Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
Inhaltsverzeichnis
Danksagung. II
Vorwort III
Inhaltsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
Abk ürzungsverzeichnis. VIII
1 Einleitung. 1
1.1 Theoretische Vorklärung und Bezugsrahmen. 1
1.2 Fragestellung und Erkenntnisinteresse. 3
2 Globalisierung der Märkte 4
3 Erläuterung zentraler Begriffe 8
3.1 Internationalisierung vs. Globalisierung 8
3.2 Internationale Unternehmung. 9
3.3 Multinational / Transnational 11
4 Internationalisierung als neue Handlungsoption 13
4.1 Erarbeitung klarer Zielvorstellungen 13
4.2 Wahl der richtigen Internationalisierungsstrategie 15
4.2.1 Strategische Richtungen der Internationalisierung. 15
4.2.2 EPRG-Modell. 17
4.2.3 Triade-Modell. 20
4.2.4 Globalisierung nach Porter 23
4.3 Wahl der geeigneten Form der Internationalisierung 27
4.3.1 Exportstrategie 30
4.3.2 Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern / Kooperation. 32
4.3.3 Direktinvestitionen 33
4.3.3.1 Lizenzvergabe / Franchise. 37
4.3.3.2 Neugründung 38
5 Internationalisierungsprozesse in der Automobilindustrie 40
5.1 Motive und Ziele dieses Industriezweiges. 40
IV
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
5.2 Entwicklung des Produktionsstandortes BRD für die deutsche
Automobilindustrie. 41
5.3 Entwicklungsphasen der deutschen Automobilindustrie 43
6 Generelle Motive für Standortentscheidungen internationaler Automobilhersteller46
6.1 Kriterien für Marktentscheidungen 46
6.2 Bedeutung der Determinanten Logistik und Transport 48
6.3 Konzerninterne Standortkonkurrenz durch Internationalisierung? 49
6.4 Einfluss eines investitionsfreundlichen politischen Klimas auf die
Standortentscheidung 50
7 Konzerninternationalisierung am Beispiel des Volkswagen Konzerns 52
7.1 Historischer Abriss 52
7.2 Volkswagen als distributionsorientierter multinationaler Konzern 53
7.3 Volkswagen als produktionsorientierter Konzern 54
7.4 Der Übergang zu einem transnationalen Konzern 57
7.5 Globalisierung und Restrukturierung am Beispiel: Puebla / Mexiko 61
8 Fazit. 64
Anhang 68
Literaturverzeichnis. 75
V
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Führende Länder in der Weltwirtschaft.
Abbildung 2: Globalisierung als Interaktion
Abbildung 3: Unterschiedliche Organisationsformen
Abbildung 4: Motive der internationalen Marktexpansion
Abbildung 5: Strategische Stoßrichtungen der Internationalisierung.
Abbildung 6: Sprinklermodell
Abbildung 7: Wasserfallmodell
Abbildung 8: Strategische Alternativen in einer globalen Branche
Abbildung 9: Pfade von Markteintrittsstrategien
Abbildung 10: Markteintrittsformen
Abbildung 11: Internationale Auto-Patente 2003
Abbildung 12: Motive für den Aufbau von Produktionsstätten im Ausland
Abbildung 13: Absatz von Personenkraftwagen in China und Südkorea
Abbildung 14: Kraftfahrzeugproduktion deutscher Hersteller nach Regionen 2003
Abbildung 15: Marken und Verflechtungen des Volkswagenkonzerns.
Abbildung 16: Standorte der Automobilindustrie in EU-Beitrittsländern
Abbildung 17: Deutsche Globalisierung in den 90er Jahren.
VI
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Kriterienkatalog EPRG-Modell ..................................................................... 19
Tabelle 2: Drei Entwicklungsphasen der deutschen Automobilindustrie (Bsp. V W).... 45
Tabelle 3: In den 1990er Jahren eröffnete oder grundlegend veränderte Montage- und
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung AG Aktiengesellschaft bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise CKD Completely Knocked Down ed. editor eds. editors erg. ergänzt(e) erw. erweitert(e) et al. et alii etc. et cetera f. folgende ff. fortfolgende F&E Forschung und Entwicklung GATT General Agreement on Trade and Tariffs M & A Mergers and Acquisitions MNK Multinationaler Konzern NAFTA North American Free Trade Agreement neubearb. neubearbeitet(e) OEM Original Equipment Manufactor o.J. ohne Jahr S. Seite TNK Transnationaler Konzern u.a. und andere(s) überarb. überarbeitet(e) unveränd. unverändert(e) WTO World Trade Organisation z.B. zum Beispiel
VIII
1 Einleitung
1.1 Theoretische Vorklärung und Bezugsrahmen
Das Goldene Zeitalter der westlichen Wirtschaft nach dem zweiten Weltkrieg ist eng mit dem Begriff des Fordismus, der an die Einführung der Fließbandproduktion in der Automobilindustrie durch Henry Ford anknüpft, verbunden. 1 Die Volkswirtschaften der Nationalstaaten als Bezugsrahmen des wirtschaftliches Handelns waren relativ abgeschlossen und auf der Basis der standardisierten Massenproduktion und des Massenkonsums auf Kosten nicht erneuerbarer natürlicher Ressourcen organisiert.
Der Fordismus hatte seine Blütezeit in der Boomphase nach dem Zweiten Weltkrieg, die zeitlich mit dem vierten Kondratieff-Zyklus 2 zusammenfiel, dessen Basistechnologien das Fernsehen, die Petrochemie und die Weiterentwicklung bestehender Innovationen wie dem Automobil, dem Flugzeug und von Kunststoffen waren.
Der Trend zur Globalisierung ist ohne Zweifel eine der wichtigsten ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen am Anfang des 21. Jahrhunderts. Die Globalisierung beeinflusst auch die Wettbewerbsfähigkeit nationaler Ökonomien und stellt sie vor neue Preiskonkurrenz und Rationalisierungsmaßnahmen. Meist sind es in den Unternehmen Kostensenkungen, die oft mit einem Verlust oder Abbau von Arbeitsplätzen verbunden sind. Auf der anderen Seite wurden die Kapitalmärkte und internationalen Finanzmärkte liberalisiert, was die Kapitalmobilität deutlich erhöht hat und Investitionen im Ausland wahrscheinlicher macht. 3
1 Vgl. Wellhörner (1996), S. 69.
2 Der russische Volkswirtschaftler Nikolai D. Kondratieff entdeckte in den zwanziger Jahren des 20.
Jahrhunderts neben den kurzen und mittleren Wirtschaftzyklen auch langfristige Zyklen. Diese
Wellen werden nicht durch äußere Ereignisse wie Kriege oder gesellschaftliche Umwälzungen
ausgelöst, sondern entstehen aus der Dynamik der Wirtschaft selbst. Seit Beginn des 19. Jahrhun-
derts gab es vier abgeschlossene Wellen. Die erste bei Erfindung der Dampfmaschine, die zweite
Welle durch den Stahl, die dritte durch die Elektro- und Chemieindustrie. Die vierte Welle entstand
durch die Petro- und Automobilindustrie. Die Theorie der langen Wellen weist auf einen Wechsel
von Expansionsphasen und Stagnationsphasen in der kapitalistischen Weltwirtschaft hin. 3 Vgl. Koopmann / Franzmeyer (2003), S. 25
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
Das Zusammenwachsen der verschiedenen nationalen Märkte zu einem integrierten und homogenen Weltmarkt, und die Folgen dieses Prozesses werden seit einigen Jahren intensiv diskutiert. Dabei gehen die Bewertungen weit auseinander. Während die Mehrzahl der Ökonomen die positiven Seiten der Globalisierung betont - Abbau von Reglementierungen, Verbesserung der Ressourcenallokation, Wachstum und Wohlstandsmehrung auf weltwirtschaftlicher Ebene -, werden von anderer Seite vor allem negative Folgen befürchtet: Arbeitslosigkeit und Erosion der Sozialsysteme in den Industrieländern, Ausbeutung von Arbeitskräften und massive Umweltzerstörung in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie insgesamt ein Verlust von staatlicher Souveränität und demokratischer Kontrolle gegenüber der Macht internationaler Unternehmungen. 4
Die Globalisierung ist einerseits das Ergebnis der Entscheidungen und Handlungen der Gesamtheit aller grenzüberschreitend tätigen Unternehmungen. Aus Sicht jeder einzelnen Unternehmung stellt sie andererseits eine wesentliche Umweltveränderung dar, die weitreichende Auswirkungen auf ihre Strategie, ihre Struktur und auf alle betrieblichen Funktionen hat. 5 Die Globalisierung wird damit zu einer Herausforderung, der sich die Unternehmensführung an der Schwelle des 21. Jahrhunderts stellen muss. 6
Die Automobilindustrie sah sich in den 1990er Jahren einer Reihe gewaltiger Herausforderungen gegenüber, wenn man die Entwicklung der stagnierenden Nachfrage betrachtet. Weltweit litten die Automobilproduzenten unter erheblichen Überkapazitäten, da die Menge der produzierten Fahrzeuge nicht abgesetzt werden konnte. 7 Die Automobilindustrie wird vielfach als der Prototyp für globalisierte Produktions- und Investitionsmuster angeführt. 8 Diesen Feststellungen sind drei wesentliche Fakten zu entnehmen: Die Automobilindustrie als ein von großen Unternehmen dominierter Industriezweig ist die Globalisierung prägendes und forcierendes Element.
4 Vgl. Giesel / Glaum (1999), S. 8.
5 Vgl. Riehle (1997), S. 157.
6 Vgl. Giesel / Glaum (1999), S. 11.
7 Vgl. Spatz / Nunnenkamp ( 2002 ), S. 5.
8 Vgl. Spatz / Nunnenkamp ( 2002 ), S. 3.
2
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
1.2 Fragestellung und Erkenntnisinteresse
Im Anschluss an diese Einleitung schließen sich Untersuchungen zur Globalisierung der Märkte, verschiedene Internationalisierungsstrategien und ein Überblick zur Internationalisierung in der Automobilindustrie an. Zunächst soll der Bezugsrahmen eingegrenzt werden, sowie die für diese Arbeit relevanten Begrifflichkeiten definitorisch abgegrenzt werden. Es werden die begrifflichen Grundlagen der Globalisierung und Internationalisierung erklärt und die verschiedenen Strategien und Formen einer Internationalisierung aufgezeigt. Es soll speziell auf die Entwicklung der Internationalisierung der deutschen Automobilindustrie eingegangen werden und am Beispiel Volkswagen veranschaulicht werden, welchen Verlauf der Prozess genommen hat.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, ausgehend vom Begriff der Internationalisierung und der kurzen Darstellung der zur Verfügung stehenden Instrumente der grenzüberschreitenden betrieblichen Betätigung, die Internationalisierung auf Basis der Fachliteratur genau darzustellen und des weiteren die Automobilindustrie in den Fokus der Betrachtung zu stellen. Schließlich hat diese Arbeit zum Ziel, eine zusammenfassende Synthese der relevanten, kritischen Einflussgrößen für den Erfolg einer Internationalisierung zu generieren.
Im Rahmen dieser Arbeit können nicht alle in der Literatur genannten Strategien und Formen behandelt werden. Es erfolgt eine Konzentration auf wesentliche Erscheinungsformen.
3
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
2 Globalisierung der Märkte
Die geschäftlichen Umfeldbedingungen haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Die fordistische Arbeitsorganisation in Form von hierarchisch geordneten, aufeinander abgestimmten Arbeitsprozessen (Taylorismus) 9 und Fließbandarbeit erwies sich als nicht mehr ausbaufähig und wurde durch Arbeitsformen mit weniger vertikaler Organisation ersetzt. 10 Die Märkte für standardisierte Massenprodukte zeigten Sättigungserscheinungen, das Konsumverhalten der Menschen wandte sich individuelleren Produkten zu. 11 Die Globalisierung der Märkte ist daher eine wichtige Triebkraft in diesem Wandlungsprozess. Sie wird begünstigt durch eine Vereinheitlichung der Konsumgewohnheiten, der zunehmenden Mobilität und auch durch den verstärkten Einsatz von Medien. Beachtet werden muss, dass es den meisten Unternehmen nur durch eine starke Position im Heimatmarkt gelingt, in der Welt Fuß zu fassen, um den nächsten Schritt vollziehen zu können. Hin zu einem multinationalen Unternehmen, dass mehrere Länder als seine Heimatmärkte erobert.
Dieser Prozess wird durch die nachlassende Nachfrage auf dem Binnenmarkt und dem zunehmenden Wettbewerbsdruck beschleunigt. Der Konkurrenzkampf wurde bisher vorwiegend auf nationaler und regionaler Ebene ausgetragen, nun konkurrieren national, international und global Marktteilnehmer miteinander. 12 Die älteste Form grenzüberschreitender Beziehungen ist hierbei Import und Export.
9 Taylorismus: Wiederholte Ausführung nach einer vorgegebenen Norm durch eine optimierte Menge
von Verfahrensanweisungen.
10 Vgl. Clark / Fujimoto (1992), S.170.
11 Vgl. Steinbach (1999), S. 43f.
12 Vgl. Müller / Kornmeier (2001), S.6.
4
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
Abbildung 1: Führende Länder in der Weltwirtschaft 13
Bei der Globalisierung handelt es sich auch um eine zunehmende Zusammenarbeit verschiedener Länder und deren Regierungen. Eine wachsende Angleichung zwischen Staaten, stabile und sehr liquiditätsstarke Kapitalmärkte sowie fallende internationale Handelsbarrieren, und ein neuer globaler Wettbewerb sind wichtige Einflussfaktoren, die die Globalisierung permanent vorantreiben. Sie fand zunächst innerhalb des eigenen Wirtschaftsblocks statt und weitete sich dann auf die Triade aus. 14 Eindrucksvolle Beispiele dafür sind das Freihandelsabkommen von 1987 zwischen Kanada und den USA, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko (NAFTA) sowie die fortschreitende Integration der Europäischen Union. 15 Vorteile ergeben sich daraus, dass Produktionsfaktoren wie Rohstoffe, Bauteile und Lizenzen aus dem Ausland bezogen werden können.
Es kommt somit zu einer weltweiten Integration der Geschäftsabläufe, Etablierung integrierter Operationen im Ausland (incl. F&E und Finanzierung) und der globalen Suche nach
13 Vgl. UNCTAD;WTO, versch. Jahrgänge
14 Vgl. Koch (2000), S. 57.
15 Vgl. Enquete-Kommission des Bundestages (2001) o.S.
5
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
Komponenten und strategischen Allianzen. 16 Die in Abbildung 1 dargestellten Interaktionsprozesse kann man, mit den Worten Max Webers, als Rationalisierung bezeichnen. 17
In dieser Abbildung wird deutlich, dass alle Organisationen interdependent sind. Als Beispiel stehen die Unternehmen mit den Weltmärkten, den Nationalstaaten sowie mit den internationalen Organisationen in Interaktion. 18 Die einzelnen Akteure haben in den letzten Jahren entweder an Bedeutung zugenommen oder auch verloren. Es wurde immer wichtiger für die Unternehmen sich an den Marktchancen und sich nicht mehr so sehr am Staatsbedarf zu orientieren.
Transnationale
Nationalstaaten
Abbildung 2: Globalisierung als Interaktion 19
Das Instrumentarium, das den Nationalstaaten zur Verfügung steht, ist hinlänglich bekannt: Geld- und fiskalpolitische Maßnahmen, Währungs- und Zinspolitik, steuerlich organisierte
Umverteilung und Sozialversicherungswesen. Ob und inwieweit Globalisierung bzw. Globalisierungsprozesse Auswirkungen auf die wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit der Natio-
16 Vgl.Die Gruppe von Lissabon (1997), S. 49.
17 Allgemein kann man sagen, dass „Rationalisierung" für Weber vor allem Ordnung und Systematik
bedeutet. So werden unübersichtliche und chaotische Gruppen nach Kriterien geordnet, die von Men-
schen gesetzt werden. Das Ergebnis dieses systematischen Ordnens führt zu Webers Konzeption von
„Rationalisierung".
18 Vgl. Zündorf (1999), S.31 ff.
19 Vgl. Zündorf (o.J.)
6
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
nalstaaten, hier speziell der westlichen Industrienationen hat, dazu gibt es in der Forschung verschiedene Positionen. 20
Internationale Wirtschaftsbeziehungen finden immer weniger zwischen einzelnen Ländern, sondern innerhalb einer integrierten globalen Wirtschaft zwischen einzelnen Akteuren statt. Die durch nationale Grenzen immer weniger behinderten globalen wirtschaftlichen Aktivitäten der Unternehmen vernetzen nicht nur die einzelwirtschaftlichen Akteure selbst, sondern auch die Volkswirtschaften immer stärker miteinander. 21
Es ist aber zu beobachten, dass transnationale Konzerne zunehmend an Einfluss gewinnen, und die Konzentration der industriellen Wertschöpfung in immer weniger Unternehmen auch heute noch an Bedeutung zunimmt. Unternehmen sind die wichtigen Akteure der wirtschaftlichen Internationalisierung. Sie exportieren einen erheblichen Teil ihrer Produktion, verfügen in wachsendem Maße über ausländische Produktionsstätten und Belegschaften und müssen ihr Kapital auf internationalen Märkten beschaffen. 22 In diesem Zusammenhang sprechen verschiedene Autoren von den multinationalen Konzernen als den Hauptakteuren der Weltwirtschaft neben den Nationalstaaten. 23
20 Vgl. Zündorf (1999), S.31ff.
21 Vgl. Koopmann / Franzmeyer (2003), S. 16.
22 Vgl. Hassel et al (2000), S.3.
23 Vgl. Schaffner (1974), S.16f.
7
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
3 Erläuterung zentraler Begriffe
3.1 Internationalisierung vs. Globalisierung
In der Literatur herrscht keine einheitliche Meinung, um was es sich bei Internationalisierung im strengen Sinne handelt. Der Begriff wird sowohl bei Versuchen zur Beschreibung von Markteroberungen im Ausland, d.h. Internationalisierung verstanden als Export, Direktinvestition im Ausland oder Lizenzvergabe 24 , als auch bei Versuchen, Handlungsempfehlungen zur Führung von Tochterunternehmen im Ausland zu geben, verwendet. Nach Porter handelt es sich dabei sowohl um betriebliche Aspekte wie Finanzierung, Beschaffung und Produktion, aber auch um die Aufgaben des Absatzes und des Marketings. 25
Unter Globalisierung versteht man nicht nur die Internationalisierung der Märkte, sondern auch einen Aufholprozess zwischen den westlichen Industrienationen und der Dritten Welt. 26 Gekämpft wird in diesem Aufholprozess um die ökologischen Ressourcen, die immer knapper werden. Dieser Prozess stellt andererseits die gesamte Staatengemeinschaft vor neue Umweltprobleme.
Das Phänomen der Internationalisierung umfasst aus konzeptioneller Sicht das gesamte Unternehmen und sollte daher nicht ausschließlich auf eine funktionsbereichsspezifische Betrachtung der länderübergreifenden Aktionsfeldausdehnung oder die erstmalige Aufnahme von Auslandaktivitäten beschränkt werden. Einige Autoren ziehen zur Begriffsbestimmung qualitative Merkmale, wie das globale Denken der Unternehmensführung, eine wesentliche Bedeutung von Auslandsaktivitäten bei der Erreichung und Sicherstellung der Unternehmensziele, oder die Ausrichtung der Qualifikationen und Struktur der Mitarbeiter auf die internationale Geschäftstätigkeit heran. 27 Andere Autoren hingegen verwenden quantitative Kennzeichen, wobei das Attribut international bzw. multinational einer Unternehmung verliehen wird, die einen bestimmten Mindestanteil des Umsatzes bzw. Gewinnes im Ausland erzielt und/oder Tochtergesellschaften in mehreren Ländern aufweist, was jedoch im Sinne ei-
24 Vgl.Perlitz (2000), S. 8.
25 Vgl. Porter (1989), S. 67.
26 Vgl. von Plate (2003), S. 3.
27 Vgl. Dülfer (2001), S. 7.
8
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
ner Abgrenzung ebenfalls nur eine unzureichende Lösung bietet. 28 Internationalisierung und Globalisierung sind nicht als Synonyme zu verstehen.
Bezeichnet der Terminus Internationalisierung zunächst nur die Ausdehnung unternehmerischer Aktivitäten über Staatsgrenzen hinweg, so beinhaltet Globalisierung zusätzlich eine qualitative Komponente, charakterisiert durch einen höheren Grad an gezielter funktionaler Integration 29 .
Im Folgenden soll unter Internationalisierung die länderübergreifende Ausdehnung des unternehmerischen Aktionsfeldes verstanden werden.
3.2 Internationale Unternehmung
Neben der oben dargestellten Sichtweise, gibt es noch einen Ansatz, der das Phänomen der Internationalisierung mit Unternehmen verbindet. 30 Danach ist eine Internationale Unternehmung, eine Unternehmung, die grenzüberschreitende Tätigkeiten ausführt. 31 Diese Sichtweise ist unabhängig von der Art der Auslandsaktivität.
Die Anzahl der Formen international tätiger Unternehmen kann ein breites Spektrum an Alternativen beinhalten. Es reicht vom Export bis zur Globalisierung der Unternehmen mit eigenen Auslandstochtergesellschaften und bedeutendem Auslandsanteil an der gesamten Wertschöpfung der Unternehmung. 32
Sinnvollerweise sollte aber die Frage nach dem Grad des Auslandsengagement gestellt werden, da eine bloße Kreditaufnahme im Ausland nicht zu einer internationalen Unternehmung führt. 33
Die Heterogenität verschiedener Branchen und Unternehmen macht eine Beurteilung zum Internationalisierungsgrad schwierig. Eine Möglichkeit besteht in der qualitativen Orientie-
28 Vgl.Perlitz (2000), S. 9.
29 Vgl. Dicken (1994), S. 106.
30 Vgl. Perlitz ( 2000 ). S. 10.
31 Vgl. Gabler (1997), S. 2001.
32 Vgl. Kreikebaum ( 1998 ), S.9.
33 Vgl. Dülfer (2001), S. 7.
9
Ines Lühmann Internationalisierung der Automobilindustrie 2005
rung. Sind die Auslandsaktivitäten zur Erreichung und Sicherstellung der Unternehmensziele von wesentlicher Bedeutung, so handelt es sich um eine internationale Unternehmung. 34
Um das Phänomen der Internationalisierung mit einem Unternehmen zu verbinden, folgt hier eine mögliche Definition bzw. Beschreibung:
„Eine Internationale Unternehmung, ist eine Unternehmung, die grenzüberschreitende Tätigkeiten ausführt. Die Vielzahl der Formen reicht von reiner Ausfuhr in einzelne Auslandsmärkte bis zur Globalisierung der Unternehmen mit eigenen Auslandstochtergesellschaften und bedeutendem Auslandsanteil an der gesamten Wertschöpfung der Unternehmung. Der Begriff internationale Unternehmung lässt sich somit als Oberbegriff für verschiedene Ausprägungen der grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit verstehen“. 35
Wichtig ist hierbei der Grad der Auslandsaktivität einer Unternehmung. Genau hier liegt aber auch die Schwierigkeit, da für die Messung keine einheitlichen Instrumente vorliegen. Messkonzepte können der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz, die Anzahl der Beschäftigten im Ausland sowie die Höhe der Direktinvestitionen sein. Eine ausschließlich qualitative Festlegung scheint ebenfalls aufgrund der Heterogenität verschiedener Branchen und Unternehmen problematisch. 36
Eine qualitative Orientierung an den Unternehmenszielen scheint daher sinnvoll. Wenn Aus-landsaktivitäten zur Erreichung und Sicherstellung der Unternehmensziele von wesentlicher Bedeutung sind, kann ein Unternehmen als international angesehen werden. 37
Internationale Unternehmen agieren heute in einem Spannungsfeld zwischen globaler Orientierung einerseits und regionaler bzw. lokaler Bindung andererseits. Denn Globalisierung bezeichnet nicht nur die Ausdehnung und Intensivierung sozioökonomischer Beziehungen im globalen Maßstab, sondern sie steht auch stets im Wechselspiel mit regionalen bzw. lokalen Gegebenheiten. 38
Da sowohl die Literatur, aber auch die Unternehmen selbst, häufig noch weiter mit den Begriffen multinational oder transnational ihre Auslandsaktivitäten eingrenzen, sollen im
folgenden Punkt diese beiden Ausprägungen kurz erläutert werden.
34 Vgl. Perlitz ( 2000 ), S. 11.
35 Vgl. Gabler (1997), S. 2001.
36 Vgl. Dülfer (2001), S. 7f.
37 Vgl. Perlitz ( 2000 ), S. 10ff.
38 Vgl. Schulte ( 2002 ), S. 17f.
10
Arbeit zitieren:
Ines Lühmann, 2005, Internationalisierung am Beispiel der Automobilindustrie, München, GRIN Verlag GmbH
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