2. Informationen zur Lerngruppe
2.1 Institutionelle Bedingungen
Die Klasse 2 der Grund- und Hauptschule besuchen zurzeit 22 Schüler, davon 14
Mädchen und 8 Jungen. Die Schülerinnen und Schüler sind mir seit 4 Wochen bekannt. Allerdings kann ich sie jeden Freitag nur eine Stunde beobachten. Die Religionsgruppe setzt sich aus Schülern der Klassen 2a und 2b zusammen. Alle Kinder kommen aus der näheren Umgebung, so dass kein Kind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist.
Die Schüler sitzen an Zweiertischen. Ihr Klassenzimmer motiviert durch seine Raumgestaltung zum Lernen. Es ist geschm ückt mit Basteleien der Kinder. Vor der Tafel ist P latz für einen engen Stuhlkreis. Jedoch müssen dann die vorderen Tische zurückgeschoben werden.
An dieser Schule gibt es keinen Pausengong. Für die zu haltende Stunde bleiben nur 40 min, da es erst um 11.10 Uhr klingelt. Zu dieser Zeit müsste eigentlich schon die Stunde beginnen.
2.2 Anthropologische Bedingungen - Sachstruktureller Entwicklungsstand
Das Lernklima in der Klasse ist sehr positiv und die Schüler zeigen großes Interesse am Religionsunterricht. Gegenüber Neuem sind sie ebenfalls aufgeschlossen. Das Sozialverhalten kann man als gut bezeichnen. Die Kinder gehen weitgehend kameradschaftlich und hilfsbereit miteinander um.
In Unterrichtsgesprächen zeigt die Klasse oft Einsicht und Kritikfähigkeit. Die Klasse ist in der Lage, während frontalen Phasen und Unterrichtsgesprächen bei der Sache zu bleiben. Allerdings dürfen diese Phasen nicht zu lange gehen, da viele Kinder sonst ungeduldig werden. Wenn der Lärmpegel ansteigt, reagieren die Kinder auf kleine Zeichen, Blicke oder verbale Hinweise.
Die Schüler sind mit verschiedenen Sozialformen wie Einzel- und Partnerarbeit vertraut. Mit Gesprächs - und Verhaltensregeln sind sie ebenfalls vertraut.
Vor der Stunde mit dem Thema "Martinslegende - Erfahrung des Teilens" setzten sich die Kinder mit dem Thema "Mein - Dein" auseinander, was im Bezug zu dem Thema dieser Stunde steht. Man konnte feststellen, dass sie selbst schon gute Problemlösungen aufstellen konnten und motiviert mitarbeiteten.
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Die Kinder begegneten dem Heiligen Martin schon im Kindergarten und durch das Brauchtum. Sie hören die Martinslegende und gehen am Abend des 11. Novembers mit ihren Laternen zum Laternenumzug.
3. Sachanalyse
Martin von Tours, der um 316 nach Christus als Sohn eines römischen Offiziers in der heutigen Stadt Szombathely in Ungarn geboren wurde, wuchs in Italien in einem heidnischen Elternhaus auf. "Martinus“ bedeutet soviel wie "dem Kriegsgott Mars geweiht" oder "Krieger". Im Alter von 10 Jahren kam er mit dem Christentum in Berührung. Ohne das Wissen seiner Eltern besuchte er Gottesdienste und hörte Predigten der Christen an. Seit dem Toleranzedikt von Mains (313) konnten Christen ihre Religion gleichberechtigt praktizieren. Immerhin sah man in ihnen keine Staatsfeinde mehr.
Im Alter vo n 15 Jahren trat Martin in das römische Militär ein. In der damaligen Zeit mussten alle Söhne von römischen Tribunen zum Heer. Nach einer Grundausbildung wurde er einer Kavallerieabteilung des Kaisers zugeteilt. Mit 18 Jahren hielt sich seine Truppe im Frankenland (Gebiet im heutigen Frankreich) auf. Die Legende erzä hlt, dass er am Stadttor von Amiens im Winter des Jahres 334 einem zerlumpten, halberfrorenen Bettler begegnete. Er teilte mit ihm seinen Soldatenmantel und rettete den Mann vor dem Erfrieren.
In der folgenden Nacht erschien ihm Christus im Traum. Er hatte das Mantelstück an, das Martin dem Bettler geschenkt hatte. Christus sagte: "Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan" (Mt 25,40) Daraufhin entschied sich Martin, sein Leben zu ändern und sich ganz Gott zuzuwenden. Er ließ sich taufen und gab seinen Militärdienst auf. Bald darauf drangen die Germanen in das Römische Reich ein. Feldheer Julian versammelte das römische Heer bei Worms. Er zahlte jedem Soldat, wie vor Schlachten üblich, einen zusätzlichen Sold aus. Martin lehnte diesen ab und verlangte die Entlassung aus der Armee.
Der Legende nach warf ihm der Feldherr Feigheit vor und ließ ihn ins Gefängnis bringen. Überraschenderweise schlossen die Germanen jedoch bald darauf Frieden und es kam zu keiner Schlacht. Martin wurde aus dem Gefä ngnis entlassen.
Er wurde Schüler des Bischofs Hilarius von Poitiers, der ihn im Evangelium unterwies und zur Priesterweihe führte. Martin entschied sich daraufhin als Missionar in seiner Heimat
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tätig zu sein. Dort wurde er von Glaubensgegnern vertrieben. Anschließend ging er auf Mission nach Oberitalien, um dort die christliche Lehre zu verbreiten. Schließlich zog er sich auf die Insel Gallinaria zur ück. Dort lebte er zwanzig Jahre lang als Einsiedler in völliger Abgeschiedenheit.
360 ging er wieder nach Poitiers zur ück. In Ligugé richtete er sich eine Einsiedelei ein. Daraus ging später ein Kloster hervor.
Als Bischof Hilarus starb, wurde er 371 zum neuen Bischof von Tours gewä hlt. Der Legende nach versteckte sich Martin im Gänsestall, da er weiterhin Mönch bleiben wollte. Er wurde allerdings durch das Geschnatter der Gä nse verraten. Trotz seines Amtes als Bischof behielt er sein bescheidenes Leben bei. Er wohnte weiterhin in einer einfachen Mönchszelle.
375 gründete er das Kloster Marmoutier bei Tours. Martin zog mit seinen Brüdern weiterhin missionarisch durchs Land. Am 11.11.397 starb Martin während einer Missionsreise.
Sein Grab in Candes, über dem im 5. Jahrhundert eine Kapelle gebaut wurde, war bis ins späte Mittelalter ein berühmter Wallfahrtsort. Nach seinem Tod sprach man ihn heilig.
Viele Kirchen, Klöster, Orte und Feste sind nach dem Heiligen benannt, an den man sich jedes Jahr am 11. November durch Laternenumzüge erinnert. 1
4. Didaktische Analyse
Den Kindern ist Martin von Tours besonders durch ein vielfältiges Brauchtum bekannt. Schon im Kindergarten begegnen sie ihm. Des Öfteren wird dort eine Martinsfeier mit Laternenumzug, Martinsfeuer, Martinsgebäck etc. organisiert.
Die theologische Intention des Martinsfests dürfte den Kindern unterschiedlich bekannt sein. 2
Während ein Teil der Kinder die Feier des Martinsfests ausschließlich als Laternenfest versteht, wissen andere bereits um Hintergründe, die zu diesem Brauchtum geführt haben.
1 Willmeroth, Sabine/Göpner, Melanie: Feste und Feiertage im Religionsunterricht. Sankt Martin, Mülheim an der Ruhr
2002, S. 7-9
2 Pertler, Cordula/Reuys, Eva: Kinder feiern St. Martin, München 2000, S. 10
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Arbeit zitieren:
Nicole Hofmann, 2004, Unterrichtsstunde: Martinslegende - Erfahrung des Teilens (2. Klasse), München, GRIN Verlag GmbH
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