsbewusstsein und Ökumene 16
5. Persönlicher Kommentar zur aktuellen Situation - Geist und Amt im
Widerspruch ? 17
6. Literaturverzeichnis 18
2
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Als wir im Seminar über den Montanismus sprachen, beeindruckte mich besonders die Korrespondenz zur Gegenwart: Die Adventisten und die Pfingstbewegung weisen nicht nur gewisse Analogien auf, sondern stellen auch den gegenwärtig am stärksten wachsenden Zweig des Christentums dar. Vor diesem aktuellen Hintergrund war es mir ein besonderes Anliegen, mehr über die Bewegung der Kataphrygier, wie sie sich selbst nannten, herauszufinden. Der Montanismus weist ein breites Spektrum auf; verschiedene Entwicklungsphasen, Enthusiasmus, Chiliasmus, Rigorismus,
Kirchenorganisation, etc.. Ich habe mich auf die Behandlung der Frühphase beschränkt, da diese Bewegung nach Ausbleiben des prophezeiten Weltendes durch Anpassung stark modifizierte und sich danach hauptsächlich über seinen Rigorismus definierte.
In dem Bemühen, meiner Abhandlung Seriosität und Eigenständigkeit zu geben, werde ich zuerst kurz die Quellenlage erörtern und dann zur Herstellung des Kontexts eine Kurzbeschreibung dieser Bewegung geben. Unter Berücksichtigung der Aspekte urchristlicher prophetischer Tradition, der Ekstase montanistischer Prophetie und der daraus abgeleiteten rigoristischen Forderungen möchte ich den Kampf der sich institutionalisierenden Großkirche gegen diese prophetische Bewegung in ihrer Motivation und den kirchenpolitischen Konsequenzen erläutern, um damit den Bezug zur Gegenwart herzustellen:
• Wie haben die damals getroffenen Entscheidungen die Kirchengeschichte
beeinflusst?
• Was treibt so viele junge Menschen in charismatische oder
pfingstkirchliche Bewegungen?
• Wie kann die Ökumene von diesen Bewegungen profitieren?
Da meine Literatur und die benutzten Quellen schlussendlich weitaus zahlreicher waren, als ich anfänglich zu vermuten wagte, möchte ich an dieser Stelle nur auf das Literaturverzeichnis verweisen. Anzumerken bleibt, dass ich in meiner Hausarbeit bewusst nicht auf die Benutzung von Quellen aus dem Internet verzichtete (obwohl diese mir zu polarisiert erscheinen), da sie für mich wichtige Zeugnisse des gegenwärtigen Zeitgeistes sind.
3
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Die Schriften der Montanisten sind nicht erhalten worden und man kennt sie nur fragmentarisch aus Zitaten ihrer Gegner. Über die Lehrsätze und Gebräuche dieser s.g. Sekte erfahren wir nur etwas aus den Widerlegungen, die höchstwahrscheinlich auch nicht unparteiisch formuliert waren. 1 Da der Montanismus hart verfolgt wurde und der Besitz montanistischer Schriften mit dem Tode geahndet wurde, sind nur noch Fragmente der prophetischen Aussprüche bei Epiphanius, Tertullian, Didymus und Eusebius überliefert. 2 Die rekonstruierbaren ca. 20 Orakel sind die wichtigsten Quellen für die Frühzeit der „Neuen Prophetie“. 3
Die Schriften der o.g. Kirchenschriftsteller, die sich ihrerseits auf zahlreiche und zum großen Teil verloren gegangene (teils anonyme) antimontanistische Quellen beziehen 4 , und die Werke des in der Spätphase zum Montanismus konvertierten Tertullian bilden die einzige literarische Grundlage unseres heutigen Wissens über den Montanismus und werden in jedem Fachbuch zitiert.
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Der Montanismus, nach dem gerade zum Christentum bekehrten Montanus (wahrscheinlich vorher Priester des Apollon 5 ) benannt, entstand etwa in der Mitte des 2. Jahrhunderts in Phrygien (Kleinasien). „Montanus verstand sich als der Paraklet (beistehende Geist der Wahrheit 6 ) aus Joh 14,16, hatte die Prophetinnen Prisca und Maximilla neben sich und gründete eine eigene Kirche mit der Naherwartung eines neuen Zeitalters des Geistes, das nach Christi Kommen noch aussteht.“ 7 Andresen schreibt, dass Montanus sich als Inkarnierung des
1 Belck, S. 9
2 Tröger, S. 74
3 Hausschild, S. 77
4 Tröger, S. 74
5 ebd., S. 125
6 Brockhaus multimedial 2002
7 Brox, S. 140
4
„Parakleten“ bezeichnet habe 1 , jedoch gibt Tröger zu bedenken, dass er möglicherweise erst von anderen mit diesem identifiziert wurde 2 . Die Bewegung war bereits 170 weit verbreitet und mit dem Tod Maximillas, einer der drei Gründergestalten, sollte spätestens um 179 das von ihr selbst prophezeite Weltende kommen. Dessen Ausbleiben ließ die Naherwartung
verständlicherweise abklingen, so dass in der zweiten Phase nach ca. 200 der Montanismus zwar keine Massenbewegung mehr war, sich jedoch als Kirche des ethischen Rigorismus ( = streng an ethischen Grundsätzen ausgerichtetes Handeln 3 ) konsolidierte. 4
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Montanus griff den religiösen Enthusiasmus der urchristlichen Gemeinde wieder auf, in der besonders begnadete Geistesträger und Propheten dem Gemeindeleben dienten. 5
Obwohl sich die neue Prophetie sich im dogmatischen Lehrbestand nicht von der Großkirche unterschied, wirkte sie doch durch ihre Kritik an der Verweltlichung des normalen Christenlebens attraktiv und „knüpfte an die in Kleinasien noch im 2. Jahrhundert lebendige Tradition des urchristlichen Prophetentums an (vgl. z. B. Apokalypse, die Töchter des Philippus, Quadratus),..“. 6 Nach Aland ist der Montanismus als Phänomen nur durch den damals in der Gemeinde noch starken Glauben an die Parusie (Naherwartung der Wiederkunft Christi 7 ) zu erklären (vgl. 16. Kap. der Didache) 8 , während die Theologische Realenzyklopädie die Ursachen für das Ausbrechen der Bewegung der „Neuen Prophetie“ in den lokalen Traditionen Phrygiens sieht; in der anhaltenden prophetischen Tradition, in dem Bestehen einer starken jüdischen Gemeinde und in einer angestammten Religion, die sich durch orgiastische und asketische Bräuche auszeichnete. 9
1 Andresen, S.110
2 Tröger, S. 125
3 (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001
4 Hausschild, S. 76-77
5 Baus, S. 231
6 Hausschild, S. 76 - 77
7 Brockhaus
8 Aland 1, S. 93
9 TRE XXIII, S. 272
5
Arbeit zitieren:
Regine Seidel, 2002, Die Propheten aus Kleinasien: Montanus, Priscilla, Maximilla - Offenbarungen des Heiligen Geistes? Die Kirche des Amtes und das freie Wirken des Heiligen Geistes, München, GRIN Verlag GmbH
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