GLIEDERUNG
Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
1. Einführung 1
1.1 Notwendigkeit eines effizienten Risikomanagements in Banken 1
1.2 Definition Zinsänderungsrisiko. 2
1.3 Steuerung der Zinsrisiken im Sinne eines eigenen
Geschäftsfeldes 4
2. Ansätze zur Steuerung des Zinsbuches und aufsichtsrechtliche
Vorschriften 5
2.1 Ertragsorientierte Verfahren. 6
2.2 Barwertorientiertes Verfahren 7
2.3 Aufsichtsrechtliche Vorschriften. 9
2.4 Schlussfolgerungen für eine zukunftsfähige Zinsbuchsteuerung 11
3. Prozess der barwertigen Zinsbuchsteuerung
unter GuV-Restriktionen 11
3.1 Aufstellen des Zinsbuch-Cashflows. 13
3.1.1 Cashflow-Generierung Festzinspositionen 13
3.1.2 Cashflow-Generierung variabler Positionen 14
3.1.2.1 Konzept der gleitenden Durchschnitte 15
3.1.2.2 Kritische Würdigung des Konzeptes 17
3.1.3 Bildung des Summen-Cashflows. 18
3.1.4 Entwicklung einer Barwertbilanz. 19
3.2 Rendite-/Risikoanalyse 20
3.2.1 Ermittlung der Performance auf den Planungshorizont 20
3.2.2 Risikoquantifizierung mittels Value at Risk (VaR) 21
3.2.2.1 Varianz-Kovarianz-Methode 22
3.2.2.2 Historische Simulation 23
3.2.2.3 Monte-Carlo-Simulation 24
3.2.2.4 Bewertung und Auswahl eines geeigneten
Verfahrens 25
3.2.3 Risikoadjustierte Performancemessung 27
I
3.2.4 Ermittlung der Risikotragfähigkeit und Erstellen einer
Limitkonzeption. 27
3.3 Steuerungsprozess. 30
3.3.1 Auswahl einer geeigneten Benchmark 30
3.3.1.1 Anforderungen an eine Benchmark 31
3.3.1.2 Selektion effizienter Cashflows 31
3.3.2 Managementstile 33
3.3.2.1 Passive Steuerung. 34
3.3.2.2 Aktive Steuerung 34
3.3.2.3 Semi-aktive Steuerung 35
3.3.3 Maßnahmen zur Optimierung des Risk-Return-Profils 35
3.3.3.1 Notwendigkeit von Maßnahmen 36
3.3.3.2 Steuerung über das Kundengeschäft 36
3.3.3.3 Steuerung über das Interbankengeschäft 37
3.3.3.4 Steuerung mittels derivativer Produkte 37
3.3.4 Steuerung des GuV-Ergebnisausweises 38
3.4 Ex-Post-Analyse und Risikoreporting 40
4. Praktische Umsetzung der Prozessschritte in einer
Mustersparkasse 41
4.1 Die Mustersparkasse 41
4.2 Geschäftspolitische Rahmenbedingungen 42
4.3 Ermittlung und Erstanalyse des Zinsbuch-Cashflows 43
4.4 Rendite-/Risikoanalyse 45
4.4.1 Ermittlung des Zinsbuchbarwertes und Risikobestimmung
nach Basel II 45
4.4.2 Ermittlung der Performance auf den Planungshorizont 46
4.4.3 Risikoadjustierte Performancemessung 48
4.5 Steuerungsprozess. 50
4.5.1 Festlegung einer risikoneutralen Benchmark. 50
4.5.2 Cashflow-Abgleich Mustersparkasse vs. Benchmark 51
4.5.3 Steuerungsmaßnahmen zur Benchmark-Annäherung. 52
4.5.4 Ergebnis der Steuerungsmaßnahmen 55
II
4.6 Kontrolle des Steuerungsprozesses 56
4.6.1 Rendite-/Risikoanalyse der überarbeiteten
Cashflow-Struktur 57
4.6.2 Verifizierung der Ergebnisse mittels Zinssimulationen 59
4.6.3 Auswirkungen der Maßnahmen auf die GuV 63
4.7 Ex-Post-Analyse und Risikoreporting 64
5. Fazit und Ausblick. 65
Literaturverzeichnis. 68
III
Abkürzungsverzeichnis
a.a.O. am angeführten Ort Abb. Abbildung Abs. Absatz BaKred Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen
bp Basispunkte BS Bilanzsumme bzw. beziehungsweise DSGV Deutscher Sparkassen- und Giroverband Ebd. Ebenda EURIBOR Euro Interbank Offered Rate etc. et cetera f. (die) folgende ff. (die) folgenden GuV Gewinn- und Verlustrechnung HGB Handelsgesetzbuch i.d.R. in der Regel
KI Kreditinstitut KWG Kreditwesengesetz MaH Mindestanforderungen für Handelsgeschäfte MaRisk Mindestanforderungen an das Risikomanagement max. maximal Mio. Millionen p.a. per annum PVBP Present Value of One Basis Point RORAC Return on Risk Adjusted Capital S. Seite TEUR Tausend Euro u.a. unter anderem VaR Value at Risk vgl. vergleiche z.B. zum Beispiel
IV
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Zinsstrukturkurvendarstellung
Abb. 2 Kreislaufsystem der barwertigen Zinsbuchsteuerung
Abb. 3 Portfolio nach dem Konzept der gleitenden Durch-
schnitte
Abb. 4 Beispielhaftes Netto-Cashflow-Profil eines Zinsbu-
ches
Abb. 5 Histogramm des Varianz-Kovarianz-Verfahrens
Abb. 6 Dynamisches Limitsystem
Abb. 7 Risiko-/Return-Diagramm
Abb. 8 Bilanzstruktur der Mustersparkasse per 30.06.2004
Abb. 9 Netto-Zinsbuch-Cashflow der Mustersparkasse per
30.06.2004
Abb. 10 Risikobestimmung Basel II per 30.06.2004
Abb. 11 Dynamische Barwertanalyse per 30.06.2004
Abb. 12 Risk-Return-Diagramm Mustersparkasse vor Steue-
rungsmaßnahmen
Abb. 13 Cashflow-Vergleich zu Benchmark vor Steuerungs-
maßnahmen
Abb. 14 Geplante Zinsswaps der Mustersparkasse
Abb. 15 Cashflow-Vergleich zu Benchmark nach Steue-
rungsmaßnahmen
Abb. 16 Dynamische Barwertanalyse nach Steuerungsmaß-
nahmen per 30.06.2004
Abb. 17 Risk-Return-Diagramm Mustersparkasse nach Steue-
rungsmaßnahmen
Abb. 18 Performancesimulation Mustersparkasse vor Steue-
rungsmaßnahmen
Abb. 19 Performancesimulation Mustersparkasse nach Steue-
rungsmaßnahmen
Abb. 20 GuV-Wirkung der Zinsswaps
V
1. Einführung
1.1 Notwendigkeit eines effizienten Risikomanagements in Banken
Kreditinstitute sehen sich seit einigen Jahren mit einem großen Problem konfrontiert: dem Margenverfall ihres Kundengeschäfts. Zwar bildet der Beitrag aus dem Zinsgeschäft nach wie vor den größten Ergebnisanteil einer Bank, doch lässt sich eine deutliche Verschiebung bei den Ergebniskomponenten Konditionen- und Fristentransformationsbeitrag feststellen. So führte unter anderem die Entwicklung in der Informations-und Kommunikationstechnologie gepaart mit der zunehmenden Etablierung der Direktbanken zu einer gestiegenen Wettbewerbsintensität. Die gleichzeitig wahrzunehmende größere Aufgeklärtheit des Bankkunden implizierte in den letzten Jahren eine stetige Verringerung der Marge in 1 den Kundengeschäften, dem Konditionenbeitrag.
Der Komponente Fristentransformationsbeitrag kommt somit eine immer wichtigere Bedeutung zu. Ziel einer Bank ist es, durch das Ausnutzen von Zinsdifferenzen am Geld- und Kapitalmarkt und dem bewussten Eingehen von kalkulierbaren Risiken einen positiven Beitrag zum Zinsergebnis zu erzielen. Aufgrund einer zunehmenden Informationseffizienz unter den Marktteilnehmern und dem Einsatz komplexer Finanzinstrumente sind die Zinsmärkte allerdings in der Vergangenheit immer volatiler geworden. Die Märkte reagieren somit schneller und heftiger 2 auf ein verändertes Umfeld.
Ein effizientes Management des zinsabhängigen Geschäftes ist unter diesen Prämissen für die Zukunft unabdingbar. Besondere Berücksichtigung müssen hierbei das eingegangene bzw. einzugehende Risiko 3 sowie aufsichtsrechtliche Anforderungen finden.
1 Küpker, H./Jaskulla, A.: Performancemessung und Benchmarking in der Treasury.
In: Eller, R./Gruber, W./Reif, M.: Risikomanagement und Risikocontrolling im
modernen Treasury-Management, Stuttgart, 2002, S. 155.
2 Bellarz, S.: Strategien im Zinsbuch. In: Eller, R./Gruber, W./Reif, M.: a.a.O., S. 523.
3 Ebd., S. 523.
1
Im Rahmen dieser Diplomarbeit werden nach einer Definition des Begriffs Zinsänderungsrisiko und einer organisatorischen Einordnung des Geschäftsbereichs Zinsrisikomanagement in Kapitel 2 die traditionellen Steuerungsansätze im Zinsrisikomanagement vorgestellt und einer kritischen Prüfung unterzogen. Es wird verdeutlicht, dass die bisherige handelsrechtliche Ergebnissteuerung den vorstehend erwähnten und in Kapitel 2 weiter ausgeführten gewachsenen Anforderungen nicht mehr entspricht.
Mit dem Barwertkonzept wird anschließend in Kapitel 3 ein von den Aufsichtsbehörden geforderter Ansatz dargestellt und prozessartig in einem Kreislaufsystem wiedergegeben. Nach dieser theoretischen Prozesserstellung erfolgt in Kapitel 4 die praktische Umsetzung der barwertigen Zinsbuchsteuerung am Beispiel einer Mustersparkasse. Sämtliche hierfür notwendige Analysen und Simulationen wurden mit Hilfe eines im Genossenschaftssektor im Einsatz befindlichen Berechnungs-Programms auf excel-Basis erstellt.
Die Diplomarbeit schließt in Kapitel 5 mit einem Resumée der Untersuchungsergebnisse sowie einem Ausblick auf eine zukunftsgerichtete Gesamtbanksteuerung.
1.2 Definition Zinsänderungsrisiko
Unter dem Zinsänderungsrisiko versteht man die Gefahr, dass sich geplante oder erwartete Ergebnisgrößen durch eine Änderung der Zinssätze bzw. Renditen an den Geld- und Kapitalmärkten verringern. Zinsänderungsrisiken entstehen, wenn Aktiv- oder Passivgeschäften keine zins- und laufzeitkongruenten Finanzierungsmittel bzw. Kapitalanlagen 4 gegenüberstehen.
Negative Auswirkungen hätte z.B. ein steigendes Zinsniveau, wenn ein Großteil der Aktiva längerfristig zu festen Konditionen gebunden wäre
4 Beer, A./Goj, W.: Zinsrisikomanagement mit Ablaufbilanz und Barwertmethode.
Stuttgart, 2002, S. 13
2
und die Passiveinlagen gleichzeitig variabel verzinst oder kurzfristig hereingenommen würden. Bei fixen Zinseinnahmen der Aktiva würden die Zinssteigerungen auf der Passivseite somit zu einer Verringerung der Zinsspanne führen. Die gleichen Konsequenzen ergäben sich im Rahmen eines sinkenden Zinsniveaus bei einer Festzinsbindung der Passiva und paralleler variabler oder kurzfristiger Verleihung der Akti- 5 va.
Das Marktzinsniveau als Ausgangsbasis für etwaige Zinsrisiken lässt sich am besten grafisch als Zinsstrukturkurve darstellen. Diese entsteht durch Aneinanderreihung von Zinssätzen eines bestimmten Marktsegmentes (z.B. Pfandbriefe) für eine Laufzeit bis 10 Jahre. Grundsätzlich kann zwischen den Formen normal, flach und invers unterschieden werden.
Abb. 1: Zinsstrukturkurvendarstellung.
Quelle: Wiedemann, A.: Financial Enginee- Bewertung von Finanzinstrumenten.
2. Auflage, Frankfurt am Main, 2004, S.10.
Eine normale Zinsstrukturkurve liegt vor, wenn die kurzfristigen Geldmarktsätze unter den langfristigen Kapitalmarktzinsen liegen. Ist das Verhältnis umgekehrt, spricht man von einer inversen Zinsstruktur. Sind die Zinsen aller Laufzeiten gleich hoch, wird die Zinsstrukturkurve als 6 flach bezeichnet.
5 Hanker, P.: Management von Marktpreis- und Ausfallrisiken.
Wiesbaden, 1998, S. 26.
6 Wiedemann, A.: Financial Engineering. Bewertung von Finanzinstrumenten.
2. Auflage, Frankfurt am Main, 2004, S.9.
3
Der Verlauf der Zinsstrukturkurve ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. So können u.a. wirtschaftliche Rahmendaten sowie Erwartungen der Marktteilnehmer sowohl zu Zinsniveauveränderungen (Parallelverschiebungen) als auch zu Drehungen der Zinsstruktur führen. Je größer diese Schwankungen ausfallen, desto höher ist grundsätzlich 7 auch das Zinsänderungsrisiko.
Das Zinsänderungsrisiko kann immunisiert werden, indem sämtliche Aktiv- und Passivpositionen laufzeit- und zinskongruent geschlossen werden. Aufgrund der in der Einleitung beschriebenen Notwendigkeit zur Erzielung eines Fristentransformationsbeitrages ist diese Idee jedoch nicht opportun. Vielmehr muss es das Ziel einer jeden Bank sein, oben angesprochene Risiken bewusst einzugehen, um einen weiteren 8 möglichst positiven Ergebnisbeitrag zu generieren.
1.3 Steuerung der Zinsrisiken im Sinne eines eigenen
Geschäftsfeldes
Wegen der zunehmenden Bedeutsamkeit sowie der steigenden gesetz- 9 lichen Anforderungen an die Steuerung der gesamtbankbezogenen
Risiken sollte für das Risikomanagement möglichst ein eigener Fachbereich eingerichtet werden - das Treasury. Die Treasury-Abteilung wird als eine organisatorisch selbständige, zentrale Organisationseinheit verstanden, deren Aufgabe neben dem originären Liquiditätsmanagement in der Steuerung sämtlicher handelbarer Risiken liegt. Hierzu zählen in erster Linie alle Marktpreisrisiken (Zins-, Währungs- und Aktienkursrisiko) und perspektivisch, nach Etablierung eines liquiden Marktes 10 für Adressenausfallrisiken, auch letztgenannte Risikokategorie.
7 Schulte, M./Horsch, A.: Wertorientierte Banksteuerung II: Risikomanagement.
3.Auflage, Frankfurt am Main, 2004, S. 166 f.
8 Anacker, R.: Moderne barwertige Marktpreisrisikosteuerung. In: Bankinformation
und Genossenschaftsforum 08/2002, S. 35.
9 Siehe hierzu Kapitel 2.3.
10 Wiedemann, A.: Treasury-Management in Banken.
http://www.zinsrisiko.de/treasurymanagement/treasuryaufsatz1.htm. 23.12.2004.
4
Um die einzelnen Marktpreisrisiken optimal steuern zu können, sollten die Risikoarten getrennt verwaltet und in separaten Büchern (Zinsbuch, Währungsbuch, Aktienbuch, etc.) geführt werden. Im Zinsbuch werden alle zinstragenden Geschäfte eines Kreditinstituts geführt. Hierzu zählen alle Kredit- und Einlagengeschäfte der Kunden, verzinsliche Wertpapiere aus dem Eigenbestand der Bank, Interbankenaufnahmen und 11 -anlagen sowie Zinsderivate.
Nach Trennung der Risikoarten sollte eine zusätzliche Unterteilung bezüglich der verfolgten Strategie erfolgen, wobei zwischen Handels- und Anlagebüchern unterschieden wird. Während sich Handelsbücher durch das laufende Eingehen und Auflösen von Positionen mit dem Ziel der Generierung kurzfristiger Erfolge auszeichnen, dienen Anlagebücher bezüglich der Einschätzung zur künftigen Marktentwicklung einer län- 12 gerfristigen Ausrichtung.
Wie bereits eingangs dargestellt, kommt der Zinsrisikosteuerung aufgrund des großen Ergebnisbeitrages eine besondere Bedeutung zu. Bei 13 der Steuerung des Zinsbuches wird daher auch von einem Treasury- 14 Management im engeren Sinne gesprochen.
2. Ansätze zur Steuerung des Zinsbuches und aufsichtsrechtliche Vorschriften
Für eine wirksame Risikosteuerung ist es von besonderer Bedeutung, die Risiken richtig zu erfassen und möglichst exakt zu quantifizieren. Die in der Praxis anzutreffenden Verfahren zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos können grundsätzlich in zwei Ansätze unterteilt werden: zum einen ertragsorientierte Verfahren, die auf die Steuerung des periodischen Zinsüberschusses abstellen und zum anderen wertorientierte
Verfahren, die auf eine barwertige Steuerung ausgerichtet sind.
11 Anacker, R.: a.a.O., S. 35f.
12 Ebd., S. 35f.
13 Im Rahmen dieser Diplomarbeit erfolgt keine Unterteilung in Anlage- und Handels- sondern es wird verallgemeinernd vom Zinsbuch gesprochen.
14 Anacker, R.: a.a.O., S. 35f.
5
2.1 Ertragsorientierte Verfahren
Bei den ertragsorientierten Verfahren wird die Entwicklung des Zinsergebnisses untersucht, das periodenbezogen jeweils in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) ausgewiesen wird. Einen der ersten Ansätze stellt historisch gesehen die Zinsbindungsbilanz dar, die stichtagsbezogen die aktivischen und passivischen Festzinspositionen mehrerer Perioden gegenüberstellt und anhand des Festzinsüberhanges das Zinsänderungsrisiko ermittelt. Bei dieser Methode besteht u.a. aufgrund der Nichtberücksichtigung der variabel verzinslichen Geschäfte die Gefahr von massiven Fehlsteuerungen. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Risikoaussagen der Zinsbindungsbilanz in der Regel gegenläu- 15 fig zur Realität bewegen.
Ausgehend von dieser Kritik wurde das Konzept der dynamischen Elastizitätsbilanz entwickelt, welches sämtliche festverzinsliche, variabel verzinsliche und unverzinsliche Positionen sachgerecht abbilden soll. Obwohl dieses Verfahren ebenfalls mit Unsicherheiten behaftet ist, da u.a. Annahmen über die zukünftige Entwicklung des Neugeschäfts erforderlich sind, dominierte dieses Konzept lange Zeit die Praxis der Zinsbuchsteuerung und ist auch heute noch in vielen Banken und Spar- 16 kassen Grundlage der Zinsspannenplanung.
Das oben genannte Beispiel zeigt, dass die Systeme zur Zinsrisikosteuerung einer ständigen Diskussion und Überarbeitung unterliegen. Trotz stetiger Fortentwicklung genügt eine ausschließliche Orientierung am periodischen Erfolg der GuV jedoch aus mehreren Gründen nicht den Anforderungen einer modernen rendite-/risikoorientierten Zinsbuchsteuerung. So ist zunächst der Planungshorizont zu kritisieren, der in der Regel bei fünf Jahren liegt. Unter Annahme einer bestimmten Zinsentwicklung wird für diesen Zeitraum die Bruttozinsspanne künftiger Perioden ermittelt, mit dem Ziel diese zu maximieren. Einerseits ist die- 15 Weinzierl,V.: Implementierung einer barwertigen Zinsbuchsteuerung.
In: Eller, R./Gruber, W./Reif, M.: a.a.O., S. 88.
16 Lach, N./Neubert, B./Kirmße, S.: Integrierte Zinsbuchsteuerung in der bankbetrieb- Praxis (I). In: Betriebswirtschaftliche Blätter 04/2003, S. 199.
6
ser Planungshorizont zu kurz, da viele Produkte Zahlungsströme besitzen, die über fünf Jahre hinausreichen. Andererseits ist der Planungshorizont zu lang, da weder eine vernünftige Zinsprognose noch eine Planung des Neugeschäfts für fünf Jahre möglich ist. Die periodische Zinsüberschussrechnung spiegelt die aktuelle Leistung der Treasury folglich nur unvollständig wieder. Es besteht die Gefahr von Fehlsteue- 17 rungen auf Basis dieser Zahlen.
Des weiteren ist zu kritisieren, dass das GuV-Ergebnis in hohem Maße gestaltbar ist. Als Beispiel sei die Behandlung von Wertpapieren im Umlaufvermögen genannt. Während Kursverluste gegenüber dem bisherigen Buchwert am Abschlussstichtag gemäß Niederstwertprinzip zwingend durch Abschreibungen zu berücksichtigen sind, sind Kursgewinne 18 erst bei Realisierung zu erfassen. Kreditinstitute sind somit in der Lage, je nach Ergebnissituation und gewünschtem Erfolgsausweis, das GuV-Ergebnis durch Bildung oder Auflösung stiller Reserven zu gestalten. Das erschwert zum einen externe Vergleiche mit anderen Kreditinstituten und zum anderen besteht die Gefahr, dass ein realer Vermögensverlust durch den Abbau stiller Reserven erst verspätet oder gar 19 nicht erkannt wird.
2.2 Barwertorientiertes Verfahren
Aufgrund der gestiegenen Anforderungen an eine effektive Zinsrisikosteuerung sowie der erkannten Schwächen der vorhandenen Verfahren wurden barwertorientierte Konzepte entwickelt. Diese greifen nicht mehr auf die Ergebnisse der periodischen GuV zurück, sondern basieren auf dem Marktwert des Zinsbuches. Letzterer wird ermittelt, indem sämtliche Zahlungsströme aller Zinsprodukte mit den aktuellen Marktzinssätzen diskontiert und anschließend saldiert werden. Der Marktwert bzw. Barwert entspricht somit dem Vermögenswert eines Kreditinstituts
17 Schierenbeck, H.: Ertragsorientiertes Bankmanagement. Band 2, 8.Auflage,
Wiesbaden 2003, S.618.
18 Vgl. § 252 Abs. 4 HGB und § 253 Abs. 3 HGB.
19 Brunold, A./Sievi, C./Wegner, O.: Adäquate Messgrößen für die Bankensteuerung.
In: Betriebswirtschaftliche Blätter 08/2004, S. 404f.
7
in zinstragenden Geschäften, der aktuell bei theoretischer Realisierung 20 aller Zinspositionen als Kassenzufluss zu realisieren wäre. Konsequenterweise wird als Zinsänderungsrisiko die Gefahr verstanden, dass 21 sich der Barwert des Zinsbuches durch Zinsänderungen verringert.
Die Steuerung nach der Barwertmethode vereint mehrere Vorteile gegenüber ertragsorientierten Verfahren, insbesondere unter Berücksichtigung der in Kapitel 2.1 angeführten Kritikpunkte. So legen Banken in der Regel den Planungshorizont auf maximal ein Jahr fest. Das ermöglicht dem Institut im Gegensatz zu einem fünfjährigen Horizont die Erstellung einer adäquaten Zinsprognose. Trotz des kürzeren Planungszeitraumes spiegelt die Barwertmethode die Leistung der Treasury vollständig wieder, da bei der Ermittlung der Barwerte nicht nur die Zahlungsströme der betrachteten Periode sondern sämtliche zukünftige Cashflows berücksichtigt werden.
Eine Gestaltbarkeit im Sinne einer Glättung des Ergebnisausweises ist bei der Barwertsteuerung nicht mehr möglich. Änderungen der Risikoparameter schlagen sich unmittelbar im Marktwert des Zinsbuches nieder, wodurch sich Risiken frühzeitig erkennen lassen. Es können sofort präventive Steuerungsmaßnahmen ergriffen werden, noch bevor stille Reserven angegriffen oder die Verluste in der Gewinn- und Verlust- 22 rechnung sichtbar werden.
Das Barwertkonzept erfüllt auf diese Weise die Anforderungen der Kreditwirtschaft nach Transparenz der Ergebnisse und Risiken, weshalb 23 sich dieser Ansatz in der Praxis vermehrt durchsetzt.
20 Die Auswirkungen einer Ausweitung bzw. Verringerung des Bonitätsspreads bei
Krediten und Anleihen wurden nicht in die diese Betrachtung einbezogen.
21 Hanker, P.: a.a.O., S. 43ff.
22 Schierenbeck, H.: Band 2, a.a.O., S. 618.
23 Ebd., S. 618.
8
2.3 Aufsichtsrechtliche Vorschriften
Der vorstehend durchgeführte Vergleich zwischen den beiden alternativen Verfahren berücksichtigt bislang ausschließlich ökonomische Überlegungen. In den letzten Jahren sind jedoch auch zahlreiche aufsichtsrechtliche Regelungen entwickelt worden, die zwingend in die Planungen zu integrieren sind.
Bislang wurden Zinsänderungsrisiken u.a. bereits in dem im Rahmen der sechsten Novelle des KWG neu formulierten Grundsatz I, im § 25a KWG sowie in den Mindestanforderungen für Handelsgeschäfte (MaH) berücksichtigt. Diese Regelungen sind jedoch entweder wenig konkreti- 24 siert oder umfassen per Definition einen wesentlichen Teil des Zinsbuches nicht, nämlich die Forderungen bzw. Verbindlichkeiten an Kun- 25 den.
26 Die in diversen Schreiben der Bankenaufsicht (BaKred -
mente findet ihren Niederschlag in der zweiten Säule von Basel II. Zukünftig wird die Bankenaufsicht - mit einem besonderen Fokus auf dem Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch - die Angemessenheit der Kapitalausstattung und des Risikomanagements der Institute beurteilen. Eine Konkretisierung der Regelungen aus Basel II findet sich in einem im Juli 2004 veröffentlichten Papier der Bankenaufsicht, den Principles for the 27 Management and Supervision of Interest Rate Risk . Die wesentliche
Regelung besteht darin, dass die Institute geeignete Instrumente zur Erfassung der Zinsänderungsrisiken implementieren und der Aufsicht regelmäßig und zeitnah die Ergebnisse der Steuerungssysteme zur 28 Verfügung stellen müssen.
24 Beispielhafte Ausdrücke in § 25a, Abs. 1 KWG: „mit hinreichender Genauigkeit“ /
„angemessene Sicherheitsvorkehrungen“.
25 Volkenner, T./Walter, K.: Mehr qualitative Aufsicht.
In: Betriebswirtschaftliche Blätter 10/2004, S.32.
26 Zum 01.05.2002 Verschmelzung mit anderen Aufsichtsbehörden zur BaFin.
27 Das Dokument kann auf der Internet-Seite http://www.bis.org/publ/bcbs108.htm
heruntergeladen werden.
28 Hager, P./Lüders, U.: Betriebswirtschaftliche Effizienz erhöhen, Aufsichtsrecht um- In: Betriebswirtschaftliche Blätter 07/2004, S. 13
9
Um den Umfang der eingegangenen Risiken zu messen, wurde der Baseler Zinsrisikokoeffizient entwickelt. Zu seiner Ermittlung wird im Standardverfahren die Änderung des Zinsbuchbarwertes aufgrund einer Ad-hoc-Verschiebung der Zinsstrukturkurve um 200 Basispunkte (Zinsschock) ins Verhältnis zum haftenden Eigenkapital gesetzt. Alternativ kann die Bank die Barwertänderung auch mit Hilfe der Historischen Si- 29 mulation berechnen. Kreditinstitute, bei denen der Koeffizient die Verlustgrenze von 20 Prozent überschreitet, gelten als „Ausreißerbanken“ und unterliegen einer besonderen aufsichtsrechtlichen Behandlung bis 30 hin zu zusätzlichen Eigenkapitalanforderungen.
Derzeit würde eine erhebliche Anzahl an Instituten diese „Ausreißer“-Definition von Basel II erfüllen. Dies liegt u.a. an dem hohen Zinsschock von 200 Basispunkten. Die letztendliche Festlegung der Höhe dieses Schocks bleibt der nationalen Bankenaufsicht vorbehalten, so dass es hier unter Umständen noch zu Adjustierungen kommen kann. Die rechtliche Umsetzung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben ist für das zweite Halbjahr 2005 mit der Veröffentlichung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) avisiert. Da die Bankenaufsicht bereits im Vorfeld die Strategie und Umsetzung der Zinsbuchsteuerung hinterfragt, sollten sich Kreditinstitute bereits frühzeitig dieser Thematik annehmen. Aufgrund der Forderung in Basel II nach einer barwertigen Betrachtung des Zinsbuch-Risikos, bietet sich die Implementierung ei- 31 ner barwertigen Zinsbuchsteuerung an.
29 Siehe hierzu Kapitel 3.2.1 und 3.2.2.2 (Vorgabe: 99% Konfidenzniveau, Datenhisto- 5 Jahre, Haltedauer ein Jahr)
30 Volkenner, T./Walter, K.: a.a.O., S. 32f.
31 Ebd., S. 33ff.
10
Arbeit zitieren:
Timo Gröttrup, 2005, Praktische Umsetzung einer barwertigen Zinsbuchsteuerung unter GuV Restriktionen in einer Sparkasse, München, GRIN Verlag GmbH
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