Inhaltsverzeichnis:
0. Inhaltsverzeichnis 1
1. Einleitung 2
2. Was bedeutet veränderte Kindheit? 3
3. Grundschüler in der heutigen Zeit 11
3.1 Lern- und Arbeitsverhalten 13
3.2 Soziales Verhalten und Selbständigkeit 16
3.3 Sprachentwicklung 17
3.4 Entwicklungsschere 20
4. Konsequenzen auf das Schulverhalten 21
5. Literaturangaben 23
1
1. Einleitung
Wenn wir an unsere Kindheit zurückdenken, dann fallen uns zahlreiche Anekdoten ein, wie zum Beispiel: „Wir hatten keinen GAME-BOY oder was ich hatte auch nur eine Puppe, warum muss es ständig die neuste BARBIE sein?“ oder auf die Schule projiziert: „Warum brauchst du für die Schule unbedingt die aktuellsten Nike-Schuhe oder Esprit-T-Shirts? Bei uns damals, da bekamen wir höchsten einmal im Jahr neu Kleidung oder wir haben die Kleidung von unseren Geschwistern aufgetragen.“
Und dann erinnern wir uns sehr gut, dass wie wir altklug geantwortet haben: Damals, bla, bla. Früher, damals. Wir leben im Hier und Jetzt. Und heute können wir selbst immer wieder erschreckt feststellen, dass wir die heutige Schülergeneration ähnlich kritisch betrachten, wie es damals unsere Eltern mit uns taten.
Wir möchten mit dieser Einleitung ausdrücken, dass es schon immer soziale Entwicklung und Veränderungen gegeben hat und immer geben wird. Mit Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung kann man sagen, dass sich früher Veränderungsprozesse langsamer vollzogen haben. Im Zuge der Industrialisierung forcierten sich diese Prozesse im zunehmenden Maße. Die Sozialisationsforschung spricht in diesem Zusammenhang von den so genannten „Modernisierungsschüben“ (vgl. Fölling-Albers, 1993, S.1).
Des Weiteren möchten wir zum Ausdruck bringen, dass sich die Erziehungseinstellungen und Verhaltensweisen von Erwachsenen konsistent über die Zeit sind. Lediglich die Lebenswelt der Kinder ist eine andere. Die Folge davon ist eine Diskrepanz zwischen der Erfahrungswelt der Kinder und der Erwachsenen. Insbesondere im Schulalltag müssen die Lehrerinnen und Lehrer (im Folgenden werden wir nur noch den neutralen Ausdruck des Lehrers verwenden) auf die veränderte Lebenswelt der Kinder einstellen und sensibel für die unterschiedlichen Entwicklungsstränge der eigenen Geschichte und der Geschichte der Kinder werden. Aufgrund dieser Problematik soll in dieser Hausarbeit die veränderte Kindheit thematisiert werden.
2
2. Was bedeutet veränderte Kindheit?
Die heutige Zeit ist durch Sinnkrisen, Werteverluste und Konkurrenzkämpfe geprägt. Das soziale Mit- und Füreinander wird von einer egoistischen „Ellenbogen-gesellschaft“ verdrängt. Die Leidtragenden sind in den meisten Fällen die Kinder. Die derzeitige Gesellschaft ist geprägt von rasanten Wandelungsprozessen, technologischen Fortschritten und ist gekennzeichnet durch zunehmende Komplexität.
Was ist unter diesen Gesichtspunkten „veränderte Kindheit“ zu verstehen?
Veränderte Kindheit kann nicht auf eine kurze Definition beschränkt und festgelegt werden. Sie hat so viele Einflussfaktoren und ist dementsprechend sehr facettenreich. Im Folgenden soll versucht werden einige Aspekte „veränderter Kindheit“ aufzuzeigen, die sich in der Literatur wieder finden und mit welchen sich Lehrer beschäftigen sollten.
1. Die Geburtenrate hat sich in den letzten drei Dekaden um fast 50% rückläufig entwickelt. Die Autorin Fölling-Albers spricht in ihren Werken davon, dass sich die Kinderanzahl in den Familien drastisch verändert hat. Diese Aussage kann mit folgenden Zahlen belegt werden. Haushalte mit drei und mehr Kindern sind weniger geworden. Der Anteil an Haushalten betrug 1970 37,5% und hatte bis zum Jahre 1985 eine rückläufige Entwicklung von 18,5% (vgl. Fölling-Albers, 1995, S.10). Im Jahre 2000 betrug der Anteil der Haushalte mit drei Kindern 9,5% (vgl. Rolff / Zimmermann, 2001, S.23).
Des Weiteren waren im Jahre 1970 noch 26% Einkind-Familien, wobei es an dieser Stelle einen Zuwachs bis zum Jahre 1985 von 11,7% auf 37,7% (vgl. Fölling-Albers, 1995, S.10). Im Jahre 2000 betrug der Anteil 50,5% (vgl. Rolff / Zimmermann, 2001, S.23), was somit eine Verdoppelung innerhalb von drei Dekaden ist.
3
2000
Zeit (Jahreszahl)
1985
1970
0,00%
Haushalte in Prozent
Abbildung 1: Veränderung der familiären Lebenswelt
Diese Zahlen weisen darauf hin, dass in circa 80% der Familien Kinder nur mit einem oder keinem Geschwisterkind aufgewachsen sind. Ferner kann festgestellt werden, dass nur ein Drittel der jungen Kinder Umgangserfahrungen mit dem anderen Geschlecht machen kann (vgl. Fölling-Albers, 1995, S.10). Durch diesen Wandel der Familienstruktur kommt es zu einer veränderten Form der Sozialerfahrung mit anderen Kindern und dem anderen Geschlecht im familiären Umfeld. Dadurch werden verschiedene und wichtige Erfahrungen des Gleichseins oder Andersseins schon im Vorfeld ausgeschlossen.
2. Des Weiteren ist die Erwerbestätigkeit von Frauen in der heutigen Gesellschaft gestiegen. Im Vergleich zu früher war der Mann der „Versorger“ der Familie zu sehen. Diese Rolle hat sich im Laufe der modernisierten Gesellschaft und Emanzipation immer weiter verändert, sodass die Frauen auch zunehmend berufstätig werden. Die berufstätige Frau bezieht immer mehr die autonome Position in der Gesellschaft, um sich unter anderem aus der Abhängigkeit des Mannes zu lösen. Heutige Frauen ordnen in der Rangfolge ihre Karriere über die Gründung einer Familie an. Das lässt sich unter anderem auch in dem Rückgang der Geburtenrate erkennen.
4
In der Psychologie spricht man Bedürfnissen, die subjektiv hierarchisch angeordnet sind. Abraham Maslow spricht an dieser Stelle von einer „Bedürfnishierarchie“, mit dem höchsten Bedürfnis der
Selbstverwirklichung. „Die Selbstver- wirklichung stellt man sich als ein Bedürfnis vor, sich selbst zu erfüllen, ’das zu werden, wozu man fähig ist.’ Es ist ein Bedürfnis, seine Talente und seine Fähigkeiten und sein potenzial voll zu entwickeln und zu benutzen.“ 1
Die Erwerbstätigkeit beider Elternteile führt in den meisten Familien zu einem Betreuungsproblem vor und nach der Schulzeit. Die Grundschule ist dazu angehalten ein Betreuungsprogram zu gewährleisten, welches im Zuge der „verlässlichen Grundschule“ festgelegt ist. Im Falle von Ganztags-beschäftigung der Elternteile, entsteht an dieser Stelle eine Betreuungslücke, die aufgefangen werden muss. Lösungsmöglichkeiten können informelle Arrangements mit Nachbarn oder eine schulische Nachmittagsbetreuung darstellen.
3. Im Zusammenhang mit den oben genannten Punkten ist eine andere Entwicklung bedeutsam. Die Anzahl der Scheidungen und der Anteil der Einelternteilfamilien haben sich erheblich erhöht. So wird heute etwa jede dritte Ehe geschieden und circa der Hälfte geschiedenen Familien sind die Kinder unter 18 Jahren alt. Hierbei ist die Scheidung an sich für die Kinder nicht so gravierend wie die Szenen, die in der Regel der Trennung vorausgehen. (vgl. Fölling-Albers, 1993, S.3)
Als Folge davon ist der Begriff der Familie für die meisten Kinder heute höchst uneinheitlich geworden. Aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungswelten der Kinder assoziiert jedes Kind verschiedene Strukturen und Gefühle mit dem Wort „Familie“. Viele Mütter und Väter leben nicht mehr in der traditionellen „Mutter-Vater-Kind-Familie“, sondern leben in „Patchwork-Familien“. Der Trend geht immer mehr zu einem Zweitvater oder einer Zweitmutter. Des Eine weitere Folge ist
1 Bourne, L. E./ Ekstrand, B. R. (2001): Einführung in die Psychologie. Dietmar Klotz: Eschborn. S. 283.
5
Quote paper:
Simone Hummert, 2005, Veränderte Kindheit - Veränderungen in Kindergarten und Grundschule, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Kindheit im Wandel - Veränderte Bedingungen des Aufwachsens in jüngere...
Presentation (Elaboration), 39 Pages
Anfangsunterricht und Veränderte Kindheit in der Grundschulpädagogik
Termpaper, 19 Pages
Aspekte einer veränderten Kindheit - Veränderte Grundschule - zu den a...
Pedagogy - Common Didactics, Educational Objectives, Methods
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
Veränderte Kindheit - Mögliche Auswirkungen durch veränderte Familienk...
Termpaper, 14 Pages
Unterrichtsreihe für die 1. Klasse: Ein mehrdimensionaler Zugang zum „...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Lesson Plan, 20 Pages
Eltern einer Kita - Anhängsel oder Partner bei der Bildung, Betreuung ...
Nursing / Foster Care Management / Social Services
Diploma Thesis, 167 Pages
Die Darstellung der Schizophrenie in Georg Büchners Erzählung "Le...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 13 Pages
Theorien zum Führungsverhalten - Klassische Ansätze aus der Führungsfo...
Psychology - Work, Business, Organisational and Economic Psychology
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Eine Analyse der gegenwärtigen Ausbildungsrichtlinien (NRW) und ausgew...
Bachelor Thesis, 98 Pages
Theoretische Grundlagen und Um...
Pedagogy - Common Didactics, Educational Objectives, Methods
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 41 Pages
Kalender und Feiertage der jüdischen Religion
Theology - Comparative Religion Studies
Termpaper, 35 Pages
Die veränderte Schuleingangsphase
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 12 Pages
Leistungsbeurteilung in der Grundschule: Bezugsnormorientierung
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 19 Pages
Unterrichtsstunde für eine 2. Klasse: Handlungsorientierter Umgang mit...
Der Umgang mit einem Bauplan -...
Mathematics For Pre-University Students
Lesson Plan, 20 Pages
Das Gesundheitskonzept von A Antonovsky. Zur Bedeutung der Salutogenes...
Termpaper, 18 Pages
Einführung in die Erlebnispädagogik
Presentation (Elaboration), 48 Pages
Simone Hummert's text Veränderte Kindheit - Veränderungen in Kindergarten und Grundschule is now available as a printed book
Simone Hummert has published the text Veränderte Kindheit - Veränderungen in Kindergarten und Grundschule
Simone Hummert has uploaded a new text
Veränderte Kindheit: Konsequenzen für die Lehrerbildung
Andreas Hartinger, Rudolf Bauer, Rudolf Hitzler
Multimodalität der Kooperation im Lehr-Lern-Diskurs
Wie Ideen für Filme entstehen
Daniela Heidtmann
Lehr-Lern-Forschung in der kaufmännischen Berufsbildung - Ergebnisse u...
Jürgen Seifried, Eveline Wuttke, Reinhold Nickolaus, Peter F. Sloane
Lehr-Lern-Forschung unter neurowissenschaftlicher Perspektive
Ergebnisse der zweiten Förderp...
Angela Heine, Arthur M. Jacobs
Grammatik - Lehren, Lernen, Verstehen
Zugänge zur Grammatik des Gege...
Klaus-Michael Köpcke, Arne Ziegler
Bildungswege vom Kindergarten zur Grundschule
Theorie und Praxis eines kindg...
Hartmut Hacker
0 comments