II
INHALT
VORWORT V
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
LITERATURVERZEICHNIS VII
1 EINLEITUNG. 1
1.1 Zielsetzung der Arbeit 1
1.2 Energiefrage und theologische Ethik - Zur Rechtfertigung meines Themas. 1
1.3 Zum Aufbau der Arbeit 8
1.4 Exkurs zum Streit um das Wasserkraftwerk Lambach. 10
1.4.1 Allgemeine Vorbemerkungen 10
1.4.2 Darstellung des Konflikts. 12
1.4.3 Die Argumente 14
2 PROBLEMDARSTELLUNG 19
2.1 Allgemeines zur Energie, Begriffsklärungen und Maßeinheiten 19
2.2 Energieversorgung und Energieverbrauch. 24
2.2.1 Entwicklung 24
2.2.2 Ist-Stand und gegenwärtige Tendenzen. 31
2.2.3 Berechnungen für die Zukunft. 34
2.2.4 Einsparungspotentiale 39
2.3 Die verschiedenen Energieträger 40
2.3.1 Endliche Energieträger (fossile Energieträger, Kernspaltung, Kernfusion) 41
2.3.1.1 Fossile Energieträger 42
2.3.1.1.1 Stein- und Braunkohle. 42
2.3.1.1.2 Erdöl. 44
2.3.1.1.3 Erdgas. 47
2.3.1.2 Kernenergie 48
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
III
2.3.1.2.1 Kernspaltung 48
2.3.1.2.2 Kernfusion. 51
2.3.2 Erneuerbare Energieträger (Solarenergie, Gezeitenenergie und Geothermie) 51
2.3.2.1 Direkte Nutzung der Sonnenenergie 54
2.3.2.2 Indirekte Nutzung der Sonnenenergie. 56
2.3.2.2.1 Wasserkraft 57
2.3.2.2.2 Windenergie 57
2.3.2.2.3 Biomasse 58
2.3.2.2.4 Umweltwärme 59
2.4 Ökologische und soziale Probleme. 59
2.4.1 Verteilungsungerechtigkeit 60
2.4.2 Ressourcenknappheit. 60
2.4.3 Beeinträchtigung der Umwelt durch Gewinnung, Transport und Verbrauch von Energie 61
2.4.4 Treibhauseffekt und Klimaveränderung. 63
2.4.5 Risiken und Gefahren der Kernenergie 68
2.4.5.1 Strahlenschäden 69
2.4.5.2 Strahlenbelastungen kerntechnischen Ursprungs 69
2.4.5.3 Gefahren der Kernfusion 71
3 ANSÄTZE UND ORIENTIERUNGEN IN DER THEOLOGISCHEN ETHIK 72
3.1 Die ethische Herausforderung. 72
3.1.1 Die ethische Frage. 72
3.1.2 Ethische Grundkoordinaten. 73
3.2 Bisherige Beiträge von Theologie und Kirche zur Energieproblematik. 75
3.2.1 Die moraltheologische Auseinandersetzung mit der Energiefrage (Entwicklung der
Thematik) 75
3.2.2 Kirchenamtliche Stellungnahmen zur Energiefrage 80
3.2.2.1 Römische Dokumente. 80
3.2.2.2 Kirchliche Dokumente aus dem deutschen Sprachraum 83
3.2.2.3 Der konziliare Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. 85
3.2.2.4 Kirchliche Stellungnahmen zur Kernenergiedebatte. 86
3.3 Theologische Grundlagen 87
3.3.1 Verantwortung gegenüber der Schöpfung. 87
3.3.2 Mitmenschliche Solidarität - das Liebesgebot als Moralprinzip 89
3.4 Ethische Entscheidungsfindung 94
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
IV
3.4.1 Die Notwendigkeit der Güterabwägung 96
3.4.1.1 Kriterien zur Urteilsfindung. 97
3.4.1.1.1 Fundierungskriterium 98
3.4.1.1.2 Integrationskriterium 98
3.4.1.1.3 Dringlichkeitskriterium 99
3.4.1.1.4 Vorsorgekriterium 99
3.4.1.1.5 Verursacherkriterium. 100
3.4.1.1.6 Kooperationskriterium. 101
3.4.1.1.7 Reversibilitätskriterium 102
3.4.1.1.8 Kreislaufkriterium 103
3.4.1.1.9 Regenerationskriterium 104
3.4.1.1.10 Sparsamkeitskriterium. 104
3.4.1.2 Die Frage nach konkreten konsensfähigen Einzelnormen. 105
3.4.2 Der ethische Kompromiß 106
3.5 Wege der Umsetzung 107
3.5.1 Der Glaube als Handlungsmotivation 107
3.5.2 Ebenen der Realisation. 109
3.5.2.1 Forderungen an den Einzelnen. 109
3.5.2.2 Forderungen nach strukturellen Veränderungen 110
3.5.2.3 Die Bedeutung der sozialen Bewegungen. 115
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
V
V O R W O R T
In der vorliegenden Diplomarbeit war es mir möglich, meinem nunmehr schon
langjährigen Interesse für ökologische Themen, insbesondere für die Energiefrage aus dem besonderen Blickwinkel der Moraltheologie nachzugehen.
Mein Dank gilt zunächst Prof. Dr. Alfons Riedl, der mich während der aufgrund meiner Berufstätigkeit als Religionslehrer langen Entstehungszeit dieser Arbeit sehr gut betreute und mich bis zu ihrem Abschluß wirklich bestmöglich unterstützte. Ein Danke auch an Ass. Mag. Josef Schwabeneder für so manchen Literaturhinweis aber auch für
so manche provozierende Frage, die mich auch des öfteren über das von mir ursprünglich Gedachte hinausführte.
Erwähnen möchte ich hier auch meinen Lehrerkollegen HOL Andreas Prammer, von dessen praktischem Wissen über Alternativenergien ich viel für meine Arbeit profitieren konnte.
Bedanken möchte ich mich auch bei all jenen, die mir mein Studium ermöglicht und mich dabei geduldig und behutsam begleitet haben. Nicht zuletzt gilt mein besonderer Dank meiner Freundin Maria Dallinger, daß sie mich vor allem in der letzten sehr dichten Arbeitsphase an meiner Diplomarbeit auf so wohltuende Art ertragen und getragen hat.
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
VI
A B K Ü R Z U N G S V E R Z E I C H N I S
bearb. bearbeitet bes. besonders bzw. beziehungsweise d. des, durch d.h. das heißt Ebd. ebenda Erg. Ergänzung gr. griechisch h. hier hrsg. herausgegeben IEA Internationale Energieagentur, Paris KIZ Kirchenzeitung der Diözese Linz o. J. ohne Jahr OÖN Oberösterreichische Nachrichten u.a.
u.ä. und ähnlich Verf. Verfasser zit. zitiert Nr. Nummer Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
VII
L I T E R A T U R V E R Z E I C H N I S
ALTNER, Günter, Bewahrung der Schöpfung und Weltende, in: Ökologische
Theologie. Perspektiven zur Orientierung, hrsg. von ALTNER, Günter, Stuttgart
1989, 409-423
ALTNER, Günter, Der Mensch zwischen Natur und Kultur. Strategien für einen
besseren Umgang mit der Natur, in: Veränderung. Illusion und Chance
(Veröffentlichung der Salzburger Internationalen Pädagogischen Werktagungen:
Tagungsbericht der 40. Werktagung 1991, Band XLVI), Salzburg 1992, 23-36
AUER, Alfons, Umweltethik. Ein theologischer Beitrag zur ökologischen Diskussion,
Düsseldorf 1984
BAUMGART, Gert, Countdown für die Energie, Wien 1990
BEUTTER, Friedrich, Umwelt, in: Wörterbuch Christlicher Ethik, hrsg. von
STOECKLE, Bernhard, Freiburg/Breisgau 1975, 247-249 5 1991 BÖCKLE, Franz, Fundamentalmoral, München
BOHN, Thomas, Energiearten/Energieträger, in: Lexikon der Bioethik (Bd. 1), hrsg. im
Auftrag der Görres-Gesellschaft von KORFF, Wilhelm u.a., Gütersloh 1998, 602-604
CANSIER, Dieter u. BAYER, Stefan, Umwelt- und Ressourcenökonomik, in:
Handbuch der Wirtschaftsethik (Bd. 4, Ausgewählte Handlungsfelder), hrsg. im
Auftrag der Görres-Gesellschaft von KORFF, Wilhelm u.a., Gütersloh 1999, 582-605
Das Umweltlexikon, hrsg. von KATALYSE e. V. (Institut für angewandte
Umweltforschung), Köln 1993
DEMMER, Klaus, Kompromiß, in: Neues Lexikon der christlichen Moral, hrsg. von
ROTTER, Hans u. VIRT, Günter, Innsbruck 1990, 381-385
Der Fischer Weltalmanach 1999, hrsg. von BARATTA, Mario von, Frankfurt/Main
1998
Der Fischer Weltalmanach 2000, hrsg. von BARATTA, Mario von, Frankfurt/Main
1999
Energie und Ethik. Leitbilder im philosophischen Diskurs, hrsg. von NENNEN, Heinz-Ulrich u. HÖRNING, Georg, Frankfurt/Main 1999
Energiebericht 1996 der österreichischen Bundesregierung, hrsg. vom
Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten, Wien 1996
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
VIII
Energiestatistik 1998. Daten zur Energieversorgung Österreichs, hrsg. vom
Bundeslastverteiler (Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten), Wien
1999
Erneuerbare Energie in Österreich, hrsg. vom Bundesministerium für wirtschaftliche
Angelegenheiten, Wien 1998
FELDHAUS, Stephan, Der Fall Kernenergie - ein Glaubensstreit?, in: KORFF,
Wilhelm u.a., Die Energiefrage. Entdeckung ihrer ethischen Dimension, Trier 1992,
287-347
FELDHAUS, Stephan, Energie/Energiewirtschaft, in: Lexikon der Bioethik (Bd. 1),
hrsg. im Auftrag der Görres-Gesellschaft von KORFF, Wilhelm u.a., Gütersloh 1998,
590-602
FELDHAUS, Stephan, Handlungskonsequenzen für die Energieversorgung, in: KORFF,
Wilhelm u.a., Die Energiefrage. Entdeckung ihrer ethischen Dimension, Trier 1992,
218-227
Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen
Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen
und sozialen Lage in Deutschland, hrsg. vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche
in Deutschland und vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Hannover-Bonn 1997, hier zit. nach: Evangelische Kirche in Deutschland
[http://www.ekd.de/EKD-Texte/sozialwort/sozialwort.zip], 12.07.2000
Globale Trends 1996, hrsg. von HAUCHLER, Ingomar (Stiftung Entwicklung und
Frieden), Frankfurt/Main 1995
Gott ist ein Freund des Lebens. Herausforderungen und Aufgaben beim Schutz des
Lebens. Gemeinsame Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
und der Deutschen Bischofskonferenz, hrsg. vom Kirchenamt der Evangelischen
Kirche in Deutschland und dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz,
5 1991 Gütersloh
GREMM, Otto, Kernenergie: Testfall der Verantwortungsethik, in: KORFF, Wilhelm
u.a., Die Energiefrage. Entdeckung ihrer ethischen Dimension, Trier 1992, 147-217
GRÜNDEL, Johannes, Liebe, in: Wörterbuch des Christentums, hrsg. von DREHSEN,
Volker; HÄRING, Hermann u.a., München 1995, 727-729
GÜNTHÖR, Anselm, Handbuch der katholischen Moraltheologie (Bd. 3, Der Christ in
der Gemeinschaft: spezielle Moraltheologie), Vallendar-Schönstatt 1994
HALTER, Hans, Theologie, Kirchen und Umweltproblematik. Der Beitrag der
Theologie zu einer ökologischen Ethik, in: Katholische Soziallehre in neuen
Zusammenhängen (Theologische Berichte XIV), Einsiedeln 1985
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
IX
HÄRING, Bernhard, Frei in Christus. Moraltheologie für die Praxis des christlichen
Lebens (Bd. 3, Die Verantwortung des Menschen für das Leben), Freiburg/Breisgau
(Sonderausgabe) 1989
HEINRICH, Dieter; HERGT, Manfred, dtv-Atlas zur Ökologie. Tafeln und Texte,
2 1991 München
HENGSBACH, Friedhelm, Wirtschaftethik, Aufbruch-Konflikte-Perspektiven,
2 1993 Freiburg/Breisgau
HILLERBRAND, Max, Energieszenarien: Optimierung des Möglichen, in: KORFF,
Wilhelm u.a., Die Energiefrage. Entdeckung ihrer ethischen Dimension, Trier 1992,
27-146
HÖHN, Hans-Joachim, Umweltethik, in: Lexikon der Bioethik (Bd. 3), hrsg. im Auftrag
der Görres-Gesellschaft von KORFF, Wilhelm u.a., Gütersloh 1998, 628-633
HONNEFELDER, Ludger, Die Ethische Rationalität der Neuzeit, in: Handbuch der
christlichen Ethik (Bd. 1), hrsg. von HERTZ, Anselm; KORFF, Wilhelm u.a.,
Freiburg (aktualisierte Neuauflage) 1993, 19-45
HÜTTL, Adolf; STEGER, Ulrich, Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energie- und
Stromversorgung - Abwägungen und Perspektiven, in: STEGER, Ulrich; HÜTTL,
Adolf (Hg.), Strom oder Askese? Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Strom- und
Energieversorgung, Frankfurt/Main 1994, 11-26
IRRGANG, Bernhard, Christliche Umweltethik. Eine Einführung (UTB 1671),
München 1992
Johannes Paul II., Enzyklika "Centesimus annus", 01.05.1991, hier zit. nach:
Kongregation für den Klerus [http://www.clerus.org/clerus/dati/1999-10/08-5/Cannus91.exe], 12.07.2000
Johannes Paul II., Enzyklika "Redemptor hominis", 04.03.1979, hier zit. nach:
Kongregation für den Klerus [http://www.clerus.org/clerus/dati/2000-05/10-10/Rehom.exe], 12.07.2000
Johannes Paul II., Enzyklika "Sollicitudo rei socialis", 30.12.1987, hier zit. nach:
Kongregation für den Klerus [http://www2.chiesacattolica.it/clerus/dati/1999-12/03-10/sollreis.exe], 12.07.2000
Johannes Paul II., Friede mit Gott, dem Schöpfer, Friede mit der ganzen Schöpfung
(Botschaft zum Weltfriedenstag 1990), 08.12.1989, hier zit. nach: Kongregation für
den Klerus [http://www.clerus.org/clerus/dati/2000-05/05-10/Okrise.exe],
12.07.2000
KESSLER, Hans, Das Stöhnen der Natur. Plädoyer für eine Schöpfungsspiritualität und
Schöpfungsethik, neu herausgegeben und verlegt vom Referat für Umweltfragen der
Erzdiözese Wien, Wien 1998
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
X
KLUXEN, Wolfgang, Moralische Aspekte der Energie- und Umweltfrage, in: Handbuch
der christlichen Ethik (Bd. 3), hrsg. von HERTZ, Anselm; KORFF, Wilhelm u.a.,
Freiburg (aktualisierte Neuauflage) 1993, 379-424
KOCH, Kurt, Gerechtigkeit-Friede-Schöpfungsbewahrung. Gottes
Dienstverpflichtungen für Christen heute, Freiburg 1989
KORFF, Wilhelm u.a., Die Energiefrage. Entdeckung ihrer ethischen Dimension, Trier
1992
KORFF, Wilhelm, Ethische Entscheidungskonflikte: Zum Problem der Güterabwägung,
in: Handbuch der christlichen Ethik (Bd. 3), hrsg. von HERTZ, Anselm; KORFF,
Wilhelm u.a., Freiburg (aktualisierte Neuauflage) 1993, 78-92
KORFF, Wilhelm, Kernenergie und Moraltheologie. Der Beitrag der theologischen
Ethik zur Frage allgemeiner Kriterien ethischer Entscheidungsprozesse,
Frankfurt/Main 1979
KRONBERGER, Hans; NAGLER, Hans, Handbuch der erneuerbaren Energie. Der
sanfte Weg, Wien o. J. (bis 1996)
LESCH, Walter, Methoden der Ethik, in: Neues Lexikon der christlichen Moral, hrsg.
von ROTTER, Hans u. VIRT, Günter, Innsbruck 1990, 493-501
LESCH, Walter, Moralprinzip, in: Neues Lexikon der christlichen Moral, hrsg. von
ROTTER, Hans u. VIRT, Günter, Innsbruck 1990, 511-515
MAXEINER, Dirk; MIRSCH, Michael, Lexikon der Öko-Irrtümer. Überraschende
Fakten zu Energie, Gentechnik, Klima, Ozon, Wald und vielen anderen
Umweltthemen, Frankfurt/Main 1998
MEADOWS, Dennis u.a., Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur
Lage der Menschheit (Klassiker des modernen Denkens, hrsg. von FEST, Joachim
und SIEDLER, Wolf Jobst), Wien o.J. (amerikanische Erstausgabe: New York 1972)
MEADOWS, Dennis u.a., Die neuen Grenzen des Wachstums. Die Lage der
Menschheit: Bedrohung und Zukunftschancen, Wien 1992
METZNER, Helmut, Solarenergie und Atomstrom. Energiequellen, Umweltbelastung
und das CO 2 -Problem, hrsg. von der Europäischen Akademie für Umweltfragen,
Leipzig 1999
MOHR, Hans, Energie, in: Wörterbuch der ökologischen Ethik. Die Verantwortung des
Christen für den Bestand der Schöpfung, hrsg. von STOECKLE, Bernhard,
Freiburg/Breisgau 1986, 42-47
MÜLLER, Michael und HENNICKE, Peter, Mehr Wohlstand mit weniger Energie.
Einsparkonzepte, Effizienzrevolution und Solarwirtschaft, Darmstadt 1995
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
XI
MÜNK, Hans-Jürgen, Umweltethik, in: Neues Lexikon der christlichen Moral, hrsg.
von ROTTER, Hans u. VIRT, Günter, Innsbruck 1990, 808-816
Nationaler Umweltplan, hrsg. von der österreichischen Bundesregierung, Wien
(Nachdruck) 1996
Ökologische Theologie und Ethik II (Texte zur Theologie: Abteilung Moraltheologie;
Bd. 1), bearb. von HALTER, Hans u. LOCHBÜHLER, Wilfried, Graz 1999
RINGELING, Hermann, Die Notwendigkeit des ethischen Kompromisses: Kritik und
Theologische Begründung, in: Handbuch der christlichen Ethik (Bd. 3), hrsg. von
HERTZ, Anselm; KORFF, Wilhelm u.a., Freiburg (aktualisierte Neuauflage) 1993,
93-116
RÖMELT, Josef, Handbuch der Moraltheologie (Bd. 3, Jenseits von Pragmatismus und
Resignation. Perspektiven christlicher Verantwortung für Umwelt, Frieden und
soziale Gerechtigkeit, unter Mitarbeit von Michael Schramm), Regensburg 1999
ROTTER, Hans, Das Gute, in: Neues Lexikon der christlichen Moral, hrsg. von
ROTTER, Hans u. VIRT, Günter, Innsbruck 1990, 311-316
ROTTER, Hans, Liebe, in: Neues Lexikon der christlichen Moral, hrsg. von ROTTER,
Hans u. VIRT, Günter, Innsbruck 1990, 439-446
SCHÄFER, Paul, Herausforderung zur Umkehr. Katholische Dokumente, theologische
Argumente, physikalische Begriffe und didaktische Strukturen zum Thema Umwelt,
Hildesheim 1984
SCHEER, Hermann, Solare Weltwirtschaft. Strategie für die ökologische Moderne,
München 1999
SCHEER, Hermann, Sonnenstrategie. Politik ohne Alternative, München 1993
SCHLITT, Michael, Umweltethik. Philosophisch-ethische Reflexionen - Theologische
Grundlagen - Kriterien, Paderborn 1992
Schlußdokument der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung "Versöhnung
- Gabe Gottes und Quelle neuen Lebens" in Graz, 23.-29. Juni 1997, h. zit. nach:
Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) [http://www.cec-kek.org/Deutsch/graz3print.htm], 12.07.2000 3 1991 SEIFRIED, Dieter, Gute Argumente: Energie, München
Solidarität mit der bedrohten Umwelt. Erklärung der österreichischen Bischöfe,
19.04.1984, in: Jugend und Kirche 18 (1984/85, Heft 2), 17-19
Sozialhirtenbrief der katholischen Bischöfe Österreichs, hrsg. vom Sekretariat der
österreichischen Bischofskonferenz, Wien 1990
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
XII
STENHORST, Peter, Heißes Wasser von der Sonne. Ein Leitfaden für Planung, Kauf
4 1997 und Bau von Solaranlagen, Staufen bei Freiburg
STOECKLE, Bernhard, Atom, in: Wörterbuch der ökologischen Ethik. Die
Verantwortung des Christen für den Bestand der Schöpfung, hrsg. von STOECKLE,
Bernhard, Freiburg/Breisgau 1986, 22-27
United Nations Environment Programme (UNEP's Information Unit for Conventions),
Climate Change Information Kit [http://www.unep.ch/iuc/submenu/infokit/infokit- 04.06.2000
Unsere Verantwortung in der Energiefrage. Denkanstöße und Vorschläge aus
sozialethischer Sicht, hrsg. von der Schweizerischen Nationalkommission Justitia et
Pax, Freiburg 1983
Verantwortete Zukunft. Mit oder ohne Atomenergie, hrsg. von der Katholischen
Sozialakademie Österreichs, Wien 1980
Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung. Gemeinsame Erklärung des Rates der
Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz, hrsg.
vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland und dem Sekretariat der
Deutschen Bischofskonferenz, Köln 1985
VIRT, Günter, Christliche Verantwortung. Vortrag zum Klima-Symposium in Wien am
27.4.1996, abgedruckt in: Klima-Symposium. Die Kirche auf dem Weg zur
nachhaltigen Energieversorgung, hrsg. von der ARGE Schöpfungsverantwortung,
Wien 1996, 17-28
VOGT, Markus, Notwendiger Strukturwandel. Neue Wege für die Energieversorgung,
in: Herder Korrespondenz 54 (6/2000), 296-301
WEIZSÄCKER, Ernst Ulrich von, Erdpolitik. Ökologische Realpolitik an der Schwelle
4 1994 zum Jahrhundert der Umwelt, Darmstadt
WEIZSÄCKER, Ernst Ulrich von; LOVINS, Amory B; LOVINS, L.Hunter, Faktor vier.
Doppelter Wohlstand - halbierter Naturverbrauch. Der neue Bericht an den Club of
Rome, München 1996
WILLIAMS, Robert H., Die Renaissance der Energieindustrie, in: STEGER, Ulrich;
HÜTTL, Adolf (Hg.), Strom oder Askese? Auf dem Weg zu einer nachhaltigen
Strom- und Energieversorgung, Frankfurt/Main 1994, 141-198
WOLBERT, Werner, Norm, in: Neues Lexikon der christlichen Moral, hrsg. von
ROTTER, Hans u. VIRT, Günter, Innsbruck 1990, 563-567
WOLKINGER, Alois, Bemerkungen zu einer theologischen Ethik, in: Ökonomie- Vom Wissen zum richtigen Handeln, hrsg. von KOLB, Anton u.a.,
Innsbruck 1997, 163-203
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
XIII
ZIESING, Hans-Joachim, Was haben wir aus der bisherigen Energiekontroverse
gelernt?, in: STEGER, Ulrich; HÜTTL, Adolf (Hg.), Strom oder Askese? Auf dem
Weg zu einer nachhaltigen Strom- und Energieversorgung, Frankfurt/Main 1994, 27-55
ZIMMERLI, Walter Ch. u. WOLF, Stefan, Die Bedeutung der empirischen
Wissenschaften und der Technologie für die Ethik, in: Handbuch der christlichen
Ethik (Bd. 1), hrsg. von HERTZ, Anselm; KORFF, Wilhelm u.a., Freiburg
(aktualisierte Neuauflage) 1993, 297-316
Zweiter Nationaler Klimabericht der österreichischen Bundesregierung, hrsg. vom
Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie, Wien 1997
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
1
1 1 E I N L E I T U N G
1.1 Zielsetzung der Arbeit
Von der Ethik erwartet man Orientierung in Problembereichen, die verantwortliches menschliches Handeln erfordern und herausfordern. Meine Diplomarbeit mit dem Titel "Energie und Moral" befaßt sich mit dem Problembereich der Energieversorgung angesichts sich bereits abzeichnender lokaler und globaler ökologischer Probleme, die ja zu einem Großteil Konsequenzen unseres bisherigen Umgangs mit Energie sind und neben einer politischen, wirtschaftlichen und technischen jedenfalls auch eine ethische Dimension aufweisen. Den Bergriff "Energieversorgung" verstehe ich hier sehr weit gefaßt und meine damit nicht nur im engeren Sinn den Aufgabenbereich unserer sogenannten "Energieversorgungsunternehmen"; vielmehr verwende ich diesen Begriff als Bezeichnung für das gesamte Spektrum angefangen von der Energiegewinnung über die verschiedensten Verfahren und Schritte der Energieumwandlung bis hin zum Energieverbrauch des Endverbrauchers.
In dieser Arbeit soll aufgezeigt werden, welche Orientierungen für menschliches Handeln sich aus der Reflexion dieses Problembereiches im Rahmen der theologischen Ethik ergeben.
Dieser letztere Aspekt sei im Folgenden noch näher begründet.
1.2 Energiefrage und theologische Ethik - Zur Rechtfertigung meines Themas
Schon seit einigen Jahren beschäftigen mich Themen der Ökologie, des Umweltschutzes und nicht zuletzt - bedingt durch mein Theologiestudium - der Bereich der Umweltethik.
1 In den Anmerkungen dieser Arbeit werden in der Regel Kurzzitate verwendet. Die vollen
bibliographischen Angaben sind dem Literaturverzeichnis zu entnehmen.
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
2
Was den Zustand unseres Ökosystems Erde anbelangt, steht die Spezies Mensch heute wohl vor einer der größten - wenn nicht überhaupt der größten - Herausforderung seiner gesamten bisherigen Geschichte. Es geht um nicht weniger als das Leben der Menschen, vor allem der künftigen Generationen.
Die Art und Weise künftiger Energieversorgung nimmt dabei in der gegenwärtigen 2 Die Bereitstellung und der Verbrauch von Ökologiedebatte eine Schlüsselstellung ein:
Energie und die damit in Zusammenhang stehenden Verfahren gelten einerseits als Hauptverursacher unserer Umweltprobleme; andererseits ist ein Überleben und schon gar ein lebenswertes Weiterleben unserer Zivilisation ohne Energie nicht denkbar. Der deutsche Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, einer der herausragendsten Vorkämpfer in der Frage nach erneuerbaren Energien, analysiert in seinem Buch 3 angeführten globalen Problemfelder. Er "Sonnenstrategie" die in der "Agenda 21"
kommt dabei zum Schluß, daß nahezu alle gegenwärtigen ökologischen aber auch 4 sozialen "Problemfelder vorrangig solche der Energieversorgung sind." Obgleich dieser Wichtigkeit der Energiefrage erregt mein Diplomarbeitsthema immer wieder Erstaunen: Was Energie mit Theologie, ja mit Moraltheologie zu tun haben könnte, ist nur den wenigsten ohne nähere Erläuterung einsichtig. (Und wenn jemand glaubt, einen Zusammenhang von Theologie und Energie gefunden zu haben, so meist auf dem Hintergrund, daß - wie könnte es im Kontext von Glaube und Kirche auch anders sein? - unter "Energie" die innere Energie, die Seelenkraft des Menschen verstanden wird.)
Daß theologische Ethik aber sehr wohl einen Ort hat in der Diskussion um die künftige Art der Energieversorgung, sollen die folgenden Ausführungen aufzeigen.
2 Neben dem in dieser Arbeit erörterten Problem der Energieversorgung kommt dem weltweiten Problem
der Trinkwasserversorgung eine wohl kaum geringere Bedeutung zu.
3 Die "Agenda 21" wurde als umfangreiches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert auf der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro verabschiedet. Sie enthält u.a. eine
Zusammenfassung aller gegenwärtigen Erde und Menschheit bedrohenden globalen ökologischen und
sozialen Problembereiche. (Vgl. dazu: SCHEER, Hermann, Sonnenstrategie, 9-13; Der Fischer
Weltalmanach 1999, 1203f.) 4 SCHEER, Hermann, Sonnenstrategie, 14.
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
3
Zunächst erscheint mir dazu eine kleine Anmerkung zum Begriff "theologische Ethik" vonnöten:
Bei der Energiefrage handelt es sich letztlich um eine Problematik, die die Zukunft der gesamten menschlichen Zivilisation betrifft. Angesichts dessen muß die theologische Ethik, wenn sie sich dieses Bereiches annimmt, in ihrer Argumentation allgemein verständlich sein und darf sich nicht auf den Binnenraum einer nur unter der Voraussetzung des persönlichen Glaubens nachvollziehbaren Glaubensmoral zurückziehen. Was Walter Lesch bezugnehmend auf die Methoden der Ethik im Neuen Lexikon der christlichen Moral ganz allgemein von der theologischen Ethik sagt, daß diese sich nämlich "in ihrer Methodologie prinzipiell nicht von philosophischer Ethik 5 kann, das gilt auch insbesondere in diesem konkreten Fall, wo unterscheiden"
theologische Ethik von der Energiefrage gefordert ist, die letztlich die ganze Menschheit betrifft.
Die Folgerungen, die die theologische Ethik aus der Beschäftigung mit der Energieproblematik für das menschliche Handeln zieht, unterliegen somit dem Kriterium der Kommunikabilität; sie müssen also mitteilbar und mittels der Vernunft nachvollziehbar sein, natürlich auch für Nicht-Christen. Mit Franz Böckle gesprochen ist es also nicht relevant, "ob die vom Christentum für das Zusammenleben der Menschen erhobenen sittlichen Normen originär oder gar exklusiv christlich sind; uns 6 Für Böckle geht es in der interessiert letztlich vor allem ihre Kommunikabilität."
Moraltheologie darum, "die Konsequenzen für das zwischenmenschliche Verhalten, die sich aus unserem Glauben an Gott und an die Macht seiner befreienden Liebe ergeben, 7 allen [Hervorhebung des Verf.] Menschen erfahrbar zu machen." Wenn aber dennoch von theologischer Ethik die Rede sein soll, so darf man natürlich die Antwort auf die Frage nicht schuldig bleiben, was denn nun das Theologische bzw. das spezifisch Christliche an einem solchen ethischen Entwurf sein soll. Hier ist sicherlich zunächst "das mit dem Schöpfungsglauben gegebene Vorverständnis, mit dem
5 LESCH, Walter, Methoden der Ethik, 494. 6 BÖCKLE, Franz, Fundamentalmoral, 234. 7 Ebd., 234.
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
4
8 anzuführen. Weiters ist in diesem der theologische Ethiker an die Probleme herangeht"
Zusammenhang die dem Glauben entspringende christliche Handlungsmotivation zu nennen, die letztlich nicht wenig dazu beitragen kann, daß auf die theoretische Einsicht für die Notwendigkeit einer bestimmten Handlung auch die praktische Umsetzung derselben folgt. Ein Grund für unsere gegenwärtige prekäre Situation ist ja, daß wir nicht tun, was wir bereits wissen.
Wir Menschen sind heute herausgefordert, einschneidende Entscheidungen herbeizuführen und Taten zu setzen, um das durch unser Tun aus den Fugen geratene Ökosystem Erde wieder ins Lot zu bringen. Der Versuch, das Problem allein durch einzelne technologische Maßnahmen in den Griff zu bekommen, ist wohl von vornherein zum Scheitern verurteilt: Zu komplex und verfahren ist dazu die gegenwärtige Problematik, was sich auch immer wieder in den überaus emotional geführten Diskussionen über Umweltschutzmaßnahmen zeigt. Die eine und zugleich einfache Lösung zum anstehenden Umweltproblem schlechthin gibt es (noch) nicht. Aufgrund der Komplexität des Problems, die sich aus dem Zusammenspiel von wirtschaftlichen, politischen, sozialen, ökologischen und persönlichen Interessen ergibt, wäre wohl jede einfache zugleich auch eine allzu sehr vereinfachende und somit am eigentlichen Problem vorbeigehende Lösung.
Wenn sich auch "alle Menschen guten Willens" darin einig sind, daß gegen den drohenden ökologischen Kollaps etwas getan werden muß, so unterscheiden sich die Ansichten, was getan werden sollte, oft erheblich. Hier gilt es also in einem gemeinsamen Diskurs Sachargumente gegeneinander abzuwägen, um zu einer tragfähigen Entscheidung zu kommen. Dieser Diskurs, in dem gemeinsam nach einer Entscheidung gerungen wird, ist nun auch der Ort, wo die Ethik bzw. in unserem Fall 9 Daß die die theologische Ethik gefragt ist und auch immer wieder gefragt wird. theologische Ethik an der Ökologiedebatte nicht vorbeigeht, zeigt auch die große Zahl an Buchveröffentlichungen zu diesem Thema in den letzten Jahren.
8 VIRT, Günter, Christliche Verantwortung, 21. 9 Vgl. KORFF, Wilhelm, Kernenergie und Moraltheologie, 10f.
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
5
Was heute gefordert ist, ist eine Lösung "im Großen", eine globale Lösung. Ein Flickwerk aus einzelnen, wenn auch gut gemeinten Umweltschutzmaßnahmen reicht dazu nicht aus. Auch aus diesem Grund hat die Ethik einen Ort in der Diskussion um eine lebenswerte Zukunft. Wie wichtig einzelne Maßnahmen bzw. Maßnahmen des Einzelnen - was ja nicht dasselbe ist - auch sind: Eine globale Problematik verlangt nach einer globalen Lösung. So müssen heute in der Ökologiedebatte auch - meines Erachtens sogar vor allem - Strukturen unserer bereits etablierten Lebensweisen und weltweiten Systeme hinterfragt werden. Es geht um bisherige Wertungen und Zielsetzungen unserer Zivilisation, die vor dem Hintergrund einer neuen und weithin erst zu entwickelnden ökologisch verträglichen Lebensweise hinterfragt und teilweise auch korrigiert werden müssen. Hier hat die Ethik und auch die theologische Ethik ihre Dienste zu erweisen. Daß sie sich dabei nicht aufdrängen muß, sondern vielmehr als kompetenter Gesprächspartner gesucht wird, mag auch jenes, bereits aus dem Jahre 10 verdeutlichen: 1972 stammende Zitat des Exekutiv-Komitees des Club of Rome
10 Der Club of Rome wurde 1968 in der Accademia dei Lincei in Rom gegründet. Diese Vereinigung
umfaßt etwa 70 Wissenschaftler der verschiedensten Fachrichtungen und Wirtschaftsleute aus 25 Staaten
der Erde, die das gemeinsame Ziel haben, die sich immer stärker abzeichnende Krise der Menschheit zu
ergründen und darauf aufbauende Lösungsstrategien zu entwickeln. In weiterer Folge sieht es der Club of
Rome als seine Aufgabe, auf die politischen Entscheidungsträger in aller Welt Einfluß auszuüben, um sie
für die gegenwärtigen Probleme der Menschheit zu sensibilisieren. Gleich in den ersten Jahren seines
Bestehens beauftragte der Club of Rome das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den
Vereinigten Staaten mit der Erstellung eines Berichts über die Lage der Menschheit. Anhand eines
Computermodells errechnete ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Dr. Dennis L.
Meadows Prognosen für die Zukunft der Menschheit in dieser Welt. 1972 erschien dieser Bericht des
Club of Rome in Buchform mit dem bekannten Titel 'The Limits to Growth' oder auf Deutsch 'Die
Grenzen des Wachstums' (MEADOWS, Dennis u.a., Die Grenzen des Wachstums). [Vgl. zu dieser
Fußnote Eduard Pestels Vorwort im eben zitierten Buch.]
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
In diesem Zitat kommt auch zum Ausdruck, daß der notwendige Eingriff in Strukturen und der damit in Verbindung stehende Abschied von so manch Liebgewonnenem nicht ganz glatt und reibungslos über die Bühne gehen wird. Vielmehr braucht es große Überwindung, diese Schritte zu setzen. Hier ergibt sich vor allem für die theologische Ethik Handlungsbedarf, die allen entmutigenden und zu Resignation führenden 12 den Horrorvisionen eines schon beinahe unabänderlichen ökologischen Holocausts hoffnungsvollen und ermutigenden Glauben an die trotz allem von Gott getragene Schöpfung entgegenhalten kann.
Mit der Ökologiedebatte aufs Engste verbunden erweist sich so auch die Energiefrage heute immer mehr als eine ethische Fragestellung, und so gibt auch Wilhelm Korff seinem Buch über "Die Energiefrage" den Untertitel: "Entdeckung ihrer ethischen Dimension".
Gerade in Fragen der Energieversorgung gibt es keine einfachen Lösungen: Dies zeigen unter anderem die "heißen" Auseinandersetzungen um das Kernkraftwerk Zwentendorf, 13 . Die Aufgabe der Ethik ist es, sich in das Wasserkraftwerk Hainburg oder Lambach
solche Diskurse einzubringen und Kriterien bereitzustellen, die zu einer objektiven Abwägung von Sachargumenten, von Für und Wider beitragen. Dabei verfügt auch die Ethik über keine letzte Weisheit, sondern muß sich stets in ihren Überlegungen von neuen Erkenntnissen und geänderten Umständen herausfordern lassen. Wichtig ist es hier anzumerken, daß es die Ethik Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik nicht abnimmt, Entscheidungen zu treffen. Im Kontext von Entscheidungsprozessen liegt der Schwerpunkt ethischer Reflexion, "in der Herausarbeitung allgemeiner Kriterien, die eine vernünftige und d.h. überprüfbare
11 Zitat aus der "Kritischen Würdigung" des u.a. von Dennis Meadows verfaßten, ebd. zitierten Berichts
zur Lage der Menschheit durch den Club of Rome: Ebd., 199.
12 Mag die Verwendung des Begriffes "Holocaust" in diesem Kontext auch etwas verwundern, so
erscheint er mir als Bezeichnung für eine ökologische Katastrophe globalen Ausmaßes doch sehr treffend.
Auch Günter Altner verwendet diesen Begriff in gleichem Zusammenhang (vgl. ALTNER, Günter,
Bewahrung der Schöpfung und Weltende).
13 Vgl. dazu Kapitel 1.4 Exkurs zum Streit um das Wasserkraftwerk Lambach
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
7
Entscheidung möglich machen, nicht so sehr in den konkreten Einzelresultaten, zu 14 denen die Anwendung von den jeweils berücksichtigten Sachprämissen her führt." Diskurspartner kommen zu ihren Argumentationen aufgrund eigener Wertungen und persönlicher Interessen. Nicht immer stehen daher reine Sachargumente im Vordergrund. "Lobbyismus" ist heutzutage allgegenwärtig und führt nicht selten zu - im wahrsten Sinne des Wortes - "einseitigen" Lösungen: Eine Seite profitiert maximal, während die andere den Preis dafür zu zahlen hat. Solche "Lösungen" widersprechen schon vom Prinzip her einer ökologischen Denkweise und Lösungsstrategie. Ökologie 15 fordert vernetztes Denken, das möglichst viele als Lehre vom rechten Haushalten
Wirkzusammenhänge berücksichtigt, hat also immer das gesamte "Haus" im Blick. Hier ist das Gesamtsystem "Sieger", nicht irgendein potenter Teil desselben, der die stärkste Lobby hinter sich hat.
- Dies gilt es u.a. durch die Ethik offenzulegen und zu hinterfragen.
Faßt man die bisherigen Ausführungen zur "Rechtfertigung" des von mir gewählten Diplomarbeitsthemas zusammen, so ergeben sich für mich im Wesentlichen drei Bereiche, in denen die Ethik von der Problematik künftiger Energieversorgung gefordert wird.
• Zunächst sei festgehalten, daß der Energiefrage in der gegenwärtigen Ökologiedebatte eine zentrale Stellung zukommt. Verschiedenste Argumente, die ja meist irgendeinem Interesse entspringen, verursachen bei der Diskussion um diese ungemein komplexe - weil globale - Problematik immer wieder Konflikte, oft sehr emotionale. Da man davon ausgehen muß, daß es auf diese äußerst diffizile Frage der künftigen Energieversorgung keine einfache und endgültige Antwort geben wird, wird ein Diskurs anzustreben sein, in dem die einzelnen Argumente von den dahinterliegenden Interessen entflechtet und gegeneinander abgewogen werden. Der Ethik kommt es nun zu, für eine solche Güterabwägung Kriterien und Grundorientierungen bereitzustellen.
14 KORFF, Wilhelm, Kernenergie und Moraltheologie, 11. 15 Vgl. gr.: οικοσ = Haus, λογοσ = Lehre
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
8
• Ein zweites Aufgabengebiet für die Ethik öffnet sich dort, wo man auf die Frage stößt, inwiefern bei der Erarbeitung von Lösungsvorschlägen für die Energieproblematik eine Korrektur der Wert- und Zielvorstellungen des einzelnen aber auch der Gesamtgesellschaft nötig sein wird.
• Drittens kann gerade die theologische Ethik einen positiven Beitrag dort leisten, wo sich auf Grund der fortgeschrittenen Umweltzerstörung Angst, Frustration, Entmutigung und ein Gefühl der Ohnmacht breitmachen. Mit der Glaubensmetapher "Schöpfung", die auch das gegenwärtige und nicht bloß das vergangene Handeln 16 , drücken wir unsere Hoffnung aus, daß unsere Welt trotz allem Gottes bezeichnet 17 durch die Zeiten hindurch getragen wird.
In diesem Zusammenhang muß auch der uns in die Pflicht nehmende Glaube an Gott als 18 erwähnt werden. Die Schöpfung ist nicht "den Schöpfer des Himmels und der Erde"
der Willkür von uns Menschen ausgeliefert, vielmehr haben wir uns, die wir als Geschöpfe Gottes selbst Teil dieser Schöpfung sind, gemäß der uns zugedachten Rolle als Bebauer und Behüter (Gen 2, 15) zu verhalten.
1.3 Zum Aufbau der Arbeit
In meiner Arbeit möchte ich anhand einschlägiger Literatur zum Themenbereich Ethik und Energie nach Orientierungen suchen, die Grundlage eines ethisch vertretbaren Umgangs mit Energie sein können.
Meine Arbeit gliedert sich in zwei Hauptteile.
Im ersten Hauptteil, der Problemdarstellung, werde ich die nötige Sachinformation zum Themenbereich der Energieproblematik referieren. Da die Energieversorgung eine
16 Vgl. VIRT, Günter, Christliche Verantwortung, 22.
17 Aus dieser Hoffnung, die zum Handeln motivieren möchte, allerdings abzuleiten, daß es auf unseren
Einsatz für die Umwelt nicht ankomme, wäre wohl eine Pervertierung derselben. Schöpfung bedeutet
Gabe und Aufgabe zugleich.
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
9
Schlüsselstellung in der gegenwärtigen ökologischen Krise darstellt und somit ein ungemein komplexer Problem- und Konfliktbereich ist, erscheint es mir für eine Reflexion der Energiefrage vor dem Hintergrund ethischer Überlegungen, wie sie in dieser Arbeit geschehen soll, wichtig, die wesentlichen Aspekte und Sachfragen zu dieser Problematik aufzuzeigen.
So werde ich nach einigen Begriffsklärungen (2.1) über die wichtigsten Daten zum Energieverbrauch informieren (2.2) und die wichtigsten Energieformen und -quellen auflisten und beschreiben (2.3). Zentraler Punkt der Problemdarstellung wird dann die Behandlung der eigentlichen ökologischen und sozialen Probleme sein, die als Konsequenzen unseres Umgangs mit Energie ausgemacht werden können (2.4).
Der gesamte erste Hauptteil ist sozusagen das sachliche Fundament für die ethischen Ausführungen im zweiten Hauptteil, wo Ansätze und Orientierungen zur Energiefrage in der theologischen Ethik aufgezeigt werden sollen.
In einem ersten Punkt werde ich daher auf die ethische Herausforderung durch die Energieproblematik eingehen und die sich aus der Problemdarstellung ergebenden ethischen Grundkoordinaten benennen (3.1).
Als Überblick sollen dann bisherige Beiträge von Theologie und Kirche zur Lösung der Energieproblematik skizziert werden (3.2), gefolgt von einem Kapitel über die theologischen Grundlagen, die mir bei der Behandlung des Problembereiches Energie im Rahmen der theologischen Ethik als unverzichtbar erscheinen (3.3). Danach werde ich mich dem Problem der ethischen Entscheidungsfindung und des Näheren der Frage nach den Kriterien der Güterabwägung in Entscheidungsprozessen bezüglich der Energiefrage zuwenden. Die Frage, inwieweit sich bereits ganz konkrete konsensfähige und einforderbare Einzelnormen zur Energiefrage von Seite der Ethik definieren lassen, und - kann doch in energiepolitischen Entscheidungen immer nur ein bestmöglicher Kompromiß erzielt werden - ein paar wesentliche Anmerkungen zum ethischen Kompromiß sollen dabei ebenfalls zur Sprache kommen (3.4).
18 Apostolisches Glaubensbekenntnis.
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
10
Um in dem klassischen Dreischritt Sehen, Urteilen und Handeln dem letzten Bereich, dem des Handelns, zumindest ansatzweise gerecht zu werden, wird in einem letzten Kapitel noch nach Wegen der Umsetzung gefragt, wo zum einen auf die handlungsmotivierende Eigenschaft des Glaubens und zum anderen auf die Unterscheidung verschiedener Umsetzungsebenen hingewiesen wird (3.5).
Bevor nun mit der Problemdarstellung begonnen wird, sei noch in einem Exkurs zum Konflikt um das Wasserkraftwerk Lambach an der Traun in Oberösterreich gezeigt, wieviel Staub Konflikte im Kontext der Energiefrage bereits auf lokaler Ebene aufwirbeln. Außerdem wird an diesem Beispiel deutlich, wie schwierig es ist, zu Lösungen - ja sogar nur zu kleinen Partiallösungen wie in diesem Fall - in der Energiefrage zu kommen und welch' großes Konfliktpotential in dieser Problematik schlummert.
1.4 Exkurs zum Streit um das Wasserkraftwerk Lambach
Wie brisant die Beschäftigung mit dem Thema Energieversorgung ist, zeigt die heftige Auseinandersetzung, die um das Wasserkraftwerk Lambach an der Traun in Oberösterreich geführt wurde.
1.4.1 Allgemeine Vorbemerkungen
Am Beispiel Lambach läßt sich gut erkennen, daß bei politischen, in diesem Fall energiepolitischen Entscheidungsprozessen nicht immer nur Argumente, die die eigentliche Sache betreffen, ins Spiel gebracht werden. Im Konfliktfall Lambach ging es keineswegs nur darum, ob dieses Kraftwerk aus energiepolitischer Erwägung für die Zukunft notwendig ist oder nicht. Es wurden vielmehr auch Argumente eingebracht, die unschwer erkennen lassen, daß hier Machtfragen, Demokratieverständnis, Kritik am Gesellschaftssystem, Parteipolitik, Wahlwerbung, Arbeitsmarktpolitik und sicher auch
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
11
der Profilierungsdrang einzelner Politiker und Aktivisten maßgebliche, wenn nicht sogar die eigentlichen Konfliktherde waren.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch Wolfgang Kluxen in seinem Beitrag "Moralische Aspekte der Energie- und Umweltfrage" im Handbuch der christlichen Ethik, wenn er für die Auseinandersetzung in der Energiefrage festhält, daß sich darin "die streitenden Positionen nicht mehr als konträre Stellungnahmen zu einer 19 zeigen. Daß dieser Umstand 'Sachfrage', sondern als unvereinbare Lebensentwürfe" weitgehend der Grund dafür ist, daß es so ungemein schwer fällt, in diesem Problembereich für alle Beteiligten befriedigende Lösungsstrategien zu entwickeln, erscheint wohl evident. Eine weitere Gegebenheit, die die Schweizerische Nationalkommission Justitia et Pax in einer bereits 1983 erschienenen Publikation zur Energiefrage feststellt, wirkt sich ebenfalls erschwerend auf eine Konfliktlösung aus und gilt auch ganz massiv für den hier beschriebenen Streit in der Causa Lambach: So läßt sich immer wieder bei Auseinandersetzungen zur Energiefrage beobachten, daß "die öffentliche Diskussion" dabei geprägt ist "durch Argumentationsrituale, d.h. die Abfolge von Argument und Gegenargument wirkt starr und schematisch. Der Austausch von Argumenten geschieht selten im Interesse, Verständigung zu erzielen. Vielfach dient er 20 der Selbstrechtfertigung und der Disqualifizierung der jeweils andern Seite."
Mir geht es hier nicht darum, ein Plädoyer für die eine oder die andere Seite des Konflikts zu sprechen. Diese Ausführungen sollen in erster Linie - wie schon einleitend erwähnt - die Brisanz der in dieser Arbeit behandelten Thematik unterstreichen und aufzeigen, wie komplex energiepolitische Entscheidungsprozesse sind und welchen unterschiedlichen Interessen die dabei vorgebrachten Argumente entspringen.
19 KLUXEN, Wolfgang, Moralische Aspekte der Energie- und Umweltfrage, 381f. 20 Unsere Verantwortung in der Energiefrage, 12.
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
12
21
1.4.2 Darstellung des Konflikts
Im Gespräch war die Errichtung eines Wasserkraftwerkes an der Traun bei Lambach schon seit dem Jahr 1986. Das Land Oberösterreich wollte dadurch seinem Ziel, der Eigenständigkeit der oberösterreichischen Energieversorgung, ein Stück näher kommen. Die ersten Verhandlungen für das Kraftwerk fanden dann im Oktober und November 1989 statt.
Nachdem bereits 1993 in erster Instanz durch den Freiheitlichen Landesrat Achatz ein negativer Wasserrechtsbescheid für das Projekt erlassen wurde, erläßt am 14. März 1995 das Landwirtschaftsministerium (ÖVP) in zweiter Instanz einen positiven Bescheid.
Ähnlich verläuft das Verfahren auch bezüglich der naturschutzrechtlichen Genehmigung: Da die Naturschutzlandesrätin (SPÖ) Bedenken gegenüber dem Kraftwerksbau hat, wird ihr für dieses Projekt die Zuständigkeit entzogen und am 10. Juli 1995 von der ÖVP-dominierten Landesregierung durch einen positiven Naturschutzbescheid grünes Licht für den Bau gegeben. Am 9. Jänner 1996 beginnen sodann die Rodungsarbeiten am Kraftwerksgelände in Lambach. Bereits am Tag darauf starten Umweltaktivisten von GLOBAL 2000, dem WWF und der Bürgerinitiative Traun mit der Besetzung der Baustelle. Der Konflikt zwischen Gegnern und Befürwortern wird immer heftiger, bis schließlich der Verwaltungsgerichtshof am 11. April 1996, auf Grund von Mängeln im Wasserrechtsverfahren den Wasserrechtsbescheid aufhebt und einen sofortigen Baustopp verfügt.
Grund für dieses Urteil ist, daß einst das Wasserrechtsverfahren nur für das Doppelkraftwerk Lambach-Saag durchgeführt worden ist. Die OKA verzichtete dann allerdings auf den Bau des Kraftwerkes Saag und hielt nur mehr am Bau von Lambach fest, ohne allerdings ein neues Wasserrechtsverfahren für das geänderte Projekt einleiten
21 Vgl. dazu: News 35 (29.8.1996), 59; OÖN 281 (MI, 4.12.1996), 5; Das Kraftwerk Lambach zwischen
Planung und Bau (Informationen zum Kraftwerk aus erster Hand, Nr. 1/96), hrsg. von:
Oberösterreichische Kraftwerke AG, Linz; Panda. Offizielles Mitteilungsblatt des WWF Österreich
(1/1996), 4; Panda. Offizielles Mitteilungsblatt des WWF Österreich (2/1996), 26f.; Land der Ströme.
Österreichische Energiepolitik am Beispiel Lambach, hrsg. von: GLOBAL 2000, Wien 1996, 10f.
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
13
zu lassen. Dies hätte aber nach Ansicht des Verwaltungsgerichtshofes geschehen müssen, da es nun durch die Änderung des Projekts zu anderen Auswirkungen für die Betroffenen kommen könnte. Durch den Verzicht auf ein neuerliches Verfahren wurde aber verhindert, daß die Bedenken der Anrainer, die durch den Bau des Wasserkraftwerkes negative Auswirkungen auf ihre Hausbrunnen befürchten, erneut 22 einer Prüfung unterzogen wurden.
Gegnern des Kraftwerksprojekts kam dieser Entscheid natürlich sehr gelegen. So wurde geltend gemacht, daß gerade die Kraftwerksbefürworter, die in diesem Konflikt immer wieder als die Verteidiger des Rechtsstaates auftraten, selbst durch ein Instrument des 23 Rechtsstaates in die Schranken gewiesen wurden.
Ganz anders verhielt sich nach diesem Urteil die Stimmungslage beim Baugewerbe, das - für's Erste zumindest - einen großen Auftrag verlor. So wurde mitgeteilt, daß durch den verfügten Baustopp Bauarbeiter entlassen werden müßten, die Verluste in 24 Millionenhöhe gingen und einige kleine Zulieferfirmen vor dem Ruin stünden. Auch daran läßt sich unschwer erkennen, daß die Argumente in der Lambach-Diskussion keinesfalls rein energiepolitischen Überlegungen entsprangen, sondern daß - um bei diesem Beispiel zu bleiben - in der Pro-Argumentation auch die Beschäftigungssituation und die Auftragslage in der Bauwirtschaft eine nicht zu unterschätzende Rolle spielten.
Auf die Politik übertragen, bedeutet das dann, daß die Lambach-Diskussion auch dafür 25 . herhalten mußte, um in Fragen der Arbeitsmarktpolitik beim Wähler zu punkten Lambach war zu einem Politikum geworden und bestimmte wesentlich die oberösterreichische Landes- und Parteipolitik mit. Freilich stand dieses parteipolitische
22 Vgl. OÖN 86 (FR, 12.4.1996), 1 und OÖN 123 (MI, 29.5.1996), 1.13. 23 Vgl. OÖN 89 (DI, 16.4.1996), 2. 24 Vgl. OÖN 89 (DI, 16.4.1996), 1.7.
25 Dies ging auch aus einer Anzeige des ÖAAB, des ÖVP-Bundes für Arbeiter und Angestellte, und der
ÖVP-nahen Fraktion Christlicher Gewerkschafter in der Neuen Kronen Zeitung für OÖ vom Mittwoch,
den 1.5.1996 (Seite 13) hervor: So wurde in diesem Inserat verkündet, daß sich Fritz Hochmair, der
damalige oberösterreichische SPÖ-Vorsitzende mit seiner Haltung gegen den auch Arbeitsplätze
schaffenden Bau des Kraftwerkes Lambach "endgültig von einer ehrlichen Arbeitnehmerpolitik
abgemeldet und die Interessen der Arbeiter seiner Parteitaktik geopfert" hat. Von einer
energiepolitischen Notwendigkeit des Kraftwerkes wurde in diesem pikanterweise am Tag der Arbeit
veröffentlichten Inserat nicht gesprochen.
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
14
"Hickhack" - die Österreichische Volkspartei mit Landeshauptmann Pühringer an der Spitze trat als einzige Partei für den Bau des Traunkraftwerkes ein - ohne Zweifel auch 26 im Schatten der im Herbst 1997 in Oberösterreich abgehaltenen Landtagswahl.
Nach dem erneut positiven Wasserrechtsbescheid des Landwirtschaftsministeriums vom 23. Oktober 1996 ist schließlich wieder etwas Ruhe eingekehrt im Streit um Lambach. So wurde mit der Fortsetzung der Bauarbeiten noch so lange gewartet, bis alle möglichen rechtlichen Fragen und Einwände gegen das umstrittene Projekt eindeutig entschieden waren.
Nach dieser Unterbrechung wurden die Bauarbeiten dann aber doch wieder aufgenommen und mittlerweile bereits ohne weitere größere Konflikte zu Ende geführt, was wohl auch darauf zurückzuführen ist, daß bei Bau und Anlage des Kraftwerks Lambach aufgrund der äußerst brisanten Konfliktvergangenheit größter Wert auf ökologische Begleitmaßnahmen gelegt wurde.
1.4.3 Die Argumente
Versucht man die Diskussion um das Kraftwerk Lambach zusammenzufassen, so kann man festhalten, daß die Befürworter des Kraftwerks Lambach vor allem folgende 27 Argumente vorbringen:
• Oberösterreich soll in seiner Energieversorgung unabhängig werden. So stellt auch Landeshauptmann Pühringer in einem Fernsehinterview fest:
26 Vgl. OÖN 92 (FR, 19.4.1996), 3.
Vgl. dazu auch die von den OÖN beim Meinungsforschungsinstitut SPECTRA in Auftrag gegebene
Befragung im April/Mai 1996, wonach Landeshauptmann Pühringer gegenüber Oktober 1995 um 10
Prozent auf 55 Prozent in der Gunst der Bevölkerung zurückfiel (Frage: "Haben Sie von diesem Politiker
eine gute Meinung?"). SPECTRA-Chef Dr. Klaus Nemetz sah darin ganz klar eine Lambach-Reaktion,
nicht zuletzt weil Pühringers politische Widersacher in diesem Konflikt Barbara Prammer um 5 Prozent,
Fritz Hochmair um 2 Prozent (beide SPÖ) und Rudi Anschober (GRÜNE) ebenfalls um 2 Prozent zulegen
konnten (vgl. OÖN 114 (FR, 17.5.1996), 3). 27 Vgl. dazu OKA-Web-Site, "Für Wasserkraft. Für Lambach"
[http://www.zika.co.at/oka/wasserkraft.htm], 16.1.1997; Das Kraftwerk Lambach zwischen Planung und
Bau (Informationen zum Kraftwerk aus erster Hand, Nr. 1/96), hrsg. von: Oberösterreichische Kraftwerke
AG, Linz; Land der Ströme. Österreichische Energiepolitik am Beispiel Lambach, hrsg. von: GLOBAL
2000, Wien 1996, 13-15.
Christian Hein Diplomarbeit "Energie und Moral"
Arbeit zitieren:
Mag. theol. Christian Hein, 2000, Energie und Moral: Die gegenwärtige Energieproblematik und der Beitrag der theologischen Ethik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Was trägt der Ökostrom zur Bewältigung des CO2-Problems bei?
Seminararbeit, 28 Seiten
Frauenerwerbstätigkeit im internationalen Vergleich: Welche Rolle spie...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Christian Hein hat den Text Energie und Moral: Die gegenwärtige Energieproblematik und der Beitrag der theologischen Ethik veröffentlicht
Christian Hein hat einen neuen Text hochgeladen
albert. schmitz hat den Text Energie und Moral: Die gegenwärtige Energieproblematik und der Beitrag der theologischen Ethik kommentiert
Basler Beiträge zu einer Ethik...
Kurt Seelmann, Angelika Krebs, Georg Pfleiderer
Religion und Ethik als Organisationen eine Quadratur des Kreises?
Jan Hermelink, Stefan Grotefeld
albert. schmitz
aktualitätsbezug verbreiteter aktueller theologischer Ehtik.
Kompliment lieber Student,
Sie scheinen als (ja nahezu) Einziger im kirchlichen Raum diese Frage von
Sein und Nichtsein der Schöpfung
als Beitrag theologischen Ethik erkennen zu können.
am Tuesday, August 15, 2006-