Die vorliegende Staatsexamensarbeit befasst sich mit der Würde der Person sowohl aus theologischen als auch philosophischen Sicht, angesichts der modernen Biomedizin. Die Arbeit beginnt mit der Darstellung der naturwissenschaftlichen Fakten zu der Invitrofertilisation, Präimplantationsdiagnostik sowie des therapeutischen und reproduktiven Klonens unter Einbeziehung der Stammzellenforschung. Den rechtlichen Grundlagen und einer ethischen Urteilsfindung schliesst sich die Ausarbeitung einer eigenständigen moralischen Position.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Naturwissenschaftliche Grundlagen der modernen Biomedizin
2.1. Entstehung menschlichen Lebens
2.2. Invitrofertilisation und Präimplantationsdiagnostik
2.3. Reproduktives Klonen
2.4. Therapeutisches Klonen
2.5. Übertrag auf den Begriff der Embryonenforschung
3. Ethisches und moralisches Konfliktpotential der Embryonenforschung
4. Rechtliche Grundlagen der BRD und der Europäischen Union
5. Zum Begriff Würde der Person
6. Verschiedene ethische Argumentationsweisen
6.1. Gesellschaftspolitische Argumentation
6.2. Pragmatische Argumentation
6.3. Utilitaristische Argumentation
6.4. Kategorische Argumentation
6.5. Kantsche Position und Instrumentalisierungsverbot
6.6. Kontinuitätsargument
6.7. Potenzialitätsargument
6.8. Spezies-Argument
6.9. Identitäts-Argument
7. Position der christlichen Kirchen zu Embryonenforschung und Biomedizin
8. Eigenständige moralische Position
9. Zusammenfassung und Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen und moralischen Bewertung der modernen Biomedizin, insbesondere der Embryonenforschung. Das primäre Ziel ist die Untersuchung der Frage nach der Bestimmung und Wahrung der Würde der Person unter Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Möglichkeiten sowie philosophischer und theologischer Argumentationslinien.
- Naturwissenschaftliche Grundlagen der Biomedizin (Embryonenforschung, Klonen, Stammzellen)
- Ethisches Konfliktpotential und rechtliche Rahmenbedingungen (Grundgesetz, Embryonenschutzgesetz)
- Vergleich verschiedener ethischer Argumentationsmodelle (utilitaristisch, kategorisch, pragmatisch)
- Position der christlichen Kirchen und Entwicklung einer eigenen moralischen Urteilsbildung
Auszug aus dem Buch
2.3. Reproduktives Klonen
Unter dem Verfahren des reproduktiven Klonens versteht man das Erzeugen eines Lebewesens aus den genetischen Anlagen eines bereits existierenden Lebewesens, was zur Folge hat, dass ähnlich einem Zwilling eine Person mit exakt demselben genetischen Code zweimal existiert.
Beim reproduktiven Klonen wird das gleiche biotechnische Verfahren angewendet wie beim therapeutischen Klonen, nämlich der Zellkerntransfer. Auf den Menschen bezogen wird die Eizelle einer Frau mittels des Zellkerntransfers entkernt, was zur Folge hat, dass sie frei von den spezifischen Erbanlagen der Spenderin der Eizelle ist. Daraufhin wird der das Erbgut enthaltende Zellkern der Körperzelle des Menschen der gemäß seiner eigenen Erbanlagen geklont wird in die entkernte Eizelle eingesetzt. Im Fall des reproduktiven Klonens wird das erwähnte biotechnische Verfahren jedoch nicht angewandt um Ersatzgewebe zu produzieren, sondern um ein genetisch komplett identisches Lebewesen zu schaffen.
Als Konsequenz ist es notwendig, den Embryo, der sich aus der mit den neuartigen genetischen Informationen bestückten Eizelle entwickelt, in die Gebärmutter einer Frau einzusetzen, damit der heranwachsende Embryo eine natürliche Entwicklungsmöglichkeit bis zur Geburt hat. Es ist vom technischen Fortschritt her betrachtet bei weitem noch nicht möglich, die natürliche Entwicklungsumgebung der Gebärmutter einer Frau unter Laborbedingungen derartig zu simulieren, dass die befruchtete Eizelle im Verlauf der Embryogenese und Organogenese ohne den Körper der Mutter zu einem lebensfähigern Säugling heranwachsen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der modernen Biomedizin und die damit verbundene Notwendigkeit, den Begriff der Würde der Person neu zu bestimmen.
2. Naturwissenschaftliche Grundlagen der modernen Biomedizin: Erläuterung der biologischen Prozesse wie In-vitro-Fertilisation, Klonen und Stammzellenforschung als Basis für den weiteren Diskurs.
3. Ethisches und moralisches Konfliktpotential der Embryonenforschung: Darstellung der ethischen Spannungsfelder, die durch die Verfügbarkeit über menschliche Embryonen entstehen.
4. Rechtliche Grundlagen der BRD und der Europäischen Union: Analyse der bestehenden gesetzlichen Regelungen, insbesondere des Embryonenschutzgesetzes und internationaler Konventionen.
5. Zum Begriff Würde der Person: Philosophische und rechtliche Herleitung des Begriffs der Menschenwürde und der Würde der Person als zentraler Maßstab.
6. Verschiedene ethische Argumentationsweisen: Systematische Darstellung unterschiedlicher Ansätze wie utilitaristischer oder kategorischer Ethik zur Bewertung biomedizinischer Verfahren.
7. Position der christlichen Kirchen zu Embryonenforschung und Biomedizin: Beleuchtung christlich-theologischer Perspektiven, die den Menschen in Beziehung zu Gott und seiner Schöpfung sehen.
8. Eigenständige moralische Position: Entwurf einer eigenen ethischen Urteilsbildung durch den Verfasser unter Berücksichtigung der zuvor diskutierten Argumente.
9. Zusammenfassung und Schlussbemerkung: Resümee der komplexen Fragestellung und abschließende Reflexion über die zukünftige Entwicklung der Biomedizin.
Schlüsselwörter
Embryonenforschung, moderne Biomedizin, Würde der Person, Menschenwürde, Klonen, Stammzellenforschung, In-vitro-Fertilisation, Bioethik, Embryonenschutzgesetz, kategorischer Imperativ, Utilitarismus, Gentherapie, Personenstatus, Gottesebenbildlichkeit, Ethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den ethischen Diskurs zum Umgang mit der modernen Biomedizin, mit besonderem Fokus auf die Embryonenforschung und die Frage, wie der Begriff der Würde der Person in diesem Kontext zu bestimmen und zu wahren ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die naturwissenschaftlichen Grundlagen (Klonen, Stammzellen), die rechtliche Lage in Deutschland und der EU sowie diverse philosophische und theologische Argumentationsmodelle zur ethischen Bewertung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aus einer ethischen Perspektive heraus zu untersuchen, ab wann dem Embryo ein Schutzstatus oder die Würde der Person zugesprochen werden kann und ob ein verantwortungsvoller Umgang mit biomedizinischen Möglichkeiten möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematische Analyse ethischer Argumentationsweisen (wie utilitaristische, pragmatische und kategorische Argumentation) sowie eine Untersuchung des aktuellen Rechtsstandes und theologischer Positionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die naturwissenschaftlichen Tatsachen, vergleicht internationale und nationale Rechtsgrundlagen und stellt die verschiedenen philosophischen Konzepte (z. B. Kant, Singer) gegenüber, um den Status des Embryos kritisch zu hinterfragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Menschenwürde, Embryonenforschung, Stammzellen, Klonen, Ethik, Personenstatus, Gentechnik und Rechtsgrundlagen.
Wie bewertet der Autor den Import von Stammzellen?
Der Autor hinterfragt den Import von Stammzellen aus dem Ausland kritisch, da er dies als inkonsequent zur hiesigen Gesetzeslage empfindet, die Forschung an Embryonen im Inland zum Schutz des Lebens verbietet.
Welche Bedeutung hat das "Instrumentalisierungsverbot" nach Kant für die Argumentation?
Es dient als moralischer Maßstab, um zu verdeutlichen, dass der Mensch – und laut Autor auch der Embryo – nicht bloß als Mittel zum Zweck, beispielsweise zur Heilung anderer, missbraucht werden darf.
Welche Rolle spielt der Begriff "Potentialität" im Text?
Er beschreibt das Argument, dass dem Embryo bereits Würde zukommt, weil er das Potential besitzt, sich zu einem eigenständigen Menschen mit Interessen und Bewusstsein zu entwickeln.
- Quote paper
- Martin Schranz (Author), 2004, Die Würde der Person. Ihre Bestimmung und Wahrung angesichts der Herausforderungen durch die moderne Biomedizin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45012