Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Bildung im Mittelalter 4
3. Der Literaturbetrieb der höfischen Zeit. 6
3.1 Die Anfänge 7
3.2 Gönner und Auftraggeber 8
3.2.1 Literatur am Kaiserhof 8
3.2.2 Das Mäzenatentum der Fürsten. 9
3.3 Dichter und Publikum
3.3.1 Die Epiker. 10
3.3.2 Die Minnesänger 11
3.3.3 Das höfische Publikum. 11
3.4 Aufführung der Literatur
3.4.1 Höfische Epik 12
3.4.2 Minnesang 13
4. Die Lebensbedeutsamkeit der höfischen Literatur 14
4.1 Höfische Epik 15
4.1.1 Betroffensein. 15
4.1.2 Kommunikationsgemeinschaften. 18
4.2 Minnesang 21
4.2.1 Minnesang als höfisches Zeremonialhandeln. 21
5. Zusammenfassung. 26
6. Literaturverzeichnis. 27
6.1 Hilfsmittel
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1. Einleitung
Der Höhepunkt der Regierungszeit Kaiser Friedrich Barbarossas 1180 markiert den Beginn der Blütezeit der höfischen Dichtung. Bis zu seinem Regierungsantritt 1152 war Literatur fast ausschließlich den Geistlichen vorenthalten. Mit der Machtentfaltung des staufischen Kaisertums entwickelte sich eine eigenständige deutsche Kultur, die vom Adel getragen wurde. Damit war die Literatur adlige Standesdichtung, die der Repräsentation, z.B. bei Hoffesten, dient. Trotz der Bezeichnung „staufische Literaturepoche“ handelte es sich nicht um politische Dichtung, sondern um eine Standesdic htung, deren Aufgabe es war, das höfische Gesellschaftsideal zu transportieren.
In dieser Arbeit soll zunächst dargestellt werden, wie, ausgehend von der Bildungssituation, ein neuer Typ von Texten aufkommen konnte, die hauptsächlich mündlich verbreitet wurden. Weitere Entstehungsvoraussetzungen finden sich im fürstlichen Mäzenatentum, durch das die materiellen Grundlagen für die Dichter geschaffen wurden. Die Rolle der Dichter und des Publikums sowie die Situation bei der Aufführung der Literatur sollen ebenfalls beleuchtet werden.
Es folgt eine eingehende Darstellung über die Lebensbedeutsamkeit der Literatur. Bei den höfischen Romanen spielen das Betroffenmachen der Zuhörer und die Schaffung von Kommunikationsgemeinschaften eine große Rolle. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Frage nach der epischen Wahrheit gerichtet. Was den Minnesang anbetrifft, soll zunächst das Konzept der höfischen Liebe kurz vorgestellt werden. Des weiteren stellt sich der Minnesang als Teil des höfischen Zeremonialhandelns dar, was der Gruppe der unfreien Ministerialen das Teilhaben an der Herrschaftsausübung durch Repräsentation ermöglichte.
3
2. Bildung im Mittelalter
Das lateinische Begriffspaar litteratus - illitteratus gehörte zum Sprachgebrauch der mittelalterlichen Überlieferung und wird oft übersetzt mit gebildet - ungebildet. Die Begriffe sind aus dem antiken Latein übernommen. Die ursprüngliche Bedeutung von litteratus ist ‚schreib-und lesekundig’, illitteratus ist im Gegensatz dazu der Analphabet. 1 Im Mittelalter mußte jedoch genauer zwischen diesen Begriffen differenziert werden, da sie zu der Zeit eine spezielle Be deutung hatten. Es waren keine Extreme, sondern neutrale Begriffe, die man zur Charakterisierung der verschiedenen Stände heranziehen konnte. Litteratus bezeichnete das Mindestmaß an Bildung, nämlich Lese- und Schreibfähigkeit. Im Mittelalter besaßen dies bis ins 12. Jahrhundert fast ausschließlich die Kleriker und Mönche. Die Laien waren bis in die höchsten Gesellschaftsschichten illiterat, also Analphabeten.
Litteratus bedeutete aber auch immer zugleich ‚lateinkundig’, da man nur am Latein lesen und schreiben lernen konnte. Bis ins 12. Jahrhundert hinein gab es nur vereinzelt volkssprachliche Literatur, fast die gesamte schriftliche Überlieferung war lateinisch. 2 So bezeichnete das Wort littera (Buchstabe, Geschriebenes, Literatur) die lateinische Sprache, was die alleinige Schriftsprache war. Eine nicht- lateinische Literatur wäre danach ein Widerspruch in sich gewesen. Daran kann man erkennen, was sich für ein großer Wandel mit dem Aufkommen der volk sprachlichen Literatur vollzog.
Die Volkssprache konnte nur derjenige schreiben, der Latein schreiben konnte. Dies lernte man mit der grammatica, was die erste der sieben freien Künste war. 3 (Das waren die drei sprachlichen Künste Grammatik, Rhetorik und Dialektik und die vier mathematischen Künste Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik. Man bezeichnete sie als ‚freie Künste’, weil sie brotlose Künste und damit nur eines freien Mannes würdig waren. 4 ) Grammatica war zudem oft gleichbedeutend mit littera, bezeichnete demnach ebenfalls das Latein. Es gab die Ausdrücke grammatica loqui und littera loqui, was soviel hieß wie ‚lateinisch sprechen’. 5
1 Vgl. Herbert Grundmann: Litteratus - illitteratus. Der Wandel einer Bildungsnorm vom Altertum zum
Mittelalter, in: Archiv für Kulturgeschichte 40, 1958, S. 15.
2 Ebd., S. 3f.
3 Ebd., S. 4f.
4 Vgl. Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur, 7., verbesserte und erweiterte Auflage, Stuttgart 1989, S.
53.
5 Vgl. Grundmann, S. 5.
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Ein ähnlicher Begriff wie illitteratus war idiota. Im Griechischen bezeichnete dieser Ausdruck den Priva tmann, im Mittelalter war es derjenige, der nur seine Muttersprache beherrschte und damit auch Analphabet war. Im kirchenrechtlichen Sinn war mit idiota der Laie gemeint, da Lateinkenntnis bei den Klerikern Pflicht war. 6
Nicht lesen zu können, schloß nicht aus, daß man dennoch gebildet sein konnte. Neben der literarisch- lateinischen Bildung gab es eine Laien- und Adelsbildung mit vielfältigen Traditionen, die nicht schriftlich, sondern mündlich weitergegeben wurden. Darunter fielen die Stoffe der Heldenepen sowie Recht und Brauchtum. Besonders die Heldensagen, die mit Beginn des geregelten Literaturbetriebs Ende des 12. Jahrhunderts verschriftlicht wurden, waren beim Adel sehr beliebt. 7
Lesen und schreiben zu können, gehörte auch nicht zum hohen Bildungsideal der Stauferzeit. Allerdings gab es Ausnahmen lese- und lateinkundiger Adliger. Die lassen sich z.T. dadurch erklären, daß jemand für eine kirchliche Laufbahn bestimmt war und ausgebildet wurde, dann aber doch ins weltliche Leben zurückkehrte.
Zum Bildungsideal der adligen Frauen gehörte jedoch ein gewisses Maß an Lateinkenntnissen, zumindest soviel, daß sie lateinische Gebete lesen konnten. 8 Dies wurde von den Männern nicht ve rlangt; selbst Herrscher blieben meist Analphabeten, was erst seit dem 12. Jahr-hundert Kritik erregte. Kaiser und Könige hatten anderes Wissen und Können, das sie auszeichnete. 9
Das Begriffspaar litteratus - illitteratus stand im Mittelalter also nicht für die verschieden Bildungs grade, sondern für verschiedene Bildungsweisen, die nebeneinander existierten. Und diese Bildungsformen verteilten sich - mit Ausnahmen - auf die verschiedenen Stände. Litterati waren die Kle riker, illitterati die Laien aller Gesellschaftsschichten. 10 Daher darf es nicht verwunderlich sein, daß die Mehrzahl der Herrscher Analphabeten waren. Es wird aber auch vo n Königen berichtet, die noch als Erwachsene lesen gelernt haben oder trotz fehlender Bildung an lateinischer Literatur interessiert waren, die sie sich in die eigene
6 Ebd., S. 6ff.
7 Vgl. Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, München 8 1997, S.
611f.
8 Vgl. Grundmann, S. 8f.
9 Ebd., S. 11ff.
10 Ebd., S. 13f.
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Sprache übersetzen und vorlesen ließen. Diese Zwischenformen der Bildung kann man nicht mehr eindeutig den Kategorien litteratus und illitteratus zuordnen. 11
3. Der Literaturbetrieb der höfischen Zeit
Die Bildungssituation des Adels führte zu einem neuen Typ von Literatur: „Texte, die nach schriftlichen Vorlagen gearbeitet waren und selbst schriftlich fixiert worden sind, [...] die aber nach dem Willen ihrer Auftraggeber primär für eine mündliche Verbreitung durch den Vortrag bestimmt waren.“ 12
Als Hauptgattungen der höfischen Dichtung gelten Epik und Lyrik. Der höfische Roman, die erzählende Hauptform, war meist in vierhebigen Reimpaaren in auktorialem Erzählstil verfaßt. Die verwendeten Stoffe stammten im Gegensatz zum Heldenepos, welches nationale Sagenmotive enthält, aus keltischen (König Artus, Tristan), antiken (Alexander, Troja, Aeneas) und orientalischen (Flore und Blancheflor) Sagenkreisen. Dargestellt wurden die Lebensformen und Probleme der höfischen Gesellschaft, jedoch auf idealisierende Art und Weise. Seinen Ursprung hat das höfische Epos um 1150 in Frankreich, wo Chrétien de Troyes in seinen Artus romanen psychologische Themen wie Treue und Ehebruch mit Abenteuererzählungen verband. Diese und weitere französische Vorlagen wurden in den Jahren 1190 bis 1230 von deut schen Dichtern wie Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg mit großem künstlerischem Können verarbeitet. Nach dieser Blütezeit finden sich nur noch Nachahmer, die nicht an die Größe der früheren Dichter heranreichten. 13 Der Minnesang, die Hauptform der höfischen Lyrik, wies verschiede Gattungen auf, wie z.B. das Tagelied, das Tanzlied und das eigentliche Minnelied, bei welchem wiederum zwischen Leich (ungleiche Versgruppen, religiöse oder Minnethematik) und Lied (dreigeteilte Strophen, Minnethematik) unterschieden wurde. 14 In streng eingehaltenen Strophenformen wurde als Rollenlyrik der Frauendienst thematisiert, also die Verehrung einer verheirateten, uner- 11 Vgl.Bumke, S. 607ff.
12 Bumke, S. 609.
13 Vgl. von Wilpert, S. 384f.
14 Vgl. Herbert A. und Elisabeth Frenzel: Daten deutscher Dichtung. Chronologischer Abriß der deutschen
Literaturgeschichte, Bd.1: Von den Anfängen bis zum Jungen Deutschland, Köln 28 1994, S. 27.
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reichbaren Herrin, die das weibliche Idealbild verkörperte. Aus der Unmöglichkeit eines erfüllten Liebesglücks und dem Wissen darum ergab sich die Minneklage. Auch beim Minnesang sind die Ursprünge in Frankreich zu finden. Der höfische Frauenkult der Troubadours der Provence hatte aber noch weiter zurückreichende Wurzeln z.B. in der Antike, in der Marienverehrung des Christentums oder bei den Arabern in Spanien. Dichter wie Heinrich von Veldeke, Friedrich von Hausen und Heinrich von Morungen vermittelten die französische Dichtung ab 1170 in Deutschland; allerdings war der deutsche Minnesang weniger galant und sinnlich, dafür aber sehnsuchtsvoller, seelisch durchdringender und mit mehr Naturempfinden ausgestattet als der französische. Die strengen Regeln durchbrach Walther von der Vogelweide mit seinen zur niedern Minne gehörenden Mädchenliedern. Nach seiner Blütezeit von 1190 bis 1230 verfiel der höfische Minnesang. 15
3.1 Die Anfänge
Der analphabetische Laienadel lebte nicht vollkommen schriftlos. Es gab sogenannte Hausklöster, die auf dem Besitz von Adelsfamilien gegründet worden waren und in denen die Geistlichen, Ärzte und Architekten für den zugehörigen Hof ausgebildet wurden. Wann immer es nötig war, konnten die Schreiber des Klosters in Anspruch genommen werden, z.B. um Rechtsakte festzuhalten. Ferner lassen sich Schriftstücke aus dem 11. Jahrhundert finden, die die Gründungsgeschichte des Klosters und des weltlichen Hofs beinhalten. Weiterhin ent-standen Genealogien, Haus- und Landesge schic hten, sowie Fürstenbiographien und Landeschroniken. 16
Entscheidend für die Entwicklung eines geregelten Schriftbetriebs an den weltlichen Höfen war die Einrichtung eigener Kanzleien. Eine neu organisierte Verwaltung, die durch die modernen Formen der Landesherrschaft bedingt war, forderte ein höheres Maß an Schriftlichkeit, was nun von den Kanzleien realisiert wurde. Neben Urkunden wurden daher u.a. genaue Besitz- und Einkunftsve rzeichnisse, Geschäfts- und Rechnungsbücher sowie Steuerverzeichnisse angefertigt. 17
15 Vgl. von Wilpert, S. 578ff.
16 Vgl. Bumke, S. 617ff.
17 Ebd., S. 630f.
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Arbeit zitieren:
Eleni Stefanidou, 2000, Literarische Kommunikation um 1200, München, GRIN Verlag GmbH
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