Inhalt:
A. Einleitung (S3)
B. Ausführung (S6)
I. Zum Frauenbild der Rechten (S6)
1. Traditionelles Rollenverständnis (S7) 2. Renees (S9) 3. Die Kameradin und Weggefährtin (S11) 4. Modernisierung des Frauenbildes? (S13)
II. Zum Selbstverständnis rechtsextremer Frauen (S18)
1. Ansätze mit einem polaren Geschlechterverständnis (S19) 2. Ansätze mit einem egalitären Geschlechterverständnis(S21)
III. Zwischen theoretischer Grundlegung und tatsächlicher Lebensgestaltung (S28)
1. Gespräch mit dem Brandenburger Verfassungsschutz
(S28) 2. Gespräch mit dem Bildungsreferenten des APABIZ (S31)
C. Fazit und Ausblick (S36)
Anhang: Literaturangaben (S40)
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A. Einleitung
„Frauenklischee, Männerklischee, das fängt in der Familie an. Wenn ich arbeiten gehe und verdiene mehr als mein Mann und würde halt ein Kind bekommen, dann bleibt natürlich der Mann zu Hause, weil es einfach eine Existenzfrage auch ist." 1
„Jede Frau kann bei uns machen, was sie will. Bei uns sind die meisten berufstätig, und ich studiere. (...) Ich möchte auch nicht, wenn ich mit meinem Studium fertig bin, (...) die Hausfrau spielen, die zu Hause am Herd steht und den ganzen Tag kocht. Ich werde danach selbstverständlich arbeiten gehen.“ 2
Junge, selbstbewusste Frauen mit modernen Lebensentwürfen – so lassen sich diese beiden Aussagen einordnen.
Das ist an und für sich nichts Ungewöhnliches in unserer Zeit. Interessant werden die Zitate aber, wenn man den rechtsextremen Hintergrund beider Frauen einbezieht. Annett Moeck, NPD-Mitglied aus Schwedt, hat sich bundesweit als „Nationale Liedermacherin“ in der Szene einen Namen gemacht.
Die Betriebswirtschaftstudentin Sabine Münch, von der das zweite Zitat stammt, ist Mitglied der „Deutschen Liga für Volk und Heimat", einer NPD- nahen Organisation, in Köln. Sowohl in den Medien als auch in den meisten Köpfen der Bürger existiert ein völlig anderes Bild von rechtsextremen Frauen.
Rechtsextremismus wird in der Öffentlichkeit meist als ein „männliches“ Phänomen wahrgenommen. Egal, ob es sich um Bilder von grölenden Skinheads oder des geschniegelten NPD- Abgeordneten handelt, die Akteure sind fast immer männlich.
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Die NPD-Liedermacherin Annett Moeck, zitiert nach Fromm/Kernbach 2002, S 73
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Zitat aus dem Film „Kameradinnen“ von Rainer Fromm und Barbara Kernbach, Vox 1993
3
Sofern Frauen überhaupt vorkommen, so meist als „Anhängsel“ der Männer. Beispielhaft für diese Sichtweise ist die Ausstrahlung der „Tatort- Folge „Odins Rache“ im Sommer 2004. Die Quintessenz: Liebe macht blind und wenn der Freund in der rechten Szene aktiv ist, nimmt die Partnerin das eben hin. Keinesfalls transportiert die Frau selbstständig die rechtsextreme Ideologie.
Das andere Extrem, welches hin und wieder Erwähnung findet, ist das Bild der rechten Schlägerin mit abrasierten Haaren und Skinhead-Outfit.
Wenngleich beide Frauentypen in der Szene zu finden sind, sind diese keinesfalls repräsentativ für den Großteil der rechtsextremen Frauen. Wer würde Annett Moeck ihre rechte Einstellung ansehen? Halblange blonde Haare, unauffälliger Kleidungsstil, allein erziehende Mutter – hinter dem Prototyp der netten Nachbarin verbirgt sich eine Aktivistin mit Sendungsbewusstsein.
In dieser Arbeit möchte ich deshalb der Frage nachgehen, welche Frauenbilder in der rechten Szene existieren, welches Selbstverständnis rechtsextreme Frauen heutzutage haben und wie ihre Lebensentwürfe aussehen.
Nur wenn man dieses Selbstverständnis moderner rechtsextremer Frauen erfasst, wird auch der Blick frei auf das, was sich zwischen dem bezopften BDM-Mädel und dem Renee- Girl bewegt.
Um den Kontext abzustecken, in welchem rechte Frauen ihr Selbstverständnis entwickeln, soll am Anfang der Ausführung das Frauenbild der Rechten untersucht werden, verbunden mit der Frage, ob und inwieweit dieses sich in den letzten Jahren verändert hat.
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Danach gehe ich auf das Selbstverständnis der Frauen in der rechten Szene ein: Gleichberechtigung, Frauen und Mutterschaft, Frauen und Beruf und Frauen und Politik sind dabei zentrale Themenfelder.
Nach diesen theoretischen Positionierungen rechtsextremer Frauen erscheint es natürlich interessant, inwieweit diese Denkansätze sich von den tatsächlichen Lebensentwürfen der Frauen unterscheiden.
Wie verhalten sich die Frauen in der Szene tatsächlich und wie gehen sie mit Widersprüchen um?
Diese Fragen waren Gegenstand zweier Gespräche, die mit Mitarbeitern des Brandenburger Verfassungsschutzes und dem Bildungsreferenten des APABIZ Berlin geführt wurden und den Rahmen dieses Kapitels bilden sollen.
Abschließen sollen die Arbeit einige weiterführenden Gedanken, ob und wenn, wie sich die Szene durch ein vielseitigeres Frauenbild verändert hat und welche Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen.
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B. Ausführung
I. Zum Frauenbild der Rechten
Im Allgemeinen wird die rechte Szene als ziemlich „machohaft“ und frauenfeindlich beschrieben. Doch diese Interpretation alleine greift zu kurz und klammert Entwicklungen aus, die in den vergangenen Jahren stattgefunden haben. Auch die rechte Szene hat wohl erkannt, dass ein zu steifes Beharren auf einem eng gefassten Frauenbild (entweder als Heimchen am Herd oder aber als williges Sexobjekt) der Realität nicht mehr gerecht werden kann und den Ansprüchen „moderner“ Frauen nicht mehr genügt. Insofern hat sich die Szene auch modernen Lebensentwürfen für Frauen etwas mehr geöffnet. Die Frage ist, ob hier tatsächliche eine grundlegende Veränderung und ein Umdenken stattgefunden hat oder ob das Frauenbild nur oberflächlich und notwendigerweise an zeitgemäße Entwicklungen angepasst wurde, ohne dass die Grundannahmen sich wesentlich geändert hätten.
Ein einheitliches Frauenbild ist auch in der rechten Szene nicht zu finden – im Gegenteil, die verschiedenen Aussagen zu Frauen erscheinen oftmals geradezu widersprüchlich. Um den Ausführungen eine übersichtliche Struktur zu geben, sollen hier drei „Hauptströmungen“ herausgearbeitet werden, die sich ausmachen lassen: Die Frau als Mutter und Hausfrau, die Frau als Sexobjekt und die Frau als Kameradin.
Gleichzeitig wird die oben gestellte Frage aufgegriffen, was sich geändert hat und wie die „Modernisierung“ des Frauenbildes in der Rechten zu bewerten ist.
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1. Das traditionelle Frauenbild: Vom „sanften Naturwesen“ und Mutter des Volkes
„Ganz offensichtlich ist die Frau in erster Linie Naturwesen: Ihre eigentliche Aufgabe für die Gemeinschaft ist und bleibt Geburt und Aufzucht von Kindern, und da mindestens drei Kinder pro Familie zur Volkserhaltung überlebensnotwendig sind, und das Kind die Mutter zur gesunden Lebenserhaltung in den ersten sechs Lebensjahren dringend braucht, ist der Lebensmittelpunkt der Frau die Familie. (...) Die Männer hingegen, die ja durch ihre rein biologischen Aufgaben nicht entfernt vergleichbar beansprucht und gefordert werden, sind eher Kultur- als Naturwesen – ihre natürliche Aufgabe liegt im Aufbau und in der Ausgestaltung der kulturellen Gemeinschaften! Grob schematisch und als Anhaltspunkt kann man das so ausdrücken: Unsere Frauenbewegung wird von Frauen für Frauen geführt mit dem Ziel des Aufbaus einer gesunden Volksgemeinschaft. Unsere männliche Front wird von Männern für Männer geführt mit dem Ziel der Schaffung eines Staates, der der Volksgemeinschaft die machtpolitischen Instrumente zur Selbstbehauptung und Entfaltung in die Hände gibt(…)Statt Gleichberechtigung und Emanzipation fordern wir von unseren Frauen Dienst an der Volksgemeinschaft und Selbstverwirklichung des weiblichen Wesens."(Michael Kühnen 1985) 3
Die Worte von Michael Kühnen lassen an Klarheit nichts vermissen: Ganz eindeutig werden hier die Rollen der Geschlechter festgeschrieben, abgeleitet von der kruden Vorstellung, diese seien praktisch von Natur aus vorgegeben – die Frau als Natur-, der Mann als Kulturwesen.
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zitiert nach Fromm/Kernbach: „Rechtsextremismus – ein Männerphänomen?
Frauen im organisierten Rechtsextremismus“
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Dementsprechend sind auch die Lebensbereiche von Mann und Frau klar gegeneinander abgegrenzt: Das Häusliche, Familiäre bleibt der Frau überlassen, wobei es Kühnen gleichermaßen als Pflicht der nationalen Frau ansieht, ihrem Volk mindestens drei Kinder zu gebären.
Der öffentliche Raum 4 dagegen ist Sache des Mannes.
Etwas diplomatischer verpackt formuliert die NPD in ihrem Parteiprogramm:
"Grundlage unseres Volkes ist die deutsche Familie.(…) Die Leistung der Hausfrau und Mutter ist mit keiner Arbeitsleistung anderer Berufe zu vergleichen. Ihr gebührt ein nach Anzahl der Kinder gestaffeltes Hausfrauen- und Müttergehalt, das ihrer vielseitigen Tätigkeit und Verantwortung entspricht. Sie sollte nicht aus finanziellen Gründen außerhäuslich arbeiten müssen, da der Beruf in der Familie sie voll auslastet." 5
Dieses eng am Nationalsozialismus orientierte Frauenbild ist wohl das bekannteste: Die Frau als Mutter und Hüterin ihres Volkes.
Die Bedeutung der „Mutter“ für das Volk kann dabei in rechten Programmatiken nicht oft genug betont werden: Sie soll das Überleben des Volkes sowohl in biologischer als auch kultureller Hinsicht garantieren, indem sie Kinder bekommt und diese im Sinne des völkischen Weltbildes erzieht. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auch heute der Alptraum beschworen, das deutsche Volk stünde kurz vor dem Aussterben.
So bemerkt „Mark“ im Internetforum der Seite „Freier Widerstand“ unter der Überschrift „Deutsche Kinder braucht das Land“: „Das Problem ist, dass immer weniger deutsche Frauen
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Als „öffentlicher Raum“ ist hier die Abgrenzung zum Familiär-Privaten Bereich zu sehen; dazu gehört beispielsweise die politische Arbeit, aber auch Bereiche wie das Berufsleben
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NPD-Parteiprogramm, unter http://www.npd.de/npd_startseiten/programme.html
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Arbeit zitieren:
Katrin Möbius, 2005, Zwischen sanftem Naturwesen und Flintenweib - Zum Frauenbild der Rechten und dem Selbstverständnis rechtsextremer Frauen, München, GRIN Verlag GmbH
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