Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Politikverständnis der Studentenbewegung 4
2.1. Ursachen und Ideologien der Proteste 4
2.2. Eckpunkte des Weges den die Studentenbewegung beschritt 5
Nach dem gewaltsamen Tod Benno Ohnesorgs 5
2.2.3. Hochschulreform 6
2.2.1. Demonstrationen 7
2.2.2. Vietnamkrieg 8
2.2.5. Sozialistischer Deut scher Studentenbund (SDS) 8
2.2.6. Notstandsgesetze 10
3. Habermas Aussagen zur Studentenbewegung 10
3.1. Erfolge und richtige Schritte der Proteste 10
3.2. Kritik 15
4. Fazit 18
Literaturverzeichnis 20
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1. Einleitung
Die „Kritische Theorie“ hatte einen Einfluss auf die ideellen Grundlagen der Studentenbewegung. Die in ihr enthaltenen marxistischen und psychoanalytischen Begriffe lieferten die Sprache der Bewegung. Die Tatsache, dass die in der „Kritischen Theorie“ angeregten antiautoritären Ideen und Aktionen keinen massenmobilisierenden Effekt hatten führte dazu, dass sich die Studenten immer mehr dem „reinen“ Marxismus zuwandten. 1 Auch die Stellungen der Repräsentanten der Kritischen Theorie zur Studentenbewegung waren nicht einheitlich. 2 So war Habermas, der akademische Lehrer in „ständigem Kontakt und enger Verbundenheit“ mit den Studenten. 3 Trotzdem oder gerade deshalb stand er mit der Studentenbewegung in einem Spannungsverhältnis. 4 Habermas unterstellt den Studenten eine „Scheinrevolution“ 5 . Indem er aber „die Meinung vertrat, die Bewegung könne durch Abstreifen ihres falschen Bewusstseins gerettet werden, ließ er erkennen wie sehr seine Analyse selbst vom Geist der reinen Bewegung geprägt“ 6 war. Fellmann schreibt über Habermas „Seine Art die Protestbewegung zu interpretieren, entspricht seiner A rt, aus der Protestbewegung heraus z u philosophieren.“ 7 Hinzu kommt, dass die Studentenbewegung sich seiner Schriften als Denkformen bedient hat. 8 Dieses Spannungsverhältnis ist Thema der vorliegenden Arbeit. Es soll die Frage geklärt werden: Wie Habermas das Politikverständnis der tragenden Hauptströme der Studentenbewegung bewertet hat?
In einem ersten Teil wird das verfolgte Politikverständnis 9 der Studentenbewegung dargestellt. Die Studentenbewegung war keinesfalls eine homogene Gruppe von Gleichgesinnten 10 , die gemeinsam in eine Richtung arbeiteten deshalb sind wenn von „der Studentenbewegung“ die Sprache ist immer die tragenden Hauptströme dieser gemeint.
Um das Politikverständnis einschätzen zu können, werden die hinter den Aktionen stehenden Ideologien aufgezeigt. Daneben werden einige Eckpunkte der Zeit der Studentenbewegung wie die Geschichte des „Sozialistischen Deutschen
1 Weiss 1985: Die Ideologieentwicklung in der deutschen Studentenbewegung. S.25.
2 Gedö 1970: Dialektik der Negation oder Negation der Dialektik. S. 7.
3 Fellmann 1983: Gelebte Philosophie in Deutschland. S.150.
4 Reese-Schäfer 2001: Jürgen Habermas. S.10.
5 Habermas 1968: Die Scheinrevolution und ihre Kinder, in: Kleine politische Schriften (I-IV).
6 Fellmann a.a.O. S.197.
7 Fellmann a.a.O. S.195.
8 Fellmann a.a.O. S.202.
9 Als Politikverständnis soll hier gelten, wie (in diesem Fall) die Studentenbewegung was erreichen wollte.
10 In ihren politischen Positionen und Grundhaltungen lässt sich die Studentenbewegung nicht auf eine eindeutig indetifizierbare gemeinsame Linie festlegen. Ihre Kritik am herrschenden System war vielschichtig und das Spektrum der linken Positionen extrem breit. (Tutschner 1992: Von Marx zu Habermas? S.51).
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Studentenbundes“, die Rolle der Hochschulreform, des Vietnamkrieges und die Formen des Protests kurz abgehandelt.
Der anschließende zweite Teil beschäftigt sich mit Habermas´ Schriften zur Studentenbewegung. Es wird herausgearbeitet, an welchen Stellen Habermas mit dem Politikverständnis der Studenten übereinstimmt und welche Schritte und Ergebnisse er kritisiert. Unterstützend wird auf die das Thema betreffenden Einschätzung einiger Autoren zurückgegriffen werden.
Im Fazit wird dann die Anfangs gestellte Frage nach der Stellung Habermas´ zur Studentenbewegung beantwortet.
2. Politikverständnis der Studentenbewegung
2.1. Ursachen und Ideologien der Proteste
Die Studenten, die sich an den Protesten beteiligten kamen vielfach aus „gutem Hause“. Sie litten keine materielle oder soziale Not. Die Ursachen für die Proteste konnten also nicht aus einem Mangel entstehen, sondern aus einer völlig neuen Sicht auf die Dinge. Fritz Leonhardt 11 sieht einen Auslöser für die Entstehung der Proteste im Elternhaus und der Erziehung. Leonhardt schreibt, dass die sehr autoritäre Erziehung seiner Generation sich in einen weniger repressiven Umgang mit den Kindern gewandelt hat. Er sieht eine Generation heranwachsen, der „in ihrer früheren Jugend das Rückgrat nicht gebrochen wurde und die es nicht zuletzt auch deshalb mit der Wahrheit ernster nimmt.“ 12
Diese Sensibilisierung der Wahrheit gegenüber lief in totalem Gegensatz zu der gesamten politischen Situation in Deutschland. Die Studentenbewegung entstand in einer Zeit des „konservativen und autoritären politischen und kulturellen Klima“ 13 im Nachkriegsdeutschland. Es gab keine starke Opposition. Die Kanzlerdemokratie Konrad Adenauers wurde nicht in Frage gestellt. Die Zeit des Nationalsozialismus, des Kalten Krieges, die materiellen Sorgen während des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und der spätere Ansturm auf die Konsumgüter sowie die Entwicklung der SPD zu einer bürgerlichen Partei und die antikommunistische G rundstimmung durch die deutsche
11 Siehe im Folgenden: Leonhardt 1968: Studentenunruhen; Ursachen und Reformen.
12 Leonhardt 1968: Studentenunruhen; Ursachen und Reformen. S.27.
13 Tutschner 1992: Von Marx zu Habermas? S.45.
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Sonderrolle im Ost-West-Konflikt hielten die Arbeiterorganisationen auf Trab und die deutsche Bevölkerung von der Politik fern. 14
Die entpolitisierte Öffentlichkeit interessierte sich nicht für eine Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Gerade an den Universitäten hatte es keinen Bruch nach 1945 gegeben. Etliche Professoren, die sich während des Nationalsozialismus durch ihre systemtreue "wissenschaftliche" Arbeit hervorgetan hatten, konnten ihre Karrieren nach dem Krieg fortsetzen. Die Studenten konnten nicht akzeptieren, dass "die erdrückende Mehrzahl jener Deutschen, die sich auf die verschiedenste Weise dem nationalsozialistischem Staat 'verschrieben' hatte - als Führungskräfte, Beamte, Richter, Offiziere, Soldaten, Angestellte, Mitläufer, Gläubige und Opportunisten" 15 nie zur Rechenschaft gezogen worden waren.
Diese „neue“ Jugend g riff diese Nicht-Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und die Politikverdrossenheit, die „Scheinheiligkeit und Heuchelei der Welt ihrer Väter“ 16 an und versucht sich davon zu befreien. 17 Diese Befreiung von innerlichen und äußerlichen Zwängen fand ihren Ausdruck in einer Gesellschaftskritik, die im Lebensgefühl der Studentenbewegung mit der Systemveränderung unzertrennbar zusammenhing. Es wurde versucht die „die arbeitsteilige Gesellschaft kennzeichnenden Trennungen der Lebensbereiche aufzuheben.“ 18
2.2. Eckpunkte des Weges den die Studentenbewegung beschritt
Als Habermas 1969 seine Stellungnahmen zu den Studentenbewegungen gesammelt veröffentlichte teilte er die Geschehnisse in der Einleitung in drei Phasen. Die erste Phase vom Frühling 1965 bis zum Juni 1967 war seiner Ansicht nach fast ganz auf die Freie Universität Berlin beschränkt. Neben den massenmobilisierenden Themen wie dem Vietnamkrieg standen die Konflikte an der Hochschule im Vordergrund. Nach dem gewaltsamen Tod Benno Ohnesorgs 19 griff die Protestbewegung auch auf die anderen Hochschulen über. Der Protest richtete sich mit der Anti-Springer-Kampagne
14 Kohser-Spohn Studentenbewegung und außerparlamentarische Opposition in Deutschland -Neue Formen des Widerstands in den 60er Jahren, auf: http://geogate.geographie.uni-marburg.de/parser/parser.php?file=/deuframat/deutsch/4/4_3/kohser/start.htm. Zugriff: 25.07.2005.
15 Cohn-Bendit/ Mohr 1988: 1968. Die letzte Revolution, die noch nichts vom Ozonloch wusste. S. 13.
16 Leonhardt a.a.O. S.29.
17 Leonhardt a.a.O. S.193.
18 Fellmann 1983 a.a.O. S. 193.
19 Während der Demonstration gegen den Besuch des Schah von Persien wurde am 2.Juni 1067 vor der Deutschen Oper in Berlin der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Daraufhin eskalierten die Proteste in der ganzen Bundesrepublik. In der Folge wurden der Regierende Bürgermeister von Berlin, Albertz, und der Polizeichef, Duensing, zum Rücktritt gezwungen.
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und der Kritik an den Notstandsgesetzen und damit der Regierung nach außen. Diese Phase stützte sich laut Habermas auf den in den Hochschulen errungenen Erfolg der ersten Phase. Nachdem die Notstandsgesetze trotz des Protestes verabschiedet wurden, musste dieser „Versuch der Etablierung einer Gegengewalt und einer Aktivierung insbesondere der Arbeiterschaft als gescheitert aufgegeben werden.“ 20 Dieser Rückschlag zwang zur Rückwendung auf die Hochschule, was die dritte Phase der Habermaschen Einteilung einläutet. Nun wurden die Reformziele nur noch als Vorwand benutzt. Habermas meint, dass der Protest jetzt zum einzigen Inhalt die „Dysfunktionalisierung der Hochschule im Zeichen einer zweideutig angestrebten Selbstorganisation hat.“ 21
2.2.3. Hochschulreform
Die Forderung nach einer Hochschulreform war das erste Thema welches große Teile der Studentenschaft mobilisieren konnte. 22 Dabei ging es den Studenten um den oben beschriebenen Widerspruch gegen die „Selbstentfremdung des Individuums“ 23 sie wollten neue Formen der Lehrveranstaltungen und der Lernstoffe. Diese Veränderungen sollten die „Trennung von theoretischer Einstellung und individueller Selbstverwirklichung“ 24 fördern. Die Kritik an den Inhalten der Hochschulen zeigte sich zum Beispiel in der „Kritischen Universität“. An d er FU Berlin versuchten die Studierenden damit dem konventionellen Lehrplan etwas entgegen zu setzten. Selbstgeleitete, interdisziplinäre Arbeitskreise sollten die politische Dimension von Wissenschaft aufzeigen. Aber nicht nur die Inhalte, sondern auch die Strukturen der Hochschule wurden damals heftig kritisiert. 25 Diese Universität als unabhängiger Elfenbeinturm der Bildung und Kunst war jedoch angesichts des wirtschaftlichen Strukturwandels nicht mehr haltbar. 26
20 Habermas a.a.O. S.268.
21 Habermas a.a.O. S.268.
22 Görtemaker 2002: Kleine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. S.200.
23 Fellmann a.a.O. S.193.
24 Fellmann a.a.O. S.194.
25 Der Ausgangspunkt der 68er Revolte war noch die klassische Ordinarienuniversität. Dem entsprachen formal die priesterlich anmutenden Talare der Ordinarien. Zu den Talaren und Formalien gesellte sich die herausgehobene inneruniversitäre Machtstellung des jeweiligen Ordinarius. Dieser war der unumschränkte Herr seines Instituts, alle anderen Dozenten unterstanden unmittelbar dem Lehrstuhl des Ordinarius. Die inhaltliche Ausgestaltung des jeweiligen Fachgebietes hing daher völlig von seinen Vorstellungen und Forschungsschwerpunkten ab.
26 Denn der Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg und das Wirtschaftswunder waren vor allem durch den massiven Einsatz traditionell ausgebildeter und/oder gering qualifizierter Arbeitskräfte erreicht worden. In der Rezessionsphase seit
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Arbeit zitieren:
Lena Dittmer, 2005, Habermas und die Studentenbewegung der 60er Jahre, München, GRIN Verlag GmbH
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