1. Einleitung
1.1 Allgemeines
Im Rahmen des längerfristig angelegten Hauptseminars „Hauptwerke der Theater-, Film- und Fernsehgeschichte“ verfolgen die Theater- und Medienwissenschaftsstudenten in Erlangen ein ehrgeiziges Projekt, das zum einen schlankweg den historischen Blick für problematische Fragestellungen innerhalb des eigenen wissenschaftlichen Studiums schärfen soll und zum anderen (darüber hinaus) nutzbringende Studienmaterialien erarbeiten will. Neben dem wissenschaftlichen Anspruch besteht das erklärte Hauptziel des Vorhabens darin, den vom Institut für Theater- und Medienwissenschaft aufgestellten Kanon bestimmter Werke der Theater-, Film- und Fernsehgeschichte, die es im Verlauf des Studiums zu rezipieren gilt, auf ihre Relevanz hinsichtlich der Geschichte des jeweiligen Mediums zu überprüfen. Dazu ist die Sichtung allgemeiner und spezieller Sekundärliteratur erforderlich, was einen gewissenhaften Umgang mit dem historischen Quellenmaterial bezüglich der Werksgeschichte inklusive seiner Rezeption und Produktion voraussetzt. Neben der Analyse geschichtlicher Fakten, mit der die grundsätzliche Problematik einhergeht, das spezifische Werk hinsichtlich der verschiedensten Ansätze in eine angemessene Relation zu stellen, kreist die Auseinandersetzung vor allem um die zentrale Fragestellung, warum das zu bearbeitende Werk als Hauptwerk der jeweiligen Einzelmediengeschichte im Sinne eines objektiv-begründbaren Kanons gilt. Die Schwierigkeit hierbei besteht darin, die subjektiven Einschätzungen von einem Werk innerhalb der Rezeptionsgeschichte aus der historischen Distanz heraus zu erfassen, objektiv zu beschreiben und somit ein möglichst wertfreies und umfassendes Bild des Hauptwerkes, seiner jeweiligen Zeit und deren Phänomene zu erhalten.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Allgemeines
1.2 Vorzüge und Nachteile einer Kanonisierung
1.3 Vier Filme Altmans als Hauptwerk im Gesamtzusammenhang
2. Der autorspezifische Kontext – über Robert Altman
2.1 Aufbruchsstimmungen in Hollywood
2.2 Altman als Erzählkünstler
2.3 Frühzeitiges Ende und verspätetes Comeback
2.4 Extensive Gesellschaftsporträts und intensive Psychogramme
2.5 Biographie bis 1970 (in Stichpunkten)
2.6 Filmographie (als Autor und/oder Regisseur und/oder Produzent)
2.7 Ausgewählte Fragen an Robert Altman
3. M*A*S*H (1970)
3.1 Produktion
3.1.1 Der (sozial-)historische Kontext: New Hollywood – Robert Altman und die 70er
3.1.2 Produktionsnotizen
3.1.3 Fragen an Robert Altman zu M*A*S*H
3.2 Werk
3.2.1 Inhalt – Story
3.2.2 Plot – Interpunktion
3.2.3 Cast
3.3 Rezeption
3.3.1 Ökonomischer Kontext
3.3.2 Preise und Pressestimmen
3.3.3 Wirkungsgeschichtliche Dimension
4. NASHVILLE (1975)
4.1 Produktion
4.1.1 Der (sozial-)historische Kontext: New Hollywood – Altman und die 70er (siehe 3.1.1)
4.1.2 Produktionsnotizen
4.1.3 Fragen an Robert Altman zu Nashville
4.2 Werk
4.2.1 Inhalt – Story
4.2.2 Plot – Interpunktion
4.2.3 Cast
4.3 Rezeption
4.3.1 Ökonomischer Kontext
4.3.2 Preise und Pressestimmen
4.3.3 Wirkungsgeschichtliche Dimension
5. THE PLAYER (1992)
5.1 Produktion
5.1.1 (New) Hollywood und das Kino im Wandel – Altman und die 90er Jahre (siehe 6.1.1)
5.1.2 Produktionsnotizen
5.1.3 Fragen an Robert Altman zu The Player
5.2 Werk
5.2.1 Inhalt – Story
5.2.2 Plot – Interpunktion
5.2.3 Cast
5.3 Rezeption
5.3.1 ökonomischer Kontext
5.3.2 Preise und Pressestimmen
5.3.4 Wirkungsgeschichtliche Dimension
6. SHORT CUTS (1993)
6.1 Produktion
6.1.1 (New) Hollywood und das Kino im Wandel – Altman und die 90er Jahre
6.1.2 Produktionsnotizen
6.1.3 Fragen an Robert Altman zu Short Cuts
6.2 Werk
6.2.1 Inhalt – Story
6.2.2 Plot – Interpunktion
6.2.3 Cast
6.2.4 Sequenzprotokoll
6.3 Rezeption
6.3.1 Ökonomischer Kontext
6.3.2 Preise und Pressestimmen
6.3.3 Wirkungsgeschichtliche Dimension
7. Gemeinsame Hauptmerkmale von M*A*S*H, Nahsville, The Player und Short Cuts – Altman als Begründer und Wegbereiter eines (Sub-)Genres
7.1 Altmans Stil/Handschrift: das Experiment mit offenen Erzählformen
7.1.1 Altmans Erzähltechnik: Bildmontage und Altmanscope
7.1.2 Offene Kompositionsformen (Eco)
7.1.3 Merkmale offener Formen (Pfister/Klotz)
7.1.4 Die offene Komposition – eine besondere Art der Kommunikation (Wuss)
7.1.5 Fragen an Altman zur Erzählstruktur und der Leidenschaft des Inszenierens
7.2 Altmans Arbeitsweise
7.2.1 Die Brechung des Buches
7.2.2 Dreharbeiten im Ensemble: Altman als Schauspielerregisseur
7.2.3 Der Kreativprozess im Schneideraum
7.3 Altman als Satiriker der Gesellschaft: Enthüllung von Sein und Schein
7.3.1 Gesellschaftskritik in Altman-Filmen
7.3.2 Fragen an Altman zur Thematik von Short Cuts und seiner Filme im Allgemeinen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert vier Hauptwerke Robert Altmans (M*A*S*H, Nashville, The Player, Short Cuts) im Kontext der amerikanischen Filmgeschichte. Das zentrale Ziel ist es, die Entwicklung einer für Altman charakteristischen, offenen Erzähltechnik zu untersuchen und aufzuzeigen, wie diese als innovativer Gegenentwurf zum klassischen, geschlossenen Filmkunstwerk fungiert, während sie gleichzeitig soziologische Aspekte der amerikanischen Gesellschaft thematisiert.
- Analyse von Altmans autorspezifischem Kontext und Arbeitsweise
- Untersuchung der filmhistorischen Bedeutung der ausgewählten Werke
- Erforschung von Merkmalen offener Erzählstrukturen und Kompositionsformen
- Betrachtung der filmischen Satire und Gesellschaftskritik bei Altman
- Evaluation der Rezeption und des Einflusses von Altmans Stil auf das moderne Kino
Auszug aus dem Buch
3. M*A*S*H (1970)
Als einer der originellsten Filmemacher des New Hollywood gilt Robert Altman (*1925). Er nutzt die Konventionen des Genre-Kinos, um sie gewissermaßen gegen sich selbst und damit die ideologischen Grundfesten Amerikas zu wenden: [...] ‚M*A*S*H*’(1969) [ist] eine bitterböse Kriegsfilmparodie [...]
Sein Kino ist voller Abenteuer: ‚M*A*S*H*’ (1970) definierte die Stimmung einer Generation (und sicherte zugleich Altmans künstlerische Freiheit) [...]
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, den Kanon bestimmter Filmwerke auf ihre geschichtliche Relevanz hin zu untersuchen und methodische Fragen einer Kanonisierung zu diskutieren.
2. Der autorspezifische Kontext – über Robert Altman: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Altmans Karriere, seine Arbeitsweise und seine Position als einflussreicher Regisseur innerhalb des New Hollywood.
3. M*A*S*H (1970): Das Kapitel behandelt Produktion, Werk und Rezeption von Altmans erstem großen kommerziellen Erfolg, der durch seine Episodenstruktur den Weg für sein offenes Erzählkino ebnete.
4. NASHVILLE (1975): Diese Sektion untersucht Nashville als komplexes Gesellschaftsporträt, das durch eine unkonventionelle Mehrspur-Tonmontage und eine hohe Anzahl an Charakteren Altmans offene Erzähltechnik auf die Spitze treibt.
5. THE PLAYER (1992): Das Kapitel analysiert Altmans Comeback-Film, der das Hollywood-System selbstreflektiv dekonstruiert und Altmans Stil auf eine neue, metasatirische Ebene hebt.
6. SHORT CUTS (1993): Die Sektion widmet sich der Adaption der Kurzgeschichten von Raymond Carver, wobei der Fokus auf der fragmentarischen Erzählstruktur und der Darstellung der Lebenswelt kalifornischer Vorstädte liegt.
7. Gemeinsame Hauptmerkmale von M*A*S*H, Nahsville, The Player und Short Cuts – Altman als Begründer und Wegbereiter eines (Sub-)Genres: Dieses Kapitel synthetisiert die in den Einzelfilmanalysen herausgearbeiteten Merkmale wie die offene Erzählstruktur, die improvisierte Arbeitsweise und die soziologische Ausrichtung seines Filmschaffens.
Schlüsselwörter
Robert Altman, New Hollywood, offene Erzählform, M*A*S*H, Nashville, The Player, Short Cuts, Ensemblefilm, Gesellschaftsporträt, Filmgeschichte, Montage, Improvisation, Soziologie, Autorentheorie, Medienkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Hausarbeit untersucht vier signifikante Filme von Robert Altman, um dessen Bedeutung für die filmgeschichtliche Entwicklung und seine spezifische, offene Erzählweise als Gegenentwurf zum klassischen Kino herauszuarbeiten.
Welche Filme bilden den thematischen Schwerpunkt?
Die Analyse konzentriert sich auf M*A*S*H (1970), Nashville (1975), The Player (1992) und Short Cuts (1993).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Altmans Leistung im Kontext des New Hollywood zu würdigen und aufzuzeigen, wie seine Filme durch eine offene Struktur, Improvisation und gesellschaftskritische Satire ein neues filmisches Subgenre des Episodenfilms prägten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verbindet filmhistorische Analysen von Produktions- und Rezeptionsbedingungen mit einer strukturalistischen Betrachtung der Erzählweisen (u.a. unter Rückgriff auf Umberto Eco und Peter Wuss).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in detaillierte Werkanalysen der vier genannten Filme (Produktion, Inhalt, Plot-Interpunktion, Rezeption) und ein abschließendes Kapitel zur Synthese gemeinsamer Stilmittel und Arbeitsweisen.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist Altmans Werk laut der Arbeit charakterisiert?
Zentrale Begriffe sind die "offene Form", "Improvisation", "Ensemblefilm", "Multiperspektivität" und die "soziologische" Betrachtung gesellschaftlicher Verhältnisse.
Inwiefern hat Altmans Arbeit das Fernsehen beeinflusst?
Die Arbeit führt aus, dass Altmans episodenhafte, multiple-character-Erzählweise die Erzählprinzipien moderner Fernsehserien nachhaltig geprägt hat und von diesen heute erfolgreich angewendet wird.
Warum wird Altmans Erzähltechnik als "induktiv-simultan" bezeichnet?
Die Beschreibung bezieht sich darauf, dass Altman seine Filme weniger linear von einer zentralen Handlung aus entwickelt, sondern durch die gleichzeitige (simultane) Beobachtung vieler Einzelereignisse das Ganze (das soziale Gefüge) induktiv entwirft.
Welche Bedeutung hat das Schneideraum-Verfahren für Altman?
Der Schnitt ist für Altman nicht bloß ein technischer Vorgang, sondern das eigentliche Herzstück seines kreativen Prozesses, in dem er durch die Anordnung von losem, assoziativ gesammeltem Material erst die finale Struktur und Aussage des Films generiert.
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- Roman Seda (Author), 2004, Hauptwerke der Filmgeschichte: Die Bedeutung der Filme "M*A*S*H", "Nashville", "The Player" und "Short Cuts" innerhalb eines filmgeschichtlichen Entwicklungsprozesses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44167