Seminararbeit von Kerstin Mickenbecker
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. „Latino“ vs. „Hispanic“ - der Versuch einer ethnischen
Kategorisierung 1
3. Kultur - zwischen Assimilation und Tradition 3
4. Die Latino-Bevölkerung in Daten und Fakten 4
5. Generación Ñ 6
5.1. Sprache - Englisch, Spanisch oder Spanglish 8
5.2. Entertainment 9
5.2.1. Musik 9
5.2.2. Film 12
5.3. Wirtschaft 15
5.4. Politik 16
6. Fazit 20
7. Literaturverzeichnis 22
Seminararbeit von Kerstin Mickenbecker 1
1. Einleitung
„Latin Hype“, „Latin Explosion“ und „Latinoization“, diese Schlagwörter beherrschen die US-amerikanischen Medien, wenn es um die lateinamerikanische Bevölkerung in den USA geht. Anlass für solche Schlagzeilen gibt entweder ein neuer Nummer-eins-Hit von Ricky Martin, oder aber die Tatsache, dass die lateinamerikanische Bevölkerung jüngst zur größten Minderheit in den USA herangewachsen ist.
Obwohl Latino-Kultur schon seit sehr langer Zeit fester Bestandteil des Lebens in den USA ist, stand sie niemals zuvor so im Fokus der Öffent lichkeit. In letzter Zeit scheint sich ein Veränderungsprozess in Gang gesetzt zu haben, der die Latino-Kultur in den USA neu definiert und Latinos ein neues Image verleiht. Auslöser ist die „neue Generation der Latinos“, oder „Generación Ñ“, wie sie sich selbst nennt - ein kreativer Name für eine innovative Generation.
In dieser Arbeit soll dargestellt werden, welche unübersehbaren Anzeichen es für das neue Selbstbewusstsein dieser Generation gibt. Immer mehr Latinos sind zu Schlüsselfiguren in Politik, Wirtschaft und im Showbiz geworden. Einige dieser „Image macher“ und Vorbilder sollen im Rahmen dieser Arbeit vorgestellt werden. Latino-Kultur ist jedoch so facettenreich, dass realistischerweise nur die „Spitze des Eis bergs“ dargestellt, bzw. ein Eindruck von dem vermittelt werden kann, was die Generación Ñ in den USA bewegt. Bevor die Generación Ñ und ihre Protagonisten vorgestellt werden, soll dargelegt werden, wie es zu der Bezeichnung „Latino“ bzw. „Hispanic“ kommt. Im Anschluss an eine Erläuterung zum Begriff „Kultur“ folgen einige Daten und Fakten über die Latino-Bevölkerung in den USA als Hintergrundinformation.
2. „Latino“ vs. „Hispanic“ - der Versuch einer ethnischen Kategorisierung
Obwohl sich der Begriff „Hispanic“ in der Sprache der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft durchgesetzt zu haben scheint, herrscht noch immer eine Debatte darüber, welches die richtige Terminologie ist, wenn von der US-amerikanischen Bevölkerung lateinamerikanischer bzw. spanischsprachiger Herkunft gesprochen wird. Zweifelhaft ist, ob eine so große und heterogene Gruppe, die aus einer Vielzahl von Ländern stammt, überhaupt unter
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einem „Oberbegriff“ zusammengefasst werden kann. Die meisten ihrer Mitglieder fühlen sich nicht einer größeren Volksgruppe zugehörig, sondern bezeichnen sich je nach ihrer Herkunft als Mexiko-Amerikaner, Kubanoamerikaner oder Puertoricaner 1 . Um jedoch in politischen, wirtschaftlichen und anderen Angelegenheiten problemlos auf diesen Bevölkerungsanteil Bezug nehmen zu können, empfahl 1973 die so genannt e „Task Force on Racial/Ethnic Categories“ den Terminus „Hispanic“ zu verwenden 2 . Angesichts der Umstrittenheit dieses Begriffs akzeptierte das US Census Bureau den Vorschlag des „Interagency Committee for the Review of the Racial and Ethnic Standards“ ab dem Jahre 2003 die Kategorie „Hispanic“ in „Hispanic or Latino“ zu ändern 3 . Die Debatte dreht sich darum, welcher Begriff es treffender vermag, die unterschiedlichen Herkunftsländer zusammenzufassen: Der Begriff „Hispanic“ stammt vom lateinischen Wort „Hispanicus“ 4 und „umfasst alle in den Spanisch sprechenden Ländern Süd amerikas geborenen Amerikaner und solche, die ihre Herkunft nach Spanien oder in die früheren spanischen Kolonien zurückverfolgen können“ 5 . So würden z. B. US-Amerikaner brasilianischer oder haitianischer Herkunft nicht unter den Begriff „Hispanic“ fallen. Der Begriff „Latino“ hingegen betont die lateinamerikanische Abstammung und umfasst somit auch Portugiesisch sprechende (Brasilianer) oder Französisch sprechende (Haiti, Franzö sisch-Guayana) US-Amerikaner 6 .
Des Weiteren dreht sich die Debatte um die politische Korrektheit der Begriffe und deren Akzeptanz in der Bevölkerungsgruppe selbst. Die Bezeichnung „Hispanic“ wird oftmals abgelehnt, da sie zu sehr die spanischen Wurzeln betone. Schließlich wurde Lateinamerika von der Kolonialmacht Spanien dominiert und unterdrückt 7 . Nach Fox ist das Hauptargument gegen die Benutzung des Terminus „Hispanic“ die Tatsache, „that it comes as a ready- made term, already loaded with cultural associations“ 8 . Um sich davon zu distanzieren, wird „Latino“ oftmals bevorzugt gewählt. Des Weiteren habe sich der Begriff
1 Vgl. U.S. Diplomatic Mission to Germany (2005), Hispanic-Americans, online im Internet.
2 Vgl. Cuello, José (1998), The Latinoization of the United States, online im Internet.
3 Vgl. Federal Register Note (1997), Revisions to the Standards for the Classification of Federal Data on Race and
Ethnicity, online im Internet.
4 Vgl. Fox, Geoffrey (1996), Hispanic Nation, S. 12.
5 Vgl. U.S. Diplomatic Mission to Germany (2005) Hispanic-Americans, online im Internet.
6 Vgl. Fox, Geoffrey (1996), Hispanic Nation, S. 14.
7 Ebenda, S. 13.
8 Ebenda, S. 14.
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„Hispanic“ zur Bezeichnung einer „Oberschicht“ eingebürgert. „A Hispanic is a Latino yuppie“ 9 , stellt der puertoricanische Politikwissenschaftler Angelo Falcón fest. In der Literatur ist ebenfalls eine Dominanz des Begriffs „Latino“ festzustellen, wenn die junge Generation der Latinos im Mittelpunkt steht. In den folgenden Ausführungen soll daher auch die Bezeichnung „Latino “ 10 verwendet werden.
3. Kultur - zwischen Assimilation und Tradition
Um Latino-Kultur zu verstehen ist es wichtig zu erkennen, dass nicht analog ihrer überge-ordneten Bezeichnung „Latino“ oder „Hispanic“ eine Kultur vorherrscht, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Kulturen.
Geht man z. B. von einer Definition des Begriffs Kultur nach Allan Figueroa Deck aus - „[culture is] the meanings, values, thoughts, and feelings mutually shared by a people” 11 , - so stellt sich die Frage, welche Kultur in einem Land wie den USA mit einer Gesellschaft aus Einwanderern dominiert.
Nach der melting pot theory - einer Idee basierend auf dem Wunsch nach einer USamerikanischen Nationalidentität - ist das Land in der Lage, Menschen jeder Hautfarbe und Hintergrund zu „ame rikanisieren“. Kritischere und differenziertere Untersuchungen des Vorgangs der „Amerikanisierung“ ließen jedoch ein vielschichtiges Spektrum von Assimilationsformen erkennen, die
[…] von einer zur Überkompensation neigenden Integrations bereitschaft zu radikalen For-
men ethnisch bedingter Anpassungsverweigerung reichten. So sehr trat [...] die ethnische
Vielfal t, der „kulturelle Pluralismus“ als konstituierendes und bereichernderes [!] Element
der amerikanischen Gesellschaft hervor, dass manchen Forschern das Konzept vom „Melting
Pot“ endgültig widerlegt und überholt schien 12 .
John F. Kennedy, selbst ein Enkel von irischen Einwanderern, beschrieb das „Geheimnis von Amerika“ wie folgt: „[...] eine Nation von Menschen mit der frischen Erinne rung an alte Traditionen, die sich trauen neue Grenzen zu erforschen“ 13 .
9 Vgl. Fox, Geoffrey (1996), Hispanic Nation, S. 15, zitiert nach Angelo Falcón.
10 Vereinfachend soll nur die männliche Form „Latino“ benutzt werden, die aber im Folgenden auch die weibliche
Geschlechtsform „Latina“ umfasst.
11 Heyck, Denis D.L. (Hg.) (1994), Barrios and Borderlands, S. 1, zitiert nach Allan Figueroa Deck.
12 Bitterli, Dr. Urs (1996), Die USA - Schmelztiegel der Kulturen, online im Internet.
13 U.S. Diplomatic Mission to Germany (2005), Einwanderung, online im Internet, zitiert nach J.F. Kennedy.
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4. Die Latino-Bevölkerung in Daten und Fakten
Die jüngste, im März 2002 durchgeführte Bevölkerungsschätzung des U.S. Census Bureau markiert laut Census einen Meilenstein für die USA: Mit 38,8 Millionen sind Latinos zur zahlenmäßig größten Minderheit in den USA geworden, vor den „Blacks“ (Afroamerikanern), „Asian and Pacific Islanders“, „American Indians, Eskimos and Aleut“. Die Latino-Bevölkerung macht inzwischen 13,4 % der Gesamtbevölkerung der USA aus 14 . Oder anders ausgedrückt: Die USA sind mit 38,8 Millionen Latinos das viertgrößte „lateinamerikanische“ Land nach Brasilien, Mexiko, Kolumbien und knapp vor Argentinien, und die Zahlen zeigen steigende Tendenz: Die Gruppe der Latinos hat weit höhere Zuwachsraten als die Mehrheitsbevölkerung der Anglo-Amerikaner oder die bisherige „erste Minderheit“ der Afroamerikaner. Dies ist zurückzuführen auf eine vergleichsweise hohe Geburtenrate der bereits in den USA lebenden Latinos sowie der fortgesetzten Migration aus Lateinamerika in die USA 15 .
Von vielen Vertretern der Latino-Community wird das Erreichen der „ersten Minderheit“ als ein bedeutender Schritt gesehen, da damit auch erhöhte Aufmerksamkeit und in der Folge erhöhtes soziales und politische s Gewicht der einst „unsichtbaren Minderheit“ der Latinos erreicht wird 16 . Die drei größten nationalen Gruppen
von Einwanderern sind die Mexiko-Amerikaner, Puertoricaner und die Kubanoamerikaner. Dass die nationalen Gruppen untereinander heterogen sind, wie bereits in Kapitel 2 festgestellt wurde, kann schon nachvollzogen werden, indem man die Gründe für die Immigration näher beleuchtet: Während z. B. Kubanoamerikaner als politische Flüchtlinge
aufgrund der Revolution Fidel Castros verstärkt ab 1959 in die USA kamen, suchen Immigranten aus Mexiko hauptsächlich Arbeit als Landarbeiter oder Hausangestellte. Weitere
14 Vgl. US Census Bureau, (2003), The Hispanic Population in the United States: March 2002, online im Internet.
15 Vgl. Hoffmann, Bert, (2003), Die Lateinamerikanisierung der USA, online im Internet.
16 Ebenda.
Seminararbeit von Kerstin Mickenbecker 5
Differenzen ergeben sich aus den unterschiedlichen Erfahrungen als Immigranten in den USA. Aufgrund des speziellen Status Puerto Ricos als „Freier und Assoziierter Staat“ der USA, haben Puertoricaner eine Vielzahl von Rechten, die sich Immigranten aus Mexiko in oft zähen Prozessen erkämpfen müssen 17 .
nieder, davon an erster Stelle New York und Los Angeles, gefolgt von San Francisco, Chicago, Miami, Washington D.C., Houston, Dallas, San Diego und Boston 18 . Als Erklärung für diese stetige Zuwanderung in den o. g. Großstädten kann angeführt werden, dass sie das „port-of-entry“ für ein Leben in den USA sind. Latinos l assen sich tendenziell dort nieder, wo bereits Familienmitglieder bzw. Menschen gleicher Nationalität oder ähnlichem Hintergrund leben, in denen sie zunächst Unterstützung in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht erfahren 19 . So entstanden Spanisch sprechende Siedlungen, die so genannten “Barrios”. Unterschiedlichste Kulturen leben zwar in einer Stadt, sie sind jedoch räumlich voneinander getrennt. Nach William H. Frey, Professor für Demographie an der State University New York, wird es diese Segregation in der Zukunft in dem Maße nicht mehr geben. Als Gründe nennt er Mischehen und die steigende upward mobility der Latinos 20 . Ein weiteres Merkmal der Latino-Bevölkerung ist, dass sie im Vergleich zu anderen Bevölkerungs gruppen sehr jung ist. 34,4 % der Latinos war im Jahr 2002 unter 18 Jahre alt gegenüber 22,8 % der restlichen Bevölkerung 21 .
17 Vgl. Hoffmann, Bert (2003), Die Lateinamerikanisierung der USA, online im Internet.
18 Vgl. Frey, William H. (1999), The United States Population: Where The New Immigrants Are, online im
Internet.
19 Ebenda.
20 Ebenda.
21 Vgl. US Census Bureau (2003), The Hispanic Population in the United States: March 2002, online im Internet.
Arbeit zitieren:
Kerstin Mickenbecker, 2005, Latino-Kultur in den USA - Generación n, München, GRIN Verlag GmbH
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