Inhaltsverzeichnis I
INHALTSVERZEICHNIS
Inhaltsverzeichnis. I
Tabellen- und Abbildungsverzeichnis. III
Abk ürzungsverzeichnis. IV
1 Einleitung. 1
2 Anforderungen im Sport 4
2.1 Die sportliche Leistung 4
2.2 Unterschiedliche Leistungskomponenten. 5
2.2.1 Technik / Koordination 5
2.2.2 Taktik 14
2.2.3 Kondition. 16
2.2.3.1 Ausdauer. 16
2.2.3.2 Schnelligkeit. 19
2.2.3.3 Kraft. 24
2.2.3.4 Beweglichkeit 27
2.3 Zielgruppe/-n und Eingrenzungen 28
3 Beinarbeit im Tennis. 30
3.1 Technik / Koordination 33
3.1.1 Abwehr / Verteidigung. 36
3.1.1.1 Start in die Verteidigungs-Beinarbeit 37
3.1.1.2 Laufen zur Verteidigungs-Position. 37
3.1.1.3 Einnehmen der Verteidigungs-Haltung 38
3.1.2 Angriff. 40
3.1.2.1 Beginn der Angriffs-Beinarbeit 41
3.1.2.2 Laufen zum Treffpunkt. 42
3.1.2.3 Schlagstellungen. 43
3.2 Taktik. 49
3.2.1 Abwehr / Verteidigung. 50
3.2.1.1 Übergang in die Verteidigungsbeinarbeit. 50
3.2.1.2 Laufen zur Verteidigungs-Position. 51
3.2.1.3 Lage der Verteidigungs-Position 52
3.2.2 Angriff. 55
3.2.2.1 Übergang in die Angriffsbeinarbeit. 55
3.2.2.2 Laufen zum Treffpunkt. 55
3.2.2.3 Einnehmen der Schlagstellungen 56
3.3 Kondition. 58
3.3.1 Ausdauer 60
3.3.2 Schnelligkeit 62
3.3.3 Kraft 68
3.3.4 Beweglichkeit 69
Inhaltsverzeichnis II
4 Beinarbeit im Handball 71
4.1 Technik / Koordination 72
4.1.1 Abwehr 75
4.1.1.1 Stellungen. 77
4.1.1.2 Elementare Lauf- und Bewegungstechniken 78
4.1.2 Angriff. 80
4.1.2.1 Wurftechniken 82
4.1.2.2 Elementare Lauf- und Bewegungstechniken 83
4.2 Taktik 91
4.2.1 Abwehr 93
4.2.2 Angriff 94
4.3 Kondition 96
4.3.1 Ausdauer 97
4.3.2 Schnelligkeit 99
4.3.3 Kraft 102
4.3.4 Beweglichkeit. 104
4.3.5 Konditionelle Anforderungen für den Gegenstoß 105
5 Gegenüberstellung der Anforderungsprofile für die Beinarbeit im Tennis und
Handball. 106
5.1 Technik / Koordination 109
5.1.1 Abwehr / Verteidigung. 113
5.1.1.1 Start in die Verteidigungs-Beinarbeit und Laufen zur
Verteidigungs-Position 114
5.1.1.2 Einnehmen der Verteidigungs-Haltung 116
5.1.2 Angriff. 117
5.1.2.1 Start in die Angriffs-Beinarbeit und Laufen zum
Treffpunkt. 117
5.1.2.2 Einnehmen der Schlagstellung und Beinarbeit
w ährend der Schlagphase 120
5.2 Taktik. 123
5.2.1 Abwehr 125
5.2.2 Angriff. 127
5.3 Kondition. 129
5.3.1 Ausdauer 131
5.3.2 Schnelligkeit und Antizipation. 133
5.3.3 Kraft 136
5.4 Zusammenfassung. 137
6 Schlußfolgerungen für die Praxis 139
7 Fazit und Schlußbemerkungen und Ausblick 146
8 Literaturverzeichnis 148
Anhang 153
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
TABELLE-N UND ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. 01: Die Komponenten sportlicher Leistungsfähigkeit.
Tab. 01: Koordinative Fähigkeiten.
Abb. 02: Analyseraster zur Einschätzung des koordinativen Anforderungsprofils der
Wettkampftechnik des Sprungwurfs im Basketball.
Abb. 03: Komponenten der Schnelligkeit.
Abb. 04: Die unterschiedlichen Arbeitsweisen bei Kraftleistungen.
Abb. 05: Die verschiedenen Kraftfähigkeiten.
Abb. 06: Übersicht zu Faktoren der sportlichen Leistungsfähigkeit.
Abb. 07.: Einflußfaktoren der Beinarbeit.
Abb. 08: Allgemeine und spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten.
Abb. 09: Grundlegendes Modell koordinativer Fähigkeiten im Tennis.
Abb. 10: Side-Step und Kreuzschritt.
Abb. 11: Winkelstellungen der Füße zueinander und zur beabsichtigten Schlagrichtung.
Abb. 12: Schlagstellungen.
Abb. 13: Verteidigungs-Positionen.
Abb. 14: Die drei taktischen Regionen.
Abb. 15: Modell der konditionellen Faktoren im Tennis.
Abb. 16: Ausgewählte Laufstrecken auf dem Tennisplatz.
Abb. 17: Spielfähigkeit im Handballspiel.
Abb. 18: Grundlegende Bewegungstechniken des Abwehrspielers.
Abb. 19: Individuelle Technik des Angriffsspielers.
Abb. 20: Lauftäuschung zur Wurfarmgegenseite mit Durchbruch zur Wurfarmseite.
Abb. 21: Lauftäuschung zur Wurfarmseite mit Durchbruch zur Wurfarmgegenseite.
Abb. 22: Übersicht über mögliche Folgehandlungen nach Wurf- und Paßtäuschungen.
Abb. 23: Wurf-/Paßtäuschung zur Wurfarmgegenseite mit Durchbruch
zur Wurfarmseite.
Abb. 24: Wurf-/Paßtäuschung zur Wurfarmseite mit Durchbruch zur
Wurfarmgegenseite.
Abb. 25: Körpertäuschung zur Wurfarmgegenseite mit Durchbruch zur Wurfarmseite.
Abb. 26: Körpertäuschung zur Wurfarmseite mit Durchbruch zur Wurfarmgegenseite.
Abb. 27: Täuschung zur Wurfarmseite mit Durchbruch zur Wurfarmgegenseite ohne
Tippen.
Abb 28: Konditionelle Anforderungsprofile
KAPITEL 1: EINLEITUNG 1
1 EINLEITUNG
Die Leistungsdichte im Spitzensport ist aufgrund zunehmender Professionalisierung auf allen Ebenen in den letzten Jahren und Jahrzehnten größer geworden. Die Leistungsunterschiede haben immer mehr abgenommen, die Spitze ist immer weiter zusammengerückt und die sogenannten „Kleinen“ können immer öfter auch die „Großen“ besiegen. Für eine ideale Leistungsentwicklung wird heute in den meisten Lehrbüchern verschiedener Sportarten empfohlen, auf eine allzu frühe Sportart-Spezialisierung zugunsten der Ausbildung möglichst breiter und allseitiger Bewegungsanlagen zu verzichten. Eine breite Bewegungsanlage verhindert nicht nur einseitige Belastungen und Monotonie von leistungsorientiert trainierenden Jugendlichen, sondern bildet vor allem im Kindes- und Jugendalter eine gute koordinative Basis für das Erlernen neuer und vielfältiger Bewegungen. (s. u.a. STRAKERJAHN 1991, TROSSE 2001) Auf dieser Grundlage wird in der Trainingspraxis häufig das Betreiben einer zweiten Sportart empfohlen, die auf der einen Seite die Ausbildung einer breiten Bewegungsanlage unterstützen soll, und andererseits die erste Sportartsofern es ähnliche Bewegungsmuster gibt - sinnvoll ergänzen kann. Ein Beispiel aus der Praxis soll dies bestärken: Magnus WISLANDER, schwedischer Nationalspieler und Leistungsträger beim Handball-Bundesligisten THW Kiel, erklärt und begründet den eigenen sportlichen Weg gegenüber MEMMERT (1999, 12) dazu wie folgt: "Wichtig in meiner Jugendzeit ist gewesen, daß wir viel Spaß hatten, und es war nicht so wichtig, wie wir trainiert haben. Es war Spaß mit dem Ball. Nach Schulschluß sind wir sofort auf den Sportplatz gegangen, um zu spielen. In meiner Freizeit habe ich nur mit dem Ball gespielt; manchmal Fußball, manchmal Eishockey oder auch Handball..." Ähnliches lässt sich auch aus vielen anderen Bewegungsbiographien erfolgreicher Sportler feststellen. Beispielsweise hat Bernhard Kempa 1 , der als Handballer im nationalen und internationalen Bereich etliche Titel gewinnen konnte, erst im Alter von 47 Jahren mit dem Tennisspielen begonnen - und dabei als sogenannter Autodidakt sogar zwei Weltmeistertitel gewonnen (im Seniorenbereich). (EMDER ZEITUNG 2000, 15) 2 Aber es gibt auch eine ganze "Reihe von Vorteilen, die für eine sportspielübergreifende Anfängerausbildung in den großen Sportspielen Handball, Fußball, Basketball und Volleyball, aber auch im Rugby, im Feld-/Eishockey oder sogar im Tennis sprechen." (MEMMERT 1999, 18) Dazu stellt MEMMERT (1999, 19) weiter fest, daß eine zum Teil bereits empirisch bestätigte "hohe Transferwirkung einzelner technischer und taktischer Basiskomponenten ... einen sportspielübergreifenden Zugang unproblematisch und wahrscheinlich sogar gewinnbrin-
1 BernhardKempa erfand im Jahre 1954 einen Trick, der jedem Handballer bekannt ist: den sogenannten und nach ihm benannten "Kempa-Trick".
KAPITEL 1: EINLEITUNG 2
gend erscheinen" läßt. 3 Welche Sportarten-Kombinationen sich aber aufgrund vergleichbarer Anforderungsprofile besser, und welche sich schlechter ergänzen, stützt sich in der Regel vor allem auf persönliche Einschätzungen und Vorlieben der jeweiligen Trainer, und weniger auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Spezifische und sportartübergreifende Gegenüberstellungen von Anforderungsprofilen bestimmter Sportarten sind - erst recht bezüglich des besonderen Aspektes der Beinarbeit - in der wissenschaftlichen Literatur nur sehr spärlich vorhanden.
In der Literatur gibt es zwar diverse Hinweise zur Trainingslehre (auch der einzelnen Sportarten). Die Grundlage dafür aber, nämlich die jeweiligen Anforderungsprofile, sind aber häufig nur unvollständig und am Rande erwähnt. Ein Hineinreichen in die Bereiche der Trainingslehre ist zwar nicht ganz zu umgehen - auch nicht innerhalb dieser Diplomarbeit -, dennoch aber ist es wichtig zu bemerken, daß eine "gesunde" Trainingsplanung letztlich nur auf der Basis von Analysen der jeweils entscheidenden sportartspezifischen Anforderungen auch erfolgreich umgesetzt werden kann. In vielen Texten jedoch wird die Kenntnis der Anforderungsprofile als selbstverständlich vorausgesetzt, ohne das auf genauere Analysen hingewiesen bzw. eingegangen wird. Die bislang innerhalb der wissenschaftlichen Literatur berücksichtigten Angaben zu diesem Thema begrenzen und beziehen sich weiterhin nur auf vereinzelte Hinweise bezüglich der "zweiten" Sportart. Spezielle Ausführungen zum parallelen Betreiben der Sportarten Tennis und Handball bleiben in der Wissenschaft bislang nahezu unberücksichtigt. Sofern Vergleiche oder Gegenüberstellungen von Anforderungsprofilen stattfinden, beziehen sich diese am häufigsten auf den konditionellen Bereich und werden dabei eher oberflächlich und für eine ganze Reihe von Sportarten besprochen. Für den technisch-taktischen Bereich hingegen gibt es zwar einige Ansätze, jedoch beschränken sich diese entweder auf die Rückschlag-oder auf die Mannschaftsspiele. Innerhalb der Rückschlagspiele versucht insbesondere die Kommission Tennis der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) seit 1982, Konzepte für sportartübergreifende Zugänge bezüglich der Rückschlagspiele (Tennis, Badminton , Squash) zu entwickeln. Dabei werden unter der Prämisse des Vermittlungsaspektes und dem Anspruch um Zusammenführung (HOFFMANN / KOCH 1997, 7) die gemeinsamen Strukturen hinsichtlich der positiven "Verflechtung der ... Rückschlagspiele" (KOLLATH / MAIER 1997, 46) beschrieben. Um nun die Anforderungsprofile für die Beinarbeit im Tennis und im Handball einander gegenüberzustellen, müssen die einzelnen Komponenten, die für die Beinarbeit ausschlaggebende Bedeutung besitzen, zunächst einmal genauer untersucht werden. Den
2 s. Anhang
3 Auch BRAND, derzeitiger Bundestrainer der Männer, bestätigt die Bedeutung einer sportspielübergreifenden Ausbildung in den Grundlagenbereichen (in: MEMMERT 2000, 12): "Die heutige `Einbahnstraßen-Ausbildung´ ist weder kind- noch entwicklungsgerecht. Am Anfang müssen verschiedene Wege und Richtun- gen aufgezeigt werden, das Generalmotto lautet: Vielseitiges Spielen macht den Meister!"
KAPITEL 1: EINLEITUNG 3
Grundstein für die tennisspezifische Besprechung liefern dazu v.a. die aktuellen Lehrpläne des DEUTSCHEN TENNIS BUNDES (DTB 1995, 1996) und ein Werk von HESS (1992), der sich ausschließlich mit dem Aspekt der Beinarbeit auseinandersetzt. Für den Handballbereich wird ebenfalls auf die aktuellen Lehrpläne dieser Sportart zurückgegriffen (DEUTSCHER HANDBALL-BUND (DHB) 1994, 1997, 1999). Außerdem ist an dieser Stelle besonders TROSSE (1985, 1988, 1999, 2001) hervorzuheben, der sich in den letzten Jahren ebenfalls in einigen Werken u.a. mit den handballspezifischen Anforderungen auseinandergsetzt hat.
Persönliche Erfahrungen in verschiedenen Sportarten, darunter auch als Spielerin und Trainerin im Tennis und Handball, weckten das Interesse an einer Studie, die sich mit dem sportartübergreifenden Vergleich der Anforderungsprofile beider Sportarten beschäftigt. Aus der Praxis lassen sich dabei vor allem für die Beinarbeit, die einen bedeutenden Teil der Gesamtbewegung und damit einen wichtigen Aspekt sportlicher Leistung bildet, Übereinstimmungen in den Anforderungsprofilen vermuten. Dazu ist an dieser Stelle ebenfalls anzumerken, daß gerade die Beinarbeit sowohl im Handball (s. SPÄTE / WILKE 1989) als auch im Tennis (s. HESS 1992) in der wissenschaftlichen Literatur, aber auch in der Sportpraxis aufgrund immer athletischerer Spielweisen in den letzten 10-15 Jahren stärker berücksichtigt wird (und wurde). Das Ziel dieser Arbeit ist es nun - aufgrund einer Gegenüberstellung der Anforderungen an die Beinarbeit im Tennis und Handball - zu analysieren, inwieweit sich diese ergänzen und überschneiden, und ob sich dementsprechend (aufgrund der vorhandenen Gemeinsamkeiten) ein paralleles Betreiben beider Sportarten als förderlich für die jeweilige sportliche Leistung erwarten läßt. Für diesen Vergleich der Ansprüche an die Beinarbeit sind die Leistungskomponenten Technik / Koordination, Kondition und Taktik von allgemeiner Bedeutung. Eine besonderer Schwerpunkt dieser Arbeit wird dabei auf den Aspekt der Technik / Koordination gelegt. Um im folgenden auf die sportartspezifischen Merkmale eingehen zu können, werden vorab die wichtigsten Aspekte der sportlichen Leistung im allgemeinen erklärt. (Kapitel 2) Daran anschließend wird dann zunächst auf die spezifischen Anforderungen an die Beinarbeit im Tennis (Kapitel 3) und im Handball (Kapitel 4) eingegangen, bevor im Kapitel 5 eine Gegenüberstellung dieser Anforderungsprofile erfolgt, und die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede aufgezeigt werden. Zum Abschluß werden einige Hinweise für die Relevanz und Konsequenzen bezüglich der Anwendung der vorgestellten Ergebnisse in der Sportartpraxis gegeben, bevor dann eine Zusammenfassung des Gesagten erfolgt. Um dabei eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, wird dazu im folgenden nur die männliche Anrede- form verwendet, wobei die weibliche jedoch mit eingeschlossen sein soll.
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
2 ANFORDERUNGEN IM SPORT
2.1 DIE SPORTLICHE LEISTUNG
Sportliche Leistungen basieren auf verschiedenen Leistungskomponenten. Alle Komponenten zusammen bilden das Anforderungsprofil, das in den verschiedenen Sportarten jedoch unterschiedlich gegliedert sein kann, weil die einzelnen Komponenten eine jeweils andere und sportartspezifische Gewichtung erfahren. Um eine Gegenüberstellung der Anforderungsprofile an die Beinarbeit in den Sportarten Tennis und Handball vornehmen zu können, müssen die verschiedenen Komponenten, die Einfluß auf die sportliche Leistung im Sport haben, zunächst einmal grundsätzlich für den Sport im allgemeinen dargestellt werden. Im Anschluß werden dann in den Kapiteln drei und vier die jeweils spezifischen Anforderungsprofile untersucht. Die Kenntnis dieser speziellen Anforderungsprofile ist insofern von besonderer Bedeutung, als daß nur auf ihrer Grundlage eine gezielte Steuerung sportlicher Leistung erst möglich wird. (s. GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL 1986) Man kann der sportlichen Leistung zwar verschiedene Komponenten zuordnen und sie anhand derer beschreiben, jedoch können diese einzelnen Faktoren der Leistungsfähigkeit nicht als voneinander unabhängig betrachtet werden. Vielmehr sind diese häufig nicht deutlich voneinander abzugrenzen, weil sie sich gegenseitig direkt oder indirekt beeinflussen und teilweise auch kompensieren können. (s. FUST 1997) Sportliche Leistungsfähigkeit resultiert aus dem Zusammenwirken aller Faktoren und ist als ein Komplex anzusehen, der durch die unterschiedlichen sportartspezifischen Anforderungen seine unterschiedlichen Strukturen erhält. (s. GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL 1986)
Abb. 01: Die Komponenten sportlicher Leistungsfähigkeit (in Anlehnung an GROSSER 1991, 11 und GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL 1986, 15)
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
2.2 UNTERSCHIEDLICHE LEISTUNGSKOMPONENTEN
Die dargestellten Faktoren der Technik, Taktik, Kondition und Psyche können durch Training verbessert und die sportliche Leistungsfähigkeit dadurch gesteigert werden. Rahmenbedingungen und äußere Bedingungen hingegen sind durch sportliches Training nicht zu beeinflussen. Da beide - die Rahmen- sowie die äußeren Bedingungen - für die Beinarbeit im Sport zwar eine Rolle spielen können (z.B. die Bodenbeschaffenheit oder das Schuhwerk), die anderen Komponenten aber eine deutlich höhere Bedeutung für die Beinarbeit haben und v.a., weil sie trainierbar sind, wird im weiteren auch nicht mehr ausführlich darauf eingegangen. Die psychischen Fähigkeiten spielen für die Beinarbeit im Sport zwar eine bedeutende Rolle: Mangelnde Motivation oder fehlender Einsatzwille können die Leistungsfähigkeit ebenso beeinträchtigen wie das individuelle Temperament des Sportlers; dennoch aber wird dieser Leistungsaspekt im Folgenden nicht speziell berücksichtigt, weil die für die Beinarbeit wichtigen psychischen Komponenten des Willens und der Motivation als grundlegend für beide hier im weiteren zu untersuchenden Sportarten (Tennis und Handball) vorausgesetzt werden. Abschließend ist noch auf die Unterscheidung von sportlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten hinzuweisen: Mit den Fertigkeiten beschreibt man die Anwendungsmöglichkeiten bestimmter Techniken, während die Fähigkeiten eine wichtige Voraussetzung bilden, um die angestrebten Techniken bzw. Fertigkeiten überhaupt erlernen und entwickeln zu können. (s. HEINZEL / KOCH / STRA-KERJAHN 1997) Im Prinzip sind koordinative Fähigkeiten und technische Fertigkeiten in der Theorie sowie in der Praxis allerdings nicht ganz genau voneinander abzugrenzen, weil die Grenzen v.a. mit zunehmendem Leistungsniveau immer fließender verlaufen: "Bei der Bewegungsausführung beeinflussen sie sich gegenseitig und verbessern sich auch in Wechselwirkung (ein Prozeß des gegenseitigen `Aufschaukelns´)." (s. NEUMAIER / MECHLING 1995)
2.2.1 TECHNIK / KOORDINATION
TECHNIK
Die Technik ist ein äußerlicher, und damit auch ein direkt wahrnehmbarer Faktor, der die sportliche Leistung beeinflussen kann. Das unterscheidet die technischen Fertigkeiten auch von den konditionellen, koordinativen und taktischen Fähigkeiten, die nicht in dem Maße offensichtlich festzustellen sind. (s. HEINZEL et al. 1997) Im Sportwissenschaftlichen Lexikon (s. RÖTHIG 1992) wird die sportliche Technik als ein Komplex von Bewegungen und Teilbewegungen be- schrieben, der darauf abzielt, bestimmte situative Aufgaben im Sport zu lösen. WEINECK
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
(1994, 248) liefert eine noch etwas genauere Definition zum Begriff der Technik: "Unter sportlicher Technik versteht man meist das in der Praxis entwickelte Verfahren, eine bestimmte Bewegungsaufgabe auf möglichst zweckmäßige und ökonomische Weise zu lösen. Die Technik einer sportlichen Disziplin entspricht dabei einem sogenannten motorischen Idealtyp, der jedoch unter Einhaltung seiner charakteristischen Bewegungsmerkmale eine den individuellen Gegebenheiten entsprechende Modifizierung (persönlicher Stil) erfahren kann." Das bedeutet: Bewegungsaufgaben im Sport erfordern bestimmte Fertigkeiten, also mehr oder weniger festgelegte Lösungsverfahren - die sportlichen Techniken -, um diese Aufgaben erfolgreich lösen zu können. Sportliche Techniken erfüllen dann ihren Zweck, wenn durch sie Bewegungsaufgaben bewältigt werden können. Für eine Bewegungsaufgabe kann es auch - neben dem "mo-torischen Idealtyp" (s.o.) - verschiedene Lösungswege geben. Oder anders formuliert: Bestimmte Fertigkeiten können mit unterschiedlichen Techniken ausgeführt werden. (s. HEIN-ZEL et al. 1997) Die verschiedenen Technikvarianten sind jedoch meistens unterschiedlich gut dafür geeignet: Welche sportliche Technik die zweckmäßigste ist, hängt entscheidend vom Leistungsniveau des Sportlers sowie vom Schwierigkeitsgrad der Aufgabe oder der jeweiligen sportlichen Ausgangssituation ab. (s. LETZELTER 1987b) Für eine situationsadäquate Technikanwendung werden dabei "allgemeine und aufgabenspezifische Fertigkeiten benötigt. Allgemeine Fähigkeiten sind hierfür Laufen, Hüpfen, Drehen, Werfen ...;" (HEINZEL et al. 1997, 9) die speziellen Fertigkeiten können zum Bsp. ein Sprungwurf im Handball, ein Vorhandschlag im Tennis oder das Pritschen beim Volleyball sein. Demzufolge versteht man unter Fertigkeiten im Sport jene Verfahren, die zur Aufgabenlösung in bestimmten sportlichen Situationen beitragen, und im Rahmen derer verschiedene Techniken unterschiedlich gut zu ihrer Bewältigung geeignet sind.
Man unterscheidet sportliche Techniken bezüglich ihrer Zweckmäßigkeit: Sportliche Techniken, die um ihrer selbst willen ausgeübt und in ihrer Qualität beurteilt werden und demzufolge als Selbstzweck dienen, werden den Formbewegungen zugeordnet. Ihr Schwierigkeitsgrad sowie die Ausführungsgüte und Ästhetik der Bewegung entscheiden über sportlichen Erfolg oder Mißerfolg. Das ist zum Bsp. beim Turnen der Fall. Zweckbewegungen hingegen sind immer auf Ziele gerichtet, die außerhalb der sportlichen Technik bzw. außerhalb des speziellen Bewegungsablaufes selbst liegen. Unter diesem Anspruch können verschiedene Wege bzw. Techniken zum Erfolg führen, angestrebt wird v.a. im Leistungsbereich jedoch immer die effektivste (s.o.). Die im Leistungssport ausgewählten und angewandten Techniken, deren Einsatz am meisten Erfolg versprechen, orientieren sich an der aktuellen Technik der Besten in der jeweiligen Sportart und am momentanen Wissensstand der Biomechanik. Sie sind in der Regel
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
an ein hohes Qualifikationsniveau gebunden und werden als Idealtechniken bezeichnet. (s. LETZELTER 1987b) Außerdem können Bewegungen sowohl qualitativ als auch quantitativ bewertet werden: Während sich die Qualität einer Bewegung anhand der von MEINEL und SCHNABEL (1976) definierten Merkmale von Bewegungsqualität wie Bewegungstempo,rhythmus, -fluß, etc. beurteilen läßt, ist mit Hilfe biomechanischer Beobachtungen eine quantitative Beurteilung der entscheidenden Bewegungsmerkmale möglich. Techniken werden im Sport anhand ihrer Bewegung im Raum (kinematisch, Raum-Zeit-Verlauf) sowie ihrer Kraftaufwendungen (Kraft-Zeit-Verlauf, dynamisch) beschrieben. Das Drei-Phasen-Modell von MEINEL und SCHNABEL zeigt die kinematische Grundstruktur von azyklischen Bewegungen, die in eine Vorbereitungs-, eine Haupt- und eine Endphase aufgeteilt werden. Die Reihenfolge der Phasen ist eindeutig festgelegt und nicht umkehrbar, da sie aufeinander aufbauen und verschiedene gegenseitige Beziehungen bestehen. Azyklische Bewegungen können weiter definiert werden als Aktionen, "mit deren einmaliger Ausführung die gestellte Bewegungsaufgabe (das Ziel) erreicht wird." (GROSSER / HERMANN / TUSKER / ZINTL 1987, 23) Ein entscheidendes Merkmal azyklischer Bewegungsabläufe "ist die Verbindung von `Abbremsen der Bewegung´ am Ende der Vorbereitungsphase und `Bewegungsumkehr´ zu Beginn der Hauptphase." (GROSSER et al. 1987, 23) Fallen Endphase des vorhergehenden Zyklus und Vorbereitungsphase des folgenden Zyklus hingegen zusammen, handelt es sich dagegen um zyklische Bewegungen. "Die Grundstruktur zyklischer Bewegungen ist somit zweiphasig" (GROS-SER et al. 1987, 23), da sie sich aus einer Haupt- und einer Zwischenphase (der Kombination von Vorbereitungs- und Endphase) zusammensetzt. Die Bedeutung der Technik hat für die verschiedenen Sportarten einen unterschiedlichen Stellenwert. In Sportarten, in denen es nur einer einzigen Technik bedarf (monotechnische Sportarten), wird der Technik vergleichsweise weniger Relevanz zugemessen als in Sportarten, die auf mehrere Techniken zurückgreifen (polytechnische Sportarten). Der Stellenwert der Technik und damit des Techniktrainings nimmt mit der Anzahl der zum Einsatz kommenden Techniken zu.
KOORDINATION
Die Bedeutung und allgemein hohe Einschätzung der koordinativen Grundlagen ist in der sportwissenschaftlichen Literatur unbestritten. Trotzdem weisen NEUMAIER und MECH-LING (1995) jedoch darauf hin, daß lediglich "kaum differenzierte und theoretisch unzureichend begründete Analysen des koordinativen Anforderungsprofils und des Koordinationstrainings auch in Abgrenzung zum reinen Techniktraining" bestehen. Die vorhandenen Konzepte zu den koordinativen Fähigkeiten beschäftigen sich meistens sehr oberflächlich mit dem Grundlagenbereich und der allgemeinen Koordination. Damit ist jedoch keine Übertragung
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
auf genaue Analysen für spezifische koordinative Anforderungsprofile der einzelnen Sportarten möglich. In der Physiologie versteht man unter dem Begriff Koordination das Zusammenspiel synergistisch und antagonistisch arbeitender Muskulatur. (s. ROTH 1987) BRACK, BU-BECK und PIETZSCH (1996, 13) umschreiben diese Fähigkeit als "Zusammenspiel von Zentralnervensystem und Skelettmuskulatur innerhalb eines gezielten Bewegungsablaufes". HEIN-ZEL, KOCH und STRAKERJAHN (1997) bezeichnen die Koordination in ähnlicher Weise, wenn sie diese als diejenige Fähigkeit beschreiben, die bei einer Bewegung die beteiligten Muskeln so koordiniert, daß die gewünschte sportliche Handlung zustande kommt. Dabei unterscheidet man die Koordination in intra- und intermuskuläre Koordination (s. Kap. 2.2.3.2 zur Schnelligkeit). DANGEL (1993, 243) beschreibt den Begriff Koordination etwas allgemeiner 4 als "die Fähigkeit, gezielte Bewegungen mit dem geringsten Kraftaufwand schnellstmöglichst, situationsbedingt anwenden zu können." Im Sportspiel können die einzelnen Spielaufgaben, die in den ständig wechselnden Spielsituationen immer wieder gefordert werden, sehr stark variieren und den spezifischen Einsatz verschiedener Techniken verlangen. Um dieses zu gewährleisten, braucht der Spieler seine koordinativen Fähigkeiten. Diese können den Spielerfolg letztendlich sogar in höherem Ausmaß als die beobachtbare Technikausführung bestimmen. (s. HEINZEL et al. 1997) Außerdem stellt DANGEL fest, daß Koordination bei allen Beanspruchungsformen körperlicher Fähigkeiten gefordert sind. Demzufolge bemerken HEINZEL et al. (1997), daß die koordinativen Fähigkeiten (ebenso wie die übrigen konditionellen Fähigkeiten auch) eine grundlegende Voraussetzung zur Entwicklung der benötigten technischen Fertigkeiten darstellen. Daraus resultierend unterscheiden HEINZEL et al. (1997, 10) "in allgemeine Fähigkeiten, die sehr generell und übergreifend wirken, und in spezielle Fähigkeiten, die direkt und spezifisch bestimmte sportliche Tätigkeiten beeinflussen." Dabei können die speziellen Fähigkeiten einerseits als Grundlage für den Erwerb und die Festigung sportartspezifischer Fertigkeiten und der dazugehörigen verschiedenen Techniken angesehen werden. Andererseits besitzen diese (Fertigkeiten / Techniken) bei ihrer Anwendung aus umgekehrter Sicht auch Rück- und Auswirkungen auf die Ausbildung dieser Fähigkeiten.
Die biomechanische Betrachtungsweise bezieht diesen Begriff hingegen auf den räumlichen, zeitlichen und kräftemäßigen Ablauf von Bewegungen. Äußerlich sichtlich sind Harmonie, Rhythmus und die flüssige Ausführungsweise der Bewegung (s. ROTH 1987). Aus trainings-theoretischer Sichtweise sind es die koordinativen Fähigkeiten, die es dem Sportler ermöglichen, "motorische Aktionen in vorhersehbaren (Stereotyp) und unvorhersehbaren (Anpassung)
4 DANGEL bezieht bei seiner Umschreibung alle Sportarten ein, d.h. er beschränkt sich nicht nur auf diejeni- gen Sportarten, die mit einem "Gerät" ausgeübt werden.
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
Situationen sicher und ökonomisch zu beherrschen und sportliche Bewegungen relativ schnell zu erlernen." (FREY 1977, 356) GROSSER (1991, 12) beschreibt die koordinativen Fähigkeiten aus trainingswissenschaftlicher Sicht als Voraussetzung für Bewegungstechniken, die in den "Strukturen, Präzision, Konstanz, Rhythmus, u.a." sichtbar werden. (s. GROSSER / NEUMAIER 1982, WILLIMCZIK / ROTH 1983, GROSSER / BRÜGGEMANN / TUSKER / ZINTL 1987) Im Gegensatz zu den konditionellen Fähigkeiten und Fähigkeitskonzepten, die bereits in einem hohen Maße standardisiert und definiert sind, existieren bezüglich der koordinativen Fähigkeiten eine ganze Reihe und eine teilweise sehr unübersichtliche Fülle verschiedener, miteinander konkurrierender allgemeiner Konzepte sowie Beschreibungen einzelner Aspekte. Es fehlt in der sportwissenschaftlichen Literatur ein standardisiertes wissenschaftliches Theoriegebäude zu den koordinativen Leistungsfaktoren, welches auch auf die speziellen Anforderungen in den einzelnen Sportarten und -disziplinen angewandt werden kann. (s. NEUMAIER / MECHLING 1995, 14) Das stellen auch HEINZEL et al. (1997, 14) fest, die "besonders das Fehlen von sportartspezifischen (speziellen) Konzepten beklagen." Im Wesentlichen sind zwei verschiedene Forschungsrichtungen gegeneinander abzugrenzen: Auf der einen Seite die deduktiven Forschungsansätze, die bemüht sind, sämtliche relevanten Wissenschaftsbereiche zu berücksichtigen und zu integrieren. Und auf der anderen Seite stehen die induktiven Ansätze, die besonders bedeutsam für die Sportpraxis sind, weil sie sich an den äußerlich sichtbaren Bewegungsmerkmalen koordinativer Fähigkeiten orientieren. (Gleiches gilt im übrigen auch für den Bereich Technik.) Dazu gehören z.B. der Bewegungsfluß, -kopplung,harmonie, etc. (s.o.). Von diesen Merkmalen wird auf interne und individuelle motorische Fähigkeiten und damit auf die koordinative Leistung geschlossen. Für diese Diplomarbeit sind aufgrund ihrer Praxisnähe besonders diese induktiven Ansätze von Bedeutung. Auf eine weitere Darstellung der deduktiven Ansätze wird daher verzichtet.
INDUKTIVE ANSÄTZE
Die ersten aus der Sportpraxis stammenden Modellvorstellungen kennzeichnen koordinative Fähigkeiten als Gewandtheit, oder auch damit, Bewegungen schnell zu erlernen und sicher sowie ökonomisch beherrschen und anwenden zu können. HIRTZ (1977) unterteilt die koordinativen Fähigkeiten aufgrund eigener Untersuchungen und der Ergebnisse anderer Wissenschaftler in sechs einzelne Komponenten von Bewegungskoordination: Reaktionsfähigkeit 5 , kinästhetische Differenzierungsfähigkeit, räumliche Orientierungsfähigkeit, Anpassungs- und
5 Die Reaktionsfähigkeit spielt zwar auch für koordinative Fähigkeiten und Überlegungen eine Rolle, wird aber aufgrund ihrer engen Verknüpfung mit der konditionellen Fähigkeit Schnelligkeit unter diesem Aspekt näher erläutert. (s. Kapitel 2.2.3.2) Auch an diesem Zusammenhang wird aber wieder deutlich, wie sehr sich die ein- zelnen Leistungskomponenten untereinander beeinflussen können.
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
Umstellungsfähigkeit, Fähigkeit zu kontinuierlichen Bewegungshandlungen, Fähigkeit zur Koordination unter Zeitdruck. BLUME (1978) und DANGEL (1993) nehmen eine ähnliche Einteilung vor und differenzieren in folgende sieben Fähigkeiten, welche die Koordination beinhaltet: Orientierungs-, Kopplungs-, Differenzierungs-, Gleichgewichts-, Rhythmisierungs-, Reaktions- und Umstellungsfähigkeit. Dazu gibt er in einer Tabelle kurze Definitionen zu jeder einzelnen Fähigkeit und erklärt zusätzlich, auf welche Sinnessysteme diese angewiesen sind. Diese Einteilung der verschiedenen Komponenten und ihre Beschreibung erfolgt in Anlehnung an BLUME (1978) und werden ebenfalls im DTB-Lehrplan (s. DTB 1996) zugrunde gelegt.
Tab. 01: Koordinative Fähigkeiten. (DANGEL 1993, 194/195, 3b)
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
Die Ziele der Koordination definiert DANGEL in einer Erweiterung des Bewegungsschatzes, einer verkürzten Lernfähigkeit für neue Bewegungen, besseren Bewältigung schwieriger Ausgangspositionen, der situativen Anwendung spezifischer Techniken und einer Verbesserung der Antizipationsfähigkeit. Die Koordinationsfähigkeiten ihrerseits wird v.a. beeinflußt durch die Reaktionsschnelligkeit, zyklische und azyklische Schnelligkeit, Kraft und Antizipationsleistungen. ROTH (1982) versuchte, die Vielzahl an Konzepten für die allgemeinen Koordinationsfähigkeiten unter einen Hut zu bringen, wobei er sich stark an die Ausführungen von HIRTZ anlehnt. ROTH teilt Bewegungskoordination zunächst in zwei koordinative Grundka-tegorien: die Orientierung an der Zeit (von HIRTZ bezeichnet als Fähigkeit zur Koordination unter Zeitdruck) und die Orientierung an Bewegungserfolg und -genauigkeit (von HIRTZ definiert als Fähigkeit zu kontinuierlichen Bewegungshandlungen und zur Bewegungskontrolle). Weiterhin unterscheidet ROTH zwischen konstanten und wechselnden Ausführungsbedingungen bzw. zwischen Steuerungs- und Anpassungs- / umstellungsfähigkeiten, die er den beiden Grundkategorien jeweils zuordnet. Demzufolge besteht das von ROTH (1982) entwickelte Konzept der allgemeinen koordinativen Fähigkeiten aus vier Fähigkeits-Komplexen 6 : Fähigkeit zur schnellen motorischen Steuerung Fähigkeit zur schnellen motorischen Anpassung und Umstellung Fähigkeit zur präzisen motorischen Steuerung Fähigkeit zur präzisen motorischen Anpassung und Umstellung
Das derzeit wohl bekannteste und gebräuchlichste Modell wurde jedoch von HIRTZ im Jahre 1985 aufgestellt. Dabei modifiziert er seine Ausführungen von 1977 und begrenzt sein Konzept auf "fünf fundamentale allgemeine koordinative Fähigkeiten", die jedoch nicht als eigenständige Bereiche zu sehen sind. Vielmehr betont ROTH in seiner Darstellung v.a. die enge Verknüpfung aller Faktoren untereinander: Reaktionsfähigkeit, Rhythmusfähigkeit, Gleichgewichtsfähigkeit, räumliche Orientierungsfähigkeit und kinästhetische Differenzierungsfähigkeit. Da diese einzelnen Komponenten bereits in der Abbildung von DANGEL (1993, 194/195) kurz erklärt wurden (s.o.), wird hier auf eine weitere Darstellung jedoch verzichtet.
Abschließend bleibt noch das Konzept von NEUMAIER und MECHLING (1995, 14ff) zu erwähnen, die einen "Strukturierungsvorschlag zur Analyse und zum Training spezieller koordinativer Leistungsvoraussetzungen" entwickelt haben. In ihrem Konzept versuchen die Autoren ein sportartübergreifendes Strukturmodell für die allgemeinen koordinativen Anforderungen aufzustellen, das sich auch auf die spezifischen Anforderungen der Bewegungsaufgaben in den einzelnen Sportarten übertragen läßt. Dazu ziehen sie ebenfalls die von DANGEL
6 Vgl. hierzu HEINZEL / KOCH / STRAKERJAHN (1997, 15)
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
(1993, s.o.) bereits erwähnten Informationsquellen / Analysatoren 7 für ihre Einteilung der An-forderungskategorien an die aufgabenspezifische Koordination als ein wesentliches Merkmal heran. Die unterschiedliche Nutzung der einzelnen Informationsquellen begründen NEUMAI-ER und MECHLING (1995) dabei mit dem jeweiligen Fertigkeitsniveau sowie dem Automatisierungsgrad des einzelnen Sportlers. Für eine weitere Ausdifferenzierung des Analyserasters werden folgende fünf grundlegende Einflußfaktoren koordinativer Anforderungen bestimmt: Genauigkeitsanforderungen (Präzisionsdruck)
Die Anforderungen an die Koordination können unterschiedlich hoch sein. Ein entscheidender Faktor für die Bestimmung ist die geforderte Bewegungsgenauigkeit: Je größer der Präzisionsdruck, desto höher sind auch die koordinativen Anforderungen. Dabei unterscheiden NEU-MAIER und MECHLING zwei Anforderungen an die Genauigkeit: die Zielpräzision und die Präzision der Ausführung. (s. Kap. 2.2.1) Verfügbare Bewegungszeit (Zeitdruck)
Die koordinativen Anforderungen steigen in ihrer Schwierigkeit ebenfalls bezüglich der erforderlichen Bewegungsgeschwindigkeit für die jeweilige Bewegungsaufgabe. Auch hier wird wieder in zwei Aspekte unterteilt: die Geschwindigkeit einer Bewegungsausführung im Sinne der Schnellkoordination (s. 2.2.3.2) und die Geschwindigkeit von bewegungsvorbereitenden Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozessen. Bewegungskomplexität und -organisation (Komplexitätsdruck)
Die koordinativen Schwierigkeiten variieren ebenfalls in Abhängigkeit von der Zahl der verschiedenen Freiheitsgrade des Bewegungssystems, wobei freien Bewegungen gegenüber eher geführten Bewegungen (z.B. beim Rudern oder Radfahren) die höheren Anforderungen stellen. Außerdem steigt die Koordinationsfähigkeit, je mehr sich der Körper nicht in einem stabilen Gleichgewichtszustand befindet. Auch die Koordination von mehreren gleichzeitig oder auf-einanderfolgenden Bewegungsteilen stellt erhöhte Anforderungen an die "Abstimmung" einer Bewegungshandlung (Bewegungskomplexität). Umweltanforderungen
Der Schwierigkeitsanspruch an die koordinativen Fähigkeiten wird ebenso durch die Varibilität der äußeren Bedingungen (s. Kap. 2.1) und die Situationskomplexität (Mitspieler / Gegner) geprägt. Außerdem beinhaltet die Orientierung an der Umwelt die Fähigkeit zur Umstellung und Anpassung an wechselnde Bedingungen (s.o., zu den Ausführungen von ROTH). Belastung / Beanspruchung
Sowohl die Belastungsdauer als auch die Intensität, mit der sie ausgeübt wird, haben Auswir- 7 Informationsquellen/ Analysatoren: vestibulär, kinästhetisch, taktil, optisch, akustisch (NEUMAIER / MECHLING 1995, 14/15)
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kungen auf die Qualität der Bewegungskoordination. Die koordinativen Anforderungen sind somit immer dann höher einzustufen, wenn die physische Vorbelastung (Ermüdungszustand) und die aktuelle muskuläre Beanspruchung durch den Bewegungsablauf selbst auf einem höheren Niveau liegen. (s. NEUMAIER / MECHLING 1995)
Bei der Übertragung dieses Analyserasters auf konkrete Anforderungsprofile der einzelnen zu untersuchenden Sportarten erfolgt bezüglich der kategorialen Einteilungen von den Informationsquellen / Analysatoren eine Zuordnung, die "den Grad der Beteiligung der jeweiligen Ana-lysatoren" (NEUMAIER / MECHLING 1995, 16) mit einem oder mehreren Plus- und Minuszeichen angibt. Die dargestellten Einflußfaktoren (Präzisionsdruck etc.) werden bei der sportartspezifischen Erfassung durch dieses Analyseraster ihrem Schwierigkeitsgrad entsprechend auf einer Skala von einem geringem bis hohen Anforderungsgrad bewertet. Als Bsp. für eine solche sportartspezifische Erfassung mit Hilfe dieses Rasters soll hier das koordinative Anforderungsprofil der Wettkampftechnik im Basketball angeführt werden:
Wie das Bsp. zeigt, werden im
Sport häufig nicht nur hohe Anforderungen an einen einzigen Einfluß-faktor gestellt: Bei den meisten Bewegungsaufgaben werden kombinierte Anforderungen von mittlerer bis hoher Ausprägung für mehrere oder sogar für alle Faktoren einge-fordert. Außerdem gehen NEU-MAIER und MECHLING (1995) von Beziehungen und Verknüpfungen der einzelnen einzelnen Faktoren
untereinander ebenso aus, wie die Autoren der bereits dargestellten Konzepte zur Koordination auch. Sie merken jedoch auch an, daß "die Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Faktoren im Detail noch nicht genügend bekannt" sind. Genauso wenig bekannt sind aufgrund fehlender empirischer Untersuchungen die etwaigen Wechselbeziehungen von allgemeinen koordinativen Leistungsvoraussetzungen und sportartspezifischen Anforderungen an die Koordination. Weitere Defizite in der wissenschaftlichen Literatur bestehen nicht nur hinsichtlich der sportartspezifischen Anforderungskonzepte (s.o.), sondern auch bezüglich der Verbindung von koordinativen und kognitiven Fähigkeiten (z.B. Antizipation / Wahrneh-
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
mung), des Einflusses von Automatisierungsgraden und dem jeweiligen Leistungsniveau eines Sportlers etc.
2.2.2 TAKTIK
Diese Leistungskomponente wird von LETZELTER (1987a) definiert als ein System von Handlungsplänen und Entscheidungsmöglichkeiten mit dem Ziel einer optimalen sportlichen Handlungsrealisierung. LETZELTER trennt dabei zwei Aspekte sportlicher Taktik: Der orga-nisatorische Aspekt beinhaltet sowohl die eigenen Fähigkeiten als auch die Bereitstellung aller nötigen Wettkampfmittel und die äußeren Bedingungen wie Schiedsrichter und Zuschauer, Wettkampfanlage und auch den Stellenwert des Wettkampfes. Unter Berücksichtigung aller organisatorischen Wettkampfelemente wird im Hinblick auf den Wettkampf ein taktisches Konzept erarbeitet und eingeübt. Möglicherweise auftretende Schwierigkeiten werden so weit wie möglich berücksichtigt. Der handlungsorientierte Aspekt hingegen schließt jene Handlungsweisen, die vom Sportler selbst gesteuert werden und dem eigenen Wettkampferfolg dienen. Dazu gehören jedoch nicht nur Aktionen während des Wettkampfgeschehens, sondern auch im Vorfeld dessen stattfindende Lern-, Übungs- und Trainingsprozesse.
Da Taktik in den verschiedenen Sportarten unterschiedlich große Bedeutung besitzt, trennt LETZELTER grob drei Sportartengruppen, wobei die dritte allerdings noch einmal unterteilt wird:
1.) Sportarten mit indirektem Leistungsvergleich (z.B. Turnen)
2.) Sportarten mit direktem Vergleich, in denen der Wettkampf nebeneinander stattfindet, also ohne direkten Körperkontakt (z.B. 100m-Lauf)
3.) Sportarten, in denen Kämpfe unmittelbar gegeneinander stattfinden, wobei diese einerseits mit direktem Körperkontakt sowie körperlicher Behinderung (z.B. Handball), und andererseits ohne Körperkontakt (z.B. Tennis) gegeneinander durchgeführt werden. Der Einfluß der taktischen Komponente auf die sportliche Leistung nimmt von der ersten Kategorie bis zur dritten deutlich zu. Spielt sie für Sportarten mit indirektem Leistungsvergleich nur eine nachrangige Rolle, nimmt ihre Bedeutung bis zur dritten Kategorie deutlich zu. In den Sportarten dieser Kategorie ist die Taktik gegenüber den Leistungskomponenten Technik und Kondition etwa gleichwertig. Technische, konditionelle und koordinative Leistungsfähigkeiten können nur dann optimal entfaltet werden, wenn sie im richtigen Zeitpunkt situati- onsgerecht durchgeführt werden. Die situationsadäquate Anwendung von Techniken ist
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
Inhalt der Taktikschulung im Sport, die sich in den Sportspielen v.a. mit dem Problem der schnellen und zielsicheren Aufgabenbewältigung in der jeweiligen Spielsituation beschäftigt. Entscheidend ist dabei die situationsangemessene Auswahl der jeweils am besten geeigneten Technik („Was-Entscheidung“). (LETZELTER 1987a, HAGEDORN / LORENZ / MESECK 1985, 369ff)
Das Erarbeiten und Einsetzen sportlicher Taktiken setzt voraus, daß man sowohl über taktisches Wissen als auch über Regeln und Abläufe des Wettkampfes informiert ist und taktische Grundsituationen - bei den Sportspielen Bsp.sweise sowohl im Angriff als auch in der Abwehr - praktisch beherrscht. Taktische Handlungen im Sport durchlaufen - wie jede sportliche Aktivität - verschiedene Phasen, bevor am Ende die Ausführung und gegebenenfalls ihre Durchführung steht. Die Phaseneinteilung nach LETZELTER (1987a, 469): 1.) Wahrnehmung der an der momentanen Situation beteiligten Faktoren. 2.) Situationsanalyse und gedankliche Auseinandersetzung mit der Situation und den Zusammenhängen der einzelnen Faktoren. Gedankliches Durchspielen verschiedener Lösungsmöglichkeiten sowie Kalkulation von eigenen, gegnerischen und eventuell den Fähigkeiten der Mitspieler.
3.) Erstellung und Entscheidung für ein konkretes Handlungsprogramm. 4.) Umsetzung dessen in motorische Handlungen und eventuell auch Änderungen des geplanten Handlungsprogramms, wenn die jeweilige Situation es erfordert. 5.) Im Anschluß daran - oder zum Teil auch noch während der Phase der Aktion selbst - folgt eine Analyse des oder der Ergebnisse. Ablauf und Ergebnis der Handlung werden mit dem im Gedächtnis gespeicherten Sollwert verglichen und im Hinblick auf den sportlichen Erfolg bewertet.
Die taktischen Anforderungen an eine sportliche Situation sind demnach sehr komplex. Verfügt der Sportler jedoch über grundlegende Erfahrungen über die Bewältigung derartiger Situationen, können ihm diese beim Bewältigen der momentanen Situation auch durch verbesserte Antizipationsfähigkeiten (s. Kap. 2.2.3.2 Schnelligkeit und Antizipation) behilflich sein. Außerdem hängt die erfolgreiche Bewältigung taktischer Aktionen im Sport zu einem großen Teil auch vom technischen Leistungsniveau des Sportlers und gegebenenfalls seiner Mitspieler ab. Der Sportler muß eine Lösungsvariante wählen, die er technisch beherrscht, um letztendlich seine Aktion erfolgreich abschließen zu können. Für die technischen Fähigkeiten sind jedoch wiederum konditionelle Fähigkeiten grundlegend. Somit ist das taktische Leistungsvermögen auch von technischen und konditionellen Fähigkeiten abhängig.
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
TAKTIK - STRATEGIE
Der Bereich der Taktik bezieht sich auf kurzfristige und situationsbedingte Lösungshandlungen (unter Berücksichtigung innerer und äußerer Einflüsse). Der Begriff Strategie hingegen, der im Zusammenhang mit der Taktik häufig genannt wird, bezeichnet auf mittel- und langfristige or-ganisatorische Aspekte ausgerichtete Maßnahmen (z.B. auf das jeweilige Saisonziel einer Mannschaft oder auf andere grundlegende Pläne, die über das einzelne Spiel oder den einzelnen Wettkampf hinausgehen).
2.2.3 KONDITION
Zu den konditionellen Fähigkeiten gehören in der Trainingslehre die klassischen vier Bereiche Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Beweglichkeit. Manchmal wird auch die Koordination dazu gerechnet, u.a. deshalb, weil sie mit der konditionellen Fähigkeit Schnelligkeit einige Zusammenhänge aufweist. Eng verknüpft sind koordinative Fähigkeiten aber auch mit dem Bereich Technik, in dem den koordinativen Fähigkeiten eine große Bedeutung zuzuordnen ist. Gute koordinative Fähigkeiten ermöglichen ein "leichteres" und schnelleres Erlernen von Techniken, und sie erlauben dem Spielsportler auch unter erschwerten bzw. sich ändernden äußeren Bedingungen ein situationsangemessenes Ausführen seiner Bewegungen / Bewegungstechniken. Deshalb wird die Koordination auch hier dem Technik-Kapitel zugeordnet. (s. WEINECK 1994) Unter allgemeiner Grundkondition versteht man eine sportartübergreifende Kondition, wobei alle Komponenten der Kontition auf einem möglichst gleichmäßig hohen Ausbildungsniveau sind. Bei der spezielle Kondition hingegen ist der Ausbildungsstand sportartspezifisch, und zielt hauptsächlich auf eine bestimmte Sportart ab. Im Rahmen dieser Diplomarbeit sollen in den folgenden Kapiteln 3 bis 5 neben den grundlegenden technischen Fertigkeiten und koordinativen Fähigkeiten sowie der Taktik die speziellen, sportartspezifischen konditionellen An-forderungen an die jeweilige spezifische Beinarbeit im Tennis und im Handball zunächst eruiert und anschließend miteinander verglichen werden. (s. WEINECK 1994)
2.2.3.1 Ausdauer
Sportliche Leistungen in Training und Wettkampf führen zur Ermüdung. Die Widerstandsfähigkeit gegen diese Ermüdung bezeichnet man als Ausdauer. Diese ist nötig, um eine Leistung über längere Zeit aufrecht erhalten zu können, d.h. ohne einen ermüdungsbedingten Leistungs-
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abfall. Eine genauere Einteilung der Ausdauer erfolgt nach der Belastungszeit in die Bereiche Kurz-, Mittel- und Langzeitausdauer. Eine gute Langzeit- bzw. Grundlagenausdauer (s.o.) ermöglicht eine schnellere und vollständigere Erholung nach Belastungen. Damit besitzt die Ausdauerfähigkeit im Sport allgemein und v.a. für den Trainingsbetrieb eine Basisfunktion. Intensives und umfangreiches Training ohne lange Pausen kann nur auf der Grundlage einer gut entwickelten Ausdauer durchgeführt werden. Das gilt damit auch für die Sportarten, in denen Ausdauer für die Wettkampfleistung keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt. Bsp.sweise könnte ein Sprinter nur sehr geringe Trainingsumfänge nutzen und nur ein paar kurze Sprints pro Trainingseinheit durchführen, wenn er nicht auf ein gewisses Maß an Ausdauerkapazitäten zurückgreifen könnte. Für eine optimale Leistungssteigerung reichen derart geringe Trainingsumfänge aber nicht aus. (s. DE MARÉES 1994, LETZELTER 1987, STE-GEMANN 1991) In der Trainingslehre wird daher die konditionelle Fähigkeit Ausdauer von ZINTL (1994, 28) wie folgt definiert: "Ausdauer bezeichnet die Fähigkeit, physisch und psychisch lange einer Belastung zu widerstehen, deren Intensität und Ausdauer letztlich zu einer unüberwindbaren Ermüdung führt, und / oder sich nach physischen und psychischen 8 Belastungen rasch zu regenerieren. Kürzer ausgedrückt: Unter Ausdauer versteht man Ermü-dungswiderstands- und rasche Wiederherstellungsfähigkeit."
Wichtig für die Sportpraxis ist auch die Unterscheidung von Grundlagen-, d.h. allgemeiner, und spezieller Ausdauer (s.o.): Während die Grundlagenausdauer die Basis für den Trainings- und Wettkampfbetrieb in sämtlichen Sportarten bildet und sämtliche Ausprägungen von Ausdauerfähigkeiten beinhaltet, orientiert sich die spezielle Ausdauer an den individuellen Anforderungen der jeweiligen Sportart. Man kann die unterschiedlichen Ausdauerformen darüber hinaus auf verschiedene Art und Weise weiter differenzieren. Sehr bekannt und v.a. sehr praxisnah stellt sich das Schema von HOLLMANN und HET-TINGER (1990) dar: Demnach erfolgt eine Gliederung nach den Kriterien Energiegewinnung, Arbeitsweise und Lokalisation. (s. LETZELTER 1987) Da für die hier im folgenden angestrebte Gegenüberstellung in erster Linie die Frage der Energiegewinnung von Bedeutung ist, sollen die Erklärungen hier auch auf dieses Kriterium beschränkt werden:
8 Der Vollständigkeit halber bleibt zu bemerken, daß Ausdauer bzw. Ermüdungswiderstandsfähigkeit nicht nur auf der physischen Ebene anzusiedeln ist, sondern außerdem noch in vier weiteren Bereichen (ZINTL 1994, 25ff): Mentale Ermüdung hat ein vorübergehendes Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit zur Folge. Sensorische Ermüdung bedeutet eine vorübergehende Einschränkung der Sinneswahrnehmung. Motorische Ermüdung bezeichnet eine vorübergehende Reduktion der Aussendung von Bewegungsimpulsen durch das Zentralnervensystem. Und unter motivationale Ermüdung versteht man das Nachlassen von willens- und gefühlsbedingten Antriebserregung für sportliche Leistungen.
Für die genauere Untersuchung der Beinarbeit können diese unterschiedlichen Formen der Ermüdung bzw. Ermüdungswiderstandsfähigkeit (Ausdauer) in diesem Zusammenhang jedoch weitestgehend vernachlässigt werden.
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Bei der Energiegewinnung unterscheidet man zunächst einmal die aerobe und die anaerobe Ausdauer. Der Körper greift bei unterschiedlichen Arbeitsintensitäten und -umfängen auf verschiedene Stoffwechselvorgänge zurück, um Energie zu gewinnen bzw. freizusetzen. Das Ziel aller Stoffwechselvorgänge ist dabei die Herstellung von Adenosintriphosphat (ATP). (s. DE MARÉES 1994) Für kurze, intensive Belastungszeiten, wie sie zum Bsp. beim 100-Meter-Sprint gefordert sind, spielen Phosphate aufgrund ihrer schnellen Verfügbarkeit die entscheidende Rolle bei der Energiebereitstellung. Dazu verbraucht der Körper zunächst die vorhandenen ATP-Bestände in der jeweiligen Muskulatur, die bei maximalen Kontraktionen allerdings nur etwa 1-2 Sekunden ausreichen. Über die sogenannte Lohmann-Reaktion wird mit Hilfe von Kreatinphosphat (KP) wieder ATP synthetisiert. Aber auch diese Form der Energiegewinnung kann bei maximaler Arbeitsweise aber nur bis zu 10 Sekunden, bei submaximalen Belastungen bis etwa 20 Sekunden aufrecht erhalten werden. Beide Formen der Energiegewinnung durch Phosphate finden ohne Sauerstoffverbrauch und ohne die Produktion von Laktat statt. Man bezeichnet diese Arten der Energiegewinnung daher als anaerob-alaktazid. Folgt im Anschluß eine Pause, können die Phosphate innerhalb von etwa 20-40 Sekunden - je nach konditionellem Zustand des Sportlers - wieder resynthetisiert werden. (s. DE MARÉES 1994, STEGEMANN 1991) Bei darüber hinausgehenden Belastungen wird die Energie bzw. das ATP hauptsächlich mit Hilfe von Kohlenhydraten aus der Glykolyse gewonnen, wobei diese zunächst (etwa von der 10.-60. Sekunde) v.a. ohne Sauerstoffverbrauch abläuft. Dabei bleibt der Laktatanstieg zunächst noch gering. Ein starker Laktatanstieg erfolgt erst dann, wenn das Kreatinphosphat um etwa die Hälfte des Ruhewertes gesunken ist. Aber auch diese Form der Energiebereitstellung, die als anaerob-laktazid bezeichnet wird, kann nur über einen Zeitraum von maximal 40 Sekunden durchgehalten werden. Danach benötigt der Körper entweder eine Pause zur Regeneration oder die Belastungsintensität muß deutlich "heruntergefahren" werden und durch die vierte Möglichkeit der Energiebereitstellung bewältigt werden: Mit Belastungsbeginn wird außerdem der aerobe Abbau von Kohlenhydraten und Fetten sofort gesteigert, braucht aber über eine Minute bis zu seiner maximalen Aktivierung. (s. DE MARÉES 1994, HOLLMANN / HETTINGER 1990, STEGEMANN 1991)
Mit einer gut trainierten aeroben Ausdauerkapazität lassen sich auch höhere Belastungsintensitäten über längere Zeit halten, ohne daß es zu einer Sauerstoffschuld kommt: Der über das Herz-Kreislauf-System zugeführte und zur Energiegewinnung benötigte Sauerstoff in der Muskulatur ist ausreichend vorhanden. Eine Sauerstoffschuld (s. DE MARÉES 1994) entsteht also nicht. Die Summe der für eine konstante Leistung notwendigen energieliefernden Prozesse ist konstant (s. STEGEMANN 1991). Dabei nennt man die höchstmögliche Belastungsintensi-
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tät, die ohne das Eingehen einer Sauerstoffschuld über einen längeren Zeitraum gehalten werden kann, ein „steady-state“ (Fließgleichgewicht). 9 Wird diese Belastungsintensität jedoch überschritten, und steht dementsprechend nicht ausreichend Sauerstoff zur Verfügung, greift der Körper über die (anaerobe) Glykolyse auf die anaerob-laktazide Energiegewinnung zurück. Es werden vermehrt energiereiche Phosphate und Kohlenhydrate abgebaut und Laktat (Milchsäure) im Muskel abgelagert (s. LETZELTER 1987). Durch aerobe Prozesse werden dann später, nach dem Belastungsende, alle körpereigenen Energiespeicher wieder aufgefüllt und die Milchsäure eliminiert. Der ursprüngliche Zustand, wie er vor Belastungsbeginn bestand, wird damit wiederhergestellt.
2.2.3.2 Schnelligkeit
Physikalisch wird die Schnelligkeit als Weg pro Zeit ausgedrückt, und damit als Geschwindigkeit. In der sportwissenschaftlichen Definition wird die Schnelligkeit "als eine komplexe, von konditionellen und koordinativen Einflußgrößen bestimmte Fähigkeit" beschrieben. (NEUMAIER / KLEIN 1991, 3, BÖTTCHER / HÖNL 1996, 39; s. MARTIN / CARL / LEH-NERTZ 1991, FREY / HILDENBRANDT 1994) Schnelligkeit ist in erster Linie koordinativ bedingt und damit abhängig von der Schnellkoordination (s.u.). Nicht selten wird deshalb die Schnelligkeit auch der Koordination zugeordnet (LETZELTER 1987). GROSSER (1991, 13ff) stellt bezüglich der Verknüpfung mit anderen Leistungskomponenten (s.o.) der Schnelligkeit fest, daß "die neuromuskulär bedingten Schnelligkeitsfähigkeiten nur in Verbindung mit der sportartspezifischen Technik (Handlungsgenauigkeit) zum Tragen kommen." Bewegungsschnelligkeit ist demzufolge nur in Verbindung mit einer hochausgeprägten Bewegungstechnik optimal realisierbar. (s. GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL 1986) Da die elementaren Formen der Schnelligkeit in hohem Maße angeboren und vom Zentralen Nervensystem (ZNS) abhängig sind, läßt das die Vermutung zu, sie sei nur geringfügig trainierbar. Das gilt aber nicht in jedem Fall: V.a. in technomotorisch anspruchsvollen Sportarten sind meistens große Steigerungen in der sportartspezifischen Schnelligkeit zu verzeichnen. Allerdings liegt das weniger an einer höheren Zuckungsfähigkeit der Muskelfasern als vielmehr an einer besser entwickelten Technikausführung. (S. LETZELTER 1987) Auch die konditionellen Fähigkeiten Kraft und Ausdauer können nicht ganz von der Schnelligkeit abgegrenzt werden, da besonders in der Praxis der Sportarten weniger "reine Schnelligkeitsformen" 10 , als häufig vielmehr
9 Durch gezieltes Training der aeroben Ausdauer kann diese Grenze weiter nach oben, d.h. zu höheren Belastungsintensitäten ohne das Eingehen einer Sauerstoffschuld, verschoben werden.
10 Reaktions-, Aktions-, Frequenzschnelligkeit. Es werden weniger als 30% der Maximalkraft eingesetzt.
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Mischformen 11 (komplexe Schnelligkeitsformen) der konditionellen Fähigkeiten auftreten. (s.o.) Dabei besitzen insbesondere die Kraftfähigkeiten einen entscheidenden Einfluß. Schnelligkeit ist also in erster Linie von Kraft- und Koordinationsleistungen abhängig (s. GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL 1986). Dazu sind aus biologischer bzw. sportmedizinischer Sicht v.a. das ZNS und die intra- und intermuskuläre Koordination von Bedeutung. Das ZNS ist für das Auslösen hochexplosiver und hochfrequenter Bewegungen verantwortlich und besitzt damit v.a. für die "reinen" Schnelligkeitsformen, bei denen weniger als 30% Prozent der Maximalkraft (s. 2.2.3.3) eingesetzt wird, besondere Bedeutung. Die intramuskuläre Koordination bestimmt das Zusammenwirken von Nervenfasern und Muskelfasern innerhalb eines Muskels und sorgt für eine rechtzeitige und ökonomische Innervation der benötigten Muskelfasern. Mit der intermuskulären Koordination beschreibt man dagegen das möglichst optimal abgestimmte Zusammenwirken verschiedener Muskeln bei bestimmten Bewegungshandlungen. (s. GROSSER 1991). Die elementare Schnelligkeit basiert auf im ZNS ausgebildeten, gespeicherten und automatisierten Bewegungs- und Zeitprogrammen. (s. GROSSER 1991) Die elementare Schnelligkeit ist eine disziplinunspezifische Fähigkeit. Mit Hilfe dieser Programme wird eine individuell unterschiedlich hohe Erregungsleitungs- und Kontraktionsgeschwindigkeit erreicht. Schnelligkeit als elementare Fähigkeit ist demzufolge unabhängig von energetischen Kraftkomponenten. (s. GROSSER 1991, LETZELTER 1987)
Die Trainingslehre teilt die Schnelligkeit in zwei Komponenten und bezeichnet Schnelligkeit erstens als die Fähigkeit, auf ein Signal bzw. einen Reiz so schnell wie möglich zu reagieren (Reaktionsschnelligkeit) und / oder zweitens, Bewegungen mit größter Geschwindigkeit auszuführen (Bewegungsschnelligkeit). (s. GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL 1986) Auch GROSSER (1991, 13) stellt die beiden Bereiche Reaktions- und Bewegungsschnelligkeit als die grundlegenden Komponenten voraus: "Definitorisch versteht man unter Schnelligkeit im Sport die Fähigkeit, aufgrund kognitiver Prozesse, maximaler Willenskraft und der Funktionalität des Nerv-Muskel-Systems höchstmögliche Reaktions- und Bewegungsgeschwindigkeiten unter gegebenen Bedingungen zu erzielen." NEUMAIER und KLEIN (1991, 3) schließen sich dieser Unterteilung von Schnelligkeitsleistungen an und beschreiben diese beiden Erschei-nungsformen als "relativ eigenständige Dimensionen der Schnelligkeit", ordnen dabei der Bewegungsgeschwindigkeit jedoch den Begriff "Aktionsschnelligkeit" zu.
11 Schnellkraft / Beschleunigungsfähigkeit, Schnellkraftausdauer, Schnelligkeitsausdauer
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1. REAKTIONSSCHNELLIGKEIT
Reaktionsschnelligkeit ist besonders in den Kampfsportarten und in den Sportspielen von besonderer Bedeutung. Die Reaktion kann dabei sowohl auf einen einzelnen als auch auf mehrere unterschiedliche Reize erfolgen, wobei diese in optischer, akustischer, taktiler, staticodynamischer und kinästhetischer Form wahrgenommen und beantwortet werden können (s. LETZELTER 1987, GROSSER 1991). Die Schnelligkeit der Reaktion wird von GROSSER (1991, 92) definiert als "diejenige Zeit, die vom Setzen eines Signals (eines Reizes; z.B. Startschuß) bis zu einer verabredeten, geforderten Muskelbewegung (z.B. beim Sprintsstart erster Muskelandruck an die Startblöcke) vergeht. Reaktionsschnelligkeit ist also die Fähigkeit, auf einen Reiz in kürzester Zeit zu reagieren." Nach der Wahrnehmung eines Signals wird es ins Zentrale Nervensystem (ZNS) weitergeleitet. Dort wird es verarbeitet und in die jeweilige Muskulatur überführt. Durch die Reizung der Muskulatur kann jetzt die mechanische Aktivität ausgelöst werden. Der theoretische Grenzwert für eine schnellstmögliche Reaktion ist etwa bei 0,1sec anzusiedeln (s. ROTH 1987, KRÜGER 1982). 12 Bis zum 25. Lebensjahr können mit Hilfe von Training noch Verbesserungen der Reaktionsfähigkeit erreicht werden. Dann tritt etwa bis zum 50./60. Lebensjahr eine langsame Verschlechterung ein, die danach rapide zunimmt. Es bleibt aber festzustellen, daß die Reaktionsschnelligkeit weitgehend von der individuellen Veranlagung bestimmt, d.h. genetisch festgelegt ist, und normalerweise den Grenzwert von 0,1 Sekunden nicht unterschreiten kann. (s. LETZELTER 1978, 191) Die Reizantwort wird außerdem im Bezug auf ihre Komplexität unterschieden: Mit einer einfachen Reaktion antwortet man auf festgelegte Reize mit ebenso festgelegten Reizantworten, während man mit komplexen Reaktionen antwortet, wenn entweder mehrere Signale gegeben werden, und / oder wenn mehrere Reaktionsmöglichkeiten bestehen. Die komplexen Reaktionen sind wesentlich trainierbarer als die einfachen. Dabei kann durch entsprechendes Training v.a. das intraindividuelle Reaktionsgefälle (s. LETZELTER 1987, 186), d.h. die Zuverlässigkeit, gesteigert werden. V.a. bei komplizierteren Bewegungsabläufen sind Verbesserungen in einer Höhe von 100 Prozent und darüber hinaus möglich. Als Grundregel läßt sich formulieren, daß Bewegungsreaktionen, je komplizierter (d.h. auch: koordinativ anspruchsvoller) sie sind, auch um so besser zu trainieren sind. (s. NEUMAIER / KLEIN 1991, HOLLMANN / HETTINGER 1990) "Die Trainingseffekte beruhen überwiegend auf einer Verbesserung der beteiligten Wahrnehmungsprozesse ... sowie der Optimierung der einzusetzenden Bewegungstechnik und deren schnelleren Programmierung." (NEUMAIER / KLEIN 1991, 5)
12 Als Bsp. aus der Wettkampfpraxis läßt sich an dieser Stelle u.a. die Reaktion von Ben Johnson beim Start des 100m-WM-Endlaufes 1987 in Rom anführen. Der Kanadier benötigte für seinen Start eine Reaktionszeit von nur 0,109 Sekunden.
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ANTIZIPATION
Mit dem Trainieren komplexer Reaktionen gewinnt auch die Fähigkeit zur Antizipation an Bedeutung 13 . Mit Antizipation bezeichnet man die Kunst des Vorausdenkens. (s. LET-ZELTER 1987) GROSSER (1991, 30) beschreibt die Antizipation lediglich mit etwas anderen Worten als "Fähigkeit, Situationen und Aktionen `im Geiste´ vorauszunehmen." Antizipation hat während der verschiedenen Phasen (s.u.) verschiedene Aufgaben, vereinfacht bzw. reduziert jedoch in jeder Phase die Komplexität des Geschehens. Die Bewegungen können dadurch "reaktionsschneller" ausgeführt werden. (s. GROSSER 1991) Somit kann die Antizipation einen entscheidenden Einfluß auf den Erfolg einer sportlichen Handlung haben. Die Wahrnehmungsantizipation (s. LETZELTER 1987) läßt anhand von entscheidenden Bewegungsmerkmalen des Gegners dessen Aktionen vorausahnen und ermöglicht eine frühe Planung der eigenen Folgehandlung. Die Erfahrungsantizipation resultiert aus der Wettkampfpraxis und ermöglicht eine Eingrenzung der voraussichtlichen und wahrscheinlichen Handlungsweisen des Gegners. Bei Standardsituationen spielt die Situationsantizipation eine bedeutende Rolle. Der Sportler erkennt diese frühzeitig und kann seine Handlung in Gedanken vor ihrer eigentlichen Ausführung „durchspielen“. (s. LETZELTER 1987, DTB 1996) 14
2. BEWEGUNGSSCHNELLIGKEIT / LAUFSCHNELLIGKEIT
AZYKLISCHE SCHNELLIGKEIT / AKTIONSSCHNELLIGKEIT
Mit der azyklischen Schnelligkeit / Aktionsschnelligkeit bezeichnet man die Fähigkeit, azyklische Bewegungen (s. Kap. 2.2.1) mit höchster Geschwindigkeit gegen geringe Widerstände auszuführen. (s. GROSSER 1991) Die azyklische Schnelligkeit ist Grundlage für hohe Geschwindigkeiten bei abrupten Bewegungen, Richtungswechseln usw. (s. BRACK / BUBECK / PIETZSCH 1996) NEUMAIER und KLEIN (1991, 4) bezeichnen die azyklische Schnelligkeit auch als die "Geschwindigkeit von Einzelbewegungen".
ZYKLISCHE SCHNELLIGKEIT / FREQUENZSCHNELLIGKEIT
Erfolgt die Bewegung ebenfalls mit höchster Geschwindigkeit gegen geringe Widerstände (unter 30% der Maximalkraft), aber in zyklischer Form, d.h. mit "fortlaufenden, gleichförmigen Bewegungen" (NEUMAIER / KLEIN 1991, 4), spricht man von der Frequenzschnelligkeit, Bewegungsfrequenz, Grundschnelligkeit oder auch Schnellkoordination, die meistens als Fortbewegungsgeschwindigkeit / Laufschnelligkeit vorkommt. (s. GROSSER 1991, LET-
13 DieAntizipation wird aus diesem Grunde der Reaktionsschnelligkeit zugeordnet.
14 Für diese beiden Komponenten der Antizipation wählt GROSSER (1991) auch die Bezeichnung "Bewegungsanti- zipation", die sowohl die eigenen, als auch die Aktionen des Gegners mit einschließt.
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
ZELTER 1987) Die Laufschnelligkeit beruht vorrangig auf der elementaren Schnelligkeit und der Schnellkraft als gleichwertige Komponenten, wobei sich beide Komponenten völlig unabhängig voneinander verhalten. Die energetisch bedingte Schnellkraft ist von der Maximalkraft sowie der intra- und intermuskulären Koordination abhängig. Die zyklische Bewegungsschnelligkeit bildet die Basis für hohe Geschwindigkeiten bei gleichförmigen Bewegungen. (s. BRACK et al. 1996) Die im Anschluß an die Reaktion ablaufenden Phasen der Schnelligkeit gliedern sich in die Bereiche der Beschleunigung und der Maximalgeschwindigkeit. Also die eigentliche - oben dargestellte - Bewegungsfrequenz bei zyklischen Bewegungsausführungen: "Nach der Reaktionsphase folgt die Phase ansteigender Geschwindigkeit bis zum Erreichen der Maximalgeschwindigkeit (je nach Leistungsniveau ca. 2,5 bis 6 Sekunden), in der die ... Beschleunigungsfähigkeit das entscheidende Leistungsmerkmal ist. Es folgt eine Phase der Aufrechterhaltung der Maximalgeschwindigkeit". (NEUMAIER / KLEIN 1991, 9) In der Praxis der Sportspiele kommen jedoch häufig auch Bewegungskombinationen, die aus zyklischen und azyklischen Elementen bestehen, vor. (NEUMAIER / KLEIN 1991)
Abb. 03: Komponenten der Schnelligkeit
DIE HÄUFIGSTEN "MISCHFORMEN":
KRAFTSCHNELLIGKEIT / BESCHLEUNIGUNGSFÄHIGKEIT / SCHNELLKRAFT
Neben anderen Einflußgrößen ist die Kraft (s. 2.2.3.3) eine wichtige Komponente der Schnelligkeit. Eine gute Beinkraft begünstigt das Erreichen einer überdurchschnittlichen Laufschnelligkeit. Mit dem Begriff Kraftschnelligkeit (auch: Beschleunigungsfähigkeit, Antrittsschnelligkeit) bezeichnet man die "Fähigkeit, Widerständen bei zyklischen und / oder azyklischen Bewegungen in einer festgelegten Zeit einen möglichst hohen Kraftstoß zu erteilen; es ist die in kürzest möglicher Zeit wirkende Kraft." (GROSSER 1991, 111) 15 Kraftschnelligkeit ist besonders bei Starts, Sprüngen und kurzen Antritten erforderlich.
15 Die Grenze für die Größe der Widerstände wird in der Regel bei etwa 30 Prozent beschrieben: Sind die Widerstände kleiner, ordnet man diese Mischform aus Schnelligkeit und Kraft eher der Schnelligkeit zu, sind sie größer, wird diese Belastungsform eher zu den Kraftleistungen gerechnet.
KAPITEL 2: ANFORDERUNGEN IM SPORT
SCHNELLIGKEITSAUSDAUER
Wird die Schnelligkeitsleistung über eine längere Strecke erbracht, spricht man von der Schnelligkeitsausdauer. Diese spezielle Schnelligkeitsform kommt - nach GROSSER (1991) - in der Praxis der in dieser Arbeit zu untersuchenden Sportspiele jedoch eher selten vor.
2.2.3.3 Kraft
Die konditionelle Fähigkeit Kraft kann als motorische Eigenschaft sowie als physikalische Größe definiert werden: Als willkürliche motorische Fähigkeit, Masse zu bewegen, einen Wi-derstand zu überwinden, ihm entgegenzuwirken oder ihn zu halten, und physikalisch als Produkt aus Masse und Beschleunigung. Im Sport wird durch das Einwirken von Kraft Masse in Form des eigenen oder gegnerischen Körpers oder auch eines Sportgerätes bewegt oder auch nur verformt. Durch Verkürzen der Skelettmuskulatur wird Kraft erzeugt, wodurch die Ausführung von Bewegungen letztlich erst möglich wird. "Ausführendes Organ" jeder Bewegung ist demzufolge die beteiligte Muskulatur. (s. SCHMIDTBLEICHER 1987) Kraftleistungen können unterschiedlich aufgebracht werden: Sie variieren im Bezug auf ihre Intensität, Dauer und Frequenz und haben für jede Sportart ihre spezifische Gewichtung der einzelnen Faktoren. Jede Sportart hat ihre eigene Kraftstruktur (S. LETZELTER 1987). Unterscheidungsmerkmale z.B. das Bewegungstempo, der Bewegungsrhythmus, die eingesetzte Muskulatur und die Arbeitsweise der Muskulatur. Außerdem unterscheidet man zwischen allgemeiner und spezifischer Kraft: Während die spezielle Kraftfähigkeit sich nach den Kraftanstrengungen bei sportartbzw. disziplinspezifischen Bewegungen richtet, versteht sich die allgemeine Kraft als sportartübergreifende Fähigkeit und wird in erster Linie durch Krafttraining verbessert, wobei alle Kraftfähigkeiten (s.u.) gleichmäßig trainiert werden. Bezüglich der Arbeitsweise werden ebenfalls Unterscheidungen getroffen: Es gibt drei Dimensionen von Kraft: die statische bzw. isometrische und die dynamische, die noch weiter in die exzentrische und konzentrische Kraftentfaltung zu unterteilen ist.
Abb. 04: Die unterschiedlichen Arbeitsweisen bei Kraftleistungen
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Konzentrisch arbeitet die Muskulatur gegen Widerstände oder eine Last, die sie (gerade) noch bewegen kann. Exzentrisch hingegen arbeitet sie, wenn bei maximaler willkürlicher Kontraktion der Muskel entgegen seiner Arbeitsrichtung gedehnt wird. Bei isometrischer Arbeitsweise kontrahiert die Muskulatur gegen einen Widerstand, ohne daß sich der Abstand zwischen Ansatz und Ursprung des Muskels verändert. Die unterschiedlichen Arbeitsweisen sind dabei jedoch nicht als völlig unabhängig voneinander zu verstehen, sondern beeinflussen sich in ihren jeweiligen Leistungsmöglichkeiten gegenseitig. Weiterhin unterscheidet man drei verschiedene Kraftfähigkeiten bzw. Erscheinungsformen der Kraft: die Maximalkraft, die Schnellkraft und die Kraftausdauer. Alle drei Erscheinungsformen der Kraft stehen auf der gleichen hierarchischen Stufe (s. SCHMIDTBLEICHER 1987) und sind als gleichwertig anzusehen. Auch diese verschiedenen Erscheinungsformen der Kraft stehen nicht völlig isoliert voneinander: Vielmehr hängen sie eng miteinander zusammen. 16
Abb. 05: Die verschiedenen Kraftfähigkeiten
MAXIMALKRAFT
Als Maximalkraft bezeichnet man die bei willkürlicher Kontraktion größtmögliche aufzubringende Kraft. (s. DTB 1996) Maximale Muskelspannung basiert auf der Rekrutierung, d.h. der Aktivierung aller motorischen Einheiten und damit aller Muskelfasern; und auch auf der Frequenzierung, womit die zum Kontraktionszeitpunkt maximal verarbeitbare Innervationsfrequenz durch die motorischen Einheiten bezeichnet wird (s. SCHMIDTBLEICHER 1987, DTB 1996). 17 Die Maximalkraft ist abhängig von Muskelquerschnitt, Zusammensetzung der Mus-
16 Bsp.sweisekönnen schnellkräftige Bewegungen - wie sie bei Sprints in diversen Sportarten vorkommennicht ausschließlich mit Hilfe von Schnellkraft-Leistungen bewältigt werden: Sie sind im Gegenteil nur dann optimal durchzuführen, wenn der Spieler neben diesen hauptsächlich koordinativ bedingten Schnellkraft-Fähigkeiten (s.o.) auch über ein angemessenes Potential an Maximalkraft verfügt. Je nach Länge des Sprints nehmen aber auch die Leistungsfähigkeiten bezüglich der Kraftausdauer mehr oder weniger Einfluß (s. DHB 1995, 64).
17 Bei willkürlicher Kontraktion kann der „Normalmensch“ seine Kraftfähigkeiten allerdings nur zu etwa 70 Prozent entfalten. Was nicht freigesetzt werden kann, bezeichnet man als autonom geschützte Reserve und kann nur bei maximaler exzentrischer Muskelkontraktion oder mittels Elektrostimulation direkt am Nerv selbst aktiviert werden. Bei Leistungssportlern kann dieses Kraftdefizit (s. SCHMIDTBLEICHER 1987) jedoch erheblich verringert werden.
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kelfasern, willkürlicher Aktivierungsfähigkeit (maximale Frequenzierung) verbunden mit inter-und intramuskulärer Koordination (s. Kap. 2.2.3.2) und der Zuglänge des jeweiligen Muskels.
SCHNELLKRAFT
Die Schnellkraft wird von LETZELTER (1987) definiert als diejenige Fähigkeit, die es erlaubt, Bewegungen gegen nennenswerte Widerstände (s.o.) mit hoher Geschwindigkeit und hoher Kraftaufwendung in möglichst kurzer Zeit durchzuführen. Anders ausgedrückt bedeutet dies, möglichst große Kraftwerte oder einen möglichst hohen Kraftstoß pro Zeiteinheit zu erreichen (s. GROSSER 1991), was physikalisch als Impuls ausgedrückt wird. Ausschlaggebend für die Größe dieses Impulses sind der Kraftanstieg, d.h. die Schnelligkeit der Kraftentfaltung, das jeweilige Kraftmaximum und die Dauer der Kraftentfaltung. Etwas anschaulicher und praxisnäher kann die Schnellkraft jedoch auch als eine Fähigkeit definiert werden, die dem Sportler dazu verhilft, möglichst große Beschleunigungen bzw. Bewegungsgeschwindigkeiten zu erreichen. Bei größeren äußeren Widerständen nähert sie sich der maximalen Kraftfähigkeit, bei geringeren Krafterfordernissen erfolgt die Beanspruchung eher im Bereich der Bewegungsschnelligkeit. (s.o.) Die Schnellkraft beinhaltet wiederum verschiedene Schnellkraft-Fähigkeiten. Bezüglich der Laufbeanspruchungen sind die Sprint- und Sprungkraft am häufigsten gefordert. Mit Sprintkraft bezeichnet man die Fähigkeit, möglichst hoch und über möglichst lange Strecken beschleunigen zu können. Sie wird auch definiert als Zeit für Starts über kurze Strecken (Startkraft) und ist in Sportspielen häufig eng verflochten mit der konditionellen Fähigkeit Ausdauer, da über einen längeren Zeitraum immer wieder kurze Antritte gefordert werden. In diesem Fall spricht man daher auch von Sprintkraftausdauer. Die Sprungkraft kann sowohl vertikal als auch horizontal gefordert werden und ist auch nach ihrer Bewegungsstruktur (zyklisch - azyklisch, s.o., aus dem Stand oder mit Anlauf, etc.) zu unterscheiden. V.a. für die Sportspiele besitzt die Sprungkraft eine besondere Bedeutung. Eine besondere Form, die in die Bereiche der Schnellkraft fällt, ist die Reaktivkraft. Diese braucht der Sportler für solche Bewegungen, für die ein erhöhter Kraftstoß innerhalb eines Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus der Muskulatur erforderlich ist. Reaktivkraft wird v.a. für Sprintschritte und Sprünge benötigt. Während hoher Dehnungsbelastungen in der exzentrischen Phase wird die Muskelspannung aufrechterhalten und Energie bis zur konzentrischen Phase gespeichert. (s. GROSSER 1991)
KRAFTAUSDAUER
Von der konditionellen Fähigkeit Kraftausdauer spricht man, wenn Kraftleistungen über die Wettkampfdauer aufrecht erhalten werden müssen. Sie bestimmt die Ermüdungswiderstands- fähigkeit von langanhaltenden oder sich ständig wiederholenden Belastungen. Das heißt, daß
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entweder Haltekontraktionen oder wiederholte Krafteinsätze gegen höhere Lasten geleistet werden. (s. SCHMIDTBLEICHER 1973) Die Kombination von Kraft und Ausdauer, die Kraftausdauer, wird von der jeweiligen Kraftgröße sowie von der maximalen Haltezeit begrenzt. Je nach Höhe und Länge des Krafteinsatzes pendelt die Kraftausdauer entweder mehr zur Kraft oder zur Ausdauer. 18
2.2.3.4 Beweglichkeit
Der Aspekt Beweglichkeit (Flexibilität) ist einzuordnen zwischen den Bereichen Kondition und Koordination. Sie ist eine grundlegende Leistungsvoraussetzung für das Erbringen sportlicher Leistungen, weil sie die optimale Entfaltung der konditionellen Fähigkeiten Kraft und Schnelligkeit sowie koordinativ hochwertiger Bewegungen erst ermöglicht. (s. LETZELTER 1983) Erst eine bestimmte Beweglichkeit läßt größere, im Sport geforderte Bewegungsamplituden zu. Beweglichkeit bezeichnet den Bewegungsbereich in einem oder in mehreren Gelenken und beinhaltet die Fähigkeit, den Bewegungsspielraum der Gelenke auf natürlichem Wege maximal auszuschöpfen. In der Sportpraxis ist der maximale Bewegungsausschlag das Kriterium für die Güte der Beweglichkeit. FREY (1981) und LETZELTER (1987) unterteilen die Beweglichkeit in zwei Kategorien: die aktive und die passive Beweglichkeit. Während sich die aktive Beweglichkeit auch mit den Begriffen Dehnfähigkeit oder Wendigkeit beschreiben läßt und eigene muskuläre Aktivität voraussetzt, um den Bewegungsausschlag eines oder mehrerer Gelenke zu evozieren, versteht man unter passiver Beweglichkeit größere Bewegungsamplituden, die mit Hilfe äußerer Kräfte am passiven Körper erreicht werden: In diesem Fall spricht man auch von Gelenkigkeit. Dabei beschreibt die Gelenkigkeit die Beweglichkeit auf-grund der Art und Struktur des Gelenkes, ist damit also v.a. genetisch bedingt und nur geringfügig trainierbar. Anders verhält es sich mit der Dehnfähigkeit: Sie nimmt Einfluß auf die Beweglichkeit über die Dehnfähigkeit von Muskulatur, Bändern und deren Anordnung, Sehnen und Gelenkkapseln. Diese beiden Komponenten bedingen die Beweglichkeit, schränken sie andererseits aber auch ein. Eine unzureichende Beweglichkeitsfähigkeit kann nicht nur das Bewegungslernen sportlicher Techniken behindern, sondern auch leichter zu Verletzungen im Sport führen. Wird ausschließlich die Hauptfunktion der Muskulatur, nämlich sich zu verkürzen und Kraftleistungen zu erbringen, gefordert, kann dies auf Dauer zu Muskelverkürzungen und damit zu einer größeren Verletzungsanfälligkeit und Fehlhaltungen führen. Zuletzt bleibt
18 Von Kraftausdauerverhalten spricht man in der Trainingswissenschaft nur dann, wenn die Krafteinsätze größer als ein Drittel des individuellen Leistungsvermögens der Maximalkraft sind. Liegt die aufzubringende Kraft unterhalb dieses Wertes, so werden diese Leistungen eher der konditionellen Fähigkeit Ausdauer zugeschrieben.
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auch hier - wie bei den anderen Komponenten - die Unterscheidung von allgemeiner und spezieller Beweglichkeit: Während die spezielle Beweglichkeit auf sportart- bzw. disziplinspezifische Bewegungen zu beziehen ist, versteht sich die allgemeine Beweglichkeit als sportartübergreifende Fähigkeit. (s. WEINECK 1994, 488ff)
2.3 ZIELGRUPPE
Auf anatomische und biomechanische Grundlagen, sowie Prinzipien des Trainings, Adaptionsmechanismen, Leistungssteuerung etc. wird hier verzichtet. Ebenso bleiben geschlechtsspezifische Unterschiede weitgehend unberücksichtigt, da keine speziellen Details untersucht werden, sondern das Augenmerk auf grundlegende Anforderungsprofile für Trainingsmaßnahmen gerichtet ist, welche für die Spieler beiderlei Geschlechts weitestgehend gleich sind. Auch die äußeren Bedingungen werden - bis auf wenige Ausnahmen - weitestgehend zurückgestellt. Im weiteren wird bei den genauen Bewegungsbeschreibungen, die in erster Linie in den jeweiligen Technik-Kapiteln zu finden sind, von den Bewegungen für Rechtshänder ausgegangen. Um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, wird auf die Darstellung für Linkshänder verzichtet. Allerdings sind die Aussagen natürlich auf Linkshänder im jeweils entsprechend umgekehrten Sinne übertragbar. Weil es den Rahmen dieser Diplomarbeit sprengen würde, wenn alle möglichen Bereiche, Faktoren und Merkmale berücksichtigt würden und die Gegenüberstellung nur schwer durchschaubar wäre, werden weitere Einschränkungen bezüglich weiterer Bereiche vorgenommen: "Die Belastungen im Hallenhandball variieren je nach Spielposition. Unterschieden werden Außen-, Kreis- und Rückraumspieler." (KUCHENBECKER / ZIESCHANG 1992, 34) Außerdem muß natürlich auch der Torwart gesondert berücksichtigt werden. Aus Gründen der Einfachheit und Übersicht werden hier Anforderungen an den Torhüter und den Kreisläufer nicht berücksichtigt. Hier sollen in erster Linie die elementaren Bewegungsformen für Außen- und Rückraumspieler dargestellt werden. Da bei diesen die Unterschiede nicht so groß sind, und v.a. im Grundlagenbereich keine Positionsspezialisierung zu erfolgen hat (s. DHB 1995), aber auch in höheren Trainingsstufen eine immer deutlichere Abwendung von starken Positionsspezialisierungen stattfindet, werden die elementaren Bewegungsformen und Anforderungen an die handballspezifische Beinarbeit hier zusammenfassend dargestellt. Eine derartige zusammenfassende Darstellung und Einschränkung auf die elementaren Laufbewegungen gewährleisten nicht nur eine bessere Verständlichkeit und Übersicht, sondern ermöglichen an vielen Stellen erst den Vergleich mit dem Anforderungsprofil der Beinarbeit im Tennis. Außerdem wird im Handball und Tennis nur der individuelle Spieler betrachtet, um so
Arbeit zitieren:
Mirja Eggen, 2001, Gegenüberstellung der Anforderungsprofile für die Beinarbeit im Tennis und im Handball, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Taktische Angriffsmaßnahmen im Handball
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