1. Die erste Auseinandersetzung um Literatur
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2. Die ewige Diskussion um Literatur im Fremdsprachenunterricht
2.1. Kein Sonderstatus für Literatur
2.2. Literatur als Helfer im FSU
3. Fremdsprachendidaktik
3.1. Die traditionelle Methode 3.2. Rezeptionsästhetik 3.3. Interkulturelles Lernen
3.4. Methoden des modernen Literaturunterrichts
4. Schlussfolgerungen
Literaturverzeichnis
'LHHUVWH$XVHLQDQGHUVHW]XQJXP/LWHUDWXU Die erste Frage im Seminar „Einführung in die interkulturelle Literaturwissenschaft“, mit der man sich auseinandersetzen musste: „Was ist Literatur?“ und „Wozu Literatur im Fremdsprachenunterricht?“, erwies sich für mich damals als eine Frage, bei der ich Schwierigkeiten hatte, eine Antwort zu finden. Sie löste auch viele Diskussionen in der DaF -Welt aus. Nicht nur in DaF - Zeitschriften kann man solchen Diskussionen begegnen, sie sind
auch in Seminaren, wie im SS 2001 bei uns, und auch im eigenem Lernweg zu beobachten:
„Ein Argument für Literatur im Fremdsprachenunterricht wäre die Möglichkeit, die Kultur des Landes durch literarische Texte kennen zu lernen: z. B. bekannte Schriftsteller, dessen Werke die Epoche wiederspiegeln. Dadurch könnte man ansatzweise die Geschichte „lernen“. Man erfährt die Ereignisse nicht durch „trockene“ Geschichtenbücher, sondern aus der Perspektive einer Person, die in der
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lernt dadurch möglicherweise, Toleranz-Gefühle gegenüber anderen Menschen zu entwickeln.
Eine Meinung ist mir bekannt. Durch literarische Texte lernt man besser,
ausdruckreicher zu sprechen. Diesem würde ich nicht widersprechen, denn die Sprache der Literatur, eine viel schönere als die der Nachrichten z. B., sollte den Lernern mindestens vorgestellt werden. Zum Arbeiten am Leseverstehen könnten literarische Texte auch genutzt werden, dabei würde die Besprechung des Gelesenen beim Thema
„Personenbeschreibung“ gut passen.
Ein Grund für Literatur ist sicherlich auch das entsprechende Interesse
der Lerner.“
Diese Pro-Argumente findet man in meinem ersten Seminarprotokoll vom 05./12.04.2001. Nun erkennt man, dass meine erste Einsicht auf Literatur schon vor dem Seminar ziemlich eindeutig war, was aber nicht daran lag, dass ich mit Hilfe von literarischen Texten einen Unterricht besser zu gestalten wusste, sondern weil mir persönlich das Lesen und so mit Literatur insgesamt Freude bereitet. Bis zur dritten Sitzung konnte ich keine eindeutige Meinung hinsichtlich dieses Thema formulieren, deswegen möchte ich als Aufgabe dieser Arbeit Folgendes ansehen: ich werde versuchen, diese Frage zu beantworten. Dabei sollten als Erstes die Meinungen von einigen Autoren hinsichtlich dieser Frage vorgestellt werden.
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Es ist an dieser Stelle zu unterstreichen, dass man auch ohne literarischen Texte eine fremde Sprache erfolgreich erlernen kann. Erfolgreiches Sprachenlernen ist also nicht von der Literatur oder vom Lesen literarischer Texte abhängig. Willis Edmondson in seinem Artikel „Literatur im Fremdsprachenunterricht - Wozu?“ äußert diese Meinung. Seine Grundposition in der Frage ist eher negativ als positiv. Er ist der Meinung, dass literarische Texte keinen Sonderstatus im Fremdsprachenunterricht haben sollten. Mit dieser Aussage meint Edmondson, dass es keinen Bereich des Sprachenlernens gibt, den man nur mit Hilfe der Literatur erwerben kann, alles ist auch ohne Literatur erfolgreich erlernbar, wobei das natürlich nicht bedeutet, dass Literatur grundsätzlich aus dem FS-Unterricht auszuschließen sei. Literarische Texte und Fremdsprachenlerner stehen auch nicht in der Beziehung zueinander, dass das Erstere das Lernen einer Fremdsprache beim Letzteren fördert. Die
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Argumente, die diese Auffassung begründen sollten, sind die der Befürworter, die aber von Edmondson als nicht überzeugend oder gar falsch erklärt werden. (vgl. Edmondson 1993, 275-284)
Das kulturelle Argument
Das kulturelle Argument besagt, dass „durch eine Beschäftigung mit Literatur landeskundliche bzw. kulturelle Einsichten gewonnen werden,“ was den Autor nicht überzeugt. Sein Gegenargument ist folgender: Es sei nicht bewiesen worden, dass das nur mit Hilfe der Literatur geschehen kann. Womöglich braucht man es auch nicht zu beweisen, denn das liegt, meiner Meinung nach, auf der Hand. Es ist nämlich ein Unterschied, ob man Einsichten oder Kenntnisse gewinnt. Das Letztere kann man aus allen möglichen Quellen, so auch aus literarischen Texten. So hat der Autor Recht, nur er sagt ja selber „Einsichten“ (nicht „Kenntnisse“), die durch überzeugende Argumente oder durch das Selber - Erleben von etwas gewonnen werden können. Man lese z. B. in einem Geschichtenbuch über ein Ereignis, so bekommt man Kenntnis darüber. Um eine eigene Meinung zu bilden, um etwas einzusehen, muss man das Ereignis von mehreren Seiten betrachten können und dafür ist ein literarischer Text am besten geeignet.
Das Motivationsargument
Das Motivationsargument ist für den Autor nicht überzeugend, weil nicht ein beliebiger literarischer Text, sondern „inhaltliche, didaktische oder sonstige Faktoren diesen motivierenden Effekt“ haben.
Das Guck-Mal-Das-An!-Argument
Das *XFN0DO'DV$Q!-Argument stellt Demonstrationen eines kreativen Unterrichts dar, das jedoch auch bei dem Grammatikunterricht auftreten kann, und so für den Autor irrelevant ist.
Das Entfremdungsargument
Das Entfremdungsargument bezeichnet der Autor ebenso als nicht überzeugend, weil nicht nur „Literatur Anlässe zu einer aufregenden Entfremdung bietet“ (Edmondson 1993, 279), sondern auch z. B. differenzierte Wortschatzarbeit. Nun, es bleibt mir ein Rätsel, wie das passieren soll. Im Weiteren werden vom Autor noch zwei Argumente widerlegt: das Kompensations- und das psychologische Argument.
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Im Grunde genommen hat Edmondson logische Argumente gebracht, nun hat er aber auch dabei die Literatur unterschätzt. Die von ihm als psychologisches Argument bezeichnete Sonderfunktion der Literatur widerlegt seine Grundposition mit einem Schlag und trägt eher zur Aussage bei, dass der Literatur doch ein Sonderstatus zukomme. Auf dieses sogenannte psychologische Argument werde ich im nächsten Kapitel noch näher eingehen, was im Zusammenhang mit Aussagen von einem Literatur - Befürworter angebrachter scheint.
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Im Gegensatz zu Edmondson spricht Hunfeld in seinem Aufsatz „Das deutliche Gegenüber“ der Literatur eine spezifische Funktion im Fremdsprachenunterricht zu. Diese sieht der Autor in der Eigenschaft von Literatur, das Fremde so verstehen zu lassen, wie es ist und nicht den Erwartungen oder Erfahrungen des Lerners entsprechend: „So- und Nichtanderssein Fremdes“. Das vereinfachte sprachliche Material, also keine Literatur, lässt den Lerner den Eindruck bekommen, das Fremde ist einfach, fremd. Genau deswegen hemmt der herkömmliche Unterricht das Verstehen des Fremden. Die nicht von einem Lehrwerk vorgefertigte, vereinfachte Literatur kann auf den Lesen auf bestimmte, nur ihr spezifische Weise wirken. Die literarischen Texte bringen den Lerner dazu, sich seiner eigenen Weltanschauung zu entfremden und auf sich mit anderen Augen zu schauen, sie schaffen gleichzeitig deutliche Distanz zu dem Fremden, so dass der Lerner versteht, es ist nicht einfach so fremd, sondern auf bestimmte Weise anders. Es wird ihm nicht von einem Lehrer erklärt, wie fremd das Fremde ist, er findet es selbst heraus, durch sein ganz persönliches Weltbild geprägt, durch seine Gefühle, Ansichten und Erfahrungen beeinflusst oder mit diesen zusammengesetzt. Diese Ansicht der Literatur passt nicht in den Rahmen des heutigen pragmatisch - ausgerichteten Unterricht, so sagt der Autor selbst. Die einzigartige Eigenschaft der Literatur und die Möglichkeit nur durch sie, das Fremde auf sich wirken zu
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Es können endlose Diskussionen in dieser Frage geführt werden, die keine Lösung bringen, wenn man das Thema nicht aus einer anderen Perspektive betrachtet. Nämlich nicht: „Literatur oder keine?“, sondern „Welcher Literaturunterricht ist geeignet, um die einzigartige Funktion der Literatur zu aktivieren?“. Um zu zeigen, welcher das ist und warum, wird zuerst auf den traditionelleren Umgang mit literarischen Texten zurückgegriffen, damit dieser mit Hilfe der Grundidee der Rezeptionsästhetik widerlegt werden kann. Im Weiteren wird „moderner Unterricht“, mit dessen „Interkulturalität“, Lernerorientierung und Methoden vorstellen. Das ist als Antwort auf die aktuelle Frage zu verstehen, nämlich: der moderne, interkulturelle Literaturunterricht stellt die beste Möglichkeit dar, die Fähigkeit der Literatur, das Fremde zu verstehen, sich zu Nutzen zu machen und so zu den aktuellen Lernzielen zu
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gelangen.
Mitte der 70er Jahre trat das Konzept der produktiven Rezeption in die öffentliche Diskussion um den Literaturunterricht auf. Merkmale für den damaligen kritischen Literaturunterricht
waren folgende:
1.Lernzielorientierung
2.Einseitig analytische Vorgehensweise
3. Kontextuierende Methode Der erste Kritikpunkt ergab sich daraus, dass die Schüler lediglich vorfixierte Ergebnisse erarbeiten sollten und ihnen außerdem nicht die Möglichkeit gegeben wurde, selbst Kritik zu üben. Sie konnten und durften weder zu eigenständigen und abweichenden Ergebnissen gelangen noch lernen, zu einer aktiven kritischen Position zu gelangen. Weiterer Kritikpunkt war eine sogenannte „Verköpfung“ im Unterricht, die den Schüler als ganzheitliches Individuum mit Gefühlen und eigenen Erfahrungen nicht erfasste. Kreft bezeichnet diese Haltung als „Desinteresse an den Schülern als individuellen Subjekten, an ihrer Biographie,
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Natalia Schlichter, 2001, Literatur im Fremdsprachenunterricht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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