Hans Schwarz van Berk
Journalist und Nationalsozialist
1. Einleitung 3
2. Die Wochenzeitung „Das Reich“ 4
3. Der Journalist Hans Schwarz van Berk 7
4. Textanalyse 9
5. Fazit 19
6. Quellenverzeichnis 21
6.1. Primärquelle 21
6.2. Sekundärliteratur 25
6.3. Internetquellen 25
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1. Einleitung
Ein Faktor, wenn auch sicher nicht der alles entscheidende, für die gelungene Machtergreifung und den langjährigen Machterhalt der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) war, dass allen voran Adolf Hitler und sein Propagandaminister Joseph Goebbels es verstanden, die Sprache als Waffe für ihre Zwecke zu missbrauchen und mittels der Macht des Wortes das deutsche Volk zu verführen. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll es aber nicht um die Führer der nationalsozialistischen Bewegung gehen, sondern um die deutsche n Journalisten, die sich - sofern sie nicht von den Nationalsozialisten mittels Berufsverbot an der Ausübung ihres Berufes gehindert wurden, geflohen oder interniert waren oder noch schlimmer ermordet worden waren - mehr oder weniger freiwillig zu Mittätern machten. Der Tatbestand der Mittäterschaft ist dabei meiner Meinung nach dadurch gegeben, dass sie sich der Gleichschaltung der Presse durch die Nationalsozialisten nicht widersetzten und deshalb der ureigensten Aufgabe des Journalisten dem Hinterfragen der Angemessenheit und Richtigkeit einer Politik nicht mehr nachkommen konnten. Nicht verschwiegen werden darf, dass es auch Ausnahmen unter den Journalisten gab. Diese Journalisten brachten den Mut auf, zumindest zwischen den Zeilen die Nationalsozialisten zu kritisieren und setzten damit nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch ihr Leben aufs Spiel. Zu dieser Sorte mutiger Journalisten gehörte Hans Schwarz van Berk, auf den ich mich in Rahmen dieser Hausarbeit konzentrieren werde, allerdings nicht. Dieser war überzeugter Nationalsozialist und setzte darum in seinen Artikeln sein fraglos vorhandenes journalistisches Talent dafür ein, die Heimatfront, als Hauptrezipient seiner Pamphlete, gegen die angeblich so schrecklichen Feinde des deutschen Volkes aufzuwiegeln, sie zum Durchhalten bis zum Endsieg zu ermuntern, aufkommenden Zweifel an der Richtigkeit des Zweiten Weltkrieges geschickt zu zerstreuen und um Vertrauen für Adolf Hitler zu werben. Dass Schwarz van Berk genau das zuvor geschilderte in seinen Artikeln tat, möchte ich im Rahmen dieser Hausarbeit anhand einer Textanalyse des Artikels „Feuerflamme Stalingrad“ darstellen. Bevor ich allerdings im vierten Kapitel zu dieser Textanalyse komme, werde ich zuerst im zweiten Kapitel die Zeitung „Das Reich“ vorstellen, in der der zu analysierende Artikel erschien. Im Anschluss daran folgt im dritten Kapitel die Vor-
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stellung des Autors Hans Schwarz van Berk. Das abschließende fünfte Kapitel wird dann aus einem Endfazit der Arbeit bestehen.
2. Die Wochenzeitung „Das Reich“
Die Wochenzeitung „Das Reich“ 1 aus dem der zu analysierende Artikel „Feuerzeichen Stalingrad“ stammt, erschien erstmalig im Mai 1940 im „Deutschen Verlag“.
Die Gründungsidee für die Zeitung stammte von Rolf Rienhardt, Stabsleiter im Verwaltungsamt der NS-Presse und damit Mitarbeiter von Max Amann, dem Reichsleiter für die Presse der NSDAP und Präsident der Reichspressekammer. Mit der Gründung der Zeitung wollte Rienhardt der Langeweile im deutschen Pressewesen, die durch die von den Nationalsozialisten durchgeführte Gleichschaltung und durch die Vereinheitlichung der Sprache der Presse her-vorgerufen wurde, entgegenwirken. Um dieses Ziel zu erreichen, wünschte sich Rienhardt, dass die Journalisten die Möglichkeit zur freien selbstständigen Arbeit haben und sich dabei nicht überwacht fühlen sollten. Freilich sollten sie sich ihrer „Verantwortung“ als Journalisten bewusst sein. Indes wirklich frei waren letzen Endes auch die Autoren des „Reichs“ nicht, denn auch gegen „Reich“-Mitarbeiter wurden Verfahren angestrengt. Allerdings kam es dabei nur zu Rügen, aber nicht zu Ausschlüssen aus der Reichs-Pressekammer, was einem Berufsverbot gleichgekommen wäre.
Die weitere Zielsetzung der Zeitung wurde von Max Amann wie folgt beschrieben:
„Die Zeitung soll nicht eine unter vielen Zeitungen und Zeitschriften, sondern sie soll die führende große politische deutsche Wochenzeitung sein, die das deutsche Reich für In-und Ausland gleich wirksam und publizistisch repräsentiert.“ 2
Um dieses ehrgeizige Ziel erreichen zu können, erfolgte die Wahl der Mitarbeiter ausschließlich nach Qualitätsmaßstäben. Es war daher auch nicht Voraussetzung, Mitglied der NSDAP zu sein, denn wer nur nationalsozialistische Gesinnung besaß, aber nicht schreiben konnte, hatte im „Reich“ nichts verlo- 1 Siehezu „Das Reich“: Martens, Erika: Das Reich: Ein Beitrag zur Phänomenologie der Presse im totalitären Regime. Köln 1972, S.43-58; Frei, Norbert / Schmitz, Johannes: Journalismus im Dritten Reich. 3. überarbeitet Auflage. München 1999, S. 108-121; http://www.geheimes-deutschland.de/texte/das_reich.html
2 Frei, Norbert / Schmitz, Johannes: a.a.O., S. 108
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ren. Da die Voraussetzung des Schreibenkönnens weitestgehend nur Journalisten aus dem bürgerlichen Milieu erfüllten, handelte es sich beim „Reich“ um eine nationalsozialistische Zeitung bürgerlicher Prägung. Der erste Hauptschriftleiter (in etwa: Chefredakteur) war Dr. Eugen Mündler, der zuvor das „Berliner Tagblatt“ geleitet hatte. Mündler, obwohl NSDAP-Mitglied, war von seiner Gesinnung her eher ein Bürgerlich-Nationaler. Auf ihn folgte 1943 Rudolf Sparing, der sich mangels eigenen überragenden Profils sehr an Goebbels anlehnte . Die Mitarbeiterliste des „Reichs“ liest sich wie das Who is Who des deutschen Journalismus beziehungsweise der deutschen geistigen Elite der damaligen sowie der Nachkriegszeit. Neben Hans Schwarz van Berk, auf den ich im folgenden Kapitel näher eingehen werde, schrieb beispielsweise Werner Höfer („ARD-Frühschoppen“) und zeitweise auch Rudolf Augstein („ Der Spiegel“) für „Das Reich“. Der erste Chef vom Dienst war Erich Peter Neumann und auch seine Frau Elisabeth Noelle-Naumann(„Allensbacher Institut für Demoskopie“) waren beim „Reich“ beschäftigt. Das „Reich“-Feuilleton leitete der spätere Mitbegründer und langjähriger Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Karl Korn. Ebenso waren das spätere Mitglied der Gruppe 47 3 , Wolfgang Weyrauch und sogar der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland (BRD), Theodor Heuß, Mitarbeiter von „Das Reich“. Aber auch Gelehrte wurden herangezogen, wie zum Beispiel Max Planck, Otto Hahn oder der Mathematiker Max Bense. Kriegsberichte für „Das Reich“ schrieb unter anderen Lothar-Günther Buchheim ("Das Boot"). Die Karikaturen stammten von Erich Ohser, der unter dem Pseudonym "E.O. Plauen" auch noch he ute durch seine „Vater und Sohn“ -Geschichten bekannt ist. Der prominenteste Mitarbeiter des „Reichs“ war aber der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda und Leiter der Reichskulturkammer Joseph Goebbels. Dieser verfasste, mit großer Sorgfalt, die Leitartikel von „Das Reich“. Seine Artikel wurden zudem von Hans Fritzsche im Rundfunk verlesen und fanden sowohl Deutschland wie auch im Ausland eine sehr hohe Beachtung . Auch verfügte „Das Reich“ über ein außergewöhnlich dichtes Netz von Aus-landskorrespondenten. So wurde nicht nur direkt aus den deutschen Kampfgebieten berichtet, sondern beispielsweise auch direkt aus Japan und China.
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Die Gruppe 47, die im September 1947 in München erstmals zusammenkam, war ein lockerer Zusammenschluss linksgerichteter Schriftsteller beziehungsweise Kritiker.
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Die Mehrheit der „Reich“-Mitarbeiter war davon überzeugt, kein nationalsozialistisches Gedankengut zu verbreiten. Dies ist allerdings auch nicht weiter überraschend, da das Denken des bürgerliche n Milieus, aus dem die meisten Mitarbeiter, wie oben schon erwähnt, stammten, in vielen Fragen mit dem Gedankengut der Nationalsozialisten übereinstimmte. So ging die damalige bürgerliche Schicht auch von einer Vorrangstellung des Deutschen Reichs gegenüber anderen vor allem östlichen Staaten aus. Ebenso war man sich mit den Nationalsozialisten darüber einig, dass der Bolschewismus bekämpft werden müsse. Von Vorteil war für „Das Reich“ , dass es oftmals als erste an wichtige Informationen kam. Dies ist dadurch zu erklären, dass es enge Kontakt zu hohen Partei- und Staatsstellen unterhielt, so zum Beispiel zum Rüstungsministerium, zur Partei-Kanzlei oder zum Propagandaministerium an dessen täglichen Ministerkonferenzen immer ein „Reich“-Mitarbeiter zugegen war. Aufgrund des Informationsvorsprungs den „Das Reich“ gegenüber den meisten anderen Zeitungen hatte, aber auch wegen seiner Mitarbeiter, die für qualitativ hochwertigen Journalismus standen, ist es nicht verwunderlich, dass das Projekt einer von der Gründung her nationalsozialistischen, vom Inhalt her aber eher bürgerlich, liberalen Wochenzeitung großen Erfolg hatte. So stieg die Auflage von anfänglich 100 000 auf bis zu 1,4 Millionen Exemplare. Dabei wurden allein 250 000 Exemplare i ns Ausland verschickt. „Das Reich“ erschien bis zum Kriegsende. Nach dem Krieg verschwand „Das Reich“ dann aus der deutschen Presselandschaft.
Der aus nationalsozialistischer Sicht Erfolg der Zeitung bestand darin, dass sie es erreichte , dass viele am NS-Regime zweifelnde und den Nationalsozialisten kritisch gegenüberstehende Deutsche darüber nachdachten, ob der Nationalsozialismus wirklich so undiskutabel sei. Um diese Wirkung beim Bildungsbürger erzielen zu können, wurde den Journalisten des „Reichs“ sogar zugestanden, in relativer journalistischer Freiheit zu arbeiten und einen intelligenten und undogmatisch Stil zu pflegen.
Am Besten hat wohl Dr. Hans W. Hagen 4 „Das Reich“ charakterisiert: „Das Reich überhöhte die öffentliche Meinungsbildung aus den Niederungen des Journalismus in die Region des Geistes. Zu diesem Bemühen waren alle
4 Dr. Hans W. Hagen war ab 1942 kulturpolitischer Berater und Mitglied der Schriftleitung von „Das Reich“.
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Helfer aufgerufen. Wer damals (oder heute im nachhinein) glaubte, andere Ziele verfolgen zu können, musste ausscheiden.“ 5
3. Der Journalist Hans Schwarz van Berk
Hans Schwarz van Berk 6 wurde am 7. August 1902 in Wermelskirchen bei Düsseldorf geboren. Ab 1920 war er Freikorpskämpfer, später dann Angehöriger des "Stahlhelms“. Die Wahl seiner Studienfächer, Zeitungswissenschaften und Geschichte, lässt vermuten, dass Schwarz van Berk schon früh dazu tendierte, den Beruf des Journalismus zu ergreifen. Tatsächlich brach er sein Studium 1927 ab, um sich dem praktischen Journalismus zuzuwenden. Schon drei Jahre später wurde er Chefredakteur der „Pommerschen Tagespost“, die sich selbst überparteilich und national bezeichnete. Im selben Jahr trat Schwarz van Berk auch der NSDAP bei, da nach seiner Meinung nur diese die Probleme der Zeit lösen könne. Dabei war ihm vor allem wichtig, dass die NSDAP den Kommunismus bekämpfte. 1932 gründete er dann das NSDAP-Organ „Pommersche Zeitung“. Daneben versuchte er in seinem ersten Buch „Preußentum und Nationalsozialismus“, die Nationalsozialisten als legitime Nachfolger der Preußen darzustellen und auf dies Weise den pommerschen Adel für den Nationalsozialismus zu gewinnen. 1935 wird Schwarz van Berk Chefredakteur der von Goebbels gegründeten Zeitung „Der Angriff“. Schon zwei Jahre später begab sich Schwarz van Berk auf eine bis zum Kriegsbeginn andauernde Weltreise. Im Zweiten Weltkrieg meldete er sich freiwillig als Kriegsberichtersta tter und informierte in dieser Funktion aus Polen, Frankreich, Griechenland und der Sowjetunion. Ab Herbst 1940 arbeitete Schwarz van Berk beim „Reich“ und leitete zudem die „Sonderredaktion“ im Propagandaministerium, die Artikel in die Auslandspresse lancierte. In den folgenden Jahren gehörte er zu den best informiertesten Journalisten des „Reichs “. Dies ist dadurch begründet, dass er „Das Reich“, sofern er Zeit hatte, in den täglichen im Propagandaministerium stattfindenden Ministerkonferenzen vertrat und als einziger Journalist des „Reiches“ überhaupt an den von Albert Speer abgehaltenen Rüstungskonferenzen teilnehmen durfte. 1943 wurde er von Goebbels, zu dem er ein fast schon
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http://www.geheimes-deutschland.de/texte/das_reich.html
6 Siehe zu Hans Schwarz van Berk: Martens, Erika: Das Reich: Ein Beitrag zur Phänomenologie der Presse im totalitären Regime. Köln 1972, S.112-119; Frei, Norbert / Schmitz, Johannes: Journalismus im Dritten Reich. 3. überarbeitet Aufl age. München 1999, S.
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Lars Reutter, 2003, Hans Schwarz van Berk -Journalist und Nationalsozialist, Munich, GRIN Publishing GmbH
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