Der demographische Wandel in Deutschland
1. Einleitung
Die Deutschen sterben aus! So oder so ähnlich klingen die Befürchtungen der Bevölkerungsforscher, die ihre Prognosen auf den Ergebnissen der neuesten Studien begründen . So findet in den nächsten Jahrzehnten ein tiefgreifender Wandlungsprozess des Gesellschaftsaufbaus in Deutschland statt. Die Ursachen für den demographischen Wandel sind verschieden und sehr komplex, jedoch lassen sich drei Faktoren finden, durch welche dieser Wandel ausgelöst wird: zum Einen ist ein kontinuierlicher Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung zu verzeichnen. Dieser Alterungsprozess wird beschleunigt durch den Trend der Kinderlosigkeit vieler Paare; in weite Ferne gerückt ist dabei bereits die Notwendigkeit von mindestens zwei Kindern pro Familie, statistisch exakt liegt der Wert bei 2,1 Kindern/Frau, um die Alterung der Gesellschaft und auch den Bevölkerungsrückgang entge genwirken zu können. Der dritte Faktor, welcher zumindest dem Bevölkerungsschwund verlangsamen kann, ist die Immigration. Während ohne Einwanderung von Ausländern die Deutschen laut Prognose bis ins Jahr 2050 um ca. 30mio. Einwohner zurückgehen würden, so wird unter Einberechnung von ca. 200.000
Einwanderungsüberschuss pro Jahr die Bevölkerung bis 2050 lediglich um 10mio. Menschen schrumpfen.
2. Entwicklung des Geburtenrückgangs (siehe Anhang Abb.1)
Der wohl grundlegendste Aspekt des demographischen Wandels in Deutschland ist die geringe Zahl der Neugeborenen. Nun ist diese Erkenntnis nicht erst ein paar Jahre alt, sondern dieser Prozess zeichnet im Verlauf des 20.Jahrhunderts immer stärker ab. Die durchschnittliche Geburtenzahl pro Frau sinkt mit jedem Jahrgang kontinuierlich abeine Ausnahme bilden dabei die Frauen der Jahrgänge um 1935, welche als letzte die zur Bestandserhaltung notwendige Geburtenrate von 2,1 Kindern aufweisen konnten; d.h. die Jahrgänge bis um 1970 waren, bedingt durch den Babyboom i n der Wachstumsphase der BRD, noch stabil und ausgeglichen. Doch dann sank ab 1975 der Durchschnittswert auf 1,3 -1,4 Kinder pro Familie in der BRD. Dieser Trend wurde zum Einen eingeleitet durch den Geburtenausfall während des 2. Weltkriegs und zum Anderen durch die Einführung der Antibabypille Mitte der 60er Jahre. Seitdem ist jede Kindergeneration um ca. ein Drittel kleiner als die ihrer Eltern. So kam es, dass die BRD in den achtziger Jahren die weltweit
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niedrigste Geburtenrate aufwies. Seit den neunziger Jahren lösten vor allem Spanien und Italien sowie die osteuropäischen Staaten durch noch niedrigere Geburtenzahlen Deutschland von diesem Platz ab.
Die DDR hatte wegen der geburtenfördernden Politik in oben benanntem Zeitraum noch 1,9 Kinder pro Familie, wies jedoch gegen Ende der 80er Jahre nur noch 1,6 Kinder pro Familie auf. Mit Auflösung der DDR sank der Durchschnittswert der neuen Bundesländer teilweise bis auf 0,98 ab und hat sich bis 2001 bei 1,2 Nachkömmlingen eingependelt. Der Durchschnittswert der heutigen Bundesrepublik hat sich seit dem großen Einschnitt Mitte der Siebziger nur geringfügig verändert und liegt bei 1,37 Kinder/Frau. Die Gründe für diesen rückläufigen Trend sind vielfältig. Sei es, dass die Entscheidung für oder gegen ein Kind in stärkerem Maße vom damit verbundenen (finanziellen) Mehraufwand, der Karriere oder der sich gewandelten Rolle der Frau abhängig gemacht wird. 2.1 Das Modell des demographischen Übergangs
Ein theoretisches Modell, welches die Bevölkerungsentwicklung eines Landes zu erklären versucht ist das des „Demographischen Übergangs“ von Notestein(1950). Dieses Modell setzt die Geburten- und Sterbeziffer einer Gesellschaft in Zusammenhang mit deren sozioökonomischen Entwicklungsgrad. Danach durchläuft jede Bevölkerung fünf Phasen der Entwicklung von einer agrarisch bis zu einer industriell geprägten Gesellschaft: 1. Phase (prätransformativ): Die Geburten- und Sterbeziffern weisen hohe Werte auf, die natürliche Fruchtbarkeit wird weitgehend ausgeschöpft und die Sterblichkeit ist von den ökonomischen Rahmenbedingungen bestimmt.
2. Phase (frühtransformativ): Die Sterbeziffer sinkt infolge des medizinischen Fortschritts und der verbesserten hygienischen Bedingungen, die Geburtenziffer bleibt auf ihrem hohen Niveau, es kommt zu einem starken Bevölkerungswachstum.
3. Phase (mitteltransformativ): Die Sterbeziffer sinkt weiter und stabilisiert sich am Ende der Phase auf einem relativ niedrigen Niveau, aber auch die Geburtenziffer geht infolge des Industrialisierungsprozesses und als Anpassung an die sinkende Sterbeziffer zurück. 4. Phase (spättransformativ): Die Sterbeziffer hat sich auf einem niedrigen, kaum noch zu senkendem Niveau stabilisiert und die Geburtenziffer sinkt weiter. 5. Phase (posttransformativ): Die Geburten- und Sterbeziffern stabilisieren sich auf einem niedrigen Niveau. i
Die Bundesrepublik hat alle diese Phasen bereits durchlaufen und befindet sich seit der Nachkriegszeit in der Posttransformationsphase mit einer stagnierenden Bevölkerungsentwicklung.
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3. Erhöhte Lebenserwartung (Abb.2)
Der im letzten Punkt beschriebene demographische Übergang nennt die Entwicklung der Sterbeziffer als ein charakteristisches Merkmal für den Entwicklungsstand einer Bevölkerung. Während die durchschnittliche Lebenserwartung um 1987 bei den Männern 72,2 Jahre betrug, wurden diese 110 Jahre früher (frühtransformative Phase) mit 35,6 Jahren nur etwa halb so alt; zum Vergleich stieg bei den Frauen die Lebenserwartung von 38,6 auf 78,7 Jahre an. Zu dem Unterschied zwischen Frauen und Männern bezüglich der Lebenserwartung wird in einem späteren Punkt noch mal eingegangen.
Die Ursachen für diese Entwicklung liegen, in Anbetracht des wirtschaftlichen Fortschritts der BRD, auf der Hand: die Verbesserung der Lebensgewohnheiten und der hygienischen Standards, sowie die enorme Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung. Diese Faktoren zeigen sich am deutlichsten im Rückgang der Säuglings- und Kindersterblichkeit, wodurch viel mehr Menschen die Chance eröffnet wurde, ein Leben bis ins hohe Alter bestreiten zu können. Während Mitte der 60er Jahre noch von 100.000 Neugeborenen eines Geschlechts 271 männliche bzw. 212 weibliche Säuglinge starben, so hat sich diese Bilanz heute auf 50 bzw. 41 Säuglingstodesfälle reduziert. Natürlich wird die Bedeutung des medizinischen Fortschritts auch bei Personen deutlich die im Verlauf ihres Lebens von Krankheiten erschüttert werden, welche im 19.Jahrhundert noch den sicheren Tod zur Folge hatten, z.B. Infektionskrankheiten, Epidemien. Durch die neuen Möglichkeiten der Krankheitsbekämpfung hat sich aber auch ein epidemiologischer Übergang abgezeichnet. Unter diesem Begriff „...versteht man den allmählichen Wandel der Krankheitsformen und Sterbeursachen während des demographischen Übergangs.“ ii So sind heute mit rund 47% Krankheiten des Kreislaufsystems die häufigste Todesursache, d.h. ein in den meisten Fällen natürliches Versagen des Herz-Kreislaufsystems. Weiterhin vergrößert hat sich der Prozentsatz der bösartigen Neubildungen, womit Krebserkrankungen der Atmungs- und Verdauungsorgane insbesondere gemeint sind. Diese Erkrankungen sind auch auf dem aktuellen Stand der Medizin nicht immer heilbar. 3.1. Warum leben Frauen länger
Ganz unabhängig davon welche statische Auswertung man untersucht, wird man immer wieder auf die unumstrittene Tatsache stoßen, dass Frauen ein längeres Leben zu erwarten haben als Männer. Der Durchschnitt liegt dabei zur Zeit bei 80,9 Jahren bei den Frauen und 75,1 Jahren bei den Männern. Allgemein verbreitete Hypothesen sehen die Ursachen in verhaltensbedingten Aspekten, wie Männer führen einen gefährlicheren Lebensstil (Rauchen,
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Arbeit zitieren:
Eric Placzeck, 2005, Der demographische Wandel in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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