Inhaltsverzeichnis Seite 2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1 Problemstellung. 3
1.2 Gang der Untersuchung 5
2. Anthropologie als Grundlage der Gestaltung von Lehr-Lern-
Prozessen 6
2.1 Rogers’ Menschenbild 6
2.2 Das Menschenbild des NLP 9
2.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Menschen-
bildern von Rogers und NLP 11
3. Theoretische Fundierung 14
3.1 Theoretische Fundierung der Ideen Carl Rogers’ 14
3.2 Theoretische Fundierung des NLP 17
3.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der
theoretischen Fundierung der Ideen von Carl Rogers
und des NLP. 20
4. Didaktische Implikationen 23
4.1 Didaktische Implikationen des Ansatzes von Carl Rogers. 23
4.2 Didaktische Implikationen des NLP 26
4.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der
didaktischen Implikationen 28
5. Methoden zur Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen 29
5.1 Rogers’ Methoden zur Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen. 29
5.2 NLP-Methoden zur Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen. 32
5.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Methoden 37
6. Kritische Würdigung 38
7. Literaturverzeichnis 41
Kapitel 1: Einleitung Seite 3
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
Aufgabe der Andragogik ist es seit Herausbildung eines eigenständigen vierten Bildungssektors in den 70er Jahren und der damit einher gehenden Professionalisierung in der Wissenschaft, die spezifischen Bedingungen des Lernens Erwachsener zu beleuchten und Ansätze für die Gestaltung von Lehr-Lern-Arrangements zu diskutieren, die diesen besonderen Voraussetzungen Rechnung tragen.
Gesellschaftliche und politische Umbrüche, wie sie für unsere heutige Zeit kennzeichnend sind, führen zu einer psychischen Verunsicherung von Individuen, die diese in Bildungsveranstaltungen mit hinein tragen (vgl. Holzapfel 2004, S. 141). Neben dem Anspruch, nicht ‚beschult’ zu werden, sondern Einfluss nehmen zu können bzgl. der Inhalte und deren Vermittlung, fließen somit die individuelle Le-
1 inkl.sei-
bens- und Lerngeschichte jedes erwachsenen Teilnehmers ner psychischen (Ausnahme-) Zustände stets in Bildungssituationen mit ein. Dies macht die Notwendigkeit deutlich, sich als professioneller Andragoge mit Konzepten auseinander zu setzen, die Spielräume bei der Realisierung eigener Vorstellungen bzgl. der jeweiligen Bildungsveranstaltung eröffnen, den Teilnehmer in seinen individuellen Lernvoraussetzungen und psychischen Gegebenheiten wahrnehmen und diese Erkenntnisse in der Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen berücksichtigen. Bereits hier wird deutlich, dass der Übergang zwischen Bildung und Therapie als zwei auf die persönliche Entwicklung des Menschen zielende Bereiche fließend sein kann. In dieser Arbeit sollen daher zwei aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte direkt in
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Aus Gründen der Lesbarkeit wird jeweils auf die Nennung beider Geschlechter
verzichtet. Mit der männlichen Form ist selbstverständlich gleichzeitig immer
auch die weibliche Form gemeint.
Kapitel 1: Einleitung Seite 4
dieser Übergangszone angesiedelte Konzepte betrachtet werden: die personzentrierte Beratung nach Carl Rogers und das Neurolinguistische Programmieren (kurz: NLP).
Beide Konzepte widmen sich explizit dem Wahrnehmen des Gegenübers in seinem individuellen Selbstausdruck und dessen Unterstützung in seinem Streben nach freier persönlicher Entfaltung. Sie sind beide im Geiste der humanistischen Psychologie entstanden, entstammen ursprünglich dem therapeutischen Bereich und wurden erst in ihrer weiteren Entwicklung auf Lehr-Lern-Prozesse angewendet. Diese ähnliche Entstehungsgeschichte legt den Gedanken nahe, dass beide Ansätze u. U. zu vergleichbaren Vorstellungen bzgl. der Unterstützung von Lehr-Lern-Prozessen kommen. Um diese Ausgangshypothese zu überprüfen, sollen die andragogischen Implikationen beider Ansätze im Folgenden einander gegenüber gestellt und verglichen werden.
Die Ideen Rogers’ und des NLP werden anhand einer einheitlichen Struktur analysiert. Es wird dabei das Schema der vier aufeinander aufbauenden (jedoch nicht disjunkten, sondern vielmehr interdependenten) Betrachtungsebenen Anthropologie, Theorie, Didaktik und Methodik von Prof. Reischmann zugrunde gelegt. Die beiden zu analysierenden Ansätze werden entlang dieser Struktur einander direkt gegenüber gestellt und in einem anschließenden Kapitel hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der jeweiligen Betrachtungsebene verglichen und kritisch beleuchtet.
Um ein grundlegendes Verständnis für die beiden Konzeptionen zu erlangen, wird daher zunächst die Anthropologie anhand von Aussagen verschiedener Autoren zu dem - in beiden Konzepten explizit gemachten - Menschenbild beleuchtet. Anschließend werden die zugrunde liegenden theoretischen Überlegungen dargelegt. Im nächsten Schritt werden die didaktischen Implikationen der Ansätze
Kapitel 1: Einleitung Seite 5
untersucht und abschließend die für die Durchführung von Lehr-Lern-Prozessen vorgeschlagenen Methoden beleuchtet.
1.2 Gang der Untersuchung
Im voran gegangenen Kapitel wurde das Thema der Arbeit skizziert, die Ausgangshypothese dargelegt und die grundlegende Struktur der Arbeit vorgestellt. In Kapitel 2 werden die Anthropologie von Carl Rogers (Kapitel 2.1) und des NLP (Kapitel 2.2) anhand des jeweils zugrunde liegenden Menschenbildes skizziert und anschließend verglichen (Kapitel 2.3). In Kapitel 3 wird die theoretische Fundierung der Ideen Rogers’ (Kapitel 3.1) und des NLP (Kapitel 3.2) untersucht und auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin analysiert (Kapitel 3.3). Im 4. Kapitel werden die aus Menschenbild und theoretischer Fundierung abgeleiteten didaktischen Implikationen der beiden Ansätze einander gegenüber gestellt (Kapitel 4.1 und 4.2) und verglichen. In Kapitel 5 schließlich werden die von Rogers (Kapitel 5.1) und dem NLP (Kapitel 5.2) vorgeschlagenen Methoden zur Realisierung der didaktischen Zielsetzungen beleuchtet und Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede heraus gearbeitet. Im 6. Kapitel wird das Ergebnis der Untersuchung hinsichtlich der eingangs formulierten Hypothese zusammenfassend dargestellt und Vorschläge zu einer Verbindung beider Ansätze entwickelt.
Kapitel 2: Anthropologie Seite 6
2. Anthropologie als Grundlage der Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen
Die Anthropologie als „Wissenschaft vom Menschen“ (Metz 1995, S. 92) ist notwendige Grundlage eines Nachdenkens über Bildungsprozesse. Denn „ob wir über Menschen forschen, ob wir sie diagnostizieren, unterrichten, erziehen, therapieren oder beraten, bei keiner dieser Tätigkeiten arbeiten wir ohne grundsätzliche Vorstellungen von Menschen“ (Mutzeck 1997, S. 37). Die Art und Weise, wie wir den Menschen und seine Stellung in der Welt sehen, beeinflusst zwangsläufig unsere theoretischen Vorstellungen sowie die didaktischen und methodischen Überlegungen, die wir daraus ableiten. Im Folgenden werden daher zunächst die Menschenbilder, die den Überlegungen Carl Rogers’ und des NLP zugrunde liegen, dargestellt und verglichen.
2.1 Rogers’ Menschenbild
Rogers ist Zeit seines Lebens sendungsbewusster Teil der humanistischen Bewegung gewesen, die sich für die Selbstverwirklichung und Ausschöpfung der Potenziale des Menschen stark machte. Seine in dieser Denktradition stehende Theorie über den Menschen kann als ganzheitlich und phänomenologisch bezeichnet werden, ist er doch stets bestrebt, den Menschen als Ganzes zu verstehen und die Art, wie er sein Selbst und seine Außenwelt sieht, wahrzunehmen (vgl. Pervin 2000, S. 171). Die humanistische Idee, verstanden als „die Akzeptanz des anderen in seinem ‚So-Sein’“ (Karmann 1987, S. 54) resultiert dabei aus Rogers’ Annahme, dass es keine allgemeinverbindliche Objektivität geben kann und jeder Mensch Mittel- punkt seiner individuell eigenen Wirklichkeit ist (vgl. Behr 1987,
Kapitel 2: Anthropologie Seite 7
S. 143). Dies kommt deutlich in den von Rogers entwickelten thera-
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peutischen Prinzipien zum Ausdruck .
Gemäß Quitmann geht Rogers von einem zweigestaltigen Selbst-Begriff aus, der das Selbst einerseits als Objekt konzeptioniert, das wahrgenommen, über das nachgedacht werden kann und der andererseits das Selbst als aktiv Handelnden begreift (vgl. Quitmann 1996, S. 144f.). Der Mensch handelt als Selbst in seiner Umwelt und ist gleichzeitig ein Selbst, als das er Erfahrungen wahrnimmt und über das er reflektieren kann. Mutzeck bezeichnet diese zwei Aktionsrichtungen des Selbst als ‚Intra-aktion’ und ‚Inter-aktion’. Der Mensch kann zu sich selbst und zu anderen in Beziehung treten (vgl. Mutzeck 1997, S. 38). Rogers konzeptualisiert die Entstehung dieses Selbst als zweiphasigen Prozess. Während das Individuum in der ersten Phase Erfahrungen macht und aus diesen Erfahrungen eine Wahrnehmung seiner selbst ableitet, wird in der zweiten Phase diese Wahrnehmung durch Interaktion mit der Umwelt ausdifferenziert und zu einem Selbstkonzept weiter entwickelt (vgl. Rogers 1959, S. 223). Das Individuum kann diese Wahrnehmung, und damit auch sein Selbstkonzept, unter bestimmten Umständen reorganisieren. Durch diese Reorganisation der Wahrnehmung wird eine Verhaltensänderung möglich, da das Verhalten eines Individuums durch dessen subjektive Wahrnehmung bestimmt wird (vgl. Kreuter-Szabo 1988, S. 73f.).
Nach Ansicht Rogers’ ist die Grundnatur des Menschen positiv, konstruktiv und vertrauenswürdig. „[...] der Mensch bewegt sich grundsätzlich auf Selbstverwirklichung, Reife und Sozialisation hin.“ (Pervin 2000, S. 174). Dieses Streben ist die jedem Organismus inne wohnende Aktualisierungstendenz, „the inherent tendency of the or-
2
Vgl. zu den Prinzipien der klient-zentrierten Beratung Kapitel 3.1.
Kapitel 2: Anthropologie Seite 8
ganism to develop all its capacities in ways which serve to maintain or enhance the organism“ (Rogers 1959, S. 196). Diese Aktualisierungstendenz bildet dabei den Maßstab für die Bewertung von Erfahrungen, Eindrücken und Reizen (vgl. Quitmann 1996, S. 143). Damit entwickelt er bewusst und mit missionarischem Eifer einen Gegenentwurf zu dem seinem Empfinden nach in der westlichen Gesellschaft vorherrschenden Bild vom Menschen als einem im Grunde gefährlichen Wesen, das durch Autoritäten geführt und belehrt werden muss (vgl. Rogers 1997, S. 103).
Rogers geht davon aus, dass jedem Organismus eine aktive Tendenz zur Selbstverwirklichung zu eigen ist. „Man kann sagen, dass in jedem Organismus auf jedweder Entwicklungsebene eine Grundtendenz zur konstruktiven Erfüllung der ihm innewohnenden Möglichkeiten vorhanden ist.“ (Rogers 1997, S. 69). Selbstverwirklichung wird dabei als höchstes Ziel betrachtet, das über allen von außen kommenden Ansprüchen steht (vgl. Köhler-Weisker/Horn/Schülein 1993, S.163f.). Dabei geht es nicht um die Förderung eines spezifischen ‚wahren Selbst’, sondern um „ [...] das tiefe Erfassen der Freiheit sich selbst (nach eigenen Interessen) definieren zu können“ (Frenzel 1991, S. 44).
Diese psychische Veränderung hin zu einer größeren Kongruenz zwischen dem (äußeren) Erleben und der Wahrnehmung der eigenen Person wird nach Rogers’ Auffassung durch die Schaffung eines spezifischen, auf bestimmten förderlichen Einstellungen des Beraters beruhenden Klimas ermöglicht (vgl. Kreuter-Szabo 1988, S. 107). Rogers entwickelt und vervollkommnet die Leitlinien zur Förderung dieses Klimas lange Jahre in seinem angestammten Tätigkeitsfeld, der Therapie, bevor er diese auch auf andere Bereiche, wie bspw. die Bildung, überträgt.
Kapitel 2: Anthropologie Seite 9
2.2 Das Menschenbild des NLP
Die Vorstellungen des NLP über Mensch und Welt kommen in dessen Grundannahmen zum Ausdruck. Die Liste der Vorannahmen unterscheidet sich dabei je nach Autor und Thema der jeweiligen Publikation. Folgende Grundsätze finden sich jedoch in den meisten Quellen wieder und können als Kern der Philosophie des NLP betrachtet werden.
Jeder Mensch ist einzigartig.
Die Art und Weise, wie der Mensch seine Umwelt wahrnimmt und deutet ist individuell unterschiedlich. Die Sinnesorgane ebenso wie die einzigartige, persönliche Geschichte jedes Menschen wirken wie Filter und bestimmen dadurch die individuelle Konstruktion der umgebenden Welt (vgl. Decker 1995, S. 62f.).
Die Landkarte ist nicht das Gebiet.
Dieses Leitmotiv des NLP stammt ursprünglich von Korzybski, der damit zum Ausdruck brachte, dass Worte nicht die (einzig wahre) Wirklichkeit repräsentieren, sondern immer eine von der individuellen Wahrnehmung der Welt geprägte Abstraktion darstellen (vgl. Van
3 Die individuelle innere Realitätskonstruktion
Nagel 1989, S. 159).
des Menschen beeinflusst entscheidend sein Denken, Fühlen und Handeln (vgl. Kobler 1995, S. 19). Darüber hinaus ist es nicht die Wirklichkeit selbst, die uns beschränkt oder befähigt, sondern unsere Landkarte der Wirklichkeit (vgl. Decker 1995, S. 63).
Jedes Verhalten hat eine positive Absicht.
Jedes menschliche Verhalten ist zielorientiert und zum jeweiligen Zeitpunkt sowie auf Basis der vorliegenden Informationen die beste
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Dazu mehr in Kapitel 3.2 unter „Allgemeine Semantik“.
Arbeit zitieren:
Anja Schmitt, 2005, Carl Rogers und das Neurolinguistische Programmieren - Vergleich beider Ansätze hinsichtlich ihrer andragogischen Implikationen, München, GRIN Verlag GmbH
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