II. Vorwort
„ Amerikaner kann man werden, Deutscher ist man. Die USA sind eine multikulturelle Nation von Einwanderern, [...] Deutschland ist eine monokulturelle Nation von Einheimischen.“ 1
Diese Seminararbeit wird sich im Folgenden mit der Multikulturalität in den USA beschäftigen. Die Vereinigten Staaten gelten als selbstbewusstes Einwanderungsland, dass durch eine Einwanderungswelle nach der anderen konstituiert wird. Eine Nation, die in den letzten Jahrzehnten mehr Emigranten aufgenommen hat, als die restlichen Staaten der Welt zusammen, erwuchs zur Nation mit multi-ethnischer Bevölkerung.
Gerade unserem deutschen System der Monokultur und weit zurückreichender Geschichte, einem „Einwanderungsland wider Willen“ 2 , steht das Konzept der USA entgegen.
Aus heutiger Sicht, im Rahmen von Globalisierung, des Grenzenfalls in Europa, einer gemeinsamen europäischen Währung, sowie der steigenden Notwendigkeit zur Etablierung internationaler Organisationen, die ein geschärftes Bewusstsein für vereinigte Interessen besitzen, stellt sich die Frage, ob die lange Erfahrung der USA mit Migration und dem Umgang diverser ethnischer Gruppierungen und Kulturen im eigenen Land nicht hilfreich sein kann. Natürlich muß im Anschluß zuerst auf die historischen Einwanderungsströme eingegangen werden, die die Etablierung einer multikulturellen Gesellschaft überhaupt ermöglichten.
Das zentrale Kapitel wird der Umgang mit der Multikulturalität sein. In diesem Zuge möchte ich versuchen mögliche Probleme der Multikulturalität herauszuarbeiten und darzustellen. Im Anschluß muß kritisch auf Problemstellungen, die aus der Politik herrühren eingegangen werden, um virulente interkulturelle Schwierigkeiten aufzuzeigen, die sich in Konflikten ethnischer Gruppierungen untereinander und einzelner Gruppierungen mit dem Staat äußern.
Ob generell ein Konsens in der amerikanischen Bevölkerung - gemessen an ökonomischen und sozialen Faktoren - vorhanden ist, möchte ich abschließend nach Hans-Jürgen Puhle entwickeln und aufzeigen.
1 Berndt Ostendorf, Multikulturelle Gesellschaft, S.7
2 D. Elschenbroich, Eine Nation von Einwanderern, S.11
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III. Vom Einwanderungsvolk zur multikulturellen
Gesellschaft
Die erste Immigrationswelle angelsächsischer „Neuanfänger“ in die USA fand bereits Ende des 15. Jahrhunderts statt und vollzog sich stetig aber von geringer Quantität bis ins 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit kam es zu Vertreibungen und Unterdrückungen der bis dato ansässigen Indianer. Auch die Einführung der Sklaverei im 17. Jahrhundert, die die Zwangsemigration der Schwarzen aus Afrika mit sich brachte, spricht nicht für die Konzeption eines Einwanderungslandes, nach dem „alle Menschen gleich“ oder zumindest willkommen sein sollten.
Einwanderung von wo ? stellt sich da die Frage. Im Sinne der Gründerväter war in erster Linie die Einwanderung von Großbritannien vorgesehen. John Jay, einer der Autoren des >Federalist Papers< von 1788 propagierte ausgezeichnete Chancen für eine amerikanische Republik, „dieses zusammenhängende Land einem vereinten Volke zu geben - einem Volk mit gleicher Abstammung, mit einer Sprache, mit einem Glaubensbekenntnis, mit einer Staatsauffassung und mit ganz ähnlichen Sitten und Gebräuchen.“ 3 Diese anglophilen Tendenzen teilte unter anderem auch Benjamin Franklin.
Seit der Besiedelung von Jamestown 1607 sind trotzdem weit mehr als 45 Millionen Menschen in das heutige Gebiet der Vereinigten Staaten eingewandert. Bereits 1790, also ein Jahr nach der Ratifizierung der Verfassung kam es zum ersten Einbürgerungsgesetz.
Jeder freie Weiße konnte fortan Staatsbürger werden, sobald er zwei Jahre auf dem Gebiet der USA gelebt hatte.
Die Zuwanderung und Einbürgerung für weiße Männer aus Europa war in die Wege geleitet worden. Im Laufe der folgenden Jahre wurden erlassene Gesetze wieder rückgängig gemacht, erheblich beschnitten oder geändert. Die Grenzen blieben daraufhin aber knapp hundert Jahre unkontrolliert und offen. Man bezeichnet Amerika in dieser Zeit als unsystematisches Einwanderungsland. Konturen einer konsistenten Einwanderungspolitik, beziehungsweise Einwanderungsgesetzgebung waren nicht zu erkennen. Die Aussicht auf gut bezahlte Arbeit, billiges Land und politische Freiheit bewog Millionen europäischer Arbeiter in das verheißene Land auszuwandern. Unterstützt wurde diese Massenbewegung durch Werbeagenturen verschiedener amerikanischer Staaten, die pro-amerikanische Flugblätter in diversen europäischen Sprachen nach
3 Mick Gidey (Hrsg.): Modern American Culture; Immigration and ethnicity; London, 1993
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Europa verschickten, um für die Besiedelung des Westens und die Industrialisierung Menschen anzuwerben.
Zunächst kamen Deutsche, Iren und sonstige Nordeuropäer (alte Einwanderung 1830-1890), später vermehrt Sizilianer und Osteuropäer. Damit kamen die ersten Konflikte und Reibungen auf, da die „Alteingesessenen“ angelsächsischen Protestanten, deutsche und irische Neuankömmlinge katholischer Konfession aufgrund ihrer „Papsthörigkeit“ für nicht republikfähig hielten.
Besonders nachdrücklich wird die Geschichte der Einwanderung von latentem, als auch offenem Rassismus überschattet. Die „andere“ Rasse wurde hemmungslos unterdrückt und war mit Vorurteilen und Stereotypen gebrandmarkt, an die sich neue Einwanderer ohne vorherige rassistische Tendenzen schnell gewöhnten. Hatten sie doch, um zugehörig zu sein, den amerikanischen Prinzipien zuzustimmen.
Im Grunde genommen, sieht man von Indianern und Schwarzen ab, denen Bürgerrechte lange Zeit nicht zu standen, war der amerikanische Nationalismus ideologischer, nicht ethnischer Natur. Allerdings stellte die starke Einwanderung ab 1830, wie erwähnt, die
USA vor ein Problem: fast zur Hälfte kamen Katholiken. War die protestantische Hegemonie in Gefahr ?
Die Querelen um den Anti-Katholizismus brachte der Bürgerkrieg (1870-1890) langsam zum Verstummen. Eine erste ausdrückliche Einwanderungsbeschränkung war 1882 der in Kalifornien verfügte Chinese Exclusion Act. Der ursprünglich auf zehn Jahre festgelegte Einwanderungsstopp wurde danach unbegrenzt verlängert. Gleichwohl läßt sich in der historischen Betrachtung des Kolonialismus festmachen, dass viele Ängste vor einander entweder überwunden wurden, oder sich mit der Zeit selbst erledigten. Die größte Angst der weißen Rasse vor Schwarzen, Indianern oder Chinesen, resultiert aus dem divergierenden kulturellen Hintergrund. Ein kollektives Wissen, das in anderen Traditionen, Wertgefügen und Denkmustern manifestiert ist, erschütterte die Idee der Gründerväter und das Vertrauen in eine automatische Assimilation der Einwanderer.
IV. Der Umgang mit der Multikulturalität in der Neuzeit
Amerika ist weiterhin Einwanderungsland geblieben. Mehr denn je in quantitativer Hinsicht:
„ 4,5 Millionen legale Einwanderungen zwischen 1971-1980, seitdem über 500.000 jährlich. Vor allem aber auch in qualitativer Hinsicht, und das ist neu: seit der Reform der
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Arbeit zitieren:
Florian Schoemer, 1999, Multikulturalität in den USA, München, GRIN Verlag GmbH
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