Inhalt:
Inhalt: 2
1 Einleitung. 3
2 Der Weg zu Kleisthenes Reformen 4
2.1 Politisch-sozialer Hintergrund und Vorgeschichte. 4
2.1 Die Ereignisse der Jahre 508/507 v. Chr. 5
3 Die Reformen des Kleisthenes. 7
Exkurs : Die alte Ordnung. 7
3.1 Die Phylenreform - räumliche Neugliederung Athens und der Rat der Fünfhundert. 8
3.2 Die Militärreform. 13
3.3 Kleisthenes und der Ostrakismos 15
4 Mögliche Ziele der Reformen. 17
5 Fazit: Kleisthenes - Begründer der Demokratie? 20
Literatur. 23
2
1 Einleitung
Die Jahre um die Jahrhundertwende vom 6. zum 5. Jahrhundert v. Chr. gelten heute als die Übergangszeit von der archaischen Tyrannis zur klassischen Demokratie im antiken Griechenland. Zwei Personen traten damals auf den Plan, die eine gewichtige Rolle in den politischen Auseinandersetzungen jener Zeit einnahmen. Zum einen der Isagoras, Wortführer einer Gruppe Adeliger; und zum anderen jener Kleisthenes, dessen Reformen so bedeutend waren für die Entwicklung der athenischen Demokratie und dessen Wirken und Exponenten der Reformen die vorliegende Arbeit in Grundzügen näher zu beleuchten versucht.
Dieser Sachverhalt steht fest, wenngleich der Katalog dessen, was wir nicht wissen, viel länger ist. Die Beurteilung der Ereignisse im antiken Athen stellen ein Problem dar, da es um die Quellenlage nicht sonderlich gut bestellt ist 1 . Die uns heute bekannten Überlieferungen sind fast ausschließlich Abschriften, die im Mittelalter in Klöstern entstanden sind. Die Schrift „Der Staat der Athener“, deren Autor angeblich Aristoteles gewesen sein soll, stellt jedoch eine Ausnahme dar, denn es handelt sich um eine Papyrus-Abschrift, die in der trockenen Luft Ägyptens den Lauf der Zeit überdauerte. Die Entstehung wird auf das Ende des 1. oder auf Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. datiert. Neben zahlreichen Bedenken, ob Aristoteles tatsächlich der Autor gewesen sei, ist der Zeitpunkt der Entstehung ein weiteres Problem. Mehrere Hinweise in der Schrift deuten darauf hin, dass sie nicht vor 335/334 v. Chr. entstanden sein kann. Das würde bedeuten, dass die Aufzeichnungen des Aristoteles erst ca. 170 Jahre nach der Reformpolitik des Kleisthenes entstanden sind. Dennoch gilt in der Literatur die Aristotelesche „Athenaíon politeía“ als wichtige Quelle über Kleisthenes. Die Quellenlage verbessert sich erst ab dem Jahre 480 v. Chr.. Für Informationen insbesondere über Kleisthenes sind hier die Aufzeichnungen des griechischen Geschichtsschreibers Herodot zu nennen (um 490-425 v. Chr.), die auch aufgrund der größeren zeitlichen Nähe als zuverlässiger zu bewerten sind.
1 Raaflaub, Kurt A.: .Einleitung und Bilanz: Kleisthenes, Ephialtes und die Begründung der Demokratie., in:
Kinzl, Konrad H. (Hg.): Demokratia . Der Weg zur Demokratie bei den Griechen. Darmstadt 1995 (= Wege der
Forschung, Band 657), S. 1-54, S. 19.
3
2 Der Weg zu Kleisthenes Reformen
2.1 Politisch-sozialer Hintergrund und Vorgeschichte
Solon hatte 594/3 2 durch eine auf dem timokratischen Prinzip beruhenden Gesellschaftsordnung den Feudalstaat beseitigt und theoretisch besitzenden Nicht-Adligen die Möglichkeit geschaffen, am Staatsregiment mitzuwirken. Die inneren Auseinandersetzungen besonders um das Archontat konnten die solonischen Reformen jedoch nicht beenden.
Ferner bildeten sich in Attika drei politische Gruppen, die durch landschaftlich geprägte Interessen bestimmt wurden: die Großgrundbesitzer der Kephisosebene (Pediaker), die Bauern und Händler der Südküste (Paralier) und die ärmeren Kleinbauern aus dem gebirgigen Nordosten (Diakrier). Angeblich mit Hilfe der Diakrier gelang es im Jahre 546 Peisistratos, sich zum Tyrannen aufzuschwingen. Da diese aber keine starke politische oder militärische Kraft gebildet haben konnten, wird er sich eher geworbener Söldner und der Unterstützung auswärtiger Adliger bedient haben. Peisistratos entmachtete in politischer Hinsicht den Adel weitgehend. Viele Aristokraten wurden vertrieben oder gingen freiwillig ins Exil, andere wurden von der Politik ferngehalten, nur die ihm wohlgesonnen durften Ämter bekleiden, Widerstand wurde hart gebrochen. Das Volk wurde entwaffnet und der Rat und das Archontat mit seinen Anhängern besetzt 3 .
Die Tyrannis hatte jedoch durchaus positive Folgen. Attika erlebte unter ihr einen wirtschaftlichen Aufschwung. Peisistratos besteuerte alle besitzenden Athener; die Natur des Adelstaates, beruhend auf Abhängigkeiten, hatte vorher keine Finanzverwaltung zugelassen und so war eine allgemeine Ertragssteuer auch nie in Frage gekommen. Mit stets gefüllten Staatskassen wurden prächtige Bauten errichtet und große Feste ausgestaltet - sicherlich keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Mittellose, aber dennoch eine im Nebeneffekt arbeitsbeschaffende Maßnahme 4 . Im „Staat der Athener“ wird die Zeit seiner Herrschaft sogar als „goldene“ bezeichnet, seine Einstellung sei „volksfreundlich“ gewesen und er hätte sich durch „Menschenfreundlichkeit“ ausgezeichnet. Außerdem „setzte er in seiner
2 Alle Jahresangaben sind, wenn nicht anders gekennzeichnet, v. Chr..
3 Kienast, D., Die innenpolitische Entwicklung Athens im 6. Jh. und die Reformen von 508, In: HZ 200, 1965, S.
19-28, S. 269f.
4 Bleicken, Jochen, Die athenische Demokratie, Paderborn, München, Wien, u. A., 1995 4 , S. 34ff.
4
Herrschaftszeit der Menge in keiner Weise zu, sondern erhielt immer den Frieden und sorgte für Ruhe“.
Weiter führte er mobile Demenrichter ein 5 , die kleinere Streitfälle an Ort und Stelle schlichteten und löste mit ihnen die private Gerichtsbarkeit des Adels über seine Hörigen ab 6 .
Die solonische Grundordnung wurde während der Tyrannis nicht angetastet. Zwar fehlte in dieser Zeit die politische Komponente, doch vielleicht konnte sich gerade deshalb der gesellschaftliche Aspekt der solonischen Reform in dieser Zeit so etablieren. Ferner wurde durch die Konzentration aller politischen Angelegenheiten bei den Tyrannen auch die lokalen Einflüsse des Adels gemindert 7 .
Ins Exil gegangen war auch die Familie der Alkmeonieden. Von dort aus trieben sie den Sturz der Tyrannis voran. Durch den Wiederaufbau des Tempels in Delphi hatten sie es mit Kleisthenes an der Spitze geschafft, die Priester in Delphi davon zu überzeugen, sich gegen die Peisistratiden zu wenden 8 . Über den Einfluss der Priesterschaft gelang es vermutlich, die Spartaner und König Kleomens zum Eingreifen in Athen veranlassen, um die Tyrannis des Hippias zu stürzen 9 .
2.1 Die Ereignisse der Jahre 508/507 v. Chr.
Nach dem Sturz der Tyrannis des Hippias im Jahre 510 v. Chr. kam es in Athen zu heftigen Auseinandersetzungen über die politische Neugestaltung. In der Ablehnung der Tyrannis mögen sich die Athener, namentlich wohl hauptsächlich der Adel, einig gewesen sein. Dieser hoffte das nach dem Sturz der Tyrannis entstandene Machtvakuum durch eine Restauration seiner alten Machtstellung, die er unter der Tyrannis weitgehend eingebüßt hatte, ausfüllen zu können. In den Quellen treten hier zwei Protagonisten hervor 10 : auf der einen Seite Isagoras, über dessen Herkunft uns Herodot nicht viel zu sagen vermag, der schon bei Aristoteles als „Tyrannenfreund“ gilt 11 . Sein Gegenspieler war Kleisthenes, welcher aufgrund seiner Verdienste um die Beendigung der Tyrannis oft als „Tyrannenfeind“ bezeichnet wird. Diese
5 AP 16,5-8.
6 Kienast, Die innenpolitische Entwicklung Athens, S. 269.
7 Bleicken, Die athenische Demokratie, S. 39.
8 AP 19, 4.
9 Kienast, Die innenpolitische Entwicklung , S. 270.
10 Hd. 66.
11 AP 20,1.
5
Klassifizierung wird keinem der beiden gerecht. Hier herrschte keine prinzipielle Differenz bezüglich politischer Richtungen, weder zwischen Isagoras und Kleisthenes, noch zwischen einem der beiden und den Peisistratiden. Isagoras hatte sich lediglich der Tyrannis nicht widersetzt. Als Kleomenes in Athen gegen Hippias intervenierte, wurde Isagoras vom „Tyrannenfreund“ zum Gastgeber des spartanischen Königs. Er konnte aber weiterhin - mit dem Ziel, wieder eine streng oligarchische Herrschaft in Athen einzurichten - auch auf die Unterstützung peisistratidischer Anhänger zählen. Kleisthenes dagegen war als Archon im Jahre 525/4 ein Vertrauter des Peisitratos gewesen 12 . Zuletzt hatte er aus einem eigenen Herrschaftsanspruch gegen Hippias interveniert, aber nicht primär gegen dessen Herrschaftsform 13 .
Kleisthenes, der sich nach dem Exil nur noch auf eine kleine Gefolgschaft stützen konnte, unterlag erst in diesem Machtkampf. 508 wurde Isagoras zum Archon gewählt und besetzte den Rat mit seinen Anhängern. Doch Kleisthenes verstand es nun, das Volk auf seine Seite zu bringen 14 . Wahrscheinlich unter Umgehung des Rates legte er der Volksversammlung seine Reformpläne vor. Mit dem Demos auf seiner Seite wurde Kleisthenes nun ungleich mächtiger als sein Gegenspieler. Isagoras scheint zu schwach gewesen zu sein, um diese Reformen zu verhindern; Aristoteles legt die Reformen zeitlich in dessen Archontat 15 . Als im Jahre 407 auch noch ein Alkmaion das Archontat erlangte, wandte sich Isagoras an Sparta. Kleomenes griff ein und vertrieb Kleisthenes und mit ihm weiter 700 Familien aus Athen 16 . Doch der Versuch, den Rat 17 aufzulösen, bzw. ihn mit 300 Anhängern des Isagoras zu besetzen und wieder ein oligarchisches System mit ihm an der Spitze einzuführen, scheiterte an dem überraschenden Widerstand des Rates und des von ihm zur Wehr aufgerufenen Volkes. Die Spartaner wurden vertrieben und die Anhänger des Isagoras hingerichtet. Die Alkmeoniden kehrten mit Isagoras nach
12 Rausch, M., Kleisthenes, Isagoras, der Rat und das Volk: die athenische Innenpolitik zwischen dem Sturz der
Tyrannis und dem Jahr 507 v.Chr., Chiron 28, 1998, S. 355-369, S. 358ff.
13 Schaefer, H., Besonderheit und Begriff der attischen Demokratie im 5. Jahrhundert, in: Synopsis. Festgabe für
Alfred Weber, 1948, S. 477-503 (= ders.: Probleme der alten Geschichte. Gesammelte Abhandlungen und
Vorträge, 1963, S. 136-152), S. 480.
14 Hd. 5,69; populäre Initiativen des Kleisthenes vgl. Rausch, Kleisthenes, S. 360f.
15 AP 21,1.
16 AP, 20, 2-3.
17 Hd. 72; welcher Rat hier genau gemeint ist, kann ich nicht beurteilen. Nicht unwahrscheinlich ist, dass es sich
um einen provisorischen Rat des Kleisthenes handelt (vgl. Rausch, Kleisthenes, S. 363).
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Hannah Schelter, 2003, Die Kleisthenischen Reformen und ihr politisch-sozialer Hintergrund, München, GRIN Verlag GmbH
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