II. Einleitung
In Deutschland entwickelte sich Ende der 80- er Jahre ein neues Gesundheitsbewusstsein. Die Menschen sagten den häufigsten Volkskrankheiten wie Herz- Kreislaufstörungen, Rückenbeschwerden und dem Übergewicht den Kampf an. Die Zahl der Fitnessanlagen hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Die Anzahl der Fitnessstudiomitglieder hat sich dementsprechend auch millionenfach erhöht, so dass sich die Frage stellt, wann das Auftreten dieser drei sogenannten Zivilisationskrankheiten wieder abnimmt. Müssten nicht bei steigenden Mitgliederzahlen in Fitnessstudios auch diese Erkrankungen, die in den häufigsten Fällen eine Folge von Bewegungsmangel sind, nachlassen oder sogar gänzlich besiegt werden? Vielleicht trainieren diese Mitglieder seit dem Ende der 80-er Jahre auch gar nicht, sondern üben im 15. Trainingsjahr immer noch und die Zahl der Erkrankungen sinkt deshalb nicht? Dies zu untersuchen, würde den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen. Sicherlich ist es immer noch ein viel zu geringer Teil der Bevölkerung der aktiv Sport treibt und ein zu großer Teil, der jegliche Form von Bewegung vermeidet. Im Computerzeitalter wird es wohl nie möglich sein diese Krankheiten ganz zu besiegen, doch möglicherweise gibt es auch Herzinfarktpatienten, Rückenerkrankte und Übergewichtige die freiwillig ins Fitnessstudio gehen und aufgrund fehlender Beratung und Systematik im Training nicht vorankommen und ihre Leiden gar verschlimmern. Diesen Menschen kann geholfen werden. In solchen Fällen lässt sich mit dem Fünf- Stufen- Modell nach der ILB- Methode ansetzen, um den Trainingserfolg zu optimieren und eine bestmögliche Veränderung der körperlichen Leistungsfähigkeit zu erzielen. In dieser Hausarbeit soll dieses Modell anhand einer 8monatigen Trainingsplanung/Trainingsteuerung im Krafttraining dargestellt werden. Der Kunde Max Mustermann wurde hierbei von der Erhebung seiner Kundendaten in der Diagnose, bis hin zur Trainingsauswertung in der Evaluation begleitet und in seiner Entwicklung während der Trainingsdurchführung beobachtet.
III. Trainingsplanung und Trainingssteuerung im
Krafttraining nach der ILB- Methode
1. Diagnose
1.1 Kundendaten
Name: Max Mustermann
Alter: 23 Geschlecht: männlich Beruf: Auszubildender
1.2 Biometrische Testparameter
b) Ruhepuls: 58 Schläge/ Minute
Anhand des BMI lässt sich ein Normalgewicht des Kunden diagnostizieren. Auch der Körperfettanteil liegt mit 16,3 % im normalen Bereich (Uni- Karlsruhe: Männer 0-30 Jahre: 12- 18 %), so dass es bezüglich des Körpergewichts und des Körperfettanteils keine
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gesundheitlichen Bedenken für die Durchführung eines Krafttrainings gibt. Der Ruhepuls liegt unter dem Durchschnittswert eines Normalbürgers und lässt auf einen gut durchtrainierten Fitnesssportler schliessen. Der systolische und diastolische Blutdruckwert liegen im optimalen Bereich.
1.3 Eingangsgespräch
In einem ausführlichen Eingangsgespräch gab der Kunde an, dass er gerne zwei, später vielleicht auch drei Mal pro Woche zu einem ausgiebigen Krafttraining ins Fitnessstudio erscheinen möchte. Er ist es gewohnt lange zu trainieren und ist deshalb bereit, bis zu „3 Stunden“ pro Trainingseinheit zu trainieren. Es ist ihm nicht möglich mehr als 3 mal wöchentlich zu erscheinen, da er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten macht und dementsprechend viel Zeit mit lernen verbringt. Herr Mustermann betreibt seit 11 Jahren Taekwondo (2002 Berliner Vizemeister Weltergewicht: 72- 78 kg) bis zum letzen Jahr tat er dies noch in einem Verein. Die letzten drei Jahre hat er dort auch Zugang zum Fitnessstudio gehabt. Allerdings waren viele der Geräte dort die meiste Zeit belegt, weshalb er höchstens ein Mal pro Woche trainierte. Nun ist er seit einer Woche wieder Mitglied in einem Taekwondo- Verein und möchte sich in einer höheren Gewichtsklasse (Mittelgewicht: 79- 84 kg) etablieren. Sein Ziel ist es in 8 Monaten an einem kleinen Turnier (Kampf) teilzunehmen und bis dahin noch ein wenig an Masse zuzunehmen. Auf einzelne Körpermessungen (Arm-und Beinumfang etc.) habe ich bei Erhebung der biometrischen Testparameter verzichtet, da es dem Kunden nicht auf sein äußeres Erscheinungsbild ankommt, sondern lediglich um Muskelzuwachs. Deshalb möchte er sich in unserem Fitnessstudio einschreiben. Er trainiert durchschnittlich 2-3-mal pro Woche im Taekwondo Verein (Trainingszeiten: Mo- So, demnach jederzeit möglich), manchmal auch alleine in seinem Keller (Hantelbank). Außerdem fährt er von Montag bis Freitag 30 Kilometer mit dem Fahrrad zur Ausbildungsstelle und zurück. Früher ist er gerne und oft Schwimmen gewesen (Leistungskurs: Sport) und war oft und Joggen (2001 Teilnahme am Berliner Halbmarathon). Der Kunde gab an, dass er keinen gesundheitlichen Einschränkungen unterliege und keine Medikamente einnehme. Erst vor zwei Wochen habe er sich einer ärztlichen Untersuchung zur Tauglichkeitsfeststellung bzgl. der Ausbildung zum Physiotherapeuten unterzogen, die er mir auch nachweisen konnte. Max Mustermann fühlt sich immer noch fit und gesund, da er sich nach seiner Vereinspause selbstständig fit gehalten hat (1.Krafttraining: Hanteltraining, Liegestütze, Klimmzüge. 2. Ausdauer: regelmäßiges Fahrradfahren, unregelmäßiges Joggen. 3. Beweglichkeitstraining: Dehnungsübungen). Nun möchte er an Muskelmasse zulegen (vor allem im Oberkörperbereich) um in der neuen Gewichtsklasse auch körperlich mithalten zu können.
Die biometrischen Testparameter im Punkt 1.2. bestätigen die Aussagen von Max, der nach wie vor einen guten Gesundheitszustand aufweist. Der niedrige Ruhepuls impliziert sogar eine Ausdauerleistungsfähigkeit über das Normalmaß hinaus. Dies müsste jedoch zunächst in einem entsprechendem Ausdauertest bestätigt werden. Aufgrund der erhobenen Daten und der ärztlichen Bestätigung bestehen vorerst keine Bedenken für ein Krafttraining. Trotz seines bisher unsystematischen Krafttrainings kann Herr Mustermann, auch aufgrund seiner Vorkenntnisse, vorerst als Geübter in den Bereichen Kraftausdauer, Hypertrophie und Maximalkraft eingestuft werden. In der Praxis stellte sich heraus, dass Max die Intensitäten auf dieser Leistungsstufe voll erfüllt (Prinzip der Individualität und Altersgemäßheit). Eine Steigerung der Leistungsstufe zum Fortgeschrittenen wird jedoch auch bei einem Trainingsalter von >12 Monaten aufgrund der zu geringen Trainingshäufigkeit von 2-3-mal pro Woche nicht möglich sein. Diese ist aber auch nicht erwünscht, da sich der Kunde weiterhin auf sein Taekwondo- Training spezialisieren möchte. Wenn er das Krafttraining durchhält, will er nach dem Turnier 3-4-mal täglich im Fitnessstudio und weniger im
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Taekwondo trainieren. Dann wäre auch eine Steigerung der Leistungsstufe zum Fortgeschrittenen denkbar.
1.4 Durchführung und Methodik des ILB- Tests
Der ILB- Test ist eine praktisch orientierte Methode und grenzt sich somit vom induktiven (subjektives Belastungsempfinden) und vom deduktiven Ansatz (1- RM-Test) zur Intensitätsbestimmung im Krafttraining ab. Mit dieser Methode testet man genau den individuellen Beanspruchungsbereich, der dann trainiert werden soll. Die in der anschließenden Trainingsplanung berechneten Trainingsintensitäten richten sich nach dem ILB- Test (Prinzip des überschwelligen Trainingsreizes). Nach jedem Mesozyklus sollte dementsprechend ein neuer ILB- Test erfolgen, der dem angestrebten Trainingsziel in seiner Wiederholungszahl entspricht. Hierbei gilt es das höchstmögliche Gewicht für die entsprechend festgelegte Wiederholungszahl, die später im Training angewandt wird, auszutesten. Die Reihenfolge der Übungen sowie das Bewegungstempo im ILB- Test gleichen dem darauf folgendem Übungsablauf im Mesozyklus. Die Satzpausen sind jedoch aufgrund der hohen Belastung im Test deutlich länger zu halten. Als Ausbelastungskriterium sollte besonders bei Beginnern, aber auch wie in diesem Fall bei einem Geübten, die letzte technisch korrekt ausgeführte Wiederholung gewertet werden. Bei Leistungssportlern kann bis zur energetischen Muskelausbelastung getestet werden. Für jeden Test sollten nicht mehr als 2- 3 Sätze benötigt werden. Vor dem ILB- Test sollte ein allgemeines und spezielles Aufwärmtraining erfolgen.
Der im Folgenden aufgeführte ILB- Test bezieht sich auf den 1. Mesozyklus, der im Verlauf dieser Arbeit ausführlicher dargestellt wird. Es handelt sich um ein Ganzkörpertraining mit dem Trainingsziel „Kraftausdauer“ und der Wiederholungszahl 20.
ILB- Test:
Vor dem eigentlichen ILB- Test erfolgte ein allgemeines und spezielles Aufwärmtraining. Es wurde die „maximale“ Belastungsintensität für 20 Wiederholungen von 12 Übungen getestet:
1. Langhantelbankdrücken: 2. Fliegende Bewegung auf der Schrägbank 3. Zug vertikal zum Nacken (OG) 4. Zug horizontal zum Kabelzug 5. Seitenheben am Kabelzug 6. Armstrecken am Kabelzug mit Seil 7. Armbeugen an der Scottbank (Scottcurls) im OG 8. Bauchmaschine 9. Rückenstreckmaschine 10. Kniebeuge an der Multipresse
11. Beinpresse horizontal sitzend 12. Wadenheben
Eine ausführliche Einweisung des Kunden in die Grundsätze des Gerätetrainings (1. Richtlinien für die Unterweisung an den Trainingsgeräten wurden beachtet, 2.Allgemeine Grundlagen beim Gerätehandling wurden erläutert, 3.Griffvarianten gezeigt, 4. Körperhaltungen vorgezeigt), wurde 2 Tage vor dem ILB- Test durchgeführt.
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Der Kunde bestand darauf so viele Übungen wie möglich zu testen. Aufgrund der von ihm etwas unterschätzten Belastungsintensität, erklärte er sich einverstanden auf die 12. Übung (Wadenheben) im späteren Trainingsplan zu verzichten.
Beim Langhantelbankdrücken überschätzte sich Herr Mustermann zunächst und bestand darauf mit 70 kg zu testen. Nach nur zwei Wiederholungen wechselte er jedoch selbstständig auf 50 kg. Nach 2 Minuten Pause schaffte er mit dieser Belastungsintensität im zweiten Satz die angestrebten 20 Wiederholungen. In den folgenden Übungen unterschätzte sich Max fast immer und erreichte jeweils im 2. Satz seine höchstmögliche Belastungsintensität für 20 Wiederholungen. Er merkte jeweils im 1. Satz nach durchschnittlich 5 Wiederholungen im selben Tempo, dass zu wenig Gewicht auflag und brach diesen sofort ab. Auffällig war, dass er bei einigen Übungen (Langhantelbankdrücken, Fliegende Bewegung auf der Schrägbank, Scottcurls, Kniebeugen) bis zur 20. Wiederholung eine technisch korrekt ausgeführte Übung vorzeigte, so dass sein Ausbelastungskriterium mit der energetischen Muskelausbelastung gewertet werden musste, was in der Regel einen Leistungstrainierenden charakterisiert. Er begründete dies damit, dass er in seinem Keller zwar ohne Systematik, dafür aber regelmäßig genau diese Übungen trainiere.
Nach dem abgeschlossenen ILB- Test gab Herr Mustermann an: „Ich merke zwar, dass ich was getan habe, spüre aber keine Schmerzen!“
1.5 Beweglichkeitstest
Der Beweglichkeitstest wird durchgeführt um die Flexibilität von Gelenken und Muskeln zu untersuchen. Hierbei wird einerseits die Fähigkeit getestet, in einem oder in mehreren Gelenken einen möglichst großen Bewegungsausschlag auszuführen (Definition Beweglichkeit) und zugleich überprüft, welche Muskelgruppen zur Verspannung und Verkürzung neigen. Im folgenden Test werden folgende Komponenten getestet: 1. Brustmuskulatur, 2. Hüftbeugemuskulatur, 3. Muskulatur der Oberschenkelrückseite, 4. Muskulatur der Oberschenkelvorderseite, 5. Wadenmuskulatur. Dabei ist folgendes zu beachten:
• Die einzelnen Beweglichkeitstests sollten nur so weit ausgeführt werden, bis ein Ziehen in der Muskulatur zu spüren ist. Es sollten dabei keine Schmerzen auftreten.
• Gerade bei Beginnern ist es vorteilhaft einen Assistenten hinzuzuziehen, der eventuelle Ausweichbewegungen kontrollieren kann.
• Die Bewegung sollte immer ohne Schwung und Reißbewegungen durchgeführt werden.
• Die zu testenden Bereiche sollten nicht durch Druckbelastung am Muskelbauch oder der Sehne eingeschränkt werden.
• Eine Fixierung sollte stets durch die Körperpartien erfolgen, die nicht Bestanteil des Tests sind.
• Es sollten niemals mehr als zwei Gelenke gleichzeitig getestet werden.
• Der Test sollte gerade bei Beginnern alle 4 Wochen wiederholt werden um dem Kunden bei eventuellen Muskelverkürzungen einen Arzt-oder
Physiotherapeutenbesuch zu empfehlen.
1.5.1 Brustmuskulatur
Ausgangsposition und Durchführung:
Rückenlage, Beine anwinkeln. Der zu testende Arm (hier rechts) hängt seitlich über der Tischkante. Die Lendenwirbelsäule verbleibt auf der Unterlage.
Der rechte Arm wir nun langsam nach oben, hinten und außen geführt. Das Ellenbogengelenk bleibt gestreckt. In der Überkopfstellung wird der Arm seitlich geführt und auswärts gedreht,
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so dass die Daumenseite der Hand in Richtung Boden zeigt. Messbereich: Waagerechte Position des angehobenen Armes in Verlängerung der Körperlängsachse. Bewegungskriterium: 1.Die Oberarme liegen auf (+). 2. Die Unterarme liegen auf (o). 3. Die Arme liegen nicht auf (-). Anschließend soll der Test mit dem linken Arm durchgeführt werden.
Herr Mustermann konnte beide Arme deutlich über die Horizontale führen, bevor es zur Dehnung kommt. Seine Oberarme liegen auf. Er weißt damit eine sehr gute Beweglichkeit in Bezug zur Norm auf und seine Befürchtung er sei Aufgrund seines Sportes (Taekwondo) nur in der Hüfte und den Beinen beweglich, trifft nicht zu.
1.5.2 Hüftbeugemuskulatur
Ein verkürzter Lendendarmbeinmuskel ist eine haüfige Ursache für Rückenbeschwerden. Ausgangsposition und Durchführung:
In Rückenlage, das Knie an den Oberkörper ziehen. Gegenbein hängt über das Bankende. Messbereich: Position des Oberschenkels im Verhältnis zur Körperlängsachse (KLA).
a) gut gedehnter Musculus (M.) iliopsoas (Winkel zw. Oberschenkel u. Auflagefläche zw. 0 u. 15°)
b) verkürzter M. iliopsoas (Winkel ist kleiner als 0°)
Bei Max ergab sich ein Winkel von über 15° (Siehe rechtes Bild). Demnach verfügt er über eine sehr bewegliche Hüftbeugemuskulatur in Bezug auf die Norm. 1.5.3 Muskulatur der Oberschenkelvorderseite
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Arbeit zitieren:
Daniel Zezovski, 2005, Trainingsplanung und Trainingssteuerung im Krafttraining nach der ILB-Methode, München, GRIN Verlag GmbH
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