1 Einleitung 1
2 Biographie Paul A. Barans 2
3 Einführung in Barans Hauptwerk „Politische Ökonomie des wirtschaftlichen
Wachstums “ 4
3.1 Die Verflechtung von Wachstum und Unterentwicklung in der Welt 4
3.2. Wirtschaftliches Wachstum und volkswirtschaftlicher Überschuss. 5
3.3 Der Ausweg. 6
4 Der Fall Indien. 7
4.1 Die Folgen der britischen Kolonialherrschaft für Indien nach Baran 8
4.2 Kontrastierung von Barans Analyse mit dem aktuellen Forschungsstand 10
5 Schlussbetrachtung 15
6 Resúmen. 16
Literaturverzeichnis 18
II
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Paul A. Baran, „the father of modern dependency theory“ 1 , und seinem 1957 publiziertem Werk „Politische Ökonomie des wirtschaftlichen Wachstums“ 2 . In diesem Buch analysiert Baran das komplexe Gefüge von postkolonialen Abhängigkeiten zwischen den Peripherien und den Zentren des Weltmarktes aus einem Blickwinkel heraus, der weit über den rein ökonomischen Aspekt hinausgeht. Er versucht vielmehr, die Beziehung zwischen nationalen Ökonomien und „ihren internen Strukturen und gesellschaftlichen Klassen und, darauf aufbauend, die Möglichkeiten und Grenzen von Entwicklung“ 3 aufzuzeigen und knüpft somit an die Theorie von Karl Marx an, der bereits einen Zusammenhang zwischen Entwicklung auf der einen Seite und Unterentwicklung auf der anderen gesehen hatte. 4 Das Ersche inen von Barans Analyse in den 1950ern fällt in eine Zeit, in der viele ehemalige Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen wurden und mit dem Problem konfrontiert wurden, eine eigenständige Wirtschaft aufzubauen. Aufgrund seiner frühen Kontakte zum Marxismus und der von ihm direkt miterlebten Debatte um die Industrialisierung der Sowjetunion in den 1920ern, war Baran schon seit vielen Jahren mit den wesentlichen Argumenten dieser im Rahmen der marxistischen Theorie geführten Diskussion vertraut. 5 Diese Erfahrung verlieh ihm einen umfassenderen Blick auf die Situation der Entwicklungsländer als ihn die damaligen Nationalökonomen hatten, die sich in der westlichen Welt mit dem Thema befassten und die Thematik rein vom wirtschaftlichen Standpunkt aus angingen. So mag es denn auch nicht verwundern, dass Baran einer der ersten war, die sich in den 1950ern intensiv mit der Problematik der Industrialisierung der Entwicklungsländer aus dem Blickwinkel der marxistischen Theorie heraus befasst haben und sie in Zusammenhang mit sozialen, politischen und ideologischen Faktoren gesetzt haben. 6
Im Verlaufe dieser Arbeit sollen Barans Grundgedanken und Hauptthesen vorgestellt und analysiert werden. Besondere Beachtung findet dabei seine Analyse der historischen und
1 Ghosh, B.N.: Dependency Theory Revisited, Aldershot/Burlington USA/Singapore/Sydney 2001, S.1.
2 Baran, Paul A.: Politische Ökonomie des wirtschaftlichen Wachstums, Neuwied/Berlin 2 1971.
3 Bohle, Dorothee: Imperialismus, peripherer Kapitalismus und europäische Einigung, in: Zeitschrift Marxisitische Erneuerung, Heft 54, Juni 2003 - www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de/archiv/xxinfo/h054s019.html - 30.03.2005, S. 4.
4 Vgl. Ghosh: Dependency Theory, S. 18.
5 Vgl. Baran: Politische Ökonomie, S. 446.
6 Vgl. Ghosh: Dependency Theory, S. 28.
1
wirtscha ftlichen Entwicklung Indiens und die Folgen der fast 200-jährigen Kolonialherrschaft der Briten in diesem asiatischen Land. Aktuelle Forschungsstände und die Meinungen und Hypothesen von Historikern und Wirtschaftswissenschaftlern neuerer Zeit werden mit B arans Gedanken und Ergebnissen kontrastiert, um herauszufinden, inwieweit Barans Thesen noch immer Gültigkeit haben oder korrigiert werden müssen. Damit verbunden soll auch versucht werden, die geringe Rezeption, die Baran in der jüngsten Zeit erfahren hat, zu erklären.
2 Biographie Paul A. Barans 7
Barans Leben war das, was man heute als kosmopolitisch bezeichnen würde und führte ihn im Laufe der Jahre in viele Länder Europas, bis er schließlich die letzten zweieinhalb Jahrzehnte seines Lebens in den USA verbrachte. Er kam am 8. Dezember 1910 in der Ukraine als Sohn eines Arztes in der Stadt Nikolajew zur Welt. Sein Vater gehörte der russischen sozialistischen Bewegung an, so dass es nicht ausblieb, dass Baran von frühester Kindheit an mit den marxistischen Ideen vertraut war. Aufgrund des Bürgerkriegs in Russland und der damit verbundenen Unruhen, zog die Familie 1921 nach Wilna, die Geburtsstadt des Vaters, die damals zu Polen gehörte. Bei diesem Umzug nahm die gesamte Familie die polnische Staatsangehörigkeit an, was dem jungen Baran später zum Vorteil gereichen sollte. Kurz darauf zog die Familie abermals um, diesmal nach Dresden, wo Baran das Gymnasium besuchte. Die verbesserte Lage in der Sowjetunion ermöglichte es Barans Vater, im Jahre 1925 nach Moskau zu gehen, um dort eine Stelle als Arzt anzutreten. Baran beendete seine Gymnasialausbildung in Dresden und folgte den Eltern 1926 nach Moskau, wo er zwei Jahre lang am Plechanow-Institut für Wirtschaft der Universität Moskau studierte. Das intellektuelle Leben Moskaus dieser Zeit war bestimmt durch die Kontroversen zwischen dem stalinistischen und trotzkistischen Flügel der kommunistischen Partei. Baran fühlte sich zu dieser Zeit dem opponierenden trotzkistischen Flügel sehr verbunden und sprach sich für mehr Demokratie und Freiheit im Lande aus. Die strenge stalinistische Führung lockerte jedoch Barans „kommunistische Rechtsgläubigkeit“ und er ergriff 1928 die Möglichkeit, das Land wieder zu verlassen, als ihm angeboten wurde, an einem Forschungsprojekt in Berlin teilzunehmen.
7 Der folgende Text basiert auf dem von Paul M. Sweezy 1966 geschriebenen Nachwort in Baran, Paul A.: Politische Ökonomie des wirtschaftlichen Wachstums, Neuwied/Berlin 2 1971, S. 443-446.
2
In den folgenden Jahren, bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten, studierte und forschte er in Berlin, Breslau und Frankfurt am Main. In dieser Zeit wendete er sich von den Kommunisten ab und den Sozialdemokraten zu, da er bei letzteren größere Chancen sah, sich gegen die Erstarkung der Nationalsozialisten einsetzen zu können. Seine Doktorarbeit über „Wirtschaftliche Planung“ schrieb er in Deutschland, bei Prof. Emil Lederer, einem bekannten Ökonomen in Berlin. Zeitgleich veröffentlichte er unter einem Pseudonym Artikel für das Parteiorgan der SPD, die „Gesellschaft“. Nach der Machtergreifung Hitlers und dem allgemeinen Parteienverbot durch die Nationalsozialisten infolge der Märzwahl 1933 begann für Baran wieder eine Zeit der Wanderungen. Politisch setzte er nun seine Arbeit als unabhängiger Marxist fort. Nachdem er sich 1933 kurze Zeit in Paris aufhielt und seine Eltern in Moskau besuchte, blieb er anschließend für einige Jahre in Wilna und arbeitete dort im Betrieb von Verwandten. Als Repräsentant dieser Firma in Warschau unternahm Baran viele Reisen durch ganz Europa, die ihn in Kontakt mit Widerstands- und Exilgruppen brachten. 1938 übersiedelte er aus Geschäftsgründen nach London.
Der drohende Beginn des 2. Weltkrieges ließ ihn 1939 Europa verlassen und in die USA emigrieren. Er nahm dort seine Studien wieder auf, arbeitete dann aber mit Kriegseintritt der USA unter anderem im „Office of Price Administration“ und im „Office of Strategic Services“ der US-Regierung. Im Rahme n seiner Tätigkeit innerhalb des Stabes des Strategischen Bomber-Kommandos der USA kam er während des Krieges nach Deutschland und Japan. In der Federal Reserve Bank von New York arbeitete er nach dem Krieg als Wirtschaftsexperte und übernahm schließlich i m Jahre 1949 eine Professur an der Fakultät für Wirtschaft der Stanford University in Kalifornien. Dort blieb er bis zu seinem Tode am 26. März 1964.
Seine Hauptwerke sind der 1952 in der Zeitschrift „The Manchester School“ veröffentlichte Artikel „On the Political Economy of Backwardness“, die 1957 erschienene Monographie „Political Economy of Growth“ und das 1966 posthum veröffentlichte und gemeinsam mit Paul M. Sweezy verfasste Werk „Monopoly Capital“.
3
3 Einführung in Barans Hauptwerk „Politische Ökonomie des wirtschaftlichen Wachstums“
Wie eingangs bereits erläutert, betrachtet Baran „economic questions as inseparable from social, political und ideological ones“ 8 und greift daher in seinem Buchtitel auf den Begriff der „Politischen Ökonomie“ zurück, eine aus dem 18. Jh. stammende Bezeichnung für eine Forschungsrichtung, die das Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft, zur Wirtschaft und zum Staat zum Thema hat. Im 20. Jh. hatte diese interdisziplinär angelegte Richtung an Gewicht verloren, statt dessen begannen Ökonomen, ihre Analysen auf die rein wirtschaftlichen Elemente ihres Faches zu fokussieren. 9 Barans Rückgriff auf diese „antiquierte“ Disziplin lässt seine Richtung klar erkennen. Im folgenden sollen seine Hauptthesen skizzenhaft dargestellt werden.
3.1 Die Verflechtung von Wachstum und Unterentwicklung in der Welt
Da in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg die klassischen Imperialismustheorien aufgrund ihrer Konzentration auf die eigentliche Entstehung des Kapitalismus in den Zentren keine Erklärungsansätze mehr für die Analyse der Situation der in die Unabhängigkeit entlassenen Entwicklungsländer bieten 10 , beginnt Baran, die Thematik aus einem sehr viel weiter angelegten Blickwinkel zu betrachten. Er versucht, die wirtschaftlichen und politischen A bhängigkeiten der Peripherien von den Zentren des Weltmarktes herauszuarbeiten und kommt dabei zu dem Schluss, „dass der wirtschaftliche Fortschritt der unterentwickelten Länder den herrschenden Interessen der hochkapitalistischen Staaten in höchstem Maße abträglich“ 11 sei. Er fasst die Situation folgendermaßen zusammen:
„Für den hochkapitalistischen Westen waren die rückständigen Gebiete in der ganzen Welt immer das unentbehrliche Hinterland, das die industrialisierten Länder mit vielen wichtigen Rohstoffen versorgte und ihrer Industrie reiche Profite und Möglichkeiten zur Investition bot. Deshalb widersetzt sich die herrschende Klasse in den Vereinigten Staaten (und anderwärts) heftig einer
8 Ghosh: Dependency Theory, S. 28.
9 Vgl. hierzu auch Krieger, J. (Hrsg.): The Oxford Companion to Politics of the World, Oxford 2001, S. 663-666.
10 Vgl. Bohle: Imperialismus, S. 4.
11 Baran: Politische Ökonomie, S. 66.
4
Arbeit zitieren:
Nadja Schuppenhauer, 2005, Paul A. Barans These zum Ursprung der Unterentwicklung am Beispiel Indiens. Eine Bestandsaufnahme, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Nadja Schuppenhauer hat den Text Paul A. Barans These zum Ursprung der Unterentwicklung am Beispiel Indiens. Eine Bestandsaufnahme veröffentlicht
Nadja Schuppenhauer hat einen neuen Text hochgeladen
Baran and Dawber's Diseases of the Nails and Their Management
R. Baran, R. P. R. Dawber, D. A. R. de Berker
Paul Martin & Companies: Sixty Theses on the Alegal Nature of Tax Have...
Alain Deneault, Rhonda Mullins
Spirit and Kingdom in the Writings of Luke and Paul: An Attempt to Rec...
Youngmo Cho, Robert P. Menzies
The Origin of the Family of Bach Musicians. Ursprung Der Musicalisch-B...
Charles Sandford Terry, &. Emery Travis &. Emery, Travis &. Emery
Exam Prep for Principles of Customer Relationship Management by Baran,...
Galka &. Strunk Baran, Mznlnx
0 Kommentare