GLIEDERUNG
1 EINFÜHRUNG 3
1.1 VORWORT. 3
1.2 DEFINITION UND HISTORISCHER RÜCKBLICK 3
2 DISKUSSION. 6
2.1 EINGRENZUNG AUF ZWEI SICHTWEISEN. 6
2.1.1 DIE INDIVIDUALEBE. 6
2.1.2 DIE GESCHLECHTERTHEORETISCHER SICHT. 7
2.2 DER RÜCKSCHRITT IN DER KOEDUKATION 9
2.3 EINE NEUE CHANCE FÜR DIE KOEDUKATION? 11
3 DIE KOEDUKATION AUS NATIONALER SICHT 13
3.1 KOEDUKATION IN DER SCHWEIZ. 13
3.2 KOEDUKATION IN DEUTSCHLAND 17
4 DIE ZUKUNFT DER KOEDUKATION. 19
5 ZUSAMMENFASSUNG 20
LITERATURVERZEICHNIS 21
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1 EINFÜHRUNG
1.1 VORWORT
Da die Auseinandersetzung mit der Koedukation zu einem komplexen gesellschaftlichen Problem ausgeweitet werden kann, möchte ich mich in dieser Hausarbeit vorwiegend auf die Koedukation in der Grundschule konzentrieren und den tertiären Bereich des Bildungswesens ganz ausschliessen. Viele Ursachen für die langfristigen Auswirkungen des koedukativen Unterrichts entstehen dann, wenn das Kind die soziale Geschlechtsrolle entwickelt.
Einige Aspekte kann ich aus Zeit und Platzmangel nur knapp anreissen. Ich werde die Vor-und Nachteile der Koedukation unter bildungs-, geschlechter- und institutions-theoretischem Aspekt betrachten und diskutieren und die Rückschritte in der Koedukation sowie die neue Chance heraus kristallisieren. Der Schwerpunkt meiner Arbeit wird auf der Mikroebene liegen. Die Thesen für diese Hausarbeit lauten:
1. Koedukation soll wegen der Lebenswirklichkeit als Chance begriffen werden. 2. Qualitativ guter Unterricht an einer guten Schule fördert gut gebildete Menschen. 3. Die Probleme des koedukativen Unterricht können auch im koedukativen Unterricht gelöst werden.
Die Erkenntnis für diese Hausarbeit habe ich nur aus Texte entnommen und keine eigenen empirischen Studien unternommen. Mit verschiedenen Berichten aus der Tagespresse habe ich versucht, dieses Defizit auszugleichen.
1.2 DEFINITION UND HISTORISCHER RÜCKBLICK
Die Koedukation oder Koinstruktion (engl. education; lat. educatio: Erziehung) ist die gemeinsame Erziehung von Jungen und Mädchen im öffentlichen Bildungswesen (BROCKHAUS 2000) und stellt ein Strukturprinzip dar ( BÖTTCHER 1998, 33). Im Gegensatz zur Koedukation wird der nach Geschlechtern getrennte Unterricht als Seedukation oder Monoedukation bezeichnet.
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Die Philanthropen, dessen führender Vertreter Basedow war, forderten bereits 1774 unter anderem die Koedukation ( GUDJONS 1999, 88f.). In Deutschland setzte sich der geschlechtsheterogene Unterricht im schulischen Bereich um die 1960er Jahre durch und ist dort seit den siebziger Jahren die Regel (LESCHINSKY 1992, 19). In der DDR war die Schule grundsätzlich koedukativ.
Die Erwartungen an die Koedukation, die Chancengleichheit für Jungen und Mädchen zu verwirklichen, werden nur teilweise erfüllt. Neuere Untersuchungen hinterfragen kritisch die Lernbedingungen, von denen die Geschlechter unterschiedlich profitieren. Da an Mädchenschulen in naturwissenschaftlichen Fächern bessere Leistungen erzielt werden, wird an Schulen m it koedukativem Unterricht probeweise seedukativ unterrichtet (xipolis.net).
In den vergangenen Jahrhunderten der Bildungsgeschichte, waren Bildung und Wissenschaft eine Domäne der Männer. Daher ist das Wissen aus dieser Zeit männlich geprägt und wurde lange Zeit unreflektiert weitergegeben (HORSTKEMPER 1996, 170). Frauen war der Zugang zu höheren Bildungsgängen verschlossen. Sie wurden vorwiegend für die Arbeit im Haushalt und in der Familie erzogen und die Schule war eher einer gebildeten Mutterschaft förderlich ( BAKKER 1999, 60). Eine Minderheit radikaler
Feministinnen verweigerten sich der Auffassung, dass Geschlechtsunterschiede naturgegeben seien und meinten 1912, die Höhere Mädchenschule bereite auf nichts anderes vor, als "dem Amüsement und der Lust der Männer zu dienen" (eda. 55) Gegen Ende des 19.Jh. galt zwar die bipolare Geschlechtertheorie mit entsprechender geschlechtersegregierten höheren Bildung (KRAUL 1999, 25), aber gleichzeitig gingen die ersten Frauen an die Universitäten und bekamen damit die Möglichkeit zu akademischen Karrieren. Mit der Kodifizierung der Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Weimarer Verfassung (1919) war der institutionelle Weg dafür geebnet, nicht mehr den prinzipiellen Zugang zur Bildung für Frauen zu diskutieren, sondern die Art und Weise, wie der Zugang zu realisieren sei (eda., 29). Für Paul Geheeb, dem Reformpädagogen und Begründer der Odenwaldschule, war die "Koedukation die einzig geeignete Erziehungsform, Kindern und Jugendlichen in einer Welt kultureller Zweigeschlechtlichkeit zur Entwicklung ihrer autonomen Persönlichkeit zu verhelfen." (eda., 30). Währenddessen wetterte die Enzyklika von Papst Pius XI. von 1929 wider das "abwegige und für die christliche Erziehung gefährliche Koedukationssystem". (ARETIN 1996) Die geschlechtertheoretischen wie die bildungstheoretischen Diskussionen blieben noch am Differenzmodell orientiert, jedoch konnte sich die Koedukation dort durchsetzen, wo für
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die Mädchen Bildungsbedarf bestand. Mit der Bildungsexpansion, die Ende der sechziger Jahre einsetzte stieg der Erfolg der Mädchen, der an der hohen Abiturquote gemessen wird (KRAUL 1999, 33).
Als Beispiel für den harmonischen Übergang zur Koedukation gilt Holland (BAKKER 1999, 61). Da Mädchen, die studieren wollten eine höhere Jungenschule aufsuchen mussten, wurde der gemeinsame Unterricht von Jungen und Mädchen als pragmatische Lösung akzeptiert (HORSTKEMPER 1999, 9).
In einer Umfrage im Jahre 1899 nannten die Befragten die Koedukation "natürlich" und Schuldirektoren berichteten, dass die Jungen nicht mehr so raubeinig seien wie früher und die Mädchen nicht mehr so zimperlich (Bakker 1999, 48). Jedoch zweifelten gerade die Feministinnen, ob die Mädchen von der Koedukation profitieren würden (eda., 62). In der Schweiz wird in der Zeit von 1830 bis 1848 die Volksschule für Jungen und Mädchen gegen den Widerstand katholischer und bäuerlicher Kreise eingeführt (EIDGENÖSSISCHE KOMMISSION FÜR FRAUENFRAGEN 1998, 4f.). Im Jahre 1867 schliesst die Russin Nadezda P. Suslova an der Universität in Zürich als erste Frau ein Studium (Medizin) mit dem Doktorat ab und gegen Ende des 19.Jahrhunderts öffnen sich auch die Gymnasien für Mädchen. Die ersten Mädchen treten 1920 in die Knabenkantonsschule in Zürich ein, aber erst 1976 wird in dieser Schule die Koedukation eingeführt.
Junge Bielerinnen boykottieren 1979 den nur für Mädchen obligatorischen Hauswirtschaftsunterricht. Sie machen geltend, dass diese Unterrichtsform gegen das Prinzip der Gleichheit verstosse und junge Frauen zur dienenden Hausfrau erziehe. Mit dem 1981 angenommen Verfassungsartikel 4 Absatz 2 "Gleiche Rechte für Mann und Frau" (BUNDESVERFASSUNG, 1996), der sich auch auf den Bildungsbereich auswirkt, werden die Lehrpläne auf Gleichberechtigung geprüft. Jedoch hat die f eministisch Bildungsforschung gezeigt, dass im koeduzierten Bildungssystem von Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern keine Rede sein kann.
Inzwischen ist die Koedukation generell durchgesetzt. Die Kritik richtet sich nun auf die Nachteile des koedukativen Unterrichts, die für Jungen und Mädchen bestehen.
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2 DISKUSSION
2.1 EINGRENZUNG AUF ZWEI SICHTWEISEN
Der gleichberechtigte Zugang zur Bildung lässt sich aus dem Grundgesetz herleiten. Zwar enthält das Grundgesetz kein Grundrecht auf Bildung im Sinne eines originären subjektiven öffentlichen Rechts ( RICHTER 1984, 231), jedoch hat jeder Bürger Grundrechte bei der Nutzung der Bildungsangebote und zwar das Recht auf Zugang zur Bildung, das Recht auf Entfaltung von Begabungen und Interessen, das Recht auf Mitbestimmung sowie das Minimumgrundrecht. Bei der Ausgestaltung des Bildungswesens ist von der Regierung dafür Sorge zu tragen, dass niemand wegen seines Geschlechts, seiner regionalen und sozialen Herkunft und seines Glaubens benachteiligt wird (WEISHAUPT 1997, 16f.).
2.1.1 DIE INDIVIDUALEBE
Kinder kommen mit Vorerfahrungen in die Schule, das heisst, sie sind schon geprägt. Mädchen erhalten in ihrer Sozialisation soziale Kompetenzen, während Jungen in ihrer Gesamtheit eher durch Dominanzverhalten und häufige Regelverletzungen hervortreten (Thies 2000, 39).
Die Diskussion um die Koedukation ist auf normativer Basis bestrebt eine Theorie zu finden, die Handlungsorientierung für die Praxis leisten kann (HOFFMANN 1999, 222). Die erarbeitete Theorie ist jedoch lediglich Reflexionshilfe für die Praxis. Die Praxis wiederum ist nicht der Anwendungsfall der Theorie und soll keine Sozialtechnologie sein. Das Wissen, welches sich in der Wissenschaft kumuliert, ist fallibel und konstruiert und kann die hyperkomplexe Entscheidungssituation, die auch in der Schulwirklichkeit zu finden ist, nicht antizipieren (HOFFMANN 1999, 222 f.). Folgendes fiktive Beispiel soll die komplexe Lebenswirklichkeit, die im Schulunterricht entsteht darstellen und gleichzeitig die Schwierigkeit einer generellen Lösung für die Koedukation anschaulich machen: Es ist Dienstag Morgen in einer Sekundarschulklasse. Es geht um das Thema Koedukation und zugleich um das Menschenbild, welches männliche und weibliche Menschen charakterisiert: Andreas lebt beim Vater und hasst Frauen; Michaela lebt bei der Mutter und wünscht sich einen Vater; Stefanie lebt bei der Schwester der verstorbenen Mutter und wünscht sich die Mutter zurück; Tom lebt im Heim, wünscht sich Eltern, aber vor allem eine Mutter; Susan lebt bei den Eltern, mag den Vater lieber und hat Krach mit
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Arbeit zitieren:
Christina Schumacher, 2001, Koedukation - Rückschritt oder neue Chance?, München, GRIN Verlag GmbH
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