Westfälische Wilhelmsuniversität Münster
Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Staatlichen Prüfung für das Lehramt Sekundarstufe I mit den Fächern Mathematik und Musik
Bläserklassen - eine empirische Studie
Verfasser: Joachim Bahr
2005
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Musikunterricht als „Bläserklasse“
III. Vorüberlegungen und Vorbereitung der empirischen Studie, Entwicklung von Hypothesen und Fragebögen für Schüler und Lehrer
IV. Durchführung der empirischen Studie: Datenerhebung, Hospitationsprotokolle
V. Auswertung der Fragebögen
VI. Bewertung
VII. Literaturverzeichnis
Anhang Schüler- und Lehrerfragebogen
I.Einleitung
„Der Beitrag der Musikpädagogik zur Persönlichkeitsbildung kann meines Erachtens nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wir müssen möglichst vielen jungen Menschen den Zugang zum aktiven Musizieren eröffnen. Leider wird der musischen Erziehung in und außerhalb der Schule eine nicht allzu hohe Priorität gegeben. ...”1
Die „frühzeitige musikalische Erziehung [fördert] Intelligenz, Sozialverhalten und schulische Leistung und [gibt] damit letzlich der Entfaltung der Humanität Raum. Musik und Musizieren leisten so einen entscheidenden Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.”2
„Wer in der Erziehung der Kinder und Jugendlichen die musische Erziehung vernachlässigt, muss sich nicht wundern, wenn kaltherzige, brutale Charaktere dabei herauskommen. ... Ich bin ja sehr dafür, dass jedes Kind einen Zugang zum Computer hat, aber vielleicht wäre es auch gut, wenn jedes Kind einen Zugang zu einem Musikinstrument hätte!”3
Wohl jeder Musikpädagoge wird den drei hier zitierten Politikern uneingeschränkt zustimmen. Er wird sie aber auch fragen, warum diesen großartigen Plädoyers bislang nicht die dringend angesagten politischen Entscheidungen gefolgt sind, die es den Schulen ermöglichen würden, der Bedeutung des Musik- unterrichtes optimal Rechnung zu tragen - und das trotz der offenbar und selten genug anzutreffenden parteiübergreifenden Übereinstimmung!
Aber verbirgt sich hinter der Notwendigkeit, diese Probleme zu diskutieren nicht auch die Erkenntnis: Das Fach Musik an den Schulen ist in der Krise! So sieht es zumindest Altbundespräsident Prof. Dr. Roman Herzog, wenn er sagt:
„Darum versäume ich in diesem Zusammenhang nie, warnend auf den in den letzten Jahrzehnten stetig darbenden Musikunterricht an unseren Schulen hinzuweisen. Wenn wir einschlafen lassen, was da an Potenzial vorhanden ist, dann sägen wir an dem Kreativitätsast, auf dem wir alle miteinander sitzen.“4
Nun soll hier nicht über die politischen Notwendigkeiten für einen gut funktionierenden Musikunterricht lamentiert, sondern das Zitat von Prof. Dr. Roman Herzog eher mit einem großen Maß an pädagogischer Selbstkritik bedacht werden. Liegt doch die Qualität des Musikunterrichtes sehr oft auch aufgrund mangelndem Engagement und nicht ausreichender Kompetenz des Lehrers im Argen. Folgende Beobachtungen während meiner Unterrichtshospitationen im Rahmen der schulpraktischen Studien beschreiben einen durchaus unbefriedigend zu nennenden Musikunterricht - sie sind natürlich nicht allgemeingültig, aber, so ist zumindest anzunehmen, auch nicht gerade selten in ähnlicher Form anzutreffen.
Im Sportunterricht würde niemand auf die Idee kommen, Theoriestunden zur Regelkunde des Fußballspiels oder eine Einführung in die Techniken des Bodenturnens zu geben. Zumindest nicht ohne Verbindung der Theorie mit der Praxis auf dem Fußballplatz oder in der Sporthalle.
Warum macht man das im Musikunterricht? Die berechtigte Forderung von Herrn Weiß, jungen Menschen Zugang zum aktiven Musizieren zu eröffnen, wäre in allen vier genannten Beispielen ohne Schwierigkeiten und ohne nennenswerten Aufwand zu realisieren gewesen.
Anknüpfend an das letzte Beispiel wird daher im Rahmen dieser Staatsarbeit die Idee der „Bläserklasse“ vorgestellt. Eine empirische Studie an verschiedenen Schulen soll Ergebnisse liefern zu der Frage, wie erfolgreich diese Art des Musikunterrichtes Schüler zu dem von Herrn Weiß geforderten „aktiven Musizieren“ motivieren kann.
Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird während der dieser Ausführungen das generische Maskulinum verwendet. Die Formulierung „Schüler“ und „Lehrer“ schließt immer die jeweilige weibliche Form mit ein, sofern dies nicht ausdrücklich anders gesagt wird.
[...]
1 zitiert am 23.03.2005 aus http://www.musikpaedagogik.de/ - Hyperlink „Statements“: Gerald Weiß, Mitglied des Deutschen Bundestages, Staatssekretär a.D. (CDU/CSU), leider fehlt eine Angabe darüber, wann, wo und in welchem Zusammenhang diese Aussage gemacht wurde.
2 siehe 1: Christian Wulff in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, auch hier fehlt eine Angabe darüber, wann, wo und in welchem Zusammenhang diese Aussage gemacht wurde.
3 siehe 1: Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) in der Debatte über Anträge gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt im Deutschen Bundestag am 30.03.2001, seine Äußerung erhielt den spontanen Applaus aller Anwesenden.
4 siehe 1: Altbundespräsident Prof. Dr. Roman Herzog, leider fehlt eine Angabe darüber, wann, wo und in welchem Zusammenhang diese Aussage gemacht wurde.
5 aus: Hören, lesen & spielen, Schule für Tenorhorn, Band 1, Seite 29
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Joachim Bahr, 2005, Bläserklassen - eine empirische Studie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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