2 Die Prostitution als Folge der Sexualität unter moralischen
Gesichtspunkten 48
2.1 Prostitution und Sexualität als Ware der Gesellschaft 48
2.1.1 Begriffsbestimmung Prostitution 49
2.1.2 Die Zwangsprostitution 51
2.1.2.1 Kinderprostitution als Form der Zwangsprostitution 52
2.1.2.2 Menschenhandel 54
2.1.2.3 Kinderhandel als Form von Menschenhandel und Zwangsprostitution. 54
2.1.3 Die Prostitution als Spiegel der Doppelmoral 55
2.2 Prostitution in Deutschland 55
2.2.1 Rechtliche Situation. 55
2.2.2 Zahlen und Fakten. 57
2.2.3 Freier im Inland. 58
2.2.4 Exkurs: Im Gespräch mit einem Bordellbesitzer 60
2.3 Fazit. 62
3 Prostitution und Tourismus im Zusammenhang -
unter psychologischen und gesellschaftlichen Aspekten 63
3.1 Tourismus. 63
3.1.1 Ursprünge des Tourismus 63
3.1.2 Motive der Touristen. 64
3.2 Prostitutionstourismus. 65
3.2.1 Begriffsbestimmung Prostitutionstourismus. 65
3.2.2 Tourismus als Auslöser für Prostitution - Prostitution als Auslöser für
Tourismus. 67
3.3 Die männlichen Prostitutionstouristen 69
3.3.1 Typisierungen 70
3.3.2 Angestrebte Beziehungsformen 73
3.3.2.1 Kurzer sexueller Kontakt 73
3.3.2.2 Längerfristiger sexueller Kontakt 74
3.3.2.3 Suche nach der Lebenspartnerin 75
3.3.2.4 Suche nach der besonderen Frau’ 75
3.3.2.5 Ungeplanter, spontaner sexueller Kontakt 75
3.3.3 Motivationen 76
3.3.3.1 Preis 76
3.3.3.2 Bequemlichkeit und Sex ohne Verantwortung 76
3.3.3.3 Macht 77
3.3.3.4 Abnormes Sexualverhalten und die Vermeidung strafrechtlicher Verfolgung. 77
3.3.3.5 Anonymität. 78
3.3.3.6 Emanzipation 78
3.3.3.7 Exotik 79
3.3.3.8 Emotionalität 79
3.3.3.9 Regeneration 80
3.3.4 Abschließender Vergleich zwischen Prostitutionstouristen und Freiern
im Inland 80
3.4 Die weiblichen Prostitutionstouristen. 81
3.4.1 Typisierungen 82
3.4.2 Motivationen 84
3.4.2.1 Bestätigung der Weiblichkeit 84
3.4.2.2 Das Klischee der Fremdartigkeit 85
3.4.2.3 Macht 86
3.4.2.4 Emotionale Bindung und Romanze 87
3.5 Die Prostituierten 87
3.5.1 Strukturelle Unterschiede und Arten der Prostitution. 87
3.5.2 Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Prostituierten. 89
3.6 Fazit. 90
4 Die allgemeinen Auswirkungen des Tourismus auf das Ziel-
gebiet im Zusammenhang mit dem Prostitutionstourismus. 92
4.1 Wirtschaftliche Auswirkungen. 92
4.1.1 Die Erhöhung des Bruttoinlandsproduktes 92
4.1.2 Die Verbesserung der Zahlungsbilanz. 93
4.1.3 Die Förderung der Regionalentwicklung. 93
4.1.4 Die Steigerung der öffentlichen Einnahmen 93
4.1.5 Die Verbesserung des Einkommensniveaus durch Schaffung neuer
Arbeitsplätze 93
4.2 Soziokulturelle Auswirkungen 94
4.2.1 Akkulturation und Demonstrationseffekt 95
4.2.2 Sozialstruktur und Tradition 96
4.2.2.1 Familienstruktur 96
4.2.2.2 Stellung der Frau 97
4.2.2.3 Soziale Hierarchie. 98
4.2.2.4 Umsiedlung. 98
4.2.3 Kultur und Tradition 99
4.2.4 Werte und Moral 100
4.2.5 Gesundheit 101
HIV/Aids im Allgemeinen 101
4.2.5.1
HIV/Aids im Zusammenhang mit Tourismus 101
4.2.5.2
4.2.6 Kriminalität: Drogen, Terrorismus, Verbrechen. 102
4.2.7 Völkerverständigung. 102
4 3 Fazit 103
5 Zielgebiete des Prostitutionstourismus. 105
5.1 Thailand 105
5.1.1 Landesstruktur und Bevölkerung 105
5.1.2 Wirtschaft 106
5.1.3 Prostitution und Tourismus 108
Entstehung der Prostitution 108
5.1.3.1
Aktuelle Lage 108
5.1.3.2
Zwangsprostitution. 109
5.1.3.3
HIV/Aids. 110
5.1.3.4
5.1.4 Religion 110
5.1.5 Sexualität. 111
5.1.6 Die Rolle der Frau in der Gesellschaft. 112
5.1.7 Der rechtliche Aspekt der Prostitution 113
5.2 Kambodscha 115
5.2.1 Landesstruktur und Bevölkerung 115
5.2.2 Wirtschaft 115
5.2.3 Prostitution und Tourismus 116
Enstehung. 116
5.2.3.1
Aktuelle Lage 117
5.2.3.2
Zwangsprostitution. 117
5.2.3.3
HIV/Aids. 118
5.2.3.4
5.2.4 Religion 119
5.2.5 Die Rolle der Frau in der Gesellschaft. 119
5.2.6 Der rechtliche Aspekt der Prostitution 119
5.3 Kenia 121
5.3.1 Landesstruktur und Bevölkerung 121
5.3.2 Wirtschaft 121
5.3.3 Prostitution und Tourismus 123
Entstehung. 123
5.3.3.1
Aktuelle Lage 123
5.3.3.2
Zwangsprostitution. 123
5.3.3.3
HIV/Aids. 124
5.3.3.4
5.3.4 Religion 124
5.3.5 Sexualität. 125
5.3.6 Die Rolle der Frau in der Gesellschaft. 125
5.3.7 Der rechtliche Aspekt der Prostitution 126
5.4 Jamaika. 127
5.4.1 Landesstruktur und Bevölkerung 127
5.4.2 Wirtschaft 127
5.4.3 Prostitution und Tourismus 129
Entstehung. 129
5.4.3.1
Aktuelle Lage 129
5.4.3.2
Zwangsprostitution. 129
5.4.3.3
HIV/Aids. 130
5.4.3.4
5.4.4 Religion 130
5.4.5 Die Rolle der Frau und des Mannes in der Gesellschaft 131
5 4 6 Der rechtliche Aspekt der Prostitution 132
5.5 Kuba 133
5.5.1 Landesstruktur. 133
5.5.2 Wirtschaft 133
Wirtschaftfaktor Tourismus. 134
5.5.2.1
Aktuelle Lage 134
5.5.2.2
5.5.3 Prostitution und Tourismus 136
Entstehung. 136
5.5.3.1
Aktuelle Lage 137
5.5.3.2
Zwangsprostitution. 137
5.5.3.3
HIV/Aids. 138
5.5.3.4
5.5.4 Religion 138
5.5.5 Die Rolle der Frau in der Gesellschaft. 139
5.5.6 Der rechtliche Aspekt der Prostitution 140
5.6 Fazit: Die Länder im Vergleich 141
6 Maßnahmen aller am Tourismus beteiligten Akteure und ihr
Umgang mit Prostitution und Prostitutionstourismus 144
6.1 Das Zielgebiet. 144
6.1.1 Rechtliche Maßnahmen. 145
Verbot oder Legalisierung von Prostitution 146
6.1.1.1
Registrierung der Prostituierten am Beispiel Thailand 147
6.1.1.2
Vorverlagerung der Sperrzeit am Beispiel Thailand. 147
6.1.1.3
Ausgehsperren’ für Frauen am Beispiel Thailand 148
6.1.1.4
Lizenzvergabe 148
6.1.1.5
6.1.2 Lenkung der Touristenströme. 149
Einreisepolitik. 150
6.1.2.1
Strukturpolitik 150
6.1.2.2
6.1.3 Bildungspolitik 151
Bildungspolitik am Beispiel Kuba. 152
6.1.3.1
Eine speziell auf Tourismus bezogene Bildungspolitik am Beispiel Kuba 153
6.1.3.2
6.1.4 Informationspolitik. 153
Information der eigenen Bevölkerung. 153
6.1.4.1
Information der Touristen 154
6.1.4.2
6.1.5 Gesundheitspolitik 156
Allgemeine Maßnahmen im Bereich HIV/Aids 156
6.1.5.1
Die Präventionskampagne: ’100 Condom Campain’ am Beispiel Thailand. 156
6.1.5.2
Patentrechtregelung für Medikamente am Beispiel Thailand. 157
6.1.5.3
6.1.6 Finanzpolitik 157
Steuererhebungen 157
6.1.6.1
Finanzpolitik am Beispiel Kuba. 158
6.1.6.2
6.1.7 Die Vermarktung und Darstellung des Landes 158
Information der Reisenden über Geschlechtskrankheiten und Prostitution 159
6.1.7.1
Imagedarstellung des Landes 160
6 1 7 2
6.2 Das Herkunftsland 161
6.2.1 Gesundheitspolitik 161
6.2.1.1 Aids-Präventionsmaßnahmen am Beispiel der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (BZgA) 161
Weitere mögliche Aids-Präventionsmaßnahmen der BZgA 162
6.2.1.2
6.2.2 Informationspolitik. 163
6.2.3 Schulung des Moral- und Verantwortungsbewusstseins 164
6.2.4 Finanzielle Unterstützung von Organisationen und
Entwicklungsdiensten 165
6.3 Die Tourismusindustrie 165
6.3.1 Reiseveranstalter. 166
Reiseprospekte als Verkaufsinstrument 166
6.3.1.1
Weitere mögliche Maßnahmen. 168
6.3.1.2
Sozialverantwortliches Reisen am Beispiel Studiosus 169
6.3.1.3
6.3.2 Fluggesellschaften. 170
Inflight-Videos zur Sensibilisierung des Fluggastes 170
6.3.2.1
Einsatz des Inflight-Spots „Kindermissbrauch ist kein Kavaliers-delikt“ 171
6.3.2.2
Die interkulturelle Verständigung am Beispiel der deutschen Luft-hansa. 172
6.3.2.3
6.3.3 Hotels 172
Mögliche Maßnahmen 173
6.3.3.1
Verhaltenskodex in der Hotelbranche 173
6.3.3.2
6.3.4 Reisebüros 174
6.3.5 Medien. 175
Reiseführer 175
6.3.5.1
Stadtpläne. 179
6.3.5.2
6.4 Die Nichtregierungsorganisationen 181
6.4.1 Maßnahmen im Zielgebiet 181
Die Unterstützung der Prostituierten am Beispiel von Empower 181
6.4.1.1
Erfolgreiche Medienberichterstattung am Beispiel von P.E.A.C.E. 182
6.4.1.2
6.4.2 Maßnahmen im Herkunftsland. 182
Exterritorialprinzip 182
6.4.2.1
Aufklärungs- und Bildungsarbeit. 183
6.4.2.2
6.4.3 Maßnahmen in Zusammenarbeit mit der Reiseindustrie 183
Code of Contact. 183
6.4.3.1
Trainingsprogramm Child Wise Tourism 183
6.4.3.2
Aufklärungsarbeit. 184
6.4.3.3
6.5 Fazit. 184
7 Schlussbetrachtung und Ausblick 187
8 Literaturverzeichnis 191
9 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 212
Abkürzungsverzeichnis
Abs.
a. M.
Anh.
Anm.
Art.
bspw.
bzgl.
bzw.
ca.
d. h. das heißt
ebd. ebenda
etc. et cetera
erw. erweitert
e. V.
evtl.
ff.
Hg.
i. S.
lt.
Mio. Millionen
Mrd. Milliarden
neubearb. neubearbeitet
Nr. Nummer
o. ä. oder ähnliches
o. V. ohne Verfasser
s.
S. Seite
StGB
Tab.
USA
USD
u. a. unter anderem
u. v. unter vielen
v. a. vor allem
vs. versus
z. B.
z. T.
Einleitung 1
0 Einleitung
Als die Touristen kamen,
verwandelte sich unser Inselvolk in einen grotesken Karneval -
Nebenvorstellung, zwei Wochen lang.
Als die Touristen kamen,
legten unsere Männer ihre Fischernetze beiseite, um Kellner zu werden,
unsere Frauen wurden Huren.
Als die Touristen geflogen kamen,
flog das, was wir an Kultur eigen nannten, zum Fenster hinaus -für unsere Sitten und Gebräuche handelten wir uns Sonnenbrillen und Pop ein,
aus heiligen Theorien machten wir billige Peep-Shows.
Als die Touristen kamen,
wurde unser Essen knapp, die Preise gingen hoch, aber unsere Löhne blieben unten.
Als die Touristen kamen,
durften wir nicht mehr hinunter ans Meer gehen, der Hoteldirektor sagte
„Eingeborene verschmutzen den Strand“.
Als die Touristen kamen,
wurden Hunger und Elend konserviert und als vorüberziehender Festzug klickender Kameras zur
Schau gestellt - welch schicker Schandfleck!
Als die Touristen kamen,
forderte man uns auf, „Botschafter zu Fuß“ zu sein, immer lächelnd und höflich stets dem verwirrten
Gast den Weg zu weisen…
Zum Teufel, könnten wir ihnen nur sagen, wohin wir sie uns wirklich wünschen! 1 - C. Rajendra- 0.1Problemstellung
Jedes Jahr reisen laut der katholischen Organisation Missio 400.000 deutsche Männer ins Ausland, um sich dort sexuelle Dienstleistungen zu kaufen. 2 Was motiviert diese Männer, aber auch zunehmend Frauen, in ferne Länder zu reisen, mit dem Ziel bei Prostituierten sexuelle Befriedigung zu finden, da doch auch überall in Deutsch-land Bordelle zu finden sind? Ist es das Klischee der exotischen Frau und die ungezwungene Urlaubsatmosphäre, die den tristen Alltag und die ‚emanzipierten Frauen’ in Deutschland vergessen lassen?
„Forschungen über Prostitutionstouristen haben aus vielen Gründen gesellschaftliche Relevanz. Zum einen ist der Prostitutionstourismus ein Geschäft, bei dem die ‚Wa- 1 Spreitzhofer,G., Tourismus dritte Welt Brennpunkt Südostasien, 1995, S. 90
2 Vgl. Fuchs, H., Sextourismus - ein gigantisches, weltweit boomendes Geschäft, 2004, S. 3
Einleitung 2
ren’ Frau und kaufbarer Sex auf der einen Seite stehen und [...] Männer als Käufer auf der anderen. Prostitutionstouristisches Verhalten ist sexistisch und rassistisch, da es auf einseitigen und unumkehrbaren Ausbeutungsverhältnissen zwischen Frauen und Männern und zwischen Industrie- und sog. Entwicklungsländern beruht.“ 3 Wenn Menschen zu einer ‚Ware’ werden, dann hat das einen bitteren Nachgeschmack. Das Phänomen des sexuell motivierten Touristen ist nicht neu, jedoch sind das quantitative Ausmaß und die hochorganisierte Form teilweise in den Zielgebieten in erschreckender Weise angewachsen. 4
Noch vor einigen Jahren wurden mit den ‚Bumsbombern nach Thailand’ Schlagzeilen gemacht und die Prostitutionstouristen wurden vom Zielgebiet und der Tourismusindustrie als lukrative Einnahmequelle gesehen und gefördert. Heutzutage ist diesbezüglich ein Schritt in die richtige Richtung erkennbar. Vor allem die Tourismusindustrie ist sich ihrer moralischen Verantwortung bewusster geworden, aber auch die Zielgebiete fördern den Tourismus nicht mehr um jeden Preis. Vor allem im Bereich der sexuellen Ausbeutung von Kindern durch Touristen können sich die Beteiligten nicht mehr ihrer Verantwortung entziehen.
0.2 Stand der Forschung und Untersuchungsgegenstand
Anfang der 80er Jahre befassten sich sowohl kirchliche als auch Frauen- und ‚Dritte-Welt’-Gruppen erstmals mit der Problematik des Sextourismus. Sie setzten neue Akzente in der Berichterstattung, welche zuvor lediglich durch die Medien geprägt waren. Von ihnen wurden hauptsächlich Bereiche der sexuellen und wirtschaftlichen ‚Ausbeutung’ der ‚Dritten-Welt’ durch Prostitutionstouristen aus den Industrienationen dokumentiert. Erstmals wurde in den Jahren 1984 und 1988 Prostitutionstourismus das Thema parlamentarischer Anfragen im Deutschen Bundestag. Im Jahr 1990 veröffentlichte agisra e. V. 5 eine vom Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit geförderte Studie über „Frauenhandel und Prostitutionstourismus“, die eine Bestandsaufnahme zum Thema sowie eine Rechtsexpertise beinhaltete. Latza war im Jahr 1987 die erste Autorin, die sich durch Beobachtungen und Interviews vor Ort mit der Typisierung und Charakteristik von Sextouristen beschäftigte. Latza verdeutlicht allerdings nicht, auf welchen theoretischen oder empirischen Hintergründen ihre Aussagen beruhen, ihrer Arbeit fehlt der wissenschaftliche Bezug. Der Prostitutionstourismus wird in Arbeits- und Forschungsarbeiten vorwiegend in Bezug auf Südostasien, u. a. von Ryan und Hall, O’Grady, Maurer und Lipka, doku-
3 Rothe,A., Männer, Prostitution, Tourismus, 1997, S. 12
4 Vgl. Lipka, S., Das käufliche Glück in Südostasien, 1989, S. 12
5 Aktionsgemeinschaft gegen internationale und rassistische Ausbeutung e. V.
Einleitung 3
mentiert. In den letzten Jahren entstanden u. a. durch Rothe empirische Untersuchungen, die sich, auf der Basis von qualitativen Methoden, mit den Erwartungen und Hoffnungen sowie mit tatsächlichen Erfahrungen von Prostitutionstouristen befassen.
Vor allem die Ausbreitung von HIV/Aids im Zusammenhang mit dem Prostitutionstourismus führte dazu, dass sich auf nationaler und internationaler Ebene vermehrt Wissenschaftler - auch aus den Bereichen der Sozialwissenschaft und der Medizin - mit der Problematik und den Folgeproblemen des Sextourismus auseinandersetzen, so u. a. Kleiber und Wilke, die Ergebnisse ihrer umfangreichen Befragung deutscher Urlauber und Sextouristen veröffentlichten. Auf internationaler Ebene untersuchten vor allem Sánchez Taylor und O’Connell Davidson die Motivationen der männlichen und weiblichen Sextouristen.
Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass nur wenige empirische Untersuchungen im Bereich des Prostitutionstourismus vorliegen und viele Betrachtungsweisen feministisch geprägt sind. Insbesondere der Forschungsstand über die Motivationen der weiblichen Sextouristen ist bislang noch unzureichend.
In dieser Arbeit werden psychologische Hintergründe der Sexualität sowie das Sexualverhalten und die Moral betrachtet und als Erklärungsbasis auf die Prostitution im allgemeinen angewandt. Des Weiteren werden die psychologischen und gesellschaftlichen Ursachen und Auswirkungen des Prostitutionstourismus und die damit verbundene soziale Verantwortung aller am Tourismus Beteiligten aufgeführt. An-hand der verwendeten nationalen und internationalen Literatur über den Prostitutionstouristen generell wird hauptsächlich auf den deutschen Prostitutionstouristen geschlossen. Zudem werden vor allem die deutsche Reiseindustrie und Deutschland als Herkunftsland herangezogen. Von einer Übertragbarkeit auf andere Industrienationen kann ausgegangen werden. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt im Prostitutionstourismus erwachsener, heterosexueller Personen. Die Formen der Zwangsprostitution, wie Kinderprostitution, Kinder- und Menschenhandel, werden lediglich zum besseren Verständnis und für die Vollständigkeit des Themas bearbeitet. Kinderprostitutionstourismus steht in engem Zusammenhang mit dem bearbeiteten Thema, und diese Form des Tourismus wird in der vorliegenden Arbeit zum besseren Verständnis von Sextourismus erläutert.
Einleitung 4
Die Ausgrenzung folgender Personengruppen und Ausprägungen des Prostitutions-
tourismus ist nötig, um der Arbeit thematisch Grenzen zu setzen:
• In der vorliegenden Arbeit wird nicht explizit auf den Tourismus homosexuell orientierter Personen eingegangen. Diese Zielgruppe spielt zwar im Prostitutionstourismus eine wichtige Rolle, würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
• Sexuelle Kontakte zwischen Reisenden untereinander werden ebenfalls nicht bearbeitet, da in diesem Fall das in der Arbeit stark zum Ausdruck kommende Ausbeutungsverhältnis zwischen der ‚Ersten’- und ‚Dritten-Welt’, nicht gegeben ist.
• Auf den Prostitutionstourismus in Nahzielen, wie bspw. Tschechien, Holland und Polen, wird nicht eingegangen. Zwar existiert bzw. entwickelt sich hier zunehmend ein Markt für die kommerziellen sexuellen Dienstleistungen von Reisenden, jedoch beschäftigt sich diese Arbeit lediglich mit dem Ferntourismus in ‚Dritte-Welt’- bzw. Schwellenländer.
• Auf die Hintergründe, wie bspw. die Motivationen der Prostituierten, wird nicht umfangreich eingegangen, sondern lediglich die strukturellen Unterschiede und die verschiedenen Arten der Prostitution in den Ländern angeführt. Eine Abgrenzung ab wann eine Person als Prostituierte bezeichnet werden kann erweist sich als äußerst problematisch und kann nicht klar definiert werden.
0.3 Zielsetzung
Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung des Zusammenhangs zwischen Sexualität, Moral und Prostitution. Hieraus ergibt sich dann die Frage, ob Prostitution als moralisch verwerflich angesehen werden kann und inwieweit Prostitution als ‚notwendige Triebabfuhr’ von der Gesellschaft akzeptiert werden sollte.
Zudem soll geklärt werden, inwieweit Prostitution und Tourismus in Verbindung gebracht werden können und ob Sextourismus allgemein als unmoralisch zu bezeichnen ist. Zusätzlich ist ein Ziel dieser Arbeit die Klärung der Frage, ob Prostitutionstourismus als Spiegel der herrschenden Moral einer Gesellschaft bezeichnet werden kann oder lediglich eine unumgängliche Folgeerscheinung des Massentourismus ist. Die Auswirkungen des Tourismus im allgemeinen und die des Prostitutionstourismus im speziellen sowie die diesbezügliche Zuordnung der Verantwortung bzw. die Frage von wem Verantwortung übernommen werden muss oder kann, werden ebenfalls herausgearbeitet. Außerdem werden bisher existierende allgemeine Maßnahmen zur
Einleitung 5
Bekämpfung bzw. Lenkung des Prostitutionstourismus aufgeführt sowie zusätzliche Vorschläge für einen Umgang mit Prostitutionstourismus entwickelt.
0.4 Gang der Arbeit
Im Detail sieht der Aufbau der vorliegenden Arbeit wie folgt aus:
Im ersten Teil der Arbeit werden Motivationen sowie die psychologischen Hintergründe und theoretische Ansätze der Sexualität aufgezeigt, zudem wird auf die Sexualität und das Sexualverhalten eingegangen. Die Moral und die daraus resultierende herrschende Moral, Sexualmoral und Doppelmoral bilden ein zentrales Thema in der vorliegenden Arbeit und werden in der zweiten Hälfte des ersten Teils erläutert.
Anschließend wird im zweiten Teil der Arbeit die Prostitution auf eine Folgeerscheinung des Sexualverhaltens reduziert und als eine gesellschaftliche Erscheinung der Sexualität betrachtet. In diesem Kapitel werden wichtige, für die Arbeit notwendige Begriffe zum Thema Prostitution geklärt und folglich die Prostitution in Deutschland näher erläutert. Durch ein Interview mit einem Bordellbetreiber wird das Thema praxisnah beleuchtet und abgerundet.
Im dritten Teil wird der Zusammenhang zwischen Prostitution und Tourismus allgemein geklärt. Anfänglich werden die Begrifflichkeiten Tourismus und Prostitutionstourismus erläutert und anschließend der männliche Prostitutionstourist typisiert, sowie die Beziehungsformen und die Motivationen der Männer aufgeführt. Weiterhin werden die Motivationen der Freier im In- und Ausland miteinander verglichen, und es wird auf die weiblichen Prostitutionstouristen eingegangen. Sie werden ebenfalls typisiert und ihre Motivationen aufgezeigt. Abschließend werden die strukturellen Unterschiede der Prostitution und die Unterschiede zwischen den männlichen und weiblichen Prostituierten behandelt.
Auf die wirtschaftlichen und soziokulturellen Auswirkungen des Tourismus wird im vierten Teil eingegangen und der Zusammenhang mit dem Prostitutionstourismus geklärt.
Im fünften Teil der Arbeit findet eine Betrachtung ausgewählter Zielgebiete des Prostitutionstourismus unter den Aspekten der Wirtschaft, Religion, Sexualität und
Einleitung 6
des Rechts im jeweiligen Land statt. Anschließend werden die wichtigsten Unterschiede in einem Ländervergleich aufgeführt und miteinander verglichen
Im sechsten Teil werden bestehende Maßnahmen bzgl. des Umgangs und der Lenkung des Prostitutionstourismus durch das Zielgebiet, das Herkunftsland, die touristischen Akteure und durch Nichtregierungsorganisationen aufgezeigt und weitere, noch zu entwickelnde Maßnahmen vorgeschlagen. Mögliche Maßnahmen des Zielgebietes werden anhand verschiedener Länderbeispiele beschrieben.
Im siebten Teil der Arbeit findet eine Schlussbetrachtung zum Thema der moralischen Verantwortlichkeit und eine Abwägung und Wertung der Verantwortung aller Beteiligten im Tourismus statt. Ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungsperspektiven schließt die Betrachtung ab.
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 7
1 Die Sexualität aus psychologischer und moralischer
Sicht
1.1 Die theoretischen Ansätze
Im Laufe der Zeit bildeten sich in der Psychologie verschiedene Ansätze, die den sexuellen Antrieb und das sexuelle Verhalten unterschiedlich begründen. Jeder der Ansätze beruht auf bestimmten Vorannahmen und führt zu einer jeweils anderen Herangehensweise an die Fragestellungen und Ziele der Psychologie. 6 Vorab muss hierfür der Begriff der Motivation geklärt werden. Dieser ist abgeleitet von dem lateinischen Verb movere (bewegen) und ist die allgemeine Bezeichnung für alle Prozesse, die körperliche und psychische Vorgänge auslösen, steuern oder aufrechterhalten. Er wird verwendet, um die Bevorzugung ganz bestimmter Handlungen, die Intensität von Reaktionen sowie die Beharrlichkeit des Handelns bei der Verfolgung von Zielen zu erklären. 7 Vielfach werden derzeit diese inneren motivierenden Bedingungen des Menschen in biologische Motivationen (Triebe) und psychologische Motivationen (Motive) unterteilt. Die biologischen Motivationen resultieren in der Regel aus fundamentalen Bedürfnissen des Organismus, wie bspw. nach Nahrung, Trinken, Schlaf, Sexualität und Wärme. Die psychologischen Motivationen ergeben sich dagegen aus Bedürfnissen wie sozialer Anerkennung, Selbstachtung, Sicherheit, Leistung oder Wissen, wobei der genaue Ursprung dieser psychologischen Motivationen noch immer unterschiedlich beurteilt wird. 8
1.1.1 Der instinkttheoretische und ethologische Ansatz
Der aus der Biologie kommenden Instinkttheorie nach, werden Lebewesen mit bestimmten vorprogrammierten Verhaltenstendenzen geboren, die für das Überleben ihrer Art wesentlich sind. Somit ist Motivation angeboren und hat mechanisch ablaufende Verhaltensmuster zur Folge. Das Instinktverhalten kann folglich als Produkt aus internen und externen Motivationsquellen beschrieben werden. Die interne Quelle besteht aus dem genetischen Erbe, welches das artspezifische Handlungsmuster bestimmt. Die Umgebungsbedingungen, die dieses Muster zu einem bestimmten Zeitpunkt und bei bestimmten Reizmerkmalen auslösen, bilden die externe Motivationsquelle. 9 In frühen Theorien wurde die Bedeutung von Instinkten beim Menschen
6 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 16
7 Vgl. ebenda, S. 319 f.
8 Vgl. Becker-Carus, C., Allgemeine Psychologie, 2004, S. 446
9 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 322 ff.
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 8
überbewertet. So vertrat William James (1890) die Überzeugung, dass Menschen neben den biologischen Instinkten, die sie mit den Tieren gemeinsam haben, auch über zahlreiche soziale Instinkte wie Sympathie, Bescheidenheit, Geselligkeit und Liebe verfügen. 10
1.1.2 Der psychoanalytisch-triebtheoretische Ansatz
Die wichtigsten Impulse für eine Triebtheorie menschlichen Verhaltens stammen von Sigmund Freud (1915), dessen theoretische Konzeption für die menschliche Motivation viele Jahrzehnte einen zentralen Ansatz für die weitere Motivationsforschung bildete. Freud beschreibt Triebe als eine aus dem Körperinneren kommende, konstant wirkende Kraft, ohne bewussten Zweck. Diese Kraft kommt ohne Mitwirkung des Bewusstseins und des Denkens zustande und wird dann aber bewusst erlebt. Sie bewegt oder treibt den Menschen zu den Handlungen an, durch die eine Befriedigung und damit eine Aufhebung des Reizzustandes an der Triebquelle erreicht wird. Psychologisch wird dieser Prozess als Triebbefriedigung erlebt. In vielfältiger Weise beeinflussen nach Freud Triebe und triebhafte Impulse, die aus dem Unterbewussten aufsteigen, unbewusst sowohl Handlungen als auch Gedanken und Gefühle, auch wenn zu deren Verständnis zumeist rationale Erklärungen bereitgehalten werden. 11
Freud nahm an, dass der Mensch über angeborene Triebe verfügt. Hierbei handelt es sich um Systeme, die Spannungen erzeugen und an Körperorgane gebunden sind. Ursprünglich setzte Freud zwei grundlegende Triebe voraus: 12
• Zum einen den Trieb, der sich auf das Ego (Ich) oder die Selbsterhaltung wie Hunger, Durst und anderer existentielle körperliche Bedürfnisse bezog. • Zum anderen den von Freud Eros benannten Trieb, der mit sexuellem Verlangen und mit der Arterhaltung zusammenhing.
Freud zeigte auf, dass derselbe Trieb, bspw. der Sexualtrieb, direkt durch Geschlechtsverkehr oder auch indirekt, bspw. durch sexuelle Witze oder Mittel der Kunst, Ausdruck finden kann. 13
Des Weiteren führte Freud Persönlichkeitsunterschiede auf die Art und Weise, wie Menschen mit ihren grundlegenden Trieben umgehen, zurück.
10 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, Psychologie, 1999, S. 323
11 Vgl. Becker-Carus, C., Allgemeine Psychologie, 2004, S. 441
12 Vgl. Holder, A., Einleitung, 1992, S. 9; vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 531
13 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 531
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 9
So ist der Sitz der primären Triebe das Es. Das Es wird als primitiver und unbewusster Teil der Persönlichkeit betrachtet. Es arbeitet irrational, wird von Impulsen getrieben und drängt auf Ausdruck und unmittelbare Befriedigung, wobei es nicht in Betracht zieht, ob das, was begehrt wird, auch im Bereich des Möglichen liegt und sozial erwünscht oder moralisch akzeptabel ist. Das Es wird vom Lustprinzip, also dem ungesteuerten Streben nach Befriedigung, besonders nach sexueller, körperlicher und emotionaler Lust, bestimmt. 14
Der Sitz der Werte und der in der Gesellschaft geltenden moralischen Regeln und Normen ist das Über-Ich. Es entspricht in etwa dem Gewissen und enthält mit dem Ich-Ideal das Bild eines Menschen von dem, was er anstreben sollte. Da das Über-Ich die Gesellschaft im Individuum repräsentiert, steht es oft im Konflikt mit dem Es, dem Repräsentanten individueller Bedürfnisse. 15
In diesem Konflikt zwischen Es und Über-Ich wird durch das Ich vermittelt und ein Kompromiss arrangiert, der beide wenigstens zum Teil zufrieden stellt. Das Ich verkörpert den realitätsorientierten Aspekt der Persönlichkeit und stellt somit vernünftige Entscheidungen über lustbetonte Wünsche. Es steht für die Auffassung, die eine individuelle Person von der physischen und der sozialen Realität hat und für Ihre bewussten Überzeugungen über Ursachen, Folgen und Möglichkeiten. 16
1.1.3 Der behavioristisch-biopsychologische Ansatz
Innerhalb der amerikanisch-behavioristisch orientierten Psychologie in den 1920er Jahren entwickelte sich als Gegensatz zu den instinkttheoretischen Ansätzen ein lernpsychologisch ausgerichtetes Motivationskonzept, das zum einen den individuell wandelbaren und zum anderen den kulturspezifisch unterschiedlichen Motivationen eher gerecht wurde. In Deutschland war der Behaviorismus in den 60er und 70er Jahren das vorherrschende Forschungsparadigma. 17 Ausgangspunkt dieses Ansatzes sind die objektiv nachweisbaren biologisch-physiologischen Bedürfnisse (needs) des Organismus, die diesen in einen erregten (aroused) Zustand versetzen, der ihn motiviert oder treibt (drives), den Bedarf zu beseitigen. Dieser Triebbegriff (drive) unterscheidet sich wesentlich von den als angeboren angenommenen Kräften der alten Instinktlehre und Trieben im psychoanalytischen Sinne. 18 Zu diesem Ansatz gehört das homöostatische 19 Motivationsmodell wonach biologisch-physiologische Motivati-
14 Vgl.Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 533
15 Vgl. ebenda, S. 533
16 Vgl. ebenda, S. 533
17 Vgl. ebenda, S. 12 f.
18 Vgl. Becker-Carus, C., Allgemeine Psychologie, 2004, S. 441 f.
19 Homöostase = die Aufrechterhaltung des konstanten inneren Zustandes trotz wechselnder äußerer
Umstände. Homöostatische Motivationen haben somit ihren Ursprung in physiologischen Verände-
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 10
onen in homöostatische, wie Hunger, Durst oder das Wärmebedürfnis, und nicht homöostatische Motivationen, wie die sexuelle Erregung, Emotionen oder Neugier, unterteilt werden. Nicht homöostatische Motivationen werden durch Veränderungen in der externen Umwelt des Organismus ausgelöst und in der Regel auch durch diese befriedigt. Sie finden ihr Ziel in erregenden oder entspannenden Befriedigungen und sind nicht wie die homöostatische Motivationen auf die Aufrechterhaltung eines physiologischen oder psychologischen Gleichgewichtszustandes ausgerichtet. 20 Des Weiteren zählt zu diesem Ansatz die lernpsychologische Triebtheorie von Clark Hull, der darin sowohl die biologischen (primären) Antriebe, als auch die durch Lernprozesse aus ersterem hervorgehenden sekundären Antriebe berücksichtigt. Hull nahm an, dass Motivation eine notwendige Vorraussetzung für Lernen sei und Lernen eine wesentliche Bedingung für eine erfolgreiche Anpassung aller Lebewesen an die Umwelt. Er betont die Bedeutung der Spannung bei der Motivation und der Spannungsreduktion als Verstärker. Seiner Ansicht nach sind Primärtriebe biologisch bedingt und werden ausgelöst, wenn sich der Organismus in einem Mangelzustand befindet. Sobald die den Organismus aktivierenden Triebe vermindert oder befriedigt werden, hört der Organismus auf zu handeln. Diese Primärtriebe sind nicht von Lernprozessen abhängig, stellen jedoch eine zentrale Voraussetzung jeglichen Lernens dar. 21 Im Gegensatz hierzu entstehen sekundäre Triebe, also psychologische Motive, wie Anerkennung, Achtung, Leistung, Furcht oder Angst, nach dem Paradigma der klassischen Konditionierung. 22
1.1.4 Der kognitive Ansatz
Bei diesem Ansatz der Motivationsforschung werden in erster Linie kognitiv bewusste Prozesse (Motive) als verantwortlich für das zielorientierte Handeln des Individuums betrachtet und nicht so sehr biologisch-physiologische Prozesse primärer Motivation oder direkte Aktivierungen durch spezifische Reizeigenschaften. Viele Psychologen teilen gegenwärtig die Ansicht, dass ein großer Teil menschlicher Motivation nicht durch die objektive äußere Welt, sondern durch die subjektive Interpretation dieser Welt bedingt ist. 23 Oft werden Handlungen durch das bestimmt, was man für vergangene Erfolge und Misserfolge verantwortlich macht, durch persönliche Vorstellungen von der Erreichbarkeit einer Sache und durch die Erwartungen an das Ergebnis einer
rungen, die das physiologische Gleichgewicht des Organismus stören. Ausgelöst im internen Milieu
des Organismus kommen sie z. B. als Hungerempfinden zum Bewusstsein und veranlassen den Or-
ganismus das biologische Gleichgewicht wiederherzustellen.
20 Vgl. Becker-Carus, C., Allgemeine Psychologie, 2004, S. 446 f.
21 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 321
22 Vgl. Becker-Carus, C., Allgemeine Psychologie, 2004, S. 443
23 Vgl. ebenda, S. 443 ff.
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 11
Handlung. Das Motivationskonzept wird somit um die ganze Dimension vorgestellter Ziele, Erwartungen, Ideen, Ideale, Wertvorstellungen und Wunscherfüllungen erweitert, durch deren Erreichen das Handeln zielorientiert motiviert wird. 24 Somit wird deutlich, dass Motive und Anreize aufeinander bezogen sind und situative oder vorgestellte Anreize das Motivziel kennzeichnen. Die individuell unterschiedliche Gewichtung der Ziele bezeichnet die Stärke der Motive und ergibt ihre Wirksamkeit auf den Organismus. Bei mehreren Handlungsalternativen wird die Alternative verfolgt, bei der der Erwartungswert am höchsten ist. Hierbei können zusätzlich die individuell unterschiedlichen Auswirkungen auf andere Menschen, also soziale Motive wie bspw. Altruismus 25 oder Egoismus, einbezogen werden. 26 Ein Missverhältnis zwischen Erwartung und Wirklichkeit kann ein Individuum dazu veranlassen, sein Verhalten zu ändern. Ist es bspw. der Meinung, sein Verhalten entspräche nicht den Normen oder Werten einer Gruppe, kann es motiviert sein, sein Verhalten zu ändern, um sich besser zu integrieren. 27 Die Zuordnung der Motivation als eine interne oder externe Quelle hängt von der subjektiven Interpretation der Wirklichkeit ab, da denkende Lebewesen Motivationen bzw. das Ergebnis individuellen Verhaltens entweder sich selbst oder aber der Umwelt zuschreiben. Diese Zuschreibung beeinflusst das weitere individuelle Verhalten. 28
1.1.5 Der humanistische Ansatz
In diesem Ansatz wird angenommen, dass der Mensch weder durch starke biologisch determinierte Trieb- oder Instinktkräfte getrieben, noch durch allgegenwärtige Umweltdeterminanten manipuliert wird. Der Mensch wird als aktives Wesen gesehen, von Natur aus gut und fähig, den eigenen Weg zu wählen, um eine optimale Selbstverwirklichung zu erreichen. 29
Abraham Maslow stellte die Theorie auf, dass sich die grundlegenden Motive des menschlichen Handelns in einer Bedürfnishierarchie anordnen lassen. Der wesentliche Gedanke dabei ist, dass die Bedürfnisse auf einer bestimmten Hierarchiestufe -angeordnet in aufsteigender Reihenfolge vom ‚primitivsten’ bis zum ‚anspruchsvollsten’ - die Motivation eines Menschen so lange beherrschen, wie sie unbefriedigt bleiben. Erst wenn sie erfüllt werden, wenden sich Aufmerksamkeit und Handeln der nächsten Stufe zu. 30 Grundlegend unterscheidet Maslow dabei zwischen Mangelmo-
24 Vgl.Becker-Carus, C., Allgemeine Psychologie, 2004, S. 443 ff.
25 Altruismus = durch Rücksicht auf andere gekennzeichnete Denk- und Handlungsweise
26 Vgl. ebenda, S. 443 f.
27 Vgl. ebenda, S. 443 ff.
28 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 350
29 Vgl. ebenda, S. 14 f.
30 Vgl. Maslow, A. H., Motivation und Persönlichkeit, 1981, S. 63 ff.
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 12
tivationen, die den Menschen dazu veranlassen, sein physisches oder psychisches Gleichgewicht wiederherzustellen und Wachstumsmotivationen, die ihn veranlassen, über sein bisheriges Tun und Handeln hinauszuwachsen. 31 So müssen zuerst die grundlegenden biologischen (Mangel-)Bedürfnisse, wie bspw. die Grundbedürfnisse nach Nahrung und Sexualität in der niedrigsten Stufe, befriedigt sein, ehe die Sicherheitsbedürfnisse aktiv werden können. Ist hier eine Befriedigung hergestellt, entstehen mit den Zugehörigkeits- und Liebesbedürfnissen der Wunsch nach Zugehörigkeit, der Verbindung mit anderen und der Wunsch Liebe zu empfangen sowie zu geben. 32 In der nächsten Stufe folgen Bedürfnisse die mit dem Selbstwert und der Anerkennung durch andere zusammenhängen. Sind diese Bedürfnisse gestillt treten kognitive Bedürfnisse, also Bedürfnisse nach Wissen, Verstehen und etwas Neuem auf, gefolgt von den ästhetischen Bedürfnissen nach Ordnung und Schönheit. 33 Als vorerst letzte Stufe misst Maslow der Selbstverwirklichung als Bedürfnis sich selbst zu erfüllen und seine Talente und Fähigkeiten voll zu entwickeln besondere Bedeutung zu. 34 Später fügte Maslow der Hierarchie noch das Bedürfnis nach Transzendenz, also das Bedürfnis nach spiritueller Identität jenseits des persönlichen Selbst, als höchsten Punkt menschlichen Strebens und höchste Stufe der moralischen Entwicklung hinzu. 35
1.1.6 Der evolutionäre Ansatz
Dieser Ansatz unterscheidet sich grundlegend von den anderen Ansätzen, da er versucht, die moderne Psychologie mit Charles Darwins Grundgedanken der Evolution als Ergebnis natürlicher Selektion zu verbinden. 36 Grundlegend für diesen Ansatz ist der Gedanke, dass sich die psychische Ausstattung des Menschen über Millionen von Jahren im Dienste der Anpassung an die äußeren Lebensbedingungen analog zu den körperlichen Merkmalen entwickelt hat. Das Gehirn als Träger der psychischen Anpassung unterliegt demselben allgemeinen Prinzip der natürlichen Selektion wie andere Organe, wobei seine innere Struktur und Funktion entsprechend den Erfordernissen der physischen und sozialen Umwelt geformt wird. Nur die Gehirne, die angemessenes Verhalten hervorbringen, überstehen die Selektion und vermehren sich. Des Weiteren spielen die Umweltbedingungen, unter denen sich das menschliche Gehirn entwickelte, in diesem Ansatz eine wichtige Rolle. Durch den
31 Vgl. Becker-Carus, C., Allgemeine Psychologie, 2004, S. 477 f.
32 Vgl. Schönpflug, W.; Schönpflug, U., Psychologie, 1989, S. 373 f.
33 Vgl. Becker-Carus, C., Allgemeine Psychologie, 2004, S. 478
34 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 324 f.
35 Vgl. Schönpflug, W.; Schönpflug, U., Psychologie, 1989, S. 373 f.
36 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 15
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 13
umfangreichen theoretischen Hintergrund der Evolutionsbiologie werden die wesentlichen Anpassungsprobleme des Menschen während der Zeit als Jäger und Sammler, wie bspw. die Vermeidung der Bedrohung durch Raubtiere, das Sammeln und Austauschen von Nahrung, analysiert. Sind diese Anpassungsleistungen erkannt, werden Schlüsse über die psychischen Strukturen und Prozesse gezogen, die sich zur Lösung dieser Probleme entwickelt haben könnten. 37
1.1.7 Abschließende Betrachtung
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es keine allumfassende Theorie gibt, die das menschliche Verhalten und somit auch die Sexualität erklären könnte. Vor allem jedoch haben Sigmund Freud und seine Schüler den psychoanalytischen Ansatz und somit die Sexualforschung vom Beginn des 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit geprägt. Auch wird die heutige deutsche Fachliteratur noch sehr weitgehend von der Psychoanalyse beeinflusst, welche aber in der internationalen Sexualwissenschaft kaum noch eine Rolle spielt. 38 Selbst eine Reihe einflussreicher Psychoanalytiker haben die Konzentration auf die Triebtheorie aufgegeben und stellen stattdessen soziale Einflüsse auf die Entwicklung des Menschen und seine Fähigkeit sich der Umwelt anzupassen in den Vordergrund. 39 Das bedeutet natürlich nicht, dass psychoanalytische Methoden veraltet sind oder dass der wissenschaftliche Beitrag Sigmund Freuds unwichtig geworden ist, sondern, dass man ihm bei der Beschreibung der menschlichen Sexualität nicht mehr unbedingt die Schlüsselstellung einräumen muss. Vor allem durch die Arbeiten von Alfred C. Kinsey, William Masters und Virginia Johnson wurden in der Forschung neu Wege bestritten. 40 Es kam somit zum Einzug des Behaviorismus in die Sexualwissenschaften und zu einer Rationalisierung der Sexualität. 41 Allgemein ist in der neueren Literatur ein Schwenk von der Trieb- zur Gefühlspsychologie zu beobachten. So hat unter anderem die humanistische Psychologie die außerordentliche Wichtigkeit der Sphäre der Gefühle, die auch Werte, Normen und Ideale beinhaltet, wiederentdeckt. 42 Nachfolgend soll nun die Sexualität auf die verschiedenen Ansätze hin beleuchtet werden, wobei der Schwerpunkt auf der Psychoanalyse liegt.
37 Vgl. Cosmides, L.; Tooby, J., From evolution to behaviour: Evolutionary psychology as the missing
link, 1987, S. 277 ff.
38 Vgl. http://www2.hu-berlin.de/sexology/ATLAS_DE/html/vorwort_zur_deutschen_ausgabe.html,
Zugriff: 27.03.2005 (1)
39 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 12
40 Vgl. http://www2.hu-berlin.de/sexology/ATLAS_DE/html/vorwort_zur_deutschen_ausgabe.html,
Zugriff: 27.03.2005 (2)
41 Vgl. Ammicht Quinn, R., Körper - Religion - Sexualität, 2000, S. 255
42 Vgl. Rattner, J.; Danzer, G., Grundbegriffe der Tiefenpsychologie und Psychotherapie, 2000, S. 99
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 14
1.2 Die Sexualität
Das Sexualverhalten ist biologisch gesehen nur zur Fortpflanzung nötig und deshalb für das Überleben des Einzelnen, im Gegensatz zur Nahrungsaufnahme, entbehrlich. Trotzdem zählt die Sexualität, wie bereits beschrieben, zu den fundamentalen Bedürfnissen des Organismus.
1.2.1 Begriffsabgrenzung
Da Sexualität im menschlichen Dasein in vielschichtiger Weise erscheint, ist eine Definition schwierig. Die Sexualwissenschaft unterscheidet heute grundsätzlich zwischen den Begriffen Sex 43 (Biologisches Geschlecht) und Sexualität (Geschlechtlichkeit), wobei sich Sexualität auf eine Kerndimension des Menschseins bezieht, die das biologische Geschlecht (Sex), Geschlechtsrolle (Gender 44 Role) und Geschlechtsidentität (Gender Identity 45 ), die sexuelle Orientierung, Erotik, emotionale Bindung/Liebe und Fortpflanzung einschließt. Die Sexualität wird erfahren, drückt sich in Gedanken, Phantasien, Wünschen, Überzeugungen, Rollen sowie Beziehungen aus und entsteht im Zusammenspiel biologischer, psychologischer, sozioökonomischer, kultureller, ethischer und religiöser bzw. spiritueller Faktoren. 46 Nach Bräutigam ist Sexualität aus biologischer Sicht eine spezialisierte Form der Fortpflanzung. In der subjektiven Erfahrung ist sie eine ganz spezifische Lebensqualität, die eng mit der körperlichen Reifung verbunden ist und sich vorwiegend auf die Geschlechtsorgane zentriert, ohne aber auf sie beschränkt zu sein. Im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich wird Sexualität zu einer Motivation, durch welche die menschlichen Beziehungen mit getragen werden, da sie sich auf den Kontakt, die Geborgenheit und Nähe mit anderen Menschen richtet. 47 Für Phoenix bezeichnet der
43 Sex (das biologische Geschlecht) bezieht sich auf die Summe der biologischen Eigenschaften, die
das Spektrum der Menschheit als weiblich oder männlich definieren.
44 Gender (das psychosoziale Geschlecht) ist die Summe kultureller Werte, Einstellungen, Rollen,
Praktiken und Eigenschaften, die auf der Grundlage des Geschlechts entwickelt werden. Wie es histo-
risch, transkulturell und in heutigen Gesellschaften existiert, reflektiert und perpetuiert besondere
Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen.
45 Gender identity definiert den Grad, zu dem sich die Menschen selbst als männlich, weiblich oder als
Kombination davon identifizieren. Sie ist der im Laufe der Zeit konstruierte Rahmen, der es einem
Individuum ermöglicht, ein Selbstbild zu organisieren und in der Gesellschaft entsprechend seinem
von ihm selbst wahrgenommenen Geschlecht und seiner Geschlechtsrolle zu agieren. Gender identity
bestimmt, wie Individuen ihr Gender, d.h. ihr psychosoziales Geschlecht, erleben, und trägt bei jedem
Individuum zu seiner Selbstwahrnehmung als gleichbleibend, einmalig und zugehörig bei.
46 Vgl. http://www2.hu-berlin.de/sexology/GESUND/ARCHIV/DEUTSCH/KRIT.HTM#G, Zugriff:
27.03.2005 (3)
47 Vgl. Bräutigam, W.; Clement U., Sexualmedizin im Grundriss, 1989, S. 42 ff.
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 15
Begriff Sexualität im engeren Sinne den Inbegriff sexueller Handlungen, die mit genitaler Stimulation und Kopulation verbunden werden. 48
Die Quelle der Energie der sexuellen Impulse werden von Freud mit dem Begriff Libido bezeichnet. Diese betrachtet er als psychische Energie, die den Menschen zu allen Formen angenehmer sinnlicher Erfahrungen treibt. Somit fällt für Freud unter den Begriff des menschlichen sexuellen Begehrens nicht allein das Verlangen nach sexueller Vereinigung, sondern auch alle anderen Versuche, angenehme Erlebnisse oder körperlichen Kontakt mit anderen aufzusuchen. 49
1.2.2 Die psychosexuelle Entwicklung
Dieser breit definierte Sexualtrieb wird nach Freud bereits im Säuglingsalter wirksam und durchläuft verschiedene Phasen, deren Verlauf die Grundlage für das spätere individuelle Verhalten bildet. Freud stellt ein fünfstufiges Modell der psychosexuellen Entwicklung auf, in dem er je nach erogener Zone, also der Quelle der sexuellen Lust unterscheidet. 50 Störungen des Sexuallebens sieht Freud als Ausdruck einer Hemmung in dieser psychosexuellen Entwicklung. So führt zu viel Triebbefriedigung oder eine zu starke Frustration in frühen Stufen zur Unfähigkeit sich normal zur nächsten Stufe weiterzuentwickeln. 51 Perversion ist somit eine sozial-psychologische Art der Degeneration, da der kranke Erwachsene in seinen Abartigkeiten auf frühkindlichen Stufen regrediert. 52
Die Orale Phase 53 als erste Stufe der Libidobefriedigung reicht von der Geburt bis etwa zum Ende des ersten Lebensjahres, gefolgt von der analen Phase 54 . Eine Fixierung in der Oralen Phase kann bspw. Rauchen, übermäßiges Essen oder auch Passivität und Leichtgläubigkeit im Erwachsenenalter hervorrufen. Vom vierten bis etwa zum Ende des sechsten Lebensjahres schließt sich die ödipale (phallische, früh genitale) Phase 55 an. In der ödipalen Phase werden die Grundstrukturen für die späteren
48 Vgl. Runkel, G., Die Sexualität in der Gesellschaft, 2003, S. 6 (zitiert nach: Phoenix, C. H., Animal
Sexual Behavior, in: Shills, D. L. (Hg.), International encyclopedia of the social sciences, 1968, S. 194)
49 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 531
50 Vgl. ebenda, S. 531 f.
51 Vgl. Eickhoff, F. W., Einleitung, 1994, S. 23
52 Vgl. von Bredow, W.; Noetzel, T., Befreite Sexualität?, 1990, S. 197
53 In der Oralen Phase erhält der Säugling seine wichtigsten Erlebnisse und Erfahrungen durch die
sehr sensible, erogene Mundregion. Grundsätzlich führt das Trinken an der Mutterbrust oder an der
Flasche nicht nur zu einer Befriedigung des Nahrungstriebs, sondern es wird vom Säugling als sehr
lustvoll und somit sexuell erlebt.
54 Hier verlagern sich die libidinösen Interessen auf die körperlichen Ausscheidungsorgane, da das
Ausscheiden der Exkremente nun als lustvoll erlebt wird. Zum dominanten Thema in der analen Pha-se wird die Auseinandersetzung mit der elterlichen Macht.
55 Die bisher unspezifischen sexuellen Interessen werden nun auf den andersgeschlechtlichen Eltern-
teil gerichtet und das zentrale Thema besteht in der ödipalen Phase in der geschlechtsspezifischen
Auseinandersetzung und Identifikation mit den Eltern. Eines der Haupthindernisse in der sexuellen
Entwicklung für Jungen tritt in dieser Stufe auf, da sie den Ödipuskonflikt überwinden müssen. Beim
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 16
sexuellen Verhaltensweisen gebildet. Freud ist der Meinung, dass ein Kind, welches die ersten sechs Lebensjahre ohne tiefgreifende Störungen durchlaufen hat, in seinen späteren Lebensjahren vor psychischen Erkrankungen geschützt ist. Auf die problematische ödipale Phase folgt dann die Latenz- 56 sowie mit Beginn der Pubertät die genitale Phase 57 als letzte Stufe der psychosexuellen Entwicklung. 58 Die psychischen Strukturen differenzieren sich im Verlauf der kindlichen Entwicklung aus der ursprünglich undifferenzierten Es-Ich Matrix heraus. Bei normaler Entwicklung wird das Ich immer fähiger, die nach Befriedigung drängenden Motive aufzuschieben, abzuwehren oder sie entsprechend den vorhandenen Möglichkeiten in der Realität zu befriedigen. 59
1.2.3 Die Triebunterdrückung
Wie bereits beschrieben, hat das Ich die schwierige Aufgabe, einen Kompromiss zwischen den maßlosen Es-Impulsen und den strengen, strafenden Motiven des Über-Ichs zu bilden, indem es die Befriedigungsmöglichkeiten, die Reaktionen der Umwelt sowie die Reaktionen des Über-Ichs abschätzt. Nimmt ein unerlaubtes oder in der Realität auf Dauer gesehen nicht mehr zu befriedigendes Motiv an Stärke zu, wird es vom Ich durch verschiedene Abwehrmechanismen gebändigt und ins Unbewusste zurückgedrängt. Somit blockiert bzw. leitet das Ich bedrohliche und Angst auslösende Impulse um, damit die Angst bewältigt wird. 60 Hierbei ist nochmals darauf hinzuweisen, dass von Freud vor allem die Sexualität, neben aggressiven Wünschen und einer Reihe biologischer Motive, als die zentrale Antriebskraft des individuellen Verhaltens gesehen wird.
Die Verdrängung ist der erste von Freud entdeckte Abwehrmechanismus. Eine Vorstellung oder deren emotionaler Teil wird in das Unbewusste abgedrängt und dort durch Gegenbesetzungen am erneuten Eindringen ins Bewusstsein gehindert. Durch die Verdrängung wird, wie auch bei den anderen Abwehrmechanismen, der Triebwunsch nicht vernichtet, sondern lediglich blockiert und besteht im Es weiter. Er spielt weiterhin eine Rolle für das Funktionieren der Persönlichkeit und kann außer-
Sohnentsteht die ödipale Situation, in welcher er seine libidinösen Wünsche auf die Mutter konzent-riert und dabei den Vater als Rivalen erlebt und bekämpft.
56 Das Kind wendet sich neutraleren Objekten der Realität zu und die Entwicklung verläuft nun ruhiger
und realitätsbezogener.
57 Die genitale Phase ist gekennzeichnet durch das Aufkommen sexueller Impulse, die auf die Auf-
nahme des sexuellen Kontaktes zum anderen Geschlecht gerichtet sind.
58 Vgl. Wellhöfer, P. R., Grundstudium Allgemeine Psychologie, 1990, S. 172 ff.
59 Vgl. ebenda, S. 174, vgl. Nitzschke, B., Sexualität und Männlichkeit, 1988, S. 311 ff.; vgl. Freud, S.,
Das Ich und das Es, 1992, S. 285
60 Vgl. Wellhöfer, P. R., Grundstudium Allgemeine Psychologie, 1990, S. 174 f.
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 17
dem durch eine Schwächung der Gegenbesetzung wie bspw. durch Träume oder Drogeneinfluss, häufig in verzerrter Form wieder ins Bewusstsein gelangen. 61 So erklären z. B. verdrängte sexuelle Strebungen, aus welchen Gründen sich jemand einer Sauberkeitskampagne mit dem Ziel die Pornographie auszurotten, anschließt, bei der er dann notwendigerweise das anstößge Material sorgfältig prüft. 62 Des Weiteren hat die Idee der Verdrängung auch eine starke anthropologische Tragweite. Freud selbst war sich bewusst, dass er damit nicht nur ein für das Individuum gewichtiges Phänomen beschrieb, sondern dass auch die Menschheit als Ganzes ihren Geisteshaushalt mit ständigen Verdrängungen bestreitet. Etwas Ängstliches in den Menschen wehrt sich gegen die Ausweitung und Änderung ihres Bewusstseinsfeldes und kämpft somit gegen neue Wahrheiten, die überlieferten Denkweisen widersprechen. Vor allem dann, wenn das bereits bestehende Denken Sicherheit und Angepasstheit zu gewährleisten scheint. 63
Sucht sich ein Motiv, welches an seiner Befriedigung gehindert wird ein Ersatzobjekt, mit dem es daraufhin zufrieden ist, spricht man von Verschiebung. Bei der Ersatzbefriedigung ist es dann unwichtig, gegen wen sich die Liebe oder Aggression richtet, es zählt nur, dass geliebt oder bestraft wird. 64
Bei der Projektion wird ein verdrängtes Motiv in der Umwelt bekämpft, da die Ver-
drängung nicht vollständig gelungen ist und die Gefahr besteht, dass die unerwünschte Regung ins Bewusstsein gelangt. Das Ich rettet sich, indem es dieses Motiv bzw. die eigene Schwäche und Unzulänglichkeit einer Person in der Umgebung zuschreibt und es dann an ihr negiert bzw. bekämpft. Eine Hysterikerin bspw., deren sexuelle Wünsche gegenüber Männern weitgehend verdrängt wurden, projiziert nun diese Wünsche auf die Männer generell, die ja doch nur ‚immer das eine wollen’ und geht ihnen deshalb aus dem Weg. Auch hier wird, wie bei den anderen Abwehrmechanismen, die Realität mehr oder weniger stark verzerrt. 65 Die Identifikation oder Introjektion besteht in der Übernahme von Motiven und Verhaltensweisen geschätzter Personen in der Umwelt. Sie bilden das Über-Ich und beeinflussen stark das Verhalten. 66
Bei der Rationalisierung handelt es sich um eine innere Ausrede, durch welche ein positives Selbstbild aufrechterhalten wird. Das Ich versucht sich gegen die Vorwürfe des Über-Ichs bei bestimmten Befriedigungen zu schützen. Wenn ein Vater bspw.
61 Vgl. Rattner, J.; Danzer, Grundbegriffe der Tiefenpsychologie und Psychotherapie, 2000, S. 49 ff.
62 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 535
63 Vgl. Rattner, J.; Danzer, G., Grundbegriffe der Tiefenpsychologie und Psychotherapie, 2000, S. 58
64 Vgl. Wellhöfer, P. R., Grundstudium Allgemeine Psychologie, 1990, S. 175
65 Vgl. ebenda, S. 175 f.; vgl. Rattner, J.; Danzer, G., Grundbegriffe der Tiefenpsychologie und Psy-
chotherapie, 2000, S. 23
66 Vgl. Wellhöfer, P. R., Grundstudium Allgemeine Psychologie, 1990, S. 175 f.
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 18
seine aggressiven Impulse durch Schläge an seinen Kindern abreagiert, kann er dies damit rationalisieren, dass er die Kinder auf die Härte des späteren Lebens vorbereiten will. 67
Das Ich versucht sich auch bei der Reaktionsbildung gegen die strengen Über-Ich-Gebote zu wehren. Tritt ein verbotener Impuls zum Vorschein, wird sofort der entgegengesetzte und gebilligte Antrieb mit einer meist übertriebenen Intensität aktiviert. Aus verbotenem Hass zu einem Menschen wird übertriebene Liebe. 68 Da es selten vorkommt, dass die einzelnen Abwehrmechanismen isoliert voneinander wirken, kommt es zu komplexen Verschränkungen. Des Weiteren kann das Individuum, anstelle sich für die Schuld an der verworrenen und Angst auslösenden Situation verantwortlich zu machen, diese bei anderen Gruppen entdecken. Indem nun die aggressiven Impulse auf diese Gruppe oder Minorität verschoben werden, können die eigenen Schuldgefühle abgebaut und die potentielle Konfliktsituation bewältigt und somit für das Ich angstfrei gestaltet werden. 69 Ein übermäßiger Gebrauch der Abwehrmechanismen macht die Neurose aus, da Neurotiker einen Großteil ihrer psychischen Energie darauf verwenden, nicht annehmbare Triebe umzulenken, zu verkleiden und neu zu kanalisieren, um dadurch ihre Angst zu reduzieren. Somit hat der Neurotiker kaum mehr Energie für ein produktives Leben oder befriedigende Beziehungen. 70 Durch das weithin erfolglose, willensschwache und ängstliche Leben, kämpft er umso stärker in seinen zwischenmenschlichen Beziehungen um Überlegenheit und Macht. 71
1.2.4 Die Sexualität in Verbindung mit den Geschlechterrollen
Die offensichtlichen biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden in allen Gesellschaften dazu benutzt, ihnen unterschiedliche soziale Rollen zuzuweisen, durch die ihre Einstellungen und ihr Verhalten geformt werden. Der weibliche Körper ist anatomisch und physiologisch anders gebildet und für andere biologische Aufgaben ausgestattet. So liegt bspw. die Muskelkraft einer Frau im Durchschnitt mindestens 20 bis 25 % unter der des Mannes. 72 Zu diesen natürlichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern wird noch eine zusätzliche kulturell und sozial bestimmte Unterscheidung der Geschlechter hinzugefügt und somit die einfachen körperlichen Faktoren immer mit komplexen psychischen Eigenschaften in Zu-
67 Vgl.Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 534; vgl. Rattner, J.; Danzer, G., Grundbeg-
riffe der Tiefenpsychologie und Psychotherapie, 2000, S. 23
68 Vgl. Wellhöfer, P. R., Grundstudium Allgemeine Psychologie, 1990, S. 176
69 Vgl. ebenda, S. 176
70 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 534
71 Vgl. Rattner, J.; Danzer, G., Grundbegriffe der Tiefenpsychologie und Psychotherapie, 2000, S. 81
72 Vgl. Brunotte, E.-R., Das Bild von der Frau - ein Vorurteil, 1984, S. 171
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 19
sammenhang gebracht. So reicht es nicht, dass ein Mann männlichen Geschlechts ist, er muss auch maskulin erscheinen und eine Frau kann nicht nur weiblichen Geschlechts sein, sie muss sich auch feminin verhalten. 73
Durch interkulturelle Vergleiche wird die Auffassung gestützt, dass die wesentlichen geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen gelernt sind. In den meisten Kulturen existiert jedoch ein männlich orientiertes, patriarchalisches System 74 , das dem Mann die meisten Rechte, mehr Freiheitsraum, größere Aktivität und Aggressivität, aber auch mehr körperlich harte Arbeiten zuweist. 75 Auch in unserer Gesellschaft erfreut sich das männliche Geschlecht einer sozial dominanten Rolle. Es kommt zu Rollenklischees, wonach die Frau das Bild und die Forderungen des Mannes übernimmt und der Mann zur Meßlatte wird. Beinhaltet die männliche Rolle unter anderem Dominanz, Überlegenheitsgefühl, Angstfreiheit, sozialer Erfolg und geringe Emotionalität, gehören zum weiblichen Rollenbild Unterwerfungsbereitschaft, Ängstlichkeit, geringerer sozialer Erfolg und hohe Emotionalität. 76 Von Frauen werden mehr soziale und altruistische Betätigungen erwartet als vom Mann, dem eher die Jagd und das Verteidigen der Gruppe obliegen. So sind weltweit fast alle Hebammen-Tätigkeiten weibliche und fast alle Kämpfe in kriegerischen Auseinandersetzungen männliche Beschäftigungen. 77
Durch die Erziehung lernen einerseits Jungen von Kindheit an, eine maskuline Rolle anzunehmen, die es ihnen ermöglicht, diese Position zu erreichen und auszufüllen und andererseits lernen Mädchen, eine untergeordnete feminine Rolle zu übernehmen. Von Jungs wird eher das Kontrollieren der Gefühle und von Mädchen eher Zärtlichkeit und Zuneigung erwartet. Unter dem Einfluss solcher Einstellungen, Beispiele und Erwartungen Erwachsener begreifen sich Kinder nach und nach auch selbst als sexuelle Wesen und lernen, wie die beiden Geschlechter miteinander in Beziehung stehen. 78
Diese Unterschiede des männlichen und weiblichen ‚Charakters’ werden dann als angeboren bezeichnet und dazu benutzt, die bestehenden Machtverhältnisse zu sichern. Hierbei gilt nur derjenige als normal und kann erfolgreich sein, der diese Verhältnisse akzeptiert. Die männliche soziale Rolle begünstigt maskuline Männer und
73 Vgl. http://www2.hu-berlin.de/sexology/ATLAS_DE/html/die_sozialen_rollen_von_mann_u.html,
Zugriff: 27.03.2005 (4)
74 Patriarchat = Gesellschaftsform, in der der Mann eine bevorzugte Stellung in Staat u. Familie inne-
hat u. in der die männliche Linie bei Erbfolge u. sozialer Stellung ausschlaggebend ist; griech. wörtl.
‚Vater-Herrschaft’
75 Vgl. Wellhöfer, P. R., Grundstudium Allgemeine Psychologie, 1990, S. 191
76 Vgl. Wickler, W.; Seibt, U., Männlich - Weiblich, 1990, S. 253
77 Vgl. ebenda, S. 248
78 Vgl. http://www2.hu-berlin.de/sexology/ATLAS_DE/html/das_erlernen_der_geschlechtsro.html,
Zugriff: 27.03.2005 (5)
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die weibliche soziale Rolle begünstigt feminine Frauen. Dies hat zur Folge, dass der aggressive Mann die erfolgreicheren Geschäfte betreibt und die hübsche und liebenswürdige Frau den reicheren Ehepartner findet. Maskuline und feminine Eigenschaften sind demnach Merkmale von Geschlechtsrollen, welche als Reaktion auf soziale Diskriminierung entwickelt werden. Wenn sie einmal entwickelt sind, rechtfertigen und fixieren sie diese Diskriminierung. 79
Allerdings gehen menschliche Wünsche und Fähigkeiten sehr häufig über die engen Grenzen der traditionellen Geschlechtsrollen hinaus und es bedarf ständiger, gemeinsamer Anstrengungen aller gesellschaftlichen Gruppen, diese Grenzen aufrechtzuerhalten. Da Männer im Glauben erzogen werden, Frauen seien sozial und sexuell passiv, kann es sie unter Umständen erheblich verwirren auf eine Frau zu treffen, die aktiv ist und bspw. beim Geschlechtsverkehr die Initiative ergreift. Folglich kann der Mann versucht sein, die Weiblichkeit dieser Frau anzuzweifeln. Wenn nun diese Zweifel aufgrund offensichtlicher Beweise nicht aufrechtzuerhalten sind, beginnt er möglicherweise an seiner Männlichkeit zu zweifeln, und es kommt nach Häberle zu sexuellen Störungen. Auf der anderen Seite kann ein sanfter und zurückhaltender Mann ausgelacht und als ‚pervers’ oder ‚schwul’ hingestellt werden, und von ‚richtigen Frauen’ nicht als ‚richtiger Mann’ betrachtet und somit als Sexualpartner abgelehnt werden. Die Meinung, dass es in jeder sexuellen Beziehung einen aktiven Partner, (den Mann) und einen passiven (die Frau) geben muss, zerstört nicht nur viele heterosexuelle Beziehungen, sondern beeinflusst auch das Verhalten Homosexueller, da selbst dort die Auffassung herrscht, dass es bei einem homosexuellen Paar einen aktiven, maskulinen und einen passiven, femininen Partner gibt. 80 In Wirklichkeit muss jedoch weder die sexuelle noch die soziale Rolle in dieser Weise festgelegt sein, da bspw. auch in einigen menschlichen Gesellschaftsformen die Rollenverteilung von Mann und Frau gerade umgekehrt ist. So untersuchte die Kulturanthropologin Mead verschiedene Südseekulturen und kam dabei zu dem Ergebnis, dass viele, wenn nicht gar alle weiblichen Wesenszüge, mit der eigentlichen Geschlechtszugehörigkeit nur schwach verknüpft sind. 81
An sich stellen unterschiedliche Geschlechtsrollen kein Problem dar, sondern können sehr bereichernd sein, solange ‚unterschiedlich’ oder ‚anders’ beim Menschen nicht gleichbedeutend mit über- oder untergeordnet ist. 82 Allerdings wird trotz Emanzipati-
79 Vgl.http://www2.hu-berlin.de/sexology/ATLAS_DE/html/die_sozialen_rollen_von_mann_u.html,
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80 Vgl. http://www2.hu-berlin.de/sexology/ATLAS_DE/html/die_sozialen_rollen_von_mann_u.html,
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81 Vgl. Wellhöfer, P. R., Grundstudium Allgemeine Psychologie, 1990, S. 191 f.
82 Vgl. http://www2.hu-berlin.de/sexology/ATLAS_DE/html/die_sozialen_rollen_von_mann_u.html,
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on und ‚sexuellem Empowerment’ 83 heutzutage noch immer das sexuelle Verhalten von Männern und Frauen unterschiedlich von der Gesellschaft bewertet (vgl. Kapitel
1.5.5 Doppelmoral) und noch häufig dominieren männliche Macht und Gewalt.
1.2.5 Die Sexualität im Zusammenhang mit Macht
Adler ist der Ansicht, dass der Mensch - Männer wie Frauen - Wertsteigerung anstrebt, um nicht in Machtlosigkeit zu verfallen und bezeichnet dies als ‚Männlichen Protest’. Der hierbei angesetzte Wert ist allerdings stark von den jeweils herrschenden kulturellen Maßstäben und der eigenen Willkür abhängig. Eine Hauptantriebskraft der menschlichen Psyche ist für Adler das universelle Minderwertigkeitsgefühl. Kinder - Jungen wie Mädchen - die unter verstärkten Minderwertigkeitskomplexen leiden, werden immer danach trachten, später ‚oben zu sein’, also zu herrschen. Der Wille zur Macht äußert sich somit im Verlangen‚ ‚ein ganzer Mann’ zu werden, wobei Männlichkeit mit ‚überlegen sein’ identifiziert wird. Die seit Urzeiten patriarchalischen Verhältnisse, die im Mann das ‚positive’ und in der Frau das ‚negative Prinzip’ sehen, also die bereits beschriebene und bis heute noch geltende Herrschaft des Mannes über die Frau spielen, dabei eine wesentliche Rolle. 84
Besonders deutlich wird dieser ‚Männliche Protest’ in der Prostitution, in der einerseits ein weibliches Wesen von einem Mann auf Zeit gekauft wird, andererseits jedoch auch zum Teil Macht seitens der Prostituierten ausübt wird....... Aber auch in allen sexuellen Perversionen kommt nach Adler der Wunsch nach Macht zum Ausdruck. Der Voyeur raubt der ahnungslosen Frau die Sphäre der Schamhaftigkeit und der Exhibitionist zeigt aggressiv, dass er ein Mann ist und erschreckt damit die Frau. In der Sado-Maso-Szene 85 wird Liebe in nackte Gewalt umgewandelt. Besonders in den Bereichen der erkrankten Sexualität kommt das Kampfverhältnis der Geschlechter, welches das Patriarchat seit Jahrtausenden produziert, stark zum Ausdruck. 86 C. G. Jung dagegen unterscheidet generell zwischen dem Trieb der Arterhaltung, welcher sich auf den Sexualtrieb bezieht und dem Trieb der Selbsterhaltung, der mit dem Machttrieb verbunden ist. Er betont die Interpretation der Grundtriebe von Freud und Adler, wonach, wie bereits beschrieben, nach Freud der Sexualtrieb bzw. die Arterhaltung im Vordergrund steht, während nach Adler der Machttrieb bzw. die Selbsterhaltung dominiert. Nach Jung müssen Arterhaltung und Selbsterhaltung als
83 Sexuelles Empowerment = aus feministischer Sicht, ein Prozess, der sich auf intellektueller Ebene
und auf Erfahrungsebene abspielt und bei dem Frauen lernen sollten, sexuelle Interaktionen sicher
und befriedigend zugleich zu gestalten.
84 Vgl. Rattner, J.; Danzer, G., Grundbegriffe der Tiefenpsychologie und Psychotherapie, 2000, S. 78 f
85 Sadomasochismus = Veranlagung, beim Ausführen u. Erdulden von Quälereien zu sexueller Erre-
gung, Lust zu gelangen
86 Vgl. ebenda, S. 83 f
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ontologisch 87 zusammenhängend gesehen werden, wobei im einen Menschen ersterer, im anderen letzterer Pol mächtiger ist. Beim Überwiegen des Sexualtriebs nimmt das Ich eine untergeordnete Stellung ein, wogegen die Liebe nur ein Mittel zur Macht wird, wenn der Machttrieb herrscht. Durch die Ableitung von zwei unterschiedlichen Einstellungstypen bildet Jung nun eine Synthese zwischen den Theorien von Freud und Adler und überträgt sie auf das allgemeine Verhalten. Steht der Machttrieb im Vordergrund, wird das Subjekt höher, das Objekt geringer gewertet. Diese Einstellung wird von Jung als Introversion bezeichnet. Wenn Freud den Sexualtrieb und die Beziehung zu Objekten betont und somit das Subjekt weniger beachtet, nennt Jung diese Einstellung Extraversion. Es kommt in jedem Menschen zu einer Gegensatzspannung zwischen dem Eros (Extraversion) und der Macht (Introversion) mit je verschiedenen Schwerpunkten, die sich auch bei der sexuellen Anziehung auswirkt. So neigt der Introvertierte zu einem extravertierten Partner, damit seine unbewussten extravertierten Anlagen kompensiert werden und umgekehrt. 88 Nach Foucault ist das Machtverhältnis, „immer schon da, wo das Begehren ist: es in einer nachträglich wirkenden Repression 89 zu suchen ist daher ebenso illusionär wie die Suche nach einem Begehren außerhalb der Macht.“ 90
Der Erste, der die Meinung vertrat, dass das Machtverhältnis in sexuellen Handlungen eine wissenschaftliche Tatsache sei, und somit normal, unvermeidlich und wesentlich für die sexuelle Lust, war Ellis im frühen 20. Jahrhundert. Er war überzeugt, dass sich der sexuelle Impuls beim Mann im Verlangen ausdrücke, die Frau zu verfolgen und zu erobern, während die sexuelle Lust der Frau zunächst aus der Vortäuschung von Widerstand und dann in der Auslieferung an den Mann bestehe. 91 In den Analysen der Sexualforscher über die Beziehung zwischen Sexualität und Gewalt ist allerdings die Vorstellung immer noch sehr lebendig, dass Macht ein inhärenter Bestandteil sexueller Aktivität und somit biologisch determiniert sei. Während die Sexualforscher gewöhnlich sorgfältig darauf achten, dass sexuelle Gewalt nicht entschuldigt wird, so trivialisieren sie doch durchgehend deren Auswirkungen auf Frauen oder unterstellen, dass Frauen sie provoziert oder sogar gewollt hätten. Die
87 ontologisch = die Ontologie (Lehre vom Sein, von den Ordnungs-, Begriffs-, u. Wesensbestimmun-
gen des Seiende) betreffend
88 Vgl. Beck, H.; Rieber, A., Anthropologie und Ethik der Sexualität, 1982, S. 72 f.
89 Repression = Unterdrückung individueller Entfaltung u. individueller Triebäußerungen durch gesell-
schaftlichen Strukturen u. Autoritätsverhältnisse
90 Foucault, M., Sexualität und Wahrheit, 1977, S. 101
91 Vgl. Jackson, M., Sexualwissenschaften und die Universalisierung männlicher Sexualität, 2000,
S. 106 f.
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Vorstellung einer Provokation passt somit nahtlos zu einem Modell von Sexualität als ein biologischer Trieb, ausgelöst durch die Frau als erotischer Stimulus. 92
1.2.6 Das Sexualverhalten
Die primäre Funktion des Sexualverhaltens ist aus biologischer Sicht die Weitergabe der eigenen Gene bei gleichzeitiger Erhöhung der Variabilität. 93 Allerdings ist diese Funktion für den Prostitutionstourismus nahezu irrelevant und wird somit nicht näher beleuchtet.
Da sich ein Mann über viele hundert Male im Jahr fortpflanzen könnte, wenn er genügend Partnerinnen zur Verfügung hätte, wogegen eine Frau maximal einmal im Jahr gebären kann und die anschließende Erziehung des Kindes einen hohen Zeit-und Energieaufwand erfordert, haben Männer und Frauen verschiedene Strategien, Emotionen und Motivationen entwickelt, die ihrem Sexualverhalten zugrunde liegen. 94
Der Evolutionspsychologe Buss unterscheidet grundsätzlich zwischen kurz und langfristigen Strategien. Der Mann, der sich zuerst treu und fürsorglich gibt, um dann die Frau, nachdem er sie verführt hat, wieder zu verlassen, verfolgt eine kurzfristige Strategie. Treue gegenüber der Partnerin und die Investition in das Großziehen der Nachkommen ist dagegen eine langfristige Strategie wie auch die weibliche Strategie, einen treuen Mann für sich zu gewinnen, der sie unter anderem beim Aufziehen ihrer Kinder unterstützt. Kontrovers ist die Frage, ob Frauen kurzfristige Paarungsstrategien entwickelt haben. Einige Wissenschaftler vertreten die Ansicht, dass sich wahlloser Sex für Frauen im evolutionären Sinn nie auszahle, da sie schwanger werden könnten, ohne einer männlichen Investition bei der späteren Kindererziehung gewiss zu sein. Andere dagegen argumentieren, dass kurze Beziehungen mit vielen, besonders älteren, reichen Männern gegen unmittelbare Belohnungen zumindest das kurzfristige Überleben der Frau sichern. 95 Auch die Existenz von Callboys oder bspw. der Beach Boys bestätigen kurzfristige weibliche Strategien. Die Untersuchungen von Buss deuten darauf hin, dass Frauen und Männer über alle Kulturen hinweg die gleichen evolutionspsychologisch voraussagbaren Verhaltensmuster aufweisen. Allerdings ändern sich die Risiken und Belohnungen durch die äußeren Lebensbedingungen. Trotz der Minderung der Risiken für Frauen durch die Möglichkeit der Schwangerschaftsverhütung und ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit,
92 Vgl. Jackson, M., Sexualwissenschaften und die Universalisierung männlicher Sexualität, 2000,
S. 106 ff.
93 Vgl. Becker-Carus, C., Allgemeine Psychologie, 2004, S. 466
94 Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 327
95 Vgl. ebenda, S. 327
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wird Sex auch heutzutage noch als ‚Geschenk’ von Frauen an Männer angesehen. Entweder im Tausch gegen unmittelbare, materielle Belohnung bei der kurzfristigen Paarung wie der Prostitution oder gegen eine langfristige Bindung und Unterstützung wie der Ehe. Obwohl zu erwarten wäre, dass menschliche Gefühle und Motivationen mit den technologischen und sozialen Entwicklungen Schritt halten, wenn soziale und sexuelle Emotionen als Reaktion auf äußere Lebensbedingungen erlernt wurden, scheinen die Paarungsstrategien gegen alle Veränderungen beständig zu sein. 96
Früchtel und Stahl unterscheiden drei Strategien bzw. Typen männlicher Sexualität, die sich durchaus in ein und demselben Mann verkörpern können und somit vielmehr als miteinander verflochtene und auseinander entstandene Schemata zu verstehen sind. Allerdings gibt es inzwischen auch in der weiblichen Sexualität Versuche der Angleichung an diese Sexualitätsformen:
Die Eroberungssexualität, in der sich das Männlichkeitsbild des Jägers und Kriegers wiederfindet, ist am wenigsten ‚politisch korrekt’ and am tiefsten in den Wunschbildern der von ihnen befragten Männer verankert, da Sexualität für Abenteuer, Spannung sowie Risiko steht. Das Ziel ist nicht die Unterwerfung des anderen Körpers, sondern dessen Bewusstseins, damit der Begehrende selbst zum Begehrten wird. 97 Das Hauptmotiv - die Eroberung - löst sich allerdings beim Erreichen des Ziels auf und somit steht das Bedürfnis seiner Befriedigung selbst im Weg und muss theoretisch ewig perpetuiert werden. 98
In der kompetenten (technischen) Sexualität, als Reaktion auf die behavioristischen Ansätze der Sexualwissenschaft, ist Sexualität der Vorgang, mit mehr oder weniger ausgefeilten Techniken, das Glück eines Paares herzustellen. 99 Es entsteht der Zwang zum idealen Orgasmus und somit das Paradox, dass Leidenschaft und Strategie parallelisiert und liebevolle Nähe mit technischer Distanz vereinbart werden müssen. 100
Die Erlebnissexualität dagegen resultiert aus dem modernen Bedürfnis nach Selbsterfahrung und Selbstverwirklichung, wonach Erlebnisse keine Begleiterscheinung mehr sind, sondern zum Handlungszweck werden. Die Sexualität wird zu einer Art außeralltäglichem Erlebnis, das im Alltag inszeniert und den Geboten der Selbstver-
96 Vgl.Zimbardo, P. G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 328 f.
97 Vgl. Früchtel, F.; Stahl, C., Das starke Geschlecht, 1996, S. 87ff.
98 Vgl. ebenda, S. 146 ff.
99 Vgl. ebenda, S. 133 ff
100 Vgl ebenda, S. 146 ff.
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 25
wirklichung unterworfen ist. 101 Es entsteht die Sehnsucht nach Beziehungen, die das komplette Selbst einschließen, während sich die Zwänge traditioneller Bindungen auflösen. 102
Gegenwärtig steht nicht mehr die mechanisch-energische Sichtweise der Sexualität im Vordergrund, da immer weniger Menschen die Sexualität als eine Kraft sehen, die Impulshaft jederzeit Macht über sie gewinnen kann. 103 Ziel ist nun die Suche nach Reizen sexueller und nicht sexueller Art, Vergnügungen sowie das Spiel mit der Ressource Sex, mit Erregungen und nicht Befriedigung im Sinne von Ruhe oder Bedürfnislosigkeit. 104 Die Psychologin Potts kam in einer Studie zum Ergebnis, dass der ‚delight of desire’, die ’sexiness’ der Lust dabei sind, die Orgasmusfixierung, also den Orgasmus als höchstes Ziel abzulösen. 105 Ebenso stellt Baumann die Triebtheorie auf den Kopf: „Verlangen verlangt nicht nach Befriedigung. Im Gegenteil, Verlangen verlangt Verlangen.“ 106 Somit wird der Körper zum Reizempfänger, und nicht mehr zum Sender der von Innen kommenden Triebimpulse. 107
Sexualität wird nun verstanden als phantasiereiches, erfinderisches, reziprokes Handeln und Erleben, als Ausdruck und Erfahrung von Intimität sowie als Beleg für Sensibilität und erotische Kompetenz. Für dieses beide Partner erfüllende Ideal, müssen jedoch Bedingungen erfüllt werden, die selbst bei glücklichen Paaren nicht so oft gegeben sind, wie Zeit füreinander, Lust, fühlbare oder gewünschte Nähe. 108 Somit wird Sexualität zwischen den Anforderungen der Arbeit und der Freizeit immer mehr zu einer Frage der Organisation. Es wird abgewogen, ob es sich lohnt Arbeit in eine Beziehung zu investieren, um sexuell versorgt zu sein, oder ob man sich den Sex dann doch lieber anderweitig organisiert, masturbiert oder enthaltsam lebt, während auf die nächste große Liebe gewartet wird. 109 Befriedigung und Spannungsreduktion stören den Erregungssucher. So wird der Orgasmus, einst Höhepunkt des Geschlechtsaktes, zum Zeichen aufzuhören - was eigentlich unerwünscht ist - oder zum Zeichen dass aufgehört werden soll, weil der Sex langweilig ist. 110 Sexualität wird entmystifiziert und entdramatisiert, ihre Kosten und Gewinne sachlich und effektiv kalkuliert. Anstelle des mächtigen, irrationalen Triebes tritt nun die Meta-
101 Vgl.Ammicht Quinn, R., Körper - Religion - Sexualität, 2000, S. 257
102 Vgl. Früchtel, F.; Stahl, C., Das starke Geschlecht, 1996, S. 175
103 Vgl. Schmidt, G., Das neue Der Die Das, 2004, S. 55
104 Vgl. ebenda, S. 163 f.
105 Vgl. ebenda, S. 66 f.
106 ebenda, S. 67
107 Vgl. Schmidt, G., Spätmoderne Sexualverhältnisse, 2000, S. 277
108 Vgl. Schmidt, G., Das neue Der Die Das, 2004, S. 73
109 Vgl. Walder, P., Körperkult und Sexualität in den neuen Jugendkulturen, 1998, S. 116
110 Vgl. Schmidt, G., Spätmoderne Sexualverhältnisse, 2000, S. 278
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 26
pher des ‚designten Verlangens’. 111 Da es einfacher ist, die Phantasie als das reale Leben zu designen, existieren nun nach dem Soziologen Gagnon zwei Sexualwelten parallel. Zum einen die Welt des Symbolischen, also des Träumens, und die Welt des Verhaltens, die dann den realen Geschlechtsakt betrifft. In der Phantasiewelt kann gespielt werden, man kann schöne Körper ansehen und Kontakte mit diesen haben, ohne materiell oder seelisch zu investieren. Beide Welten sind unabhängig und die reale sollte auch nicht der Phantasiewelt entsprechen. 112
Für den Sexualwissenschaftler Sigusch 113 ist Sexualität heutzutage eher eine allgemeine Selbstverständlichkeit, die eher negativ als Ungleichheit der Geschlechter, Gewalt, Missbrauch und tödliche Infektion mystifiziert wird und nicht mehr als Rausch oder Ekstase oder als die Metapher der Lust und des Glücks gilt. Während vor der ‚neosexuellen Revolution’ 114 Sexualität vor allem aus Trieb, Orgasmus und dem heterosexuellen Paar bestand, bestehen die Neosexualitäten hauptsächlich aus ‚gender difference’ 115 , Selbstliebe und ‚Thrills’. Somit bringen unter anderem folgende miteinander vernetzte Prozesse Neosexualitäten hervor:
Die Dissoziation der sexuellen Sphäre bedeutet insbesondere die diskursive Abtren-
nung und Überhöhung des geschlechtlichen Bereichs. Entscheidend ist somit nicht mehr das Triebschicksal, sondern die Geschlechterdifferenz verbunden mit einer Aufspaltung der geschlechtlichen Sphäre selbst i. S. von sex, gender role etc. So steht nicht mehr der Mann im Mittelpunkt, sondern die Frau und anstelle des Sexuellen das Geschlechtliche. Es kommt zur Aufspaltung des Bereichs des sexuellen Erlebens von der des Sexualkörpers, und zur diskursiven Trennung der libidinösen von der destruktiven Sphäre, wie der sexuellen Gewalt und des sexuellen Missbrauchs. 116
Der Prozess der Dispersion der sexuellen Partikel, Fragmente, Segmente und Lebensweisen erfolgt vor allem durch die Kommerzialisierung und Mediatisierung. Als Beispiel hierfür können Sex in der Werbung und die warenästhetische Indienstnahme des Erotischen und der Sexindustrie, von Kontaktanzeigen, Partnervermittlungen
111 Vgl. Schmidt, G., Das neue Der Die Das, 2004, S. 164
112 Vgl. Gagnon, J. H., „Sexual Conduct“ revisted., 1998, S. 364 f.
113 Vgl. Sigusch, V., Kritische Sexualwissenschaft und die Große Erzählung vom Wandel, 1998, S. 4
114 Sigusch ist der Meinung, dass es in den reichen Gesellschaften des Westens in den 80er und 90er
Jahren zu einer enormen Transformation der Sexualität kam und bezeichnet diese als neosexuelle
Revolution. Die Sexualität wurde zerlegt und wieder neu zusammengesetzt, wodurch Dimensionen,
Intimbeziehungen, Präferenzen und Sexualfragmente hervortraten die bisher verschüttet waren oder
keinen Namen hatten. Die Kulturform Sexualität verlor somit an Bedeutung.
115 In den 70er Jahren wurde die Differenzierung von sex und gender aus der anglo-amerikanischen
Debatte aufgegriffen. Es wird unterschieden zwischen körperlichen Geschlechtseigenschaften (sex)
und sozial bzw. kulturell erworbenen (gender).
116 Vgl. Sigusch, V., Kritische Sexualwissenschaft und die Große Erzählung vom Wandel, 1998, S. 5
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 27
über die Sexualität im Fernsehen bis hin zur Prostitution, zum Prostitutionstourismus und zum Kinderhandel aufgeführt werden. 117
Ein weiterer Prozess ist die Diversifikation und Deregulierung der Intimbeziehungen. Als Beispiele führt Sigusch v. a. die Entwertung der Herkunftsfamilie, das Schrumpfen zur Kleinstfamilie, in der ein Individuum seine eigene Familie ist, die Selbstdefinition und Pluralisierung ehemaliger Perversionen als gesunde Neosexualitäten, neue Scham-, Ekel-, Desensibilisierungs- und Zurückweisungsstandards an. 118
Freud und seinen Nachfolgern ist es gelungen, viele Sexualtabus zu zerstören und eine gewisse Offenheit und Unbefangenheit in diesem Bereich zu etablieren. Allerdings hat sich dadurch kaum Nutzen für die seelische und sexuelle Gesundheit der Menschen gezeigt. An die Stelle der ‚gehemmten Puritaner’ des Viktorianischen Zeitalters sind die ‚ungehemmten Genussmenschen’ der Konsumgesellschaft getreten, die zur Sexualität ein ebenso gestörtes Verhältnis wie ihre Großeltern aufweisen. Nach Rattner und Danzer hätte die Befreiung der Sexualität mit der Erziehung der Gefühle kombiniert sein müssen, da vor allem auch das Gefühlsleben, welches darüber entscheidet wie ein Mensch seine sexuelle Befriedigung sucht und gestaltet, unterentwickelt ist. 119
Nach Freud ist die Entstehung des Gefühls abhängig vom Triebverzicht, da sich Gefühle nur entfalten, wenn das triebhafte Bedürfnis blockiert werden kann. Echte Gefühle gegenüber Menschen oder Sachen treten nur dann auf, wenn sie in ihrem Eigenwert aufgefasst und nicht für die eigenen Zwecke missbraucht werden. Nach Adler werden Gefühle zeitlich früher im Seelenleben konstituiert als sexuelle Triebhaftigkeit, und das Bedürfnis nach zärtlicher Interaktion bleibt auch im späteren Leben fast stärker und fundamentaler als der Wunsch nach ‚triebhaften Abreaktionen’. Adler beschreibt in seiner Charakterlehre, dass vom Menschen jene Form von Triebverhalten gewählt wird, die seiner allgemeinen Charakterbeschaffenheit entspricht. Somit begründet nicht der Trieb den Charakter, sondern die Charakterstruktur bestimmt die vorherrschenden Triebmodalitäten. Nicht die speziellen Sexualtraumen der Kindheit sind somit seiner Meinung nach Auslöser für die sexuellen Anomalien des Alltags und die sexuellen Perversionen, sondern die Abwegigkeiten der frühen Charakterentwicklung. 120 Auch der Phänomenologe Scheler behauptet, dass Gefühle, die sich immer auf Werte beziehen, den Kern der menschlichen Persönlichkeit ausmachen
117 Vgl. Sigusch, V., Kritische Sexualwissenschaft und die Große Erzählung vom Wandel, 1998, S. 5 f.
118 Vgl. ebenda, S. 6 f.
119 Vgl. Rattner, J.; Danzer, G., Grundbegriffe der Tiefenpsychologie und Psychotherapie, 2000, S. 99
120 Vgl. ebenda, S. 99 ff.
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 28
und das somit nicht die Triebe, sondern das Gefühl oder Gemüt im Zentrum der Person stehen. 121
1.2.7 Abschließende Betrachtung
Abschließend kann gesagt werden, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse hinsichtlich der Einstellungen zur Sexualität, sexueller Verhaltensweisen und auch die Nachfrage nach Prostitution sozialen und historischen Wandlungen unterliegen. Dieser Wandel wird von der herrschenden Sexualmoral einer Gesellschaft, den unterschiedlichen Geschlechterbeziehungen und vielen weiteren Faktoren geprägt. 122 So haben sich die Sexualität und das Sexualverhalten im letzten Jahrhundert - von der sexuellen Restauration in den 1950er Jahren, über die sexuelle Revolution in den 1968er Jahren bis hin zur neosexuellen Revolution der 1980er und 1990er Jahre - stark verändert. 123 Heutzutage zeigt sich die Sexualität meist liberalisiert, demokratisiert und entdramatisiert. 124 Diese Veränderung war nur möglich, da sich auch das Moralbewusstsein der Gesellschaft hinsichtlich der Sexualität verändert und gelockert hat. Die Sexualmoral wird sich auch weiterhin verändern und dies muss nicht zwingend in die Richtung einer liberaleren Moral führen. Hier kann als Beispiel die USA aufgezeigt werden, da dort vor allem die herrschende Sexualmoral konservativer ist als noch vor einigen Jahren. Des Weiteren kann davon ausgegangen werden, dass verschiedene Generationen in einer Gesellschaft unterschiedliche Sexualmoralen und ein unterschiedliches Geschlechterrollenverständnis haben und dass folglich ebenso ein Unterschied im Sexualverhalten vorliegt. Außerdem kann grundsätzlich von einem unterschiedlichen Sexualverhalten von Männern und Frauen ausgegangen werden, wobei hier teilweise eine Angleichung zu beobachten ist. Individuen handeln aus unterschiedlichsten Motiven heraus. Meist angetrieben vom Streben nach Lust und der Vermeidung von Unlust müssen menschliche Handlungen unter Berücksichtigung dieser Motivationen und als Balance zwischen Eigeninteresse und Gemeinwohl beurteilt und betrachtet werden. 125
121 Vgl. Rattner, J.; Danzer, G., Grundbegriffe der Tiefenpsychologie und Psychotherapie, 2000,
S. 99 ff.
122 Vgl. Kleiber, D.; Wilke, M., Aids, Sex und Tourismus, 1995, S. 133 ff.
123 Vgl. Schmidt, G., Das neue Der Die Das, 2004, S. 153 ff.
124 Vgl. Schmidt, G., Spätmoderne Sexualverhältnisse, 2000, S. 278
125 Vgl. Dehner, K., Lust an Moral, 1998, S. 117
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 29
1.3 Die Moral
„Neosexualität ist eine neue Sexualform die sich den alten Ängsten, Vorurteilen und Theorien entzieht. Personen, die noch vor der sexuellen Revolution des 20. Jahr-hunderts als abnorm, krank, pervers und moralisch verkommen angesehen worden sind, profitieren von neu gewonnen Freiräumen in unserer Gesellschaft.“ 126 Jahrhunderte lang wurde Sadomasochismus und Fetischismus mit Folter und Mord bestraft und als perverse Krankheit angesehen. Heute können Hetero- und Homosexuelle zwischen den unterschiedlichsten Beziehungsformen frei wählen, ohne als abnormal bezeichnet zu werden. Dies ist nur möglich, da Sexualität heute durch das öffentliche Interesse der Medien nicht mehr mit dem Rausch, dem Höhepunkt und der Revolution assoziiert wird. Sexualität wird heutzutage banal vermarktet und gilt nicht mehr als Sprengstoff in der Öffentlichkeit. 127
Als sexuelle Normen werden Aspekte des Sexualverhaltens betrachtet, die Menschen in ihren bestimmten Kulturen erwerben und leben. Dabei legen verschieden Kulturen bestimmte Verhaltensregeln fest, die in dieser Kultur für angemessen gehalten werden und für den Ausdruck sexueller Impulse als normkonform gelten. 128 Somit ist die Moral ein wichtiger Bestandteil und unerlässlich im Zusammenleben der Menschen und schafft die Basis, bestehend aus einzelnen handelnden Personen, für eine Gesellschaft als Ganzes. 129
1.3.1 Definition Moral und Ethik
Der Begriff Ethik leitet sich von dem griechischen Wort Ethos (Gewohnheit, Sitte, Brauch) ab. Ethos ist mit dem lateinischen Wort mores gleichzusetzen, welcher dem Begriff der Moral zugrunde liegt. Nach Aristoteles beinhaltet der Begriff Ethos die Gewohnheit, die Sitte und den Brauch. Wer erzogen wurde, sein Handeln an dem, was Sitte ist, auszurichten, der handelt ‚ethisch’ und erkennt die Normen des allgemein anerkannten ‚Moralkodex’ an. Im engeren und eigentlichen Sinn handelt derjenige ethisch, der die überlieferten Handlungsregeln und Wertmaßstäbe nicht fraglos hinnimmt, sondern es sich zur Gewohnheit macht und überlegt das erforderliche Gute zu tun, welches sich dann zu einer Grundhaltung der Tugend und so zu seinem Charakter verfestigt. 130
126 o. V. Ratifizierter Sex - Liebe ist Verhandlungssache, 2005, S. 140
127 Vgl. o. V. ebenda, S. 140
128 Vgl. Zimbardo, G.; Gerrig, R., Psychologie, 1999, S. 330
129 Vgl. Parsons,T.; Shils,E., Toward a general Theory of Action, 1967, S. 16
130 Vgl. Pieper, A., Ethik und Moral, 1985, S. 19
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Ethik wird im Duden definiert als „Lehre vom sittlichen Wollen und Handeln des Menschen in verschiedenen Lebenssituationen“ 131 als „(allgemeingültige) Normen und Maximen der Lebensführung, die sich aus der Verantwortung gegenüber anderen herleiten.“ 132 Der Begriff der Moral wird wie folgt definiert: „Gesamtheit von ethischsittlichen Normen, Grundsätzen, Werten, die das zwischenmenschliche Verhalten in einer Gesellschaft regulieren, die von ihr als verbindlich akzeptiert werden.“ 133
1.3.2 Der Unterschied zwischen Moral und Ethik
Allgemein sind Ethik und Moral die Bräuche und Verhaltensnormen welche die Gewohnheiten und das Zusammenleben einer Gemeinschaft bestimmen. 134 Die Begriffe Moral und Ethik haben sich im allgemeinen Sprachgebrauch so ausdifferenziert, dass unter Moral die überlieferten Verhaltensnormen und unter Ethik die Theorie von Verhaltensnormen verstanden werden kann. 135 Eine ethische Entscheidung eines Individuums muss für andere nicht verbindlich sein, sofern die Entscheidung nur die persönliche Lebensgestaltung eines Menschen angeht und andere dadurch nicht beeinträchtigt. Im Gegensatz dazu gibt es moralische Regeln, die von jedem Individuum einzuhalten sind. Wobei die Moral die Bedeutung einer Schutzfunktion in der ethischen Lebensgestaltung eines Einzelnen hat. 136 So bezieht sich Ethik auf das Individuum und Moral gibt die Regeln für Interaktionen zwischen mindestens zwei Menschen vor. 137
1.3.3 Die Funktion von Moral
In sozialen Systemen hat die Moral die Funktion, Erwartungen und Erwartungserwartungen des Gegenübers zu erfüllen und nicht zu enttäuschen. Moralische Regeln führen also dazu, dass eine Person erwarten darf, was sie erwartet und andere Personen wiederum haben die Erwartung, dass sich andere Personen danach richten. Diese Erwartungen und Erwartungserwartungen sind demnach in den kategorischen Regeln enthalten, deren Summe wir Moral nennen. Bereits hier ist zu erkennen, dass moralische Regeln objektiv sind und nicht jedes Individuum frei ist, seine eigene Präferenzskala aus moralischen Werten zu bilden. Wäre dies möglich, würde das gesell-
131 Duden,Das Fremdwörterbuch - Band 5, 1997, S. 238
132 ebenda, S. 238
133 ebenda, S. 532
134 Vgl. Dehner, K., Lust an Moral, 1998, S. 21
135 Vgl. Biehl, P.; Johannsen, F., Einführung in die Ethik, 2003, S. 238
136 Vgl. Horster, D., Was soll ich tun?, 2004, S. 105
137 Vgl. ebenda, S. 106
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 31
schaftliche Handeln kollabieren. So sind also objektive moralische Regeln eine Notwendigkeit für das soziale Handeln. 138
Aus soziologischer Sicht hat Moral die Funktion, eine gesellschaftliche Ordnung zu schaffen, zu festigen und zu garantieren. 139
1.3.4 Abschließende Betrachtung
Menschen sind immer auf der Suche nach Werten und Normen. Die Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil im Leben aller Menschen und daher spielt die Moral in der Sexualität ebenfalls eine wichtige Rolle. 140
Bei zwischenmenschlichen Interaktionen ist die Moral unerlässlich. Da im Prostitutionstourismus mehrere Menschen agieren, muss auch hier eine Moral bestehen die bei Handlungen zwischen der Prostitutierten und dem Sextouristen für beide Partner gelten und verbindlich eingehalten werden.
138 Vgl. Horster, D., Was soll ich tun?, 2004, S. 41
139 ebenda, S. 43
140 Vgl. Auer, K.-H.; Frantsits, A., Sexualität zwischen Verdrängung und Befreiung, 1989, S. 42
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 32
1.4 Die herrschende Moral
Moralische Einstellungen kommen durch Handlungen zustande, die gefühlsmäßig missbilligt oder gebilligt werden und erfahren Zustimmung oder Ablehnung durch die Gesellschaft. Im Regelfall werden Gewohnheiten gebilligt und Nicht-Gewohnheiten missbilligt. 141
Nach Günther Patzig werden moralische Normen in einer Gemeinschaft wie folgt charakterisiert: 142
„Moralische Normen sind von Mitgliedern einer Gemeinschaft G bei ihrem Handeln als verpflichtend anerkannte Regeln [...] die sicherstellen sollen, dass Menschen in ihrem Tun und Unterlassen:
(a) mit den eigenen Bedürfnissen und Wünschen und
(b) den Bedürfnissen und Wünschen anderer Menschen (oder anderer hinreichend sensibler Lebewesen)
so umgehen, dass diese Bedürfnisse und Wünsche der von den Wirkungen ihres Handelns betroffenen Menschen (oder anderer hinreichend sensibler Lebewesen) nicht in einem unvertretbaren Umfang geschädigt oder bedroht werden; ob die Schädigung oder Bedrohungen vertretbar sind oder nicht, wird von den Mitgliedern von G nach in G im allgemeinen herrschenden Ansichten oder Überzeugungen beurteilt.“ 143 Die Problematik dieser Sichtweise besteht in der Beurteilung einer Handlung von einer Gemeinschaft, da verschiedene Individuen unterschiedliche moralische Auffassung haben und diese sich gegenüberstehen. Wichtig bei der Beurteilung ist, ob die Handlung eine unvertretbare Schädigung oder Bedrohung nach sich gezogen hat oder ziehen wird. 144
1.4.1 Verstoß gegen die herrschende Moral
Mit dem Begriff Moral wird, wie bereits erläutert, eine Vielzahl von Normen bezeichnet, welche von Mitgliedern einer Gemeinschaft anerkannt und im Allgemeinen befolgt werden. Werden diese Normen von einem Mitglied nicht befolgt, so wird dieses Fehlverhalten von den übrigen Mitgliedern sanktioniert. 145 Als Sanktionen werden die negative, evtl. auch strafende Reaktion auf ein bestimmtes Verhalten einer Person
141 Vgl. Schnur, P., Recht zwischen Macht und Moral, 2001 S. 48
142 Vgl. Kober, M., Moral als eine rational gewählte Institution einer Gemeinschaft, 2001, S. 202
143 ebenda, S. 202
144 Vgl. ebenda, S. 202 f.
145 Vgl. ebenda, S. 201
Die Sexualität aus psychologischer und moralischer Sicht 33
bezeichnet, die vom Betroffenen auch erkannt werden. 146 Auf jedes Individuum wird durch die Gemeinschaft sozialer Druck ausgeübt, sich an moralische Normen zu halten. Personen, die diese Verpflichtungen nicht akzeptieren, werden als pathologisch 147 betrachtet und Personen, die diese Verpflichtungen akzeptieren, aber nicht einhalten, werden bestraft. Von handelnden Personen kann die Befolgung moralischer Normen in einer Gesellschaft gefordert werden, da eine erwachsene Person moralische Verpflichtungen gegenüber Kindern, Tieren oder auch Pflanzen hat. Die Frage aber, ob Kinder und Tiere moralisch handeln können, bleibt ausgespart. 148
Nach Popitz bestehen drei unterschiedliche Verhaltenssequenzen in normrelevanten Situationen: 149
1. Eine Norm kann befolgt werden (Normkonformes Verhalten), 2. auf einen Normbruch kann eine Sanktion erfolgen (Sanktionierter Normbruch), 3. ein Normbruch bleibt ohne Sanktion (nicht sanktionierter Normbruch)
Abb. 1: Quantifizierung der Normgeltung (Quelle: Popitz, H., die normative Konstruktion von Gesellschaft,1980,
S. 34)
Als Verhaltensgeltung der Norm bezeichnet Popitz das Verhältnis zwischen der Anzahl der Situationen, in denen normkonform gehandelt wird, und der Gesamtzahl normrelevanter Situationen. Die Sanktionsgeltung der Norm kommt durch Abweichung und Sanktionierung einer Norm zustande, indem die Anzahl der sanktionierten Normbrüche im Verhältnis zu allen Normbrüchen gesehen wird. 150
146 Vgl. Popitz, H., Die normative Konstruktion von Gesellschaft, 1980, S. 28
147 pathologisch = Die Pathologie betreffend; Pathologie = die Wissenschaft von den Krankheiten,
bes.von ihrer Entstehung u. den durch sie hervorgerufenen organisch-anatomischen Veränderungen.
148 Vgl. Kober, M., Moral als eine rational gewählte Institution einer Gemeinschaft, 2001,S. 202 (zitiert
nach Kant, I., Kritik der praktischen Vernunft, §7, Band V, S. 56 f.)
149 Vgl. Popitz, H., Die normative Konstruktion von Gesellschaft, 1980, S. 34
150 Vgl. ebenda, S. 34 f.
Arbeit zitieren:
Sandra Wengertsmann, Annette Graf, 2005, Soziale Verantwortung im Tourismus - Die psychologischen Ursachen und die gesellschaftlichen Auswirkungen des Prostitutionstourismus und die damit verbundene soziale Verantwortung aller am Tourismus beteiligten Akteure, München, GRIN Verlag GmbH
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