INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. GRAMMATIK VS SPRACHREFLEXION 6
3. ZIELE UND FUNKTIONEN VON GRAMMATIKUNTERRICHT 8
4. BILD DES IDEALEN GRAMMATIKUNTERRICHTS 11
5. RESÜMEE 14
6. VERWENDETE LITERATUR 16
1. Einleitung
Der Schüler muss im Sekundarbereich I sichere Fähigkeiten beim Produzieren und Gestalten eigener Texte zu unterschiedlichen Zwecken ausbilden. Die Erfahrung, sich anderen mündlich oder schriftlich mitzuteilen und die eigene Kreativität zu erproben, ist für die Identitätsfindung wichtig. 1
Grammatik als eine der septem artes liberales gehörte schon in Antike 2 und Mittelalter zum Ausbildungsrepertoire des gebildeten Menschen und ist bis heute ein fester Bestandteil schulischen Lernens geblieben. 3 Die allegorischen Darstellungen des Mittelalters zeigen die Grammatik dargestellt mit einer Rute, die unter anderem die Schwierigkeiten ihrer Erlernung und des Grammatikunterrichts zeigen könnte. 4
Die Strapazen dieses Unterrichts bestätigen auch die Befragten einer Untersuchung über grammatisches Wissen, die 1991 von Hubert IVO und Eva NEULAND durchgeführt wurde. 5 Zusammengefasst kamen sie zu folgendem Ergebnis:
„Die Befragten wissen wenig von der Grammatik ihrer Muttersprache, mögen sie nicht sonderlich und erinnern sich nicht gern an ihren Grammatikunterricht, halten aber daran fest, dass Grammatikunterricht sein muss, und geben hierfür unterschiedliche Gründe an“. 6
Die Umfrageergebnisse werden von Sprachdidaktikern benutzt, um den traditionellen Grammatikunterricht immer wieder aufs Neue in Frage zu stellen und den Wunsch nach neuen Per-
2 Abgeleitetvon griechisch gramma = der Buchstabe, war Grammatikunterricht im griechischen Lehrplan zunächst Lese- und Schreibunterricht und dann Unterricht über guten Sprachgebrauch, den man sich bei vorbildlich en Schriftstellern und Gelehrten abschaute. EICHLER, Wolfgang: Grammatikunterricht. In: LANGE, Günter; NEUMANN, Karl; ZIESENIS, Werner (Hrsg.): Taschenbuch des Deutschunterrichts. Grundfragen und Praxis der Sprach - und Literaturdidaktik. Bd. 1: Grundlagen - Sprachdidaktik - Mediendidaktik. 5. vollst. überarb. Aufl. Hohengehren 1994, S. 253.
3 STEINIG, Wolfgang; HUNEKE, Hans-Werner: Sprachdidaktik Deutsch. Eine Einführung. Berlin 2002 (Grundlagen der Germanistik 38), S. 145.
4 Vgl.: SUCHAROWSKI, Wolfgang: Zusammenbringen, was zusammenstrebt. Kann Sprache sich selbst erklären? In: Deutsch Didaktik Rostock Heft 2, 1999, S. 19f.
5 Auf diese Studie beziehen sich fast alle Autoren, deren Äußerungen für die Betrachtungen dieser Arbeit herangezogen wurden. Beispielsweise: 5 INGENDAHL, Werner: Sprachreflexion statt Grammatik. Ein didaktisches Konzept für alle Schulstufen. Tübingen 1999 (Reihe Germanistische Linguistik; 2111; Kollegbuch), S. 1f. - ULRICH, Winfried: Wie und wozu Grammatikunterricht? In: Deutschunterricht 1 (2001), S. 4. - KLOTZ, Peter: Sprachreflexionskompetenz und kompetenter Sprachgebrauch. In: KÄMPER-VAN DEN BOOGAART, Michael (Hrsg.): Deutschunterricht nach der PISA -Studie. Reaktionen der Deutschdidaktik. Frankfurt a. M. 2004 (Beiträge zur Literatur- und Mediendidaktik, 6), S. 155.
6 IVO/NEULAND: Grammatisches Wissen. In: Diskussion Deutsch 22 (1991), S. 437. Zitiert nach: INGENDAHL, Sprachreflexion statt Grammatik 1999, S. 1.
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spektiven zu äußern. Dass eine Patentlösung dabei noch nicht gefunden wurde und schwer zu finden ist, stellt meistens das Ergebnis der Betrachtungen dar.
Grammatik oder im aktuellen didaktischen Sprachgebrauch Sprachreflexion ist und bleibt aber ein zentraler Punkt des Deutschunterrichts. Er ist ein curricular fest etablierter Lern- und Arbeitsbereich und gehört konsensmäßig als grundsätzlicher Bestandteil in den muttersprachlichen Unterricht, was daran deutlich wird, dass der Lehrplan die Einführung in grammatische Betrachtungen vorschreibt und auch die neueste bildungspolitische Errungenschaft der Bil-dungsstandards Wert auf sprachliche Kompetenzen legt, die nicht ohne grammatisches Wissen auskommen. 7 So ist es das Ziel des sprachlichen Deutschunterrichts, Sprachverwendungskompetenz als Fähigkeit, eigene Intentionen in angemessener sprachlicher Form unter Einhaltung der grammatischen und orthographischen Normen zu realisieren, aufzubauen. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung sprachlich-kommunikativer Fertigkeiten, so dass der Schüler lernt, Sprache als ein geordnetes System zu erkennen, das nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten strukturiert ist, gleichzeitig aber immer bestimmten Veränderlichkeiten unterliegt, die dem System innewohnen. 8 Die Beschreibungen zum Teilbereich Sprache im Rahmenplan umfassen daher folgende Punkte:
„Die Schüler gewinnen und vertiefen Einsichten in die Strukturen der deutschen Sprache und deren Entwicklung und in den Bau und die Struktur von Wörtern und Sätzen. Indem sie sprachlich-kommunikative Alltagserfahrungen reflektieren, sich Systemkenntnisse aneignen und diese im Rahmen verschiedener Sprech- und Schreibanlässe erproben, eignen sie sich Wissen über Regularitäten des Sprachsystems an. So werden sie sicherer im Umgang mit grammatisch-orthographischen Regeln. Die Schüler entwickeln eine kritisch-reflektierende Sicht auf den eigenen und auf fremden Sprachgebrauch. Die Notwendigkeit korrekten Sprachgebrauchs soll in funktionalen Zusammenhängen einsichtig werden.
Die Schüler arbeiten bewusst an der Überwindung grammatisch-orthographischer und stilistischer Fehlerquellen und lernen in diesem Zusammenhang, sich selbstverständlich und jederzeit der verschiedensten Hilfsmittel zu bedienen. Zur Steigerung und Sicherung grammatisch-orthographischer Fertigkeiten nutzen sie vielfältige Übungsformen“. 9
Durch die alte Tradition dieser Unterweisungen hat die Handhabung, der Stellenwert und die Art und Weise des Grammatikunterrichts sich im Verlauf der Zeit mehrmals geändert. Er war
Beschlüsse der Kultusministerkonferenz. Bildungsstandards im Fach Deutsch für den mittleren Schulabschluss.
S. 20f. http://www.kmk.org/schul/Bildungsstandards/Deutsch_MSA_BS_04-12-03.pdf.
einmal mehr einmal weniger in der Schule gefragt. 10 Aus aktueller Position kann man ein Ja zu sprachlicher Unterweisung und zur Sensibilisierung im Umgang mit Sprache erkennen. Die einzelnen Positionen und Angebote, wie man das im Unterricht machen kann sind verschieden treffen sich aber in der Position, dass Grammatikunterricht wie jeder Unterricht vom Schüler und seinen lebensweltlichen Bezügen (Texten) ausgehen sollte. Die folgenden Ausführungen wollen daher zusammentragen, welche Funktionen Grammatikunterricht erfüllen kann und wie der ideale Grammatikunterricht aussehen sollte.
10 Zu Angaben zur Geschichte des Grammatikunterrichts vgl.: DIEGRITZ, Theodor: Wohin steuert die Grammatikdidaktik? „Diskussion Grammatikunterricht“ um 1980 und zu Beginn der 90er Jahre im Vergleich. In: Der Deutschunterricht 48(4) 1996, S. 87-95. - E ICHLER, S. 252-261. - STEINIG /HUNEKE, S. 139-144.
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Arbeit zitieren:
Katja Böttche, 2005, Grammatikreflexion und Sprachunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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