Wissenschaftstheorie Methodologie der Sozialwissenschaften Allgemeine Soziologie WS 2000/2001
Lug und Trug in der Wissenschaft
Eingereicht als Seminararbeit
Verfasser:
Michael Krupp Abgabetermin: 23.04.2001 Anzahl der Wörter/Zeichen: 4.095 / 31.685
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1. Einleitung 1
2. Lug und Trug in der Wissenschaft 2
2.1. Formen von Lug und Trug 3
2.2. Probleme im Wissenschaftssystem 5
3. DFG Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ 7
3.1. Empfehlungen 7
3.2. Erfahrung aus dem Ausland 10
4. Max-Planck-Gesellschaft 11
4.1. Form der Untersuchung. 12
4.2. Sanktionsmöglichkeiten 12
5. Fazit: 14
Quellen : 15
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Wissenschaft ist eine der Grundlagen einer modernen, offenen Gesellschaft. Sie ist nicht nur Basis von wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und Innovationskraft einer Gesellschaft, sondern sichert auch den technisch- zivilisatorischen Fortschritt.
Doch wie in jedem Lebensbereich gibt es auch in der Wissenschaft „schwarze Schafe“. Erst jüngst, Ende der neunziger Jahre sorgte Wissenschaftsfälschung in der Krebsforschung erneut für allgemeines Aufsehen. Die langfristige und systematische Fälschung von wissenschaftlichen Erkenntnissen durch Hermann und Brach gilt als der bisher spektakulärste Fall von Forschungsfälschung in der Nachkriegszeit 1 . Nicht nur die Planmäßigkeit der Vorgehensweise und die Aufklärungsdauer, sondern auch das Ansehen, das durch die Betrügerei erlangt werden konnte, gibt Anlaß zur Sorge.
Bei einem Blick auf die Geschichte der Wissenschaften muß aber eingeräumt werden, daß sich die „Täter“ in Gesellschaft durchaus bekannter und auch heute noch angesehener Wissenschaftler wiederfinden. Wer hätte gedacht, daß Namen wie Galilei, Mendel oder Einstein mit Unregelmäßigkeiten in der Forschung in Verbindung gebracht werden können. Aber hieraus läßt sich nicht schließen, daß Betrug in der Forschung so etwas wie ein Kavaliersdelikt sein könnte. Vielmehr ist es als glücklicher Zufall zu betrachten, daß trotz Bereitschaft zum Betrug und trotz Verwendung unredlicher Mittel eben genannte Forscher zu brauchbaren Ergebnissen gekommen sind. Dies ist selten der Fall, und so wirken sich unseriöse Praktiken meist kontraproduktiv aus. So hat unter anderem der eingangs erwähnte Fall die gesamte deutsche Wissenschaft bei ausländischen Forschern und bei der breiten Öffentlichkeit in Mißkredit gebracht.
Um diesen Schaden zu beheben und zukünftigen Entgleisungen vorzubeugen, haben verschieden Forschungseinrichtungen Maßnahmenkataloge und Richtlinien zur Selbstkontrolle und Sicherung von Qualität in der Wissenschaft veröffentlicht. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft herausgegebenen Vorschläge zur „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ und der Leitfaden „Verfahren bei Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten“ der Max-Planck-Gesellschaft sollen im weiteren näher betrachtet werden.
1 Nano online; http://www.3sat.de/nano/cstuecke/07813/index.html; 12.02.02 23:00
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Wie präsent Lug und Trug in der Wissenschaft schon immer ist, zeigen die eingangs erwähnten Namen. Allerdings ist hier auch anzumerken, daß Galilei und Mendel zu einer Zeit gelebt haben, in der vorkritische Forschung betrieben wurde, also die Wissenschaft von offensichtlich falschen Dogmen durchdrungen war und somit unseriöses Verhalten in einem anderen Licht erscheint. Die beiden anderen Fälle fallen aber in die Zeit der kritischen Forschung, in der generell alle Erkenntnisse, auch die eigenen, kritisch hinterfragt werden sollten.
Dies zeigt aber, daß Betrug ein großes Problem auch in der heutigen Wissenschaft ist. Primär natürlich, da dieser die eigentliche Aufgabe, das Erlangen fundierter Erkenntnisse, behindert. Überdies besteht die Gefahr, daß mit falschen Vorergebnissen weitergearbeitet wird und so Folgeschäden entstehen. Außerdem werden betrügerische Machenschaften häufig mit Mitteln finanziert, die in der seriösen Forschung dringend gebraucht würden.
Aber über diese Probleme hinaus ist gerade in den letzten Jahren ein Faktor hinzugekommen, der früher nicht so stark ins Gewicht fiel: Durch globale Massenkommunikation ziehen Fälle von Betrug immer größere Kreise. Gemeint ist hiermit nicht nur die Auswirkung auf den internationalen Ruf der Wissenschaften in Expertenkreisen, sondern auch die Effekte auf das Bild der Wissenschaft in der öffentlichen Meinung, von deren Akzeptanz sie zumindest teilweise abhängig ist. Denn in einer demokratischen Grundordnung können staatliche Forschungsgelder nur gerechtfertigt werden, wenn ausreichende Akzeptanz in der Bevölkerung vorhanden ist.
Somit muß erklärtes Ziel sein, nicht nur die Qualität der Erkenntnisgewinnung, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft aufrecht zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Staatliche oder internationale Kontrolle ist in bezug auf Sinn und Nutzen stark umstritten, sie könnte zu Zensur, Behinderung und Beeinflussung führen. Außerdem ist die Durchführbarkeit fraglich. Wenn die Wissenschaft frei bleiben soll, sind also die Forschungseinrichtungen selber gefragt, um Richtlinien und Leitfäden zur Gewährleistung wissenschaftlicher Qualität zu erstellen. Diese sollten möglichst transparent, leicht umsetzbar und überprüfbar sein. Erster Schritt ist die Definition von Handeln, das als unredlich bezeichnet werden kann.
Arbeit zitieren:
Dr. Michael Krupp, 2001, Lug und Trug in der Wissenschaft - Prävention wider der Unredlichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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