Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1 Methodische Grundlagen 8
1.1 Von Michail Bachtins dialogicnost“
zu Julia Kristevas intertextualit´ e“ 8
1.2 Die Folgen 11
1.2.1 Text und Intertext 11
1.2.2 Autor und Rezipient 14
1.2.3 Markierung intertextueller Bez uge 16
1.2.4 Intertextualit at verschiedensprachiger Texte 20
1.3 Methodenauswahl nebst einiger Vorbehalte 20
2 Die Personifizierung der fornicatio in den Vitae Patrum -
ein m ogliches Vorbild f ur die Frau Welt 24
2.1
Uberlieferung und Rezeption 24
2.2 De fornicatione und m ogliche Referenztexte 27
3 saeculum und gloria mundi -
zwei mittellateinische Frau Welt-Gestalten 43
3.1
Uberlieferung 43
3.2 Ein Vergleich der beiden Exempla 44
3.3 Die Exempla und das Apophthegma 51
3.4 Zusammenfassung und Fazit 58
4 Der Welt Lohn“ Konrads von W urzburg 61
4.1
Uberlieferung 61
4.2 Konrad von W urzburg und seine literarischen Vorbilder 62
4.2.1 Gottfried von Straßburg 62
4.2.2 Wirnt von Gravenberg 68
4.2.3 Hartmann von Aue 69
4.2.4 Walther von der Vogelweide 72
4.2.5 Zusammenfassung 75
4.3 Der Welt Lohn“ und die mittellateinischen Exempla 76
5 Die Strophen des Guters 79
5.1
Uberlieferung und Struktur 82
5.2 Der Epigone und sein Vorbild? Der Guter und Konrad von W urzburg 83
6 Zusammenfassung und Fazit 88
7 Bibliographie 94
7.1 Prim arliteratur 94
7.2 Sekund arliteratur 95
7.3 Lexika und W orterb ucher 97
i
Einleitung
Frˆ o Welt, ich hˆ an ze vil gesogen,
”
ich will entwonen, des ist zˆ ıt. dˆ ın zart hˆ at mich vil nˆ ach betrogen wand er viel s¨ uezer fr¨ oiden gˆ ıt. Dˆ o ich dich gesach reht under ougen, dˆ o was dˆ ın schouwen wunderlichn <....> al sunder lougen. doch was der schanden alse vil, dˆ o ich dˆ ın hinden wart gewar, daz ich dich iemer schelten wil.“ 1
Diese Zeilen Walthers von der Vogelweide, entnommen aus dem sogenannten ” Abschied von
der Welt“, 2 wertet die Forschung als erstes Auftreten der doppelseitigen Frau Welt in der mittelhochdeutschen Literatur. 3
Mehr als diese andeutenden Verse brauchte es anscheinend nicht, um den Zeitgenossen Walthers von der Vogelweide diese allegorische Figur vor das innere Auge zu rufen, die wie keine andere vermochte, die Ambivalenz der irdischen Existenz zu verk¨ orpern. Das wesentliche ¨ außere Merkmal der Frau Welt 4 ist ihre Aufspaltung in eine sch¨ one, reich gewandete Vorderseite und eine entstellte, verwesende R¨ uckseite. Die Botschaft bzw. der Gehalt der Al-legorie war dem gl¨ aubigen Menschen des Mittelalters vollkommen klar: Wer den Sch¨ onheiten und Vergn¨ ugungen der diesseitigen Welt anh¨ angt und somit s¨ undigt, erh¨ alt daf¨ ur im jenseitigen Leben den gerechten Lohn; sein Los ist der ewige Tod. Die irdische Existenz bietet nichts als Verg¨ anglichkeit und Trug, und all ihre Sch¨ onheiten sind Blendwerk, nur dazu angetan, den Menschen vom eigentlichen Ziel seines Daseins, dem ewigen, jenseitigen Leben bei Gott, abzulenken.
Die Frau Welt-Figur entstammt dem Bereich des contemptus mundi, 5 einer christlichen Spiritualit¨ at, die vor dem Hintergrund des Glaubens an die k¨ orperliche Auferstehung und in der Erwartung eines ewigen Lebens in der k¨ unftigen Welt 6 die Verachtung der diesseitigen
1 Zitiert nach: Walther von der Vogelweide. Leich, Lieder, Sangspr¨ uche. 14., v¨ ollig neubearb. Aufl. der Ausgabe Karl Lachmanns mit Beitr¨ agen von Thomas Bein und Horst Brunner hrsg. von Christoph Cormeau. Berlin 1996.
2 Vgl. zu diesem Titel: Walther von der Vogelweide. S¨ amtliche Lieder. Hrsg. u. ¨ ubertr. von Friedrich Maurer.
5., unver¨ anderte Aufl. M¨ unchen 1993 (UTB; 167), S. 274f. Im folgenden: Maurer, Walther von der Vogelweide.
3 Vgl. Priebsch, Robert: Walther von der Vogelweide: Abschied von der Welt. In: The Modern Language Review Vol. XIII (1918), S. 465-473, spez. S. 467f. Im folgenden: Priebsch, Walther von der Vogelweide. Einen Schritt weiter geht Reinhard Bleck, der in Walther den Sch¨ opfer der zweiseitigen Frau Welt vermutet: ” Die vollausgebildete weibliche Personifikation der Welt wird offenbar geschaffen von Walther von der Vogelweide in seiner sogenannten Alterslyrik um 1230.“ Aus: Bleck, Reinhard: Konrad von W¨ urzburg. Der Welt Lohn. In Abbildung der gesamten ¨ Uberlieferung, synoptische Edition, Untersuchungen. G¨ oppingen 1991. (Litterae; 112). Hier S. 103. Im folgenden: Bleck, Konrad von W¨ urzburg.
4 Vgl. zum folgenden den Artikel ” Frau Welt“ aus dem Lexikon des Mittelalters. Bd. 4. Hrsg. von Robert Auty u. a. M¨ unchen, Z¨ urich 1989. Sp. 881f.
5 Vgl. zu den folgenden Ausf¨ uhrungen den Artikel ” Contemptus mundi“ aus dem Lexikon des Mittelalters. Bd. 3. Hrsg. von Robert Auty u. a. M¨ unchen, Z¨ urich 1986. Sp. 186-194.
6 Vgl. den letzten Satz des apostolischen Glaubensbekenntnisses: ” Et expecto resurrectionem mortuorum et
1
predigt. 7 Der Grund f¨ ur die Ausbildung eines solchen Gegensatzes zwischen irdischer Existenz bzw. der Welt und den g¨ ottlichen, himmlischen Sph¨ aren ist in der tief im Christentum 8 verwurzelten ontischen Dualismusvorstellung zu suchen: 9 Die irdische Welt und ihre Bewohner sind zwar Gottes Sch¨ opfung, aber durch die Erbs¨ unde von ihm abgefallen und deswegen mit dem Makel der S¨ undenschuld behaftet. Die Folge der S¨ unde aber ist der leibliche Tod. 10 Unter rein ethischen Gesichtspunkten betrachtet folgert daraus eine entsprechend negative Bewertung der Welt, der Menschen und ihrer gesamten diesseitigen Existenz: Irdische Unvollkommenheit, S¨ undhaftigkeit und Verg¨ anglichkeit stehen in direkter Opposition zu g¨ ottlicher Vollkommenheit und ewigem Leben.
An dieser Stelle sei kurz auf die gebr¨ auchlichen lateinischen Termini zur Bezeichnung der Welt und ihrer Bewohner - mundus und saeculum - eingegangen. 11 Sie waren im Laufe der Zeit einem starken Bedeutungswandel unterworfen. mundus stand seit Catullus ( * ca. 87, † ca. 54 v. Chr.) und Horatius ( * 65, † 8 v. Chr.), unter dem Einfluß des griechischen kosmos 12 -Begriffes, f¨ ur die Gesamtheit der Himmelsk¨ orper, das Weltall bzw. die Welt (im naturwissenschaftlichen Sinne). In der Kaiserzeit erfolgte eine Bedeutungsverengung, so daß
vitam venturi saeculi.“ Zitiert nach: Gotteslob. Katholisches Gebet- und Gesangbuch f¨ ur das Bistum Aachen. Stuttgart, Aachen 1975. Nr. 423, S. 433.
7 Weltfeindliches Denken ist allerdings kein origin¨ ar christlicher Wesenszug, sondern l¨ aßt sich in die fr¨ uheste griechische Literatur und Philosophie zur¨ uck verfolgen. Schon Homer betont in seinen Werken die Elendigkeit und Verg¨ anglichkeit der menschlichen Existenz; ¨ ahnlich ¨ außern sich auch Sophokles und Euripides. Dem schließen sich Denker verschiedener griechischer Schulen an, und auch r¨ omische Philosophen wie Cicero, Seneca und Marc Aurel, die in der stoischen Tradition stehen, teilen die negative Bewertung des menschlichen Daseins. Vgl. hierzu Stammler, Wolfgang: Frau Welt. Eine mittelalterliche Allegorie. Freiburg i. d. Schweiz 1959. (Freiburger Universit¨ atsreden; N. F. 23). Bes. S. 7-9. Im folgenden: Stammler, Frau Welt.
8 Großen Einfluß auf die christliche Weltsicht hatten die Dualismusvorstellungen Plotins ( * ca. 205, † 270), der in seiner Hypostasenlehre eine Seinshierarchie entwirft mit dem Einen bzw. Gott als reinem Geist, der vollkommen ist und aus dem alles hervorgeht, an der Spitze und der reinen Materie am untersten Ende, da wesensfremd zum Urspr¨ unglichen, Guten. Folgerichtig muß das Ziel des Menschen die Abkehr vom Materiellen, also allem Irdischen sein, denn nur die Seele hat, da rein geistig, die M¨ oglichkeit, mit dem G¨ ottlichen/Vollkommenen in Kontakt zu treten. Die Sicht des Christentums unterscheidet sich hingegen von Plotins Lehre wesentlich durch die Idee der g¨ ottlichen Erl¨ osung und des seligen Weiterlebens. Vgl. Hirschberger, Johannes: Kleine Philosophiegeschichte. Freiburg i. Br., Wien 1992. (Herder; 4168), S. 55-59, sowie Delius, Christoph; Gatzemeier, Matthias: Geschichte der Philosophie. Von der Antike bis heute. K¨ oln 2000. S. 19.
9 Die weit verbreitete Lehrmeinung vom ontischen Dualismus wird von Arnold Angenendt in bezug auf das sp¨ atantike Christentum teilweise eingeschr¨ ankt. Im Zusammenhang mit der Askesepraxis der fr¨ uhen Christen sagt er, es ginge dabei grunds¨ atzlich weniger darum, den Leib zu zerbrechen, ” sondern die in diesem sich
regende menschliche Eigenmacht gegen¨ uber Gott; gegen das Triebhaft- Unethische sollte angek¨ ampft werden, aber Leib und Materie als solche waren von der Sch¨ opfung her gut.“ Gleichwohl gesteht auch er zu, daß ” solche
[dualistischen] Auffassungen auch ins Christentum [eindrangen] und [...] sich mit den Forderungen des Neuen Testaments [verbanden].“ Vgl. Angenendt, Arnold: Geschichte der Religi¨ osit¨ at im Mittelalter. 2. ¨ uberarb. Aufl. Darmstadt 2000, bes. S. 560-572.
10 Vgl. hierzu den Artikel ” Tod“ im LThK: ” Die Charakterisierung des T.[odes] als Folge, Straffolge der
S¨ unde, ist tief in Hl. Schrift u. kirchl. Lehr-Trad. eingeschrieben.“ Lexikon f¨ ur Theologie und Kirche. Begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper u. a. Freiburg i. Br., Basel u. a. Bd. 10. 3., v¨ ollig neu bearb. Aufl. 2001. Im folgenden: LThK. Hier Sp. 73f.
11 Vgl. Thiel, Gisela: Das Frau Welt-Motiv in der Literatur des Mittelalters. Diss. Saarbr¨ ucken 1956. (Masch.) Im folgenden: Thiel, Frau Welt-Motiv. Vgl. hier ihre Ausf¨ uhrungen zum Weltbegriff auf den Seiten 9-12.
12 kosmos = Ordnung, Schmuck, Regelm¨ aßigkeit, auch Weltall, Welt. Vgl. hierzu den Artikel ” kosmos“ in:
Langenscheidts Taschenw¨ orterbuch Altgriechisch. 37. Aufl. Berlin, M¨ unchen, Z¨ urich 1976, sowie den Artikel Kosmos“ im LThK. Bd. 6. Sp. 404f.
”
2
mundus nunmehr auf die Erde und ihre Bewohner, schließlich auf die Menschheit schlechthin fokussiert wurde. Durch den Einfluß des Christentum wurde der Bedeutungshorizont weiter eingeschr¨ ankt; die rein ethische Betrachtungsweise f¨ uhrte zur negativen Konnotation des mundus-Begriffs, denn er wurde ” auf die in ihrem Leben und in ihren Grunds¨ atzen von Gott ubertragen.“ 13 abgewandte Menschheit ¨
Einem ¨ ahnlichen Wandel unterlag der Terminus saeculum. In seiner urspr¨ unglichen Bedeutung 14 dient er zur Umschreibung eines bestimmten Zeitraums, den z. B. Plinius der ¨ Altere in
seiner Naturgeschichte mit 30 Jahren veranschlagt, was ann¨ ahernd einer antiken Lebensspanne gleichk¨ ame. Endlichkeit ist auch f¨ ur die weiteren Verwendungen das wesentliche Merkmal; so steht saeculum - ebenfalls seit der Kaiserzeit - auch f¨ ur Begriffe wie Geschlecht, Zeitalter, Zeitgeist und Jahrhundert. Im Mittellateinischen bezeichnet er schließlich die endliche Welt, das gegenw¨ artige Leben, alle verg¨ anglichen Dinge, sowie die irdische Gesellschaft bzw. die Menschheit und dient somit als Synonym f¨ ur mundus. 15
Das literarisch-theologische Fundament der contemptus mundi-Bewegung bildete, neben den Briefe des Apostels Paulus, einigen Texte des Alten Testaments 16 sowie diversen patristischen Schriften, 17 vor allem der Johannesbrief, in dem der Verfasser wiederholt die Liebe zum g¨ ottlichen Vater ¨ uber die Liebe zur Welt stellt und das verg¨ angliche Leben in der irdischen Welt und das ewige Leben bei Gott in strikte Opposition zueinander bringt: 1 Joh 2,15-17 ” Nolite diligere mundum neque ea, quae in munde sunt. Si quis diligit mundum, non est caritas Patris in eo; quoniam omne quod est in mundo, concupiscentia carnis est et concupiscentia oculorum et superbia vitae [iactantia divitiarum]; quae non est ex Patre, sed ex mundo est. Et mundus transit et concupiscentia eius. Qui autem facit voluntatem Dei manet in aeternum.“ 18
Noch sch¨ arfer formuliert der Verfasser des Johannesevangeliums, der die Verbindung zwi-
und” Weltleben“ anbietet. Mittellateinisches Glossar. Hrsg. von Edwin Habel u. Friedrich Gr¨ obel. Unver¨ and. Nachdruck der 2. Aufl. 1959. Paderborn, M¨ unchen, Wien, Z¨ urich 1989. (Uni-Taschenb¨ ucher; 1551).
14 Vgl. den Paragraphen ” saeculum“ in: Walde, Alois: Lateinisches etymologisches W¨ orterbuch. Bd. 2. 4. Aufl. Heidelberg 1965, S. 460f.
lexicon minus. Mittellateinisches W¨ orterbuch. ¨
wirkm¨ achtig erwiesen sich z. B. die Schriften ”
” ”
des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und die Protzsucht des Reichtums, stammt nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt geht vor¨ uber mit ihrer Begierde. Wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.“ Deutscher Text: Die Bibel. Die heilige Schrift des alten und neuen Bundes. Dt. Ausgabe mit den Erl¨ auterungen der Jerusalemer Bibel. Hrsg. von Diego Arenh¨ ovel, Alfons Deissler und Anton V¨ ogtle. Freiburg, Basel, Wien. 16. Aufl. 1968. Im folgenden: Die Bibel. Hier: Die Bibel, S. 1763. Lateinischer Text: Novum Testamentum. Graece et Latine. Apparatu critico instructum edidit Augustinus Merk, S.J. Editio nona. Romae 1964. Hier S. 775. Im folgenden: Novum Testamentum.
3
schen der Welt und dem Satan als dem F¨ ursten der Welt kn¨ upft und diesen zum direkten Gegenspieler Christi aufbaut:
Joh 12,31 ” Nunc iudicium est mundi, nunc princeps huius mundi eicietur foras. Et ego, si exaltatus fuero a terra, omnia traham ad me ipsum“ 19
Joh 16,8-11 ” Et cum venerit ille [i.e. Paraklitus, also der Heilige Geist], arguet mundum de peccato et de iustitia et de iudicio. De peccato quidem, quia non crediderunt in me. De iustitia vero, quia ad Patrem vado, et iam non videbitis me. De iudicio autem, quia princeps huius mundi iam iudicatus est.“ 20
Der wahrhaftige Christ soll sich auch nicht an diese Welt klammern, denn sie ist nichts weiter als ein Durchgangsstadium, er selbst nur Pilger oder Fremder, sein Leben ganz auf eine jenseitige Existenz ausgerichtet. F¨ ur den Verfasser des Hebr¨ aerbriefes verk¨ orpert der Patriarch Abraham beispielhaft diese Haltung: Allein im Vertrauen auf Jahwe verl¨ aßt dieser seine Heimat und begibt sich auf die Reise, ohne das Ziel zu kennen.
Hebr. 11,8-10 ” Fide qui vocatur Abraham oboedivit in locum exire, quem accepturus
erat in hereditatem, et exiit, nesciens quo iret. Fide demoratus est in terra repromissionis tamquam in aliena, in casulis habitando cum Isaac et Iacob coheredibus repromissionis eiusdem. Expectabat enim fundamenta habentem civitatem, cuius artifex et conditor Deus.“ 21
Vorbildlich ist auch Noah, der, Gott gehorsam, die Arche erbaut und sich damit von seiner (Um-)Welt und ihrem Urteil abwendet. 22 Damit sind beide, zusammen mit anderen vorbildlichen Figuren des Alten Testamentes, 23 durch ihre ” Fremdheit“ in der Welt Vorbild f¨ ur alle Gl¨ aubigen:
Hebr. 11,13-16 ” Iuxta fidem defuncti sunt omnes isti, non acceptis repromissionibus, sed a longe eas aspicientes et salutantes et confitentes quia peregrini et hospites sunt supra
19 Jetzt ist das Gericht ¨ uber diese Welt. Jetzt wird der F¨ urst dieser Welt hinabgeworfen werden. Und ich
”
werde, wenn ich von der Erde erh¨ oht bin, alle an mich ziehen.“ Dt. Text: Die Bibel, S. 1519. Jesus spricht diese Worte in Anspielung auf seinen nahe bevorstehenden Tod, der die Menschheit befreien soll: Die Herrschaft des F¨ ursten dieser Welt wird durch die Gottesherrschaft beendet werden. Vgl. hierzu den Stellenkommentar der Jerusalemer Bibel. Ebda. Lat. Text: Novum Textamentum, S. 359f.
20 Und wenn er kommt, wird er die Welt ¨ uberf¨ uhren ¨ uber S¨ unde und ¨ uber Gerechtigkeit und ¨ uber Gericht.
” ¨ Uber S¨ unde, weil sie nicht an mich glauben. ¨ Uber Gerechtigkeit, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht. ¨ Uber Gericht, weil der F¨ urst dieser Welt gerichtet ist.“ Dt. Text: Die Bibel, S. 1525. Lat. Text: Novum Testamentum, S. 372.
21 Durch Glauben gehorchte Abraham, als der Ruf an ihn erging, auszuwandern an einen Ort, den er zum
”
Erbe erhalten sollte; und er wanderte aus, ohne zu wissen, wohin es ging. Durch Glauben ließ er sich als Beisasse im Lande der Verheißung wie in einem fremden (Lande) nieder und wohnte in den Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben der gleichen Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt mit den festen Grundmauern, deren Baumeister und Gr¨ under Gott ist.“ Dt. Text: Die Bibel, S. 1736. Lat. Text: Novum Textamentum, S. 731f.
22 Hebr 11,7 ” Fide Noe responso accepto de his quae adhuc non videbantur metuens aptavit arcam in salutem domus suae per quam damnavit mundum et iustitiae quae per fidem est heres est institutus.“ (Hervorhebung durch mich) Lat. Text: Novum Testamentum, S. 731. ” Durch Glauben baute Noach, als er eine Offenbarung erhalten hatte ¨ uber das, was man noch nicht sah, in frommer Besorgnis eine Arche zur Rettung seiner Familie; durch ihn (den Glauben) verurteilte er die Welt und wurde Erbe der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben stammt.“ Dt. Text: Die Bibel, S. 1736.
23 Vgl. Hebr. 11,1-6 und 11f.
4
terram. Qui enim haec dicunt, significant se patriam inquirere. Et si quidem ipsius meminissent de qua exierunt, habebant utique tempus revertendi. Nunc autem meliorem appetunt, id est caelestem. Ideo non confunditur Deus vocari Deus eorum; paravit enim illis civitatem.“ 24
Vorl¨ aufigkeit, aber auch Bedrohlichkeit des Diesseits f¨ ur das Seelenheil durch seine Verlockungen zur S¨ unde bem¨ uhen sich christliche Schriftsteller immer wieder in Bilder zu fassen: Das irdische Leben ist fl¨ uchtig wie ein Windhauch, 25 ein Weg, 26 oder eine Wanderung durch die gef¨ ahrliche W¨ uste. So konstatiert Cassiodor in seiner Expositio in psalterium zu Psalm 136 (135),16:
Per desertum nos trajicit, quando per hoc saeculum transire facit illæsos; soli enim
”
evadunt qui mundi istius mala pertranseunt. Cæterum qui in istis hæserit, ad præmia divina non pervenit. Desertus enim ideo dicitur mundus, quia divina electione privatus. Et merito sic vocatur, quia ad se venientem non recepit Auctorem.“ 27
Tertullian steigert diese negative Bewertung der irdischen Existenz noch, indem er in seiner Schrift Ad Martyres die Welt als Kerker bezeichnet, dem der Aufenthalt im tats¨ achlichen Gef¨ angnis vorzuziehen sei:
Si enim recogitemus ipsum magis mundum carcerem esse, exisse vos e carcere, quam in
”
carcerem introisse, intellegemus. Maiores tenebras habet mundus, quae hominum praecordia excaecant. Graviores catenas induit mundus, quae ipsas animas hominum constringunt. Peiores immunditias exspirat mundus, libidines hominum. Plures postremo mundus reos continet, scilicet universum hominum genus. Iudicia denique non proconsulis, sed Dei sustinet. [...] Christianus etiam extra carcerem saeculo renuntiavit, in carcere autem etiam carceri.“ 28
24 Gl¨ aubig sind diese alle gestorben, ohne die Verheißung erlangt zu haben; sie haben sie von Ferne gesehen
”
und begr¨ ußt und haben erkannt, daß sie Fremdling und Pilger seien auf Erden. Denn die so sprechen, geben zu verstehen, daß sie eine Heimat suchen. H¨ atten sie aber jene im Sinn gehabt, aus der sie ausgezogen waren, so h¨ atten sie ja Gelegenheit gehabt umzukehren. Nun aber verlangen sie nach einer besseren, das heißt nach der himmlischen (Heimat). Darum sch¨ amt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott zu heißen; denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.“ Dt. Text: Die Bibel, S. 1736. Lat. Text: Novum Testamentum, S. 732. (Hervorhebung durch mich)
Patrologiae cursus completus: sive bibliotheca universalis, integra, uniformis, commoda, oeconomica, omnium ss. patrum, doctorum scriptorumque ecclesiasticorum, qui ab aevo apostolico ad usque Innocenti III tempora floruerunt; recusio chronologica omnium quae exsistere monumentorum catholicae traditionis per duodecim priora ecclesiae saecula. Series Latina. Hrsg. von Jacques-Paul Migne. Paris 1844-64. Im folgenden: P. L. t. Hier t.[omus] 76, Sp. 1089.
unversert durchkreuzen l¨ aßt. Nur jene, die das B¨ ose dieser Welt durchleiden, ¨
wohingegen jener, der an ihnen festh¨ alt, den ewigen Lohn nicht erlangt.
Die Welt wird deswegen als W¨ uste bezeichnet, weil sie von der Erw¨ ahlung durch Gott ausgeschlossen ist.
Sie wird mit Recht so genannt, weil sie ihren Sch¨ opfer nicht willkommen hieß, als er zu ihr kam.“ (eigene ¨
werden wir erkennen, daß Ihr vielmehr aus einem Kerker herausgegangen als in einen Kerker eingetreten seiet. Was die dort herrschende Dunkelheit betrifft, so gibt es in der Welt eine gr¨ oßere, die n¨ amlich, welche die Herzen der Menschen blind macht. Ketten - legt die Welt noch schwerere an, solche, welche die Seelen sogar fesseln. Unsaubere D¨ unste - haucht die Welt noch schlimmere aus, die Woll¨ uste der Menschen. Schuldigeenth¨ alt die Welt schließlich noch in gr¨ oßerer Zahl, n¨ amlich das ganze Menschengeschlecht. Verurteilung endlich - hat sie nicht vom Prokonsul, sondern von Gott zu erwarten. [...] Der Christ aber hat, auch nicht im Kerker befindlich, der Erde entsagt, im Kerker auch noch dem Kerker.“ (eigene ¨ Ubersetzung)
5
Neben diesen dinglichen Metaphern f¨ ur die negativen Aspekte des menschlichen Lebens bzw. der Welt, finden sich in der lateinischen contemptus mundi-Literatur auch Ans¨ atze zur Ausbildung einer Weltpersonifikation. Anselm von Canterbury warnt in seinem Brief an Herluin vor dem tr¨ ugerischen L¨ acheln des mundus und derer, die zu ihm geh¨ oren, und geht damit einen Schritt in Richtung Personifikation, indem er die Gestalt eines Betr¨ ugers evoziert: Si mundus, vel aliquid eorum quae sunt mundi, ridet tibi, noli arridere illi. Certe, frater,
”
non ridet tibi, ut in fine risus tu rideas; sed simulat risum, ut te irrideat.“ 29
Geschult in der allegorischen Bibelauslegung ließen die geistlichen Autoren das gef¨ ahrliche Wesen der Welt bzw. bestimmte ¨ uble Charakteristika durch bekannte biblische Frauenfiguren Gestalt annehmen. So verk¨ orpern in Bernhards von Clairvaux Liber sententiarum (Vers 117) drei ber¨ uhmt-ber¨ uchtigte Frauen des Alten und Neuen Testaments die Gef¨ ahrdung des Seelenheils durch die Welt und durch drei der mit ihr im 1. Johannesbrief in Verbindung gebrachten Haupts¨ unden:
Puellae quae evertunt sensum nostrum, tres sunt. Teneritudo carnis nostrae, quae est Da-”
lila quae Samsoni eruit oculos. Amoenitas mundialis gloriae, quae est Jezabel, et Naboth occidit. Differentiae futurae vitae, quae est filia Herodiadis, et aufert caput prophetae.“ 30
Auf autorit¨ arer Basis begr¨ undet und stetig weitergef¨ uhrt, riß die Tradition der contemptus mundi-Literatur also auch im Mittelalter nicht ab, sondern erlebte im 11. und 12. Jahrhundert sogar einen neuen Aufschwung 31 und gewann gr¨ oßeren Einfluß als zuvor. 32 Beispielhaft f¨ ur diese Entwicklung ist die weite Verbreitung des Traktats De contemptu mundi sive de miseria conditionis humanae Lothars von Segni 33 in fast ganz Europa und vor allem seine ¨ Ubersetzung
in diverse Volkssprachen. Durch den Einzug des
contemptus mundi
in die volkssprachliche
Einer ¨ ahnlichen Metaphorik bedient sich auch der Autor der
Vita sanctorum Barlaam eremitae et Josaphat Indiae regis:
” Scrobs autem mundus est, qui omnis generis malis ac mortiferis laqueis scatet. Arbor ea quam compressis manibus tenemus, et quae a duobus muribus indesinenter arroditur, cujusque hominis vi-
tae curriculum est.“ (P. L. t. 73, Sp. 493.) ” Fallen/Fallstricken wimmelt.“ (eigene ¨ 29 P. L. t. 158, Sp. 1073. ”
ihn nicht an. Sei versichert, Bruder, er l¨ achelt dir nicht zu, damit am Ende des Gel¨ achters du lachen m¨ ogest, sondern er heuchelt das L¨ acheln, um dich auszulachen.“ (eigene ¨
30 P. L. t. 184, Sp. 1149. ”
Zartheit/die Nachgiebigkeit unseres Fleisches, das ist Dalila, die die Augen des Samson herausreißt. Der Reiz des weltlichen Ruhmes, das ist Jezabel - und wahrlich! - sie t¨ otet Naboth. Der Zweifel am k¨ unftigen Leben, das ist die Tochter der Herodias - und wahrlich! - sie schl¨ agt das Haupt des Propheten ab.“ (eigene ¨ Ubersetzung)
31 Diese Erstarkung der contemptus mundi-Literatur wird h¨ aufig mit den Klosterreformen des 11. und 12. Jahrhunderts, besonders der cluniazensischen Reformbewegung, in Verbindung gebracht. Vgl. z. B. Stammler, Frau Welt, S. 14-16. Gegen eine solche direkte Einflußnahme und den Terminus ” cluniazensische Dichtung“ im
besonderen spricht sich Rupp aus. Vgl. Rupp, Heinz: Deutsche religi¨ ose Dichtung des 11. und 12. Jahrhunderts. Untersuchungen und Interpretationen. 2. Aufl. Bern, M¨ unchen 1971. Spez. S. 261-273. Im folgenden: Rupp, religi¨ ose Dichtung.
32 Vgl. die angef¨ uhrte Literatur in: Weltlohn, Teufelsbeichte, Waldbruder. Ein Beitrag zur Bearbeitung lateinischer Exempla im mhd Gewande nebst einem Anhang: De eo qui duas volebat uxores. Hrsg. und eingeleitet von August Closs. Heidelberg 1934. (Germanische Bibliothek; 2 Abt. Untersuchungen und Texte; 37), bes. S. 1-7. Im folgenden: Closs, Weltlohn.
33 D. i. der sp¨ atere Papst Innozenz III. (1198-1216).
6
Literatur, seien es Predigten oder Erbauungsb¨ ucher, wird n¨ amlich deutlich, daß die geistige Bewegung nicht eng auf klerikale Kreise beschr¨ ankt blieb, sondern auch großen Einfluß auf die Laien gewann. 34
In derselben christlichen Tradition stehen auch jene vier Texte, die im folgenden in Relation zueinander gebracht werden sollen. Gemeinsam ist ihnen auf den ersten Blick vor allem der dramatische Auftritt einer sch¨ onen/entstellten Frau, die in den mittelhochdeutschen Texten als ” Frau Welt“ apostrophiert wird. Auf der Suche nach der Herkunft dieser mysteri¨ osen Allegorie postulierte die Forschung immer wieder durchaus unterschiedliche Abh¨ angigkeitsverh¨ altnisse zwischen den zu besprechenden Texten, wobei sich die Untersuchungen - bedingt durch die Aufgabenstellung - haupts¨ achlich auf die Frau Welt-Figur konzentrierten, dem ¨ ubrigen Personal bzw. der Erz¨ ahlstruktur jedoch relativ wenig Beachtung schenkten.
Den Auftakt der Untersuchungsreihe bildet die Besch¨ aftigung mit einer kurzen lateinischen Erz¨ ahlung einer antiken Sammlung patristischer Texte, der Vitae Patrum. Mit der anschließenden Analyse zweier kurzer, anonym und in lateinischer Sprache ¨ uberlieferter Exempla und einem Vergleich mit der kirchenv¨ aterlichen Erz¨ ahlung soll die Br¨ ucke von den Schriften der Kirchenv¨ ater zur mittellateinischen geistlichen Literatur geschlagen und die uber das Ende der Antike hinaus ungebrochene Wirkung der contemptus mundi-Str¨ omung ¨
verdeutlicht werden. Anschließend wird Konrads von W¨ urzburg Verserz¨ ahlung ” Der Welt
Lohn“ hinzugezogen, die als erster mittelhochdeutscher Text eine komplett ausgef¨ uhrte zweiseitige Frau Welt-Allegorie bietet. Den Abschluß bildet die Untersuchung einer Spruchreihe des Guters, den die Forschung mit dem ” Etikett“ des Epigonen Konrads versehen und deswegen weitestgehend ignoriert hat. 35
Wer sich heute an eine Untersuchung der Beziehungen zwischen Texten begibt, kommt nicht umhin, die schier unendliche Diskussion zur Kenntnis zu nehmen, welche sich um den Begriff der Intertextualit¨ at sowie die dazugeh¨ orenden Theorien samt Terminologie bem¨ uht, und daraufhin seine eigenen methodischen Grundlagen gr¨ undlich zu hinterfragen und offenzulegen. Dies soll nun im ersten Kapitel geschehen.
34 Gleichwohl ist zu beachten, daß der Terminus contemptus mundi eine vermeintliche Geschlossenheit suggeriert, die der Komplexit¨ at dieser geistlichen Bewegung wohl nicht ganz entspricht. Vgl. hierzu Rupp, religi¨ ose Dichtung, S. 266-273.
35 Vgl. hierzu den Forschungs¨ uberblick bei Thomas Bein: ” Frau Welt“, Konrad von W¨ urzburg und der
Guter. Zum literarhistorischen Umgang mit weniger bekannten Autoren. In: ” swer sˆ ınen vriunt behaltet, daz
ist lobelˆ ıch“. Festschrift f¨ ur Andr´ as Vezkelety. Hrsg. von M´ arta Nagy u. L´ aszl´ o J´ an´ acsik [...] Budapest 2001. (Abrogans; 1), S. 105-115. Im folgenden: Bein, Frau Welt.
7
1 Methodische Grundlagen
zu Julia Kristevas ”
Bez¨ uge zwischen Texten sind so alt wie die Literatur selbst - die ausf¨ uhrliche theoretische Diskussion dieses Ph¨ anomens und den Terminus ” Intertextualit¨ at“ verdanken wir aber den
Poststrukturalisten des 20. Jahrhunderts. In den sp¨ aten sechziger Jahren entwickelte die bulgarische Semiotin Julia Kristeva im R¨ uckgriff auf die gesellschafts- und literaturphilosophischen Schriften des Russen Michail Michailovitsch Bachtin ihr Konzept der ” intertextualit´ e“. 36
Bachtin hatte im Zuge der Kulturrevolution im Russland der zwanziger Jahre versucht, die Zusammenh¨ ange zwischen Literatur und Gesellschaft in einem eigenen Modell zu erfassen, Dialogizit¨ at“ basiert. 37 In diesem Konzept das auf den Prinzipien von ” Monologizit¨ at“ und ”
sind die Formen von Sprache und Kunst eng mit den jeweiligen gesellschaftlichen Zust¨ anden verbunden, die Literatur ist ein Teil der vorgefundenen Wirklichkeit. Der K¨ unstler muß sich nun entscheiden, wie er sich in dieser Realit¨ at verh¨ alt; ob er die vorherrschenden, etablierten Formen benutzt und damit zu Erhalt und Best¨ atigung der bestehenden Literatur beitr¨ agt, oder ob er sich von ihr distanziert und sie bek¨ ampft. Dieser rein ” intertextuelle“ Prozeß
ist aber nur ein kleiner Teil seiner gr¨ oßeren (und wesentlicheren) Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Politik.
Bachtins Modell zufolge versucht jede hierarchisch-zentralistisch strukturierte und auf Au-torit¨ aten ausgerichtete Gesellschaft, den ihr eigenen Macht- und Wahrheitsanspruch durchzusetzen. In der Konsequenz wird sie die Literatur bevorzugen, die der Erhaltung der herrschenden Zust¨ ande und Autori¨ aten dient, keine kritische Auseinandersetzung - also den Dialogsucht, sondern die Traditionen als Bestandteil der bestehenden Kultur sozusagen im Monolog mit sich selbst best¨ atigt und bekr¨ aftigt. Dies ist das schon erw¨ ahnte Prinzip der ” Monologizit¨ at“. Antagonistisch dazu versucht das dialogische Prinzip, diesen zentralistischenmonopolistischen Bestrebungen entgegenzuwirken, den allgemeinen gesellschaftlichen Konsens zu unterlaufen, indem es sich kritisch und offen mit den bestehenden Formen in Kunst,
36 Der Begriff wird zuerst erw¨ ahnt in: Kristeva, Julia: Bakhtine, le mot, le dialogue et le roman. In: Critique, 23 (1967), S. 438-465.
37 Vgl. hierzu die Ausf¨ uhrungen zur Geschichte des Intertextualit¨ atsbegriffes in: Intertextualit¨ at. Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien. Hrsg. von Ulrich Broich und Manfred Pfister unter Mitarbeit von Bernd Schulte-Middelich. T¨ ubingen 1985. Spez. S. 1-5. Im folgenden: Broich/Pfister, Intertextualit¨ at. Auf Widerspr¨ uchlichkeiten innerhalb des Dialogizit¨ atskonzepts verweist Larissa N. Polubojarinowa in ihrem Aufsatz: Intertextualit¨ at und Dialogizit¨ at. Michail Bachtins Theorien zwischen Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. In: TRANS (Internet-Zeitschrift f¨ ur Kulturwissenschaft) 3 (1998). Da Bachtins Ans¨ atze hier nur der Vollst¨ andigkeit halber erw¨ ahnt sind, wird auf eine genauere ¨ Uberpr¨ ufung seiner Theorien verzichtet.
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Gesellschaft und Politik auseinandersetzt. Diese Auseinandersetzung nennt Bachtin den ” Dialog“.
Dialogiziti¨ at und Monologizit¨ at bestimmen als Antagonismen auch den Bereich von Sprache und Literatur. W¨ ahrend sich die erstere durch Vielfalt in Sprache und Rede, also durch Heterogenit¨ at in Form von Dialekten, Soziolekten etc. auszeichnet und gegen jede Tendenz zur Vereinheitlichung strebt, ist bei letzterer Homogenit¨ at das erkl¨ arte Ziel. Bachtin ordnet diesen gegenl¨ aufigen Kr¨ aften nun - teilweise recht pauschal - einzelne Literaturgattungen zu: W¨ ahrend er den poetischen Gattungen fast durchg¨ angig Monologismus unterstellt, sind der Roman und verwandte Prosa 38 gekennzeichnet durch ihre Redevielfalt, die Polyphonie. Diese ” Stimmenvielfalt“ entsteht durch verschiedene Redetypen: Bachtin unterscheidet zun¨ achst zwischen Erz¨ ahler- und Figurenrede, dar¨ uber hinaus klassifiziert er aber auch nach der Ausrichtung der Rede. Nach seiner Theorie kommen also idealiter im Roman mit Hilfe der Figuren- und der Erz¨ ahlerrede die unterschiedlichsten Intentionen zum Ausdruck, werden aufeinander bezogen und f¨ uhren gleichsam einen Dialog miteinander. Der Roman gibt auf diese Weise die lebendige Spracherfahrung en miniature wieder. So knapp und vielleicht unangemessen verk¨ urzt die bisherigen Ausf¨ uhrungen zur Dialogizit¨ atstheorie gewesen sein m¨ ogen, so d¨ urfte doch deutlich geworden sein, daß es Bachtin vor allem um die Bez¨ uge - den Dialog - innerhalb eines Textes als Abbild der Sprachrealit¨ at ging, und weniger um die Relationen zwischen verschiedenen Texten. Seine Theorie ist demnach weniger intertextuell als vielmehr intratextuell; dar¨ uber hinaus ist sie nicht einmal prim¨ ar literarisch ausgerichtet, da der Bezugsrahmen f¨ ur den Text nicht nur aus anderen Texten besteht, sondern aus dem ” allgemeine[n] Diskurs der Zeit, f¨ ur den der literarische Diskurs nur einen schmalen Sektor ausmacht.“ 39
Erst in Julia Kristevas Bachtin-Rezeption wurde die kulturphilosophisch gepr¨ agte Dialogizit¨ atstheorie zu einer Literaturtheorie umgearbeitet. 40 In den sp¨ aten sechziger Jahren entwickelte sie im R¨ uckgriff auf die bis dahin im Westen weitgehend unbekannt gebliebene Konzeption Bachtins ihre Theorie von der Intertextualit¨ at, die sie im folgenden, ber¨ uhmt gewordenen Zitat aus ihrer ersten Schrift zum Thema charakterisiert:
Tout texte se construit comme mosa¨ ıque de citations, toute texte est absorption et
”
transformation d’un autre texte. A la place de la notion d’intersubjectivit´ e s’installe celle d’intertextualit´ e, et le langage po´ etique se lit, au moins, comme double.“ 41
38 Unter Ausnahme der in der Tradition des Epos stehenden Romane. Vgl. Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 3.
39 Zitiert nach: Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 5.
40 Vgl. hierzu die Ausf¨ uhrungen Pfisters zu Julia Kristevas Intertextualit¨ atstheorie in: Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 6-11.
Eine explizite Definition des Begriffes ” Intertextualit¨ at“ gibt sie wenig sp¨ ater in ihrer Schrift Probl` emes de la structure du texte“:
”
Nous appellerons INTERTEXTUALIT ´ E cette inter-action textuelle qui se produit ` a
”
l’int´ erieur d’un seul texte. [...] l’intertextualit´ e est une notion qui sera l’indice de la fa¸ con dont un texte lit l’histoire et s’ins` ere en elle.“ 42
Kristeva ¨ ubernimmt die bachtinsche Vorstellung vom Text, der sich aus Zitaten fremder Stimmen“ zusammensetzt, pauschalisiert aber dahingehend, daß sie diese Eigenschaft f¨ ur
”
alle literarischen Texte postuliert, wogegen Bachtin dies doch nur bestimmten literarischen Gattungen - im besonderen dem modernen Roman - vorbehielt. Die bachtinsche Differenzierung zwischen monologischen und dialogischen Texten entf¨ allt also. Dies bleibt aber nicht die einzige Erweiterung, denn Kristeva entgrenzt, wie das zweite Zitat belegt, ihren Textbegriff so radikal dahingehend, daß schließlich alles, jedes kulturelle System und jede kulturelle Struktur letztendlich ” Text“ sein soll: Geschichte und Gesellschaft
werden lesbar; der Text ist also nicht mehr an das Zeichensystem der Sprache gebunden, und wir existieren in einem Universum aus Texten.
Welche weiteren Konsequenzen hat diese Sicht nun f¨ ur literarische Texte? Hatte Bachtin noch am Subjekt, egal ob historisch oder fiktiv, das hinter jedem Text und jeder Aussage steht, festgehalten, so l¨ ost Kristeva diese Instanz v¨ ollig zugunsten einer Eigenproduktivit¨ at des Textes auf.
Dans cette perspective, nous d´ efinissons le texte comme un appareil translinguistique qui redistribue l’ordre de la langue, en mettant en relation une parole communicative visant l’information directe, avec diff´ erents types d’´ enonc´ es ant´ erieurs ou synchroniques. Le texte est donc une produvtivit´ e, ce qui veut dire: 1. son rapport ` a la langue dans laquelle il se situe est redistributif (destructivo-construvtif), par cons´ equent il est abordable ` a travers des cat´ egories logiques plutˆ ot que purement linguistiques; 2. il est une permutation de textes, une intertextualit´ e: dans l’espace d’un texte plusieurs ´ enonc´ es, pris ` a d’autres textes, se croisent et se neutralisent. 43
Paris 1969, S. 143-173. Hier S. 146. Zitiert nach: Broich/Pfister, S. 6. ” Jeder Text baut sich als Mosaik
aus Zitaten auf, jeder Text ist Absorption und Transformation eines anderen Textes. An Stelle des Begriffes Intersubjektivit¨ at setzt sich die Intertextualit¨ at, und die dichterische Sprache liest sich wenigstens doppelt.“ (eigene ¨ Ubersetzung)
42 Kristeva, Julia: Probl` emes de la structuration du texte. In: Nouvelle Critique (1968), S. 55-64. Zitiert nach: Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 7. ” Wir werden mit ” Intertextualit¨ at“ jene textuelle Interaktion bezeichnen,
die im Inneren eines einzelnen Textes statt findet. [...] Intertextualit¨ at ist ein Begriff, der ein Indiz sein wird f¨ ur die Art und Weise, wie ein Text Geschichte liest und sich in sie einf¨ ugt.“ (eigene ¨ Ubersetzung)
43 Zitiert nach: Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 8. ” In diesem Zusammenhang definieren wir den Text als
translinguistischen Mechanismus, der die Anordnungen der Sprache umgestaltet, indem er eine kommunikative Parole‘, deren Zweck die unmittelbare Information ist, zu vergangenen oder gleichzeitig wirkenden Aussagen
’
in Beziehung setzt. Folglich ist der Text eine Produktivit¨ at (productivit´ e). Das bedeutet: 1. Sein Verh¨ altnis zur Sprache, in der er eine bestimmte Stellung einnimmt, hat redistributiven (konstruktiv-destruktiven) Charakter; folglich sollte er eher mit logischen als mit rein linguistischen Kategorien erfaßt werden; 2. Er ist eine Textverarbeitung (permutation des textes), eine Intertextualit¨ at: Im Bereich eines Textes ¨ uberschneiden
und neutralisieren einander mehrere Aussagen, die anderen Texten entstammen.“ ¨ Ubersetzung aus: Kristeva,
Julia: Der geschlossene Text. In: Textsemiotik als Ideologiekritik. Hrsg. von Peter V. Zima. Frankfurt 1977. (edition suhrkamp; 796), S. 194.
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Mit dem autonomen Individuum des Autors verschwindet zugleich die Individualit¨ at eines Universums der Texte“, 44 das Werkes: Es ist nur noch Teil eines allumfassenden Textes, eines ”
Geschichte und Wirklichkeit mit einschließt und in dem prinzipiell alles aufeinander verweist. Die Besch¨ aftigung mit einzelnen Autoren und Werken nach dem Vorbild klassischer Philologie wird vor diesem theoretischen Hintergrund eigentlich obsolet.
Es stellt sich die Frage, wie eine im Grunde autor- und werkfeindliche Theorie f¨ ur die Analyse literarischer Texte nutzbar gemacht werden kann.
1.2 Die Folgen
1.2.1 Text und Intertext
Das Verschwinden der Instanzen von ” Autor“ und ” Werk“ wurde nat¨ urlich nicht unwidersprochen hingenommen. Es entspann sich eine jahrzehntelange Kontroverse, die auch praktikablere Modelle der Intertextualit¨ at hervorbrachte. 45
Strittig war von Beginn an die Frage, welche Arten von Beziehungen zwischen Texten unter dem Begriff der Intertextualit¨ at zusammengefaßt werden k¨ onnen. Die radikalste Konzeption geht davon aus, daß jeder Text, ja jede ¨ Außerung schon Reaktion auf einen anderen
bzw. eine andere ist, da jedes Objekt schon besprochen oder beschrieben wurde. Auch auf der Ebene von Wort und Syntax, sowie im Hinblick auf bestimmte Texteigenschaften (z. B. Struktur) sind Text oder ¨ Außerung untrennbar mit anderen Vorg¨ angern verbunden. Jonathan Culler faßt diesen Sachverhalt, indem er die ” intertextuelle Natur jeglichen verbalen
Konstrukts“ postuliert. 46 Und wieder verliert der Text seine Autonomie, ist keine abgeschlos[...] there are no texts, but only relationships between texts.“ 47 Mit der sene Einheit mehr: ”
Aufl¨ osung der Integrit¨ at des Einzeltextes ist aber die Dekonstruktion f¨ ur einige Vertreter der radikaleren Auslegung der Intertextualit¨ atstheorie nicht abgeschlossen; analog zum Ausgangstext, so postuliert Roland Barthes, kann diesem auch kein einzelner, individueller Bezugstext mehr zugeordnet werden. In der Konsequenz existiert praktisch nur ein einziger gigantischer Intertext, der schon erw¨ ahnte ” texte g´ en´ eral“, welcher nicht nur die Gesamtheit aller Texte, sondern s¨ amtliche Sprachcodes und Bedeutungssysteme, auf denen diese basieren, umfaßt. Die Bestrebungen, diese Theorie zu einer analysef¨ ahigen Methode umzuarbeiten, setzen
Hrsg. von Harald Fricke. Bd. II. 3., neubearb. Aufl. Berlin, New York 2000, S. 175-179 sowie Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 12ff.
45 Vgl. hierzu die Ausf¨ uhrungen Pfisters in Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 11-20.
46 the intertextual nature of any verbal construct“, zitiert nach: Culler, Jonathan: The Pursuit of Signs.
”
London 1981. S. 101.
mit der Einschr¨ ankung des unendlichen Intertextes an, indem literarischen Texten eine besondere Qualit¨ at der Intertextualit¨ at zugebilligt wird: Aus dem unendlichen Wust der Bedeutungssysteme, Sprachcodes und Texten l¨ ost sich also wieder die spezifisch poetisch-literarische Rede bzw. der literarische Text heraus. So geht z. B. auch Harold Bloom immer von poetischen Texten aus, wie er betont:
[...] poems are not things but only words that refer to other words, and those words
”
refer to still other words, and so on into the densely overpopulated world of literary language.“ 48
Aber selbst mit dieser Einengung wird das Ph¨ anomen der Intertextualit¨ at noch nicht greifbar f¨ ur eine Analyse. Ein weiterer Schritt besteht darin, von einer generellen Intertextualit¨ at, die jedem Text zu eigen ist, eine spezifischere, bewußt oder unbewußt eingesetzte Form der Intertextualit¨ at zu unterscheiden, wie dies Renate Lachmann im direkten R¨ uckgriff auf Bachtins Arbeiten getan hat. Sie postuliert neben einer textontologischen Intertextualit¨ at eine speziellere Form, in der ein Dialog mit fremden Texten, aber auch generell mit anderen Sinnpositionen aufgebaut wird. Diese Intertextualit¨ at schl¨ agt sich im Werk in greifbaren Bez¨ ugen Referenztext“ genannt 49 -, Textgrupauf andere Texte - im Jargon auch ” Pr¨ atext“ oder ” pen oder Codes nieder und kann als eine ” spezifische Form der Sinnkonstitution von Texten“ angesehen werden. 50
Einen ¨ ahnlichen Weg gehen auch Pfister und Broich, die ihren Versuch der Skalierung der intertextuellen Bez¨ uge als Erg¨ anzungsmodell zum globalen Intertextualit¨ atskonzept verstanden wissen wollen. 51 Als Anschauungsbild dient ihnen ein System aus konzentrischen Kreisen, deren Mittelpunkt die h¨ ochste intertextuelle Intensit¨ at anzeigt, die mit gr¨ oßer werdendem Ab-stand zum Zentrum abnimmt. Sechs Kriterien sollen nun dazu dienen, den Intensit¨ atsgrad intertextueller Verweise zu bestimmen. Das erste, die ” Referentialit¨ at“, erfaßt den Grad, in
dem ein Text seinen Bezugstext, auf den er zur¨ uckgreift, thematisiert und damit seinen Zitatcharakter anzeigt:
Wir [...] postulieren, daß eine Beziehung zwischen Texten um so intensiver intertextu-”
ell ist, je mehr der eine Text den anderen thematisiert, in dem er seine Eigenart [...]
48 Zitiert nach: Bloom, Harold: Poetry and Repression. New Haven 1976. S. 3. (Hervorhebung durch mich).
49 Einen Einblick in die ” heterogene Taxonomie“ bietet J¨ org Helbig in: Helbig, J¨ org: Intertextualit¨ at und Markierung. Untersuchung zur Systematik und Funktion der Signalisierung von Intertextualit¨ at. Heidelberg 1996. (Beitr¨ age zur neueren Literaturwissenschaft; 3. Folge, Bd. 141) Im folgenden: Helbig, Intertextualit¨ at. Hier S. 76.
50 Zitiert nach: Dialogizit¨ at. Hrsg. von Renate Lachmann. M¨ unchen 1982. (Theorie und Geschichte der Literatur und der sch¨ onen K¨ unste; Reihe A; 1). S. 8.
51 In unserem Vermittlungsmodell wollen wir daher von dem ¨ ubergreifenden Modell der Intertextualit¨ at
”
ausgehen und innerhalb dieser weit definierten Intertextualit¨ at diese dann nach Graden der Intensit¨ at des intertextuellen Bezugs differenzieren und abstufen.“ Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 25. Vgl. hierzu auch die Seiten 25-30.
12
bloßlegt‘.“ 52
’
Das zweite Kriterium, die ” Kommunikativit¨ at“ schließt sowohl Autor und Text, als auch den Autor“ 53 und ” Rezipienten ein: Es soll den Grad, in dem sich die Instanzen ” Rezipient“ der
intertextuellen Relationen bewußt sind, beschreiben:
[...] skalieren wir intertextuelle Bez¨ uge nach ihrer kommunikativen Relevanz, d. h. nach
”
dem Grad der Bewußtheit des intertextuellen Bezugs beim Autor selbst wie beim Rezipienten, der Intentionalit¨ at und der Deutlichkeit der Markierung im Text selbst.“ 54
Das Kriterium der ” Autoreflexivit¨ at“ bezieht sich auf den Grad, in dem der Autor die intertextuelle Natur seines Textes thematisiert. Ein h¨ oherer intertextueller Intensit¨ atsgrad kann also dadurch erreicht werden, ” [...] daß ein Autor in einem Text nicht nur bewußte und deutlich markierte intertextuelle Verweise setzt, sondern ¨ uber die intertextuelle Bedingtheit und Bezogenheit seines Textes in diesem selbst reflektiert [...].“ 55 Mit dem Kriterium der ” Strukturalit¨ at“ fassen Broich und Pfister den Grad ins Auge, in dem ein Text die Struktur eines anderen integriert:
Nach diesem Kriterium ergibt das bloß punktuelle und beil¨ aufige Anzitieren von Pr¨ atex-
”
ten einen nur geringen Intensit¨ atsgrad der Intertextualit¨ at, w¨ ahrend wir uns in dem Maße dem Zentrum maximaler Intensit¨ at n¨ ahern, indem ein Pr¨ atext zur strukturellen Folie eines ganzen Textes wird.“ 56
Die ” Selektivit¨ at“ beschreibt die Pr¨ agnanz der vom Autor ausgew¨ ahlten Verweise, d. h. den Grad, in dem diese in der Lage sind, den anzitierten Text in den neuen Zusammenhang einzuspielen“. Es geht also darum ” [...] wie pointiert ein bestimmtes Element aus einem
”
Pr¨ atext als Bezugsfolie ausgew¨ ahlt und hervorgehoben wird und exklusiv oder inklusiv der Pr¨ atext gefaßt ist [...]“ 57 Mit dem letzten Kriterium, der ” Dialogizit¨ at“, wird - im R¨ uckgriff auf Bachtin - das
Spannungsverh¨ altnis zwischen Text und bezogenem Text in den Mittelpunkt ger¨ uckt. Es besagt, ” [...] daß ein Verweis auf vorgegebene Texte oder Diskurssysteme von umso h¨ oherer intertextueller Intensit¨ at ist, je st¨ arker der urspr¨ unglich und der neue Zusammenhang in semantischer und ideologischer Spannung zueinander stehen.“ 58
trelation hinweisen sollen.
Parodie und Travestie, aber auch Kontrafaktur und Adaption genannt. Vgl. ebenda.
57 Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 28. Nach diesem Kriterium sind direkte Zitate h¨ oher intertextuell anzusehen als eine Paraphrase oder die bloße Nennung von Figuren. Auch der Bezug auf ein Genre, Topoi oder Mythen wird im Vergleich mit einer Bezugnahme auf einen konkreten Einzeltext als geringer in seine Intertextualit¨ at eingestuft. Vgl. ebda.
Weit davon entfernt eine wirkliche Meßbarkeit intertextueller Bez¨ uge erreichen zu wollen, verstehen Broich und Pfister die vorgeschlagenen Kriterien als Beitrag zu einer differenzierteren Betrachtung intertextueller Relationen. 59
Eine Kontroverse entspann sich auch um die Frage, welche Arten von Relationen unter dem Begriff der Intertextualit¨ at versammelt werden d¨ urfen: Gelten als solche nur Beziehungen zwischen einem Text und einem anderen individuellen Text oder aber auch Gattungsbez¨ uge? Oder sollten letztere, in der Forschung auch unter der Bezeichnung ” Systemreferenz“ zusammengefaßt, besser gesondert behandelt werden? 60 Gegen eine solche Abtrennung spricht sich Manfred Pfister aus, wobei er verschiedene Formen der Parodie als Beispiele zu Hilfe nimmt: Die eine hat einen bestimmten Text zum Objekt, w¨ ahrend die andere Gattungsmuster aufgreift, also das ganze System parodiert. Im Grunde aber sind beide - Einzeltext und Gattung - nicht so einfach zu separieren, denn ein System ist ja nur durch seine einzelnen Realisierungen, also durch Texte, die in ihm subsumiert sind, greifbar. Also wird sich auch die Gattungsparodie aus einer Vielzahl von Bez¨ ugen auf einzelne Vertreter der Gattung aufbauen. Sind aber System und seine Aktualisierung nicht zu trennen, so sind auch Einzelrelationen und Systemrelationen nur schwer auseinanderzudividieren. 61
1.2.2 Autor und Rezipient
Standen bei den Versuchen einer Operationalisierung der Intertextualit¨ atstheorie(n) bis hierhin der Text und sein Verh¨ altnis zum Intertext im Blickpunkt, so konzentrieren sich die nachfolgenden Ans¨ atze auf Autor und Rezipient.
Analog zur Aufl¨ osung des individuellen Werkes als geschlossener Einheit verfolgten die Poststrukturalisten auch die Dekonstruktion des Autor- und Rezipientensubjekts. 62 Dies bedeutet aber in der Konsequenz, daß Fragen nach Autorintention, Textintention, Rezeptionssteuerung beim Leser, kulturelle Hintergr¨ unde u. ¨ a. letztendlich unwichtig sind. H¨ alt man aber an einem - wie auch immer gearteten - Autor- und Lesersubjekt fest, so gilt es zu kl¨ aren, wie Intertextualit¨ at in Hinblick auf diese beiden Instanzen funktioniert. Wilhelm F¨ uger erarbeitete auf der Grundlage der theoretischen ¨ Uberlegungen Manfred Pfisters
und Ulrich Broichs folgende Matrix, welche sechs m¨ ogliche Spielarten der Intertextualit¨ at
59 Vgl. Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 30. ” Die hier vorgeschlagenen Kriterien zur Skalierung von Inter-
textualit¨ at zielen nicht in naivem Positivismus auf eine Messung¨ ıntertextueller Intensit¨ at ab, sondern verstehen sich als heuristische Konstrukte zur typologischen Differenzierung unterschiedlicher intertextueller Bez¨ uge.“ Ebda.
60 Vgl. Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 17.
61 Anders: Helbig, J¨ org: Intertextualit¨ at. Spez. S. 59f., der unter methodologischen Gesichtspunkten die Systemreferenz ausklammert.
62 Vgl. Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 20ff.
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unterscheidet: 63
Das Feld 6 symbolisiert jene universelle Form der Intertextualit¨ at, die jeden Text als Konglomerat aus zuvor entstandenen Texten, Codes und Sinnsystemen ansieht. Diese schreiben sich, dem Autor und Leser unbewußt, in den neuen Text ein und bilden ein ” unaufl¨ osbare[s]
intertextuelle[s] Rauschen“. 64 Feld 5 faßt das Ph¨ anomen des unbewußten Einflusses durch vorgegebene Strukturen, Denkmuster oder Formulierungen; diese, dem Autor ebenfalls unbewußte Beeinflussung, kann f¨ ur den Leser hingegen durchaus offenkundig sein. Die Felder 3 und 4 beschreiben jene F¨ alle, in denen der Autor bewußt auf Texte rekurriert, diesen R¨ uckgriff aber, mit unterschiedlichem Erfolg, zu verschleiern sucht. 65 Von besonderer Bedeutung sind die Felder 1 und 2. Sie umfassen die F¨ alle, welche F¨ uger und Broich als Intertexualit¨ at im engeren Sinne verstehen: 66 Der Autor greift bewußt auf einen oder mehrere Texte zur¨ uck und erweitert durch die Einblendung des/der anderen Texte den Bedeutungshorizont des eigenen Werkes. Diese Relationen werden nat¨ urlich nicht aus reinem Selbstzweck gekn¨ upft, sondern machen nur Sinn, wenn der Leser den Schritt auch nachvollziehen, das zus¨ atzliche Bedeutungspotential erschließen kann. Feld 1 steht f¨ ur die F¨ alle, in denen die intertextuelle Kommunikation gegl¨ uckt, Feld 2 f¨ ur jene, in denen sie mißgl¨ uckt ist. Da dem Autor daran gelegen ist, daß der Leser die intertextuelle Anspielung auch versteht, wird er ihm Hinweise geben und diese Stellen m¨ oglichst deutlich durch Intertextualit¨ atssignale, ¨ ublicherweise
der Markierung von Intertextualit¨ at. In: Poetica 21 (1989), S. 179-200, hier S. 180. Im folgenden: F¨ uger, Intertextualia.
liegt Intertextualit¨ at dann vor, wenn ein Autor bei der Abfassung seines Textes sich nicht nur der Verwendung anderer Texte bewußt ist, sondern auch vom Rezipienten erwartet, daß er diese Beziehung zwischen seinem Text und anderen Texten als vom Autor intendiert und als als wichtig f¨ ur das Verst¨ andnis seines Textes erkennt.“ Vgl. auch: Stierle, Karlheinz: Werk und Intertextualit¨ at. In: Das Gespr¨ ach. Hrsg. v. Karlheinz Stierle u. Rainer Warning. M¨ unchen 1984, S. 138-150.
1.2.3 Markierung intertextueller Bez¨ uge
Es sind verschiedene Methoden und Grade der Markierung denkbar; 68 ob und wie explizit sie ausf¨ allt, ist u. a. pr¨ atext- und rezipientenabh¨ angig, also z. B. an den Bekanntheitsgrad des Bezugstextes bzw. den Bildungsgrad der intendierten Leserschaft gekoppelt. Geht der Autor von einem literarisch gebildeten Publikum aus oder handelt es sich bei den Verweisen um Texte, die als Klassiker und somit als bekannt vorausgesetzt werden k¨ onnen, mag eine Signalschwelle“ 69 Markierung sogar obsolet sein. In diesen F¨ allen kann er mit einer niedrigen ” rechnen, der Leser wird den Bezug ohne Hilfe aus eigenem Verm¨ ogen erkennen. Hierbei ist zu bedenken, das mit gr¨ oßer werdendem zeitlichen Abstand zwischen Entstehung und Lekt¨ ure des Textes diese Schwelle immer h¨ oher anzusetzen sein wird, somit keine fixe Gr¨ oße darstellt. Sind die Bezugstexte eher esoterischer Natur, so mag selbst f¨ ur Literaturkenner ein Hinweis angebracht sein. Dar¨ uber hinaus kann ein Autor die Markierungsintensit¨ at innerhalb des Textes variieren.
Es sind verschiedene Lokalisierungen der Marker m¨ oglich. Diese m¨ ussen nicht notwendigerweise im Haupttext positioniert sein, sondern k¨ onnen - wie im Falle einer wissenschaftlichen Arbeit - auch in Form einer Fußnote in einem Nebentext untergebracht werden und dort den Pr¨ atext identifizieren. Eine weitere M¨ oglichkeit der Markierung offerieren besonders exponierte Stellen wie Titel oder Untertitel, die einen besonderen Signalcharakter besitzen. Hier kann der Bezug zum Referenztext oder einer Gruppe von Referenztexten durch Nennung von Figuren, Titel oder besonders gel¨ aufige Zitate auf einfache und effektive Weise hergestellt werden: Der nachfolgende Text ist in seiner Gesamtheit auf den Referenztext bzw. auf eine ganze Gattung bezogen. Als ¨ ahnlich prominente Stellen bieten sich auch Vor- und Nachwort, ein Klappentext oder auch ein vorangestelltes Motto als Markierung an. Neben dieser expliziten Form der Signalisierung, die sich direkt an den Rezipienten wendet und somit zu einer Art ¨ außerem Kommunikationssystem zwischen Autor und Leser geh¨ ort, k¨ onnen auch textimmanente Markierungen vorgenommen werden. Hier ergeben sich verschiedene Optionen: Zum einen ist es m¨ oglich, den Referenztext durch die Protagonisten selber einzublenden, indem der Autor diese z. B. ¨ uber das entsprechende Werk diskutieren oder es selbst als Gegenstand der Lekt¨ ure erscheinen l¨ aßt. Auch durch das Auftreten von Figuren aus anderen Werken kann tualit¨ at, S. 34, sowie Helbig, Intertextualit¨ at, S. 26 u. 53f. Helbig h¨ alt es daher ” [...] f¨ ur geboten, die Bezeichnung
’Markierung’ f¨ ur spezifische sprachliche oder graphemisch-visuelle Signale zu reservieren, die eine intertextuelle Einschreibung erst als solche kennzeichnen (eben: ’markieren’) sollen - sei es, indem sie zu dieser hinzutreten, sei es, daß sie der Einschreibung inh¨ arent sind und durch deren Kontextualisierung Markierungscharakter erhalten.“ Helbig, Intertextualit¨ at, S. 54.
68 Vgl. hierzu auch das Kapitel ” Formen der Markierung von Intertextualit¨ at“ von Ulrich Broich in Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 31-47.
69 Vgl. hierzu Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 33, sowie Fußnote 8 ebd.
16
eine wirkungsvolle Verkn¨ upfung mit einem Referenztext aufgebaut werden. In den genannten F¨ allen erfolgt die Markierung im Haupttext, ist den Figuren bewußt und l¨ auft somit ¨ uber das
textimmanente Kommunikationssystem. Orientiert sich hingegen ein Autor z. B. bei Wahl der Namen seiner Protagonisten an denen eines Referenztextes, so ist diese Markierung zwar auch im Haupttext lokalisiert, den Figuren selber aber nicht bewußt; 70 die Signalgebung erfolgt uber das ¨ außere Kommunikationssystem direkt an den Rezipienten. Weitere M¨ oglichkeiten ¨
der Markierung sind die Hervorhebung von Passagen durch drucktypische Ver¨ anderungen wie z. B. Kursivdruck, Markierung durch Interpunktion oder einen Sprachwechsel. Subtiler - und darum wahrscheinlich schwerer zu erkennen - ist die Markierung durch einen Bruch im Erz¨ ahlstil, also einen bewußt eingesetzten Stilkontrast. 71 Auch die Verwendung von Analogien, z. B. die ¨ Ubernahme von strukturellen Elementen, kann als Marker fungieren, wenn das entsprechende Werk zum allgemeinen kulturellen Hintergrund geh¨ ort und der Autor die Kenntnis voraussetzen kann. 72
Aufbauend auf den Untersuchungen Pfisters und H. F. Pletts 73 setzt sich die Untersuchung J¨ org Helbigs eine systematik- und funktionsorientierte Analyse der Intertextualit¨ atsmarkierungen zum Ziel. Er weist bei der Differenzierung von Markierungstypen dem Deutlichkeitsgrad einer Markierung Priorit¨ at zu, w¨ ahrend Anzahl und Lokalisierung als ” Kriterien sekund¨ arer Natur“ eingestuft werden. 74 Um die Markierungsdeutlichkeit beschreiben zu k¨ onnen, entwickelt Helbig eine Progressionsskala, die sich am Explizit¨ atsgrad orientiert und, von einer ” Nullstufe“ ausgehend, ¨ uber eine ” Reduktionsstufe“ und ” Vollstufe“ bis zu einer
Potenzierungsstufe“ die Steigerung der Markierungsintensit¨ at erfassen soll. 75 Die Nullstufe ”
erfaßt die F¨ alle unmarkierter Intertextualit¨ at, die Reduktionsstufe solche, die implizit markiert und die Vollstufe jene, die explizit markiert sind. Die Potenzierungsstufe wird erreicht, wenn Intertextualit¨ at nicht nur explizit im Text markiert, sondern auch thematisiert ist. Als ” unmarkiert“ definiert Helbig jene Form intertextueller Einschreibung, bei der eine Zeichenkette eines Referenztextes nahtlos, also ohne stilistische Br¨ uche oder graphemische eine Art literarischer Mimikry.“ 76 Zeichen in einen Text eingepaßt wird: ”
70 Dies muß nicht heißen, daß der Bezug dadurch weniger deutlich w¨ are. Als Beispiel f¨ uhrt Broich die Namengebung in ” Der Name der Rose“ Umberto Ecos an: Allein durch Benennung der Hauptfiguren [William] von Baskerville und [W]Adson [von Melk] ist der direkte Bezug zu den Romanen A. C. Doyles und praktisch zum gesamten Genre des Detektivromans gekn¨ upft. Vgl. Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 41.
71 Dies kann z. B. die Verwendung von gebundener Rede in einem Prosaroman oder der Wechsel von Slang und gehobener Diktion sein. Vgl. Broich/Pfister, Intertextualit¨ at, S. 42.
herzigen Samariter durch Henry Fielding in ”
Die implizite Markierung legt die intertextuelle Natur einer Einschreibung nicht offen, sondern ihre Anwendung zielt darauf ab, ” ein kompetentes Publikum mit ad¨ aquatem literarischen
Vorwissen unaufdringlich auf das Vorhandensein eines intertextuellen Bezugs aufmerksam zu machen.“ 77 Der Erfolg h¨ angt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Bekanntheitsheitsgrad des Referenztextes bzw. der entnommenen Einschreibung sowie ihrem Ver¨ anderungsgrad. Hinzu treten Maßnahmen, die die Deutlichkeit der Referenz intensivieren, sie also st¨ arker in den Wahrnehmungsfokus des Rezipienten r¨ ucken sollen. Eine solche Emphase kann im wesentlichen auf zwei Wegen erfolgen, n¨ amlich durch Quantit¨ at und durch Positionierung der Bezugnahmen. Als Faktoren, die die quantifizierenden Maßnahmen zur Erh¨ ohung der Aufmerksamkeit beeinflussen, definiert Helbig die Frequenz und die Proportion. Unter dem Begriff der Frequenz faßt er drei Sachverhalte zusammen: Zum einen den Grad, in dem ein Text mit Referenzen auf unterschiedliche Texte durchzogen ist. 78 Dies bezeichnet Helbig als ” Kontamination“; Ziel dieser Strategie ist die Sensibilisierung des Rezipienten f¨ ur intertextuellen Verweise, also die ” Programmierung“ einer auf Intertextualit¨ at ausgerichteten Rezeptionshaltung beim Leser. Zum anderen schließt der Frequenzbegriff aber auch mehrfache Referenz auf einen speziellen Text durch Wiederholung derselben Einschreibung, also die ” Repetitiklassische[n] intensifier.“ 79 Schließlich umfaßt der on“, mit ein; dies bezeichnet Helbig als ” Faktor ” Frequenz“ auch die wiederholte Bezugnahme auf einen Text durch unterschiedliche Einschreibungen; dieses Verfahren der Bildung von ” Referenz-cluster[n]“ nennt Helbig ” Addition“. 80 Mit ” Proportion“ wird die relative L¨ ange einer Einschreibung, also die Referenz in ihrem Verh¨ altnis zum Rest des aktuellen Textes, beschrieben. Neben diesen quantifizierenden Maßnahmen der Emphase kann auch die Positionierung der Referenzen wesentlich zur Her-vorhebung dienen. Zum einen m¨ ussen die Bezugnahmen in ihrer Position im Gesamttext und dar¨ uber hinaus in ihrer Beziehung zueinander gesehen werden. Diese ” raum-zeitlichen Rela-Distribution“ zusammen. 81 Dar¨ uber tionen von Referenzen“ faßt Helbig unter dem Begriff ”
hinaus spielen auch privilegierte Positionen im Text, z. B. der Beginn oder der Schluß sowie andere Z¨ asuren, bei der Emphase einer Einschreibung eine große Rolle. Es geht also darum, eine Referenz durch ihr relative Exponiertheit hervorzuheben. 82
wird jeden Hinweis auf seine T¨ atigkeit vermeiden, andererseits ist bei einer unbewußten Referenz der Autor gar nicht in der Lage Markierungen zu setzen. Dem gegen¨ uber stehen F¨ alle, in denen der Autor bewußt auf Nichtmarkierung setzt, in der Voraussicht, daß der geneigte Leser diese ohne weitere Hilfe erkennen wird und sich an dem literarischen Spiel erfreuen kann.
77 Helbig, Intertextualit¨ at, S. 95.
78 Zur ” Kontamination“ vgl. Helbig, Intertextualit¨ at, S. 98ff.
79 Zur ” Repetition“ vgl. Helbig, Intertextualit¨ at, S. 100f.
80 Zur ” Addition“ vgl. Helbig, Intertextualit¨ at, S. 101f.
81 Helbig, Intertextualit¨ at, S. 104f.
82 Helbig, Intertextualit¨ at, S. 105-111.
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Arbeit zitieren:
Sabine Ley, 2004, Frau Welt - eine motivgenetische Studie, München, GRIN Verlag GmbH
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