Fernsehnachrichten haben einen zentralen Einfluss auf das öffentlich wahrgenommene Ausländerbild. Migranten werden jedoch vorwiegend im Zusammenhang mit Kriminalität oder kontrovers diskutierten Sachverhalten (Stichwort Zuwanderung) in den Medien präsentiert. Diese negative und oft undifferenzierte Darstellung zeichnet ein falsches Ausländerbild und kann deren Ausgrenzung und Stigmatisierung fördern. Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in die Migrantenberichterstattung in deutschen Fernsehnachrichten im Jahr 2003 geben. Anhand einer inhaltsanalytischen Untersuchung der vier meistgenutzten Hauptnachrichtensendungen - ARD-Tagesschau, ZDF-Heute, RTL-aktuell und SAT.-18:30 - wird gezeigt, innerhalb welcher Themen und Kontexte vorwiegend über Migranten berichtet wird. Unter Beachtung der hier einflussreichen Nachrichtenfaktoren werden Selektions- und Präsentationsstrukturen in der Migrantenberichterstattung beschrieben. Es kann festgestellt werden, dass die Migrantenberichterstattung von den Themen Kriminalität und Terrorismus dominiert wird. Anhand der Terrorismusberichterstattung werden exemplarisch mögliche inhaltliche Nachrichten-Frames veranschaulicht. Zudem können sender-und rundfunkspezifische Unterschiede festgestellt werden.
Media coverage, especially in the case of television news, has got an important influence on the people’s ideas as to minorities, specifically immigrants. Because of its tendency to present immigrants mainly in contexts of crime and illegality, it might contribute to an increasing fear towards strangers. Thus, the following paper aims to examine the television news coverage of immigrants in 2003. A content analysis of the most popular news in german television - ARD-Tageschau, ZDF-Heute, SAT.1-18:30 as well as RTL-aktuell-will identify the relevant news values and topic in immigrant coverage. The study points out to an intensive change in immigrant coverage. In that sense, news are nowadays rather dominated by topics about terrorism than asylum issues. In addition, remarkable distinctions between public and private channels were revealed.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
I Theoretischer Teil
2 Migranten und Medienberichterstattung
2.1 Migranten im Fokus der Berichterstattung von Presse und TV
2.1.1 Zur Problematik des Ausländerbegriffs
2.1.2 Ausgewählte Studien
2.2 Merkmale der tagesaktuellen Migrantenberichterstattung
2.2.1 Themen und Kontexte
2.2.2 Sprachliche Präsentation
2.3 Zwischenbilanz
3 Ansätze der Nachrichtenforschung
3.1 Nachrichtenwerttheorie und Migrantenberichterstattung
3.1.1 Nachrichtenwerttheorie – ein kurzer Überblick
3.1.2 Nachrichtenfaktoren in der Migrantenberichterstattung
3.2 Konzept der Nachrichten-Frames
3.2.1 Journalistische Nachrichten-Frames
3.2.2 Nachrichten-Frames und Migrantenberichterstattung
4 Fernsehnachrichten im deutschen Rundfunksystem
4.1 Duales Rundfunksystem und Konvergenzhypothese
4.2 Konvergenz der Nachrichtensendungen
4.3 Zwischenbilanz
II Empirischer Teil
5 Methodisches Vorgehen
5.1 Forschungsfragen und Hypothesen
5.2 Stichprobe
5.3 Operationalisierung und Untersuchungsmethode
5.4 Codierbuch
5.5 Datenauswertung
6 Ergebnisse
6.1 Formales
6.2 Themen und Themenstruktur
6.2.1 Ereignishintergrund der berichteten Meldungen
6.2.2 Themenstruktur
6.3 Nachrichtenfaktoren
6.4 Framing
6.5 Wortwahl und sprachliche Gestaltung
6.6 Spezielles Thema: Terrorismus
7 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Magisterarbeit untersucht, wie im Jahr 2003 in den Hauptnachrichtensendungen der vier reichweitenstärksten deutschen Fernsehsender über Migranten berichtet wurde. Das primäre Forschungsziel ist die Analyse von Selektions- und Präsentationsstrukturen, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob senderspezifische Unterschiede bei der Thematisierung und Darstellung von Migranten bestehen.
- Thematische Schwerpunkte der Migrantenberichterstattung
- Einfluss von Nachrichtenfaktoren auf die Selektion und Präsentation
- Vergleich zwischen öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Sendern
- Analyse der visuellen und sprachlichen Darstellung (Framing)
- Identifikation von Mustern in der Terrorismusberichterstattung
Auszug aus dem Buch
3.1 Nachrichtenwerttheorie und Migrantenberichterstattung
Ausgangspunkt dieser Theorie ist die Annahme, dass der Journalist aus einer Fülle von Ereignissen jene selektieren muss, die ihm am bedeutendsten und wichtigsten erscheinen. Bei der Erstellung von Nachrichten spielen sowohl Rezeptionssituationen als auch Selektionsentscheidungen eine Rolle, die, so die Annahme, von bestimmten Kriterien oder Ereignismerkmalen geleitet werden.
Erste Ideen oder Formulierungen hinsichtlich einer Nachrichtenselektion nach konventionellen Mustern anstatt objektiver Regeln stammen von Walter Lippmann (1922), der in seiner Arbeit „Public Opinion“ die Frage aufwirft, welche Kriterien Ereignisse erfüllen sollten, um zu einer Nachricht zu werden (vgl. Staab 1990: 41). Die Publikationswürdigkeit eines Ereignisses bezeichnet Lippmann als „news value“, „Nachrichtenwert“, der sich aus der Kombination bestimmter Einzelaspekte ergibt. Diese werden - allerdings erst 40 Jahre später – durch Östgaard (1965) und differenzierter durch Galtung und Ruge (1965) als so genannte Nachrichtenfaktoren beschrieben. Deren Liste zu Nachrichtenwerten umfasst insgesamt zwölf Kriterien. Zu nennen sind an dieser Stelle bspw. Nachrichtenfaktoren wie Bedeutsamkeit, Überraschung oder Negativität. Dabei ist ein Ereignis z.B. überraschend, wenn es den Erwartungen vollkommen widerspricht bzw. nicht vorhersehbar ist; als negativ gilt ein Ereignis nach Galtung/Ruge, je mehr es auf Konflikt, Kontroverse, Aggression, Zerstörung oder gar Tod bezogen ist (vgl. Schulz 1999: 331; Galtung/Ruge 1965: 69).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die gesellschaftliche Relevanz der Migrantenberichterstattung und definiert das Forschungsinteresse für das Jahr 2003.
2 Migranten und Medienberichterstattung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Medienberichterstattung über Migranten und definiert die zentralen Begriffe der Arbeit.
3 Ansätze der Nachrichtenforschung: Das Kapitel führt in die theoretischen Konzepte der Nachrichtenwerttheorie und des Nachrichten-Framings ein, um Selektions- und Präsentationsmechanismen zu erklären.
4 Fernsehnachrichten im deutschen Rundfunksystem: Hier werden die Besonderheiten des dualen Rundfunksystems beleuchtet und Hypothesen zur Konvergenz der Sendertypen abgeleitet.
5 Methodisches Vorgehen: Das Kapitel erläutert die inhaltsanalytische Vorgehensweise, die Stichprobenauswahl der untersuchten Nachrichtensendungen und die Entwicklung des Codierbuchs.
6 Ergebnisse: In diesem Kapitel werden die empirischen Befunde der Inhaltsanalyse detailliert dargestellt, unterteilt in formale Aspekte, Nachrichtenfaktoren, Framing und sprachliche Gestaltung.
7 Diskussion: Die Diskussion fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen, gleicht sie mit früheren Studien ab und reflektiert die Unterschiede zwischen den Rundfunktypen.
Schlüsselwörter
Migrantenberichterstattung, Fernsehnachrichten, Inhaltsanalyse, Nachrichtenwerttheorie, Nachrichten-Framing, öffentlich-rechtlicher Rundfunk, privat-kommerzieller Rundfunk, Kriminalitätsberichterstattung, Terrorismus, Integration, Medienwirkung, visuelle Darstellung, Stereotypen, journalistische Selektion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Migrantenberichterstattung in den deutschen Fernsehnachrichten des Jahres 2003, um zu verstehen, wie Migranten in den Medien präsentiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Themen Kriminalität, Terrorismus, Zuwanderungsdebatten, Integration sowie die allgemeine Darstellung von Minderheiten in Nachrichtenformaten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage ist, wie über Migranten berichtet wird, innerhalb welcher Kontexte dies geschieht und ob sich signifikante Unterschiede zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern feststellen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative und qualitative Inhaltsanalyse durchgeführt, ergänzt durch explorative Ansätze zur visuellen Darstellung und Clusteranalysen bei Terrorismus-Beiträgen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Nachrichtenforschung und einen empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der systematischen Analyse präsentiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselbegriffen gehören Nachrichtenwerttheorie, Framing, Migranten, Kriminalitätsberichterstattung und die Unterscheidung von Hard und Soft News.
Wie unterscheidet sich die Berichterstattung zwischen den Sendertypen konkret?
Die Analyse zeigt, dass öffentlich-rechtliche Sender häufiger gesellschaftspolitisch relevante "Hard News" berichten, während private Sender tendenziell häufiger "Soft News" sowie eine emotionalere und bildstärkere Präsentation wählen.
Welche Rolle spielt die visuelle Gestaltung der Nachrichten?
Die visuelle Darstellung ist zentral: Häufig werden stereotypisierende Bilder verwendet, um Migranten mit Themen wie Terrorismus oder Kriminalität zu verknüpfen, was besonders bei privaten Sendern beobachtet wurde.
Gibt es eine Veränderung in der Darstellung von Migranten im Vergleich zu früheren Jahren?
Ja, die Arbeit identifiziert eine Verschiebung: Während Migranten früher häufiger als Opfer fremdenfeindlicher Gewalt thematisiert wurden, dominiert im Jahr 2003 die Darstellung als (potenzielle) Täter im Kontext von Terrorismus und Kriminalität.
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- Heike Uhlemann (Author), 2004, Zur Migrantenberichterstattung in deutschen Fernsehnachrichten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44691