Inhalt
I. EINLEITUNG. 3
II. MARGARET MEA:D „JUGEND UND SEXUALITÄT IN PRIMITIVEN GESELLSCHAFTEN“ 5
1. Einleitende Kurzbiographie Margaret Meads (Jahre 1901-1925) 5
2. Ausarbeitung der Fragestellung und Entscheidung für ein Zielland 6
3. Franz Boas und der Kulturdeterminismus. 6
4. Beschreibung von Meads Feldstudie 7
4.1 Die Ankunft auf Samoa und erste Vorbereitungen 7
4.2 Working in the field: Meads Vorgehen bei der Datensammlung. 8
4.3 Nachbearbeitung und das Erscheinen von „Coming of Age in Samoa“ 8
5. Resultate und wichtigste Thesen der Studie Meads 9
III. KRITIKER DEREK FREEMAN: „LIEBE OHNE AGGRESSION“ 13
1. Freemans Untersuchung als Wiederholungsstudie zu Meads Forschung auf
Samoa 13
1.1 Restudies im Allgemeinen 13
1.2 Zielsetzungen von Freemans Restudy 13
2. Freemans Feldforschung auf Samoa 14
2.1 Rahmenbedingungen der Studie 14
2.2 Vorbereitung weiterer Analysen zu den Samoa-Inseln 15
2.3 Freemans Vorgehensweise und seine verwendeten Quellen 15
3. Die Mead-Freeman-Debatte. 16
3.1 Freemans Ergebnisse und seine Kritik an „Coming of Age in Samoa“ 16
3.2 Forschung im Widerspruch? Erklärungsversuche für die unterschiedlichen
Ergebnisse 18
3.2.1 Kritik an Margaret Mead 18
3.2.2 Kritik an Derek Freeman. 20
4. Der Einfluss der Mead-Freeman-Debatte auf die Ethnologische Forschung. 21
IV. ZUSAMMENFASSUNG 23
BIBLIOGRAPHIE 25
2
I. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der sogenannten Mead-Freeman-Debatte, die Anfang der achtziger Jahre aufkam und eine heftige Diskussion bezüglich ethnologischer Feldforschung entfachte. Zwei Werke unterschiedlicher Forscher standen sich gegenüber, die beide dieselbe Kultur beschrieben, jedoch zu völlig konträren Ergebnissen und Theorien gelangten. Diese Widersprüchlichkeit erregte damals großes Aufsehen; nicht nur wissenschaftliche Kreise, sondern auch die Öffentlichkeit zeigten großes Interesse an jener Angelegenheit, was wiederum die Diskussion vor einem breiten Publikum mit sich brachte.
Um die Mead-Freeman-Debatte verständlich zu machen, werden in der folgenden A b-handlung die Werke von Margaret Mead „Kindheit und Jugend in Samoa“ und „Liebe ohne Aggression- Margaret Meads Legende von der Friedfertigkeit der Naturvölker“ von Derek Freeman vorgestellt.
Eine einleitende Kurzbiographie zur Person Margaret Meads, gibt Einblick in das Leben und Werk eines jungen Mädchens, das über Umwege zum Fach Ethnologie gelangte und dabei eine Leidenschaft für sich entdeckte. Im Folgenden wird auf den Entstehungsprozess der Fragestellung, sowie auf die Entscheidung für das Zielland eingegangen und auf die Bedeutung von Franz Boas hingewiesen, einem angesehenen Professor und Vertreter des Kulturdeterminismus, der die junge Studentin während ihrer gesamten Forschungszeit betreute. Hierbei wird gleichermaßen ein besonderes Augenmerk auf die Auseinandersetzung zwischen Vertretern des Kulturdeterminismus und der Eugenik geworfen, welche für den späteren Streitpunkt in den achtziger Jahren maßgeblich war. Im weiteren Verlauf wird Meads Feldforschung auf Samoa beschrieben, zu der die Vorbereitung, die Durchführung auf der Insel selbst, sowie die wichtigsten Ergebnisse und Besonderheiten zählen, die in ihrem Buch „Kindheit und Jugend auf Samoa“ veröffentlicht wurden.
Im darauf folgenden Abschnitt wird Derek Freeman als Kritiker präsentiert. Er führte über Jahrzehnte hinweg eine Restudy auf Samoa durch und stellte dabei Meads Resultate in Frage. Bei der Überprüfung von Meads Theorien stellte er deren Fehlerhaftigkeit fest und widerlegte mit seiner Publikation „Liebe ohne Aggression“ sämtliche Erkenntnisse seiner Forscherkollegin. Zum Vergleich der beiden Studien werden deshalb ebenfalls Freemans Feldforschung, seine damit verbundene Absicht, die Vorbereitung und Durchführung, sowie seine Ergebnisse vorgestellt.
3
Beide Studien stehen sich gegenüber und werden im letzten Teil der Arbeit mit Hilfe weiterer Forschermeinungen kritisch durchleuchtet. Es soll versucht werden, mögliche Ursachen, die zur Verschiedenartigkeit der Resultate wesentlich beigetragen haben, darzustellen und den Einfluss der Mead-Freeman-Debatte auf die ethnologische Forschung klar herauszuarbeiten. Abschließend soll eine Zusammenfassung dem Leser einen letzten Überblick über die in der Arbeit gewonnenen Eindrücke und Schlüsse geben.
4
II. Margaret Mead: „Jugend und Sexualität in primitiven Gesellschaften“
1. Einleitende Kurzbiographie Margaret Meads (Jahre 1901-1925)
Margaret Mead wurde am 16. Dezember 1901 in Philadelphia als Kind zweier Akademiker geboren. Der Vater, Edward Mead, war Professor für Finanzwissenschaft an der Universität von Pennsylvania, die Mutter, Emily Fogg Mead, eine Soziologin, die für die Gleichstellung der Frauen eintrat. 1 Um Margaret eine möglichst kreative Ausbildung geben zu können, entschieden sich ihre Eltern gegen den Besuch einer Schule und veranlassten die Erziehung durch Margarets Großmutter, einer ausgebildeten Lehrerin. Dies bezeichnete Mead später als sehr entscheidend für die Entwicklung ihrer Begabungen und Persönlichkeit. 2 Schon im frühen Alter kam Margaret Mead durch die Arbeit ihrer Mutter mit sozialwissenschaftlicher Forschung in Berührung. Nachdem sie ein Jahr in der DePauw University in Indiana verbracht hatte, wechselte sie 1920 an das bekannte Bernard College in New York, wo sie begann, Psychologie zu studieren. Zwei Jahre später wählte sie einen Ethnologiekurs bei Franz Boas aus, der eine neue Leidenschaft in ihr entfachen sollte. In dieser Zeit lernte sie auch Ruth Benedict, die damalige Assistentin Boas, kennen, mit der sie später eine tiefe Freundschaft verbinden sollte. Professor Boas, wie auch Benedict sollten Margaret Meads kommende Werke entscheidend beeinflussen. 3
„Was immer Mead in späteren Jahren tat, war von der Boas -Schule geprägt, das heißt von dem Gedanken, daß jedes kulturelle Phänomen, jede menschliche Verhaltensweise, jedes kulturelle Zeugnis [...] als Teil eines gesamten Systems zu sehen und in Bezug zu allen anderen Phäno-
4 menen der jeweiligen Kultur zu setzen sei.“
Margaret Mead schrieb trotz ihres großen Interesses für das Fach Ethnologie ihre Magisterarbeit in Psychologie. Sie beschloss daraufhin, einen Doktortitel in Ethnologie zu erwerben und Feldforschung zu betreiben. Auf einer Tagung der British Association for the Advancement of Science in Toronto stellte die 24-jährige Frau fest, dass jeder Forscher der damaligen Zeit sich in den Diskussionen auf ein bestimmtes Volk bezog und auch sie wünschte sich ein „eigenes Volk“. 5
Im Sommer des Jahres 1925 erfüllte sich ihre Sehnsucht. Margaret Mead brach auf nach Samoa, eine Inselkette im südlichen Pazifik, um dort ihre erste Feldforschung zu betreiben. Mit den revolutionären Ergebnissen dieser neunmonatigen Forschung verfasste sie ihre Doktorarbeit, die daraufhin 1928 als Buch unter dem Titel „Coming of Age in Samoa“ veröffentlicht und ein Bestseller wurde. 6
1 Mark, Margaret Mead- Coming of Age in America. S.13.
2 Marschall, Klassiker der Kulturanthropologie. S.297.
3 Mark, Margaret Mead- Coming of Age in America. S.16-19.
4 Marschall, Klassiker der Kulturanthropologie. S.299f.
5 Mead, Brombeerblüten im Winter. S.99ff.
6 Marschall, Klassiker der Kulturanthropologie. S.301.
5
2. Ausarbeitung der Fragestellung und Entscheidung für ein Zielland
Bevor Margaret Mead nach Samoa aufbrechen konnte, musste sich die junge Studentin mit ihrem Professor Franz Boas bezüglich der Fragestellung und der zu erforschenden Kultur ihrer Studie auseinandersetzen.
Ursprünglich hätte sie gerne eine Studie in einem Land durchgeführt, das noch unberührt von westlichen Einflüssen stand. Doch Boas hatte Bedenken was jene Kulturen betraf, die sich in Afrika und dem Südpazifik befanden: die Gefahr sei zu groß, Margaret zu jung und unerfahren. Hinzu kam seine Sorge um ihre Gesundheit und so konnte er die junge Studentin von seinem eigenen Projekt und Interesse überzeugen. 7 Mead sollte sich mit der Frage der Adoleszenz junger Mädchen beschäftigen. Sie sollte herausfinden, inwieweit das jugendliche Sturm- und Drang-Verhalten in der Pubertät in den USA von kulturellen Normen geprägt wird, oder ob die schwierige Phase des Erwachsenwerdens einzig auf biologische Veränderungen zurückzuführen sei. 8 Doch dem Wunsch Boas, diese Studie bei amerikanischen Indianern durchzuführen, kam sie nicht nach. Sie wählte stattdessen Amerikanisch-Samoa aus, ein US Protektorat im südlichen Pazifik. In ihrem Buch „Brombeerblüten im Winter“ schrieb Mead, dass sie vor ihrer ersten Feld-forschung nicht viel über eine Forschung an sich gelernt hatte. Zuvor wurde sie lediglich eine halbe Stunde von Professor Boas in die Arbeit im Feld eingewiesen. 9
„He told her she must be willing to seem to waste time just sitting around and listening. His other piece of advice was that she not try to study the whole culture but only her own area of in- 10 quiry.”
Mit diesem Wissen und einem Stipendium von nur 150 Dollar monatlich brach Margaret Mead zu ihrer ersten Feldforschung nach Samoa auf. Am Bahnhof von Philadelphia verabschiedete sich die damals erst 24-Jährige für 9 Monate von ihren Eltern und ihrem Ehemann Luther Cressman und trat die Reise nach Samoa an. 11
3. Franz Boas und der Kulturdeterminismus
Professor Boas, einer der angesehensten Anthropologen in den USA, hatte Mead bei der Wahl ihrer Studie beraten und war interessiert an den Forschungsergebnissen, die Mead mitbringen sollte. Als Vertreter des Kulturdeterminismus war es ihm ein großes Anliegen, die Hypothese zu festigen, dass Kultur viel bedeutsamer für das Verhalten und die Entwicklung des Menschen sei, als dessen biologische Voraussetzungen. In den zwanziger Jahren gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Vertretern der Eugenik und den
7 Mark, Margaret Mead- Coming of Age in America. S.25.
8 Mead, Brombeerblüten im Winter. S.102.
9 Ebd., S.110.
10 Mark, Margaret Mead- Coming of Age in America. S.27.
11 Marschall, Klassiker der Kulturanthropologie. S.301.
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Anhängern des Kulturdeterminismus, darunter auch Franz Boas als einer der wichtigsten Vertreter. Streitpunkt der Anlage-Umwelt-Kontroverse war der Einfluss von Erbanlagen auf menschliches Verhalten und dessen Stellenwert. Das Thema war zu jenem Zeitpunkt nicht nur von wissenschaftlicher Bedeutung, sondern galt auch dem Interesse der allgemeinen Öffentlichkeit. 12
„So gab es also im Jahr 1911 zwei intellektuelle und wissenschaftliche Schulen, die sich wie These und Antithese zueinander verhielten- die von Boas und Davenport-, und keiner der beiden schien daran gelegen zu sein, die Koexistenz und Interaktion von genetischen und außergenetischen Prozessen in einer konstruktiven Weise zu erforschen. [...] Die eine dieser beiden
13 Lehren überschätzte die Biologie, die andere bewertete die Kultur allzu hoch.“
4. Beschreibung von Meads Feldstudie
4.1 Die Ankunft auf Samoa und erste Vorbereitungen
Am 25. August 1925 kam Margaret Mead auf Ost-Samoa an und musste zu ihrer Enttäuschung feststellen, dass die Inselgruppe nicht so primitiv zu sein schien, wie sie es sich erhofft hatte. Missionare der Concregational Church besiedelten die Insel seit über 100 Jahren und in jedem Dorf waren Kirchen und Schulen zu finden. Selbst die Bewohner der Inseln trugen gewöhnliche, anstatt der traditionellen, aus Rinden gefertigten Kleidung. Allerdings sprach die Bevölkerung nach wie vor kein Englisch, lebte in einfachen Behausungen und ernährte sich lediglich von Fischfang und einfacher Landwirtschaft. 14 Die ersten sechs Wochen verbrachte Margaret Mead mit dem Erlernen der samoanischen Sprache in der Hauptstadt Pago Pago auf Tutuila. Danach wurde sie als Gast bei einem Häuptling des Dorfes Vaitogi eingeladen, der sie die samoanische Etikette lehrte. Er führte sie in den Umgang mit höheren Mitgliedern einer Dorfgemeinschaft ein, unterrichtete sie in der Sprache der Häuptlinge, erklärte ihr die wichtigsten Höflichkeitsformeln und vermittelte ihr sogar Wissen über wichtige Zeremonien. 15 Schon im November setzte sie auf die Insel Ta´u, die in der östlichsten Region von Samoa liegt, über. Mead wählte Ta`u aus zwei bestimmten Gründen aus: Zum einen schienen die Bewohner noch relativ unberührt durch die amerikanische Kultur zu sein, zum anderen gab es dort eine große Anzahl von Jugendlichen im pubertierenden Alter. 16 Sie quartierte sich bei dem amerikanischen Apotheker Edward R. Holt ein, dessen Haus in der Nähe der drei Dörfer lag, in denen die jungen Mädchen lebten, mit denen sie arbeiten würde. Mead wählte für ihre intensive
12 Feest; Kohl, Hauptwerke der Ethnologie. S.294.
13 Freeman, Liebe ohne Aggression. S.53.
14 Mark, Margaret Mead- Coming of Age in America. S.29.
15 Mead, Brombeerblüten im Winter. S.120f.
16 Mark, Margaret Mead- Coming of Age in America. S.30.
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Arbeit zitieren:
2004, Margaret Mead gegen Derek Freeman: Meads Samoa, ein Mythos?, München, GRIN Verlag GmbH
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