Einleitung: Die Peers im Entwicklungskontext S. 3
Hauptteil: Psychosoziale Entwicklung im Jugendalter -S. 4
Die Konstanzer Längschnittstudie von Helmut Fend I.) Fragestellungen S. 4 II.) Methode S. 5 II.1.) Design S. 5 II.2.) Stichprobe S. 6 II.3.) Variablen S. 8
II.3.1.) Unabhängige Variablen S. 8 II.3.2.) Abhängige Variablen S. 8
II.3.3.) Mediatisierende Variablen S. 9 II.4.) Erhebungsinstrumente S. 10
II.4.1.) Selbstberichtsverfahren S. 10
II.4.2.) Soziometrische Verfahren S.11
II.4.3.) Messung soziokognitiver Kompetenzen S. 12
II.4.4.) Erhebung der schulischen Situation S. 12 III.) Ergebnisse S. 13
III.1.) Entwicklung der Beziehungen S. 13
III.1.1.) Wahl von Bezugspersonen S. 14
III.1.2.) Veränderung des Selbstwirksamkeitsbewusstseins S. 15
III.2.) Soziale Positionen in der Klasse : Meinungsführer und Außenseiter S. 16
III.2.1.) Verteilung von Sympathie und Geltung S. 17
III.2.2.) Persönlichkeitsprofil von Meinungsführern S. 18
III.2.3.) Persönlichkeitsprofil von Außenseitern S. 21
III.3.) Außerschulische Gesellungsformen S. 24
III.3.1.) Vier Typen außerschulischer Integration S. 25 III.3.1.1.) Isolation S. 25 III.3.1.2.) Kleine Netze S. 26 III.3.1.3.) Große Netze S. 27
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III.3.1.4.) Cliquen S. 28
III.3.2.) Verhältnis von schulischen und außerschulischen Peer- Kontakten S. 30
III.5.) Verhältnis Eltern und Peers S. 33 III.5.1.) Erklärungsmodell S. 34
III.5.2.) Empirische Ergebnisse S. 35
Schlussteil: Zusammenfassung / Diskussion S. 38 Literaturverzeichnis S. 40
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Einleitung:
Seit sich die Jugend als eigenständige Lebensphase herauskristallisiert hat, ist die Entstehung altershomogener Gruppen Jugendlicher - so genannter peer-groups - zu beobachten. In einer modernen ausdifferenzierten Gesellschaft mit ihren vielfältigen Anforderungen und Lebensbereichen erscheint die altersheterogene Gruppe der Familie als nicht mehr ausreichend, um den Heranwachsenden für ein zukünftiges selbstständiges Leben zu qualifizieren und seine zahlreichen sozialen Beziehungen adäquat zu befriedigen.
Um die so entstandene Lücke zu füllen, „organisieren“ sich Jugendliche in Gruppen Gleichaltriger, die es ihnen ermöglichen, ihre sozialen und psychischen Bedürfnisse in jugendgemäßer Weise zu erfüllen. Somit kommt den Peers besonders im Jugendalter eine wesentliche Rolle bei der Bewältigung altersspezifischer Entwicklungsaufgaben zu. In der Jugendphase steht der Heranwachsende vor der Herausforderung, in unterschiedlichen Lebensbereichen auf eigenen Beinen stehen zu müssen, um schließlich sein Leben eigenverantwortlich regeln und gestalten zu können. Als zentrale Entwicklungsaufgaben gelten nach Havighurst unter anderem die Unabhängigkeit von den Eltern und der damit verbundene Prozess der Ablösung, die Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit und der Geschlechterrollen sowie die Aufnahme neuer, dauerhafter Beziehungen zu gleich- und gegengeschlechtlichen Freunden (vgl. Oerter / Montada, 2002, S.270f.).
Bei der Erfüllung dieser Anforderungen können die Peers wichtige Hilfestellung leisten. In Interaktion mit Gleichaltrigen gewinnen Jugendliche an Verhaltenssicherheit und Ich-Stärke, sie lernen, zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen und bei Bedarf wieder aufzugeben, und sie erhalten im ständigen Austausch mit den Peers Informationen über sich selbst, die wesentlich dazu beitragen können, sich der eigenen Identität bewusst zu werden.
Vor diesem Hintergrund scheint es einleuchtend, dass Heranwachsende, die fest in peer-groups ein-gebunden sind, die an sie gestellten Entwicklungsaufgaben leichter bewältigen können, als solche, denen es an dieser Einbindung mangelt.
Doch welchen Jugendlichen gelingt es, einer stabilen sozialen Umwelt anzugehören, und was sind die Gründe dafür, dass manche von ihnen sich eher als isoliert erleben? Welche Folgen hat das Vorhandensein oder Fehlen von Peers für die psychosoziale Entwicklung Jugendlicher und wie entwickeln sich die Beziehungsmuster zwischen Gleichaltrigen beim Übergang von der Kindheit in die Jugendphase?
Diesen und weiteren Fragen ist Helmut Fend in seiner Studie zur sozialen Entwicklung im Jugendalter nachgegangen. Im Folgenden soll diese Untersuchung nun im Einzelnen dargestellt werden. In einem ersten Schritt werden die forschungsleitenden Fragestellungen vorgestellt werden, um dann
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in einem zweiten Schritt auszuführen, wie diese methodisch überprüft wurden. Im dritten Teil der vorliegenden Arbeit werden schließlich die Ergebnisse ausführlich beschrieben. Hauptteil:
Helmut Fend hat in einer aufwendigen Längschnittstudie untersucht, wie sich Peer-Beziehungen in der Adoleszenz entwickeln und auf welche Weise sich diese auf das psychosoziale Wohlbefinden Heranwachsender auswirken.
Unter einer handlungstheoretischen Perspektive, die den Jugendlichen als handelndes Subjekt und somit als eigenverantwortlichen Konstrukteur seiner Entwicklung anerkennt, versucht der Autor die vielfältigen Beziehungsgeflechte der Jugendlichen sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Kontext aufzudecken.
Im folgenden Abschnitt sollen nun zunächst die der Studie zu Grunde liegenden Fragestellungen erläutert werden. I.) Fragestellungen
Ein erster Komplex der Studie befasst sich mit der Frage, wie sich soziale Beziehungen im Verlauf der Adoleszenz entwickeln und verändern und versucht aufzudecken, welche sozialen Positionen im schulischen Kontext und im außerschulischen Umfeld erkennbar werden. Hieraus ergibt sich weiterhin die Frage, welchen Jugendlichen es gelingt, sozial anerkannt zu sein, und welche eher randständig bleiben; es ist also zu untersuchen, ob es typische Problemkonstellationen gibt und ob sich anerkannte von nicht anerkannten Jugendlichen in ihrem Persönlichkeitsprofil unterscheiden (vgl. Fend, 1998, S. 250). Schulischer und außerschulischer Lebenskontext der Heranwachsenden werden getrennt analysiert, da es zwischen diesen Hauptfeldern von Peer-Beziehungen strukturelle Unterschiede gibt, die verschiedene Anforderungen an das Sozialverhalten Jugendlicher richten (siehe Punkt III.2. und III.3.).
Weiterhin versucht Fend aufzudecken, in welcher Weise der objektive soziale Status, die apperzeptiven Strukturen Heranwachsender beeinflusst; wie sich dieser also auf das subjektive Bewusstsein über die eigenen sozialen Kompetenzen und die Selbstwirksamkeitsüberzeugungen niederschlägt (vgl. Fend, 1998, S. 246). Es ist davon auszugehen, dass das Selbstkonzept Jugendlicher über ihre sozialen Fähigkeiten, stark abhängig ist, von den Informationen, die sie von außen, besonders von den Peers, über sich selbst erhalten. Ein Jugendlicher beispielsweise, der zurückhaltend und kontaktscheu ist, wird von den Peers auch solcherart wahrgenommen, und sie werden dementsprechend - mit Ablehnung oder Gleichgültigkeit - auf ihn reagieren. Das wiederum nimmt dieser wahr, und verarbeitet es als Information über sich selbst. Erhält er dauerhaft immer wieder ähnliche Informationen über seine soziale Kompetenz, verfestigen sich diese möglicherweise zu einem Selbstkonzept,
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in dem er sich selbst als Außenseiter wahrnimmt; diese „[sozialen] (d. Verf.) Erfahrungen „graben“ sich in die Seele ein.“ (Fend, 1998, S. 245).
Aus den vorangegangenen Ausführungen ergibt sich als weiteres Erkenntnisinteresse, die Frage, wie wichtig peer-groups für die Persönlichkeitsentwicklung und die Psychohygiene der Heranwachsenden sind (vgl. Fend, 1998, 250). Wie bereits erwähnt, übernehmen die Peers eine entscheidende Position bei der Bewältigung alterstypischer Entwicklungsaufgaben, so dass ein Mangel an Peer-Erfahrungen - wie im weiteren Verlauf zu zeigen sein wird - einschneidende Konsequenzen für eine „gesunde“, altersgemäße Entwicklung haben kann. Des Weiteren versucht Fend in Erfahrung zu bringen, ob und wie sich Peer-Kontakte auf die Ausprägung devianten Verhaltens auswirken (vgl. Fend, 1998, S. 250), da die Peers nicht nur positiv unterstützend auf die Entwicklung Heranwachsender wirken können, sondern zugleich, in Abgrenzung zur Welt der Erwachsenen, oftmals eigene Normen- und Wertesysteme ausbilden, die jugendliches Risikoverhalten begünstigen. Der letzte Teil der Studie versucht Aufschluss darüber zu geben, in welchem Verhältnis familiäre Bindungen und Peer-Beziehungen stehen (vgl. Fend, 1998, S. 251). Nicht nur die Beziehungsmuster zu Gleichaltrigen ändern sich in der Adoleszenz, auch das Verhältnis zu den Eltern unterliegt qualitativen Veränderungen. Es stellt sich hierbei die Frage, inwieweit sich familiäre und freundschaftliche Beziehungen gegenseitig ergänzen oder ausschließen.
Bevor nun Antworten auf die angeführten Fragen gegeben werden, soll zunächst der methodische Teil der Studie vorgestellt werden. II.) Methode II.1.) Design
Die Forschungsgruppe um Helmut Fend hat mit ihrer Untersuchung versucht, die Vielzahl der Entwicklungsmuster im Jugendalter unter universalem und differentiellem Blickwinkel zu erfassen (vgl. Fend, 1998, S. 51). Neben den allgemeinen sozialen Entwicklungsprozessen, die jeder Jugendliche in ähnlicher Weise durchläuft, sollten darüber hinaus individuelle Entwicklungsmuster untersucht werden, um feststellen zu können, wie sich beispielsweise die Zuschreibung bestimmter sozialer Positionen längerfristig auf das psychosoziale Wohlbefinden einzelner Jugendlicher auswirkt. Aus diesen Gründen wurde ein längsschnittliches Design gewählt, dass es ermöglicht, neben allgemeinen Ergebnissen über die Entwicklung der Beziehungen in der Adoleszenz, auch Aussagen über Besonderheiten und deren Folgen zu machen. Die Studie wurde zwischen den Jahren 1979 und 1983 jährlich durchgeführt. Die Konstanzer Längsschnittstudie wurde in den Jahren 1990 und 1992 durch zwei Querschnitterhebungen in der Schweiz ergänzt, die jedoch an dieser Stelle nicht näher
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dargestellt werden können. In Fällen, in denen die Ergebnisse aus der Schweiz signifikant von denen der Längschnittstudie abweichen, wird dies hervorgehoben. II.2.) Stichprobe
Da sich ein Teil der Studie mit der Veränderung von Beziehungsmuster in der Adoleszenz befasst, musste mit der Stichprobe die gesamte relevante Altersspanne erfasst werden. Die vorliegende Stichprobe setzt sich zusammen aus Jungen und Mädchen, die sich nach gängiger Einteilung (vgl. Oerter / Montada, 2002, S. 259) in der frühen und mittleren Adoleszenz befinden. Es handelt sich demnach um Heranwachsende zwischen 11 und 18 Jahren. Um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten, und um etwaige schulspezifische Unterschiede in der Entwicklung festzustellen, wurden Gymnasien, Realschulen, Hauptschulen und Integrierte Gesamtschulen in die Stichprobe mit aufgenommen. Um weitere interindividuelle Kontextmerkmale, wie Region und sozioökonomischer Hin-tergrund mit einbeziehen zu können, wurde die Stichprobe in zwei strukturell verschiedenen Regionen erhoben. Die getesteten Jugendlichen stammen zum einen aus dem Odenwaldkreis, einer ländlichen Region mit einem hohen Anteil an Landwirten und zum anderen aus drei Stadtteilen Frankfurts am Main, deren Erwerbsbevölkerung sich größtenteils aus Facharbeitern und Angestellten im tertiären Bereich zusammensetzt (vgl. Fend, 1998, S. 52f.).
Jährlich nahmen an der Studie circa 2000 Schülerinnen und Schüler teil (1979: 2054, 1983: 1790). Im ersten Jahr der Längsschnittstudie wurden Jugendliche der sechsten Klassen getestet, die zu diesem Zeitpunkt zwischen 11 und 14 Jahre alt waren. Diese wurden jährlich bis zur zehnten Jahrgangsstufe befragt; bei der Erhebungswelle 1983 waren sie also zwischen 15 und 18 Jahren.
Wie aus der obigen Graphik ersichtlich, lässt sich die Stichprobe in verschieden Stränge unterteilen. Der Hauptstrang umfasst sämtliche Schüler, die in den einzelnen Jahren an der Untersuchung teilgenommen haben. Es muss jedoch beachtet werden, dass es sich hierbei um Jahresquerschnitte handelt, dass heißt, es befinden sich in den einzelnen Jahrgängen nicht immer die gleichen Schüler in der Stichprobe. Die jährlichen Stichproben sind aus verschiedenen Gründen nicht identisch. Zum einen scheiden Schüler aus, die nicht in die nächste Jahrgangsstufe versetzt wurden, und es kommen Schüler aus der nächsthöheren Jahrgangsstufe hinzu, die vorher noch nicht befragt wurden. Zum anderen änderte sich die Stichprobe, da einige Schüler krankheitsbedingt oder durch Schulwechsel nicht an allen Erhebungswellen teilnehmen konnten (vgl. Fend, 1998, S. 54f.) Die reine Längsschnittstichprobe, also diejenigen Jugendlichen, die an allen fünf Untersuchungswellen teilnahmen, beläuft sich auf 851 Schülerinnen und Schülern. Neben den oben genannten Ausfallgründen lässt sich die relativ geringe Teilnahme an allen fünf Erhebungen dadurch erklären, dass 1983, als Schüler der zehnten Jahrgangsstufe befragt wurden, Hauptschüler von der Stichprobe nicht mehr erfasst wurden, da sie bereits von der Schule abgegangen waren (vgl. Fend, 1998, S. 56). Der Hauptstrang wurde ergänzt durch einen Testungsstrang (siehe Graphik), durch den festgestellt werden sollte, ob eine Testwiederholung verzerrende Effekte auf die Datenerfassung hat. In den Teststrang wurden im ersten Jahr 25% der Schüler aus einzelnen Klassen aufgenommen, die im darauf folgenden Jahr mit denselben Erhebungsinstrumenten befragt wurden (vgl. Fend, 1998, S. 57).
In einem dritten Strang, dem Epochal- oder Parallelstrang wurde getestet, ob die erzielten Ergebnisse Besonderheiten einer bestimmten Alterskohorte widerspiegeln, oder ob es sich um Ergebnisse handelt, die universal gültig sind; die also beispielsweise typische Beziehungsmuster von Achtklässlern abbilden. Um dieser Frage nachzugehen, wurden 1980, 1981 und 1982 jeweils Schüler der achten Jahrgangsstufe sowie Schüler der neunten Jahrgansstufe untereinander vergleichen. Da Fend mit der vorliegenden Studie auch Antwort darauf geben will, wie sich familiäre und freundschaftliche Beziehungen ergänzen, respektive ausschließen, wurden die Eltern zu zwei Untersuchungszeitpunkten mit einbezogen.
Des Weiteren wurden in den Jahren 1979, 1980 und 1982 die Lehrer zu den erzieherischen Verhältnissen in den Klassen befragt (vgl. Fend, 1998, S. 58).
Bei der Interpretation der folgenden Ergebnisse gilt es zu beachten, dass die Stichprobe einige Besonderheiten aufweist. Durch Ausfallanalysen konnte festgestellt werden, dass sich diejenigen Schüler, die vorzeitig aus den Untersuchungen ausgeschieden sind, systematisch von den regelmäßigen Teilnehmern unterscheiden: Die Abgänger sind meist Haupt- oder Realschüler, sie zeigen schlechtere schulische Leistungen, ihre Eltern haben häufig niedrige Bildungsabschlüsse. Weiterhin handelt es sich vermehrt um ausländische Schüler aus großen Familien, sie zeigen eine geringere Verbale Intelligenz und sind sozial stärker belastet (vgl. Fend, 1998, S. 56f.). Auf Grund dieser Er-
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Katja Kuhn, 2004, Psychosoziale Entwicklung im Jugendalter - Konstanzer Längsschnittstudie von Helmut Fend, München, GRIN Verlag GmbH
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