INHALT SEITE
1. Einleitung
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2. Selbstsozialisation
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2.1 Peersozialisation
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3. Belege Indizien und Forschungsbefunde
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4. Die ungewollten Nebenwirkungen in der Erziehung
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5. Selbstsozialisation in Bezug auf die Mediennutzung von
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Kindern NA
6. Die problematischen Folgen der Selbstsozialisation
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7. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
In dem Seminar „Varianten von Pädagogisierungskritik“ sprachen wir über verschiedene Thesen und Denkansätze, die die Pädagogik und das Erziehen an sich in ihre Schranken verweisen und Grenzen aufzeigen sollen. In dem Seminar beschäftigten wir uns mit drei Teilaspekten der Pädagogisierungskritik. Zum einen mit den überzogenen Hoffnungen, die mit den Auswirkungen der Erziehung verbunden werden, zweitens mit der Inszenierung der Kindheit, einer Art „Überfütterung“ mit gut gemeinten erzieherischen Handlungen, und drittens mit der Problematik der Erziehung in Theorie und Praxis, wobei die etwas provokante Frage „Sollte die Erziehung abgeschafft werden?“ im Mittelpunkt der Überlegungen stand.
Ein wichtiger Punkt in Bezug auf die eben angesprochenen überzogenen Hoffnungen bestand maßgeblich in dem Verständnis dessen, was die Pädagogik leisten kann und wo gänzlich andere Faktoren das Aufwachsen, Denken und Handeln des Kindes beeinflussen, und weder von den Eltern, noch von Erziehern oder Lehrern zu beeinflussen sind. In unserem Referat widmeten wir uns in diesem Zusammenhang der These der Selbstsozialisation, also der Annahme, dass Kinder und Jugendliche sich selbst, auch ohne Beihilfe der älteren Generation, sozialisieren.
Ich werde im Folgenden genauer erläutern, was unter den Begriffen „Selbstsozialisation“ und „peer-Sozialisation“ verstanden wird und welche Belege, Indizien und Forschungsbefunde dieses Phänomen untermauern sollen. Anschließend werde ich mich den ungewollten Nebenwirkungen in der Erziehung nach Spranger widmen und anhand des Beispiels der Mediennutzung von Kindern erläutern, was hierbei unter Selbstsozialisation verstanden wird. Abschließend werde ich mich den problematischen Folgen der Selbstsozialisation zuwenden.
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2. Selbstsozialisation
Um das Phänomen der Selbstsozialisation genauer beleuchten zu können, ist es vorab unerlässlich, den Begriff „Sozialisation“ genauer zu erläutern.
Unter Sozialisation wird der Prozess der Auseinandersetzung eines Menschen mit seinen biologischen und psychologischen Dispositionen und der sozialen und physikalischen Umwelt verstanden, durch den der Mensch zum gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt wird. Die Fähigkeiten und Fertigkeiten des kompetenten Handelns werden von einer Lebensphase zur anderen modifiziert und weiterentwickelt. 1
Jürgen Zinnecker behauptet, dass die Sozialisationsforschung in den 60er Jahren in Deutschland aufkam, mit der Absicht, die zu eng gewordene Begrifflichkeiten des pädagogischen Diskurses zu erweitern. 2
Dementsprechend kann davon ausgegangen werden, dass unter Selbstsozialisation Sozialisation in eigener Regie verstanden wird. Pädagogisches Wollen und Handeln wird in diesem Kontext ausgeklammert, da die Pädagogik einen fremsozialisatorischen Einfluss darstellt. Kinder und Jugendliche schreiben – unabhängig von der Fremdsozialisation durch Eltern, Erzieher und Lehrer – sozialen und kulturellen Ereignissen in ihrer Umwelt eine eigene Bedeutung zu. Sie entwickeln eine spezielle Handlungslogik für den Umgang mit der sozialen Umwelt und formulieren hierbei selbstständig eigene Ziele für ihr Handeln. 3 Es ist jedoch zu betonen, dass der Begriff
„Selbstsozialisation“ an sich durchaus positiv behaftet ist, zumal in der Sozialisationsforschung Begriffe mit „Selbst-“ im Allgemeinen als positive und erstrebenswerte Ziele gelten Selbstverwirklichung oder Selbstermächtigung). Die These der Selbstsozialisation kam, nach Zinnecker, in den 80er Jahren zu 1 vgl. Hurrelmann, Klaus: „Selbstsozialisation oder Selbstorganisation? Ein sympathisierender, aber kritischer Kommentar“ in: „Zeitschrift für Erziehungssoziologie und Sozialisationsforschung 22“ (2002), S. 155 2 vgl. Zinnecker, Jürgen: „Selbstsozialisation – Essay über ein aktuelles Konzept“ in: „Zeitschrift für Erziehungssoziologie und Sozialisationsforschung 20“ (2000), S. 275 3 vgl. Hurrelmann, Klaus: „Selbstsozialisation oder Selbstorganisation? Ein sympathisierender, aber kritischer Kommentar“ in: „Zeitschrift für Erziehungssoziologie und Sozialisationsforschung 22“ (2002), S. 157/158
2
Prominenz und spielte ab dieser Zeit in der Debatte um Sozialisation in Deutschland eine wichtige Rolle. Jedoch war die These der Selbstsozialisation in den 80er Jahren eher den Jungen als den Mädchen vorbehalten, da zu dieser Zeit die Jungen eher zur Selbstständigkeit ermutigt wurden als die Mädchen. Heute, so Zinnecker, ist Selbstsozialisation ein Programm, das für alle gilt. 4 Wie aber ist der Ablauf der Selbstsozialisation zu verstehen? Zinnecker unterteilt dazu die Selbstsozialisation, auf Hurrelmanns Definition basierend, in drei aufeinander folgende Schritte. Der erste Schritt sei der, dass Kinder den Dingen und sich selbst eine eigene Bedeutung zuschreiben. Der zweite Schritt sei der, dass Kinder für sich selbst eine eigene Handlungslogik entwerfen und der dritte Schritt der, dass sie eigene Ziele für ihr Handeln formulieren. 5 Abschließend wichtig hervorzuheben ist, dass Selbstsozialisation nicht nur als Einzel- sondern auch als Gruppenaktivität verstanden wird.
2.1 peer-Sozialisation
Wie schon erwähnt, wird die Selbstsozialisation auch als Gruppenaktivität verstanden. Forscher sprechen hierbei von der peer- Sozialisation (peer (engl.) = Gleiche/r, Ebenbürtige/r = Gleichaltrige/r). Kinder und Jugendliche sozialisieren sich gegenseitig selbst, auch ohne Beihilfe der älteren Generation. 6 Bereits in den 70er Jahren kam die These der peer-Sozialisation auf und ist heute aktueller denn je. In vielen aktuellen Untersuchungen spiegelt sich die Überzeugung wider, dass die entscheidenden Impulse zur Sozialisation heute von den peers und nicht mehr von den Sozialisationsinstanzen der älteren Generation herrühren. Verbunden mit der These der peer-Sozialisation ist eine spezielle Auffassung von Sozialisation im Allgemeinen. So sagt der nordamerikanische Kindheitsforscher und Kindheitsethnograph William
4
vgl. Zinnecker, Jürgen: „Selbstsozialisation – Essay über ein aktuelles Konzept“ in: „Zeitschrift für Erziehungssoziologie und Sozialisationsforschung 20“ (2000), S. 275
5
vgl. ebd. S. 279
6
vgl. ebd. S. 283
3
Corsaro, dass Sozialisation eine interpretative Reproduktion von Kultur mittels kultureller Netzwerke von peers sei, die unseren Lebensweg lebenslang begleiten würden. 7 Corsaro setzt damit die peer-Sozialisation als existentiellen Bestandteil der Entwicklung und der jeweiligen Interpretation kultureller Ereignisse voraus. Die Kultur, oder allgemeiner die „Welt“, würde durch jede neue Generation neu interpretiert, verstanden und weiterentwickelt. Denkt man diesen Gedanken Corsaros nun weiter, hat dieses Phänomen im Grunde genommen also schon immer existiert, da ansonsten keine Kulturentwicklung möglich gewesen sein könnte.
3. Belege, Indizien und Forschungsbefunde
Nachvollziehbar ist dieses Phänomen, meist aus eigener Erfahrung und aufgrund eigener Beobachtungen in Kindergarten und Schule, schon. Wichtig sind jedoch eindeutige, wissenschaftliche Belege, die die These der Selbstsozialisation untermauern. Zinnecker verweist in diesem Zusammenhang auf eben diese in der Forschung allgemein anerkannte Erkenntnis, dass die entscheidenden Impulse zur Sozialisation heute von den peers und nicht mehr von den Sozialisationsinstanzen der älteren Generation herrühren. 8 Des Weiteren macht er auf die Untersuchung in Bezug auf den „heimlichen Lehrplan“ („hidden curriculum“) aufmerksam. In den 70er Jahren wurde in Deutschland davon ausgegangen, dass die Lehrer für diesen unfreiwilligen Lehrplan, also das, was den Schülern in der Schule unbewusst beigebracht wurde, zuständig waren. Heute, so ist sich die Forschung einig, wird davon ausgegangen, dass dieser „heimliche Lehrplan“ von den peers und nicht etwa von den Lehrern hervorgebracht wird. 9 Entscheidend sei aber, so Zinnecker, vor allem die Erkenntnis Luhmanns gewesen, der betonte, dass Schüler nicht bloß als Bestandteil der Schule oder Kinder als Bestandteil der Familie anzusehen seien. Laut Luhmann seien sie 7 vgl. ebd. S. 282 8 vgl. ebd. S. 283 9 vgl. ebd. S. 284
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Quote paper:
Isabel Chowanietz, 2004, Selbstsozialisation - ein kurzer Überblick, Munich, GRIN Publishing GmbH
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