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b e find et sic h a m rec hte n Bild ra nd d a s a ng e sc hnittene Mo tiv e ine s Tisc he s, d essen ro tes Tuc h zusa m m en m it d em Bla u d es Kleid e s d ie a nsonsten rec ht ne utra l g e ha ltene Fa rb g eb ung d ieses Bild e s d urc hb ric ht. Auf d em Tisc h ste he n eine Ka ffeeta sse m it einem se nkrec ht a ufg e ric hteten Lö ffe l und e ine zylind risc he Ka ffeeka nne. Sow ohl d ie Ta sse a ls a uc h d ie Ka nne heb en sic h m it ihrer we iß-silb rig en Fa rb g e b ung p rä g na nt vo n d em rote n Tisc htuc h a b . Am linke n Bild ra nd sieht m a n d a s Fra g m ent e ine r g eb lüm ten Ta p ete , d eren we iß-ro sé g eha ltene Blum e no rna m entik d a s helle Kolorit d e s Ka ffeeg esc hirrs wied erholt.
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Auffä llig a n d e r Bild kom p ositio n ist d e r a ng esc hnittene b zw. ka um a kzentuie rte Vo rd e rg rund . Die unte re Beg renzung d es Bild ra um es b efind e t sic h in Kniehöhe d e r Fra u; d er Blic k d es Be tra c hters wird som it sofo rt in d ie Bild m itte g e lenkt, w o e r a uf d ie im Sc hoß ruhend e n Hä nd e d e r a b g e b ild ete n Fra u trifft, b ei d er e s sic h um Céza nne s Ha ushä lterin ha nd e lt. 1
Da ss d a s Motiv wa hrsc he inlic h eine na c hm ittä g lic he Ka ffee p a use und nic ht um d en Morg enka ffee m e int, leite t sic h zum e ine n a us d e n fehlend e n Essw a re n a b , zum a nd e ren a us d er Lic htführung : Da so wo hl d ie La nd a rb eit a ls a uc h eine ha usw irtsc ha ftlic he Tä tig keit in d er Reg e l kö rp e rlic h a nstre ng end e Betä tig ung e n sind , ist es zie mlic h wa hrsc he inlic h, d a ss d era rtig e Arb eite n nic ht ohne e in Frühstüc k b e g onnen w erd en. Do c h d ie nötig en Zuta ten hierfür sind nic ht a b g e b ild et. Die Arb eit a uf d e m La nd e b eg innt g e wo hnheitsm ä ßig se hr früh a m Morg en, d a s heißt zu Ze iten, a n d e ne n m a n o hne Kunstlic ht noc h nic ht a uskom m t. Kunstlic ht, insb esond ere d a s zu Céza nne s Ze it b enutzte Kerze nlic ht, ist me ist g e lb stic hig , wa s von se ine r nied rig en Lux-Za hl ze ug t. Doc h d a s Lic ht, d a s offensic htlic h von e inem Fe nste r a uf d e r linke n Seite kom m t und sic h in d er Ka ffe eka nne sp ieg e lt, ist helles Ta g e slic ht.
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Stille, Selb stversunkenheit, e in reg ung sloses Verha rre n in einer zeitenthob e ne n Ruhe sind d ie p rim ä ren Me rkm a le d ie se s Bild es, w elc hes d ie Ha ushä lte rin Céza nne s b e i einer Ka ffeep a use zeig t. Die g roße n Hä nd e une ntsc hlo sse n im Sc ho ß ha ltend , ist d ie se Fig ur in e ine Ap a thie versunken, d ie es ihr unm ö g lic h m a c ht, zu d e r Ta sse zu g reife n. Auc h d er senkre c ht in d er Ta sse ste he nd e Löffel sc he int sic h nic ht entsc heid en zu kö nnen, in we lc he Ric htung e r fa llen soll.
Die Zeit sc heint stillzuste he n, d er Aug enb lic k fe stg efrore n. Die sen Eind ruc k vermitteln sow ohl d e r unterb ro c hene Be we g ung sa b la uf d e s fa lle nd en Löffels a ls a uc h d ie ersta rrte Po se d er Ha ushä lterin, d ie na c h Düc hting „ e ig entüm lic h le b ensfe rn“ 2 a nm utet.
1 vg l.: Düc hting 1989, S. 164
2 eb d .,S. 164
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Hinwe ise a uf d ie Kontinuitä t d es Zeitflusses sind in d iesem Bild nic ht vorha nd en, d e sha lb erzä hlt es keine G esc hic hte im Sinne e ine s Entwic klung sp rozesses vo m „ Vo rher“ zum „ Na c hher“ , d e n es d urc ha us g e g eb e n ha b e n m uss. Sic her g a b e s d ie se s „ Vorher“ , d en Mom ent, a ls d er nic ht sic htb a re Stuhl zure c htg erüc kt wurd e und d ie Ha ushä lterin Pla tz na hm . Se lb stverstä nd lic h wird es a uc h d e n Aug enb lic k g e g eb en ha b e n, in d e m d e r Löffel in d ie Ta sse g e stellt word en ist. Do c h d ie sta rre, jed en Ansa tz von Be we g ung sim p ulsen a ussp a re nd e Da rstellung sw eise m a c ht so wo hl d ie Antizip a tion d e r folg e nd en Mo me nte a ls a uc h d ie Retrosp e ktive unm ög lic h.
Ze it im p lizie rt d ie Anna hm e von Bew eg ung - o d er, um es a nd e rs a uszud rüc ke n: Ohne e in Ze ic he n von Be we g ung ka nn m a n nic ht a uf Ze ita b lä ufe sc hließe n. So sc hild ert Céza nne sc hild ert in d em Bild : /DIHPPHjODFDIHWLqUH eine n Mom e nt Ze it enthob e ner Stille, ein e xklusives Verha rren im Hier und Je tzt - d en Aug e nb lic k e ine r om nip rä se nten Ge g enwa rt, d ie sic h w eig e rt, Zukunft zu w erd en, d a keinerlei Anze ic hen e ine s wie a uc h im m er g e a rtete n Ha nd lung sverla ufes in d iese Ric htung we isen. Cé za nne stellt in d ie sem Bild d en isolie rten Aug enb lic k, som it Ze itlo sig keit im a risto telisc hen Sinne zur Disp osition. 3
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Die b ild end e Kunst sc he int na c h Bo ehm Ze it und Zeitlic hkeit p e r se a uszusc hließen: Die Le inwa nd , d er So c ke l und d e r Bo d en sind „ d ie sta b ilen O rte d e r, so sc heint es, we sensg em ä ß b ew eg ung sfre m d en Bild nerei.“ 4 Diese Anna hm e g e ht we sentlic h a uf Le ssing (1729-1781) zurüc k, d e r 1766 in „ La oko on o d er üb er d ie Grenze n d er Ma le rei und Poe sie “ e ine n Verg leic h d er Da rstellung strä g e r und nic ht d er Med ie n vorg enom m en ha tte:
„ Le inw a nd , Bronze od e r Stein, d ie m a terie llen Sub stra te d er b ild e nd en Kunst, sind rä um lic h und von sic h he r unb ew eg t, Sp ra c he und To n d a g eg e n ze itlic h und b ew eg t...Der Kla ng d es Wo rte s will zeitlic h rea lisie rt w erd en: g e sp roc he n, g esp ielt, d a rg este llt; a uc h b ei d er Musik g ehen w ir hörend m it, w ä hrend Bild e r ohne e ine solc he offene ze itlic he Pe rsp ektive e ine led ig lic h ind irekte tem p o ra le Rea lisierung erla ub e n.“ 5
3 vg l.: Aristoteles 1978, S. 208
4 Boehm 1987, S. 2
5 eb d ., S. 6
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In d er Bild -Zeit g erinnt d e r flüc htig e Mom e nt zur Ew ig keit; im Bild -Ra um m a nife stie rt sic h d ie Id ee d er Unend lic hke it. Einer Une nd lic hkeit, interp retie rb a r im Sinne eines im m erw ä hrend e n, unve rä nd e rlic hen Se ins: Der Bild -Ra um wa r nic ht und wird a uc h nic ht sein; er ist. Er d e hnt sic h nic ht a us und zieht sic h nic ht zusa m m en. Er ist ein vollend e tes, p e rfe ktes Geb ild e. Ab g e sc hlossen in seinem Entstehung sp rozeß, tro tzt e r jed er we itere n Verä nd erung ; e r ist und b leib t. In d ie se m Sinne sind g em a lte Bild er na c h Be rg e r sta tisc h:
„ Die einzig a rtig e Erfa hrung b e im Betra c hten e ine s Bild es - üb er m e hre re Ta g e o d er Ja hre hin - ist, d a ß inm itten d e s stä nd ig e n Wec hsels d a s Bild unverä nd erlic h b leib t. Na türlic h ka nn sic h d ie Bed e utung e ine s Bild es a ufg rund historisc he r o d er p ersönlic he r Entw ic klung en ä nd e rn, a b e r d a s Ge m a lte verä nd e rt sic h nic ht: d ie g leic he Milc h flie ßt a us d em g leic hen Krug , d ie Me ereswe lle n ha b en ununte rb roc he n g ena u d ie g leic he Gesta lt, d a s G esic ht und d a s Lä c heln ha b e n sic h nic ht verä nd ert.“ 6
Ist d ie Wied e rg a b e tem p o ra le r Be züg e a uc h b ei o ffe nsic htlic hem Vorha nd e nse in d e rselb e n m it d e n Mitteln d er Bild end en Kunst sc hon sc hw ierig g e nug , so ist d ie Da rstellung verb org ener Ze ita b lä ufe, vo n d enen wir sp ä te ste ns seit d er Eta b lie rung d e r Sp eziellen Re la tivitä tsthe orie a usg e he n m üssen, sc hlic htwe g unm ög lic h. Es ka nn in d ie se m Fa lle b e i d e r kunsthistorisc hen Ana lyse fo lg lic h nur d a rum g e he n, G renzen zu b enennen, hie r: d ie Grenze n d es Da rste llb a ren - und nic ht, wie b isla ng g e sc hehen, einfa c h zu ig no riere n. Zeit ist a lso a uc h in /DIHPPHjODFDIHWLqUH vorha nd e n. Wird d ie se s Bild d enno c h im Sinne von Zeitlosig ke it interp re tiert - wozu d e r e rste Eind ruc k verführt -, d a nn m e int d iese Ze itlosig ke it a b er etw a s a nd e re s a ls nic ht vorha nd ene Zeit. Zeitlosig ke it ist hie r a ufzufa ssen im Sinne von Da ue r.
Da uerha ftig ke it und Bestä nd ig keit sind a uc h d ie Eind rüc ke , d ie sic h von d er Bild kom p o sition herle iten la ssen. Die p rim ä r vertika le Ric htung sg e b und e nheit d e r Kom p o sitio n, d ie sic h p rä g na nt in d en Vertika len d er Flüg eltür und d er Ha ltung d er Fig ur zeig t, und d ie in d e r Knop fleiste d e s Kleid es, d e r Ka ffe eka nne und d er Ta sse mit d e m a ufre c ht ste hend en Löffel fortg esetzt wird , ersc he int d urc h d ie Ko ntra stierung m it d en horizonta le n Ric htung sverlä ufe n d e r Tisc hka nte, d es G ürtels und d er Türeinfa ssung e n nic ht exp oniert. Vielm ehr wird sie d urc h d en ko m p ositionelle n Ge g enentw urf a usta riert: Horizonta le und Ve rtika le e rg ä nzen sic h, sta b lilisiere n d a s Kom p o sitio nssc he ma und sc ha ffen e ine n festg efüg te n, kom p a kten Bild ra um , d e r g le ic he rm a ße n Asso zia tionen von Ruhe a ufkom m en lä sst.
6 Berg er 1990, S. 219
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Doc h es g ib t no c h e ine n a nd ere n Befund . Betra c htet m a n d ie Ra um situa tio n g e na ue r, so stellt sic h d er a usg esp a rte Vo rd e rg rund a ls ein d yna misierend es Ge sta ltung se lem ent hera us, d a s Unruhe in d iese verme intlic he Ruhe b ring t: De r a usg esp a rte Vo rd e rg rund üb t eine Sog wirkung a us, d ie d en Betra c hte r a b rup t in d a s Bild g esc he he n zie ht. Doc h ka um ist e r d ort a ng e la ng t, p ra llt er a uf d ie unna hb a re Sta rre d e s Motivs, d ie ihm a ufzeig t, d a ss e r - a ls zeitlic he s Wesen - in d ie se m Reserva t einer Zeit e ntho b enen Une nd lic hkeit unerwünsc ht ist. Der Anziehung fo lg t unw eig e rlic h d ie Ab sto ßung . Som it w ird in /DIHPPHjODFDIHWLqUH d urc h d ie fo rm a len G esta ltung sm ittel e in zw eifa c her Bew eg ung simp uls initiiert, so m it a uc h e in Ze itverla uf, d er sic h jed oc h e rst im Akt d er Rezep tion e instellt und in d em Bild selb st nic ht a nsc ha ulic h ist.
Dennoc h g ib t es neb en d ie se r virtue llen Zeit a uc h eine konkre te, d ie sic h g le ic he rm a ße n exp lizit a us d er Ra um kom p o sitio n a b le iten lä sst: Bew eg ung selem e nte - und som it Zeit - ze ig en sic h in d er leic ht d ia g o na le n Ausric htung d e r Vertika len im Hinte rg rund b e reic h: De r Bild ra um verliert se ine Sta tik; er b ewe g t sic h. Nic ht a b e r d ie Fig ur. Aufre c ht sitzend , tro tzt sie jed e r Verä nd erung , verha rrt in einer a b so lute n Re g ung slo sig keit und b ild et so ein ko ntra p rod uktives Elem e nt d es d urc h d ie Ra um situa tion skizzie rten Wa nd e ls. Ob b ea b sic htig t o d er nic ht, the m a tisiert Céza nne in d iese m Bild so mit einen w esentlic hen Asp ekt d er Ze ittheorie - nä m lic h d e n Dua lism us von Verg ä ng lic hkeit und Da ue r. De m re a len Ve rla uf d er Ze it e ntsp ric ht d ie Bew eg ung d es Ra um es, d a s ureig e nste m e nsc hlic he Bed ürfnis na c h Bestä nd ig keit und Da ue r wird sym b olisiert d urc h d ie reg ung slose Fig ur d e r Ha ushä lte rin und d e n unte rb ro c henen Be weg ung sa b la uf d e s fa lle nd en Lö ffe ls. So wo hl d ie Sp ezielle Rela tivitä tstheo rie a ls a uc h d ie Qua nte nthe orie p o stulieren d ie Bew eg ung a ls d en Grund zusta nd d er Welt. Vo m p hysika lisc hen Sta nd p unkt a us g e sehen, ist nic hts von Da ue r; Bew eg ung find e t sic h a uc h in fe stg efrorener Ma te rie. Dennoc h refle ktiert d ie Suc he na c h d a uerha ften Strukturen e in ura ltes m ensc hlic he s Bed ürfnis, ohne d a s na c h Fra se r keine Zivilisa tio n hä tte entste he n können. 7
Da uer, d ie sic h a us d e r Be ob a c htung wied erholb a rer Pro ze sse a b leiten lä sst, ist ein m enta le s Konstrukt, d a s d ie Üb e rleb ensfä hig keit d er m e nsc hlic hen Sp ezies im une rm üd lic h fließe nd en Strom d er Ze it g a ra ntieren soll. So m it ist Be stä nd ig ke it ein existenzie lle s Bed ürfnis, d a s b ereits b ei g a nz jung e n Kind e rn existiert:
7 vg l.: Fra ser 1993, S. 313
Arbeit zitieren:
Dr. Sabrina Cercelovic, 2002, Paul Cézanne - Zeit und Zeitgeschehen in "La femme à la cafetière", München, GRIN Verlag GmbH
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