Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung 1
1.1 Problemaufriss 2
1.2 Zielsetzung der Arbeit. 3
THEORETISCHER TEIL
2. Kindheit 4
2.1 Veränderte Kindheit 4
2.1.1. Verinselung und Verhäuslichung 5
2.1.2 Verändertes Medienverhalten. 6
2.2 Motorische Leistungsfähigkeit. 6
2.2.1 Untersuchungen von Zimmer 6
2.2.2 Untersuchungen von Sigrid Dordel 8
2.2.3 Studie von Eggert 9
3. Anatomische Grundlagen 10
3.1 Der Vestibularapparat. 11
3.1.1 Das Propriozeptive System. 11
3.1.2 Das Visuelle System. 12
3.1.3 Der Utriculus und der Sacculus 13
3.1.5 Die Bogengänge 14
3.2 Bewegung 15
3.2.1 Motorik 16
3.2.2 Sensorik 16
3.2.3 Sensorische Verarbeitung im ZNS 16
3.3 Die motorische Entwicklung des Gleichgewichtssinns 19
3.3.1 In der Schwangerschaft 19
3.3.2 Als Neugeborenes. 20
3.3.3 Gleichgewichts-Reflexe 21
3.3.4 Ab dem 6. Monat 23
3.3.5 Mit ungefähr einem Jahr. 24
3.3.5 Mit zwei bis drei Jahren. 26
II
3.3.6 Mit drei bis vier Jahren. 26
3.3.7 Das Vorschulalter 27
3.3.8 Grundschulalter 27
4. Koordinative Grundlagen. 29
4.1 koordinative Fähigkeiten. 29
4.1.2 Differenzierungsfähigkeit. 30
4.1.3 Kopplungsfähigkeit 30
4.1.4. Reaktionsfähigkeit 30
4.1.5 Orientierungsfähigkeit 30
4.1.6 Rhythmisierungsfähigkeit. 31
4.1.7 Umstellungsfähigkeit. 31
4.2 Die Gleichgewichtsfähigkeit. 31
4.2.1 Physikalisches Gleichgewicht 32
4.2.2 Sensomotorisches Gleichgewicht 32
4.2.3 Objektgleichgewicht. 33
4.3. koordinatives Körpergleichgewicht. 33
4.4 Stütz- und Zielmotorik 34
5.1 Allgemeine Störungen in der motorischen Entwicklung. 37
5.1.1 Allgemeine Hirnstörungen 37
5.1.2 Allgemeine Koordinationsschwächen 38
5.1.3 Übergewicht 39
5.1.4 Bewegungsmangel. 40
5.1.5 Emotionale und psychosoziale Auffälligkeiten. 40
5.2. Entwicklungsstörungen des Gleichgewichtssinns 41
5.2.1 In der Schwangerschaft 41
5.2.1 Die ersten Lebensjahre 41
5.2.2 Entwicklungsstörungen beim Krabbeln. 42
5.2.3 Entwicklungsstörungen beim Gehen 43
5.3 Sensorische Integrationsstörungen 44
5.3.1 Anpassungsregulationen des vestibulären Systems. 44
5.3.2 Einflüsse auf die Augen und die Halsmuskulatur 45
5.3.3 Nystagmus 46
5.3.4 Einflüsse auf die Körpermuskulatur 47
5.3.5 Raumvorstellungen. 47
III
5.3.6 Haltungs- und Gleichgewichtsreaktionen. 48
5.3.7 Bewegungen zur Stabilisierung der Haltung 48
5.3.8 Kokontraktionen 49
5.3.6 Unterfunktion vestibulärer Reaktionen 49
5.3.7 Überfunktion vestibulärer Reaktionen. 50
6. Therapieverfahren von Gleichgewichtsstörungen. 52
6.1 A. Jeane Ayres Konzept der sensorischen Integration 52
6.1.1 Verwendete Geräte in der sensorischen Integrationsbehandlung: 54
6.1.2 Das Rollbrett. 54
6.1.3 Die Schwebeschaukel 55
6.2 Psychomotorik 56
6. 2.1 Psychomotorik als Konzept 56
6.3 Sportförderunterricht 57
PRAKTISCHER TEIL
7.Durchführung eines eigenen Gleichgewichtstests. 58
7.1 Testverfahren 58
7.1.1 Dynamisches Gleichgewicht- KTK. 58
7.1.2 Statisches Gleichgewicht- Schwebestehen. 59
7.1.3 Rotatorisches Gleichgewicht - Frenzel-Brille. 60
7.4 Durchführung Hauptschule 60
7.2.1 Ergebnisse Rückwärts Balancieren 61
7.2.2 Einordnung der Ergebnisse anhand der Normenwerte 61
7. 3 Einbeiniger Schwebestand. 62
7.3.1 Einordnung der Ergebnisse Schwebestehen 63
7.4 Interpretation der Ergebnisse. 64
7.5 Durchführung Grundschule. 64
7.5.1. Ergebnisse Rückwärts Balancieren 65
7.5.2 Einordnung der Ergebnisse anhand der Normenwerte 65
7.6 Einbeiniger Schwebestand. 66
7.6.1 Einordnung der Ergebnisse Schwebestehen 66
7.7. Nystagmusuntersuchung mit der FRENZEL-Brille 67
7.7.1 Interpretation der Ergebnisse. 67
IV
7.8 Gesamtbewertung der Ergebnisse aus dem KTK 68
7.9 Gesamtbewertung der Ergebnisse des Schwebestandes. 69
8. Gleichgewicht im Sportunterricht 70
8.1. Bedeutung des Gleichgewichts im Sportunterricht 70
8.2 Trainierbarkeit der Gleichgewichtsfähigkeit 70
8.3 Vermittlung der Gleichgewichtskompetenz 72
8.4 Übungsbeispiele für den Unterricht 74
8.4.1 Standgleichgewicht. 74
8.4.2 Balanciergleichgewicht 76
8.4.3 Drehgleichgewicht. 77
8.4.4. Fluggleichgewicht 78
9. Schlussbetrachtung. 79
10. Literaturverzeichnis 80
V
1.Einleitung
Der Gleichgewichtssinn spielt in unserem Leben eine entscheidende Rolle. Ohne die Schwerkraftrezeptoren im Ohr, wäre es uns nicht möglich aufrecht zu gehen. Im Laufe der Evolution hat sich das vestibuläre System zu einer komplexen Struktur entwickelt, die aber auch störanfällig sein kann. Gleichgewichtsstörungen können das Leben eines Menschen stark beeinträchtigen. Schwindel, motorische Fehlleistungen, Sprach- und Lernstörungen können beispielsweise die Folge sein. Daher ist es besonders wichtig schon in der Kindheit die Voraussetzungen für eine gesunde und harmonische Entwicklung des Gleichgewichts zu schaffen, da während dieser Zeit neuronale Komplikationen oder sensorische Integrationsstörungen besser beseitigt werden können als im Erwachsenenalter. Im Kindesalter werden noch viele synaptische Verbindungen ausgebildet, die wichtig für eine vielseitige sozial-kognitive und motorische Entwicklung sind. Es ist deswegen besonders wichtig, auch einen positiven Beitrag im Schulsport zu leisten.
Diese Hausarbeit gliedert sich grob in einen theoretischen und praktischen Teil. Der theoretische Teil beschäftigt sich mit der scheinbar „veränderten Kindheit“ und dessen Auswirkungen auf die motorische Leistungsfähigkeit, den anatomischen Grundlagen des Ohres und des Vestibularapparates, der Bedeutung von Haltung und Bewegung, der Entwicklung des Gleichgewichtssinns, verknüpft mit möglichen sensorischen Störungen und der Bedeutung des Gleichgewichts aus koordinativer Sicht.
Der praktische Teil beinhaltet die Therapiemöglichkeiten und das Training der Gleichgewichtsfähigkeit und die Darstellung und Bewertung eines eigenen Gleichgewichtstest auf Basis verschiedener repräsentativer Untersuchungen. Am Ende der Arbeit gibt es noch einen Überblick über diverse Übungsformen zur generellen Verbesserung des Gleichgewichtsvermögens, die selbst von mir im Unterricht erprobt wurden.
1
1.1 Problemaufriss
Nach AYRES ist der Gleichgewichtssinn ein „alles vereinendes Bezugssystem“ 1 und wird beim Ungeborenen schon zwischen der sechsten und achten Schwangerschaftswoche herausgebildet.
Die sensorische Integration zwischen dem Gehirn und dem Vestibularapparat ist hierbei entscheidend für eine positive senso-motorische Entwicklung des Kindes. Störungen oder Verkümmerungen der sensorischen Verarbeitung im Gehirn können weit reichende Folgen in der Entwicklung des Kindes haben. Eine Unterfunktion des vestibulären Systems kann sich beispielsweise auf das Verhalten des Kindes auswirken, weil das Gehirn zu schwach oder zu stark auf die Sinnesreize reagiert. Komplikationen wie doppelseitige Gleichgewichtsstörungen, Augenmuskeln- und Haltungskomplikationen, vestibuläre Sprachstörungen und Über-oder Unterfunktionen vestibulärer Reaktionen können auftreten. Die heutige überwiegend auftretende Bewegungsarmut im Sinne der „veränderten Kindheit“ können diese Probleme verstärken, da der Gleichgewichtssinn trainiert werden muss, um sensibilisiert funktionieren zu können. Diese Examensarbeit legt deshalb in Anlehnung an AYRES den Schwerpunkt auf die Diagnose und Therapie von Störungen in der sensorischen Verarbeitung von Gleichgewichtsreizen. Grundlegende psychomotorische Aspekte, wie von ZIM- MER beschrieben,werden dafür die Basis bilden.
Außerdem wird der Nystagmus hierbei eine Rolle spielen und soll letztlich in einer Untersuchung bei Kindern mithilfe der von DR. FRENZEL entwickelten Nystagmusbrille analysiert und interpretiert werden. Er stellt ein entscheidendes Indiz dafür dar, ob sensorische Gleichgewichtsstörungen vorliegen könnten. Außerdem wird in der Arbeit der koordinative Aspekt des Gleichgewichtssinnes speziell im Sport berücksichtigt werden. Das Gesamtergebnis soll mehrperspektivisch sein, sodass alle wichtigen Faktoren des Gleichgewichtsinns beleuchtet werden.
1 A. Jean Ayres, Bausteine der kindlichen Entwicklung, Berlin: Axel Springer Verlag, 1984, S. 84.
2
1.2 Zielsetzung der Arbeit
Die Bedeutung des Gleichgewichtssinns im Kindesalter ist in den grundlegenden sensomotorischen Entwicklungsstufen verankert. Die allgemeine Zielsetzung dieser Arbeit besteht deshalb darin, aufzuzeigen, dass die Auswirkungen von Komplikationen, Störungen oder Retardierungen in der empfindlichen motorischen Entwicklung des Gleichgewichtssinns entscheidend dazu beitragen können, ob ein Kind kognitiv und senso-motorisch leistungsfähig ist und welche Persönlichkeit es ausbildet.
Haltung und Bewegung, vestibuläre Wahrnehmung, die Sicherung von Orientierungen von Kopf und Körper im Raum, das Einstellen auf Beschleunigungen, Richtungs- und Drehänderungen oder veränderten Körper- und Haltungslagen sind hierbei entscheidende Faktoren und müssen schon im Kindesalter trainiert werden. Sie schaffen die Grundlagen für eine lang anhaltende Gesundheit im Erwachsenenalter, damit besonders Haltungsschäden, Rückenschmerzen, Schwindel, etc. reduziert werden.
Ein weiteres Ziel ist die Darstellung der Bedeutung des Gleichgewichts in Bezug auf die Abhängigkeit und Zusammenarbeit mit anderen Körperfunktionen, wie z.B. dem propriozeptiven und visuellen System. Im Sinne der „Ganzheitlichkeit“ ist ein isoliertes Funktionieren des Gleichgewichtssinns nicht möglich. Es sollen außerdem die Ergebnisse der eigenen Untersuchung mit genormten Ergebnissen verglichen werden, um aufzuzeigen, ob sich die Gleichgewichtsfähigkeit bei Kindern negativ oder positiv verändert hat. Die Bedeutung des Gleichgewichts wird ferner im Schulsport reflektiert und es wird aufgezeigt, dass es hier einen besonderen Stellenwert einnehmen sollte.
3
2. Kindheit
Das Verständnis von „Kindheit“ wird durch gesellschaftliche und kulturelle Fak-toren geprägt. Galt das Kind im Mittelalter noch als „kleiner Erwachsener“, so hat diese Phase der menschlichen Entwicklung in der heutigen Gesellschaft einen eigenen Stellenwert. OERTER/MONTADA definieren Kindheit als „einen klar umschriebenen Lebensabschnitt, in dem das Kind bestimmte Aufgaben zu bewältigen hat“ 2 , aber abhängig vom Erwachsenen ist. Die Phasen der Kindheit werden nach OERTER/MONTADA 3 eingeteilt in: Kleinkind und Vorschulkind (zweieinhalb bis fünf Jahre) Vorschul- und Grundschulkind (fünf bis acht Jahre) Späte Kindheit (neun bis dreizehn Jahre)
2.1 Veränderte Kindheit
Unter dem Begriff „Veränderte Kindheit“ versteht man die „zahlreichen Entwicklungen, welche in den zurückliegenden 20-30 Jahren die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Verläufe und Resultate des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen zum Teil grundlegend verändert haben“ 4 . Sie ist allgemein gekennzeichnet durch folgende Schlagwörter:
• Einzelkindheit (Einkindfamilien, Einelternfamilien) 5
• verinselte Kindheit (veränderte Sozialisationsräume) 6
• instabil wechselnde Lebensräume und Sozialkontakte
• institutionalisierte, verplante, pädagogisierte Veranstaltungskindheit
• Leistungs(schul)kindheit (Selektion vs. Förderung / Überforderung)
2 Ralf Oerter / Leo Montada, Entwicklungspsychologie, Weinheim: Beltz PVU, 2002, S. 209.
3 ebd., S.214f.
4 Vgl., POLLACK, 2002, S. 3
5 Vgl. Sigrid Dordel, Bewegungsförderung in der Schule, Dortmund: Verlag modernes Lernen, 2003,S. 29.
6 Vgl. Hartmut Zeiher/Helga Zeiher, Orte und Zeiten der Kinder. Soziales Leben im Alltag von Großstadtkindern, München 1994, S. 10
4
• Verhäuslichte Innenraumkindheit 7
• Ökonomisierte Armutskindheit und Konsumrauschkindheit
• Krankheitskindheit, Stresskindheit, Suchtkindheit
• Multimedienkindheit 8
• Multiethnische, multikulturelle Kindheit
• Entsinnlichte Kindheit 9
• Bewegungsarmut 10
Im Folgenden werden Aspekte erläutert, die besonders die motorische Leistungsfähigkeit und damit auch die Gleichgewichtsfähigkeit in der heutigen Kindheit betreffen.
2.1.1. Verinselung und Verhäuslichung
Verstädterung, Ballungsräume, hohe Wohndichte führen zu einer Verinselung der kindlichen Lebensräume. 11 Betreuungs- und Freizeitorte, Kitas, Spiel- und Sportplätze, Schwimmhallen, Freizeitheime, Orte von Kursen liegen wie Inseln verstreut, oft weit auseinander. Viel vom Alltagsleben der Kinder findet auf diesen Kinderinseln statt. Ein Großteil der Kinder wächst heute in verinselten und von den Erwachsenen vorgegebenen Räumen auf. 12
Dadurch findet eine Veränderung der Bewegungsräume zugunsten von Funktionsräumen statt. Die spontanen und natürlichen Bewegungen werden dabei vernachlässigt. 13
Kinder verbringen außerdem viel Zeit zu Hause oder in spezialisierten Räumen.
7 Vgl. Zinnecker (Hrsg.):M. Muchow; H. H. Muchow, Der Lebensraum des Großstadtkindes, Weinheim: Juventa Verlag, 1998.
8 Dordel, a.a.O., S.32
9 Vgl. Brinkhoff, K.-P., Kindsein ist kein Kinderspiel. Über die veränderten Bedingungen des Aufwachsens und notwendige Perspektiverweiterungen in der modernen Kindheitsforschung. In: Mansel, J. (Hrsg.): Glückliche Kindheit - Schwierige Zeit? Über die veränderten Bedingungen des Aufwachsens. Opladen: Leske + Budrich 1996, S. 25-39.
10 Schmidt, Werner: Veränderte Kindheit - veränderte Lebenswelt: Analysen und Befunde. In: Sportwissenschaft 27 (1997) 2, S. 143 - 157
11 Vgl. Zeiher, a.a.O., S. 10
12 Vgl. Brinkhoff, a.a. O., S. 35
13 Vgl. Dordel, a.a.O., S. 36
5
Dadurch findet eine Verlagerung des Alltagslebens in geschützte Räume und Abgrenzung von Handlungsräumen anderer Altersgruppen statt. 14
2.1.2 Verändertes Medienverhalten
Es ist allgemein bekannt, dass Kinder und Jugendliche den heutigen Medien, wie Fernseher, Computer, Spielkonsolen, Internet ausgesetzt sind und diese Zeit vergeudete Bewegungszeit ist. Die Studie „Kinder und Medien“ 15 aus dem Jahre 2002 zeigt, dass jedes vierte Kind der 6 bis 7-Jährigen einen eigenen Fernseher und jedes dritte Kind eine Spielkonsole besitzt. 80 Prozent der 6 bis 13-Jährigen gaben an, dass sie jeden Tag fernsehen und jeweils mehr als eineinhalb Stunden. Die Mediennutzung scheint demnach bedeutsam für Kinder- und Jugendliche zu sein.
2.2 Motorische Leistungsfähigkeit
Diverse Studien zeigen, dass die motorische Entwicklung heutiger Kinder Defizite aufzeigt. Allerdings gibt es auch hier zum Teil gegensätzliche Ergebnisse. So zeigt Dordel Unterschiede bei Untersuchungen von Haltungsschwächen auf. Diese variieren zwischen Häufigkeiten von 8,6% bei schulärztlichen Untersuchungen und 50-65% bei sportmedizinischen bzw. sportpädagogischen Beurteilungen. 16 Auch bei den Untersuchungen von Koordinationsschwächen gibt es nach Dordel Unterschiede, die zwischen 3,4 -8,7% bei den Schuluntersuchungen und 30- 0% bei den sportmedizinischen bzw. sportpädagogischen Untersuchungen liegen. 17
2.2.1 Untersuchungen von Zimmer
ZIMMER untersuchte die motorischen Fähigkeiten mithilfe des KTK ( Körperko-ordinationstest für Kinder) und des Motoriktests für 4- bis 6-Jährige. Außerdem
14 Vgl. Zinnecker, a.a.O. S. 25
15 Vgl. Studie „Kinder und Medien 2002" (KIM 2002) vom Medienpädagogischen Forschungsver-bund Südwest
16 Vgl. Dordel, a.a.O, S. 66
17 ebd. S. 66
6
führte sie einen Test zur Erfassung der kognitiven Entwicklung durch und untersuchte das sozial- emotionale Verhalten. 18 Die Ergebnisse des KTK waren folgende:
Die Ergebnisse liegen unter den von SCHILLING/KIPHARD festgelegten Normwerten. Die über 5;8-Jährigen liegen mit dem Mittelwert im motorisch normalen Bereich, während die 5;2 bis 5;8-Jährigen im motorisch auffälligen Bereich liegen. Zimmer untersuchte die Zusammenhänge zwischen Wohnumfeld und motorischer Leistungsfähigkeit zwischen Schichtzugehörigkeit und sportlichen Aktivitäten der Eltern und motorischen Fähigkeiten der Kinder. Bei guten Spielmöglichkeiten im Wohnumfeld zeigten die Kinder höhere Motorikquotienten im KTK als bei weniger guten Spielmöglichkeiten. ZIMMER konnte also einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Wohnumfeld, den Spielmöglichkeiten der Kinder und den motorischen Leistungen feststellen.
Bei den Schichtzugehörigkeiten stellte sie schichtspezifische Unterschiede bei den KTK- Ergebnissen der Kinder fest. So waren die Ergebnisse der Kinder aus der Ober- und Mittelschicht deutlich höher als die Ergebnisse der Kinder aus der Unterschicht.
18 Vgl. Renate Zimmer, Motorik und Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern; Eine empirischen Studie zur Bedeutung der Bewegung für die kindliche Entwicklung; Schorndorf: Verlag Hofmann, 1996; Seite 95ff.
7
2.2.2 Untersuchungen von Sigrid Dordel
Dordel untersuchte Kinder mittels des KTK in zwei verschiedenen Schulen: 19
Bei DORDEL A handelt es sich um eine Schule, die sich als besonders bewegungs-freundlich beschreiben lässt. Die räumlichen Voraussetzungen mit einer eigenen Turnhalle und einem Freiplatz sind sehr gut. Außerdem verfügt die Schule über geeignetes Sport- und Spielmaterial. Die Kinder haben je Klasse drei Einzelsport-stunden, nutzen die Pausen zur Bewegung und erhalten auch während der Unterrichtszeit genügend Zeit für Bewegungspausen. Außerdem werden verschiedene Sportarbeitsgemeinschaften und Projekte angeboten.
Es bestehen außerdem Kooperationen mit den örtlichen Sportvereinen. Das gute Abschneiden der Kinder zeigt, dass das breite Angebot die motorische Entwicklung der Kinder positiv beeinflusst.
Schule DORDEL B hat dagegen keine eigene Sporthalle und die Kinder bekommen nur eine Doppelstunde pro Woche Sportunterricht. Auch stehen weniger Geräte zur Verfügung und das Sportangebot ist nicht groß. Die Kinder schneiden beim KTK deutlich schlechter ab, was sich auf die verschiedenen Gegebenheiten der beiden Schulen zurückführen lässt.
Insgesamt stellt DORDEL fest, dass die Ergebnisse im Vergleich zu der Normierung von KIPHARD aus dem Jahre 1974 mit 99,79 bzw. 94,85 eine leichte Verschiebung in Richtung reduzierter Gesamtkoordination erkennen lassen. Zudem ergaben die Untersuchungen, dass die Häufigkeit auffälliger Gesamtkoordination in Abhängigkeit von den sozio-ökologischen Bedingungen zu sehen ist und dass Kinder in den ländlichen Gebieten gegenüber Stadtkindern bessere Ergebnisse
19 Vgl. Dordel, a.a.O., S. 70f.
8
beim KTK erzielten. Außerdem ermittelte sie, dass mit zunehmendem Alter die Ergebnisse des KTK verhältnismäßig schlechtere Ergebnisse ergaben.
2.2.3 Studie von Eggert
EGGERT 20 u.a. untersuchten 1995 180 Kinder aus Grund- und Lernbehinderten-Schulen und verglichen diese Ergebnisse mit einer Untersuchung aus dem Jahr 1985. Bei der Studie wurden verschiedene Kompetenzen geprüft: Gleichgewicht, Kraft und Ausdauer, Schnelligkeit, Gelenkigkeit sowie Wahrnehmung. Insgesamt stellte man bei einem Vergleich der Ergebnisse zwischen 1985 und 1995 fest, dass sich die 7 bis 10-Jährigen Kinder in allen getesteten Bereichen verschlechtert hatten. Mit zunehmendem Alter wurden die Unterschiede größer, wie auch bereits DORDEL festgestellt hatte. Besonders im Bereich der Wahrnehmungsübungen zeigten die Kinder Defizite, was EGGERT mit den veränderten Umweltbedingungen für die Kinder begründet. E stellte außerdem fest, dass die Sonderschüler gegenüber den Grundschülern schwächere Leistungen in nahezu allen Bereichen zeigten, was für beide Untersuchungen gilt. Außerdem wertete EGGERT auch Untersuchungsergebnisse im Stadt- und Landvergleich aus und stellte fest, dass die Landkinder in fast allen Bereichen einen Vorsprung gegenüber den Stadtkindern zeigten.
20 Vgl. Dietrich Eggert, Verändern sich die motorischen Kompetenzen von Schulkindern? Ein Vergleich zwischen den Jahren 1985 und 1995, aus: Sportunterricht; Schorndorf; 49 (2000); Heft 11; Seite 350- 355.
9
3. Anatomische Grundlagen
Das Ohr gliedert sich in das äußere Ohr, das Mittelohr und in das Innenohr. Zum äußeren Ohr gehören Ohrmuschel und der äußere Gehörgang. Die Ohrmuschel dient als schallauffangender Trichter und leitet die empfangenden Töne (Schallwellen) durch den äußeren Gehörgang in Richtung Trommelfell. Eine weitere Aufgabe des äußeren Gehörganges ist es, das Mittel- und Innenohr vor Fremdkörpern zu schützen, durch seine Behaarung und Ohrenschmalzdrüsen. Das Trommelfell bildet die Grenze zwischen dem äußeren Ohr und dem Mittelohr.
Abbildung 1 21 . Übersicht über das äußere Ohr, Mittelohr und Innenohr.
Das Mittelohr befindet sich in einer kleinen Knochenhöhle, mit seinem Hauptteil, der Paukenhöhle. Eine dünne knöcherne Wand trennt die Paukenhöhle vom Innenohr. In dieser Wand befinden sich das ovale und das runde Fenster. Quer durch die Paukenhöhle verläuft die Kette der drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel. Sie übertragen zum einen die auf das Trommelfell treffenden Schallwellen auf das ovale Fenster; zum anderen dämpfen sie zu starke Trommelfellschwingungen, damit das Innenohr nicht geschädigt wird.
21 Vgl. Arne Schäffler / Nicole Menche, Mensch, Körper, Krankheit, München: Urban und Fischer Verlag, 1999, S. 13
10
Das Innenohr besteht aus drei Abschnitten: dem Vorhof, den Bogengängen und der Schnecke. Im Vorhof und in den Bogengängen liegen die Sinnesrezeptoren des Gleichgewichtsorgans. Die Schnecke hingegen enthält Sinneszellen, die für das Gehör von Bedeutung sind. Von den Bogengängen und der Schnecke leiten Nervenbahnen die empfangenen Impulse zum Gehirn. 22
3.1 Der Vestibularapparat
3.1.1 Das Propriozeptive System
Das propriozeptive System bildet allgemein die Grundlage der motorischen Kontrolle und der Stabilisationsfähigkeit. Es übernimmt außerdem die Aufgabe, dem Gehirn bei der Abstimmung des Gleichgewichtssystems behilflich zu sein. 24 Dabei handelt es sich um einen Teilbereich der Koordination. Sie impliziert die Gleichgewichtsfähigkeit und die Tiefenwahrnehmung, die „für die Orientierung des Körpers im Raum durch Wahrnehmungen über Stellung und Bewegung unserer Gelenke“ 25 von Bedeutung ist. Das Gelenk hat dabei die Aufgabe mithilfe der Stützmotorik und Zielmotorik eine bestimmte Haltung des Körpers zu erhalten, bzw. zu verändern. Die entsprechenden Informationen, bzw. Rezeptoren liegen in den Muskeln, Gelenken, Sehnen und Bändern. Sie werden bei einer Bewegung
22 ebd. , S. 229
23 ebd. , S. 232
24 Jean Ayres, Bausteine der kindlichen Entwicklung, Berlin: Axel Springer Verlag, 1984., S. 106
25 Ulla Häfeliger / Violette Schuba, Koordinationstherapie - Propriozeptives Training, Aachen: Meyer und Meyer Verlag, 2002, S. 21
11
durch ein „Wechselspiel von anregenden und hemmenden Impulsen“ 26 vom ZNS kontrolliert.
Für den aufrechten Gang spielt also die Propriozeption zusammen mit dem vestibulären und visuellen System eine bedeutende Rolle und ist z.B. beim Stolpern erforderlich, um motorische Schutzfunktionen zu aktivieren. 28
3.1.2 Das Visuelle System
Auch das visuelle System leistet einen wesentlichen Beitrag zur Gleichgewichtsregulierung. Durch Sehen wird kontrolliert, wo die Füße aufgesetzt werden, während der Körper im Gleichgewicht bleibt. 29 Umgekehrt ist aber auch die qualitative Entwicklung des visuellen Systems von Gleichgewichtsimpulsen abhängig.
26 ebd. S. 23
27 Häfelinger, a.a.O., S. 23
28 Vgl Thews Schmidt,, Lang, Physiologie des Menschen, Springer Verlag, 2003, S. 12
29 Vgl. Britta Holle, Die motorische und perzeptuelle Entwicklung des Kindes, Ein praktisches Lehrbuch für die Arbeit mit normalen und retardierten Kindern, Weinheim: Beltz, 1996, S. 161.
30 Ayres, a.a.O., S. 106
12
Arbeit zitieren:
Mario Fismer, 2005, Die Bedeutung des Gleichgewichts im Kindesalter, München, GRIN Verlag GmbH
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