2
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 4
Tabellenverzeichnis 5
1. Einleitung 6
1.1. Der Finanzplatz Deutschland 6
1.2. Betreuungskonzepte der Finanzdienstleister 7
2. Begriffsbestimmungen 9
2.1. Eine Unterteilung der vermögenden Privatkunden 9
2.2. Die Angebote der Finanzdienstleister. 11
2.2.1. Private Banking. 11
2.2.2. Private Wealth Management. 12
2.2.3. Family Office 14
3. Die Beziehung zwischen Kunde und Finanzdienstleister. 15
3.1. Veränderungen auf dem Markt für Finanzdienstleistungen. 16
3.1.1. Äußere Einflüsse. 16
3.1.2. Veränderungen im Kundenverhalten 17
3.2. Einflussfaktoren auf die Kundenloyalität. 18
3.2.1. Variablen der wahrgenommenen Dienstleistungsqualität 19
3.2.1.1. Zufriedenheit 19
3.2.1.2. Vertrauen. 22
3.2.1.3. Commitment. 23
3.2.2. Variablen der Wechselkosten. 23
3.2.2.1. Investitionen. 23
3.2.2.2. Gewohnheit 24
3.2.2.3. Bequemlichkeit 24
3.3. Vom Transaction zum Relationship Management 26
3
4. Die Analyse des Marktes der vermögenden Privatkunden 29
4.1. Umfang und Potenzial des Marktes 29
4.2. Einfluss der Herkunft des Vermögens auf die Einstellung. 31
4.3. Bedürfnisse der vermögenden Privatkunden 33
5. Die Entwicklung im Angebotsbereich für vermögenden Privatkunden 39
5.1. Private Banking 39
5.1.1. Angebotene Dienstleistungen 39
5.1.2. Einschätzung des Private Banking - Konzeptes. 41
5.2. Private Wealth Management 43
5.3. Family Office 46
5.3.1. Aufbau und Arten des Family Office. 46
5.3.2. Dienstleistungen des Family Office 50
5.3.3. Besonderheiten der Familie 54
5.3.4. Beurteilung des Family Office Konzeptes 58
5.3.4.1. Vorteile der Anbieter und Nachfrager. 58
5.3.4.2. Nachteile der Anbieter und Nachfrager. 60
6. Zusammenfassung und Ausblick 62
6.1. Resümee 62
6.2. Zukunft der Betreuung vermögender Privatkunden. 63
Literaturverzeichnis 65
4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Segmente innerhalb der vermögenden Privatkunden.
Abbildung 2: Bestandteile des Privatvermögens.
Abbildung 3: Das Beziehungsgeflecht im Privatkundengeschäft
Abbildung 4: Ein Wirkungsmodell der Kundenloyalität.
Abbildung 5: Vermögensverteilung in Deutschland und im europäischen Vergleich
Abbildung 6: Entwicklung der Erwartungen der High Net Worth Individuals.
Abbildung 7: Kunden und Anbieter definieren Service neu
Abbildung 8: Der Berater wird zu einem „Chief Financial Officer“
Abbildung 9: Idealzustand der Family Office Dienstleistung
Abbildung 10: Die Konzeption des Family Office.
Abbildung 11: Darstellung des Familienlebenszyklus für das Finanzvermögen
5
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Vergleich des Relationship mit dem Transaction Management. 28
Tabelle 2: Allgemeine Grundsätze zum Investitionsverhalten. 33
Tabelle 3: Die zukünftigen Trends des Family Office Konzeptes 64
6
1. Einleitung
1.1. Der Finanzplatz Deutschland
In Zeiten einer anhaltend schlechten wirtschaftlichen Lage und in Anbetracht hoher Arbeitslosenzahlen scheint es paradox, dass sich ausgerechnet das Privatkundengeschäft als eine Stütze der Finanzbranche erweist und zu relativ stabilen Erträgen führen kann. 1 Insbesondere das Geschäft mit den vermögenden Privatkunden, welches im Allgemeinen unter dem Begriff Private Banking zusammengefasst wird, erwirtschaftete laut einer Studie von McKinsey von 1997 bis 2001 eine jährliche Rendite von 40,8 % und übertraf damit selbst die Renditen in den Bereichen Asset Management (29,9 %) oder Investment Banking (29,5 %). 2 Da voraussichtlich nicht nur die Anzahl der vermögenden Privatpersonen sondern auch ihr Vermögen in der Zukunft weiter anwachsen soll, wird der Bereich Private Banking als einer der Wachstumsmärkte in den nächsten Jahren betrachtet. 3
Dies ist besonders wichtig, da die Lage der Finanzbranche in den letzten Jahren eher bedenklich war, was durch die schlechte Wirtschaftslage noch verstärkt wurde. Selbst der Spiegel schrieb über die Bankenbranche: „Die einst so mächtigen Geldkonzerne der alten Deutschland AG, die in Zeiten des Wirtschaftswunders die Geschicke der Großindustrie mitsteuerten, stehen vor der größten Bewährungsprobe ihrer jüngeren Geschichte.“ 4 Auch wenn sich die größeren Kreditinstitute bereits wieder auf dem Weg der Besserung befinden 5 , sind die Gründe für die allgemein schlechte Situation vielfältig und reichen von einem engmaschigen, unrentablen Filialnetz, über zu geringe Margen, bis hin zu einem überholten Bankenmodell welches aus Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken besteht. 6 In den neunziger Jahren versuchten insbesondere die deutschen Großbanken über den verstärkten Einstieg in das Investment Banking an die internationale Konkurrenz anzuschließen und konnten durchaus gute Erfolge erzielen. Jedoch liegt seit dem Ende des Aktienbooms das Geschäft mit Börsengängen oder Fusionen danieder. 7 Das relativ stabile Geschäft mit den vermögenden Privatkunden könnte somit eine solide Ertragsquelle für die Wettbewerber auf dem Finanzmarkt darstellen.
1 Vgl. o.V. (2003a), S.704.
2 Vgl. o.V. (2002), S.443.
3 Vgl. o.V. (2001b), S.183.
4 Vgl. Pauly, C./ Reuter, W. (2002), Spiegel Online.
5 Vgl. Schnettler, D. (2005), Handelsblatt.com.
6 Vgl. Tuma, T../ Reuter, W. (2002), Spiegel Online.
7 Vgl. Pauly, C./ Reuter, W. (2002), Spiegel Online.
7
Allerdings sind die hohe Rentabilität und die guten Wachstumschancen auf dem Markt der Vermögenden kein Geheimnis, sodass immer mehr Anbieter um die Aufmerksamkeit dieser Zielgruppe buhlen. 8 Trotz eines generellen Rückgangs der Anzahl an Banken befinden sich auf dem deutschen Markt noch viele Anbieter: so gab es 1998 noch ungefähr 3300 Institute auf dem deutschen Markt. 9 Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, ist auch eine geringere Konzentration festzustellen. Gemäß Berechnungen der deutschen Bundesbank wurde in Deutschland ein „concentration ratio“ 10 auf Basis der fünf größten Banken von ca. 20 % ermittelt, während in Europa ein durchschnittlicher Wert von etwas über 50 % vorherrscht. 11 Doch nicht nur eine hohe Konkurrenz durch Finanzdienstleister aus dem deutschen Markt, die noch durch das Auftreten von Near- und Nonbanks verschärft wird 12 , sondern auch aus dem internationalen und speziell aus dem europäischen Ausland führt zu einer weiteren Verschärfung des Wettbewerbes. Durch die Schaffung des EU - Binnenmarktes können die Institute mit ihrer nationalen Bankenerlaubnis Dienstleistungen europaweit anbieten, unterliegen aber weiterhin den Aufsichtsbehörden des Heimatlandes. 13
1.2. Betreuungskonzepte der Finanzdienstleister
All diese Anbieter versuchen nun, den äußerst lukrativen Markt der vermögenden Privatkunden zu erschließen und sehen sich dabei einer Kundschaft gegenüber, die zunehmend kritisch und rational handelt und durch die neuen Technologien die Angebote auf dem Markt besser vergleichen kann. Dies hat natürlich auch Einfluss auf die Loyalität der Kunden gegenüber den Anbietern, die gerade bei Personen mit höherem Einkommen geringer ist. 14 Es müssen daher neue Konzepte entwickelt werden, um die Vermögenden als Kunden zu gewinnen und darüber hinaus an sich zu binden. Ein umfassendes Beratungskonzept, welches sich den steigenden Anforderungen der vermögenden Privatkunden anpasst, ist dabei unabdingbar.
8 Vgl. Balzli, B. (2004), Spiegel-Online.
9 Vgl. Hempell, H.S. (2002), S.7.
10 Der „concentration ratio“ ermittelt sich aus dem Anlagevermögen der größten Institute im Verhältnis zu dem
Anlagevermögen aller Insitute auf dem Markt.
11 Vgl. Hempell, H.S. (2002), S.9.
12 Vgl. Deser, T. (1998), S.1.
13 Vgl. Lingel, M. (2003), S. 77.
14 Vgl. Deser, T. (1998), S.22-24.
8
Die Herausforderung für die Dienstleistungsanbieter liegt nun darin, ein auf den Kunden individuell zugeschnittenes, attraktives Beratungsangebot aufzustellen und sich gleichzeitig gegen die Angebote der Konkurrenz durchzusetzen.
Der bisherige Bereich Private Banking wird durch „neuere“ Konzepte, wie Private Wealth Management oder das Family Office, ergänzt, um sich dem steigenden Ansprüchen der vermögenden Kundschaft anzupassen. Insbesondere dem Family Office kommt im Zuge der Beratung der so genannten „Superreichen“ eine hohe Bedeutung zu und könnte zukunftsweisend für die Betreuung vermögender Privatkunden und damit für die Ertragslage der Finanzdienstleister sein.
Im Rahmen dieser Arbeit sollen im zweiten Kapitel zunächst eine genauere Differenzierung der vermögenden Privatkunden und eine Definition der bereits angeführten Beratungskonzepte erfolgen. Anschließend werden im dritten Kapitel die Einflussfaktoren auf die Beziehung zwischen Kunde und Dienstleister und ihre Veränderung untersucht, wobei insbesondere die Kundenbindung bzw. -loyalität betrachtet wird, da dies für eine erfolgreiche Beziehung von größter Bedeutung ist. Im darauf folgenden Abschnitt vier findet eine genauere Untersuchung des Marktes der vermögenden Privatkunden statt und welche Anforderungen diese an die Anbieter stellen, bevor im vorletzten Kapitel die einzelnen Konzepte der Anbieter unter anderem anhand ihrer Leistungen auf Unterschiede überprüft werden. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Family Office, dessen umfassendes Betreuungsangebot sowohl Kunden als auch Anbietern viele Vorteile bringt und dadurch auch in der Zukunft Bestand haben kann. Nachdem mit einer Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile das Family Office abschließend untersucht werden soll, wird im letzten Kapitel eine mögliche Entwicklung im Bereich der Betreuung vermögender Privatkunden in der nahen Zukunft aufgezeigt.
9
2. Begriffsbestimmungen
2.1. Eine Unterteilung der vermögenden Privatkunden
Bisher wurde nur der Begriff „vermögende Privatkunden“ gebraucht, um die attraktive Zielgruppe für die Finanzdienstleister zu beschreiben. Für den weiteren Verlauf ist es jedoch notwendig, eine genauere Unterteilung und auch Abgrenzung in diesem Teilbereich der Privat-kundschaft vorzunehmen. Eine Segmentierung dieses Marktes ist erforderlich, da die einzelnen Teilgruppen unterschiedliche Ansprüche an das Finanzdienstleistungsangebot haben und somit ein unterschiedliches Kaufverhalten aufweisen. Auf diese Art und Weise können die Anbieter eine zielgerichtete und effiziente Strategie einschlagen. 15
Bei der Segmentierung der Zielgruppe gehen die Anbieter nach unterschiedlichen Verfahrensweisen vor, überwiegend wird jedoch das Kriterium „Geldvermögen“ herangezogen. 16 Doch auch bei diesem Merkmal findet sich hinsichtlich der Abgrenzung zwischen den Teilgruppen innerhalb der Zielgruppe eine durchaus große Differenz zwischen einzelnen Untersuchungen. Während z.B. die Gruppe Datamonitor die Grenze für vermögende Privatkunden bei 300.000 Euro ansetzt 17 , geschieht dies bei der Studie von Merrill Lynch und Capgemini erst ab einem liquiden Vermögen 18 von 1 Million Euro. 19 Es ist jedoch zu beachten, dass jede Einteilung mehr oder wenig willkürlich gesetzt wird. Aufgrund der ausreichend vorhandenen Daten wird bei dieser Arbeit die Einteilung von Merrill Lynch und Capgemini genutzt. Hinsichtlich der Bezeichnung der Teilsegmente haben sich in der vorhandenen Literatur die Begriffe „Affluent Client“, „High Net Worth Individual“ und „Ultra High Net Worth Individual“ durchgesetzt und werden auch hier als Grundlage herangezogen.
Die Affluent Clients sind Kunden, die ein Vermögen im Bereich von 100.000 bis zu 1 Million Euro haben und einem so genannten „Mittelmarkt“ zugerechnet werden. Sie befinden sich somit eher in einem Bereich, der zwischen dem Retail Banking der Massenkunden und dem Private Banking der sehr vermögenden Kunden anzusiedeln ist. 20
15 Vgl. Lingel, M. (2003), S. 139.
16 Vgl. Maltzan, B.A. von (2000), S. 923.
17 Vgl. o.V. (2003a), S. 7.
18 Im weiteren Verlauf wird der Begriff „Vermögen“ im Sinne des liquiden Geldvermögens gebraucht, da auch
nur dieses gegebenenfalls im Rahmen einer Vermögensanlage zur Verfügung steht.
19 Vgl. o.V. (2000), S. 4.
20 Vgl. Fuchs, H.J./ Girke, M. (2002), S. 90.
10
Je nach Einteilung der jeweiligen Dienstleistungsanbieter kann dieses Segment durchaus dem Bereich der vermögenden Privatkunden zugerechnet werden, jedoch müsste für eine profitable Bearbeitung der Affluent Clients der einzelne Kundenberater fünf bis zehn mal so viele Kunden betreuen, wie es z.B. im Private Banking üblich ist. 21 Daher sind individuelle Beratungen, wie sie eigentlich notwendig wären, nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Die High Net Worth Individuals (HNWIs) besitzen Vermögen von mehr als 1 Million Euro 22 und zählen damit zu der Klientel, welche im engeren Sinne als Zielgruppe für den Bereich Private Banking angesehen wurde. 23 Von der Gruppe der HNWIs wird nochmals ein Teilsegment, die Ultra High Net Worth Individuals (UHNWIs), abgetrennt. Diese Personengruppe verfügt über ein Vermögen von mindestens 30 Millionen Euro. 24 Trotz einer relativ kleinen Anzahl von UHNWIs ist diese Unterscheidung notwendig, da die Vermögen dieser Individuen so groß und mitunter auch sehr komplex sind, dass sie eine spezielle Beratung und ein auf sie zugeschnittenes Produktangebot benötigen. 25 Im weiteren Verlauf werden nur die vermögenden Privatkunden im engeren Sinne betrachtet, wobei eine Beschränkung auf die HNWIs und die UHNWIs stattfindet.
21 Vgl. Fuchs, H.J./ Girke, M. (2002), S. 91.
22 Vgl. o.V. (2000), S. 4.
23 Vgl. Maltzan, B.A. von (2000), S. 923.
24 Vgl. o.V. (2000), S. 4.
25 Vgl. Düzgünkaya, S. (2002), S.29.
11
2.2. Die Angebote der Finanzdienstleister
Die unterschiedlichen Beratungs- und Bertreuungskonzepte der einzelnen Finanzdienstleister für die HNWIs und UHNWIs sind so vielfältig, wie es Bezeichnungen für diese Konzepte gibt. Der geläufigste Begriff in diesem Segment der Privatkundenbetreuung ist der des Private Banking, welcher jedoch nie eindeutig definiert wurde. Daneben hat sich in den letzten Jahren der neuere Begriff Private Wealth Management entwickelt, der allerdings häufig gleichbedeutend mit Private Banking gebraucht wurde. 26 Eine Unterscheidung dieser beiden Bereiche ist nicht sehr einfach und ist am ehesten auf Basis der traditionellen Idee des Private Banking im Gegensatz zu dem Verständnis des Begriffes Private Wealth möglich. 27 Als ein weiteres Konzept für die Betreuung gerade der UHNWIs hat sich das Family Office behauptet, welches versucht, den besonders hohen Anforderungen dieser Gruppe gerecht zu werden. Trotz der Schwierigkeiten einer Definition dieser drei Begriffe, soll dies nun zu einem besseren Verständnis auch im Hinblick auf eine Entwicklung der Betreuungskonzepte geschehen, bevor im weiteren Verlauf der Arbeit ein genauerer Blick auf die einzelnen Aspekte der Bereiche Private Banking, Private Wealth Management und Family Office geworfen wird.
2.2.1. Private Banking
Für die genauere Definition von Private Banking muss man auf die Entstehung dieses Begriffes schauen und welche traditionelle Idee er vertritt. Private Banking hat sich ursprünglich aus der Bezeichnung Privatbank und dem Verständnis, welches damit einhergeht, entwickelt. 28 Mit ihrem Ursprung, der bereits auf das Mittelalter zurück zu führen ist, haben sich die Privatbanken in ihrer eigentlichen Form im 17. und 18. Jahrhundert gebildet. Nach einer Blütezeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm ihre Zahl in Deutschland jedoch bis zum heutigen Tage stetig ab. 29 Die ursprüngliche Klientel dieser Banken waren vermögende Pri-vatkunden, welche speziell die Kernleistungen Anlageberatung und Vermögensverwaltung in Anspruch nahmen. Doch mit der Zeit hat sich nicht nur die Zielgruppe vergrößert, sondern auch das Dienstleistungsangebot und die Zahl der Anbieter auf dem Markt für vermögende Privatkunden.
26 Vgl. Schaubach, P. (2003), S. 11.
27 Vgl. ebenda, S. 14-15.
28 Vgl. ebenda, S. 12.
29 Vgl. Lingel, M. (2003), S. 10-12.
12
Durch das Eindringen anderer Kreditinstitute auf diesen Markt fand ebenfalls eine begriffliche Umorientierung von dem Banktyp Privatbank auf die Geschäftseinheit Private Banking statt. Im Zuge der Verbreitung des Private Banking hat sich der traditionelle Ansatz aus den Zeiten der Privatbanken gewandelt und ist zu einem modernen Konzept geworden, welches von den jeweiligen Kreditinstituten angepasst wurde. 30 Als eine mögliche Definition im neuen Sinne bezeichnet das Barron’s Dictionary of Banking Terms Private Banking als „banking services, including lending and investment management, for wealthy individuals“ 31 . Eine ähnliche Definition findet sich auch im deutschen Raum, welche Private Banking als ein “Geschäft mit vermögenden Privatkunden, das die gesamte Palette bankbetrieblicher Geschäfte, insbesondere aber den Bereich der standardisierten und/oder individuellen Vermögensberatung, umfasst” 32 beschreibt.
2.2.2. Private Wealth Management
Das Betreuungskonzept Private Wealth Management ist von den drei aufgeführten Formen der Beratung von HNWIs und UHNWIs am schwierigsten zu definieren, da einerseits kaum Literatur über diesen Bereich existiert und andererseits die Angebote der Finanzdienstleister sich in ihrem Umfang nicht sehr von den Leistungen im Bereich Private Banking unterscheiden 33 . Eine Abgrenzung zum Private Banking kann am ehesten erfolgen, wenn man den Begriff Private Wealth genauer betrachtet, insbesondere welche Bestandteile des Wealth bzw. Vermögens er beinhaltet. Da der Fokus dieser Arbeit auf den vermögenden Privatkunden liegt, soll hier auch nur das Privatvermögen betrachtet und andere Vermögensarten außer Acht gelassen werden. Eine weitreichende Begriffsbestimmung für Vermögen setzt sich dabei aus den Teilen Finanzvermögen, Humanvermögen und Sozialvermögen zusammen. 34
30 Vgl. Schaubach, P. (2003), S. 12-13.
31 Vgl. Atz, M. (1999), S.83.
32 Vgl. o.V. (2005), S. 6.
33 Vgl. Chapelle, T. (2004), S. 60-63.
34 Vgl. Schaubach, P. (2003), S. 15.
13
Unter Finanzvermögen versteht man grundsätzlich alle Forderungen, wie das Geldvermögen oder Wertpapiere, abzüglich aller Verbindlichkeiten eines Wirtschaftssubjektes, während z.B. Grundstücke, Immobilien und Kunstgegenstände dem Sachvermögen zugeordnet werden. 35 Im Sinne der ganzheitlichen Betrachtung sollen diese einzelnen Bestandteile nun unter dem Begriff Finanzvermögen zusammengefasst werden. Für ein besseres Verständnis und im Rahmen der Betreuung der HNWIs und der UHNWIs wird das Finanzvermögen in Privatbilanzen aufgestellt und entweder dem Erwerbsbereich oder dem Unterhaltsbereich zugeordnet. Die Vermögensgegenstände der ersten Kategorie dienen dabei dem Erwerb von Einkommen (z.B. Wertpapiere, vermietete Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen), während die Vermögensgegenstände des Unterhaltsbereichs nicht zur Generierung von Einkommen dienen (z.B. selbstgenutzte Immobilien oder Kunstgegenstände). 36
Das Humanvermögen beschreibt die Aspekte der menschlichen Ressourcen, die ein Mensch zur Erzielung von Einkommen nutzen kann. Dies setzt sich aus der Erziehung, schulischer Ausbildung, beruflicher Weiterbildung und auch aus der Erfahrung z.B. durch bereits getätigte Investitionen etc. zusammen. Ein Anstieg im Bereich des Humanvermögens, wie z.B. Weiterbildung, hat einen Einfluss auf die Arbeitsproduktivität und führt letztendlich im Idealfall zu zusätzlichem Einkommen bzw. zu einer Wohlfahrtssteigerung. 37
Der letzte Bestandteil des Privatvermögens, das Sozialvermögen, betrachtet nun die einzelne Person im Zusammenhang zu seiner sozialen Umwelt und den vielfältigen Beziehungen, die diese Person eingeht. Die Zugehörigkeit zu einem sozialen Netzwerk und dessen Struktur bestimmen den Wert des Sozialvermögens, welches aber nur unter großen Schwierigkeiten beurteilt werden kann. Als Bestandteile gelten unter anderem Anerkennung, Reputation, Vertrauenswürdigkeit, Bekanntheit etc., die nur subjektiv bewertet werden können.
35 Vgl. Ring, A.M. (2000), S. 47-49.
36 Vgl. Schaubach, P. (2003), S.24-27.
37 Vgl. ebenda, S. 29.
14
Um dieses soziale Netzwerk über eine längere Zeit nutzen zu können, bedarf es regelmäßiger Investitionen in eine zeitintensive Beziehungsarbeit. 38
Abschließend kann man nun Private Wealth Management definieren als „die Gesamtheit aller Aktivitäten des Planens, Realisierens und Kontrollierens sämtlicher materieller und nichtmaterieller Ressourcen des Finanz-, Human- und Sozialvermögen einer Privatperson, die es ihr ermöglichen, … Einkommens- oder Nutzenerträge zu generieren“. 39
2.2.3. Family Office
Die Bezeichnung „Family Office“ stammt aus dem angelsächsischem Wirtschaftsraum und bezeichnet eine Institution, die sich unter anderem mit der Verwaltung der Vermögen der UHNWIs befasst 40 , da diese aufgrund der großen Höhe und oftmals auch wegen der Komplexität ihrer Vermögen eine besondere Betreuung benötigen 41 . Obwohl im europäischen Raum in der Vergangenheit auch ähnliche Dienstleistungen insbesondere im Umfeld der reichen Adelsfamilien vorzufinden waren 42 , entstand eines der ersten Family Offices im Jahre 1838 in den USA unter der Führung der Familie Morgan in der Form einer Privatbank, welche sich um die Verwaltung des immensen Familienvermögens kümmerte. Da auch andere reiche Familien ähnliche Probleme hatten, öffnete sich die Morgan Privatbank für die Guggenheims und auch Vanderbilts. 43 Dabei ist bei diesem speziellen Konzept zwischen Family Office -Dienstleistungen, die auch von Banken angeboten werden, und dem eigentlichen Family Office zu unterscheiden, welches eine unabhängige, organisatorische Einheit darstellt. 44
Genauer gesagt beschreibt das Family Office „die von einer Familie oder Individualperson mit komplexen Vermögen in beträchtlichem Umfang … etablierte organisatorische Einheit, in der die strategischen, taktischen und operativen Leistungen der Konfiguration, Koordination und Mobilisierung des Finanz-, Human- und Sozialvermögens … gebündelt sind.“ 45
38 Vgl. Schaubach, P. (2003), S. 33.
39 Vgl. ebenda, S. 15.
40 Vgl. Huth, O./ Werkmüller, M.A. (2002), S. 733.
41 Vgl. Düzgünkaya, S. (2002), S.29.
42 Vgl. ebenda, S. 59-60.
43 Vgl. Cvijetic Boissier, V. (1999), S. 168.
44 Vgl. Huth, O./ Werkmüller, M.A. (2002), S. 733.
45 Vgl. Schaubach, P. (2003), S. 63-64.
Arbeit zitieren:
Daniel Heuermann, 2005, Vom Private Banking bis zum Family Office - Eine Entwicklung in der Betreuung vermögender Privatkunden, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Anforderungsprofil eines Beraters im Private Banking
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Hausarbeit, 17 Seiten
Honorarberatung im Financial Planning - Praktische Anwendung, Probleme...
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Diplomarbeit, 101 Seiten
Projektfinanzierung vs. traditionelle Finanzierungsformen - eine Analy...
Charakteristika und Einsatzgeb...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Seminararbeit, 46 Seiten
Finanzberatung gegen Provision oder Honorar - Eine Analyse aus Kundens...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Seminararbeit, 26 Seiten
Ansätze der Unternehmensbewertung im Rahmen eines IPO - Möglichkeiten ...
BWL - Investition und Finanzierung
Diplomarbeit, 62 Seiten
Empirische Analyse der Mitarbeiterbindung am Beispiel der Firma X AG
BWL - Unternehmensforschung, Operations Research
Masterarbeit, 95 Seiten
Expertenbefragung - Einteilung der Möglichkeiten der Expertenbefragung...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 34 Seiten
Motivations- und Leistungssteigerung durch variable Vergütung
BWL - Personal und Organisation
Diplomarbeit, 88 Seiten
Darstellung und kritische Würdigung eines Personalentwicklungssystems ...
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 30 Seiten
Die Berücksichtigung soziokultureller Besonderheiten beim Markteintrit...
Seminararbeit, 15 Seiten
Unternehmensgründung einer unabhängigen Vermögensverwaltung
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Diplomarbeit, 90 Seiten
Unterrichtsstunde zum Thema Alfred Wegner und seine Kontinentaldriftt...
Geowissenschaften / Geographie - Didaktik d. Geographie
Unterrichtsentwurf, 14 Seiten
Das Firmenkundengeschäft - ein Wertvernichter?
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Möglichkeiten von elektronischen Finanzdienstleistern - E-Banking, E-T...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Diplomarbeit, 67 Seiten
Modellierung von Informationssystemen nach dem ARIS-Konzept inkl. Fall...
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Hausarbeit, 28 Seiten
Daniel Heuermann hat den Text Vom Private Banking bis zum Family Office - Eine Entwicklung in der Betreuung vermögender Privatkunden veröffentlicht
Daniel Heuermann hat einen neuen Text hochgeladen
Wealth Management: Private Banking, Investment Decisions, and Structur...
Private Banking, Investment De...
Dimitris N. Chorafas
Die Wahl des Anbieters im Private Banking
Eine Analyse der Wirkung der D...
Patrick Zenz-Spitzweg
S Dasgupta
0 Kommentare