Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis V
Symbolverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung. 1
1.2 Zielsetzung 3
1.3 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit 5
2. Demografie in Deutschland 7
2.1 Entwicklung der Bevölkerungszahlen in Deutschland 7
2.2 Auswirkungen des demografischen Wandels für den Arbeitsmarkt. 10
2.2.1 Konsequenzen für die Unternehmen 10
2.2.2 Entwicklung des Arbeitskräfteangebotes junger Generationen 12
2.3 Regelungen des Staates zum Renteneintrittsalter 14
3. Anforderungen des Arbeitsalltages 17
3.1 Altersspezifische Leistungsfähigkeiten 17
3.1.1 Theorie und Praxis - Beurteilung von Leistungsfähigkeiten 17
3.1.2 Physische Leistungsfähigkeit und präventive Gesundheitsförderung 18
3.1.3 Psychische Leistungsfähigkeit 21
3.1.4 Erfahrungswissen 23
3.2 Kompetenzen des Alters - Stärken und Schwächen. 26
4. Ausgewählte Instrumente einer demografiesensiblen Personalentwicklung 29
4.1 Flexibilisierung der Arbeitszeit. 29
4.1.1 Veränderung arbeitsrechtlicher Rahmenbedingungen. 29
4.1.2 Gestaltung der Lebensarbeitszeit 30
4.1.3 Das Modell der Altersteilzeit 32
4.1.3.1 Arbeitsrechtliche Aspekte der Altersteilzeit 32
4.1.3.2 Bewertung der Altersteilzeit 33
4.1.4 Anforderungen an eine intergenerative Arbeitszeitflexibilisierung. 36
4.2 Personalführung 38
4.2.1 Personalführung im Wandel. 38
4.2.2 Anforderungen an eine intergenerative Führung 40
Inhaltsverzeichnis II
4.2.2.1 Spezifische Probleme der Führung Älterer 40
4.2.2.2 Wertschätzende Führung als Teil der Unternehmenskultur. 43
4.2.2.3 Arbeitszufriedenheit durch Motivation. 44
4.3 Betriebliche Bildung und Weiterbildung 47
4.3.1 Bildung als Basisaufgabe der Personalentwicklung. 47
4.3.2 Bedeutung der Weiterbildung Älterer für Unternehmen 50
4.3.2.1 Intensität berufsbezogener Bildungsbeteiligung Älterer. 50
4.3.2.2 Nutzung intergenerativer Weiterbildungsinvestitionen 52
4.3.3 Weiterbildung und Motivation. 53
4.3.4 Anforderungen an die Weiterbildungsmaßnahmen Älterer 55
4.4 Zusammenfassung. 57
5. Handlungsempfehlungen 61
5.1 Auswahl repräsentativer Initiativen und Projekte
zum Thema demografischer Wandel und Arbeit 61
5.1.1 Arbid 61
5.1.2 Demotrans 62
5.1.3 Senator Programm 64
5.2 Zusammenfassung. 65
6. Schlussbetrachtung. 68
Quellen - und Literaturverzeichnis VII
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung und Altersaufbau der BRD
Abbildung 2: Arbeitsfähigkeit in Abhängigkeit vom Alter bei unterschiedlichen
betrieblichen Maßnahmen
Abbildung 3: Die Veränderung des geistigen
Leistungsverm ögens mit zunehmendem Alter
Abbildung 4: Theorie der zweidimensionalen Zufriedenheit.
Abbildung 5: Inhalte der Personalentwicklung
Abbildung 6: Die Halbwertzeit des Wissens.
Abbildung 7: Aufwand und Ertrag betrieblicher Weiterbildung Älterer.
Abbildung 8: Wertschöpfungsbeitrag in Abhängigkeit vom Lebensalter
Einleitung 1
1. EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
In den nächsten Jahrzehnten vollzieht sich ein Generationenwechsel, der in der Geschichte der Menschheit bislang einzigartig ist 1 . Deutschland steht mit einer zunehmenden Veralterung der Gesellschaft vor gravierenden Auswirkungen der demografischen 2 Entwicklung 3 ; Die Bevölkerungsanzahl Älterer wird erstmals größer sein als die der Jüngeren 4 . Damit wird das 21. Jh. die erste Epoche in der Historie sein, in der die Alterspyramide auf dem Kopf steht 5 .
1 Vgl. von Eckardstein, D. (2003), S. 20.
2 Demografie, häufig mit Bevölkerungsökonomie oder -wissenschaft synonym verwendet, ist die Lehre vom Wesen, der Ursachen sowie Folgen der Bevölkerungsbewegung und ist speziell auf statistische Erhebungen ausgerichtet. Zugrunde liegt dieser Lehre die Zusammenhänge der Bevölkerungsvorgänge, d. h. der aus Geburten, Wanderungen sowie Sterbefällen einhergehenden Veränderungen von Bevölkerungs-bestand und -struktur in unterschiedlichen Zeiten, Ländern, Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen, vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, (2004), S. 452; Vahlens Großes Wirtschaftslexikon, (1987), S. 378.
3 Vgl. http://www.bda-online.de/www/bdaonline.nsf/id/Statement-DH/$file/Statement-DH.pdf; http://www.bundesregierung.de/dokumente/-,413.542826/Artikel/dokument.htm.
4 Vgl. Schimany, P. (2003), S. 291.
5 Vgl. Freyermuth, G. (2002), S. 46.
6 Lehr, U. (1998), S. 3.
7 Vgl. Siemann, C. (2001), S. 44.
8 Vgl. ebd.
9 Sunter, S. (2001a), S. 78.
10 Vgl. Huber, A. (1998), S. 40; Schemme, D. (2002), S. 56.
11 Vgl. Sattelberger, T. (1991), S. 13.
12 Vgl. Siemann, C. (2001), S. 44.
Einleitung 2
Bei zunehmender Imitierbarkeit und Austauschbarkeit von Produkten und Dienstleistungen 17 kommt dem Humankapital als eines der entscheidenden und relativ fälschungssicheren Konkurrenz- und Erfolgsfaktoren für Unternehmen 18 eine unbestritten große Relevanz zu. Dessen Entwicklung muss eine von Gesellschaft, Unternehmen und Mitarbeitern gemeinsam zu lösende Zukunftsaufgabe sein 19 . Eine altersselektive Personalpolitik durch Präferenz junger Nachwuchskräfte 20 zum Nachteil älterer Arbeitnehmer ist bedenklich und wenig zukunftsorientiert 21 , besonders angesichts eines quantitativ rückläufigen Gesamtangebotes 22 an Personalressourcen. Diese Vorgehensweise bedeutet einen Verlust an erfahrenen qualifizierten Kräften zum einen, eine erschwerte Rekrutierung junger Fach- und Führungskräfte 23 mangels qualifizierten Nachwuchses auf dem Arbeitsmarkt 24 zum anderen. Kompetenzen von beschäftigten Arbeitnehmern unter den Rahmenbedingungen des demografischen Wandels nicht integrativ 25 , nicht effektiv und nur kurzfristig zu nutzen 26 ist folglich eine indiskutable Verschwendung von Humankapital 27 .
In der betrieblichen Personalpolitik muss es zu einer Rückbesinnung auf das Arbeitskräftepotenzial Älterer kommen 28 , denn ein weitgehender Verzicht auf
13 Vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Bevoelkerung_2050.pdf.
14 Vgl. Brammer, G., et al. (2001), S. 28.
15 Vgl. Leber, U. (2001), S. 6 f.
16 Vgl. Eubel, C. (2005).
17 Vgl. Sattelberger, T. (1991), S. 13.
18 Vgl. Chester, C. (2004), S. 54.
19 Vgl. Kaiser, T. (1994), S. 31.
20 Vgl. Hilb, M. (1997), S. 29.
21 Vgl. Koller, B., et al. (2003), S. 5.
22 Die Gesamtmenge an Erwerbstätigen ist aufgrund sinkender Geburtenzahlen rückläufig. Die arbeitsfähige Bevölkerung wird bis zum Jahr 2030 um gut sieben Millionen, bis zum Jahr 2040 sogar um rund zehn Millionen Menschen zurückgehen. Hieran kann auch eine vermehrte Zuwanderung aus dem Ausland nur mäßig etwas ändern, vgl. http://www.bundesregierung.de/dokumente/-,413.542826/Artikel /dokument.htm.
23 Vgl. Sobull, D. (2000), S. 19.
24 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
25 Vgl. ebd.
26 Vgl. Sunter, S. (2001b), S. 80.
27 Vgl. http://www.bda-online.de/www/bdaonline.nsf/id/Positionspapier/$file/Positionspapier.pdf.
28 Vgl. BDA (Hrsg.) (2004), S. 2 ff.
Einleitung 3
dieses ist nicht plausibel 29 , sondern vorwiegend nur mit Vorurteilen des Leistungsabfalls argumentierbar. Die Humanressource älterer Erwerbstätiger wird wieder an Bedeutung gewinnen 30 . Heute noch machen die 35- bis 44-Jährigen die am stärksten besetzte Generation am Arbeitsmarkt aus, in 2015 werden es bereits die 45- bis 54-Jährigen sein 31 . Schon bald erscheint es deshalb für Arbeitgeber zwingend geboten, diese Gruppe zu umwerben 32 und mehr Menschen jenseits des 50. Lebensjahres zu beschäftigen 33 .
Vor diesem Hintergrund sollte heute ein Umdenken im Umgang 34 mit der Arbeitskraft Älterer als auch mit ungenutztem Arbeitskräftepotenzial stattfinden 35 . Sonst ist damit zu rechnen, dass - sowohl für einzelne Unternehmen als auch für die deutsche Wirtschaft - eine Sicherung von Wachstumschancen, ferner von Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit „im verschärften internationalen Wettbewerb“ 36 schwer möglich sein wird 37 . Schlussfolgerung ist die Notwendigkeit für Unternehmen, den steigenden Qualifikationsbedarf aufgrund des fortschreitenden Strukturwandels 38 als auch des Innovationsbedarfs mit einer altersgemischten Belegschaft zu bewältigen 39 sowie ökonomische Ziele mittelfristig mit dieser erreichen zu können 40 .
In der vorliegenden Arbeit werden Einflüsse der demografischen Entwicklung auf Unternehmen untersucht, gängige Vorurteile gegenüber älteren Arbeitnehmern kritisch hinterfragt und Möglichkeiten aufgezeigt, das Potenzial älterer Arbeitnehmer betriebswirtschaftlich effizient zu nutzen.
1.2 Zielsetzung
Das Ziel dieser Arbeit ist es darzulegen, welchen Herausforderungen sich zukünftig die Personalentwicklung aufgrund der Folgen des demografischen Wandels zu stellen hat, welchen Anforderungen sie bezogen auf ältere Arbeitnehmer gerecht werden muss und welche relevanten Felder des Personalmanagements
29 Vgl. http://www.bda-online.de/www/bdaonline.nsf/id/Positionspapier/$file/Positionspapier.pdf.
30 Vgl. Behrend, C. (2002b), S. 34 ff.
31 Vgl. BDA (Hrsg.) (2004), S. 2 ff.
32 Vgl. Behrend, C. (2002b), S. 34 ff.
33 Vgl. Müller, G. (2003a), S. 47.
34 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
35 Vgl. http://www.bda-online.de/www/bdaonline.nsf/id/Positionspapier/$file/Positionspapier.pdf.
36 http://www.bda-online.de/www/bdaonline.nsf/id/Positionspapier/$file/Positionspapier.pdf.
37 Vgl. Rother, F. (2001), S. 20.
38 Vgl. Flüter-Hoffmann, C. (2004), S. 24.
39 Vgl. Schemme, D. (2002), S. 52.
40 Vgl. http://www.bda-online.de/www/bdaonline.nsf/id/Personalentwicklung.
Einleitung 4
mit Handlungsbedarf sich anbieten, um mit älteren Mitarbeitern erfolgreich am Markt agieren und existieren zu können. Zudem ist das Bewusstsein interessierter Unternehmen für das Thema zu schärfen. Ausgewählte Instrumente der Personalentwicklung werden unter dem Gesichtspunkt alternder Belegschaften betrachtet. Unternehmerische Risiken, aber auch Potenziale der demografischen Entwicklung werden transparent gemacht.
Obwohl die in Kapitel 4 bearbeiteten Aspekte der Arbeitszeitflexibilisierung und Personalführung nicht den Instrumenten der Personalentwicklung im eigentlichen Sinne zuzuordnen sind, aber für die Zielsetzung im Rahmen dieser Arbeit einen unverzichtbaren Stellenwert einnehmen, zählen sie i. w. S. zu einem Bündel an personellen Maßnahmen bzw. spezifischen Entwicklungsaktivitäten, welches der Erhaltung und Förderung von Mitarbeitern am internen Personalmarkt dienen soll.
Innerhalb dieser Arbeit ist wiederkehrend von älteren Mitarbeitern, Erwerbstätigen oder Arbeitnehmern (AN) die Rede. Diese Begriffe sind synonym zu verwenden, ferner schließt die maskuline die feminine Form der Arbeitnehmerinnen bzw. Mitarbeiterinnen ein. Neben der personalwirtschaftlichen Sichtweise werden auch betriebswirtschaftliche Aspekte in die Betrachtung mit einbezogen.
Da in der gängigen Literatur mit der Verwendung des Begriffs ‚Alter’ bzw. ‚älterer Arbeitnehmer’ nicht zwangsläufig ein und dieselbe Altersgruppe gemeint ist, bedarf es näherer Erläuterung, wie die „bürokratisch-gesetzliche Abtrennung dieser Lebensphasen nach numerischem Alter“ 41 vorzunehmen ist, d. h. ab welchem Alter eine Person in die Kategorie ‚ältere Arbeitnehmer’ fällt 42 . Als ältere Arbeitnehmer definiert die OECD 43 alle diejenigen, die noch nicht das Rentenalter erreicht haben, derzeit in der zweiten Hälfte ihres Berufslebens stehen sowie arbeitsfähig und gesund sind 44 . Zusätzlich nimmt die OECD eine weitere Differenzierung vor; zwischen ‚alternden Arbeitnehmern’, den 40 bis 55-Jährigen, und den ‚Älteren’ von ihrem 55. Lebensjahr bis hin zum Berufsaustritt 45 . Laut der Untersuchung Arbeitnehmer in der Spätphase der Erwerbstätigkeit vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung bezeichnen gut ein Drittel befragter Führungskräfte Personen ab 55 als ‚ältere Arbeitnehmer’ 46 . Die Bundesanstalt für Arbeit hingegen
41 Freyermuth, G. (2002), S. 42.
42 Vgl. Zisgen, A. (2003), S. 61.
43 OECD Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
44 Vgl. Fischer, R. (1991), S. 322 ff; Lehr, U. (2003), S. 210.
45 Vgl. Menges, U. (2000), S. 31.
46 Vgl. Hentze, H. (1994), S. 150.
Einleitung 5
zählt Personen ab dem 45. Lebensjahr 47 aufgrund ihrer Vermittlungsproblematik bereits zu den Älteren. Tendenziell werden Berufstätige jüngerer Lebensjahre in Zeiten von Arbeitsplatzmangel bereits eher zur Gruppe der älteren Arbeitnehmer gezählt. Hier besteht die gängige Meinung, einen Verzicht auf Ältere besser rechtfertigen zu können 48 . Eine Zuordnung kann auch in Abhängigkeit vom Geschlecht, der Tätigkeit oder Branche stattfinden. Im Handwerk zählt ein Arbeitnehmer mit großer Wahrscheinlichkeit eher zur Gruppe der Älteren als vergleichsweise ein Gleichaltriger in der Dienstleistungsbranche.
Die unterschiedlichen Einschätzungen und vorgebrachten Beispiele zeigen deutlich, dass eine allgemeingültige Aussage über die Zuordnung von Arbeitnehmern in Jüngere oder Ältere nicht möglich ist. Berufstätige ab dem 55. Lebensjahr werden im Rahmen dieser Arbeit zur Gruppe der älteren Mitarbeiter gezählt. Des Weiteren wird zwischen dem dritten Lebensalter, welches mit Ende der Berufstätigkeit beginnt 49 , den so genannten jungen Alten 50 , und dem vierten Lebensalter - den Hochbetagten, ab 80 Jahren aufwärts - differenziert 51 .
Nicht nur zwischen West- und Ostdeutschland gibt es in der Demografie verschiedene Entwicklungen, sondern auch zwischen Bundesländern und einzelnen Regionen. Beispielsweise ist Nordrhein-Westfalen stärker vom demografischen Wandel betroffen als Bayern 52 . Um der Zielsetzung dieser Arbeit gerecht zu werden, sind regionale Unterschiede nicht dezidiert betrachtet worden. Somit wird die demografische Entwicklung Deutschlands als Einheit gesehen.
1.3 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit
Die Einleitung setzt sich mit der Ausgangssituation und Zielsetzung der Themenstellung auseinander. Theoretische Grundlagen bilden den ersten Teil der Arbeit. Dieser umfasst zunächst in Kapitel 2 die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland, ihre Auswirkungen auf Arbeitswelt und Unternehmen sowie eine Erläuterung der gegenwärtigen staatlichen Rentenregelungen. Aspekte der Arbeitslosigkeit Älterer werden in die Betrachtungen nicht mit einbezogen, relevant sind nur (frühzeitige) Austritte aus dem Berufsleben in ein Rentenverhältnis. Kapitel 3 beschäftigt sich vorrangig mit den Anforderungen, die von Seiten des Arbeitsalltages an
47 Vgl. Bundesanstalt für Arbeit (Hrsg.) (1980), S. 11.
48 Vgl. Lehr, U. (2003), S. 210.
49 Vgl. Lehr, U. (1998), S. 15.
50 Vgl. Baltes, P. (2002), S. 25.
51 Vgl. ebd., S. 24 f.
Einleitung 6
Arbeitnehmer und aufgrund dessen an eine altersgerechte Personalentwicklung gestellt werden. Besonderer Schwerpunkt liegt hier auf der Diskussion um körperliche und geistige Leistungsfähigkeiten Älterer im Vergleich zu jüngeren Arbeitnehmern. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden an vielen Stellen die Kompetenzen - Stärken und Schwächen - der Altersklassen immer wieder aufgegriffen, weil sie in Unternehmen mit alternden Belegschaften als zentrale Einflussfaktoren für Entscheidungsfindungen und Vorgehensweisen gelten.
Anschließend folgt Kapitel 4 mit einer Unterteilung in die Bereiche Arbeitszeit, Personalführung und Weiterbildung, bei denen sich aufgrund der Konsequenzen, die für die betriebliche Personalpolitik aus der demografischen Entwicklung entstehen, primär Handlungsbedarf aufweist. Mit einer Zusammenfassung dieses Kapitels wird letztlich auf den Punkt gebracht, wie die Fähigkeiten älterer Mitarbeiter im Hinblick auf den bestehenden bzw. zukünftigen qualitativen und quantitativen Personalbedarf effizient entwickelt werden können. Der Bereich Gesundheit, Prävention und Arbeits(platz)gestaltung wird im notwendigen aber geringen Rahmen mit den physischen Leistungsfähigkeiten abgehandelt, da diese „eher mit dem betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz verbunden sind“ 53 als Aufgabe der Personalabteilung zu sein. Die Demografie in Deutschland bildet die Grundlage für den kompletten ersten Teil. Auf einen praxisrelevanten Bereich konzentriert sich der zweite Teil der Arbeit. In diesem werden drei repräsentative aktuelle Aktivitäten verschiedener Institutionen bzw. beratender Einrichtungen zum Umgang mit den Folgen der demografischen Entwicklung erläutert und bewertet. Es gilt hier vorrangig, interessierten Unternehmen die Vorreiter auf diesem Gebiet vorzustellen und Möglichkeiten der weiterführenden Informationssuche offen zu legen. Das Ende bildet eine Schlussbetrachtung.
52 Vgl. Kröhnert, S., et al. (2004), S. 84 ff.
53 Richenhagen, G. (2004), S. 69.
Demografie in Deutschland 7
2. DEMOGRAFIE IN DEUTSCHLAND
2.1 Entwicklung der Bevölkerungszahlen in Deutschland
Zurzeit leben ca. 82,5 Mio. Menschen in Deutschland 54 . Hochrechnungen zeigen, dass nach einem geringfügigen Anstieg auf rund 83 Mio. sich ab dem Jahr 2013 die Bevölkerungszahl reduzieren und bis zum Jahr 2050 auf das Niveau von 1963 sinken wird 55 . Zum langfristigen Rückgang der Bevölkerung kommt es, da in den nächsten 50 Jahren die Mortalität höher sein wird als die Geburtenziffer, d. h. mehr Menschen sterben, als Nachwuchs zur Welt kommt 56 . Die aktuelle 10. Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes zeigt (s. Abb. 1), dass dieser zukünftige Bevölkerungsrückgang zugleich eine erhebliche Verschiebung der Altersstruktur zur Folge hat 57 . Daraus ist ersichtlich, dass der Altersdurchschnitt der Bevölkerung bis zum Jahr 2050 immer weiter steigt.
Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung und Altersaufbau der BRD Quelle: Entnommen aus: Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2003), S. 31. Die derzeitige Situation ist durch einen Großelternboom und leere Kinderwiegen gekennzeichnet 58 . Für das Altern der Gesellschaft sind neben der Zunahme der Lebenserwartung die starke Abnahme der Geburtenzahlen Hauptursachen 59 , die zu einem demografischen Wandel führen 60 . Erklärungsfaktoren einer allgemein steigenden Lebenserwartung sind zunächst in einer deutlichen Abnahme des
54 Vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Bevoelkerung_2050.pdf.
55 Vgl. ebd.
56 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff; http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Bevoelkerung_ 2050.pdf.
57 Vgl. http://www.bundesregierung.de/dokumente/-,413.542826/Artikel/dokument.htm.
58 Vgl. Freyermuth, G. (2002), S. 46; Lehr, U. (1998), S. 2.
59 Vgl. Buscher, S. (1997), S. 16; http://www.bundesregierung.de/dokumente/-,413.542826/Artikel /dokument.htm.
60 Vgl. Huber, A. (1998), S. 39.
Demografie in Deutschland 8
Sterblichkeitsniveaus der Menschen 61 zu finden, einer Reduzierung der Säuglingssterblichkeit 62 (Die Lebenserwartung von Neugeborenen hat sich im Verhältnis zum Ende des 19. Jh. mehr als verdoppelt 63 ) sowie einem Änderungsprozess der allgemeinen Lebensbedingungen 64 . Hierzu zählen z. B. Fortschritte in Medizin, Hygiene, Ernährung, Wohnsituation und Arbeitsbedingungen, ferner ein verbessertes Gesundheitsbewusstsein aber auch gestiegener materieller Wohlstand 65 .
Die durchschnittliche Lebenserwartung, die sich auf der Grundlage von Sterbetafeln ermitteln lässt 66 , betrug um 1900 bei Männern rund 45, bei Frauen etwas über 48 Jahre 67 . Derzeit liegt sie (nach den aktuellen Sterbetafeln 2001/2003 68 ) laut Statistischem Bundesamt für einen neugeborenen Jungen bei 75,6 Jahren bzw. 81,3 bei Mädchen 69 - Tendenz steigend. Eine Erhöhung der Lebenserwartung bei Geburt bis zum Jahr 2050 wird für Jungen auf 81,1 und auf 86,6 Jahre für Mädchen vorausgesagt 70 . Nach Schätzung des Max-Planck-lnstituts für Altersforschung dürfte beispielsweise jedes zweite seit dem Jahr 2000 geborene Mädchen seinen 100. Geburtstag feiern 71 .
Auch für ältere Personen ist die Lebenserwartung gestiegen: Im Jahr 1960 konnte ein Mensch von 65 Jahren damit rechnen, ca. weitere zehn Jahre zu leben 72 . Allein von da an gab es bei 65-Jährigen eine Erhöhung der weiteren Lebenserwartung um rund drei Jahre bei Männern und 4,5 bei Frauen 73 . Mindestens jeder zweite Mann erlebt seit Ende der 1980er sein 75. Lebensjahr, bei den Frauen hingegen sind es 70% (Anfang der 1970er waren es gerade einmal 39% der Männer sowie 60% aller Frauen) 74 . Eine 60-Jährige zu Beginn des 21. Jh. kann erwarten, zusätzliche 23,9 Jahre zu leben 75 , ein gleichaltriger Mann noch 19,8 Jahre 76 .
61 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
62 Aus der teilweise sehr deutlichen Differenz zwischen der Besetzung der Geburtsjahrgänge können sich wesentliche Aspekte für bestehende und künftige Generationenverhältnisse und die sozialen Sicherungssysteme ergeben. So kamen in Deutschland z. B. im Jahr 1965 insgesamt 1,3 Mio. Lebendgeborene zur Welt. 30 Jahre später waren dies lediglich knapp 0,8 Mio., vgl. Behrend, C. (2002b), S. 34 ff.
63 Vgl. ebd.
64 Vgl. ebd.
65 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff; http://www.die-rente.info/97.php.
66 Vgl. Behrend, C. (2002b), S. 34 ff.
67 Vgl. Baltes, P. (2002), S. 24 f; Behrend, C. (2002b), S. 34 ff.
68 Vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2004/p4860022.htm.
69 Vgl. ebd.
70 Vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2003/p2300022.htm.
71 Vgl. Freyermuth, G. (2002), S. 46.
72 Vgl. Wachtler, G. (1998), S. 25.
73 Vgl. http://www.bundesregierung.de/dokumente/-,413.542826/Artikel/dokument.htm.
74 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
75 Vgl. o. V. (2001), S. 25.
76 Vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2004/p4860022.htm.
Demografie in Deutschland 9
Gleichzeitig vollzieht sich ein gravierender Rückgang der Geburtenzahlen 77 . Oft sind Gründe zurückzuführen „auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren, die der Realisierung von Kinderwünschen entgegenstehen“ 78 . Eine „monokausale Deutung“ 79 (wie z. B. die Berufstätigkeit der Frau oder die kinderfeindliche Gesellschaft) verbietet sich jedoch 80 . Weltweit zählt Deutschland zu den Staaten mit der niedrigsten Geburtenhäufigkeit 81 . Zur Bestandssicherung einer Bevölkerung ist eine so genannte zusammengefasste Geburtenziffer 82 von 2,1 83 je Frau notwendig 84 . Bis zum Jahr 1969 - auch als „Pillenknick“ 85 bezeichnet - gebar jede Frau durchschnittlich die zur Stabilisierung des zahlenmäßigen Verhältnisses zwischen den Generationen 86 benötigten 2,1 Kinder. Beim Geburtsjahrgang 1940 lag der Anteil der Frauen, die kinderlos blieben, bei 10,6%, derjenige des Jahrgangs 1965 hingegen schon bei 32,1% 87 . Etliche Jahre bereits ist die Anzahl der Geburten zur Be-standssicherung nicht mehr ausreichend 88 . Nach 1969, im Anschluss an die Baby-Boom-Jahre der 1950/60er 89 , hat sich in den alten Bundesländern 90 eine weitgehend stabile Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau 91 (unterhalb des bestandserhaltenden Niveaus 92 ) eingependelt 93 . Die Kommission geht davon aus, dass diese Geburtenrate auch langfristig konstant bleibt 94 . Von heute 730.000 Geburten jährlich wird sich die Geburtenzahl im Jahr 2050 auf etwa 560.000 reduzieren 95 .
Innerhalb der Altersgruppen älterer und jüngerer Menschen wird sich bis zum Jahr 2050 das zahlenmäßige Verhältnis an der Gesamtbevölkerung auffallend ver-
77 Vgl.Wachtler, G. (1998), S. 25.
78 Birg, H. (2003), S. 29.
79 Lehr, U. (1998), S. 2.
80 Vgl. ebd.
81 Vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Bevoelkerung_2050.pdf.
82 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
83 Regulär müssten 1000 Frauen ca. 2000 Kinder gebären, um eine konstante Bevölkerungszahl zu erzielen. Tatsächlich sind es aber weniger als 1400 Neugeborene auf 1000 Frauen, vgl. Behrend, C. (2002b), S. 34 ff.
84 Vgl. http://www.bundesregierung.de/dokumente/-,413.542826/Artikel/dokument.htm.
85 http://www.die-rente.info/97.php.
86 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff; http://www.die-rente.info/97.php; http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Bevoelkerung_2050.pdf.
87 Vgl. Behrend, C. (2002b), S. 34 ff.
88 Vgl. ebd.
89 Vgl. http://www.bundesregierung.de/dokumente/-,413.542826/Artikel/dokument.htm.
90 Vgl. http://www.die-rente.info/97.php.
91 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff; http://www.bundesregierung.de/dokumente/-,413.542826 /Artikel/dokument.htm; http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Bevoelkerung_2050.pdf.
92 Vgl. Wolfsgruber, A. (2003), S. 58 f.
93 Vgl. http://www.bundesregierung.de/dokumente/-,413.542826/Artikel/dokument.htm.
94 Vgl. ebd.
95 Vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Bevoelkerung_2050.pdf.
Demografie in Deutschland 10
ändern 96 : Der Anteil der unter 20-Jährigen wird von aktuell rund 21% (17 Mio.) auf ca. 16% (12 Mio.) zurückgehen 97 , die Gruppe der über 60-Jährigen wird sich auf 37% (bzw. 28 Mio.) spürbar erhöhen und damit mehr als doppelt so groß sein 98 . 80 Jahre und ältere werden in 2050 12% der Bevölkerung ausmachen und damit 9,1 Mio. Personen (2001: 3,9% bzw. 3,2 Mio.) 99 . Zusätzlich ist die stark veränderte Relation zwischen den einzelnen Altersgruppen hervorzuheben 100 . Auf einen über 75-Jährigen kamen vor 80 Jahren (1925) noch 67, 1970 waren es 25 und heute lediglich 14 jüngere Personen. Im Jahr 2040 werden es sogar nur noch 6 sein. 101 Gab es 1950 ca. doppelt so viele unter 20- wie über 59-Jährige, so wird es umgekehrt im Jahr 2050 mehr als die doppelte Menge an älteren Menschen geben 102 . Bei annähernd identischer Bevölkerungszahl wird sich damit gegenüber 1950 der Altersaufbau der Bevölkerung (im Jahr 2050) geradezu umkehren.
2.2 Auswirkungen des demografischen Wandels für den Arbeitsmarkt
2.2.1 Konsequenzen für die Unternehmen
Was für die deutsche Bevölkerung insgesamt gilt, trifft gleichermaßen auf die Erwerbsbevölkerung zu 103 . Seit Beginn des 21. Jh. wird die Personalpolitik der Unternehmen 104 mit einer gravierenden und sich nachhaltig auswirkenden Veränderung des Altersaufbaus der Bevölkerung im Erwerbsalter konfrontiert 105 . Eine Schrumpfung und Alterung des Erwerbspersonenpotenzials in Deutschland ist prognostiziert 106 .
Bis 2030 wird das Arbeitskräftepotenzial (dieses entspricht den 20- bis 65-Jährigen 107 ) um sieben auf 40,1 108 Millionen Menschen demografisch bedingt zurückgehen 109 , danach jedes Jahr rund eine weitere halbe Million 110 . Zugleich wird
96 Vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Bevoelkerung_2050.pdf.
97 Vgl. o. V. (2001), S. 25.
98 Vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Bevoelkerung_2050.pdf.
99 Vgl. ebd.
100 Vgl. Lehr, U. (1998), S. 2.
101 Vgl. ebd.
102 Vgl. o. V. (2001), S. 25.
103 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
104 Vgl. Wachtler, G. (1998), S. 25.
105 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
106 Vgl. Lehr, U. (1998), S. 5.
107 Vgl. Behrend, C. (2002b), S. 34 ff.
108 Vgl. http://www.bda-online.de/www/bdaonline.nsf/id/Positionspapier/$file/Positionspapier.pdf.
109 Vgl. http://www.bundesregierung.de/dokumente/-,413.542826/Artikel/dokument.htm.
110 Vgl. http://www.bda-online.de/www/bdaonline.nsf/id/Statement-DH/$file/Statement-DH.pdf.
Demografie in Deutschland 11
sich dieses in seiner Altersstruktur verschieben 111 . Vor allem jüngere Altersgruppen des Erwerbspersonenpotenzials sind vom Rückgang betroffen 112 . In den nächsten fünf Jahren wird laut Bundesagentur für Arbeit (BA) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Anteil der unter 30-Jährigen auf nur noch knapp über 20% absinken, die Erwerbstätigen zwischen 30 und 50 Jahren werden bedingt durch das Hineinwachsen geburtenstarker Jahrgänge in diese Altersgruppe in 2010 auf mehr als 50% ansteigen, während die Altersgruppe der über 50-Jährigen den restlichen Anteil von 30% am Erwerbspersonenpotenzial ausmachen wird 113 . Das Statistische Bundesamt prognostiziert einen weiteren Anstieg des Bevölkerungsanteils der über 50-Jährigen nach 2010, derjenige der unter 30-Jährigen wird weiter abnehmen 114 . Dabei werden auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft auch die über 60-Jährigen in beachtlichem Umfang und verstärkt auf eine Teilhabe am Arbeitsprozess drängen 115 . In vermutlich zehn Jahren wird ein Kohortenwechsel 116 stattfinden, bei dem die 45- bis 59-Jährigen die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen als stärkste Gruppe der Erwerbsbevölkerung ablösen 117 .
Die beschriebenen demografischen Veränderungen haben neben weniger jüngeren Erwerbstätigen 118 eine überproportionale Steigerung des Anteils älterer Menschen an der Erwerbsbevölkerung zur Folge 119 und weiter eine Steigerung des Durchschnittsalters in Betrieben 120 . Die geburtenstarken Altersjahrgänge der späten 1950er bis Ende der 1960er Jahre, aus denen sich zur Zeit der Kern der Belegschaften zusammensetzt, wachsen in die Kategorie der älteren Arbeitnehmer hinein 121 . Spätestens dann verschärft sich das Problem, wenn die so genannten „post-war-baby-boomer“ 122 - heute im Alter von 35 bis 49 Jahren - ins Vorruhe-
111 Vgl.Endres, G. L. (2000), S. 48 ff; http://www.bundesregierung.de/dokumente/-,413.542826/Artikel /dokument.htm.
112 Vgl. Behrend, C. (2002b), S. 34 ff.
113 Vgl. Huber, A. (1998), S. 39; Siemann, C. (2001), S. 45; Sobull, D. (2000), S. 18 f.
114 Vgl. Behrend, C. (2002b), S. 34 ff; Müller, G. (2003a), S. 48.
115 Vgl. Wachtler, G. (1998), S. 25.
116 Ein Kohorteneffekt bezeichnet die Unterschiede zwischen Personen etwa gleichen Alters zu anderen Altersgruppen. In diesem Zusammenhang ist der Begriff als wandernder Altersberg durch die Jahrgänge zu verstehen, vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 68.
117 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
118 Vgl. Bundesanstalt für Arbeit (Hrsg.) (2003).
119 Vgl. Behrend, C. (2002b), S. 34 ff; Müller, G. (2003a), S. 48; Sunter, S. (2001a), S. 78.
120 Vgl. Endres, G. L. (2000), S. 48 ff; Hentze, H. (1994), S. 154.
121 Vgl. Siemann, C. (2001), S. 45.
122 Lehr, U. (1998), S. 5.
Demografie in Deutschland 12
standsalter kommen 123 . Die geburtenschwächeren Jahrgänge der heute bis 30-Jährigen können dann frei werdende Stellen nicht ausreichend besetzen. 124
Spätestens ab 2010 wird das Potenzial der Erwerbspersonen so deutlich schrumpfen 125 und sich die Erwerbsbevölkerung in ihrer Altersstruktur derart verändern 126 , dass infolge einer Überalterung 127 der Unternehmen 128 letztlich ältere Arbeitnehmer als unverzichtbare Ressource verstärkt in den Vordergrund rücken 129 . Im Rahmen eines zukünftigen Fachkräftebedarfs ist dieser Personenkreis stärker bei z. B. Neueinstellungen zu berücksichtigen als in der Vergangenheit 130 . Die Auswirkungen sind für alle Unternehmen relevant, keines bleibt verschont 131 , auch nicht „junge Unternehmen“, die ihre betriebliche Altersstruktur und ihre Entwicklung kaum beachten 132 . Selbst bei einem unterstellten positiven Zuwanderungssaldo von jährlich 200.000 Personen ist ein Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials in den nächsten Jahren zu erwarten 133 . Fraglich ist, ob eine zur wirksamen Veränderung des demografischen Wandels notwendige verstärkte Zuwanderung das ausgleichen kann 134 .
Selbst bei angenommenen Zuwanderungssalden aus dem Ausland wird die Einwohnerzahl auf lange Sicht abnehmen, denn ohne zusätzliche Zuwanderungen wird die Bevölkerungszahl im Jahr 2100 gerade einmal gegenüber dem heutigen Wert bei 32 Mio. liegen 135 .
2.2.2 Entwicklung des Arbeitskräfteangebotes junger Generationen
Der demografische Trend fordert von den Personalverantwortlichen zukünftig eine verstärkte Beschäftigung mit älteren Arbeitnehmern 136 . Jedoch sollte der Fokus nicht ausschließlich auf die Spitze der Alterspyramide gerichtet werden 137 .
123 Vgl. Rother, F. (2001), S. 20 f.
124 Vgl. Sunter, S. (2001a), S. 78.
125 Vgl. http://www.bda-online.de/www/bdaonline.nsf/id/Statement-DH/$file/Statement-DH.pdf.
126 Vgl. Wachtler, G. (1998), S. 25.
127 Vgl. Nienhüser, W. (2002), S. 63.
128 Vgl. Ubben, H.-J. (2003), S. 8.
129 Vgl. Wachtler, G. (1998), S. 25.
130 Vgl. Bundesanstalt für Arbeit (Hrsg.) (2003).
131 Vgl. Buscher, S. (1997), S. 16.
132 Vgl. Huber, A. (1998), S. 41.
133 Vgl. Behrend, C. (2002b), S. 34 ff; Siemann, C. (2001), S. 45; http://www.bundesregierung.de/dokumente/-,413.542826/Artikel/dokument.htm; http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Bevoelkerung_2050.pdf.
134 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
135 Vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Bevoelkerung_2050.pdf.
136 Vgl. Hartge, T. (1994), S. 26.
137 Vgl. Ubben, H.-J. (2003), S. 9.
Demografie in Deutschland 13
Zukünftig werden bei mehr älteren Fach- und Führungskräften bzw. zusehends alternden Belegschaften auch immer weniger jüngere Arbeitskräfte dem Arbeitsmarkt durch niedrige Geburtenzahlen zur Verfügung stehen 138 . Aufgrund des fortschreitenden altersstrukturellen Wandels der Erwerbsbevölkerung zum einen, der zunehmenden Technisierungs- und Spezialisierungsanforderungen auf dem Arbeitsmarkt und einer fehlenden oder schlechten Ausbildung von Nachwuchskräften 139 zum anderen, zeichnet sich bereits heute ein Mangel an Fachkräften nachwachsender Generationen ab 140 . Laut des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IWK) 141 wird sich ein Arbeitskräfteengpass mittelfristig noch erheblich verschärfen 142 und die betriebliche Personalpolitik vor neue Heraus-forderungen stellen 143 . Wenn in einigen Jahren viele erfahrene Fachkräfte aus dem Berufsleben ausscheiden und zu ersetzen sind, ist automatisch das Qualifikationsprofil des Nachwuchses zu überprüfen 144 . Denn mit Austritt in die Rente geht vielen Unternehmen jahrzehntelang angesammeltes Expertenwissen verloren und folglich auch ein wichtiger Wettbewerbsvorteil 145 . Dem rückläufigen Angebot an Arbeitskräften steht somit ein wachsender Qualifikationsbedarf aufgrund des fortschreitenden Strukturwandels vor allem bei den Bildungsabschlüssen gegenüber 146 . Ein deutlicher Rückgang des Anteils von Beschäftigten ohne Ausbildung sollte dadurch zu verzeichnen sein 147 .
Junge Arbeitskräfte gibt es nicht nur zu wenig auf dem Arbeitsmarkt 148 , sondern vor allem zu wenig qualifizierte 149 . Zwingend notwendig ist hier das frühzeitige Vorantreiben und Forcieren der betrieblichen Aus- und Weiterbildung von Nachwuchskräften 150 , denn dadurch bestimmt sich maßgebend ihr Qualifikationspotenzial 151 . Sinnvoll ist, Nachwuchskräfte selbst heranzubilden 152 . Gelegentlich werden sogar Ältere mit ihren sozialen Erfahrungen bei der Nachwuchs(aus)bildung betraut 153 .
138 Vgl. Sobull, D. (2000), S. 18 f; http://www.die-rente.info/97.php.
139 Vgl. Reinberg, A., Hummel, M. (2003), S. 38 ff.
140 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
141 Vgl. Sunter, S. (2001a), S. 78.
142 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
143 Vgl. Behrend, C. (2002b), S. 34 ff.
144 Vgl. Ubben, H.-J. (2003), S. 9.
145 Vgl. Flüter-Hoffmann, C. (2004), S. 29; Menges, U. (2001a), S. 216.
146 Vgl. Flüter-Hoffmann, C. (2004), S. 25.
147 Vgl. ebd.
148 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
149 Vgl. Watzka, K. (2000), S. 76.
150 Vgl. Richenhagen, G. (2004), S. 60 ff.
151 Vgl. Reinberg, A., Hummel, M. (2003), S. 38 ff.
152 Vgl. Hegner, F. (2002), S. 772 ff.
153 Vgl. Hentze, H. (1994), S. 156.
Arbeit zitieren:
Kirsten Joppa, 2005, Personalmanagement für Ältere, München, GRIN Verlag GmbH
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