Inhaltsverzeichnis
I. Einführung 1
II. Die aktuelle Verschuldungssituation 2
1. Die Ursachen der aktuellen Verschuldungssituation 2
2. Das Ausmaß der Verschuldung in Entwicklungsländern 4
3. Die Folgen einer hohen Verschuldung 5
III. Ethik der Entwicklung 5
IV. Sozialethische Kriterien für den Umgang mit Schulden 6
1. Grundlegende Maßstäbe 7
1.1. Vertragsverpflichtung vs. Menschenrechte 7
1.2. Die Bedeutung von Eigenanstrengungen 9
1.3. Die Notwendigkeit einer Armenorientierung 10
1.4. Die globale Dimension des Verschuldungsproblems 11
2. Die Verantwortung der Vertragsparteien und des IWF 12
V. Lösungsansätze und präventive Maßnahmen 15
VI. Zusammenfassung 17
II
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1 Entwicklung der Externen Verschuldung nach Regionen
Tabelle 1 Verschuldungskennzahlen nach Regionen
III
Abkürzungsverzeichnis
IWF Internationaler Währungsfond
Kap. Kapitel
Mio. Millionen
Mrd. Milliarden
v.a. vor allem
z.B. zum Beispiel
IV
I. EINFÜHRUNG
„Nach Verlauf von sieben Jahren musst Du einen Erlass veranstalten, und fo lgende Bewandtnis hat es mit dem Erlass: jeder Gläubiger erlasse sein Darlehen, das er seinem Nächsten geliehen hat; er soll es bei seinem Nächsten und Bruder nicht eintreiben, denn man hat für Jahwe einen Erlass aufgerufen.“ Das alte Testament fordert in Kap. 15 im fünften Buch Mose zu einem Schuldenerlass in jedem siebten Jahr und in der Genesis Kap. 25 zur Wiederherstellung der ursprünglichen Verteilung des Besitzes an Grund und Boden in jedem 50. Jahr auf.
Aber nicht nur aus christlichen-religiösen Motiven heraus wird der Ruf nach e inem Schuldenerlass für die ärmsten Länder lauter: die Jubilee Debt Campaign, der sich über 60 Organisationen und Kirchen angeschlossen haben, sammelte im Jahr 2000 weltweit über 24 Mio. Unterschriften, um auf die Verschuldungsproblematik aufmerksam zu machen und um den IWF und die Weltbank zum Handeln zu bewegen. Und auch Kirchen in aller Welt nehmen das „Erlassjahr 2000“ zum Anlass, ihre Aufforderung zur Entschuldung zu erne uern. Die Verschuldung der Länder der Dritten Welt wuchs in den 70er Jahren drastisch an und entwickelte sich mit der Zahlungsunfähigkeit von Mexiko im Jahr 1982 zu einer internationalen Verschuldungskrise. Auch wenn die Gefahr eines Zusammenbruchs des internationalen Finanzsystems abgewendet werden konnte, so gilt das Problem aus Sicht der Schuldnerländer bis heute als nicht gelöst.
Die Konditionalität weiterer Kredite des IWF fordert Sanierungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der Kreditwürdigkeit. Diese führen oftmals zu wirtschaftlicher Rezession, zum Streichen von Sozialmaßnahmen und zum Verzicht auf dringend benötigte Investitionen und damit zur weiteren Verelendung der untersten Schichten der Bevö lkerung. Diese Tatsache macht die internationale Verschuldung nicht nur auf ökonomische Aspekte beschränkbar, sondern wirft auch ethische Fragestellungen auf.
Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Schuldenerlass für die Länder der Dritten Welt ethisch zu bewerten ist. Dazu werden zunächst die Ursachen, das Ausmaß und die Folgen der heutigen Verschuldung dargestellt. Nach der Behandlung des grundlegenden Zusammenhangs zwischen Ethik und Entwicklung (III.) folgt im vierten Gliederungspunkt eine Diskussion sozialethischer Kriterien für den Umgang mit Schulden. Den fünften Punkt bildet die kurze Vorstellung von Lösungsansätzen und von präventiven Maßnahmen um künftig die Gefahr einer Krise zu vermindern. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung.
1
II. DIE AKUTELLE VERSCHULDUNGSSITUATIO N
1. DIE URSACHEN DER AKTUELLEN VERSCHULDUNGSSITUATION
Die vielfältigen Gründe für das Entstehen der aktuellen Situation liegen zum Teil in den verschuldeten Ländern selbst, zum Teil aber auch im Verhalten der Gläubige rländer und in der Entwicklung der Weltwirtschaft. Eine dieser externen Ursachen war die Liquiditätsschwemme auf dem Weltkapitalmarkt Mitte der siebziger Jahre, die durch die erste Ölpreiskrise entstand. Der hohe Ölpreis führte zu enormen Einnahmen in den Erdöl exportierenden Ländern. Internationale Banken wurden mit der Anlage der Gelder, dem sog. Petrodollar-Recycling, in einer weltwirtscha ftlichen Situation beauftragt, die durch einen rezessionsbedingt niedrigen Kapitalbedarf in den Industrieländern und einer hohen Kapitalnachfrage in den Entwicklungsländern gekennzeichnet war. Mittels kurzen Kreditlaufzeiten, variablen Zinsen und einer Fakturierung in USD wurde das Wechselkurs-, Zins und Liquiditätsrisiko jedoch auf die Schuldnerländer in der Dritten Welt übertragen. Wegen hoher Inflationsraten und niedriger Zinssätze waren die Realzinsen bei Kreditaufnahme für viele Entwicklungsländer äußerst niedrig und teilweise sogar negativ, d.h. sie erhielten für die Kreditaufnahme eine Prämie. 1
Während der zweiten Ölpreiskrise stiegen die Zinsen insbesondere aufgrund der restriktiven Geld- und der weiterhin expansiven Fiskalpolitik der USA stark an. 2 Die hohen Zinsen lockten große Mengen an Kapital in die USA, was zu einer steigenden Nachfrage nach USD und damit zu einem Anstieg des Dollarkurses führte. 3 Da die Kreditverträge mit variablen Zinsen ausgestattet und in Dollar a bgeschlossen waren, erlebten die verschuldeten Entwicklungsländer einen enormen Anstieg ihrer Za hlungsverpflichtungen. 4 Eine weitere Ursache lag in der Entwicklung der Preise für Rohstoffe, die, entgegen den Preisen für Rohöl, in der zweiten Hälfte der siebziger und Anfang der achtziger Jahre kontinuierlich sanken und damit v.a. jene Länder in Schwierigkeiten brachten, die eine geringe Exportdiversifizierung aufwiesen. 5 Der Preisverfall, begründet unter anderem durch die weltweite Rezession, bedeutete eine Verschlechterung der terms of trade der
1 Vgl. Sautter, Hermann, „Das internationale Schulenproblem aus wirtschaftsethischer Sicht“, in: Homann, Karl (Hg.), Aktuelle Probleme der Wirtschaftsethik , Schriften des Vereins für Socialpolitik, Berlin: Duncker & Humblot, 1992, S.70.
2 Vgl. Lachmann, Werner, Entwicklungspolitik , Bd.3: Außenwirtschaftliche Aspekte, München: Oldenbourg Verlag, 1994, S. 225.
3 Vgl. Wagner, Helmut, Einführung in die Weltwirtschaftspolitik: Internationale Wirtschaftsbeziehungen -Internationale Organisationen - Internationale Politikkoordinierung, 5., überarbeitete und erwe iterte Aufl., München: Oldenburg, 2003, S. 27f.
4 Vgl. Lachmann, Entwicklungspolitik , Bd. 3, S. 225.
5 Vgl. Reichmann, Wilhelm, Die Verschuldung der Dritten Welt 1970 - 1983: Entwicklung und Ursachen der Krise in den Finanzbeziehungen zwischen Norden und Süden, Bd. 869: Europäische Hochschulschriften, Frankfurt am Main: Verlag Peter Lang, 1988, S. 254f.
2
Arbeit zitieren:
Fabian Barthel, 2005, Schuldenerlass für die Dritte Welt: Eine ethische Sicht, München, GRIN Verlag GmbH
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