1 Einleitung 3
2 Leben und Werk Heinrich von Kleists 4
3. Der zerbrochne Krug. Ein Lustspiel. 7
3.1 Entstehungsgeschichte. 7
3.2 Fabel. 8
3.3 Aufbau und Struktur 10
3.4 Aussage 11
4 Inszenierung 16
4.1 Kleists Inszenierungshinweise. 16
4.2 Einige Inszenierungen 19
4.2.1 Goethes Inszenierung 20
4.2.2 Ludwigsburger Inszenierung 21
4.2.3 Inszenierung auf den Kölner Bühnen. 22
4.2.4 Inszenierung am Deutschen Theater Berlin 24
4.2.5 Inszenierung am Theater Freiburg. 26
4.3 Kritis cher Vergleich 29
4.4 Eigene Inszenierungsvorschläge 32
4.4.1 Konkrete Umsetzung 33
5. Schulbezug 40
5.1 Fächerübergreifender Dramenunterricht 40
5.1.1 Historischer Exkurs zur Bühnenbildgeschichte. 43
5.2 Zielsetzung 44
5.3 Didaktische Überlegungen 45
2
Wie Kleist selber in der Vorrede zu seinem Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ sagt, entstand dieses Stück in Anlehnung an einen Kupferstich, den Kleist in der Schweiz sah 6 . Kleist verbrachte hier einige Monate in Bern, unter anderem mit seinen beiden Bekannten H. Zschokke und Ludwig Wieland. In Zschokkes Pensionszimmer sah Kleist einen Kupferstich von einem niederländischen Meister, auf welchem ein gravitätischer Richter dargestellt war, vor dem eine alte Frau stand, „die einen zerbrochenen Krug h ielt, sie schien das Unrecht, das ihm widerfahren war, zu demonstrieren: Beklagter, ein junger Bauernkerl, den der Richter, als überwiesen, andonnerte, verteidigte sich noch, aber schwach: ein Mädchen, das wahrscheinlich in dieser Sache gezeugt hatte [...] spielte sich, in der Mitte zwischen Mutter und Bräutigam, an der Schürze [...]. 7 “. Der Künstler, der diesen Stich 1782 fabriziert hatte und ihm den Titel „Le juge ou la cruche cassée“ (Der Richter oder der zerbrochene Krug) gab, ist Jean Jacques André le Veau. Dieser Kupferstich entstand möglicherweise in Anlehnung an ein 1781 von dem französischen Maler und Kupferstecher Louis Philibert Debucourt produziertes Werk 8 , in welchem sich Einflüsse der niederländischen Genremalerei wiederfinden lassen. 9 Ausgehe nd von diesem Kupferstich ließen sich Kleist und seine beiden Freunde in Bern auf einen Wettbewerb ein: jeder sollte unter Bearbeitung desselben Stoffes, nämlich des auf dem Stich Dargestellten, ein literarisches Werk schaffen. Gewinner sollte derjenige sein, dessen Werk in der Öffentlichkeit am meisten Erfolg bringen würde. Zschokke schrieb daraufhin eine Satire, Wieland eine Erzählung und Kleist ein Drama: „Der zerbrochne Krug. Ein Lustspiel“. 10
Begonnen hat Kleist mit der Arbeit an seinem Drama zwar bereits 1802, jedoch hat er dieses Stück 1806 noch einmal überarbeitet, bevor es am 2. März 1808 in Weimar zur Uraufführung kam.
Aus seinem Briefwechsel mit Johann Wolfgang von Goethe geht hervor, dass Kleists Drama „Der zerbochne Krug“ nicht explizit für die Bühne geschrieben sei, da keine
Bühne so beschaffen sei, dieses Stück zur Aufführung bringen zu können. 11 Dies wird einige Jahre später widerlegt, indem das in Reimers Realschulverlag erscheinende Drama ausdrücklich als „Bühnenfassung“ deklariert wird. Nach Schindlbeck 12 wollte Kleist in seinem Schreiben an Goethe einerseits seine Unzufriedenheit darüber ausdrücken, dass es zu seiner Zeit weder einen geeigneten Regisseur, noch die geeigneten Schauspieler gab, um dieses Stück seinen Vorstellungen entsprechend auf die Bühne zu bringen, andererseits drückt Kleist in jenem Brief seine Zufriedenheit darüber aus, dass sein Lustspiel in Weimar von Goethe selbst inszeniert werden würde.
Goethe war jedoch nicht nur ein guter Bekannter Kleists, der das Drama nach Kleis ts Vorstellungen umsetzen sollte, sondern ebenso ein Kritiker und Neider des begabten Dichters. Kleists Vorstellungen von Theater brachen nach Goethes Auffassung einige Kriterien, an die man sich als Dramatiker zu halten hatte. So verabscheute Goethe zum Beispiel die Form des analytischen Dramas, in dem der Vorfall, der das gesamte Stück bestimmt, außerhalb des Aufführungsrahmens liegt. Dies führte dazu, dass Goethe das Lustspiel in drei Akte einteilte, in die er eine von Kleist vergebens zu verhindern versuchte Pause einbaute. Damit provozierte er eine allgemeine Langeweile auf Seiten der Zuschauer, die die Uraufführung missglückten ließ. 13
3.2 Fabel
Doch welcher ist der Vorfall, der nach Goethes Vorstellung auf der Bühne hätte dargestellt werden sollen? Frau Marthes Krug ist zerbrochen und nun gilt es im Verlauf des Stückes, den Krugzertrümmerer zu identifizieren. Wie genau der Krug zertrümmert wurde und wer der eigentliche Krugzertrümmerer ist, bleibt im Dunkeln verborgen. Dieser Moment wird auf der Bühne nicht nachgespielt. Der Zuschauer darf dafür aber miterleben, wie der Richter Adam an einem Morgen in einem niederländischen Dorf bei Utrecht von seinem, den Richter um sein Amt beneidenden, Gerichtsschreiber Licht geweckt wird, wobei Licht feststellen muss, dass sein Vorgesetzter eine Kopfverletzung und einen verstauchten Fuß hat. Auch seine Perücke ist nicht mehr aufzufinden, und aus den absurden Erklärungsversuchen Adams erkennt dessen Gerichtsschreiber sofort, dass sein Vorgesetzter versucht, die
Geschehnissee der vorigen Nacht zu vertuschen. Eine neue Perücke ist von den beiden Mägden auch nicht aufzutreiben, obwohl diese an jenem Tag dringend gebraucht werden würde, da ein besonderer Gerichtstag ansteht: Der Gerichtsrat Walter aus Utrecht lässt sich ankündigen, da er gerade dabei ist, alle umliegenden dörflichen Ämter zu inspizieren. Hierbei ist Adam und Licht sehr wohl bewusst, dass der prüfende Blick in deren Gerichtskasse verhindert werden muss, wenn Richter Adam sein Amt behalten will.
Als der Gerichtstag beginnt, betritt Frau Marthe Rull mit ihrer Tochter Eve und deren Verlobten Ruprecht, begleitet von dessen Vater Veit Tümpel, den Gerichtssaal um Anklage zu erheben gegen denjenigen, der ihren Krug in der Nacht zuvor in Eves Kammer zerschlagen hat. Ohne, dass Eve ihre Mutter davon abhalten kann, bezichtigt diese Ruprecht der Tat. Richter Adam will die Gelegenheit nutzen, den Verdacht auf sich selbst gar nicht erst aufkommen zu lassen, und möchte Ruprecht daraufhin sogleich verurteilen. Jedoch schreitet Gerichtsrat Walter ein, um die Beweisführung in gerichtlich korrekte Bahnen zu lenken. Hierbei stellt sich heraus, dass sowohl Eve, als auch der Richter selbst ein Geheimnis miteinander teilen. Adam aber will das Geheimnis nicht lüften um seiner selbst Willen, Eve nicht um Ruprechts Willen. Die Zeugin Brigitte, Veit Tümpels Schwester, beteuert, in der Nacht zuvor den Teufel an Eves Fenster gesehen zu haben, der nach ihrer Beschreibung große Ähnlichkeiten zu Adam aufweist. Außerdem wurde die vermisste P erücke unter Eves Fenster gefunden und nun von Licht und Brigitte als Beweisstück dem Gericht vorgelegt. Da Adam durch diese belastende Aussage bereits entlarvt zu sein scheint, erzählt Eve nun, was an jenem Abend tatsächlich geschehen ist: Richter Adam kam zu ihr, um sein Pfand dafür zu holen, dass er Ruprecht auf Eves Bitte vom anstehenden Kriegsdienst befreien würde. Hierbei wurde er von Ruprecht, der Eve besuchen wollte, überrascht. In dem Moment, als Adam seine auf dem Krug abgelegte Perücke an sich riss, um zu fliehen, stürmte Ruprecht, mit dem Verdacht, Eve mit einem anderen Liebhaber zu erwischen, durch die Tür ins Zimmer und der Krug brach entzwei. Ruprecht schlug dem Richter, den er jedoch nicht erkannte, bei dessen Fluchtversuch auf den Kopf, wobei die Perücke in den Dornen unterm Fenster hängen blieb. Der Richter warf ihm Sand in die Augen und konnte unerkannt entfliehen.
Was aber in jenen zwei Minuten vorher geschehen ist, in denen Eve und Adam allein waren, wird der Zuschauer nie erfahren. Das Stück endet mit der Flucht des angeklagten Richters aus dem Gerichtssaal, mit einem Kuss zwischen Eve und
9
Ruprecht und mit Frau Marthes Aussage, die Gerichtsverhandlung um den Krug in Utrecht weiterführen zu wollen. Es ist möglich, dass das Stück so weiterläuft, wie es angefangen hat: mit einem zerbrochenem Krug, dessen Zertrümmerer nicht entlarvt wird.
3.3 Aufbau und Struktur
Diese ganze Gerichtsverhandlung um einen zerbrochenen Krug bringt Kleist in die Form eines einaktigen, analytischen Dramas mit pyramidalem Aufbau, wobei sich die „Spitze der Pyramide“ nach zwei Drittel des Stückes befindet . In der Exposition der ersten Szene wird der zerschundene Zustand des Dorfrichters Adam dargestellt. Wie in einem Verhör, eine Gerichtsszene quasi vorwegnehmend, stellt der Gerichtsschreiber Licht viele Fragen, die Richter Adam zum Antworten zwingen. 14 Die Spannung in diesem Dialog wird durch einige erregende Elemente gesteigert: durch die Ankündigung des Gerichtsrats Walter 15 , die fehlende Perücke 16 , den bevorstehenden Gerichtstag und Adams bösen Traum 17 , der gleichzeitig eine Vorrausdeutung auf das Ende des Dramas ist. Im sechsten Auftritt wird die Hauptszene vorbereitet, indem die streitenden Parteien auftreten: Marthe und Eve auf der einen Seite, Ruprecht und Veit auf der anderen. 18 Diese sich vom siebenten bis zum zehnten Auftritt erstreckende Hauptszene lässt sich in vier Teile unterteilen: 1. die Anklage der Frau Marthe 19 , 2. eine kurze Zwischenszene 20 , die als Pause gewertet werden kann, 3., im neunten Auftritt die Gerichtsverhandlung 21 und 4., bevor wieder eine Zwischenszene eingebracht wird, die einer längeren Verschnaufpause (auch für den Zuschauer) gleichkommt 22 , im elften Auftritt der Höhepunkt des Verhörs: die Entlarvung des Täters durch Frau Brigitte und seine Flucht. 23 Das Stück findet daraufhin seinen Ausklang im zwölften und dreizehnten Auftritt. Licht wird losgeschickt, um Adam zurückzuholen und Frau Marthe erkundigt sich nach einer Möglichkeit, ihren Krug vor
Arbeit zitieren:
Jana Dietsch, 2004, Inszenierungsmöglichkeiten von Heinrich von Kleists "Zerbrochnem Krug. Ein Lustspiel", München, GRIN Verlag GmbH
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