Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Grundlegendes zum Thema „Analphabetismus“ 1
2.1 Definition von Analphabetismus 1
2.2 Ursachen von funktionalem Analphabetismus. 2
2.3 Verbreitung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland. 3
3 Die „LuTA-Studie“ 4
4 Das erste internetgestützte Lernportal für Analphabeten:
www.ich -will-schreiben-lernen.de 4
4.1 Die Entstehung von www.ich-will-schreiben-lernen.de 5
4.2 Aufbau von www.ich-will-schreiben-lernen.de. 5
4.3 Möglichkeiten für Lerner: anonym oder kursbegleitet 5
4.3.1 Der Einstieg 6
4.3.2 Verschiedene Übungsformen 8
4.3.3 Funktionen zur Erfolgskontrolle und Begleitung des Lernprozesses 16
4.4 Möglichkeiten für Lehrer. 17
5 Fazit 17
6 Literaturverzeichnis 19
1
1 Einleitung
Der funktionale Analp habetismus wird in Deutschland in zunehmendem Maße als Problem begriffen. Dies lässt sich unter anderem aus den Maßnahmen der Bildungseinrichtungen schließen: Vermehrt werden Kurse von Volkshochschulen für erwachsene Analphabeten angeboten, Hotlines für Betroffene werden geschaltet und auch die Politik nimmt sich des Problems an. Durch die PISA-Studie ist offenbar geworden, dass vielen deutschen Schulkindern selbst fundamentale Lese- und Schreibkenntnisse fehlen. Es ist zu vermuten, dass unter ihnen viele Kinder sind, die bei fehlender gezielter Förderung einem hohen Risiko ausgesetzt sind, zu funktionalen Analphabeten zu werden.
Um auch die modernen Medien bei der Bekämpfung des Analphabetismus einzubeziehen, wurde das Projekt APOLL („Alfa-Portal Literacy Learning“) ins Leben gerufen. 1 Durch die Anonymität des I nternets bietet es lernwilligen Analphabeten einen
niederschwelligen Zugang. Die vorliegende Arbeit klärt zunächst in kurzer Form über die Grundlagen zum Thema Ana lphabetismus auf (Kapitel 2). Es folgt in Kapitel 3 eine Zusammenfassung der so genannten „LuTA-Studie“, die Lebenssituation und Technik-Ausstattung von funktionalen Analphabeten untersucht hat. In Kapitel 4 geht es dann um das Lernportal von APOLL. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Übungen des Lernportals, die in Beispielen vorgestellt werden, um dem Leser einen ersten Einblick in die Funktionsweise des Portals zu ermöglichen. Das Fazit in Kapitel 5 bietet eine Bewertung des Lernportals.
2 Grundlegendes zum Thema „Analphabetismus“
2.1 Definition von Analphabetismus
Man unterscheidet zwischen totalem, primärem, funktionalem und sekundärem Ana lphabetismus des Erwachsenen. Der totale Analphabetismus spielt in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. Er liegt bei Personen vor, die keine Buchstaben schreiben und nicht lesen können. Dies ist vor allem der Fall bei Menschen mit
1 Zum Projekt Apoll siehe auch Kapitel 4.1.
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schweren körperlichen oder geistigen Behinderungen, die den Schriftspracherwerb stark erschweren oder unmöglich machen (vgl. Döbert/Hubertus 2000: 20). Eine Untergruppe der totalen Analphabeten sind die primären Analphabeten: Sie haben als Migranten in ihrem Heimatland keine ausreichende Schulbildung genossen und daher nie richtig schreiben und lesen gelernt (vgl. Döbert/Hubertus 2000: 20). Den weitaus größten Teil der Analphabeten (siehe Kapitel 2.3) machen in Deutsch-land die funktionalen Analphabeten aus. Diese können zwar ihren Namen und andere einfache Wörter schreiben, sie haben aber keine ausreichenden Schreibkenntnisse, um ohne fremde Hilfe den Mindestanforderungen der Gesellschaft an Schreib-und Lesefertigkeiten zu genügen. Somit kann es auch sein, dass ein Alphabet wieder zu einem funktionalen Analphabeten wird, nämlich dann, wenn er den steigenden Anforderungen der Gesellschaft an die Schreib- und Lesekompetenz nicht mehr gerecht wird (vgl. Döbert/Hubertus 2000: 20-22).
Sekundäre Analphabeten sind Personen, die zwar durch ihre Schulbildung alphabetisiert worden sind, ihre Fähigkeiten zur Verwendung der Schriftsprache aber wieder verlernt haben, weil diese nicht mehr im Alltag genutzt wurden (vgl. Döbert/Hubertus 2000: 23).
2.2 Ursachen von funktionalem Analphabetismus
Die Ursachen des funktionalen Analphabetismus sind vielfältig. Nachdem 1912 ganz Deutschland offiziell als alphabetisiert galt, kam es erst Ende der 1970er Jahren wieder zu Diskussionen über Analphabetismus in Deutschland (vgl. Döbert/Hubertus 2000: 18). Aufgrund erhöhten Zulaufs für die Rechtschreibkurse der Volkshochschulen trat zutage, dass es in Deutschland eine nicht unerhebliche Zahl an funktionalen Analp habeten gab, die wegen der sich verschlechternden wirtschaftlichen Situation und einer daraus folgenden hohen Arbeitslosigkeit nun gezwungen waren, sich den gestiegenen Anforderungen von Wirtschaft und Gesellschaft zu stellen. Da gute Kenntnisse in Lesen und Schreiben von vielen Arbeitgebern zum Einstellungskriterium erhoben wurde, wurde es für funktionale Analphabeten immer schwieriger, trotz ihrer mangelnden Fähigkeiten einen Job zu bekommen. Auch die Anforderungen im Arbeitsalltag hatten sich verschärft: Reichte es beispielsweise als Lagerarbeiter früher aus, seinen Namen schreiben zu können, so wurde nun erwartet, Eingaben in elektronische Geräte zu machen und Formulare auszufüllen. Durch die Technisie-
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rung des Alltages (Automatisierung) wurden auch einfache Erledigungen wie der Kauf eines Fahrscheines immer schwieriger.
Diese Entwicklung in Deutschland zeigt eine der Ursachen des heutigen funktionalen Analphabetismus auf: Die Mindestanforderungen an die Lese- und Schreibfähigkeit sind gestiegen und sie steigen weiterhin. Wer nicht in der Lage ist, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, weil Lesen und Schreiben beispielsweise zu wenig geübt und somit wieder verlernt wird, kann in den funktionalen Analphabetismus abrutschen. Auch das Schulsystem kann Ursache für funktionalen Analphabetismus sein: Schüler, die in der Grundschule keine ausreichenden Lese- und Schreibkenntnisse erworben haben, werden aufgrund von Überlastungen der Lehrer in die jeweils nächste Schulstufe versetzt, obwohl ihnen hierfür die Grundkenntnisse fehlen. Die Schulpflicht ist nach 10 Schuljahren erfüllt, auch ohne fundamentale Kenntnisse im Lesen und Schreiben (vgl. Döbert/Hubertus 2000: 42). Eine weitere Ursache sind die Verhältnisse in vielen Familien in Deutschland, in denen Lesen und Schreiben nur eine untergeordnete Rolle spielen. Diese Fertigkeiten werden dadurch nicht im Familienalltag eingeübt (vgl. Döbert/Hubertus 2000: 45).
2.3 Verbreitung des funktionalen Analphabetismus in
Deutschland
Es liegen derzeit keine verlässlichen empirischen Daten über die Verbreitung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland vor. Dies liegt zum einen daran, dass die genaue Definition von funktionalem Analphabetismus sehr schwierig ist. Andererseits ist das Thema noch immer mit einem Tabu belegt. Betroffene schämen sich und entziehen sich empirischen Methoden der Erfassung. Dennoch geht zum Beispiel der Bundesverband Alphabetisierung von 4 Millionen funktionalen Analphabeten in Deutschland aus (vgl. Döbert/Hubertus 2000: 29). Diese Zahl wird durch verschiedene Studien gestützt, die zum Beispiel das Leseverstehen der Bevölkerung empirisch untersucht haben. Aber auch diese Zahl stellt lediglich eine grobe Schä tzung dar, weil aus den herangezogenen Studien nur mittelbar auf eine Größenord- nung des funktionalen Analphabetismus geschlossen werden kann.
4
3 Die „LuTA-Studie“
Die so genannte „LuTA 2 -Studie“ wurde vom Projekt APOLL im Frühjahr 2003 durchgeführt und untersuchte die Lebensumstände und die technische Ausstattung von funktionalen Analphabeten in Deutschland. Hierzu wurden empirische Daten gesammelt durch eine Fragebogenaktion für Lerner, die in verschiedenen VHS unter Mithilfe von Alphabetisierungslehrern durchgeführt wurde (vgl. Fiebig 2003: 3). Insgesamt wurden 1015 Fragebögen ausgewertet. Ziel der Studie war es unter anderem, die Möglichkeiten der Alphabetisierung über das Internet zu erkunden. Das Ergebnis: 42 Prozent der Befragten verfügen über einen PC, 38 Prozent haben Zugang zum Internet (vgl. Fiebig 2003: 6). Auf der anderen Seite allerdings geben 64 Prozent der Befragten an, das Internet nie zu nutzen und nur 18 Prozent verfügen über eine eigene E-Mail-Adresse (vgl. Fiebig 2003: 6-7). Die Bereitschaft, am PC zu lernen, ist jedoch recht ausgeprägt: 43 Prozent der Befragten geben an, eine hohe bis sehr hohe Bereitschaft hierzu zu haben (vgl. Fiebig 2003: 17). Die Verfasser der Studie kommen zu der Schlussfolgerung:
Da E-Learning [...] in der Regel von gut ausgebildeten und hoch motivierten Lernern am häufigsten als Lernangebot gewählt wird, ist anzunehmen, dass ein derartiges Angebot in der Zielgruppe allein schon deshalb positiv bewertet wird, da es Anonymität wahrt und nur wenig Assoziationen mit den bisherigen Lernerfahrungen in der Schule antizipiert werden. (Fiebig 2003: 17)
Zusammenfassend ist festzustellen, dass ein Internetportal für Analphabeten sinnvoll sein kann, da eine ausreichend hohe Zahl von Analphabeten in Deutschland über die notwendigen Mittel zur Nutzung eines solchen Angebotes verfügt. Im folgenden Kapitel wird das APOLL-Lernportal vorgestellt.
4 Das erste internetgestützte Lernportal für Analphabeten: www.ich-will-schreiben-lernen.de
Seit dem 8. September 2004 ist das Lernportal www.ich-will-schreiben-lernen.de im Internet online. In diesem Kapitel sollen die Entstehung, der Aufbau und die Möglichkeiten, die dieses Lernportal bietet, näher beleuchtet werden.
2 „LuTA“ = „Lebenssituation und Technikausstattung funktionaler Analphabeten“ (Fiebig 2003: 1).
Arbeit zitieren:
Norgand Schwarzlose, 2005, Das Internetportal www.ich-will-schreiben-lernen.de, München, GRIN Verlag GmbH
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