Inhaltsverzeichnis
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I. Einleitung 1
II. Ciceros De fato’ 1
III. Menschliche Veranlagung und Wille De fato’ IV,7-V,11 4
III.1. Chrysipps Fatumstheorie 5
III.2. Ciceros Gegenargument 6
IV. Überprüfung des Gegenarguments 8
V. Fazit und Ausblick 11
Literaturverzeichnis
Gegenstand dieser Arbeit ist Ciceros fragmentarisch erhaltene Rede ‚De fato’, genauer gesagt der erste Argumentationsansatz aus deren Hauptteil [IV,7-V,11], in dem Chrysipps Theorie von Fatum und Willensfreiheit mit Gewicht auf der Bedeutung der natürlichen Veranlagung diskutiert wird. Das zweite Kapitel führt in die Thematik ein, stellt die Rede kurz vor und klärt eventuelle Begriffs- bzw. Übersetzungsunklarheiten bei zentralen Begriffen. Im Folgenden werden die das Thema der Arbeit bildende Textstelle beleuchtet, die gegnerischen Positionen von Chrysipp und Cicero dargestellt und ausgelegt und Ciceros eigentliches Argument gegen Chrysipp rekonstruiert. Schließlich erfährt das Gegenargument des Redners eine eingehende Prüfung und Beurteilung.
Marcus Tullius Cicero wurde im Jahre 106 v. Chr. bei Arpinum in Latinum geboren und gelangte im Alter von etwa zehn Jahren nach Rom, wo er eine umfassende juristische, philosophische und rednerische Ausbildung genoss. Obwohl er eine Laufbahn als Anwalt und Politiker vor sich hatte, begeisterte er sich von Jugend an für die Philosophie und wurde stark von akademischen, stoischen und epikureischen Lehren und Lehrern beeinflusst. Erst im Alter legte er seine Ämter nieder und verfasste seine rhetorischen und philosophischen Schriften in zwei Perioden innerhalb weniger Jahre. Cicero wurde 43 v. Chr. bei Formiae aus politischen Gründen ermordet.
‚De fato’ entstand im Jahre 44 v. Chr. und ist heute nur noch in Fragmenten erhalten; an Anfang und Schluss des Hauptteils klaffen Lücken, und auch Anfang und Ende der gesamten Schrift fehlen. In dieser Rede behandelt Cicero in einer für ihn und die Thematik (vgl. ‚De natura deorum’ und ‚De divinatione’) ungewohnten literarischen Form die Frage um die Vereinbarkeit von Fatum und Willensfreiheit,
1
indem er bei einem erdachten Zusammentreffen mit seinem Freund Aulus Hirtius auf dessen Bitte hin vor allem die stoische Antwort auf akademische Art kritisiert. In einer einleitenden Passage [I,1-II,4] wird die fingierte Situation der Rede -Hirtius stellt Cicero eine These, die jener daraufhin in einer rednerischen Übung widerlegt - vorgestellt. Der Hauptteil lässt in drei Teile gliedern 1 , in denen die gegebene Problematik aus drei verschiednen Perspektiven beleuchtet wird. Cicero beginnt mit einem Argumentationsansatz auf dem Gebiet der Physik [III,5-V,11], dessen Ausgangspunkt (vermutlich beträchtlicher Länge 2 ) allerdings verloren und somit nicht nachvollziehbar ist. In der erhaltenen Passage verwirft der Redner kosmische Sympathie und natürliche Veranlagung als mögliche Beweise für das als eine unendliche und allumfassende Kausalkette verstandene Fatum. Daraufhin fährt er mit einem logischen bzw. metaphysischen Ansatz fort [VI,12-XVI,38] und hält nach ausgiebiger Untersuchung der korrekten Formulierung von Bedingungssätzen und Ereignisbeschreibungen sowie des Satzes vom Widerspruch fest, dass die logisch notwendige Wahrheit von Urteilen keine reale Notwendigkeit der in ihnen beschriebenen Ereignisse nach sich zieht. Diese semantische Untersuchung verdrängt in ihren Ausmaßen das eigentliche Thema von ‚De fato’ und lässt die Determinismus-Frage in den Hintergrund treten. Im letzten erhaltenen Part des Vortrags [XVII,39-XX,48] argumentiert Cicero wieder auf physikalischem Gebiet; er untersucht die stoische Vorstellung vom Vorgang menschlicher Willensentscheidung und zum wiederholten Male Epikurs Idee der spontanen Bahnabweichung der Atome und hält fest, dass kein Ansatz den freien Willen adäquat zu beweisen vermag. In der stoischen Differenzierung der Ursachen sieht er sogar die Aufhebung des Zwangscharakters des Fatums.
Vermutliches Ergebnis der unvollständig überlieferten Rede: Fatum und freier Wille sind unvereinbar; wobei Cicero den freien Willen postuliert, um daraus die Unmöglichkeit des Fatums folgern 3 . Doch lägen Befürworter und Kritiker des Determinismus (welche nicht genauer benannt werden) gar nicht so weit auseinander und stritten sich lediglich um Definitionen, denn die zentrale Frage aller sei, ob etwas in der Verfügungsmacht des Menschen steht oder nicht - nur würde dieses „In-der-Macht-Stehen“ von den unterschiedlichen Parteien unterschiedlich ausgelegt.
1 Vgl. Gawlick, G./Görler W.: Cicero. S.1045.
2 Vgl. Bayer, K.: Marcus Tullius Cicero, De fato. S.172.
3 Vgl. Henry, M. Y.: Cicero’s Treatment of the Free Will Problem.
2
Um die nun folgende Auslegung der Textpassage [IV,7-V,11] vorzubereiten seien an dieser Stelle einige zentralen Begriffe, ihre Übersetzungsmöglichkeiten und Bedeutungen geklärt. Den Ausdruck ‚Fatum’ (lat. fatum) führte Cicero in die lateinische Sprache ein, indem er das griechische ‚Heimarmene’ (είμαρμένη), von den Stoikern als „ordo seriesque causarum“ 4 definiert, übersetzte. Ursprünglich bedeutete Fatum Götterspruch bzw. Orakel, lässt sich heute mit Schicksal übersetzen und kann als eine geordnete Folge von Ursachen und Wirkungen, wobei jede Ursache eine unendliche Kausalkette bildend die nächste aus sich hervorbringt, verstanden werden. Heimarmene wurde von einigen Stoikern mit ‚Ananke’ (άνάγκη) gleichgesetzt, von anderen unterschieden; Chrysipp tat beides. Im Lateinischen finden sich die Übersetzungen ‚necessitudo’ oder ‚necessitas’, im Deutschen Notwendigkeit, Bindung oder Schicksal. Sowohl Heimarmene als auch Ananke wurden in der Stoa zur Umschreibung der göttlichen Naturkraft als fundamentales, lebensgestaltendes Ordnungsprinzip des gesamten Kosmos’, verwendet und auch Zeus, Pneuma, Logos u.a. genannt. Der lückenlose Kausaldeterminismus wurde von Chrysipp insofern umgedeutet, dass er außerhalb des Menschen die Ananke als mechanisch wirkendes Naturgesetz, für die freie menschliche Willensentscheidung aber die Heimarmene als ein Gewebe von Haupt- und Nebenursachen (confatalia) annahm. Im Zusammenhang mit Poseidonios wird der Begriff der ‚Sympathie’ als „naturae contagio“ 5 bzw. „contagio rerum“ 6 gebraucht; das griechische Wort (συμπάυεια) stammt aus der Naturphi-losophie und bedeutet ein ‚Zusammen-affiziert-Sein’, d.h. die Verbundenheit aller Teile eines Ganzen, sodass, wenn ein Teil betroffen ist, anderer Teile auch ohne direkte Einwirkung affiziert werden. Die Verbundenheit kann nach stoischer Vorstellung zwischen der Gesamtnatur und ihren Teilen, anschaulicher z.B. zwischen den Gestirnen und dem Menschenleben („astrorum adfectio“ 7 ), aber auch auf anderen Gebieten aufgezeigt werden.
4 Cicero, M. T.: De divinatione. I,125.
5 Cicero, M. T.: De fato. III,5.
6 Ebd. IV,7.
7 Ebd. IV,8.
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Arbeit zitieren:
Eleonóra Szemerey, 2005, Menschliche Veranlagung und Wille in Ciceros 'De Fato', München, GRIN Verlag GmbH
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