2
Inhalt
1 Einleitung. 3
2 Wildungs Kritik am Anfang einer Kampagne gegen Diem. 6
3 Die ersten Vorbehalte gegen Diem. 9
3.1 Whites Einspruch gegen Diem. 9
3.2 Dixons Mithilfe. 10
3.3 Die Resolution des Zonen- Erziehungsrat. 10
3.4 Die Zustimmung des Kultusministerium. 12
4 Die zweite Kampagne gegen Diem. 13
4.1 Der Presseartikel gegen Diem: Vorwurf des Militarismus. 14
4.2 Diems Rechtfertigung. 15
4.3 Die Rehabilitierung Diems. 21
5 Fazit. 24
6 Literaturverzeichnis 26
3
1. Einleitung
Carl Diem (1882-1962) war nicht nur eine herausragende, weltweit geachtete und einflussreiche Persönlichkeit des deutschen und olympischen Sports, sondern auch ein Sportfunktionär, der immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik stand.
Diem war Vorsitzender des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (1908-1913), Generalsekretär des Organisationskomitees für die in Berlin 1916 vorgesehenen Olympischen Spiele, Prorektor der Deutschen Hochschule für Leibesübungen Berlin (1920-1933) und Generalsekretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, des ersten Dachverbandes des deutschen Sports seit seiner Gründung 1917 bis 1933. Als Generalsekretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen (DRA) war er an vielen Entwicklungen mitbeteiligt, die eine erhebliche Besserstellung des Sports in der Gesellschaft zur Folge hatten. Seinen weltweiten Ruf als „Mister Olympia“ erwarb er sich durch seine Tätigkeit als Generalsekretär des Organisationskomitees der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Nach den Olympischen Spielen war Diem weiterhin für den Sport tätig und bekleidete mehrere Ämter, unter anderem war er Leiter der Auslandsabteilung des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen (NSRL) und damit sowohl für die Belange der deutschen Sportler außerhalb Deutschlands als auch für die internationalen Beziehungen des NSRL zuständig. Nach dem Krieg gehörte er den Vorständen des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und des Deutschen Sportbundes (DSB) an, fungierte einige Zeit (1949-1954) als Sportreferent der Bundesregierung u nd war Gründungsrektor der Deutschen Sporthochschule in Köln; er wurde zum Professor ernannt und erhielt mit dem Großen Bundes-Verdienstkreuz eine herausragende Auszeichnung von staatlicher Seite. Zu den großen Leistungen Diems zählen nicht nur seine Tätigkeiten als Organisator, Manager und Sportfunktionär, sondern auch seine publizistischen und wissenschaftlichen Arbeiten. Er schrieb über 50 Bücher - darunter eine zweibändige „Weltgeschichte des Sports“ -hunderte von Aufsätzen und hielt zahlreiche Vorträge. Viele Städte und Gemeinden in Deutschland haben wegen seiner Verdienste Straßen, Plätze,
4
Sportstätten und Preise nach Carl Diem benannt (vgl. P. Röthig 2004, S. 140 f.).
In den vier Abschnitten der deutschen Geschichte, in denen Diem wesentlich die Entwicklung von Gymnastik, Turnen, Spiel und Sport in Deutschland prägte, wurde er aber auch immer wieder kritisiert: In den 1920er Jahren von den Turnern, weil Diem den internationalen, olympischen Sport förderte; im „Dritten Reich“ von den Nationalsozialiste n, die Diem als „weißen Juden“ beschimpften, weil er Verbindungen zu jüdischen Mitarbeitern und Studenten unterhielt; in den 1950er Jahren von der DDR, weil er als Vertreter der als „revanchistisch“ angesehenen Politik Adenauers angesehen wurde; von einigen ehemaligen Arbeitersportlern und -funktionären in der SPD, weil er beim Aufbau des Sports in der Bundesrepublik Deutschland das Prinzip der Fachverbände favorisierte. In den letzten Jahren hat sich immer wieder eine öffentliche Debatte am Verhalten Diems im „Dritten Reich“ entzündet. So wurde beispielsweise mit Hinweis auf Diems Veröffentlichungen in der Zeitung „Das Reich“ kritisiert, er hätte der nationalsozialistischen und militaristischen Ideologie dieser Zeit näher gestanden, als von ihm zugegeben wurde. Im Mittelpunkt dieser Kritik steht eine Ansprache, die Diem im Frühjahr 1945 vor Angehörigen der Hitlerjugend und des Volkssturms auf dem Reichssportfeld in Berlin hielt und in der er versucht haben soll, seine Zuhörer für den „Heldentod“ zu begeistern. Diese jüngere kritische Diskussion um Diem hat dazu geführt, dass in einigen Städten nach Carl Diem benannte Straßen und Plätze nun wieder umbenannt werden (vgl. ebd.).
Erste Bedenken gegen die Person Diems gab es jedoch schon gleich nach dem zweiten Weltkrieg und führte vor allem 1947 bei der Errichtung der Sporthochschule Köln zu Widerständen. Die vorliegende Arbeit befasst sich daher näher mit der kritischen Gründungsphase der Sporthochschule Köln, an der Diem im Alter von 65 Jahren zum Leiter ernannt wurde. Der „politische Sturm“ gegen die Person Diems bereitet der Sporthochschule besonders im ersten und zweiten Semester große Schwierigkeiten und hält sie in ihrer Entwicklung auf. Schon kurz nach der Bekanntgabe der Hochschulöffnung treten vereinzelte Bedenken auf: Fritz Wildung befürchtet, dass Diem die Kölner Hochschule unpolitisch führen werde. Wildung veröffentlichte seine Kritik in einem Presseartikel vom 19.05.1947 und steht daher am Anfang einer
5
Kampagne gegen Diem, die dann ab Juni 1947 bis zum Ende des Jahres in voller Stärke geführt wurde. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich also zuerst mit dem Presseartikel von Wildung. Anschließend werden dann die ersten Vorbehalte gegen Diem durch den Einspruch des Kontrolloffiziers White , die letztendlich zum Gründungsaufschub der Sporthochschule geführt haben, näher betrachtet. Und das dritte Kapitel untersucht, wie Diem sich in einer zweiten Kampagne gegen die Vorwürfe des Militarismus aus der „Rheinischen Zeitung“ rechtfertigte.
Diese Arbeit bezieht sich vor allem auf die Literatur von Werner Körbs „Vorgeschichte und Gründung der Sporthochschule Köln (1946 - 1948)“. W. Körbs kannte den Gegenstand seines Themas aus unmittelbarer Anschauung. Er war bis zum Tode Diems (1962) einer seiner engsten Mitarbeiter. Er vertrat anschließend als Professor die Fächer Methodik und Geschichte der Leibesübungen und bekleidete mehrere Jahre das Amt des Rektors (vgl. W. KÖRBS 1986, S. 12).
6
2. Wildungs Kritik am Anfang einer Kampagne gegen
Diem
Nachdem die Hochschuleröffnung im Mai 1947 bekannt gegeben wurde, stiegt das öffentliche Interesse an: Bis Ende Mai waren etwa 600 schriftliche Anfragen eingegangen. Zur Aufnahmeprüfung wurden 250 Bewerber aus allen Besatzungszonen einberufen (vgl.a.a.O., S. 63). Die Öffentlichkeit reagierte also fast einstimmig positiv. Vereinzelte Bedenken bezogen sich nicht so sehr auf dem akademischen Auftrag und den Bildungsplan der Hochschule als auf mögliche politische Gefahren. So der Beitrag von Fritz Wildung in „Der Sozialdemokrat“ vom 19.05.1947. Wildung war seit 1907 Redakteur der „Arbeiter-Turn-Zeitung“, sowie Leiter der Arbeiter-Turn- und Sportschule in Leipzig und 1912 Geschäftsführer der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege (vgl. a.a.O., S. 60). Nach 1945 stand Wildung als einer der Ersten als Sozialdemokrat und Sportler den Neuaufbauern zur Seite und befürchtete, dass Diem die Kölner Sporthochschule „unpolitisch“ führen werde (s. Abb.2):
Abb.2: F. WILDUNG, Neue Hochschule für Leibesübungen, in: Der Sozialdemokrat Nr. 114/2 vom 19.5.47
Entnommen aus: W. KÖRBS 1986, S. 223
7
Wildung begründet seine Befürchtungen, dass Diem die Kölner Hochschule „unpolitisch“ führen werde, aus der Entwicklung der früheren Hochschule für Leibesübungen Berlin heraus und verwies auf die damalige Leitung der Studentenschaft, die zuletzt in den Händen der Nazianhänger lag und eine entsprechende Propaganda entfalteten. Diem selbst hatte zwar an dieser Entwicklung keinen Anteil, konnte aber als Prorektor der Deutschen Hochschule für Leibesübung Berlin die politische Entartung nicht verhindern. Wildung forderte daher ausdrücklich eine Instanz zur politischen Überprüfung der Sporthochschule Köln (vgl. ebd.).
Diem hat auf die Bedenken Wildungs, die er als eine Art politischer Pflichtübungen angesehen haben mag, sehr zurückhaltend reagiert (s. Abb.3):
Abb.3: Brief DIEM an BUSCH vom 30.5.1947
Entnommen aus: W. KÖRBS 1986, S. 224
Arbeit zitieren:
Maria Priebst, 2005, Der "politische Sturm" um Carl Diem als Leiter der Sporthochschule Köln, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Magische Dreieck - Medien, Wirtschaft, Sport
Sport - Sportökonomie, Sportmanagement
Hausarbeit, 29 Seiten
Ein Vergleich von populärer Kultur und Religion am Beispiel des Fußbal...
Hausarbeit, 18 Seiten
Das Geschlechterverhältnis in der Moderne: Individualisierung und Plur...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 18 Seiten
Zu: John R. Searle - Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichk...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Rezension / Literaturbericht, 21 Seiten
Pädagogische Perspektiven im Schulsport - Das Fach Sport in der Schule
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Hausarbeit, 31 Seiten
VWL - Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Die Funktion von rituellen Handlungen in Verbindung mit Emotionen
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 16 Seiten
Internationale Verhandlungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt
Seminararbeit, 32 Seiten
Die Bedeutung des Coming-out für die Sozialisation schwuler und lesbis...
Soziologie - Kinder und Jugend
Hausarbeit, 30 Seiten
Hesse lesen - Die „Siddharta“-Rezeption von den Anfängen bis heute
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Karl der Große - Kaiser wider Willen ?
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 10 Seiten
Sport, Medien, Kommerz - Die Kommerzialisierung des Sports durch die M...
Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Maria Priebst's Text Der "politische Sturm" um Carl Diem als Leiter der Sporthochschule Köln ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Maria Priebst hat den Text Der "politische Sturm" um Carl Diem als Leiter der Sporthochschule Köln veröffentlicht
Maria Priebst hat einen neuen Text hochgeladen
Köln Rot. Sozialdemokratische Politik von 1945 bis heute
Sozialdemokratische Politik vo...
Jochen Ott, Thomas Deres, Wolfgang Uellenberg-van Dawen
Carl Schmitt. Die Militärzeit 1915 bis 1919
Tagebuch Februar bis Dezember ...
Ernst Hüsmert, Gerd Giesler
Köln. Ein Architekturführer. / An architectural Guide
Alexander Kierdorf, Wolfram Hagspiel, Jean-Marie Clarke, Jeanne Haunschild
0 Kommentare