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Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung Seite 3
1 Die Zweifel an der Überlieferung und der modernen Darstellung
des Ersten Heiligen Krieges Seite4
2 Die Quellen Seite 5
2.1 Die archäologischen Befunde Seite 5
2.2 Die literarischen Befunde Seite 6
3 Versuch einer Klärung Seite 7
3.1 Die Hintergründe des Kriegs Seite 7
3.2 Die Datierung Seite 8
3.3 Die Kriegsteilnehmer Seite 9
4 Schlussbetrachtung Seite 11
Literaturverzeichnis Seite 12
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O Einleitung
Der Erste Heilige Krieg galt lange als „ziemlich das umfangreichste stück beglaubigter kriegsgeschichte aus so alter zeit“. 1 In dem durch allerlei Quellen gut überlieferten Ereignis soll eine Koalition zwischen Sikyon (unter Kleisthenes), Athen (unter Solon), Thessalien (Eurylochus) und Mitgliedern der pylaeischen Amphiktyonie dafür gesorgt haben, dass die phokische Stadt Krisa eingenommen und zerstört wurde. Mit dem Krieg sollte das sündige Krisa für Überfälle auf Pilger und Umwohner des Heiligtums von Delphi bestraft werden. Auch soll die Stadt zu hohe Zölle genommen und sich nicht zuletzt an den Opfergaben bedient haben. 2 Was die Überlieferung der archaischen Zeit Griechenlands angeht, stechen wohl wenige Ereignisse so heraus wie der Erste Heilige Krieg. 3 Bei Betrachtung der heutigen Forschung bemerkt man jedoch, dass Zweifel an der Überlieferung dieses Ereignisses durchaus angebracht sind. Diese Zweifel gehen teilweise so weit, dass das gesamte Ereignis als Fiktion gewertet wird. 4 In dieser Hausarbeit möchte ich zunächst beleuchten, warum Zweifel an der Überlieferung des Ersten Heiligen Krieges bestehen und ob diese jeweils angebracht sind. Im letzten Teil möchte ich dann meine eigene Position darstellen.
1 U. v. Wilamowitz-Moellendorff, Aristoteles und Athen, Berlin 1893, zit. nach G.A. Lehmann, Der “Erste Heilige Krieg” - eine Fiktion?, Historia 29, 1980, S. 242.
2 K. Brodersen, Heiliger Krieg und heiliger Friede in der frühen griechischen Geschichte, in: Gymnasium 98, 1991, S. 5.
3 N. Robertson, The Myth of the First Sacred War, Class. Quarterly 28, S. 38. Laut Robertson aber auch anderen Historikern konnte sich die Geschichtswissenschaft ob der Authentizität der Ereignisse auf die Autorität Wilamowitz-Moellendorffs verlassen.
4 Gerade Robertson ist einer der stärksten Verfechter dieser These: Er geht davon aus, dass es weder den Ersten Heiligen Krieg, noch die in der Überlieferung geschilderte archaische Stadt namens „Krisa“ je gegeben hat. Er bezeichnet beide als Hirngespinste, die im Zusammenhang mit dem Dritten Heiligen Krieg von „partisans of Philip and figures in the political controversy which broke out at Athens after the untoward conclusion of the Third Sacred War“ (S. 39) ausgebrütet wurden.
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1 Die Zweifel an der Überlieferung und der modernen Darstellung des Ersten Heiligen Krieges
Bei genauerer Betrachtung der Überlieferung zum Ersten Heiligen Krieg fallen viele Ungereimtheiten auf: So scheint die Großstadt Krisa außer als Ziel dieses Feldzuges nirgendwo aufzutauchen; auch scheint es keine archäologischen Befunde zu geben, die die Quellen bestätigen. Ferner drängt sich die Frage auf, warum eine so mächtige Koalition wie die weiter oben genannte nur wegen der Befunde der Gottlosigkeit und Wegelagerei die Stadt Krisa jahrelang belagern sollte. 5
Was jedoch am meisten stutzig macht, ist die Tatsache, dass gerade die Quellen über dieses Ereignis schweigen, die darüber hätten berichten müssen: Gerade bei Platon und Herodot sucht man Hinweise auf diese Auseinandersetzung vergeblich 6 , obwohl Delphi ziemlich lange der Nabel der griechischen Welt war. Doch plötzlich, im dritten Viertel des vierten Jahrhunderts, wurde der Erste Heilige Krieg für einige der damaligen Autoren zu einem zentralen Thema: Etwa 15 Jahre lang treten massiv Befunde auf, in denen sich Schreiber wie Kallisthenes und Aristoteles, Redner wie Aischines sowie unbekanntere Zeitgenossen wie Speusippos zu der Auseinandersetzung äußern. 7 Speusippos 8 (342, Brief an Phillip) stützte sich dabei auf die Arbeit des aufstrebenden Historikers Antipatros von Magnesia, dessen Werke heute verschollen sind. Kallisthenes und Aristoteles berichten vom Ersten Heiligen Krieg im Rahmen ihrer Bearbeitung der pythischen Siegerliste. 9 Auch in seiner Monographie über den Dritten Heiligen Krieg berichtet Kallisthenes von dem über zwei Jahrhunderte zurückliegenden Konflikt. 10 Schließlich spricht Aischines zweimal von der
5 Robertson, S. 38f.
6 Ebd., S. 48.
7 Ebd., S. 39. Laut Robertson sind diese erst zwei Jahrhunderte später und zudem massiv auf knapp zwei Jahrzehnte gedrängten Befunde dann auch die einzigen Quellen, auf die sich die moderne Geschichtsschreibung über den Ersten Heiligen Krieg stützt.
8 In einem Brief an Phillip vergleicht Speusippos Phillips Feldzug gegen die Phoker im Dritten Heiligen Krieg, durch dessen Ausgang er die phokischen Stimmen in der Amphiktyonie gewann, mit Geschichten von Antipatros aus der Anfangszeit der Amphiktyonie. Bestimmte Stämme waren während dieser Zeit aus dem Bund ausgeschlossen worden, und von Göttern (Herakles) bestraft: “Antipater offers ancient precedent for Phillips intervention in the Third Sacred War, and the precedent is carefully tailored: Phlegyans, Dryopians, and Crisaeans all were members of the Amphictyony, like the Phocians, and all found themselves expelled, again like the Phocians, to make way for a newcomer, such as Philip was.” Dass die drei ausgeschlossenen Stämme überhaupt Mitglieder der Amphiktyonie waren, wird laut Robertson nirgendwo sonst erwähnt. Siehe Robertson, S. 52f.
9 Die pythische Siegerliste enthält nicht nur die Namen der Sieger bei diesen Spielen, sondern ist eher eine
Chronik mit den Ursprüngen und der Entwicklung der pythischen Festspiele. Die Siegerlisten verbanden die Vor- und Frühgeschichte der pythischen Festagone miteinander. Der Inhalt ist sehr uneinheitlich: Neben den kompletten Siegerlisten in allen Disziplinen geht es um Apollons Kampf mit der Pythia, um den Ersten Heiligen Krieg, aus dem die Spiele überhaupt erst entstanden sind, sowie Anekdoten über die Sieger. Siehe Robertson, S. 55-57.
10 Ähnlich wie Antipater tauchte auch Kallisthenes den Ersten Heiligen Krieg in mystisches Licht: So benutzt er etwa Motive aus dem Trojanischen Krieg (wie etwa die Entführung adliger Frauen und eine Kriegsdauer von zehn Jahren) für seine Darstellung. Siehe Robertson, S. 64.
Arbeit zitieren:
Johannes Huhmann, 2004, Ein ausgedachter Krieg? Zur Bedeutung des Ersten Heiligen Krieges im sechsten und vierten Jahrhundert v. Chr., München, GRIN Verlag GmbH
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