Verzeichnisse II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis V
1. Einleitung. 1
1.1 Motivation 1
1.2 Ziel der Diplomarbeit 1
1.3 Ablauf der Untersuchung. 2
2. Akteure des Fundraising 3
2.1 Gemeinwohlorientierte Organisationen des Nonprofit-Sektors 3
2.2 Steuerbegünstigte Körperschaften im Sinne des Steuerrechts 4
2.3 Wohlfahrtsverbände als Träger sozialer Einrichtungen und Leistungen. 6
3. Fundraising im Allgemeinen und im Einzelnen 9
3.1 Wesen des Fundraisings 9
3.2 Fundraising-Instrumente im Überblick. 11
3.3 Fundraising-Instrumente im Einzelnen 12
3.3.1 Spenden 13
3.3.2 (Sozio-)Sponsoring 16
3.3.3 Stiftungen. 18
3.3.4 Fördervereine. 21
3.3.5 Erbschaften 22
3.3.6 Bußgelder. 24
3.4 Nutzwertanalyse der Fundraising-Instrumente. 26
4. Steuerliche Behandlung im Allgemeinen und im Einzelnen. 29
4.1 Allgemeine Grundsätze der Mittelverwendung. 29
4.2 Steuerliche Behandlung des Fundraising-Aufwands. 31
4.3 Steuerliche Behandlung der Fundraising-Instrumente 33
4.3.1 Spenden 33
4.3.2 (Sozio-)Sponsoring 37
4.3.3 Stiftungen. 39
4.3.4 Fördervereine. 41
4.3.5 Erbschaften 42
4.3.6. Bußgelder. 44
5. Ökonomische Analyse unterschiedlicher Fundraising-Instrumente. 46
5.1 Allgemeiner Untersuchungsverlauf 46
5.2 Analyse einiger Fragestellungen 46
5.2.1 Steuerwirkungen durch Zuwendungen 46
5.2.2 Gestaltung des Sponsorings. 49
5.2.3 Direkte oder indirekte Erbschaftszuwendung. 50
6. Fazit Ausblick. 52
Literaturverzeichnis 53
ANHANG 60
Anhangverzeichnis 60
Verzeichnisse III
Abkürzungsverzeichnis
Abl. Abs.
AE AEAO AO Aufl. BAG FW BewG BFH
BGB BMF bspw. bzw. d.h. DM Deutsche Mark
EStDV EStG EStR ESt-Satz Einkommensteuersatz evtl. eventuell
Verzeichnisse
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Strukturbesonderheiten von NPOs
Abbildung 2: Verteilung der Rechtsformen, in Prozent
Abbildung 3: Einkommensphären einer Organisation
Abbildung 4: Einnahmequellen des Nonprofit Sektors im Vergleich.
Abbildung 5: Spenderpyramide.
Abbildung 6: Fundraising-Instrumente nach Zielgruppe
Abbildung 7: Arten von Spenden
Abbildung 8: Entwicklung der Spendenzwecke, in Prozent
Abbildung 9: Entwicklung des Anteils der Spender in der Bevölkerung.
Abbildung 10: Ziele Benefits beim Sponsoringnehmer
Abbildung 11: Erscheinungsformen des Sponsoring aus Sicht der Sponsoren.
Abbildung 12: Soziosponsoring im Vergleich zu anderen Sponsoringarten.
Abbildung 13: Möglichkeiten von Stiftungen
Abbildung 14: Schwerpunkte der Stiftungszwecke.
Abbildung 15: Begünstigung nach Spendenzweck
Abbildung 16: Transformation der Merkmale.
Abbildung 17: Teilnutzen und Gesamtnutzen
Abbildung 18: Möglichkeiten des Sponsorings.
Abbildung 19: Steuerbegünstigungen für die Organisation und Dritte
Abbildung 20: Gesamtstatistik 2000 der BAG FW.
Abbildung 21: Finanzdaten der 187 Spenden-Siegel-Organisationen.
Abbildung 22: Inflationsbereinigte Indexwerte.
Abbildung 23: Formen der Unternehmensförderung
Abbildung 24: Zusammenfassung FR-Instrumente 1-3
Abbildung 25: Zusammenfassung FR-Instrumente 4-6
Abbildung 26: Parameter-Tableau, "Fragestellung 1"
Abbildung 27: Berechnungsschema, "Fragestellung 1"
Abbildung 28: Ergebnisbereich, "Fragestellung 1"
Abbildung 29: Parameter-Tableau für "§ 32a Abs. 2 EStG"-Unterscheidung
Abbildung 30: Verlauf des Steueranteils mit § 32a Abs. 2 EStG.
Abbildung 31: Verlauf des Steueranteils ohne § 32a Abs. 2 EStG
Abbildung 32: Parameter-Tableau "Steuersätze"
Abbildung 33: Diagramm "Durchschnitts-Steuersätze"
Abbildung 34: Parameter-Tableau, Spendenzwecke
Verzeichnisse
Abbildung 35: Verlauf des Steueranteils, gemeinnützige Zwecke.
Abbildung 36: Verlauf des Steueranteils, mildtätige Zwecke
Abbildung 37: Verlauf des Steueranteils, Stiftungszuwendung bzw. Vermögensstock
Abbildung 38: Parameter-Tableau, Spendenhöhe
Abbildung 39: Verlauf des Steueranteils, Spende: 500 Euro
Abbildung 40: Verlauf des Steueranteils, Spende: 1000 Euro
Abbildung 41: Verlauf des Steueranteils, Spende: 3000 Euro
Abbildung 42: Verlauf des Steueranteils, Spende: 7000 Euro
Abbildung 43: Parameter-Tableau, Veränderung des Steueranteils.
Abbildung 44: Erweiterung der Berechnungstabelle.
Abbildung 45: Verlauf des Steueranteils.
Abbildung 46: Veränderung des Steueranteils
Abbildung 47: Parameter-Tableau, Kleinspende.
Abbildung 48: Verlauf des Steueranteils, Kleinspende.
Abbildung 49: Ergebnisbereich, Kleinspende
Abbildung 50: Lösungsschema für die zweite Fragestellung 2.
Abbildung 51: Ergebnisse der Steuerwirkungen
Abbildung 52: Gewinn aus Sponsoring, Fall 1.
Abbildung 53: Gewinn aus Sponsoring, Fall 3.
Abbildung 54: Gewinn aus Sponsoring, Fall 2
Fundraising-Instrumente unter steuerlichen und ökonomischen Aspekten 1
1. Einleitung
1.1 Motivation
Unter den Nachrichten über die verheerende Tsunami-Katastrophe in Südasien und die
damit verbundenden Hilfsaktionen 1 gibt es Nachrichten, die das Thema der vorliegenden Arbeit tangieren. Einerseits wird dort von einem einmaligen Spendenrekord in
Deutschland 2 berichtet, andererseits von Schwierigkeiten in Wohlfahrtseinrichtungen 3 . Selbst Insolvenzen bei gemeinnützigen Organisationen werden an anderer Stelle er-
wähnt. 4 Katastrophen und damit einhergehende Spendenaktionen führen mitunter bei denjenigen Organisationen zu Spendeneinbrüchen, die in der Katastrophenhilfe nicht
involviert werden. 5
Etliche größere Nonprofit Organisationen (NPO) 6 bedienen sich des Konzepts des Fundraisings, um Einnahmen zu generieren. Jedoch sind diese Organisationen, soweit sie im steuerrechtlichen Sinne steuerbegünstigt sind, an das Gemeinnützigkeitsrecht gebunden. Das Gemeinnützigkeitsrecht kann einerseits in diesem Bereich durch Steuerermäßigungen positive Akzente setzen, gleichzeitig müssen jedoch die Organisationen die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen beachten.
1.2 Ziel der Diplomarbeit
Das Ziel dieser Diplomarbeit ist es unter den Gesichtspunkten des Fundraisings sowohl die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen bei einer Organisation, als auch beim Geber darzustellen. Zudem werden die Steuerwirkungen einzelner Fundraising-Instrumente analysiert, um ggf. Empfehlungen zu geben, unter welchen Umständen ein Fundraising-Instrument besonders vorteilhaft ist. Damit können die Organisationen in die Lage versetzt werden, besser und zielgerichteter um finanzielle Mittel zu werben.
1 Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Diplomarbeit wurde am 26.12.2004 durch ein Seebeben und eine nachfolgende Tsunami-Welle Südasien, insbesondere Indonesien und Sri Lanka, von einer bisher einmaligen Katastrophe heimgesucht, die zahlreichen Menschen das Leben kostete. Damit einher ging eine mediale Präsenz, die für etliche Spendenaktionen sorgte.
2 Pressemitteilung des DZI: „Bereits mehr als 330 Millionen Euro Spenden für Südasien!“ im Internet am 07.01.2005; ebenso Müllerleile/Sornek, 2005, S. 1
3 Nachricht: „Viele Wohlfahrtseinrichtungen schreiben rote Zahlen“ im Internet am 17.01.2005
4 Neuhoff, 2003, S. 419-427
5 Müllerleile, 2004a, S. 5;
6 Urselmann, 2002, geht von 2500 überregional sammelnden NPOs aus (S. 29).
Fundraising-Instrumente unter steuerlichen und ökonomischen Aspekten 2
1.3 Ablauf der Untersuchung
Im nachfolgenden Kapitel werden die zu untersuchenden Organisationen abgegrenzt, indem NPOs und steuerbegünstigte Körperschaften miteinander in Bezug gesetzt werden. Weiterhin wird im gleichen Kapitel der Blick auf sozial-karitative Einrichtungen gelenkt, hier am Beispiel der Wohlfahrtsverbände, um die Aufgaben, den Umfang dieses Sektors und die Finanzierung zu betrachten.
Das dritte Kapitel behandelt schwerpunktmäßig das Fundraising. Beginnend mit einem allgemeinen Teil, der insbesondere das Fundraising mit seinen unterschiedlichen Definitionen in der Literatur und in der Praxis beleuchtet, werden die einzelnen Fundraising-Instrumente unter (Sozial-)Marketing-Gesichtspunkten erläutert. Betrachtet werden Spenden, Sponsoring, Erbschaften, Stiftungen, Fördervereine und Bußgelder. Eine abschließende Nutzwertanalyse mit den Ergebnissen aus der Marketingansicht leitet über zur steuerrechtlichen Behandlung, die im vierten Kapitel neben allgemeinen Pflichten für die Organisation auf die Aufwendungen des FR eingeht, als auch natürlich auf die steuerrechtliche Behandlung der Fundraising-Instrumente. Im fünften Kapitel werden anhand von Steuerwirkungsrechnungen Rückschlüsse auf mögliche steuerliche Anreize gezogen. Das letzte Kapitel dient einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Ausblick auf mögliche Konsequenzen der Ergebnisse.
Fundraising-Instrumente unter steuerlichen und ökonomischen Aspekten 3
2. Akteure des Fundraising
2.1 Gemeinwohlorientierte Organisationen des Nonprofit-Sektors
Gemeinwohlorientierte Organisationen oder Vereinigungen gibt es bekanntlich viele. Angefangen vom lokalen Sportverein bis hin zu überregional tätigen Wohlfahrtsverbände oder internationalen Hilfsorganisationen. Sie alle haben gemein, dass sie in Wissenschaft und Literatur als Nonprofit Organisation (NPO) bezeichnet werden. Mit diesem Begriff wird ausgedrückt, dass bei diesen Organisationen nicht in erster Linie Gewinnerzielung im Vordergrund steht, sondern vielmehr die Verwirklichung ideeller Ziele. Weitere Besonderheiten gegenüber gewinnorientierten Unternehmen liegen in der Finanzierung und Mitarbeiterstruktur, wie die nachfolgende Abbildung zeigt:
Abbildung 1: Strukturbesonderheiten von NPOs 7
In der sogenannten NPO-Forschung und Literatur lassen sich zwei Sichtweisen feststellen. Zum einen eine sozialwissenschaftlich, finanz- und volkswirtschaftlich geprägte,
die die NPO und ihre (Makro-)Umwelt betrachten 8 und zum anderen jene Literatur, die die NPO aus betriebswirtschaftlicher Sicht betrachtet 9 . Dieser Richtung sind die Mehrzahl der Management-Bücher zuzuordnen, die betriebswirtschaftliche Methoden aus den gewinnorientierten Unternehmen auf die gemeinwohlorientierten Unternehmen übertragen.
Zur Größe des NPO-Sektors lassen sich keine detaillierten Angaben machen. Es gibt keine offizielle Statistik, weswegen vielfach von Schätzungen ausgegangen werden
7 Nährlich/Zimmer, 2000, S. 11
8 Badelt, 1999, S. 14-16; sowie weitere Quellen, die sich den Fragen widmen, welche volkswirtschaftliche Bedeutung der NPO-Sektor hat oder welche Motive einer Organisationsgründung vorangehen, z. B. auch die Johns Hopkins Studie, die an verschiedenen Stellen genannt wird, hierzu bspw. Anheier/Seibel, 1999; Salamon, 1999
9 Badelt, 1999, S. 13; Nährlich, 1998, S. 58; sowie weitere Quellen, insbesondere ist hierbei der Bereich der Fundraising-Literatur zu nennen
Fundraising-Instrumente unter steuerlichen und ökonomischen Aspekten 4
muss. 10 Einerseits werden 14.000 bis 80.000 um Spenden werbende Institutionen genannt, 11 andererseits zählt eine Erhebung aus dem Jahr 2001 544.701 eingetragene Vereine gezählt wurden 12 .
Bezüglich der Verteilung der Rechtsformen bei NPO gibt es daher auch nur Schätzungen, wie die nachfolgende Abbildung zeigt.
Abbildung 2: Verteilung der Rechtsformen, in Prozent
Für die vorliegende Untersuchung ist die Rechtsform, soweit nicht explizit genannt, irrelevant. Wird bspw. von einer Satzung gesprochen, so ist ebenfalls eine Gesell-schaftsverfassung gemeint. 16
Eine thematische Klassifizierung der NPOs ist ebenfalls uneinheitlich. 17 Die bereits genannte Johns Hopkins Studie unterteilt die NPOs in 12 Gruppen. Hiervon werden die
Gruppen 3 („Gesundheit“) und 4 („Soziale Dienste“) an späterer Stelle genannt. 18
2.2 Steuerbegünstigte Körperschaften im Sinne des Steuerrechts
Betrachtet man die NPOs aus steuerrechtlicher Sicht, so liegen dann steuerbegünstigte Körperschaften vor, wenn sie die Voraussetzungen gemäß §§ 51 bis 68 AO erfüllen. Ihrem Zweck nach sind die Körperschaften in gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Körperschaften einzuordnen. Umgangssprachlich wird die steuerbegünstigte Körperschaft als gemeinnützig (im weiteren Sinne) bezeichnet. Zu den Definitionen der Gemeinnützigkeit (im engeren Sinne), der Mildtätigkeit und der kirchlichen Zweckverfol-
10 Urselmann,2002, S. 28
11 Urselmann, 2002, S. 29; Haibach/Müllerleile, 2002, S. 130; Schneider, 1995, S. 625
12 Haibach/Müllerleile, 2002, S. 130
13 Müller, 2003, S. 1; Das Johns Hopkins Comparative Nonprofit Sector Projekt (Johns Hopkins Studie) befasst sich mit dem NPO-Sektor und vergleicht diesen international und langzeitig anhand diverser Eigenheiten.
14 DZI, 2004, S. 247
15 Unberücksichtigt bleiben alle nichtrechtsfähigen Vereine, so dass der Anteil der Vereine, sowohl der rechtsfähigen, als auch der nichtrechtsfähigen Vereine, bedeutend höher ist. Besonders im Hinblick auf Deutschland trifft vor dem Hintergrund der Vielzahl von Vereinen die Annahme wohl zu, dass dieser „Vereinsmeierei“ ein biederes Image anhaftet (vgl. Scheibe-Jäger, 1998, S. 99f).
16 vgl. Buchna, 2002, S. 177
17 z. B. Urselmann, 2002, S. 31; Haibach/Müllerleile, 2002, S. 130
18 Salamon, 1999, S. 43
Fundraising-Instrumente unter steuerlichen und ökonomischen Aspekten 5
gung geben § 52 AO, § 53 AO und § 54 AO Aufschluss, ebenso der Anwendungserlass
zur Abgabenordnung (AEAO) 19 .
Gemeinnützigkeit im Sinne des § 52 AO ist demnach gegeben, wenn eine Förderung der Allgemeinheit stattfindet. Diese Förderung kann auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet geschehen. Demgegenüber bedeutet Mildtätigkeit die Förderung von hilfebedürftigen Personen. § 53 AO gibt hierüber Aufschluss und stellt die Voraussetzungen dar.
Gemäß § 54 AO verfolgt eine Körperschaft „kirchliche Zwecke, wenn ihre Tätigkeit
darauf gerichtet ist, eine Religonsgemeinschaft [...] selbstlos zu fördern“. 20 Der Begriff der Körperschaft ist dem KStG entnommen. Welche Organisationen hierunter fallen ist in § 1 Abs. 1 KStG kodifiziert. Dies können demnach jene Rechtsformen sein, die in Abbildung 2 genannt sind und weitere unter § 1 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 6 KStG aufgeführte. Soweit sie ihren Sitz oder ihre Geschäftsleitung im Inland haben, sind sie grundsätzlich unbeschränkt steuerpflichtig und können ggf. den Status einer steuerbegünstigten Körperschaft in Anspruch nehmen.
Steuerbegünstigt im Sinne der AO sind Körperschaften, wenn sie ausschließlich (§ 56 AO) und unmittelbar (§ 57 AO) ihre tatsächliche Geschäftsführung entsprechend ihrer Satzung ausüben und o. g. Zwecke selbstlos (§ 55 AO) verfolgen. Die Satzung muss demnach die steuerbegünstigten Zwecke, welche die Körperschaft verfolgt, nennen, und sie muss gem. § 60 AO geeignet sein zu überprüfen, inwieweit die Zweckverfolgung
auch tatsächlich durchgeführt wird. 21
Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass die Voraussetzungen einer Steuerbegünstigung erfüllt sind. Ferner werden die Begriffe „steuerbegünstigte Körperschaft“ und „Nonprofit Organisation“ synonym verwendet.
Die Einnahmen einer Organisation lassen sich vier Einkommensphären zuordnen. Die folgende Abbildung stellt diese Bereiche kurz vor.
19 BMF-Schreiben vom 10.09.2002
20 § 54 Abs. 1 AO
21 Buchna, 2003, S. 179-183; Auf weitere Satzungsanforderungen wird in Kapitel 4 eingegangen.
Fundraising-Instrumente unter steuerlichen und ökonomischen Aspekten 6
Abbildung 3: Einkommensphären einer Organisation 22
Die zahlreichen Steuerbegünstigungen aus Sicht der Organisation und des Unterstützers sind dem Anhang 1 zu entnehmen. Weitere steuerrechtliche Eigenheiten, insbesondere bzgl. der Höchstbeträge der Spende und bzgl. von Stiftungszuwendungen werden in Kapitel 4 näher erläutert.
2.3 Wohlfahrtsverbände als Träger sozialer Einrichtungen und Leistungen
In den folgenden Kapiteln werden die zu betrachtenden Fundraising-Instrumente auf soziale Organisationen bezogen. Zur besseren Veranschaulichung geschieht daher an dieser Stelle ein thematischer Exkurs, der sich mit den Aufgaben, den Finanzen und dem Umfang von Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände beschäftigt. Die Aufgaben der Verbände, die sich in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien
Wohlfahrtspflege (BAG FW) 23 zusammengeschlossen haben, decken den gesamten sozialen Bereich ab. Sie reichen von Angeboten für Kinder und Jugendliche bis hin zur
weltweiten Not- und Katastrophenhilfe. 24 Gemeinnützigkeitsrechtlich betrachtet können aufgrund der Vielfältigkeit der Aufgaben demnach unterschiedliche Zwecke 25 vorlie-
22 Schauhoff,2000b, S. 260f; Wotschofsky/Mairock, 2003, S. 15-22; Buchna, 2002, S. 203
23 Joisten, 2002, S. 172-174; Becker, 1986, S. 263-268: In der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAG FW) sind die Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Deutsche Caritasverband (DCV), der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (DER PARITÄTISCHE), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das Diakonische Werk (DW der EKD) und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) zusammengeschlossen.
24 Joisten, 2002, S. 174
25 Beispiele: Mildtätige Zweckverfolgung liegt bei dem Betreiben eines Pflegeheims vor. Gemeinnützige Zwecke werden regelmäßig bei den Angeboten für Kinder und Jugendlichen (Ferienmaßnahmen) anzu- nehmen sein.
Fundraising-Instrumente unter steuerlichen und ökonomischen Aspekten 7
gen, so dass im Einzelfall diesbezüglich eine einzelfallbezogene Zuordnung vorzuneh-
men ist. 26
Entsprechend der Gesamtstatistik 2000 27 sind dort über 1,1 Millionen Menschen beschäftigt, was etwa der Beschäftigung in den vier größten (gewinnorientierten) Unter-
nehmen entspricht. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt entspricht 2%. 28 Unberücksichtigt bleiben hierbei die geschätzten weiteren 1,5 bis 3 Millionen ehrenamtlichen Hel-
fer. 29
Zur Erfüllung ihrer Aufgaben finanzieren sich die Wohlfahrtsverbände über Leistungs-entgelte, öffentliche Zuwendungen und Eigenmittel. 30 Um die Finanzierungsmöglichkeiten etwas plastischer zu beschreiben, zeigt die nachfolgende Abbildung mit Ergebnissen aus der Johns Hopkins Studie, wie die Bereiche „Gesundheitswesen“ und „Soziale Dienste“ in Deutschland (früheres Bundesgebiet) und im Acht-Länder-Durchschnitt (Frankreich, Großbritannien, Italien, Schweden, Ungarn, Japan, USA, Deutschland)
finanziert werden. 31
Abbildung 4: Einnahmequellen des Nonprofit Sektors im Vergleich 35
26 U. a. versucht Kröger, 1990 für diese Abgrenzungsproblematik zu sensibilisieren. Er rät den Wohlfahrtsverbänden ihre Tätigkeiten steuerrechtlich entsprechend abzugrenzen, die Tätigkeitsbereiche in der Satzung aufzunehmen und im Zweifel mit dem zuständigen Finanzamt Rücksprache zu nehmen. (S. 79ff)
27 Jahresbericht der BAG FW, 2000, S. 11, siehe Anhang 2
28 Ottnad, 2000, S. 473
29 Joisten, 2002 (S. 174) erwähnt 2,5 - 3 Mio. Ehrenamtlichen, bei Ottnad, 2000 (S. 473) sind es 1,8 Mio. und Becker, 1986 (S. 262) schätzt die Zahl der Ehrenamtlichen auf 1,5 Mio..
30 Leistungsentgelte werden vor allem in den Bereichen der stationären Einrichtungen (z. B. Altenheime, Kinderheime) von den Betroffenen selbst oder ihren Leistungsträgern (z. B. Pflegekassen, öffentliche Träger) entrichtet. Öffentliche Zuwendungen sind Gelder, die nicht auf gesetzlichen Vorschriften beruhen, die insbesondere innovative Projekte fördern. In den Bereich der Eigenmittel fallen private Zuwendungen (z. B. Spenden und Erbschaften), Erträge aus Stiftungen, Sammlungen, Einnahmen aus Lotterien und Kirchensteuermittel, soweit es sich um kirchliche Verbände handelt. (Bock, 1999, S. 19f; Joisten, 2002, S. 176f; Isphording, 1986, S. 499-501)
31 Anheier, 1997, S. 67f
32 Projektförderung, Institutionelle Förderung, Kostenerstattungen; vgl. Anheier, 1997, S. 54.
33 Zuwendungen von Einzelpersonen, Unternehmen und Stiftungen; vgl. Anheier, 1997, S. 54.
34 Gebühren, Verkaufserlöse, Kapital-/Zinseinkünfte, Sonstige Erlöse; vgl. Anheier, 1997, S. 54.
35 Daten aus Anheier, 1997, S. 68
Fundraising-Instrumente unter steuerlichen und ökonomischen Aspekten 8
Es fällt auf, dass im Ausland viel stärker private Gelder in die aufgeführten Bereiche 36 fließen und, dass in Deutschland noch in sehr starkem Maße die öffentliche Finanzie-
rung im Vordergrund steht. 37
Durch die Abhängigkeit von öffentlichen Mitteln besteht nicht nur die Gefahr, dass in Zeiten leerer Staatskassen die Aufgaben der Wohlfahrtsverbände vermindert werden müssen oder sich Leistungsträger und Wohlfahrtsverbände nicht mehr als Partner, sondern als Kontrahenten gegenüberstehen, was eine Zusammenarbeit erschweren würde. Auch können sich durch die öffentliche Finanzierung mögliche Einschränkungen bei
der Autonomie der Wohlfahrtsverbände ergeben. 38 Daher scheint es angebracht, dass sich die Wohlfahrtsverbände mit dem Konzept des Fundraisings auseinandersetzen, um Gelder aus dem privaten Bereich einzuwerben.
36 Salamon, 1999, S. 18-22; Betrachtet man andere Bereiche des Nonprofit Sektors so sind die Unterschiede nicht ganz so augenscheinlich, eine besondere Stellung nimmt die öffentliche Finanzierung aber weiterhin ein (vgl. Salamon, 1999, S. 24 oder Anheier, 1997, S. 68).
37 Salamon, 1999, S. 22: Salamon begründet dieses „Primat sozialer Dienste“ in Deutschland mit den Einflüssen der katholischen und evangelischen Bewegungen in der Tradition des Sozialstaates. Das Subsidiaritätsprinzip der kirchlichen Soziallehre und die Forderungen der Arbeiterbewegungen haben das derzeitige Sozialsystem gestaltet.
38 Bock, 1999, S. 20
Fundraising-Instrumente unter steuerlichen und ökonomischen Aspekten 9
3. Fundraising im Allgemeinen und im Einzelnen
3.1 Wesen des Fundraisings
Das Gabler Wirtschaftslexikon weist folgende Definition auf: „Fundraising, Spendenmarketing, Mittelbeschaffung, Kapitalbeschaffung; aus dem Englischen stammender Begriff der Kapitalbeschaffung (Fund = Kapital; to raise = aufbringen, beschaffen). Generell versteht man unter F. eine systematische und professionelle, auf Marketingprinzipien basierende Einwerbung von finanziellen Ressourcen, für die häufig keine marktadäquate Gegenleistung abgegeben werden kann. [...] Diese Form der Mittelbeschaffung richtet sich potenziell an eine Vielzahl von Förderern (Staat, Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen), die mit unterschiedlichen F.-Methoden angesprochen werden
können.“ 39
Im Grunde ist diese Definition sehr aussagefähig und trifft in fast allen Punkten die gängige Literaturmeinung. Gleichwohl existieren in der Literatur unterschiedliche Definitionen. Die Autoren variieren ihre Definitionen entsprechend ihrer Ausrichtung. Luthe betreibt in seinem Buch diesbezüglich exegetische Analysen. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, dass Fundraising beschaffungs-, transaktions- und interaktionsorientiert sein
kann. 40 Der letztgenannten Orientierung ordnet er seine Sicht des Fundraisings zu. 41 Dabei berücksichtigt er den Tauschvorgang zwischen der Organisation als Empfänger von Ressourcen und dem Geber. Die für ihn daraus folgende Konsequenz führt zu einer Kommunikationsaufgabe des Fundraisings, die „ein Kernbestandteil des Managements
von Nonprofit-Organisationen“ 42 ist. Neben dem Fundraising bilden Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und die interne Kommunikation (Mitarbeiter, Entscheidungsträger) eine integrierte Kommunikation für „den Aufbau und die Pflege von konstruktiven Bezie-
hungen zu ihren jeweils relevanten Adressaten“ 43 .
Neben inhaltlich-weiten Definitionen, bei denen nicht nur finanzielle Ressourcen beschafft werden sollen, existieren auch sehr enge Definitionen, die Spendenwerbung und Fundraising synonym verwenden.
• „Fundraising ist der Oberbegriff für alle Formen der Mittelbeschaffung, inklusive Sponsoring.“ 44
39 Alisch/Achleitner, 2004, S. 1123
40 Luthe, 1997, S. 17-26
41 Luthe, 1997, S. 34; ebenso Luthe, 1994, S. 58f
42 Luthe, 2002, S. 88
43 Luthe, 2002, S. 88
44 Bortoluzzi Dubach, 2002, S. 16
Fundraising-Instrumente unter steuerlichen und ökonomischen Aspekten 10
• „Unter Fundraising soll derjenige Teil des Beschaffungsmarketing einer
Nonprofit-Organisation verstanden werden, bei dem die benötigten Ressourcen
ohne markt-adäquate materielle Gegenleistung beschafft werden.“ 45 An anderer Stelle schließt der Autor das Sponsoring explizit aus. 46 • „Fundraising stellt die Sinnhaftigkeit der Organisation, ihre Ziele und Aufgaben
sowie ihre aktuellen Projekte grundlegend nach außen dar. Es gilt, „Tausende von Menschen für den guten Zweck zu begeistern“. Erst danach geht es um
Geld.“ 47
Zusammenfassend und als Ausgangspunkt für die weitere Herangehensweise ist Fundraising mehr als bloße Spendenwerbung. Es berücksichtigt beziehungsorientierte Kommunikationsaufgaben zum Zwecke der Ressourcenbeschaffung, nicht nur finanzieller Art.
Einseitige Spendenwerbung zielt auf die Spendengelder, Fundraising aber hat den Spender als Geber und als Multiplikator im Blick. Diesbezüglich lässt sich ein Paradig-
menwechsel in den NPOs feststellen. 48 In diesem Zusammenhang sprechen einige Autoren von „Friendraising“ 49 , was anhand der nachfolgenden Abbildung leicht nachzuvollziehen ist.
Die Spenderpyramide 50 zeigt einige Anspruchsgruppen der Organisation. Mit Hilfe des Fundraisings wird mit diesen individuell kommuniziert. Die Anspruchsgruppen sind nicht nur Spender, sondern auch Multiplikatoren des ideellen Organisationszweckes.
45 Urselmann, 2002, S. 21
46 Urselmann, 2002, S. 18-20
47 Wallmeyer, 2002, S. 84
48 Schulz, 2002, S. 250-252
49 Luthe, 2002, S. 92; Fabisch, 2002, S. 258
50 z. B. Fabisch, 2002, S. 108; Luthe, 2002, S. 92; Die Spenderpyramide ist Bestandteil jeglicher Fundrai- sing-Literatur.
Arbeit zitieren:
Armin Hesse, 2005, Steuerliche Behandlung und ökonomische Analyse von Fundraising-Instrumenten in steuerbegünstigten Körperschaften, München, GRIN Verlag GmbH
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