INHALTSVERZEICHNIS
I. Einleitung. S.2
II. Der Verlauf des Spracherwerbs. S.2
III. Störungen des Spracherwerbs am Beispiel von Kindern in
Konzentrationslagern. S.5
1. Störungen des Spracherwerbs. S.5
1.1. Kinder ohne Bezugsperson („Wilde Kinder“) S.5
1.2. Kinder in Isolation. S.6
2. Kinder in Konzentrationslagern. S.7
2.1. Kola Klimczyk S.7
2.2. Lidia Rydzikowska-Maksymowicz S.8
3. Anmerkungen S.9
IV. Schlussbemerkungen S.9
Literaturverzeichnis S.11
1
I. Einleitung
Die Beschäftigung mit der Erforschung des Spracherwerbs erfordert auch eine Betrachtung seiner Störung. Die Störung des Spracherwerbs kann in vielfacher Hinsicht erfolgen. So kann man schon den normalen Verlauf des Spracherwerbs von Zwillingen in gewisser Hinsicht als gestört bezeichnen, da neben der geteilten Aufmerksamkeit der Mutter für ihre Kinder auch die Tatsache hinzu kommt, dass Zwillinge eine gemeinsame Sprache untereinander entwickeln, die Außenstehenden vollkommen unzugänglich bleibt. Des weiteren spielen natürlich körperliche Behinderungen, wie zum Beispiel Taubheit oder einer so genannten spezifischen Spracherwerbsstörung, die sich durch einen verlangsamten und auch qualitativ abweichenden Spracherwerbsprozess bei weitgehend regelrecht ablaufenden kognitiven Entwicklungsprozessen auszeichnet, eine Rolle. 1 Darüber hinaus gibt es einige gut dokumentierte Fälle von Kindern, die ohne eine Bezugsperson aufgewachsen sind (vgl. Die Wolfskinder von Midnapore, Indien) oder bewusst von ihrer Bezugsperson in Isolation gehalten worden sind (vgl. Kaspar Hauser). Diese Fälle sind insofern interessant, da man an ihnen besonders gut Vergleiche zu dem normalen Verlauf des Spracherwerbs anstellen kann. Ein Bereich, über den bis heute nur sehr wenig bekannt ist, sind Kinder, die während der Phase ihres Spracherwerbs in einem Konzentrationslager unter der Nazi- Herrschaft gelebt haben. So gibt es zwar Dokumentationen über die Verhaltensweisen dieser Kinder (vgl. Kola Klimczyk), allerdings wurden diese nicht unter sprachlichen Gesichtspunkten untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es nun diese Untersuchung, soweit die möglich ist, nachzuholen. Dazu wird zunächst der Verlauf eines normalen Spracherwerbs kurz charakterisiert, danach die oben erwähnten Fälle von Kindern in Isolation betrachtet und schließlich versucht ein Bezug zu den Informationen über Kinder in Konzentrationslagern herzustellen.
II. Der Verlauf des Spracherwerbs
Laut Wolfgang und Jürgen Butzkamm beginnt „Das Abenteuer des Hörens, Zuhörens und Hinhörens [...] drei Monate vor der Geburt. Damit setzt auch das Abenteuer Sprache ein, (...)“. 2 Die Grundlagen für den Spracherwerb werden also bereits im Mutterleib gelegt, wenngleich auch nicht über konkrete Inhalte, wohl aber über Stimmungen, die über das
1 Ute Ritterfeld: Die Spezifische Spracherwerbsstörung. Phänomenbeschreibung und Erklärungsmodelle. In:
Heilpädagogische Forschung Nr. 2 2004, Online im Internet, URL:
http://www.heilpaedagogischeforschung.de/ab0423.htm [Stand: 09.03.2005]
2 Butzkamm, W.u.J.: Wie Kinder sprechen lernen, ²2004, S.5
2
Sprachverhalten der Mutter transportiert werden. „Stimme, Sprache und Gefühl sind eins.“ 3 Um einen störungsfreien Verlauf der Sprachentwicklung haben zu können, benennen W. und J. Butzkamm vier Grundvoraussetzungen. Zunächst bedarf es einer gesunden körperlichen Entwicklung. So muss sich vor allem die „Anatomie des Stimmtrakts“ 4 ausbilden, um saubere Sprachtöne produzieren zu können. Des weiteren muss die geistige Entwicklung in geregelten Bahnen verlaufen, um „Dinge ergreifen und erfassen [zu können], bevor [man] sie begreifen und benennen kann.“ 5 Ebenfalls eine wichtige Bedingung für die Sprachentwicklung ist das soziale Umfeld des Kindes. Ein falsches oder gar fehlendes kann nicht nur verheerende Auswirkungen auf das Verhalten eines Kindes haben, sondern auch auf dessen sprachliche Entwicklung. Dies wird in den Kapiteln 1.1. und 1.2. noch ausführlicher behandelt. Die letzte Voraussetzung schließlich sind Gefühle. Diese stehen in einer Wechselbeziehung zu der Sprachentwicklung. So bekommt man zum einen, wie bereits erwähnt, im Mutterleib zunächst Gefühle vermittelt. Zum anderen kann man mit Gefühlen auch nur dann bewusst umgehen, wenn „man sie für sich und andere versprachlichen [kann].“ 6
Die erste Stufe in der phonologischen Entwicklung des Kindes ist der Schrei. Diesem folgt das Lallen („Babbling“) 7 , wobei man hier zwischen „marginal babble“, einer Vorphase, und dem „kanonischen Lallen“, der eigentlichen Lallphase, unterscheidet. Das „marginal babble“ beginnt ca. im Alter von sechs Monaten. Einen Monat später beginnt bereits die Phase des „kanonischen Lallens“, welche ungefähr drei Monate lang durch das wiederholen von Silben gekennzeichnet ist ([dadada], sog. reduplizierendes Lallen), gefolgt von dem sogenannten „variegated“ oder „buntem“ Lallen. In dieser Phase werden Lautketten gebildet, die mehrere Silben haben ([daba]). 8 Im Alter von 1;6-1;7 werden erste Worte gebildet, allerdings weicht die Sprachproduktion sowohl in der Silbenzahl, als auch in der Artikulation von der Zielsprache noch beträchtlich ab. 9 So würde zum Beispiel olovka [o.lof.ka] (serb./kroat. Bleistift) von einem Kind etwa als [of.ka] oder [lof.k?] realisiert werden. Bereits ca. ein Jahr später sind diese Probleme weitestgehend verschwunden. In der Phase der Einwortsätze bilden Kinder erste Worte, deren Bedeutung vieldeutig ist. So kann zum Beispiel sa (serb./kroat. mit) sowohl mitgehen, als auch mitspielen, mitfahren etc. bedeuten. Des weiteren werden Worte in einem weit größeren Umfang gebraucht, als ihre Bedeutung eigentlich
3 Butzkamm, W.u.J.: Wie Kinder sprechen lernen, ²2004, S.5
4 ebd., S.13
5 ebd.
6 Ebd., S.14
7 Penner, Z.: Phonologische Entwicklung: Eine Übersicht, in: Grimm, H. (Hrsg.): Sprachentwicklung, 2000,
S.117
8 ebd., S.118
9 ebd., S.105
3
Arbeit zitieren:
M.A. Sebastian Schäffer, 2005, Störungen des Spracherwerbs am Beispiel von Kindern in Konzentrationslagern, München, GRIN Verlag GmbH
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