Inhalt:
1. EINLEITUNG. 2
2. EINFÜHRUNG IN DIE HANDLUNG 3
2.1 DES BUCHES. 3
2.2 DES FILMS. 4
3. UNTERSCHIEDE DER GESTALTUNG DER HAUPTFIGUR JIM HAWKINS IN BUCH UND FILM 5
4. UNTERSCHIEDE DER GESTALTUNG DES SCHIFFKOCHS LONG JOHN SILVER IN BUCH UND
FILM. 8
5. UNTERSCHIEDE DER GESTA LTUNG DES CAPTAIN SM OLLETT IN BUCH UND FILM 10
6. UNTERSCHIEDE DER GESTALTUNG DES BEN GUNN IN BUCH UND FILM 12
7. DAS ENDE DER GESCHICHTE 14
7.1 IM BUCH 14
7.2 IM FILM. 14
8. DER KLASSIKER-BEGRIFF. 16
8.1 WAS MACHT „DIE SCHATZINSEL“ ZUM KINDERBUCH-KLASSIKER? 18
9. SCHLUSS 20
10. LITERATURVERZEICHNIS. 21
1
1. Einleitung
Ich möchte in meiner Arbeit Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Robert Louis Stevensons Schatzinsel und der auf dieser Erzählung basierenden Verfilmung Der Schatzplanet von Walt Disney aufzeigen. Die Fragestellung bezieht sich vor allem darauf, wie Disney die Handlung und Figuren im Sinne einer Modernisierung verändert hat und warum Die Schatzinsel zu den Kinderliteratur-Klassikern gerechnet werden kann. Leider ist es im Rahmen dieser Hausarbeit nicht möglich, auf alle Punkte umfassend einzugehen. Deshalb versuche ich, mich in meinen Ausführungen auf die wichtigsten Szenen und Figuren zu beschränken. Ein mehrfaches Rezipieren der Primärwerke Die Schatzinsel und Der Schatzinsel war Voraussetzung zum Schreiben dieser Hausarbeit.
2
2. Einführung in die Handlung…
2.1 …des Buches
Der eigentlichen Erzählung geht ein 16-versiges Gedicht voraus, das den Titel „An den zögernden Käufer“ trägt. Der Leser erhält darin zwar keinen Einblick in die spezifische Handlung des Werkes Die Schatzinsel, jedoch in die Welt der Piraten und Seeräuber im Allgemeinen. Einzelne Wörter wie Seemannsweisen, Sturm, Abenteuer, Schoner, Inseln, Ausgesetzte, Freibeuter und Gold 1 erscheinen hier so aussagekräftig und charakteristisch, dass das Gedicht ebenso wie die gezeichnete Schatzkarte, die in vielen Ausgaben des Werkes zu sehen ist, maßgebend an der Stimmung und der Atmosphäre in der Erzählung beteiligt ist. Die eben erwähnte Schatzkarte bildete den Ausgangspunkt bei der Entstehung der Schatzinsel. Robert Louis Stevenson, der 1850 in Edinburgh geboren wurde, verbrachte 1881 die Sommerferien mit seiner Familie, zu der auch seine rau und sein damals zwölfjähriger Stiefsohn Lloyd Osbourne gehörten, in Breamer. Lloyd zeichnete während dieser Zeit sehr viel. Durch ihn inspiriert, entwarf Stevenson eine Landkarte, die eine Insel mit Notizen über einen verborgenen Schatz enthielt. Die Insel bekam den Namen Treasure Island und wurde zum Schauplatz des 1883 erstmals in Buchform erschienenen englischsprachigen Werkes Die Schatzinsel. 2
Die eigentliche Geschichte wird durch den Protagonisten Jim Hawkins eingeleitet, der als Erwachsener erzählt, was er als Jugendlicher auf der Schatzinsel erlebt hat. Der Ich-Erzähler berichtet dem Leser, dass er der Bitte seiner damaligen Gefährten, die Geschichte aufzuschreiben, nachkommt:
„Weil Squire Trelawney, Dr. Livesey und die übrigen Gentlemen mich gebeten haben, alle Einzelheiten über die Schatzinsel vom Anfang bis zum Ende niederzuschreiben und nichts zurückzuhalten als die Lage der Insel […], greife ich im Jahre 17.. zur Feder und gehe in die Zeit zurück, als mein Vater das Gasthaus ,Zum Admiral Benbow’ führte und der braungebrannte alte Seemann mit der Säbelnarbe im Gesicht Wohnung unter unserem Dach nahm.“ 3
Der Leser weiß also von vornherein, dass Jim die Abenteuer und die Gefahren auf der Schatzinsel überlebt hat. Trotzdem gelingt es Stevenson, den Spannungsbogen während der Erzählung aufrecht zu erhalten und den Leser mit dem jungen Hawkins mitfiebern zu lassen.
1 Robert Louis Stevenson: Die Schatzinsel. Aus dem Englischen von Otto Weith. Nachwort von Walter Pache. Stuttgart: Reclam 1977, S. 3.
2 Vgl. Bettina Kümmerling-Meibauer: Treasure Island. In: Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Ein internationales Lexikon. Bd. 2. Stuttgart, Weimar: Metzler 1999, S. 108.
3 Stevenson, Die Schatzinsel, S. 23.
3
Der Rest des ersten Kapitels befasst sich mit der Ankunft und dem Aufenthalt des furchterregenden Billy Bones in dem Gasthaus Admiral Benbow von Familie Hawkins.
2.2 …des Films
Der Disney-Zeichentrickfilm Der Schatzplanet ist im Gegensatz zu dem Buch von Robert Louis Stevenson weitaus phantastischer und moderner aufgebaut. Die Geschichte spielt nicht in Bristol, sondern im Weltraum rund um den Planeten Montressor, Schiffe wurden durch Raumschiffe und Menschen durch entfremdete Tiere ersetzt, die das wesen der Figuren charakterisierend unterstützen.
Der Film, in dem zunächst nur Jim und seine Mutter Menschengestalt haben, beginnt mit dem kleinen Jim, der eine Piratengeschichte liest, die von dem gefürchtetsten aller Piraten, Captain Nathaniel Flint, handelt, der Handelsschiffe mit der Fracht arktorianischer Solarkristalle ausraubt. Nach seinem größten Raubzug verschwindet Flint in der Geschichte, die Jim liest, spurlos und lässt einen Schatz zurück, der am äußersten Ende der Galaxis versteckt sein soll. Nach dieser Information aus Jims Buch passiert ein Zeitsprung von zwölf Jahren. Jim ist mittlerweile ein Teenager, der mit seiner Mutter in dem der Familie gehörenden Gasthaus The Benbow Inn arbeitet und lebt, das in Stevensons Werk Admiral Benbow heißt. Hier wird den Zuschauern der Astrophysiker Dr. Delbert Doppler vorgestellt, der Dr. Livesey in Stevensons Schatzinsel. Des Weiteren erfährt der Zuschauer, dass Jims Vater die Familie verlassen hat und nicht wie im Originalwerk gestorben ist.
Ein Raumschiff stürzt in Jims Sichtfeld vor dem Benbow Inn ab. der verwahrloste Billy Bones, dessen gestalt in der Disney-Verfilmung an einen riesigen Salamander erinnert, schleppt sich mit Jims Hilfe in das Gasthaus und stirbt kurz nachdem er Jim eine Schatzkarte gezeigt und ihm gesagt hat, dass diese nie in die Hände der Cyborgs (eine Mischung aus Mensch und Maschine) fallen darf. Nur wenige Augenblicke später wird das Benbow Inn überfallen und angezündet. Jim nimmt die Karte an sich und flieht mit seiner Mutter Sarah und Dr. Doppler. Die Einleitung im Film ist also ungleich geraffter als die Einleitung im Buch. Im Originalwerk stirbt Billy Bones erst nach einem längeren Aufenthalt im Admiral Benbow und zur Flucht von Jim und seiner Mutter kommt es erst im vierten Kapitel.
4
3. Unterschiede der Gestaltung der Hauptfigur Jim Hawkins in Buch und Film
Der jugendliche Protagonist Jim Hawkins ist zugleich der Erzähler in Stevensons Schatzinsel. Lediglich in Kapitel drei wird er als Erzähler von Doktor Livesey abgelöst, aber den größten Teil der Geschichte erfährt der Leser durch Jim. Er ist praktisch zweifach präsent: zum einen als kindlicher Abenteurer, zum anderen als sich erinnernder Erwachsener. Identifikationsfigur für den jugendlichen Leser ist hierbei Jims Erlebendes, und nicht das Erzählende, Ich. 4 Im Schatzplanet entfällt Jims erzählende Funktion. der Zuschauer erhält dadurch einen größeren Überblick, als Jim ihn hat.
Anfangs, als Jim noch nicht weiß, welche Strapazen die Fahrt zur entfernten Schatzinsel mit sich bringt, ist er begeistert von der Idee der Schatzsuche. Im Film äußert sich diese Aufregung durch wiederholte Bitten und Überredungsversuche gegenüber seiner Mutter, an der Schatzsuche teilnehmen zu dürfen:
„Mom, das ist es! Das ist die Lösung all unserer Probleme! Mit diesem Schatz können wir das ,Benbow Inn’ hundertmal wieder aufbauen! […] Ich weiß, dass ich vieles falsch gemacht hab’. Und auch, dass ich dich immer nur enttäusche. Das ist meine Chance, es wieder gut zu machen!“ 5
Schließlich gelingt es ihm mit Dr. Dopplers Hilfe, seine Mutter davon zu überzeugen, ihn mitfahren zu lassen.
In Stevensons Originalwerk findet keine Diskussion mit der Mutter statt. dennoch wird deutlich, wie aufgeregt Jim ist, als die Fahrt zur Schatzinsel beginnt: „Ich hätte doppelt so müde sein können und hätte das Deck doch nicht verlassen; alles war so neu und interessant für mich.“ 6 Nach wenigen Tagen auf See, in denen sich Jim mit dem vermeintlich freundlichen Schiffskoch Long John Silver anfreundet, passiert eine Schlüsselszene, die in der Verfilmung sinngemäß beibehalten wurde. Ich möchte diese Szene daher nur mit Zitaten aus der Schatzinsel belegen. Jim kriecht auf der Suche nach Obst in eine Holztonne und belauscht hier ein Gespräch, das Silver mit einem Matrosen führt, um ihn auf seine Seite zu ziehen und ihn zur Meuterei zu überreden. Jim ist geschockt:
„Kaum hatte ich ein paar Worte gehört, so hätte ich mich nicht um alles in der Welt zeugen mögen, sondern kauerte da, zitternd und lauschend, in äußerster Furcht und
4 Vgl. Eduard Haueis: „…daß keiner von euch Gentlemen weiß, worauf er sich da einlässt“. Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson. In: Erfolgreiche Kinder- und Jugendbücher. Was macht Lust auf Lesen? Hg. von Bernhard Rank. Schneider-Verlag, Hohengehren 1999, S. 141.
5 Walt Disney Pictures: Der Schatzplanet. Unter Regie von John Musker und Ron Clements, produziert von Roy Conli. Nach der Erzählung von „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson.
6 Stevenson, Die Schatzinsel, S. 88.
5
Arbeit zitieren:
Selina Hartmann, 2003, Vergleich von Robert Louis Stevensons Jugendbuchklassiker "Die Schatzinsel" mit Walt Disneys Zeichentrickverfilmung "Der Schatzplanet", München, GRIN Verlag GmbH
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