Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 0
2 Allgemeine Einführung in die Sozialgeschichte irischer Immigration 4
3 Katholische Kirche und Assimilationsproblematik der Iren. 6
3.1 Die Gemeinde 7
3.2 Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken. 10
3.3 Irischer Nationalismus 13
3.4 Katholische Kirche und amerikanische Identität 14
3.5 Der Bürgerkrieg. 16
4 Zusammenfassung 18
5 Bibliographie. 19
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1 Einleitung
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Sozialgeschichte irischer Immigration in die USA im 19. Jahrhundert. Dabei wird hauptsächlich auf die irischen Einwanderer im Norden der USA eingegangen und zusätzlich weitgehend auf die katholischen Iren beschränkt. Wenn im Folgenden die Begriffe ‘Einwanderer’ oder ‘Immigranten’ unspezifiziert auftauchen, ist davon auszugehen, daß es sich um irische Einwanderer und Immigranten handelt. Begrifflich ist ebenfalls anzumerken, daß die Bezeichnung ‘Amerikaner’ hier ausschließlich die in Amerika geborenen Bürger, also meist Anglo- Amerikaner, einschließt. Die Sozialgeschichte der Iren in Amerika wird unter zwei Hauptgesichtspunkten betrachtet: Der katholischen Kirche und der Assimilationsproblematik der Iren in der amerikanischen Gesellschaft. Die zu erörternde Fragestellung lautet also zum einen, inwiefern die katholische Kirche für die irischen Einwanderer eine Rolle gespielt hat, welche Aufgaben sie in dieser Gesellschaft übernahm und wie sie selbst von den Einwanderern geprägt wurde. Und zum anderen, worin die Problematik der Iren bei der Anpassung an die amerikanische Gesellschaft bestand. Ebenfalls stellt sich die Frage, in welcher Beziehung diese Gesichtspunkte zueinander standen. Die Analysen dieser Fragen führen zu den folgenden Thesen, daß erstens die katholische Kirche das Rückrad der irischen Immigranten bildete und sich im Zentrum des Lebens der Iren etablierte, zweitens der Assimilationsprozeß immer wieder voran getrieben, aber im 19. Jahrhundert nicht erreicht wurde und drittens bezüglich der Beziehung zwischen Kirche und Assimilation die Kirche die Assimilation einerseits förderte, aber anderseits auch oft der Grund für Feindseligkeiten gegen die Iren war. Dies wird im Aufbau folgendermaßen dargestellt, daß nach einer allgemeinen Einführung in den Hergang der Einwanderung zuerst auf die zentrale Institution der katholischen Gemeinde eingegangen wird. Anschließend wird die Teilnahme der Iren am Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken, der Antikatholizismus und die Debatten über das Schulsystem erläutert. Im weiteren wird der irische Nationalismus und die Beziehung zwischen Amerikanern, Europa und katholischer Kirche für die Argumentation betrachtet. Abschließend gehe ich auf den Bürgerkrieg als Element positiver Assimilation näher ein.
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2 Allgemeine Einführung in die Sozialgeschichte irischer Immigration
Während der Kolonialzeit war die Zahl irischer Einwanderer in die USA verglichen mit der weiteren Entwicklung relativ gering. Es immigrierten hauptsächlich zwei Bevölkerungsgruppen: Einmal die Protestanten, das heißt die Presbyterianer oder Scotch-Irish, die Mitglieder der anerkannten Church of Ireland waren, und zum anderen die Katholiken und Quäker. Die Gründe für das Verlassen der Heimat waren unterschiedlich. Die einen beschrieben es als ‘perfect felicity’, was vornehmlich für die Protestanten zutraf, die sich in den USA wirtschaftliche Verbesserung versprachen, und die anderen sprachen von ‘endless misery’, was die Empfindungen der Katholiken ausdrückte, die nicht nur Armut, sondern auch religiöser Unterdrückung zu entkommen versuchten. Hierauf komme ich im späteren Verlauf noch einmal zurückgekommen.
Die meist armen Einwanderer reisten oft als sogenannte ‘indentured servants’ in die USA, um die Überfahrtskosten aufbringen zu können. Dies führte dazu, daß sie in Amerika erst einmal in Abhängigkeit der meist sieben Jahre dauernden Verträge lebten, bevor sie die Möglichkeit zum Aufbau einer eigenen Zukunft hatten. Im 19. Jahrhundert stieg die Einwanderungsquote der Iren rasant an. Dies hing erstens mit der fehlgeschlagenen Rebellion 1798 in Irland, mit der Great Famine in den 40er Jahren und letztlich mit den Post-Famine Immigranten zusammen. Bei diesen Einwanderungswellen stieg der Katholikenanteil erheblich, so daß letzten Endes nur noch 10% an Protestanten ankamen. Ein Drittel aller Einwanderer war irischer Herkunft, zwischen 1820 bis 1845 immigrierten 1,3 Millionen Iren und ab 1820 wurden 4,7 Millionen irische Einwanderer gezählt:
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Der typische Einwanderer war meist unter 35 Jahre, unverheiratet, stammte aus bäuerlicher Tradition und war ungebildet und mittellos. Die irischen Bauern, deren Land nicht zur Ernährung aller Familienmitglieder ausreichte, konnten nur versuchen, in den Städten Arbeit zu finden, was durch die rudimentär ausgebildete Industrie in Irland zur Auswanderung zwang. Eben aus diesem Arbeitsmangel wanderte auch die irische Bildungsschicht aus, um die Möglichkeiten Amerikas zu nutzen. Die Mehrheit der Iren versammelte sich in den Städten der Ostküste. Die Stadt mit den meisten Iren war anfangs Philadelphia und später New York. Wenige zogen aufs Land, was prinzipiell der Wunsch der katholischen Kirche war. Die Iren nahmen auch an der Westwärtsbewegung teil, einige, hauptsächlich junge, gebildetere Männer, gingen arbeitend von Stadt zu Stadt in Richtung Kalifornien, wo sie 1880 mit einem Ein-Drittel-Anteil die größte Einwanderergruppe darstellten.
Betreffend der Berufe, die Iren ausübten, standen ihre Chancen im allgemeinen schlecht. Sie belegten hauptsächlich die unterste Stufe der Rangfolge. Man kann fünf vertretene Berufsschichten feststellen: erstens die armen, ungebildeten Arbeiter, die meist im Hafen, Fabriken, Kanal- oder Straßenbau ihr Geld verdienten. Für sie war es oft sehr schwierig dauerhaft Arbeit zu finden. Zweitens die etwas Gebildeten, die bei Polizei, im Militär oder in Bars und als Portiers arbeiteten, drittens die Handwerker und schließlich die vermögenderen Saloonkeeper oder Ladeninhaber und fünftens die sogenannten white-collar-Arbeiter, die im Angestelltenbereich oder als Geistliche und Lehrer tätig waren. Frauen arbeiteten zu 75% als „Bridgets“ in Haushalten. Später wurden sie auch sehr aktiv im Lehrkörper und arbeiteten in Fabriken.
Arbeitsbedingungen und Löhne waren für die Iren extrem schlecht und sie mußten sich mit der allgemeinen Irenfeindlichkeit auseinandersetzen, die sich in Anzeigen wie „No Irish need apply“ ausdrückten. Die zweite Generation hatte es diesbezüglich bedeutend leichter, da die Anerkennung der Iren als Amerikaner schon weiter fortgeschritten war und ihre soziale Stellung sich ebenfalls verbessert hatte. So war der Lebensstandard der Iren anfänglich sehr niedrig und sie machten dem weit verbreiteten Bild der Iren als arme, versoffene und gewalttätige Einwanderergruppe alle Ehre. Diese schlechten Bedingungen drückten sich nicht nur in den
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elenden Jobs, sondern auch in der schlechten Hygiene, den Alkoholproblemen und der hohen Sterblichkeitsrate unter den Iren aus. Unfall- und Alkoholtod waren deutlich häufiger als in anderen Einwanderergruppen zu finden. Dies bezog sich auch auf die Kindersterblichkeitsrate, die jedoch durch eine ebenfalls sehr hohe Geburtenrate sozusagen kompensiert wurde. Daraus läßt sich auch auf die Familienstrukturen schließen. Iren hatten oft zahlreiche Kinder und der Familienzusammenhalt wurde als sehr wichtig empfunden. Selten lebten die Großeltern in den Familien, da es unter den Einwanderern wenig alte Menschen gab. Prinzipiell verdiente der Vater das Geld, wobei sein Lohn selten für die ganze Familie ausreichte. Somit trugen die Kinder aktiv zum Familieneinkommen bei, wodurch die Iren letztlich das höchste Einkommen pro Familie im Durchschnitt unter den gesamten Immigranten hatten. Die Mutter blieb hauptsächlich zu Hause, ihr kamen die Aufgaben im Haushalt sowie das Pflegen sozialer Kontakte in der Nachbarschaft zu, die einen hohen Stellenwert hatten. Manche Hausfrauen übernahmen auch kleinere Arbeiten, die sie im Haus erledigen konnten, selten aber Lohnarbeit. Unter den Iren gab es auch verhältnismäßig viele unverheiratete Frauen, die meist im religiösen Bereich oder in Fabriken und als Haushälterinnen arbeiteten. Als Gründe hierfür werden oft die irischen Männer angeführt, die als schlechte, alkoholsüchtige, gewaltbereite Ehemänner galten. Da die Iren sich meist nicht mit Menschen anderer Herkunft vermischten, bevorzugten viele Frauen diesen ledigen Familienstand.
Auf diesem Einblick aufbauend soll nun die Rolle der katholischen Kirche erläutert werden sowie der Verlauf der Assimilation der irischen Einwanderer an die amerikanische Gesellschaft.
3 Katholische Kirche und Assimilationsproblematik der Iren
Die Rolle der katholischen Kirche für die irischen Einwanderer und ihre Problematik, sich in die amerikanische Gesellschaft einzugliedern, sind zwei Aspekte, die in einer engen Beziehung zueinander stehen und sich deshalb auch in der folgenden Ausführung schwer trennen lassen, sich demnach in mehreren Bereichen überschneiden. Man kann sagen, daß die katholische Kirche als zentrale Institution der Iren und auch anderer katholischer Immigranten den Assimilationsprozeß
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Arbeit zitieren:
Johanna Avato, 2001, Die Sozialgeschichte irischer Immigration in die USA im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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