„Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ ist eine oft genannte Redewendung, die Stimmungsschwankungen zum Ausdruck bringt. Fast jede Person unterlag schon einmal sogenannten Stimmungsschwankungen, in denen sie sich zuerst euphorisch und im nächsten Moment pessimistisch, hilflos fühlte.
Jugendliche nennen es häufig ihre „Depri-Phase“, wenn sie in einem Stimmungstief stecken. Hierbei ist es jedoch schwierig eine eindeutige Diagnose bei Jugendlichen zu stellen, da depressive Verstimmungen während der Pubertät auch häufig normal sind. Trotzdem sollte solchen Symptomen (z.B. Traurigkeit, Angst, Gefühle des Versagens) auch ernsthaft nachgegangen werden, da besonders im Jugendalter eine hohe Depressivitätsgefährdung besteht.
Ein depressiver Zustand wird durch seine Dauerhaftigkeit und Intensität gekennzeichnet. Dabei spielt das Vorhandensein zusätzlicher Beeinträcht igungen eine große Rolle. Ich habe mich einerseits für das Thema Depressionen entschieden, da diese Krankheit auch mich bzw. unter normalen Umständen aufgewachsene Menschen betreffen können. Andererseits ist nach meiner Ansicht das Wissen über die Depression ein Muss in der Heimerziehung, da besonders hier vorbelastete Jugendliche aufeinandertreffen, deren Entwicklung von problematischen Ereignissen geprägt wurde bzw. wird.
Ziel dieser Studienarbeit ist es, meine Kenntnisse über die Krankheit Depression zu erweitern und dem Leser die Möglichkeit zu geben, Merkmale im Geschriebenen wiederzuerkennen, die sich auf seine eigene Person oder seine Arbeit in der Praxis
Im ersten Teil meiner Studienarbeit informiere ich über die verschiedenen Erscheinungs formen und Ursachen der Depression und gebe dabei einen Überblick über depressive Symptome im Jugendalter.
Im letzten Teil führe ich ein Fallbeispiel meiner Einrichtung unter Anwendung einiger Phasen der sozialen Einzelhilfe an, um die Thematik auch praxisorientiert zu beleuchten.
1. Zum Begriff Depression
1.1 Definition des Begriffes
Depressionen (von dem lateinischen Wort „deprimere“ = herunter-, niederdrücken) sind mehr als gelegentliche Stimmungstiefs und gekennzeichnet durch die Dauerhaftigkeit und Intensität des depressiven Zustands. Nehmen Stimmungstiefs (z.B. Traurigkeit, Hilflosigkeit), die das eigene Verhalten beeinträchtigen, an Stärke und Dauer zu, so kann von einer Depression gesprochen werden (vgl. Nevermann 2001, S. 11 ff.). „In der Depression ist der Mensch kaum fähig, das wahrzunehmen, was das Leben angenehm macht, sich an Angenehmen zu freuen und es zu genießen, das zu denken und zu tun, was seinem Leben Sinn gibt.“ (Kaufmann-Mall 1996, S. 10)
1.2 Depressive Symptome im Jugendalter
Die Symptome der Depressionen im Jugendalter sind vielfältig und vor allem durch alters- und entwicklungsbedingte Ausprägungen gekennzeichnet. Im Vergleich zum Kindesalter kommen im Jugendalter deutlich dysfunktionale Denkmuster zum Ausdruck. Pessimistische Gedanken über die eigene Person, die Umwelt und Zukunft sowie suizidales Verhalten kennzeichnen eine Depression.
Die Symptome für Depressionen finden sich auf unterschiedlichen Ebenen bzw. auch in unterschiedlichen Systemen in jeweils verschiedener Ausprägung:
Somatisches System:
z.B. Übelkeit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Appetitstörungen Emotionales System:
z.B. Traurigkeit, Einsamkeit, Wut, ärgerlich- gereizte Stimmung Kognitives System – Wahrnehmung und Denken:
z.B. negatives Denken, Hilflosigkeit, verzerrte Wahrnehmung, Unentschlossenheit
z.B. Lustlosigkeit, Verlangsamung, schlechte schulische Leistungen, sozialer Rückzug
Diese einzelnen Systeme beeinflussen sich gegenseitig und bilden ein Gesamtsystem (vgl. Nevermann 2001, S. 22), wie folgendes Beispiel zeigen soll:
Hat ein Jugendlicher beispielsweise keine Lust an Freizeitaktivitäten des Heimes teilzunehmen und zieht sich in sein Zimmer zurück, so kann es passieren, dass das Alleinsein Traurigkeit und Unzufriedenheit hervorruft, die z.B. auch zu Bauchschmerzen
2. Erscheinungsformen der Depression
Es besteht international die Vereinbarung, bei der diagnostischen Abklärung der Kernsymptome einer depressiven Störung für alle Altersstufen die gleichen Diagnosekriterien anzulegen. Als Diagnoseschlüssel werden dabei das von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausgegebene ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen in 10. Revision) sowie das in der wissenschaftlichen Forschung verwendete, von der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung 1994 entwickelte und ins Deutsche übertragene DSM-IV (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen in 4. Revision) genutzt (vgl. Nevermann 2001, S. 52).
Die Unterscheidung zwischen verschiedenen depressiven Störungsbildern geschieht vor allem nach dem Schweregrad, d.h. nach der Anzahl, Dauer und Intensität vorhandener depressiver Einzelsymptome. Entsprechend dem ICD-10 wird häufig zwischen leichten, mittelschweren und schweren depressiven Episoden unterschieden. Zu dem Klassifikationssystem DSM-IV zählen vor allem die beiden depressiven Zustandsbilder „Major Depression“ und „Dysthyme Störung“ (vgl. Nevermann 2001, S 53), auf die ich im nächsten Teil näher eingehe.
Wie bereits erwähnt, werden darüber hinaus zusätzlich altersbezogene Symptome
2.1 Die Major Depression
Die Major Depression („Große Depression“) kann als einzelne depressive Episode oder Phase auftreten oder aber in Form von aufeinanderfolgenden Episoden. „Bei einer schweren depressiven Episode geht man immer auch von dem Vorhandensein körperlicher Symptome aus, Ärzte nennen das ein somatisches Syndrom“ (Wagner-Neuhaus 2003, S.
Die Merkmale für eine Major Depression gelten zwar für alle Altersstufen ähnlich, werden jedoch bei Kindern und Jugendlichen nach besonderen Ausprägungen diagnostiziert. Merkmale einer Major-Depression (nach DSM-IV):
Ø Depressive, reizbare Verstimmung Ø Deutlich vermindertes Interesse oder Freude an Aktivitäten Ø Gewichtsverlust ohne Diät oder Gewichtszunahme Ø Schlaflosigkeit oder vermehrtes Schlafbedürfnis Ø Psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung Ø Gefühle von Wertlosigkeit oder übermäßige, inadäquate Schuldgefühle Bei Jugendlichen finden sich häufig zusätzlich Essstörungen oder Drogenmissbrauch (vgl. Nevermann 2001, S. 54ff.).
2.2 Die Dysthyme Störung
Als Dysthymie (dys = gestört ; thymie = Gemüt) werden chronisch anhaltende Störungen bezeichnet, die eher früh und sehr schleichend beginnen (vgl. Wagner-Neuhaus 2003, S. 21). Körperliche Beschwerden treten bei der Dysthymen Störung nicht so häufig auf wie bei der Major Depression. Um eine Dysthyme Störung diagnostizieren zu können, müssen einige der aufgeführten Merkmale mindestens ein Jahr andauern:
Merkmale einer Dysthymen Störung (nach DSM-IV): Ø Depressive, reizbare Verstimmung Ø Appetitlosigkeit oder übermäßiges Bedürfnis zu essen Ø Schlaflosigkeit oder übermäßiges Schlafbedürfnis Ø Energiemangel oder Erschöpfung Ø geringes Selbstwertgefühl Ø Konzentrationsstörungen oder Entscheidungserschwernis Ø Gefühl der Hoffnungslosigkeit
Aus einer Dysthymen Störung kann sich auch eine Major Depression entwickeln und verstärkt dadurch den depressiven Zustand des Betroffenen erheblich (vgl. Nevermann 2001, S. 56).
Arbeit zitieren:
Carmen Bartylla, 2005, Zur Depression im Jugendalter, München, GRIN Verlag GmbH
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