Inhalt
1. Der Inhalt des Romans 3
2. Die Entstehung des Romans 4
3. Ein Roman in Gesprächen 6
3.1 Die Bedeutung des Erzählers 6
3.2 Funktion der Gespräche 8
4. Die Figuren und ihre Sprache 10
4.1 Kommerzienrätin Jenny Treibel 10
4.2 Corinna Schmidt 13
4.3 Wilibald Schmidt 16
4.4 Rosalie Schmolke 18
5. „Reden ist Silber, Schweigen aber Gold“ - Auch bei Fontane? 20
6. Literatur 21
3
1. Der Inhalt des Romans
Die Professorentochter Corinna Schmidt hat sich in den Kopf gesetzt, Leopold Treibel, den Sohn der Kommerzienrätin Jenny Treibel, zu heiraten. Sie erhofft sich, durch die Heirat mit dem Sohn der Bourgeois-Familie gesellschaftlich aufzusteigen und zu Geld und Ansehen zu kommen.
Während eines Ausfluges zum Halensee, an dem die Familien Schmidt und Treibel, sowie weitere Bekannte teilnehmen, geschieht, was sich Corinna ersehnt und auf das sie hingearbeitet hat: Leopold Treibel hält um ihre Hand an.
Die Verlobung ist allerdings nicht von langer Dauer, denn Jenny Treibel ist gegen diese Hochzeit. Eine Professorentochter ist für sie nicht standesgemäß und unter ihrer Würde. Selbst, wenn es sich um die Tochter ihrer Jugendliebe, Wilibald Schmidt, handelt. Dass sie selbst, eine geborene Bürstenbinder, aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammt und nur durch die Hochzeit mit Treibel zu Ansehen und Geld gekommen ist, vergisst sie dabei. Die Verlobung Leopolds mit der Schwester ihrer Hamburger Schwiegertochter Helene wird von Jenny auf einmal nicht mehr abgelehnt, sondern ist geradezu willkommen.
Leopold verspricht zwar gegenüber seiner Mutter standhaft und wehrhaft zu bleiben, doch ist er zu schwach um gegen seine Mutter aufzubegehren. Corinna erkennt dies und weiß, dass er nicht handeln wird. Außerdem wird ihr klar, dass diese gesellschaftlichen Kreise nicht das Richtige für sie sind. Sie löst die Verlobung mit Leopold und heiratet stattdessen ihren Cousin Marcell Wedderkopp, einen Archäologen, der Corinna schon lange liebt.
4
2. Die Entstehung des Romans
Fontane beginnt seine Arbeit an Frau Jenny Treibel oder ‚Wo sich Herz zum Herzen find’t’ um 1887/88. 1 In einem Brief an seinen Sohn Theo schreibt er am 9. Mai 1888: Nun ist er, im Brouillon fertig […] Titel: „Frau Kommerzienrätin oder Wo sich Herz zum Herzen find’t.“ Dies ist die Schlußzeile eines sentimentalen Lieblingsliedes, das die 50jährige Kommerzienrätin im engeren Zirkel beständig singt und durch das sie sich Anspruch auf das „Höhere“ erwirbt, während ihr in Wahrheit nur das Kommerzienrätliche, will sagen viel Geld, das ‚Höhere’ bedeutet. Zweck der Geschichte: das Hohle, Phrasenhafte, Lügnerische, Hochmütige, Hartherzige des Bourgeoisstandpunkts zu zeigen, der von Schiller spricht und Gerson meint. 2
Während er den Titel von Frau Kommerzienrätin in Frau Jenny Treibel“ umgeändert hat, behielt er den Untertitel „Wo sich Herz zum Herzen find’t“ bei. Dieser Satz ist zugleich die letzte Zeile des Lieblingsliedes von Jenny Treibel, das sie am Ende des vierten Kapitels singt. Es ist wahrscheinlich, dass Fontane dieses Gedicht extra für den Roman geschrieben hat. Die Strophe Wo sich Herz zum Herzen find’t lehnt sich an Schillers Gedicht Das Lied von der Glocke an. 3 1891 überarbeitet Fontane den Roman für die Veröffentlichung. Frau Jenny Treibel erschien von Januar bis April 1892 in der Deutschen Rundschau. Im Oktober des selben Jahres erschien der Roman als Buchausgabe im Verlag Friedrich Fontane, allerdings mit dem eingedruckten Erscheinungsjahr 1893. 4
Es wird angenommen, dass Fontane den Stoff der Frau des Berliner Justizrates Karl Kette verdanke. 5 Ob das zutrifft, ist heute nicht nachzuweisen, da das Original-Manuskript im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. 6 Eine kommerzienrätliche Familie, deren Bekanntschaft Fontane recht schnell wieder beendete, kommt ebenfalls als Quelle für den Roman in Frage. Seine Schwester, Jenny Sommerfeldt, war mit dieser Familie recht gut befreundet, weshalb Fontane viele Details über die Familie erfuhr. Es sind deutliche Parallelen zwischen den Treibels und dieser Familie zu erkennen. So versucht
1 Vgl. Jolles. S. 74
2 Zitiert nach Betz, da das Original nicht verfügbar war.
3 Vgl. Betz
4 Vgl. Jolles. S. 75
5 Vgl. Fontane: Frau Jenny Treibel. Anhang. S. 207
5
die Schwiegertochter der Kommerzienrätin, ihren Schwager mit ihrer Schwester zusammenzubringen, was ihr gelingt. Die Kommerzienrätin selbst stammt aus kleineren Verhältnissen. Fontane war die Geschichte einer Frau bekannt, die einen kleinen Gemüseladen besitzt und eine hübsche Enkelin großzieht. Diese wird von ihrer Großmutter immer herausgeputzt und heiratet schließlich einen reichen Fabrikantensohn. 7 Die Geschichten der Kommerzienrätin und der Enkelin scheinen den Grundstein für Jenny Treibel darzustellen. Charakterlich basiert Jenny Treibel auf Jenny Sommerfeld, der Schwester Fontanes. Seine Schwester war für Fontane die Verkörperung der Bourgeois. Sie heiratete einen Apotheker und wurde reich. Profit war für sie von großer Bedeutung. 8
Aber auch die anderen Figuren des Romans basieren auf realen Personen. So sind die Felgentreus den Felgentreffs nicht unähnlich, die Bekannte der kommerzienrätlichen Familie waren, ebenso wie Woworski, der in Adolar Krolar wieder zu finden ist. Für Corinna nahm Fontane seine Tochter Martha, Mete genannt, als Vorbild. Er identifizierte sie so stark mit Corinna, dass er sie im vertrauten Kreise sogar Corinna nannte. 9
6 Vgl. Betz. S. 314
7 Vgl. Anhang. S. 207
8 Vgl. Anhang. S. 211
6
3. Ein Roman in Gesprächen
3.1 Die Bedeutung des Erzählers
Den größten Teil des Romans machen Gespräche, beiläufige Unterhaltungen und verräterisches Palaver 10 aus. Der Erzähler gibt lediglich Regieanweisungen. „Frau Jenny Treibel ist unter Fontanes Romanen am meisten dialogisiert und verfügt nichtsdestoweniger über den am weitesten ‚vorspringenden’ Erzähler.“ 11 Der Erzähler beschreibt das Geschehen und die Figuren aus verschiedenen und wechselnden Perspektiven. Fontane benutzt die typischen Erzählformen - neutraler, auktorialer und personaler Erzähler - in seinem gesamten Roman. Bereits im ersten Kapitel sind alle Erzählformen zu finden.
Der Leser wird direkt in das Geschehen hineingezogen. Der Erzähler berichtet distanziert, wie die „zwei Damen“ (S. 5) 12 bei Schmidts ankommen. Dass es sich um einen neutralen Erzähler handelt, der nur beschreibt, was zu sehen ist, und keine weiterreichenden Informationen besitzt - er weiß nicht einmal wie die beiden Frauen heißen, wird im Folgenden deutlich:
Die links sitzende Dame von etwa dreißig, augenscheinlich eine Erzieherin oder Gesellschafterin, öffnete, von ihrem Platz aus, zunächst den Wagenschlag und war dann der anderen, mit Geschmack und Sorglichkeit gekleideten und trotz ihrer hohen Fünfzig noch sehr gut aussehenden Dame beim Aussteigen behülflich. (S. 5)
Die Erzählperspektive ändert sich, wenn der Erzähler berichtet, dass der Vorflur des schmidtschen Heims „ihr von langer Zeit her“ (S. 5) bekannt ist. Nun besitzt der Erzähler tiefer gehende Informationen und berichtet aus der Perspektive der Figuren. Der Erzähler blickt sozusagen mit den Augen der jeweiligen Figur. Er sieht und hört nichts anderes als diese und weiß auch nicht mehr als sie. Hier handelt es sich um einen personalen Erzähler. Eine der bevorzugten Darstellungsformen des personalen Erzählers ist die erlebte Rede. Hier werden Gedanken und Empfindungen der Figuren in der Er-/Sie-Form wiedergegeben. Äußerlich unterscheidet sich diese Passage nicht
9 Vgl. Anhang. S. 209f. und Gehse. S.63
10 Vgl. Thielking. S. 138
11 Wruck. S. 189
Arbeit zitieren:
Birgit von Eicken, 2005, Theodor Fontanes 'Frau Jenny Treibel'. Ein Roman in Gesprächen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Theodor Fontane "Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Bemerkungen zu Techniken der Figurencharakterisierung in "Frau Je...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 20 Seiten
Die Profilierung des Besitz- und Bildungsbürgertums in Frau Jenny Trei...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 22 Seiten
Merkmale der deutschen Kurzgeschichte nach 1945
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Hausarbeit, 23 Seiten
Kritik am Besitzbürgertum in Theodor Fontanes "Frau Jenny Treibel...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Textwissenschaftliche und fachdidaktische Analyse der Kurzgeschichte &...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Der poetische Realismus - dargestellt an Theodor Fontanes Roman Effi B...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 10 Seiten
Zur Kurzgeschichte mit einer Interpretation der Kurzgeschichte "D...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Literaturgeschichte zur Zeit des Realismus
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Referat / Aufsatz (Schule), 8 Seiten
Textanalytische Übung zu Ilse Aichinger: Seegeister
Die Gesellschaft - Instrument...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 13 Seiten
Zwischen Fiktion und Realität: 'Effi Briest' - oder: Wie kann ...
Wissenschaftlicher Aufsatz, 8 Seiten
Wie reagiert das schwedische Schulsystem auf die Globalisierung?
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Die Funktion von Kunst und Kultur in Theodor Fontanes Frau Jenny Treib...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 22 Seiten
Sprachpurismus - Sprachnationalismus im 19. Jahrhundert
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Fontane, Theodor - Frau Jenny Treibel - Abend der 7 Waisen
Referat / Aufsatz (Schule), 5 Seiten
Fontane, Theodor - Mathilde Möhring - Darstellung der Gesellschaft in ...
Facharbeit (Schule), 10 Seiten
Birgit von Eicken's Text Theodor Fontanes 'Frau Jenny Treibel'. Ein Roman in Gesprächen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Birgit von Eicken hat den Text Theodor Fontanes 'Frau Jenny Treibel'. Ein Roman in Gesprächen veröffentlicht
Birgit von Eicken hat einen neuen Text hochgeladen
Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Textausgabe. Gymnasiale Oberstufe
Oder "Wo sich Herz zum Herzen ...
Stefan Volk
0 Kommentare