Inhalt
I. Einleitung 3
II. Die künstlerische Entwicklung im Werk Michelangelos am Beispiel seiner
Marienskulpturen 4
1. Allgemeiner Überblick zur plastischen Marienklage in der Renaissance und deren
Ursprung 4
2. Michelangelos römische Pietà als Werk seiner frühen Schaffensperiode 5
2.1 Entstehungsgeschichte, Auftraggeber, Standorte 5
2.2 Beschreibung der römischen Pietà: Oberflächenbehandlung, Komposition,
Besonderheiten, Interpretation 6
3. Das Spätwerk Michelangelos am Beispiel der florentinischen Pietà 9
3.1 Entstehungsgeschichte 9
3.2. Die Besonderheiten der florentinischen Pietà in: Oberflächenbehandlung,
Komposition und Interpretation 10
4. Vergleichende Gegenüberstellung von Michelangelos Spät- und Frühwerk
anhand der beiden genannten Skulpturen 12
4.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellungsweise 12
4.2 Besonderheiten in der Entwicklung der Arbeitstechnik, Oberflächenbehandlung,
Charakteristika 13
4.3 Wesentliche Merkmale der künstlerischen Entwicklung Michelangelos im
Überblick 14
5. Unterschiede zwischen Michelangelos Pietàdarstellungen und den plastischen
Marienbildern seiner Zeit 14
III. Zusammenfassung (in englischer Sprache) 15
Bibliographie 17
Abbildungsnachweis 18
Bildanhang 19
2
I. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Früh- und Spätwerk der plastischen Arbeit Michelangelos und dessen künstlerischer Entwicklung, die gerade durch seine lange Lebenszeit von 89 Jahren viele Veränderungen und neue Dimensionen erfuhr. Da der Bestand an Werken immens ist, beschränkt sich diese Seminararbeit auf zwei bedeutende Skulpturen, die römische und die florentinische Pietà, die sich thematisch gleichen und Merkmale der jeweiligen Schaffensperiode des Bildhauers in sich tragen. Nicht nur die ähnliche Thematik der beiden Skulpturen scheint interessant, sondern auch das verstärkte Interesse Michelangelos an dem religiösen Motiv der Kreuzabnahme Christi verbunden mit der Beweinung durch die Jungfrau Maria. Diese Thematik sollte ihn sein ganzes Leben begleiten.
Beginnend mit einem Überblick zur Marienskulptur in der Renaissance, soll kurz deren Vorgeschichte, sowie deren typischen Eigenschaften aufgezeigt werden; diese Einführung begrenzt sich aus Literaturmangel zu dem spezifischen Themengebiet nicht nur auf Italien, sondern erstreckt sich vielmehr auch auf die Länder, in denen die sogenannten Vesperbilder in jener Zeit üblicher und weiter verbreitet waren. Um die Pietàdarstellungen Michelangelos den gängigen Madonnenbildern seiner Zeitgenossen gegenüberzustellen, wird die eingangs verwendete Übersicht am Ende wieder aufgegriffen. Auf diese Weise werden nicht nur die Entwicklung des Künstlers selbst, sondern auch die Merkmale und Besonderheiten seines Stils in jener Epoche betont.
Im weiteren Verlauf wird der Schwerpunkt auf die Entstehungsgeschichte und die Beschreibung der beiden Werke gesetzt. Das Frühwerk, dass in dieser Arbeit durch die römische Pietà verkörpert werden soll, verhalf dem damals noch jungen Künstler zum Durchbruch und entstand in den Jahren 1498 bis 1500. 1 Die florentinische Pietà als Vertreterin der Spätwerke, zählt zu den letzten Skulpturen, die Michelangelo noch vor seinem Tode schuf. Neben der Entstehungsgeschichte und der Beschreibung umfasst die Analyse der Plastiken zusätzlich die wichtigsten und grundlegendsten Elemente, wie unter anderem Oberflächengestaltung, Komposition und Interpretationsansätze. Im darauf folgenden Abschnitt stehen sich Früh- und Spätwerk zum Vergleich gegenüber, anhand dessen die Entwicklung Michelangelos nachzuvollziehen ist. Es werden Unterschiede und Ähnlichkeiten in der Darstellungsweise der Motive, der Arbeitstechniken und Oberflächenbehandlungen herausgearbeitet, die einen groben Überblick über die Schaffensperiode und den Fortschritt des Künstlers geben sollen.
Die in englischer Sprache verfasste Zusammenfassung schließt mit den in der Arbeit gewonnenen Ergebnissen und Eindrücken ab.
1 Koch, Michelangelo. S.168
3
Anzumerken ist, dass die im Anhang sehr sorgfältig ausgewählten Abbildungen zur Veranschaulichung der beschriebenen Werken und zum besseren Verständnis dienen sollen. Jedoch war die Vervielfältigung der Bilder in den meisten Fällen schwierig oder nicht möglich, weshalb dem Anhang ein Verweis auf sehr gute Abbildungen hinzugefügt wurde, die für die Betrachtung der Seminararbeit von Bedeutung gewesen wären.
II. Die künstlerische Entwicklung im Werk Michelangelos am Beispiel seiner Marienskulpturen
1. Allgemeiner Überblick zur plastischen Marienklage in der Renaissance und deren Ursprung
Die Darstellung der Pietà als isolierte Jungfrau in der Renaissance war eher untypisch für Italien. Im 14. Jahrhundert galt das Motiv als noch nicht geläufig. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts breitete sich die einsame Marienklage weitgehend vor allem in Malerkreisen aus. 2 Die Pietà an sich war als Teil eines Ganzen zuvor schon in Italien Gegenstand vieler Bilder und Skulpturen, jedoch ist der Ursprung der isolierten Madonnenskulptur verbunden mit dem Thema der Kreuzabnahme nordischen Ursprungs. 3
Deutsche Wandermeister hinterließen auf ihren Reisen durch Friaul und Venedig bis hin zur Adriaküste zahlreiche plastische Werke. Sie waren meist aus Holz, Ton oder Alabaster angefertigt und entwickelten nur eingeschränkt Tiefendimension. 4 Diese Werke wurden von den italienischen Meistern zwar zur Kenntnis genommen, jedoch wurde die plastischen Arbeit anfänglich überwiegend den deutschen Künstlern überlassen. Im Gegensatz zu Italien war in Deutschland, wie auch im gesamten nördlichen Europa, die Madonnenskulptur seit dem vierzehnten Jahrhundert ein beliebtes Motiv. Den in Deutschland sogenannten Vesperbildern, wie auch den übrigen nördlichen Darstellungen, kam eine liturgische Funktion zu, die verbunden mit dem Leiden Christi und dem einfühlenden Schmerz Marias einherging und am Karfreitag zur Vesperzeit stattfand. Die Gestaltung der sitzenden Maria, die den gerade vom Kreuz genommenen Sohn auf ihrem Schoß hielt, war in den verschiedensten Ausführungen anzutreffen, wobei sie sich doch in grundlegenden Merkmalen ähnelten. In der Gotik dominierte ein fast senkrecht liegender, starrer Leichnam Jesu, der mit gekreuzten Händen auf dem Schoß Marias ruhte. 5 Auffällig an diesen Darstellungen waren die harten Winkel zwischen dem horizontal liegenden Sohn und der streng aufrechtsitzenden Mutter, die das Empfinden der italienischen Meister zu jener Zeit eher abstieß (Abb. 1). Später dann wurde der leblose Körper meist kindhaft verkleinert dargestellt (Abb. 2). Anfang des 15. Jahrhunderts erreichte der „Schöne
2
Körte, Dt. Vesperbilder in Italien. Kunstgeschichtliches Jahrbuch der Bibliotheca Hertziana. S. 14
3 Pinder, Die Pietà. S. 9
4 Keller, Michelangelo. Bildhauer- Maler- Architekt. S. 14
5 Pinder, Die Pietà. S. 7
4
Stil“ die Pietàdarstellung und es entstanden plastische Werke voll weicher, jugendlicher Schönheit, die daraufhin nicht nur in die Welt der Ikonen Italiens, sondern ebenfalls von großen Meistern jener Epoche, zum in sich vollendeten Kunstwerk übersteigert, übernommen und ausgeführt wurden. 6 Der „Schöne Stil“ verlieh auch „[...] Maria im Leid [...] Züge von jugendlicher Anmut, wohl ernst und gesammelt, aber durchaus nicht hoffnungslos oder verzweifelt.“ 7
2. Michelangelos römische Pietà als Werk seiner frühen Schaffensperiode
2.1 Entstehungsgeschichte, Auftraggeber, Standorte
Michelangelos erster fünfjähriger Aufenthalt in Rom von 1496 bis 1501 verschaffte ihm neue Auftraggeber. Zu den wichtigsten Förderern dieser Zeit zählte unter anderem Jacobo Galli, ein einflussreicher Bankier, der ihm den Auftrag für die römischen Pietà vermittelte, die sich heute in der Peterskirche in Rom befindet. Der Kardinal Jean Bilhères de Lagraulas, ein Gesandter des französischen Königs Karl VIII., gab die Skulptur ursprüng-
lich für seine Grabstädte in Auftrag. 8 Er selbst jedoch verstarb ein Jahr bevor Michelangelo die Pietà fertig stellen konnte. Das Thema der Pietà an sich, als ein typisch nordisches Thema und besonders in Frankreich als Brauch zur Schmückung von Grabstädten ge-
nutzt, verdeutlichte noch zusätzlich die französische Präsenz auf italienischem Boden. 9 Der Vertrag für die heilige Jungfrau wurde am 27. August 1498 unterschrieben und Jacobo Galli, der Bürge des Vertrages versicherte:
„Und ich, Jacobo Galli, verspreche dem ehrwürdigen Monsignore, daß genannter Michelangelo das Werk in einem Jahr vollendet, und daß es die schönste Marmorskulptur sein wird, die es heutigentags in Rom gibt, und daß kein Meis-
10 ter von heute sie würde besser machen können.“
Bevor Michelangelo mit den Arbeiten zu seinem Werk begann, hatte er schon einige Monate in Carrara verbracht, um dort Marmor für die Skulptur zu brechen. Die Wahl des Marmorblocks war für ihn von so großer Bedeutung, dass er es sich nicht nehmen ließ, vor Ort die Leitung zu übernehmen. Man könnte sagen, dass für den Bildhauer Michelangelo die eigentliche Arbeit nicht erst im Atelier, sondern bereits im Steinbruch begann. „Was unter seinem Namen entstand, mußte gänzlich von seinen Händen geschaffen
sein.“ 11
6 Körte, Dt. Vesperbilder in Italien. Kunstgeschichtliches Jahrbuch der Bibliotheca Hertziana. S. 104
7 Neuhardt, Die Pietà. S. 12
8 Murray, Michelangelo. S. 19
9 Rohlmann; Thielemann, Michelangelo/Neue Beiträge. S. 94
10 Milanesi, Le lettere di Michelangelo Buonarotti. S. 316 f (Zitat aus Koch, Michelangelo. S. 50)
11 Guazzoni, Michelangelo - der Bildhauer. S. 34
5
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2003, Analyse und Vergleich des Früh- und Spätwerkes Michelangelos am Beispiel der römischen und florentinischen Pietà, Munich, GRIN Publishing GmbH
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