Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 2
2. Die Metapher in der Rhetorik
2.1 Die Metapher bei Aristoteles Seite 2
2.1.1 Typologie der Metapher. Seite 3
2.1.2 Die Metapher als rhetorisches Mittel. Seite 3
2.1.3 Metapher und Vergleich Seite 4
2.2 Die Metapher bei Cicero und Quintilian Seite 4
2.3 Kritik der Metapher. Seite 5
3. Die Metapher im Bedeutungswandel. Seite 5
3.1 Die Metapher bei Paul
3.1.1 Der Bedeutungsbegriff bei Paul. Seite 6
3.1.2 Die Metapher. Seite 7
3.1.3 Typologie der Metapher. Seite 9
3.2 Die Metapher bei Blank
3.2.1 Der Bedeutungsbegriff bei Blank. Seite 10
3.2.2 Die Metapher. Seite 11
3.2.3 Typologie und kommunikative Leistung der Metapher. Seite 13
4. Schluß Seite 15
5. Literaturverzeichnis Seite 17
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1. Einleitung
Das Wort „Metapher“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Übertragung“. Seit der Antike wird die Metapher zu den wichtigsten rhetorischen Figuren gezählt. In dieser Arbeit soll zunächst dargestellt werden, wie die Metapher in der Antike beschrie ben und eingeordnet wurde. Zu diesem Zweck werden die Sichtweisen von Aristoteles, Cicero und Quintilian kurz vorgestellt. Dabei wird deutlich, daß sich schon in der antiken Rhetorik die Wichtigkeit der Metapher für den Bedeutungswandel andeutet.
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt darin, genau diese Rolle der Metapher näher aufzuzei gen. Dies soll geschehen, indem die Theorien zweier Vertreter der historischen Semantik, Paul und Blank, näher betrachtet werden. Entsprechend der Darstellung der ersten Metapherntheorien in der Antike werden zunächst die Anfänge der Metapher als Verfahren des Bedeutungswandels beschrieben. Paul gilt als einer der einflußreichsten Vertreter der traditionellen historischen Semantik. Mit Hilfe seines Bedeutungsbegriffs soll dargelegt werden, wie Bedeutungs-wandel durch Metaphern zustande kommt und in welche Kategorien die Metapher eingeteilt wird.
Diese Punkte finden sich auch bei Blank, einem Vertreter der gegenwärtigen historischen Semantik. Seine Theorie erläutert vor allem die kommunikative Leistung der Metapher und ist auch in anderen Punkten weitaus differenzierter, wie ein Vergleich mit Paul zei gen wird.
2. Die Metapher in der Rhetorik
2.1 Die Metapher bei Aristoteles
Aristoteles behandelt die Metapher in seinen Schriften über Poetik und Rhetorik. Auf ihn geht die Substitutionstheorie zurück, eine der ältesten und verbreitetsten Theorien. Danach wird die Metapher als ein Wort betrachtet, welches von seiner eigentlichen lexikalischen Stelle an eine fremde Stelle übertragen wird. Dort erhält es eine neue Bedeutung, die von seiner ursprünglichen abweicht. Die Bedeutung der Wörter ergibt sich hier also durch eine konventionell festgelegte Zuordnung zu den Dingen. Das ersetzte und das ersetzende Wort stehen in einer paradigmatischen Beziehung, die auf Bedeutungsähnlichkeiten zwischen den beiden Wörtern basiert. Es kommt bei Aristoteles also nicht auf den Kontext an, der schließlich auch bedeutungsbestimmend ist, sondern auf den Austausch zweier Wörter und warum dieser möglich ist. 1
Der Vorgang der Übertragung findet somit mehr Beachtung als das Ergebnis. Wenn jedes
1 Vgl. Gerhard Kurz, Theodor Pelster: Metapher. Theorie und Unterricht, Düsseldorf 1976, S. 11ff.
2
Wort seine eigentliche lexikalische Stelle hat, wird eine Metapher bewußt als fremdes Wort wahrgenommen. Zum Verständnis der Metapher ist daher nötig, das ersetzte Wort zu erkennen. Der Hörer muß aber auch die ursprüngliche Bedeutung des übertragenen Wortes kennen, damit es ihm in einer bestimmten Verwendungsweise als Metapher auffallen kann. 2
2.1.1 Typologie der Metapher
Aristoteles’ Typologie der Metapher folgt logischen Kriterien. Je nach Ursprungsort und -ziel werden vier Kategorien unterschieden:
1. Übertragung von der Gattung auf die Art: stillstehen für ,vor Anker liegen‘ 2. Übertragung von der Art auf die Gattung: zehntausend für ,viel‘ 3. Übertragung von Art zu Art: abschöpfen für ,abschneiden‘ (Gattung: ,wegnehmen‘)
4. Übertragung nach einer Analogie: Abend des Lebens für ,Alter‘ Die erste Kategorie bezeichnet demnach eine verallgemeinernde Metapher (stillstehen als Oberbegriff), die zweite eine präzisierende Metapher (,viel‘ als Oberbegriff). In den ersten drei Fällen geht es also um Similaritäten, welche die einzelnen Wörter verbinden und austauschbar machen. 3
Der vierte Typ der Metapher wird eingehender behandelt. Er basiert auf einem proportionalen Verhältnis zwischen zwei Relationen: A verhält sich zu B wie C zu D (Alter verhält sich zu Leben wie Abend zu Tag). Bei der Metapher wird nun ein Wort aus seiner Position in ei ner Relation in die entsprechende Stelle in der anderen Relation übertragen. Derartige Analogien gehören zum vorsprachlichen Wissen, welches hier die Basis für das Verstehen einer Metapher ausmacht. Die Übertragung nach einer Analogie kann auch stattfinden, wenn ein anal oger Begriff nicht existiert. Ein Motiv, Metaphern zu verwenden, ist also der Mangel an einer passenden Bezeichnung für einen Gegenstand oder ei nen Sachverhalt. 4 Nach Aristoteles beruht das Erkennen von Similaritäten und Analogien auf Begabung. Gute Metaphern zu bilden, kann daher nicht erlernt werden. 5
2.1.2 Die Metapher als rhetorisches Mittel
Die metaphorische Verwendung eines Wortes sieht Aristoteles als Abweichung vom alltäglichen Sprachgebrauch, wobei aber übersehen wird, daß die alltägliche Sprache ebenfalls reich an Metaphern ist. 6 In der poetischen Redeweise gilt die Metapher als das wichtigste sprachli-
2 Ebd.,S. 15.
3 Vgl. Andreas Blank: Prinzipien des lexikalischen Bedeutungswandels am Beispiel der romanischen Sprachen, Tübingen 1997, S. 172. 4 Vgl. Kurz et. al., S. 16ff. 5 Ebd., S. 22.
6 Vgl. Gerhard Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, 3., bibliographisch ergänzte Auflage, Göttingen 1993,
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che Mittel. Ihr Gebrauch darf nicht übertrieben werden, sondern muß angemessen sein, damit die Rede verständlich bleibt. Die Funktion der poetischen Mittel ist, die alltägliche Rede zu verfremden, um eine neue Sicht der Dinge zu erzeugen. Dies ist ein zweites wesentliches Motiv für den Gebrauch von Metaphern. 7 Durch die Übertragung eines fremden Wortes wird zunächst die sprachliche Ordnung gestört, während dann durch das Erkennen von zugrundeliegenden Bedeutungsähnlichkeiten eine neue Ordnung hergestellt wird. Eine solche Verfremdung der Rede wirkt für den Hörer interessant. Die Metapher erhält so eine instruktive und persuasive Kraft. Sie kann aber auch manipulativ sein. Aristoteles führt hier Euphemismen und Disphemismen als Beispiele an, z.B. Beschaffer für ,Räuber‘. 8
2.1.3 Metapher und Vergleich
Nach der gängigen Auffassung wird die Metapher als verkürzter Vergleich verstanden, bei dem das Vergleichswort weggelassen wurde. Dies sahen schon die Nachfolger Aristoteles’, Cicero und Quintilian, so. Allerdings hatte Aristoteles zuvor das Gegenteil gezeigt, daß nämlich der Vergleich eine Art der Metapher ist. Nicht die Metapher ist um das Ver-gleichswort gekürzt, sondern der Vergleich um dieses erweitert. Zudem werden die zwei Be-standteile einer Metapher (Substitut und Substituent) als identisch hingestellt, während die Be-standteile eines Vergleichs hinsichtlich einer Gemeinsamkeit verglichen werden. Dabei sind auch alle Elemente wörtlich gemeint. Die Metapher, bei der Wörtliches und Übertragenes verbunden wird, leistet also viel mehr als ein Vergleich. 9
2.2 Die Metapher bei Cicero und Quintilian
Bei Cicero und Quintilian finden sich Systematisierungen der aristotelischen Ausführungen, die das Fundament der schulrhetorischen Metapherntheorie bilden. Die Metapher gilt als der wichtigste und schönste Tropus (Austausch von Wörtern). Auch hier vollzieht sich die Übertragung eines Wortes an eine fremde Stelle auf der Basis einer Bedeutungsähnlichkeit. Die Funktionen der Metapher sind zum einen die Schaffung eines Ausdrucks, wo ein Mangel besteht, zum anderen das Ausschmücken der Rede zum Vergnügen des Hörers. Die besondere Qualität der Metapher zeigt sich, wenn das fremde Wort an der neuen Stelle mehr besagt als der eigentliche Ausdruck, wenn die Metapher den Sachverhalt anschaulicher und genauer darstellt. Folgende Typologie wird von Quintilian aufgestellt: 10 1. Übertragung vom Belebten zum Belebten: Fuchs > ,schlauer Mensch‘ S. 8. 7 Vgl. Kurz et al., S. 19f. 8 Ebd., S. 22f. 9 Ebd., S. 24. 10 Ebd., S. 26ff.
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Arbeit zitieren:
Eleni Stefanidou, 1999, Die Metapher im Bedeutungswandel, München, GRIN Verlag GmbH
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